HOME 



 Wer wir sind 




 Unser Haus 




 Programm 




 Kontakt 



 Bilder 



Presse 



AKTUELL 



Geschichte 



+ + + Hier Berichte von letzten aktuellen Ereignissen im Sommersemester 2005 + + +

 

 

 

Sommersemester 2005

 

 

 

 

 

 

 

WJT 2005 - The never ending story ...

Fröhliche Dankeschönfeier für WJT-Helfer auf dem Ruhranen-Haus

 

ESSEN-BORBECK. Gut 60 Gäste aus den Katholischen Pfarrgemeinden St. Dionysius und St. Immakulata in Essen-Borbeck schwelgten am 9. November 2005 in Erinnerungen an ein wirkliches Ereignis dieses Sommers: Der XX. Weltjugendtag stand ganz im Mittelpunkt des Abends, zu dem die Aktiven der UNITAS Ruhrania auf das Feldschlösschen eingeladen hatten.

 

Für die im Gesellschaftszimmer versammelten Gäste war es eine weitere Begegnung mit vielen unvergesslichen Eindrücken, die der Weltjugendtag in der Gemeinde hinterlassen hatte. Helfer aus den Pfarreien, Gruppen und Vereinen ließen viele Begegnungen auch bildlich an sich vorüberziehen: Viele Hundert Fotos, mit dem Beamer an die Wand geworfen, zeigten, dass sich WJT-Gäste in Borbeck wohlfühlten und erinnerten an die vielen Vorbereitungen die in Borbeck dafür getroffen worden waren.

 

Als "Geschenk der besonderen Art" und Ergänzung zu den optischen Eindrücken überreichten die UNITAS-Studenten den auf dem Haus versammelten Gästen auch eine akustische Überraschung: Eine rund 12 Minuten lange Collage fasste Worte von Papst Benedikt XVI., Ruhrbischof Felix Genn, Lieder und Statements von Gästen und Organisatoren zu einem kurzweiligen Stück zusammen, das als CD den Verantwortlichen überreicht wurde.
(Bilder links: Eindrücke vom WJT - Reminiszenz an schöne Tage in Borbeck)

 

 

 

 

"Pater unitatis Assindiae"

Bbr. StD Martin Gewiese 70 Jahre


ESSEN. Der Vorsitzende des UNITAS-Zirkels Essen, Bbr. StD Martin Gewiese, vollendete am 16. September 2005 sein 70. Lebensjahr. Das Fest im Kreis der unitarischen Familie begann mit einer Messe in der Pfarrkirche St. Dionysius, die UNITAS Ruhrania zugleich als Semesterantrittsmesse feierte. Zum Umtrunk, gemeinsamen Essen und Kaffeetrinken wurde anschließend auf das Ruhranen-Haus in Borbeck eingeladen. Zahlreiche Gäste erlebten einen sonnigen Tag, dem Bbr. Gewiese grundsätzliche Überlegungen zum Begriff der „Virtus“ voranstellte. Die Ruhr-Aktivitas bedankte sich für sein jahrelanges Engagement im Dienst der unitarischen Sache mit einem Ehrenschieber und einer Collage aus Postkartenmotiven seiner Urkorporation, der Kölner UNITAS Rheinmark.

 

Bbr. Martin Gewiese stammt aus Düsseldorf, wo sein Großvater und Vater als Baumeister tätig waren. Eindrückliche Bilder vom Kriegsgeschehen und heftige Bombenangriffe prägen seine ersten Erinnerungen. Während der Vater zunächst zum Bunkerbau in der Eifel, dann an der Front in Frankreich und als Hauptmann einer Pionier-Kompanie an der Ostfront und im Kaukasus eingesetzt war, sorgte die Mutter für Sohn und Tochter. Mehrfach und 1944 völlig ausgebrannt, erlebten sie das Kriegsende in Gernrode/Harz. Mit tiefer Dankbarkeit erlebten Mutter und Kinder, dass der Vater schon im Herbst 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen wurde. Zurück in Düsseldorf, lebte die Familie bis 1953 in einer Baracke. Mit 15 Jahren begann Martin eine intensive Beschäftigung mit der Musik, die nach dem Abitur am Jakobi-Gymnasium/Rethel-Schule 1956 in das Schulmusikstudium an der Musikhochschule Köln mündete. Zusätzlich studierte Bbr. Gewiese Germanistik, später Latein an der Universität Köln. Nach dem Staatsexamen in Musik 1960 war er zwei Jahre als Geiger im Gürzenich-Orchester der Stadt Köln tätig, 1962/63 folgten das Philosophikum und Lateinexamen.

 

1957 war der 22-jährige Fahrstudent auf Empfehlung eines seiner privaten Musiklehrer in die UNITAS-Rheinmark eingetreten und hatte während seiner Referendarzeit mehrmals die Charge des Conseniors übernommen. 1963 wurde er philistriert und hielt den Kontakt zur Rheinmark, solange sie noch bestand. Nach Referendarzeit in Solingen und Essen wurde Martin Gewiese 1965 Lehrer an der Marienschule Essen-Werden (Töchter vom Heiligen Kreuz) mit den Fächern Musik und Latein, in den 70er Jahren kam auch Mathematik hinzu. Er übernahm verschiedene Verwaltungstätigkeiten, war ab 1975 Oberstufenkoordinator, nach wenigen Jahren Oberstudienrat und Studiendirektor. Mit seiner Frau Brigitte, die er 1958 an der Musikhochschule kennen lernte und 1963 heiratete, hat Martin Gewiese zwei erwachsene Töchter. Seine Frau war mit den Fächern Musik und Geographie wie er an der Marienschule tätig.

