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zu den Meldungen aus dem Sommersemester 2006
Alltagstaugliches
Philosophieren bei Wissenschaftlicher Sitzung:
Die
Wahrheit und ihre Dimensionen
Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Philosophische Grundfragen, die
jede Kultur der Menschheitsgeschichte beschäftigen, standen im
Mittelpunkt der WS im "Feldschlösschen" am Donnerstag, 9.
Februar 2006. Mögen sich solche Fragen für den Praktiker und Tatmensch zunächst
als eher abgehobene und abstrakte, „akademische“ Probleme darstellen,
verwandelten sie sich im Vortrag von Referent Winfried Knobloch und
anschließender Debatte in sehr alltagsbezogene Themen.
Ganz
nach logischen Kriterien und Methoden zerlegte der Diplom-Mathematiker die
Dimensionen des Wahrheitsbegriffs, ohne etwa „letzte“ oder „ewige“
Wahrheiten gleich an den Anfang zu stellen: Wahrheit sei immer ein zuerst
sehr nach individuellen Aspekten, aus unterschiedlichen Gesichtspunkten
und Blickwinkeln wahrgenommener Ausschnitt der Wirklichkeit, eine in
kommunikativen Prozessen gewonnene, von sprachlichen und anderen
Konventionen, vielfältigen Bedingungen und Denken bestimmte, immer nur
ausschnitthafte Wahr-Nehmung und An-Erkenntnis von Plausibilität, die
bestimmte Sachverhalte für „wahr“ halten lässt.
Mehrdimensionale
Wahrheiten
Doch
bei mehr oder weniger einfachen Definitionen beließ es der Referent
nicht. Die Problematisierung und die Diskussion der alltagspraktischen
Seite des Themas zeigte: Das Nachdenken großer Denker und Philosophen
galt und gilt „fürwahr und in Wirklichkeit" keiner einfachen
Materie: Was die „Wirklichkeiten“ und „Wahrheiten“ in
unterschiedlichen Kulturen und einer von Politik und Medien bestimmten
Welt betrifft, ermunterte der Vortrag, noch stärker hinter für
„wahr“ oder „unwahr“ gehaltene Sachverhalte zu schauen, die
Wahrheiten in vielen unterschiedlichen Positionen zu erkennen. Es gelte,
insbesondere die Techniken, Bedingungen und Auswirkungen medialer
Vermittlung von Wirklichkeit, die Macht der Sprache und der Bilder
einzuordnen. Eine muntere Debatte
entspann sich mit Blick auf die „Wahrheit der Wissenschaften“, auf die
von vielfältigen Welt-Anschauungen und ideologischen Konzepten
geschaffene Realitäten,
auf die Wirkung von Literatur – vom Märchen bis zu Science Fiction, über
die Deutung der Geschichte, aber auch über die Vermittlung von
„unbequemen Wahrheiten“ in unterschiedlichen praktischen
Politikfeldern – von der Gesundheitspolitik bis zum Renteneintrittsalter
und aktuellen internationalen Krisensituationen. Nicht zuletzt galt die
Diskussion dem ganz besonderen Beitrag der Religionen mit ihren
Vorschriften, Geboten, liturgischen, kultischen und kulturellen Ausprägungen,
ihrer Perspektive auf eine „immer andere“ Wirklichkeit, für die
Erkenntnis der Welt.
Die
Wahrheit ist immer größer
Die
Wahrheit, so der Referent, sei schon angesichts der vielen Möglichkeiten
der Zugänge zuletzt immer „größer“ als Theorien und partielle
„Wahr-Nehmungen“ ihrer selbst. Doch verschaffe die Auseinandersetzung
mit dem Thema dem denkenden Menschen, „die Fülle der Wahrheit und
Wirklichkeit des Seins und unserer Existenz aufzufächern.“ Hierin liege
auch eine Ausdeutung des biblischen Gleichnisses von den Talenten, meinte
Winfried Knobloch. Es sei nach christlichem Verständnis vom Menschen
Impuls, Antrieb und Aufgabe, gegebene Fähigkeiten und erworbenen
Erkenntnisse nach besten Möglichkeiten zu vermehren und einzusetzen.