 

Seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 ist Bbr. Gewiese nicht nur regelmäßig beim Essener UNITAS-Zirkel dabei, sondern übernahm als Nachfolger von Bbr. Dr. Richard Wessendorf auch dessen Vorsitz. Immer wieder sorgt er für intensive Kommunikation und setzt inhaltliche Schwerpunkte im Leben des Zirkels, den er oft bei Verbandsveranstaltungen vertritt. Bereits einige Male ließ er sich dabei gerne bei Messen oder Kneipen sogar an Orgel und Klavier in die Pflicht nehmen. Als verlässlicher Ansprechpartner der UNITAS Ruhrania ist er ein Aktivposten beim Aufbau der Korporation und des UNITAS-Zentrums an der Ruhr. Sie schätzen ihn – wie die ganze Essener UNITAS-Familie - als unitarischen „Anchorman“ und „pater unitatis Assindiae“. Gratulor!

CB


 



Neues aus Essen

„Der WJT war voll ok“, meldet UNITAS Ruhrania

 

„JUBILÄUM / Ohne Degen die Welt verändern. In Borbeck wird Studenten-Tradtion lebendig: Die „Unitas“ kehrt mit einem Haus an ihre Geburtswiege zurück. Das hätte Hermann Ludger Potthoff sich nicht träumen lassen, als er 1847 aus Werden nach Bonn aufbrach ....“ – so titelte die Neue Ruhrzeitung (NRZ) bereits passend zum 150. Verbandsjubiläum im Mai. Der große, halbseitige Artikel in der renommierten Zeitung erinnerte mit einem historischen und einem aktuellen Foto daran, dass die UNITAS-Gründergeneration aus dem späteren Ruhrgebiet kam. Und zeigte, dass die Ruhranen in dem neuen Borbecker Haus ein kreuzfideles Leben entwickelt haben ...

 

Mehr als 150 Jahre nach der Gründung des Verbandes hängt des Urahn Potthoff großes Porträt im Gesellschaftszimmer der Borbecker Gaststätte „Feldschlösschen“. Und auch sonst haben sich die Ruhr-Aktiven ganz gut eingerichtet. Was erst gar nicht geplant war: Denn längst sollten schon Vorschlaghämmer durchs Haus dröhnen. Wäre da nicht „ganz unerwartet“ der XX. Weltjugendtag „ausgebrochen“.

 

Schon vor dem Sommersemester stand die Planung für intensive Tage im westlichsten Stadtbezirk von Essen. Statt im sanierungsbedürftigen Gemäuer abzureißen, bettelten die Aktiven überall erst einmal vor den „Tagen der Begegnung“ nicht nur Getränke und anderes Nützliches zusammen, sondern fuhren auch beim Baumarkt vor. Und kehrten zurück mit ordentlichem Teppichboden – weil der Ruhrpott sich in Sachen Gastfreundschaft nicht lumpen lässt, zahlten sie keinen Cent. Der Biergarten wurde „blatt- und staubfrei“ gemeldet, das ganze Haus auf Vordermann gebracht. Denn schließlich erwartete man Gäste: Nicht nur 12 Pilger aus Gleiwitz und Zabrze/Hindenburg in Oberschlesien, die im Obergeschoss ein perfektes Lager bezogen, sondern die gesamten Pfarrgemeinden St. Dionysius und St.Maria Immakulata mit allen 81 WJT-Gäste aus Polen, Nazareth und Ungarn. Zwei große Zelte im Biergarten, Schirme und Beleuchtung, ein großer Bierwagen, Musikanlage, ein Riesenbüffet und mehr sorgten beim offiziellen Begrüßungsabend am 11. August für tolle Stimmung. Tat man sich beim WJT-Song, dem ersten „Venimus adorare“ zur Gi tarre noch schwer, so stimmten bald schon die gesamten Messdiener, Pfadfinder, Jung-Unionisten, Kolpingbrüder und Ehrengardisten samt Pfarrer und Vikar in den Gesang ein.

 

Keine Frage, dass auch in den nächsten Tagen bis zur Abschlussfète das Ruhranen-Haus der feste Treffpunkt für viele der Gäste und Gastgeber war. Immer standen die Bundesbrüder zur Verfügung, frisch gewandet in einheitlichen blauen Poloshirts und sofort an Schriftzug und Zirkel erkennbar. Viele gemeinsame Erlebnisse, die Messen, unzählige Gespräche und Begegnungen bis zum Abschied am 15. August haben unvergessliche Tage geprägt. Die eigenen Gäste trugen stolz das UNITAS-Zeichen auf eigens angefertigten T-Shirts (s. Bild) und ein paar Tränen wurden durchaus verdrückt, als es für sie auf nach Köln ging. Mit einer fünfköpfigen Abordnung folgten die Ruhranen an den Rhein, eine eigene Fahne im Gepäck. Auch sie hatten bei ihrer Heimkehr viel zu erzählen.


 

Für die UNITAS Ruhrania waren die Tage so etwas wie eine Initialzündung. Wer im Umkreis bislang glaubte, dass sich ein Verein mit eigener Gaststätte zumeist auch darin aufhält, gewann einen neuen Eindruck. Interessierte Fragen nach Sinn und Zweck einer unitarischen Gemeinschaft kamen nicht nur aus der Pfarrgemeinde, ihren Gruppen oder aus der Nachbarschaft, sondern auch etwa von Vertretern der Bezirksvertretung. Die geistlichen Begleiter der polnischen Gäste fragten nach, wenn es um „Unitaria“ ging – Adressen wurden ausgetauscht, ein lettischer Priester war überzeugt: „UNITAS ist auch etwas für uns.“ Und man bleibt im Gespräch: Ob zum Zapfen beim Pfarrfest angesprochen - selbstverständlich trat die Mannschaft in gut erkennbarer Montur auf – oder bis hin zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Andreas Schmidt (CDU), der sich interessiert das Haus zeigen ließ. Auch das „Nachtreffen“ zu den Borbecker WJT-Tagen soll ganz offiziell wieder in der Flurstraße stattfinden.

 

Durch die in der Gemeinde geerdeten Beziehungen zieht die unitarische Idee im Ruhrpott weiter Kreise. Der schönste Erfolg: Zum 17. September konnten bei einer feierlichen Kneipe drei neue Bundesbrüder in die Ruhrania rezipiert werden. Studenten der Theologie, Geschichte, Ostasienkunde sowie ein Schüler mit perfektem Fuxensemester komplettieren nun die Gemeinschaft. Sie will unter Senior Sebastian Sasse zum Winter ein ambitioniertes Semesterprogramm vorlegen. Denn die von den UNITAS-Zirkeln im Umkreis unterstützten Unitarier bekommen gute Konkurrenz: Mit der KDStV Nordmark im CV wird sich jetzt ein weiterer Verein in Borbeck ansiedeln – gut fürs Profil. Und gute Nachbarschaft ist fest versprochen.

 

Bei der UNITAS im Revier wird sich zwar nun die Eröffnung des renovierten Gebäudes und der dann verpachteten Kneipe inklusive Biergarten verzögern. Das Ziel jedoch bleibt fest im Blick. „Platz zum Wohnen ist dann im Haus für neun Studenten“, schrieb NRZ-Mitarbeiter Michael Kreuzfelder vor einem halben Jahr, „bislang teilen sich nur drei von insgesamt sieben aktiven „Ruhraniern“ Haus und Kneipe. Ob´s noch mehr werden? Glaubt man dem Jubiläums-Motto, haben sie gute Karten. Das lautet: Ohne Herkunft keine Zukunft.“ Dort, wo die UNITAS herkommt, scheinen die Weichen für die Zukunft inzwischen gestellt.

CB  

 

 

 

Priesterweihe für unseren Bundesbruder Fr. Benedikt Kisters

 

WÜRZBURG/RUHRGEBIET. Frater Benedikt Kisters hat am Sonntag, 26. Juni 2005, durch Handauflegung von Bbr. Bischof Dr. Reinhard Marx (Trier) in Würzburg die Priesterweihe empfangen. Zum festlichen Ereignis waren zahlreiche Priester und Brüder der Ordensgemeinschaft der Redemptoristen aus den deutschen, der Flämischen, Schweizer und

 

In seiner Predigt in der bis auf den letzten Platz gefüllten Klosterkirche St. Alfons ermunterte der Trierer Bischof Dr. Marx zu einem frohen Glaubenszeugnis für Christus in der Welt. Die Kirche brauche das Lebenszeugnis geistlicher Berufungen: „Jeder hat diese Berufung, jeder Gläubige. Und die Welt braucht sie.“ Jesu Nachfolge brauche sichtbare Entschiedenheit – in jeder Beziehung. Der Ruf unter das Kreuz sei ein Ruf zum Zeugnis für das Leben, das in der Messe gefeiert werde. Getauft auf den Tod Jesu Christi seien Christen mit ihm zur Auferstehung gerufen. Ihre sichtbare Feier in der Liturgie müsse einen festen Platz in jedem Christenleben haben: „Wir müssen uns darin einüben, müssen uns immer wieder neu darüber freuen, dass wir zu diesem Fest am Altar und Tisch des Herrn eingeladen sind!“

 

Pater Benedikt nahm nach dem gemeinsamen Mittagessen auf dem Klosterplatz in seiner Ansprache bei der Dankandacht darauf Bezug: Freundliche Begegnung, Gastfreundschaft und fröhliches miteinander Feiern seien Ausdruck dessen, was in der Liturgie gemeinsam gefeiert werde. Herzlich dankte er allen, die ihn auf seinem Weg zum Priestertum begleiteten. Er stehe nun mit großer Freude am Altar und im Dienst an den Menschen.

 

P. Benedikt, 1975 in Bochum geboren, begann 1995 nach seinem Zivildienst ein Lehramtsstudium an der Ruhr-Universität, ging 1998 in die Ausbildungskommunität des Ordens nach Würzburg und begann sein Theologiestudium. Nach zweijähriger Kandidatur war er im Jahr 2000 zum Noviziat in Forchheim (Oberfranken) zugelassen worden. Zuvor absolvierte er ein dreimonatiges Auslandspraktikum in der amerikanischen Ordensprovinz, in der „volunteering community“ des Sarnelli Houses in Philadelphia/USA, wo er mit Freiwilligen unter den Ärmsten lebte und arbeitete. 2001 legte er im Forchheimer Redemptoristenkloster St. Anton seine zeitliche Ordensprofess ab. Im Juli 2004 folgte die Ewige Profess in der St. Alfons-Kirche in Würzburg, am 23. Oktober 2004 war der Angehörige der Kölner Ordensprovinz von Weihbischof Renz (Rottenburg-Stuttgart) in Ellwangen zum Diakon geweiht worden. Derzeit ist Benedikt in der Pfarreiengemeinschaft Altenmünster–Violau bei Augsburg tätig. 

 

 

 

Bild oben: Fröhliche Begegnung im Kreis der Bundesbrüder aus dem Ruhrgebiet: Bbr. Bischof Reinhard Marx nach der festlichen Messe in St. Alfons, Würzburg. Unten: P.Benedikt mit Pater Römelt (l.) und Bischof Reinhard am Altar.