Die
Wissenschaftliche Sitzung unterstrich mit ihrer Themensetzung die
Grundausrichtung des laufenden Semesterprogramms. „Die Beschäftigung
mit diesen grundsätzlichen Fragestellungen bleibt Lebensaufgabe, nicht
alle Fragen lassen sich an einem Abend klären, alle Aspekte nennen und
vertiefen“, erklärte Senior Sebastian Sasse. Gerade aber die Plattform
eines Lebenskreises, der wie die UNITAS auch mehrere Generationen mit
ihren unterschiedlichen Erfahrungen übergreife, sei durchaus für die Annäherung
einer erfüllten Existenz wie geschaffen: „Jeder Tag ist für dieses
Thema wie gemacht. Und es bleibt eine Debatte, die wir weiter fortsetzen müssen“,
dankte er dem Referenten für eine konzentrierte und anregende Darstellung
und der Runde für einen engagierten Meinungsaustausch. Für die
weitergehende Diskussion nutzten die Teilnehmer gleich die erstbeste
Gelegenheit - und setzten den Impuls anschließend gleich in die Tat um
....
CB
AKTUELL
+++ EINLADUNG:
"Die Dimension des Wahrheitsbegriffs"
Thema
der Wissenschaftlichen Sitzung am Donnerstag, 9. Februar
„In vino veritas“, meinten Alkaios und Plutarch.
Von „nuda veritas“, der „nackten Wahrheit“, spricht Horaz in seinen Oden.
„Amicus Plato, sed magis amica veritas“, lesen wir im Don Quijote von Cervantes.
„Was ist Wahrheit?“, fragt Pilatus.
„Zwischen uns sei Wahrheit!“, fordert Orest von Goethes Iphigenie.
„Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, rauscht der Wahrheit tief versteckter Bronnen“, erklärt Schiller.
„Wer die Wahrheit kennet und spricht sie nicht, der bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht!“, singt das Studentenlied „Stoßt an! Eisenach lebe“
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, sagt Jesus.
„Eins plus eins ist zwei“, behauptet der Mathematiker ......
...... WAHRHEIT?
Was das sein könnte, worum es geht, wenn wir von ihr sprechen, beleuchtet
am Donnerstag, 9. Februar 2006, eine Wissenschaftliche Sitzung auf dem „Feldschlösschen“.
Der Vortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 20 Uhr, der Referent ist Dipl. Math. Winfried
Knobloch (Bild links).
Vormerken und kommen - Herzliche Einladung!
In unitate!
_________________________________
W.K.St.V. UNITAS Ruhrania
"Feldschlösschen", Flurstr. 67, 45355 Essen
E-Mail: ruhrania@unitas.org,
Aktuelle Berichte, Bilder und Programm
auf der Homepage www.unitas-ruhrania.org
+
Bbr. Karl-Adolf Loskant
MÜNSTER/RUHRGEBIET. Der Altherrenzirkel der UNITAS in Münster und die
UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund trauern um Bbr. Karl-Adolf Loskant,
der am 1. Februar 2006, drei Tage nach seinem 78. Geburtstag, gestorben
ist..
Der gebürtige Stettiner begann am 1. April 1967 seine Tätigkeit im
Vorstand des Landwirtschaftlichen Versicherungsvereins Münster – LVM.
1974 übernahm er dessen Vorsitz. Karl-Adolf Loskant sah sich nie als
Manager, sondern immer als Weichensteller eines Versicherungsunternehmens.
Als er 1992 in den Ruhestand ging, hatte sich der LVM unter seiner Führung
zu einem wachstumsstarken Unternehmen entwickelt. Loskant war ein guter
Nachdenker, ein wacher Mitdenker, ein mutiger Vordenker. Für sein vielfältiges,
weit über seine beruflichen Tätigkeiten hinausgehendes ehrenamtliches
Engagement in Münster wurde ihm das Bundesverdienstkreuz und die
Paulusplakette des Bistums Münster verliehen.
Bbr.
Loskant war aber auch ein Unitarier aus Überzeugung, aus dem christlichen
Glauben heraus. Er hat sich mit großem Engagement und mit viel Energie für
die UNITAS eingesetzt. Unermüdlich hat er in den schweren
Nachkriegsjahren das Wiedererstarken der UNITAS in Münster und der UNITAS
Ruhrania vorangetrieben, der er sich 1948 angeschlossen hatte. Dem
Altherrenzirkel der UNITAS in Münster, der UNITAS Ruhrania und dem
UNITAS-Verband ist Karl-Adolf Loskant stets treu verbunden gewesen und hat
die Veranstaltungen und Runden durch dem ihm eigenen Humor und
Unterhaltungswert bereichert.
"Bbr.
Karl-Adolf Loskant ist von uns gegangen und hat eine große Lücke
hinterlassen – wir haben einen großen Unitarier verloren der sich um
die UNITAS in Münster verdient gemacht hat. Viele Bundesbrüder haben
nicht nur einen Bundesbruder verloren sondern einen wahren Freund, der aus
ihrer Mitte gerufen wurde. Er wird in unser aller Erinnerung bleiben",
unterstreicht
Bbr. Hendrik Koors, der Vorsitzende des UNITAS-Zirkels Münster, in der
Würdigung, die in der nächsten Ausgabe der Verbandszeitschrift
erscheinen wird. Mit einer Ansprache am Grab haben er und drei
Vertreter der UNITAS Winfridia sowie eine große Zahl von Bundesbrüdern
des Münsteraner Zirkels am Donnerstag, 9. Februar, von unserem Bbr.
Karl-Adolf Loskant Abschied genommen.
Christsein in der
Politik
Andreas Schmidt MdB sprach beim 95.
Stiftungsfest
der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
BORBECK.
Besondere Grüße kamen zum großen Fest
von Ruhrbischof Dr. Felix Genn (s.
Grußbotschaft) und von Essens Oberbürgermeister Dr. Wolfgang
Reiniger (Gruß der Stadt s.u.): Über 60 Studenten der UNITAS Ruhrania,
Ehemalige aus vielen Städten des Ruhrgebiets und Gäste von befreundeten
Verbindungen aus Essen, Münster und Bonn feierten am Samstag, 28. Januar,
im „Feldschlösschen“ das 95. Stiftungsfest in fröhlicher
Runde.
Bereits
am Nachmittag hatten sich die Ruhranen zu Gremiensitzung im UNITAS-Heim an
der Borbecker Flurstraße versammelt, um Beschlüsse zur Zukunft des
Traditionshauses zu fassen. Nach der zum Vereinsfest Thomas von Aquin von
Pfarrer Dr. Jürgen Cleve gefeierten Messe in St. Maria Immaculata sprach
der für den Wahlkreis Mülheim/Essen im Deutschen Bundestag tätige
Abgeordnete Andreas Schmidt am Abend bei dem von Senior Sebastian Sasse
geleiteten Festkommers über christliche Grundwerte in der Politik.
Bild
oben rechts: Festredner
beim 95. Stiftungsfest der Unitas Ruhrania, Andreas Schmidt MdB, umrahmt
von Mitgliedern des Studentenverbandes: (v.l.) Martin Knobloch, Senior
Sebastian Sasse, Almut
Belgardt, Vorortspräsidentin
Elisabeth Fels (Bonn), Altherrenvereinsvorsitzender OStD Jörg Lahme,
Ehrensenior Dr. Christof Beckmann, Kristin Kretschmann, UNITAS-Zirkelvorsitzender Martin Gewiese (Essen), Consenior Roderich
Oberstehöhfeld
In „dreifacher Verbundenheit“ gratulierte Pfarrer Dr. Jürgen Cleve im
Rahmen der am Abend gefeierten Messe herzlich zum runden Jubiläum: Als
Mitchrist, Gemeindepfarrer von St.Dionysius/St.Immakulata und Mitglied des
Altherrenvorstands der Katholischen Essener Verbindung Assindia erhoffe er
sich eine Stärkung des überpfarrlichen studentischen Engagements in
Borbeck. Er wünsche sich, dass die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden
wachse und auch in einer für das Bistum Essen besonderen Zeit gute Früchte
trage, so der Diözesanrichter. Die jüngst veröffentlichte Enzylika von
Papst Benedikt XVI. sei auch für die Prinzipien der UNITAS eine wichtige
Wegmarke: Die im päpstlichen Lehrschreiben herausgestellte Caritas sei
ein Grundprinzip für ein gelingendes Zusammenleben – auch im
verbindungsstudentischen Alltag, erklärte Dr. Cleve und wünschte dem
Fest ein gutes Gelingen.