 

 

 

Den Weg zur Priesterweihe bezeichnete Pater Kisters nach einem „emotionsgeladenen Tag“ in einem Interview für die NRW-Lokalradios als konsequente Entscheidung. „Es ist eine Entscheidung, die trägt.“ Die vor gut 270 Jahren gestellten Aufforderung des Ordensgründers Alfons von Liguori zu einer missionarischen Seelsorge sei eine Antwort auch für unsere Zeit. Es gehe um selbstbewusstes Eintreten für Jesus Christus und den Glauben, so Pater Benedikt: „Er gibt uns Kraft und ein Lebensmodell, das wir anzubieten haben.“ Der Weg zum Priester und das Leben eines gläubigen Christen müsse „das große Plus vor der Klammer“ deutlich machen, meint der ehemalige Mathematikstudent, „das Mehr, was Gott einem gibt.“ Zuversicht gebe ihm auch das internationale Wachsen des Ordens – viele Berufungen in Asien und Südamerika glichen das „Weniger“ in Europa deutlich aus. Auch die internationalen Erfahrungen in den USA hätten ihm klar gemacht, wie wichtig es sei, als Christ „ganz selbstverständlich über Gott zu sprechen.“ Ob er gelassen vor einem „spannenden Leben“ stehe? Ja – sagt er unumwunden. Er freue sich auf die Herausforderungen: „Ich merke, ich kann mich da voll drin aufgehen lassen. Und das ist schon mein Ding.“

 

Für seine Bundesbrüder, die nun wiederholt die Gastfreundschaft seines Ordens in Würzburg genossen, war es ein großartiges Erlebnis. Eine große Freude ist seine Entscheidung für das Ordensleben und seine Priesterweihe nicht zuletzt auch für seinen ehemaligen Heimatpfarrer Bbr. Alfons Riesener (UNITAS Ruhrania), bei dem er als Ministrant diente und der nun in Billerbeck im Bistum Münster tätig ist. Auch bei der Primiz, seiner ersten Messe in seiner Heimatpfarrei Liebfrauen in Bochum-Linden, werden sie ihn zum Altar begleiten.

CB

 

Hinweis: Die „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“ (C.Ss.R. / Gesellschaft des Heiligsten Erlösers) wurde 1732 durch Alfons von Liguori (1696-1787) in Italien gegründet. Ziel des Ordens ist es, Menschen im Glauben zu begleiten und dabei insbesondere auch Menschen am Rande die befreiende christliche Botschaft nahe zu bringen. Traditionelles Einsatzgebiet der religiösen Gemeinschaft von Ordenspriestern und -brüdern ist die Gemeindemission mit 14-tägigen Predigtmissionen über den Glauben, liturgische Feiern, Gesprächskreise und Einzelgespräche. Sie bieten Exerzitien und Besinnungstage an, arbeiten seit mehreren Jahren in der Notfallseelsorge in Brennpunkt- und Krisensituationen, in der Telefonseelsorge und intensiver Beicht- und Gesprächsseelsorge, in Presse und Hörfunk. Breites Feld nimmt die Jugendarbeit ein, so in der eigenen Schule in Bonn (Gymnasium und Realschule) und deren Schulseelsorge. Das Projekt Jugend-Kloster in Bottrop-Kirchhellen lädt als Treffpunkt für Jugendliche zum Mitleben und Mitarbeiten ein. Zum Projekt Jugend-Kloster gehört die Jugendsozialarbeit (Streetwork) in Wulfen-Barkenberg. Die Kongregation zählt 5600 Mitglieder in 80 Ländern weltweit, davon etwa 200 in den beiden deutschen Provinzen Köln und München. Zur Kölner Provinz gehören Kommunitäten in Bochum, Bonn, Bous, Heiligenstadt, Hennef (Sieg), Kirchhellen, Köln, Salzgitter und Trier. Priesteramtskandidaten leben in der Ausbildungskommunität, das Studium erfolgt an der Universität Würzburg. Kontakt: Wer die Redemptoristen näher kennenlernen will, kann sich auch an das Provinzialat der Redemptoristen wenden: Holsteinstr. 1, 51065 Köln, Tel.: 0221 / 96 297 11, Fax: 0221 / 62 27 90. Internet: www.redemptoristen.de/koeln/.

Die Redemptoristen haben für Interessierte eine ganze Reihe „Kennenlernangebote“. Vom Mitleben im „Jugend-Kloster“ in Bottrop-Kirchhellen (kann als Zivildienst, Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Jahrespraktikum gestaltet werden) über Auslandsaufenthalte als FSJ in Philadelphia/USA, Lima/Peru, oder Belfast/Irland bis zu Begegnungswochenende in Würzburg oder an anderen Orten. Infos und Anfragen an: P. Benedikt Kisters, Email: benedikt.kisters@redemptoristen.de.


Nach der Messe vor dem Hochaltar der Katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus in Essen-Stoppenberg: Sebastian Sasse (2.v.r.) mit den Firmpaten OStR Martin Gewiese vom Essener UNITAS-Zirkel, Ehrensenior Dr. Christof Beckmann, dem Geistlichen Beirat Kaplan Helmut Wiechmann und UNITAS-Verbandsgeschäfstührer Dieter Krüll (v.l.). Im Hintergrund die Abordnung von UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund und UNITAS Rheinfranken Düsseldorf.

 


Essen: Feierliche Aufnahme in die Kirche


RUHRGEBIET. Überall strahlende Gesichter am Pfingstmontag in Essen: Wochenlang hatten sich die Aktiven auf diesen Tag gefreut – vor allem mitgefreut. Denn ihr Bbr. Sebastian Sasse, derzeit als Kardinal-Bertram-Stipendiat mit seiner Promotion in Geschichte beschäftigt, wurde in einem feierlichen Hochamt in die Katholische Kirche aufgenommen. Mit Genehmigung von Ruhrbischof Felix Genn spendete der Geistliche Beirat Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann als Hauptzelebrant der Messe in St. Nikolaus Essen-Stoppenberg das Sakrament der Firmung, der sich nach der Eucharistie die erste Heilige Kommunion anschloss.

 

Begleitet von seiner Mutter und Freundin Saskia erlebte Sebastian diesen Tagen ganz bewusst im Kreise seiner Ruhrania: Firmpaten waren der Altherrenzirkelvorsitzende Martin Gewiese und sein Leibbursche Dr. Christof Beckmann. Das durch UNITAS Rheinfranken aus Düsseldorf verstärkte Chargenteam, Ministranten aus beiden Vereinen und von der Beckmann-Familie waren am Altar ganz nahe dabei. Eine besondere Überraschung war die Anwesenheit von Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll, der eigens mit seiner Tochter aus Kaarst angereist war und zu den ersten Gratulanten gehörte. Eine prachtvolle, von Bbr. Wiechmann noch in der Nacht gefertigte Kommunionkerze, Rosenkranz, Medaillen und Gebetbuch wurden im Anschluss an die Messe auf dem Altar gesegnet.

 

Zur anschließenden Feier auf dem neuen UNITAS-Haus in Essen-Borbeck hatten die Aktiven an den Tagen zuvor alle Räume geschrubbt, das Haus über alle Toppen geflaggt, ein gutes Dutzend blau-weiß-gelbe Fronleichnamsfahnen organisiert und damit den Biergarten geschmückt. Durch geschickter Logistik kam mit dem von Bbr. Helmut Wiechmann gemachten Salzbraten, gespendeten Beilagen und vorbereitetem Kuchenbüfett ein ausgezeichnetes Essen zusammen, zu dem sich rund zwei Dutzend Gäste und Unitarier, Aktive und Alte Herren des AHZ Essen im Gesellschaftsraum versammelten. Unter sachkundiger Leitung führte am Nachmittag ein Spaziergang bei herrlichem Sonnenschein in den benachbarten Park von Schloss Borbeck, während fleißige Hände das große Finale vorbereiteten.

 

Denn nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken wurden bei einer launigen und doch ernsthaften Kneipe am Abend nicht nur manche Geschenke mit vielen guten Worten und Ansprachen überreicht. Das Präsidium unter Leitung von FM Rüdiger Duckheim machte endlich auch kurzen Prozess, denn nun stand der auf einem Stehconvent beschlossenen Zulassung zur feierlichen Burschung nichts mehr im Wege. Mit Eid auf die Ludgerus-Fahne versprach Sebastian, der seit mehr als drei Jahren in der Unitas aktiv ist, treu zu den Prinzipien zu stehen und seine lebenslange Freundschaft. Dem feierlichen Zipfeltausch mit Vatikanfarben folgte ein Offiz, an das noch mancher zurückdenken wird. Doch nicht der Abschluss dieses Festes allein wird allen in Erinnerung bleiben – es war zweifellos ein Höhepunkt in vielen Ruhranen-Semestern, der die Teilnehmer ganz erfüllt, berührt und sehr dankbar gemacht hat.

CB


Überraschung: Sebastian freut sich über den Besuch von Verbandgeschäftsführer Dieter Krüll aus Kaarst (l.). Rechts: StD a.D,. Martin Gewiese, Vorsitzender des Essener UNITAS-Zirkels.

Nach der Messe: Das glückliche Hochzeitspaar auf der Heidelberger Schlosstreppe mit den Abordnungen von UNITAS Ruhrania aus Bochum-Essen-Dortmund und UNITAS Winfridia aus Münster.



Heidelberg: Hochzeit auf dem Schloss


HEIDELBERG/MÜNSTER/RUHRGEBIET. Bbr. Norbert Claas und seine Frau Kerstin haben am Samstag, 23. April 2005, in Heidelberg kirchlich geheiratet. Bundesbrüder der Winfridia aus Münster und der Ruhrania aus Bochum-Essen-Dortmund begleiteten das Brautpaar mit ihren Fahnen und Verbandsstandarte an den Altar der barocken Kapelle des romantischen Schlosses über dem Neckar. Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann, der der festlichen Eucharistiefeier vorstand, hatte mit Messdienern aus Essen-Stoppenberg den evangelischen Kirchenraum für die katholische Trauung hergerichtet. „Alle Zeit der Welt“ nahmen sich Hochzeiter und ihre Gäste an diesem besonderen Tag für die bewegende Messe, in der der Geistliche Beirat des Verbandes die Liebe in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte.

 

Bereits am Nachmittag waren die rund 90 Gäste dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm und seiner Stuart-Gemahlin Elisabeth bei einer speziellen Führung über die Schlosszinnen gefolgt. In ihren Renaissancekostümen nahm das Herrscherpaar mit auf eine Zeitreise in die großen Epochen der Pfalzgrafen, die einen ähnlich großartigen Ausblick auf das von ihnen mit dem in aller Welt bekannten Schloss gekrönten Tal genossen haben - Romantik pur an einem unvergesslichen Tag, der in der Schlosswirtschaft mit einem Festessen und Tanz ausklang.

 

Diplomkaufmann Norbert Claas, Jahrgang 1969, hatte 1990 als erster Fux zur rekonstituierten Ruhrania im Ruhrgebiet gefunden und war während seines Studiums in Münster bis 1997 bei UNITAS Winfridia aktiv. Der Bochumer ist für eine große Unternehmensberatung in Chicago/USA tätig, wohin ihm seine ebenfalls in der Branche tätige Frau jetzt gefolgt ist.