Schwungvoller
Kommers in packevollem Saal
  
Der nach
der Messe auf dem Haus der Ruhrania von Senior Sebastian Sasse
schwungvoll, mit Humor und Tiefgang in freier Rede geschlagene Festkommers
sah einen bis zum allerletzten Platz gefüllten Gesellschaftsraum. Der
Kommerspräside begrüßte vier Vertreter der UNITAS Winfridia aus Münster,
angeführt vom designierten Senior Dirk Sandbrink, Vertreter von UNITAS
Stolzenfels Bonn, UNITAS tom-Kyle in Kiel, UNITAS Rolandia in Münster,
aber auch von Frisia Breslau zu Essen in SB und einen Abgesandten der
K.D.St.V. Nordmark im CV zu Essen. Wegen der drängenden Enge hatten die
drei Vertreterinnen des hohen Vororts UNITAS Clara Schumann unter Leitung
von VOP Elisabeth Fels auf das Chargieren verzichtet und in der sorgsam
geschichteten Corona Platz genommen. Einen letzten Sitz gab es schließlich
sogar für den ganz überraschend gekommenen und mit großem Applaus
bedachten Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll. Angehörige des
AHZ Essen waren, angeführt des AHZ-Vorsitzenden und Kommersmusikers
Martin Gewiese naturgemäß in großer Zahl mit ihren Damen erschienen.
Aus Dortmund, Bochum, St.Augustin/Bonn und Datteln/Castrop-Rauxel wurden
Zirkelvertreter begrüßt, nicht zuletzt grüßte Senior Sebastian aber
die Altherrenschaft unter dem Vorsitz des AHV-Chefs Jörg Lahme, der mit
seiner Frau Doris aus Rheine angereist war.
   
Aktuelles
aus Berlin und Grundfragen der Politik
„Christliche
Überzeugungen lehren Demut vor der übernommen Aufgabe und Verantwortung,
sie motivieren uns helfen uns aber auch, angesichts der riesigen
Herausforderungen in einer der größten Industrienationen der Welt nicht
den Mut zu verlieren“, äußerte CDU-Rechtspolitiker Andreas Schmidt in
seiner halbstündigen Festrede. In seinem Parforceritt durch alle Themen
der aktuellen Politik bekannte er sich nachdrücklich zu den Leitlinien
der katholischen Gesellschaftslehre und der evangelischen Sozialethik. Sie
seien in vielen Politikfeldern unverzichtbare Entscheidungsgrundlagen,
erklärte Schmidt, und nannte insbesondere die Diskussionen um
Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik und Sterbehilfe. „Die
Würde des Menschen muss unantastbar sein“, unterstrich er unter großem
Beifall. Die Familie bleibe die entscheidende Keimzelle der Gesellschaft.
Sie allein garantiere eine stabile Grundlage für ein Land, das jetzt
nicht „die Zukunft der nachfolgenden Generationen verfrühstücken“ dürfe,
so Schmidt. Viel Zustimmung erhielt sein Plädoyer für mehr familien- und
kinderfreundliche Politik.
Erste
Papstenzylika gibt Leitlinien
In all
diesen Fragen seien die Kirchen unverzichtbare Partner der Politik. Sie
seien nicht selbst zur Aktion in vorderster Linie des politischen
Auseinandersetzung aufgerufen, meinte Schmidt in Anlehnung an die kürzlich
erschienene Enzyklika von Papst Benedikt XVI., doch gebe gerade dieses päpstliche
Lehrschreiben wesentliche Leitlinien für die Gestaltung eines menschenwürdigen
Zusammenlebens,
auch für Fragen der Gerechtigkeit und Solidarität weltweit. Die
Globalisierung zwinge zu einem neuen Ansatz ernsthafter
Entwicklungspolitik. Auch die europäischen Staaten seien durch die
Osterweiterung zu einer intensiven Zusammenarbeit aufgerufen: Kein Land,
so Schmidt, könne im Alleingang die Zukunft meistern.
Zwar sei
die neue Koalition in Berlin für viele Fraktionsmitglieder in CDU und SPD
immer noch gewöhnungsbedürftig, auch die Oppositionsparteien fänden
sich erst langsam in ihre Rolle. Doch verlange nicht nur die dramatische
Haushaltslage jetzt eine starke parlamentarische Mehrheit, damit
Deutschland nicht im internationalen Vergleich ins Hintertreffen gerate.