 



WORT DES GEISTLICHEN BEIRATS – 
BBR. KAPLAN HELMUT WIECHMANN

 

 

 

Liebe Bundesschwestern, liebe Bundesbrüder!

 

Wenn wir heute zu unserem Christ-Sein stehen wollen, dann müssen wir uns die Frage gefallen lassen: „Hat es heute noch Sinn zu glauben?“ Unsere glaubwürdige Antwort muss die Bereitschaft sein, jedem Menschen Rede und Antwort zu stehen über die Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3, 15) – sonst bliebe alles nur Phrase oder Fassade ....  

 

Überlegungen von Bbr. Helmut Wiechmann (UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund), 
Kaplan in Essen-Stoppenberg (St. Nikolaus/St.Anno):
 

 

Hat es einen Sinn, heute noch zu glauben? Diese Frage wird nicht nur von außen an uns gerichtet. Wir stellen sie uns selbst, wenn uns der Zustand der Kirche traurig macht:„Ist sie nicht überholt oder sogar reif zum Abbruch? Ist sie nicht eine dauernde Baustelle? Findet sie nie Vollendung?“ Selbst wenn wir bereit sind, für den Aufbau der Kirche zu arbeiten, verlässt uns nicht selten darüber der Atem, da wir daran zweifeln, ob der Glaube überhaupt trägt. Dann, wenn er uns noch tiefer berührt, wenn uns die Frage in unserer eigenen inneren Not trifft und unter die Haut geht. Wir leben in einer von verschiedenen Anschauungen und gegensätzlichen Ideologien geprägten Welt und vielfältige Erfahrungen, die der Motivation nicht unbedingt zuträglich sind: Trotz aller Bemühungen in der Erziehung und Ausbildung von Kindern oder in der Katechese praktizieren immer weniger Jugendliche und junge Familien ihren Glauben. Es scheinen sich nicht nur die Kirchenbänke, sondern auch Pfarrzentren und Bildungshäuser zu leeren. Die Zahl der Priester nimmt ab, Bistümer erwägen den Verkauf von Kirchen und aus kleineren Gemeinden große Zentren zu machen, damit die Priester in der Lage sind, überhaupt noch ihren pastoralen Dienst zu leisten. Viele in unserem Umfeld äußern, von Amtsträgern der Kirche enttäuscht zu sein, und kehren deshalb der Gemeinde den Rücken. Sie machen es an einem Menschen fest: „Wenn ich einen guten Priester fände, würde ich gern in die katholische Kirche gehen“, erklärte mir ein Andersgläubiger. Reicht es denn, einen einzigen Menschen zu betrachten? Muss ich nicht das Ganze sehen? Andere wiederum haben schwere Schicksalsschläge erlitten, sie sind versteinert, sie sind bitter geworden, enttäuscht. Und schließlich geistert noch immer das Gespenst herum, dass Glaube ja nicht Wissen sei und damit für ein sinnvolles Leben keine Grundlage bieten könne. Was aber ist nun Glauben? Es ist das Feststehen in dem, was man erhofft; das Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht! (Hebr 11,1).

 

Zeiten des Aufbruchs

 

Es gibt Phasen im Leben, in denen eine natürliche Disposition für Gottes Anruf besonders gegeben ist. In solchen Zeiten besitzt der Mensch eine besondere Hörfähigkeit, die Stimme Gottes zu erlauschen, und inneren Drang, Neuland unter den Pflug zu nehmen. So ist es sicher auch den Gründern der UNITAS ergangen – auch sie haben einen Aufbruch gewagt. Sie haben unseren Verband gegründet, um sich als katholische Christen den Menschen und Gott zu stellen. Das geht aber nur, wenn ich auch kirchlich bin. Wenn ich Gemeinschaft lebe, wenn ich Teil des betenden Gottesvolks bin. Sie waren Zeugen in dieser Welt für die andere Welt, die uns von Christus zugesagt ist. Die drei Prinzipien des UNITAS-Verbandes verdeutlichen dies.

 

Um „Virtus“ zu leben, muss ich als Unitarierin und Unitarier echt sein. Das heißt natürlich zunächst, als katholischer Christ menschliche Reife zu haben. Nun hat die nicht jeder 18-Jährige, aber auch nicht jeder 80-Jährige – das lehrt die Erfahrung. Die Aufgabe jedes Unitariers ist, dem jungen Menschen, der auf die UNITAS stößt, zu helfen, dass er reift und echt wird. Ein echter katholischer Christ! Echt sein, das bedeutet in der Beziehung eine Person sein, kein Aushängeschild, billige Fassade oder Phrase. Es bedeutet, dass jeder Mensch Zugang zu seinen Gefühlen hat! Ganz sicher bedeutet es, dass er sich gegenüber der anderen Person voll einbringt – auch mit seinem Glauben! Echtheit und Selbstkongruenz sind immer Merkmale der persönlichen Reife. Wenn ich mich nicht annehme, wie ich bin, wenn ich mein Fühlen und Erleben nicht akzeptiere und zur Kenntnis nehme, sondern verdränge, dann ich auch nicht annehmen was ich nicht greifen und begreifen kann – den Glauben.

 

Echtheit und Selbstkongruenz besagen volle Übereinstimmung des Äußeren mit dem Inneren. Im Gespräch mit einem Gegenüber bedeutet das nicht, dass ich mich offenbaren muss, wie das heute in Mode ist, sondern nur, dass alles was ich kundtue, wirklich meiner inneren Haltung entspricht. Das ist eine besondere Größe vieler Unitarier, die sich dem Leben und Gott stellen: Nämlich volle Übereinstimmung des Äußeren mit der inneren Haltung. Vieles ist in dieser Welt unglaubwürdig, weil so viele Menschen nicht durch innere Ausstrahlung überzeugend wirken. Sie wirken künstlich und aufgesetzt. Man glaubt ihnen nicht, weil sie nicht identisch sind mit dem, was sie sagen und dem, was sie sind. Der Unitarier ist nicht gefeit vor Anfechtungen, vor falschen Ideologien. Wer seinen Glauben verloren oder verlegt hat, darf nicht allein bleiben: Hier ist jeder Unitarier, jede Unitarierin aufgerufen, Suchen zu helfen. Um dies zu können, muss ich den anderen akzeptieren, als Individuum anerkennen, Hochachtung vor ihm als eigenständige Person haben. So wie es Jesus selbst gelebt hat.

 

Katholisch Glaubender sein heißt auch: Je mehr man seine Wertschätzung, seine anteilnehmende Einstellung lebt, um so mehr ist das der Ausdruck einer eigentlichen, tragfähigen Zuversicht und eines Vertrauens in die Fähigkeit des anderen Menschen. Ich traue dir etwas zu! Der gute Unitarier und die gute Unitarierin lebt die Nächstenliebe, lebt das Evangelium. Da gibt es die natürliche Liebe zum Nächsten aber auch die übernatürliche Liebe zu Gott. Je mehr aber ein Mensch an übernatürlicher Nächstenliebe hat, desto weniger kann eine Glaubenskrise – oder Glaubensneurose – überhaupt Fuß fassen. Leider erleben wir immer mehr Menschen, die solche Glaubenskrisen haben und alleine bleiben, sich verschließen, nicht mehr ansprechbar sind. Hier muss „reanimiert“ werden. Der Mensch, der im Glauben fest verankert ist, braucht keine Angst zu haben vor Entscheidungen, er muss ihnen nicht ausweichen aus Angst vor Fehlern. Er muss beschämende Erlebnisse nicht verdrängen aus Angst vor Blamage, Entdeckung. Der Glaubende, der fest verankert ist, kennt keine nagenden und zermürbenden Minderwertigkeitskomplexe, er gönnt dem anderen etwas, der Bundesschwester, dem Bundesbruder. Da hat jemand Erfolg im Leben, da klappt es - und ich kann mich mit ihm freuen. Der Glaube ist nicht zu vereinbaren mit unangemessener Geltungssucht und den aus ihr entstehenden Verklemmungen, die sich dann in Kraftmeierei oder selbstlobender Schönrederei Ausgleich schaffen.

 

Der Glaubende sucht nicht seinen Vorteil, leidet nicht an maßloser Egozentrik, an Genusssucht; Glaubende äußern nicht asoziales Verhalten, wenn die Erfüllung dieses Egoismus auf Grenzen stößt, wenn „man einem anderen nichts gönnt“. Der Glaubende trägt nichts Böses nach, er lässt sich nicht verbittern, wird nicht missmutig und aggressiv, er intrigiert nicht, er ist nicht nachtragend. Er kann verzeihen, er ist offen. Der Glaubende handelt nicht ungeschicklich; der Mensch der göttlichen Liebe ist kein Libidosklave und kein Instinktbündel, das sich gehen und treiben lässt. Der glaubende Unitarier kennt keine Neurosen aus Ungeduld und Intoleranz, ebenso wenig kennt er Neurosen aus Rechthaberei und Arroganz. Er verstrickt sich nicht in Neurosen aus Labilität und Unsicherheit. Er wird nie den Neurosen aus Verzweiflung und dem Gefühl des Ausgeliefertseins verfallen. Langmut, Güte, Geduld und Hoffnung sind kein Nährboden für Neurosen und erst recht nicht die Liebe, die ja die Größte unter Ihnen ist. Sie beweist sich bis in unser Prinzip der Scientia: Auch im Zeitalter der vermehrten und verbesserten wissenschaftlichen Tiefenschau ist die christliche Liebe oder der Glaube weder entthront noch minder wichtig geworden. Im Gegenteil: Die Wissenschaft, die ja ebenfalls einen Auftrag Gottes an die Menschen darstellt und der Heimholung der Welt zu Gott dienen soll, hat die Aufgabe zu zeigen, dass alles noch so gut gemeinte menschliche Bemühen Stückwerk bleibt und die Liebe zur Vervollkommnung des menschlichen Wirkens nicht entbehrt werden kann.

 

150 Jahre amicitia

 

Amicitia bedeutet, dass ich mein Gegenüber schätze – und hoch schätze. Ich achte die Person mit ihren Meinungen, ihren Gefühlen, ihrer Individualität. Je mehr man seine Wertschätzung, seine anteilnehmende Einstellung lebt, um so mehr ist dies Ausdruck tragfähiger Zuversicht und Vertrauens in die Fähigkeit des Menschen. Echte Anteilnahme ist eine Haltung, die Kreativität begünstigt, ein Klima, in dem sich vortastende neue Gedanken und produktive Prozesse empor kommen und wachsen können. Christliche Wertschätzung ist da, wo der Unitarier den Partner annimmt und an ihn glaubt, wo er ihn annimmt, wie er ist, mit all seinen Schwächen, Ängsten,Wünschen und Eigenheiten. Der Gegenüber ist frei, er selbst zu sein. Es bedeutet nicht, auf ein eigenes Urteil zu verzichten oder den anderen gar in unsozialen Verhaltensweisen zu bestärken. Unsere Antwort ist die Correctio fraterna! – aber in Liebe! Amicitia hat schlechthin mit Glauben zu tun, denn sie bedeutet: Ich traue dem anderen etwas zu. So ist sie sozusagen der rote Faden, der sich seit 150 Jahren durch den UNITAS-Verband zieht, eine Art Richtschnur des Glaubens, des Evangeliums.  