„Es ist auch gut, dass wir uns jetzt keinen Untersuchungsausschuss zur Tätigkeit
der Nachrichtendienste leisten“, betonte der Politiker. Die Gefahr des
Terrorismus sei noch lange nicht gebannt. Deutschland sei nach wie vor ein
potenzielles Ziel von Angriffen, gegen die man sich schützen müsse.
Besorgt über den Wahlsieg der Hamas in Palästina, verwies Schmidt nachdrücklich
auf Gefahrenherde der Welt und nannte mit einem klaren Bekenntnis zur
Existenzberechtigung des Staates Israel die iranische Atompolitik eine
internationale Herausforderung, der man dringend begegnen müsse. Für
Schmidts engagierten und mit großem Applaus quittierten Vortrag dankte
Kommerspräside Sebastian Sasse mit einem guten „Borbecker
Schlosstropfen“ und einem gerahmten Vereinsemblem (Bild oben).
  
Anmut & Grazie: Doris Lahme und Li, unsere chinesische
Austauschstudentin; Borbecker unter sich: Barbara Küpper und AH Fuchs;
Dortmunder und Pfadfinder: Regina und Andreas Rydzek (Kenner nennen ihn
Bocuse...)
Wir
im Revier – gemeinsam nach vorn!
Launige
Grußworte entlockte der Vorsitzende den Vertretern der vielen Vereine,
die ihre Verbundenheit mit der UNITAS im Revier bekundeten. Besondere
Freude gab es über die guten Wünsche der benachbarten CV-Verbindung
Nordmark: Man freue sich auf eine gute und enge Zusammenarbeit der
Korporationen am Ort. Nach Nationalhymne und eingerahmt vom Bundeslied gab
es eine außergewöhnliche Zeremonie: Nach vier Jahrzehnten wurde mit Herr
Gerfried Küpper aus Borbeck ein ehemals in Freiburg (Paulus) und Münster
(Burgundia) aktiver Unitarier neu mit der Verbandsnadel ausgestattet.
Bewegt dankte er auch im Namen seiner Frau Barbara in Erinnerung an viele
gute Stunden in jungen Jahren für die Wiederaufnahme in den Verband.(Bild
unten)
Gewohnt
fröhlich und aufgeräumt zeiget sich der UNITAS-Verbandsgeschäftsführer:
Er habe bei Besuchen in früheren Jahren im Ruhrgebiet eine noch erheblich
kleinere Corona angetroffen, erklärte Dieter Krüll in seiner herzlichen
und humorvollen Ansprache. „Dies hat sich nun geändert. Ihr habt ein
tolles Haus, eine wachsende Altherrenschaft und die Zukunft vor euch!
Packt´s an – mit uns könnt ihr rechnen“, ermunterte er die
Ruhrania-Aktiven und Ehemaligen unter donnerndem Applaus. Mit dem Bau des
neuen Heims mute sich die Revier-UNITAS viel zu, aber es werde sich
lohnen, meinte Dieter Krüll zuversichtlich und lud die Unitarier zur
kommenden Generalversammlung nach Neuss ein.
Gruß
vom Vorort: Vorbildliche Arbeit
Ihre
Verbundenheit mit der UNITAS an der Ruhr zeigten auch die eigens
angereisten Vertreterinnen des hohen Vororts Unitas „Clara Schumann“
aus Bonn: „Respekt für eure Semesterprogramme – das lässt sich mehr
als sehen!“, lobte Vorortspräsidentin Elisabeth Fels. Schon oft sei sie
bei Besuchen in Essen immer wieder von der Gastfreundschaft, Begeisterung
und wirklich unitarischen Gemeinschaft beeindruckt gewesen, erklärte die
Jurastudentin. Immer wieder habe sie gespürt, dass sich die UNITAS hier
sehr eng mit dem ganzen Verband identifiziere und ihn in der Region gut
vertreten wolle. „Was ihr hier mit einer vergleichsweise kleinen
Aktivitas auf die Beine stellt, ist erstaunlich und wirklich
vorbildlich!“ Dem in Essen-Borbeck ansässigen Verein sagte sie die
Hilfe des an rund 40 Universitäten deutschlandweit vertretenen Verbandes
zu.
Ein
sehr bewegendes Wort richtete der Altherrenvereinsvorsitzende OStD Jörg
Lahme (Bild links) an seine Aktivitas: „Wir erleben heute einen
historischen Tag. Die Ruhranen sind im 95. Jahr ihres Bestehens im Revier
fest vor Anker gegangen. Und die Arbeit geht jetzt richtig los.“ Der
Aktivitas sprach er seinen Respekt für die in den letzten Jahren
geleistete Arbeit aus. Mit den Beschlüssen vom Nachmittag werde nun die
Anschlussfinanzierung für die anstehenden Bauarbeiten im Haus angegangen,
in fester Hoffnung, dass die Ruhrania im Ruhrgebiet eine klare Chance
habe. „Die Unterstützung des Altherrenvereins ist dabei sicher“,
unterstrich der AHV-Chef. Zum Einzug auf dem „neuen“ Haus versprach er
Außergewöhnliches von der „alten“ Ruhrania: „Wenn wir das Feldschlösschen
ganz neu in strahlendem Glanz sehen, dann sind die Gründungsfahne und das
bis heute erhaltene Gefallenendenkmal der Ruhranen aus dem Ersten
Weltkrieg hier auf dem Haus am allerbesten aufgehoben“, erklärte AH
Lahme und wünschte unter großem Beifall ein kräftiges „Vivat-floreat-crescat!“
UNITAS
im Ruhrgebiet: Die Zukunft hat begonnen ...
Nicht nur
die UNITAS Ruhrania, sondern der gesamte vor 150 Jahren gegründete
Bundesverband sei sich seiner Wurzeln im Revier und in Borbeck bewusst, so
Kommerspräside Sebastian Sasse in seiner Ansprache. Sie sollen, wie in
den Gremiensitzungen am Nachmittag gemeinsam beschlossen, jetzt tatkräftig
und sichtbar gestärkt werden: Das durch den Ortsverein zum Juli 2004
erworbene Borbecker „Feldschlösschen“ wird als Traditionshaus noch in
diesem Jahr einer grundlegenden Sanierung unterzogen werden. Nach einer
Kernsanierung sollen Studentenzimmer und eine neue Gastronomie mit
Biergarten nun völlig neu entstehen. „Eine Entscheidung für die
Zukunft, die die Präsenz und Arbeit des ältesten katholischen
Studentenverbandes in Deutschland auch im Ruhrgebiet auf Dauer sichern
wird“, erklärten Vorortspräsidentin Elisabeth Fels und Verbandsgeschäftsführer
Dieter Krüll.
 
Erfreut: Die Münsteraner Winfriden - Erschöpft:
Ruhranen nach getaner Arbeit - Erstaunt: Alte Herren erforschen ihre
Liederbücher
...
im "Heidelberg des Ruhrgebiets" ...
Der
„liebens- und lebenswerte“ Stadtteil habe mit den seit jüngster Zeit
immer aktiveren, vor allem katholischen studentischen Verbänden noch
Farbe hinzugewonnen, betonte der Vorsitzende der UNITAS Ruhrania,
Sebastian Sasse unter großem Beifall der Festcorona: „Wir sind sicher:
Borbeck wird das Heidelberg des Ruhrgebiets!“ Ein Satz, an dem manche
Festgäste offensichtlich noch lange zu beißen hatten: Bis in den Morgen
dauerten die Gespräche auf dem Haus an. Ein Stiftungsfest, ein
Vereinsfest, ein Werk vieler helfender Hände – eine Begegnung und ein
Ereignis, dass allen Einsatz lohnte ...
  
Fröhlich: Dr. Ilse Krisam und der Senior Sebastian Sasse - Fantastisch:
Der Essener Zirkelvorsitzende Martin Gewiese an der Bierorgel -
Freundschaft: AH Kauczor aus St. Augustin und der
Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll aus Neuss
Siehe
auch: "Studenten geben Borbeck Farbe",
Artikel in den BORBECKER NACHRICHTEN vom 2. Februar 2006
Der
Oberbürgermeister der Stadt Essen
Dem
wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas Ruhrania Bochum –
Essen – Dortmund gratuliere ich zum 95. Bestehen im Namen der Stadt
Essen recht herzlich.