 

UNITAS heißt Nachfolge

 

Der UNITAS anzugehören, bedeutet Nachfolge. Jesus selbst sagt: „Wer mir dienen will, folge mir nach!“ (Joh 12,26). Nachfolgen bedeutet: Junge Menschen müssen in ihrer Familie, in ihrer Kirche, in ihren Gemeinden wieder neu die lebendige Gegenwart des Herrn erfahren. Ohne eine solche Grunderfahrung wird es nur in seltenen Fällen zu einem lebenslangen, ganzen Dienst für die Kirche und vor Gott kommen können. Wir wissen, dass der erste soziale Kreis aus Vater, Mutter und vielleicht Großeltern bereits durchbrochen ist. Viele Ehen sind zerstört, viele Kinder erleben Kirchlichkeit nur vielleicht noch im Kindergarten, in der Schule, vor der ersten heiligen Kommunion und der Firmung. Vielleicht ist der Mangel an solchen Vorbildern der Grund dafür, dass die Kirche sich in einer solchen Lage befindet. Sicher – es gibt auch heute noch viele gute katholische Christen, die sich dem Menschen und Gott stellen. Sie sind gute Vorbilder. Aber andere, falsche Vorbilder verdrängen sie, drängen sich in den Vordergrund. In der Glaubensvermittlung reicht nicht die Theorie, sondern wir brauchen Menschen, die von Gott sprechen und die Frohe Botschaft verkünden. Das muss nicht immer ein Priester oder ein Theologe oder eine Theologin sein – das kann jeder sein, ob Vater, Mutter, Bundesschwester oder Bundesbruder. Vorbilder sind lebendige Wesen, Menschen, die mit mir sprechen, die ich anfassen kann, die mir Mut machen. Ohne neuen Mut zum Vorbild werden junge Menschen nicht in Erfahrung bringen können, dass es sich lohnt, in der Kirche zu bleiben und für sie zu leben. Und die UNITAS hat viele solche Vorbilder – bis zur heutigen Zeit.

 

Das Anliegen der UNITAS ist, dem Glauben die Lebenswärme und Lebensnähe wiederzugeben; denn was Gott offenbart hat, ist nicht lebensfremd und jenseits unserer Bedürfnisse. Junge Menschen, Jugendliche, junge Männer und Frauen, sind auf der Suche. Sie suchen die Wahrheit. Sie machen sich auf den Weg – sie wagen einen Neuanfang. Nun findet in unserem Jubiläumsjahr 2005 ein weiteres großes Ereignis, ein Weltereignis statt: Der XX. Weltjugendtag. In unserem Land werden sich nun Hunderttausende junge Menschen treffen, um gemeinsam zu beten, gemeinsam diesen Weg zu wagen. Bei der letzten Generalversammlung in Hamburg habe ich alle Unitarierinnen und Unitarier eingeladen, am Weltjugendtag teilzunehmen. Auch für uns ist es eine besondere Freude, dass der heilige Vater Johannes Paul II. seinen Besuch angekündigt hat. Und es ist erstaunlich, wie sehr junge Menschen diesen Papst akzeptieren. Es ist nicht nur seine freundliche, seine Menschen zugewandte Art, die sie berührt. In vielen Gesprächen erfahre ich, dass sie ihn als echte Person schätzen, dass er ein Charisma hat. Sie glauben ihm, was er sagt. „Ein echter Papst, ein echter Christ“, sagte mir vor kurzem ein junger Mann.

 

Damit der Weltjugendtag, aber auch unser Jubiläum gelingen können, müssen wir als echte Christen auftreten. Und darauf achten, dass etwas bleibt – über den Tag hinaus. Mehr als die Erinnerung an schöne Gemeinschaft, sondern ein Auftanken für die Zukunft. Wir wollen von diesen Höhepunkten in diesem Jahr an unsere Arbeit vor Ort zurückkehren – aufgetankt mit dem Glauben der Kirche, mit der Freude, dass wir den Herrn in uns tragen. Ich glaube fest, dass auch heute Menschen sich gerne dem Volk Christi und uns anschließen, wenn sie vor allem eines spüren, dass unser Glaube nicht in erster Linie irgendein Wissensgebäude ist oder aus Events besteht, sondern dass unser Glaube Beziehung bedeutet – Beziehung mit dem Menschen, Beziehung mit Gott, Vertrautsein mit dem anderen, Vertrautsein mit dem Glauben, mit dem Evangelium der Frohen Botschaft unseres Herren Jesus Christus. Dass es vor allem heißt zu spüren, von Gott geliebt und berufen zu sein zu einem Leben in Fülle. Und so wünsche ich dem UNITAS-Verband zu seinem 150-jährigen Geburtstag Vivat mit Gott, Crescat vor Gott, Floriat in Gott. Und ein von Herzen kommendes „Glückauf!“ – in Gottes Namen.

 

 

Literatur:

Meier, Bertram: Mehr Glauben wagen, Augsburg 2001.

Grossimlinghaus, Hermann-Josef / Rößler, Klaus-Hermann (Hrsg.): Der Unitas-Verband, Mülheim an der Ruhr und Bonn, 1990.

Schwärmer, Josef: Das helfende Gespräch in der Seelsorge, 3. Auflage, Paderborn 1991.

Vogel, Gustav L.: Tiefenpsychologie und Nächstenliebe, Hornburg an der Lahn 1957.

Rogers, Carl R.: Therapeut und Klient, München 1977

Ratzinger, Josef / Lehmann, Karl: Mit der Kirche leben, Freiburg im Breisgau 1977.

 

Aus: unitas 1/2005