Unsere
noch recht junge Universität hat sich schnell einen wichtigen Platz in
unserer Stadt erarbeitet. Heute ist sie mit dem Universitätsklinikum eine
der Säulen, die die Zukunftsfähigkeit von Stadt und Region sichern. Zum
Leben in einer Universitätsstadt gehören traditionell auch
Studentenvereine wie die in Münster gegründete Unitas Ruhrania.
Wer
sich hier engagiert, findet Freunde für sein ganzes Leben. Das macht den
Reiz der Studentenvereine aus. Hier werden Freundschaften geschlossen,
Netzwerke geknüpft, die über das Studium hinausreichen und die auf
gemeinsamen Werten beruhen. Die studentischen Verbindungen sind Ausdruck
einer gewachsenen universitären Tradition. Dass es auch heute gelingt,
diese Tradition weiter mit Leben zu füllen, zeigt die W. K. St. V. Unitas
Ruhrania Bochum – Essen - Dortmund auf eindrucksvolle Weise.
Wenn
sie auch ursprünglich in Münster gegründet wurde, ist die Unitas
Ruhrania seit nunmehr zehn Jahren im Ruhrgebiet aktiv. Ein Zeichen dieser
Verbundenheit mit unserer Region ist sicher das Feldschlösschen
in Borbeck, das der Ruhrania seit einen Jahr zur Heimat geworden ist.
Ich
heiße Sie alle zu Ihrem Festkommers herzlich in Essen willkommen!
Dr.
Wolfgang Reiniger
Oberbürgermeister
1911-2006:
95. Stiftungsfest voraus
Gremiensitzung
und Festkommers am Samstag,
28. Januar 2006
Festredner ist Andreas Schmidt MdB (CDU)

BORBECK.
Der „Wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund“ begeht am Samstag, 28. Januar, den Jahrestag
seiner Gründung vor 95 Jahren. „Ein Grund der Freude, ein Grund zum
Feiern und ein Tag voller Hoffnungen für die Zukunft der UNITAS im
Ruhrgebiet“, so der vorsitzende „Senior“, der Philosophiestudent
Sebastian Sasse. Die vor dem Ersten Weltkrieg in Münster gegründete
Vereinigung aktiver und ehemaliger Studenten ist die einzige regionale
Vertretung der UNITAS, des ältesten katholischen Akademikerverbandes in
Deutschland.
Bereits
die Gründungskorporation von 1847 trug den Namen Ruhrania – kein
Wunder, kamen doch die ersten Mitglieder aus dem damals noch beschaulichen
Ruhrgebiet zum Studium an die Bonner Universität. Initiator der damaligen
Theologenvereinigung war neben Studenten aus Heisingen, Überruhr und
Borbeck vor allem Hermann Ludger Potthoff, später Oberhofprediger am Königlichen
Hof in Sachsen, dem eine Gedenktafel am Geburtshaus in der Hufergasse in
Essen-Werden gewidmet ist. 1855 war aus der ersten Vereinigung bereits ein
Verband entstanden, der sich schnell auf Universitäten in ganz
Deutschland und im Ausland verbreitete. 150 Jahre später wurde ein
bundesweites Festjahr begangen – auch die unitarischen „Bundesbrüder“
an den Ruhr-Universitäten stellten ihr Programm 2005 ganz unter das Jubiläum.
Ihr
eigenes Programm im Wintersemester 2005/06 beleuchtet vor allem die
Situation an den Universitäten und die Frage nach Sinn und Zweck eines
Studiums heute. „Es lohnt sich, auch heute noch ein Studium aufzunehmen,
daran kann kein Zweifel bestehen“, zeigt sich der Vorsitzende des
Studentenvereins überzeugt. Doch es nehme auch in die Pflicht, so Sasse:
„Die von allen geschaffenen Privilegien stellen auch in eine
gesellschaftliche Verantwortung.“ Der UNITAS-Verband habe seit seiner
„Erfindung“ genau dies deutlich herausgestellt und setze neben einem
zielstrebigen Studium den Schwerpunkt auf soziales Engagement im direkten
Umfeld und weltweit.
95
Jahre UNITAS Ruhrania: CDU-MdB hält Festrede
Das
95. Stiftungsfest am 28. Januar ist einer der Höhepunkte des laufenden
Programms aus wissenschaftlichen, geselligen und religiösen
Veranstaltungen. Die studentische Vereinigung, die im Sommer 2004 das
Borbecker „Feldschlösschen“ an der Flurstraße übernommen hat,
beginnt ihr Festprogramm am Nachmittag zunächst mit Gremiensitzungen. Im
Mittelpunkt stehen Fragen zur 2006 anstehenden Komplettrenovierung der
Traditionsgaststätte, in der Studentenwohnungen und eine neue Gastronomie
eingerichtet werden sollen. Nach der Messe um 18 Uhr in St. Immakulata
veranstalten die Studenten einen Festkommers unter Leitung von Sebastian
Sasse (Bild links). Festredner ist der CDU-Abgeordnete des
Wahlkreises Mülheim/Essen im Deutschen Bundestag, Rechtsanwalt
Andreas Schmidt (Mülheim), der über die aktuellen Themen der Berliner
Politik berichten wird. Viele Gäste vom Bundesverband, aus dem
umliegenden UNITAS-Zirkeln im Ruhrgebiet und von befreundeten Verbänden
haben für das Fest in Essen-Borbeck zugesagt.
Der
Referent:
Andreas
Schmidt, geboren am 4. November 1956 in Mülheim an der Ruhr, evangelisch,
verheiratet, eine Tochter, studierte nach dem Abitur am Gymnasium Broich
1976 in Mülheim an der Ruhr, Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität
Bochum. 1982 legte er die erste und 1985 die zweite juristische Staatsprüfung
ab. In der Zwischenzeit war er Assistent von Dr. Otmar Franz, MdEP. Der
Rechtsanwalt ist Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse Mülheim an
der Ruhr und Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für die
Vereinten Nationen.
Schmidt war seit seinem Eintritt in die CDU und die Junge Union 1974 in
verschiedenen Funktionen der Partei tätig: 1984 bis 1989
Kreisvorsitzender der Jungen Union Mülheim an der Ruhr, 1986 bis 1991
Mitglied im Landesvorstand der Jungen Union Nordrhein-Westfalen, 1989
Kreisvorsitzender der CDU Mülheim an der Ruhr. Dem Deutschen Bundestag
gehört Schmidt seit 1990 an. Hier ist er u.a. Vorsitzender
und Ordentliches Mitglied im Rechtsausschuss,
der viele
Gesetze mitberät. Federführend ist der Ausschuss z.B. im Zivil-, Straf-,
Wirtschafts- und Verfahrensrecht. Auch verfolgt der Ausschuss die höchste
deutsche Rechtsprechung am Bundesverfassungsgericht, um dem Parlament in
bestimmten Verfahren eine Stellungsnahme zu empfehlen.
Gewählt wurde Andreas Schmidt
über die Landesliste für den Wahlkreis 119 (Mülheim – Essen), der
auch den Essener Stadtteil Borbeck umfasst. Hier hatte er bei der letzten
Bundestagswahl 2005 32,8 Prozent der abgegebenen Erststimmen auf sich
vereinigt (2002: 30,9 %).
Das
UNITAS-Haus in Borbeck kennt Andreas Schmidt von einem früheren Besuch.
Bereits vor einigen Monaten war er zu Gast an der Flurstraße und zeigte
sich bereits damals sehr interessiert an den Bauplänen im ehemaligen
„Feldschlösschen“ sowie an Arbeit und Zielen der UNITAS, der er
spontan seinen Besuch zu unserem anstehenden „runden“ Stiftungsfest
bei den Ruhranen zusagte.
Mehr Informationen:
Grundsätze
Das UNITAS-Haus in Borbeck
Programm WS 2005/2006
Artikel/Aktuelle Berichte
Geschichte des W.K.St.V. UNITAS Ruhrania
Die
UNITAS ist der älteste katholische
Studenten und Akademikerverband Deutschlands. Der Verband der
Wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS wurde 1855
von Studenten aus dem Ruhrgebiet an der Friedrich-Wilhelms-Universität
Bonn gegründet - ältester Ortsverein ist der dort 1847 ins Leben
gerufene W.K.St.V. UNITAS-Salia; an über 30 deutschen Universitäten mit
gemeinsamen Statut vertreten - durch den 1911 in Münster gegründeten W.K.St.V.
UNITAS
RUHRANIA seit 1989 auch wieder
im Ruhrgebiet.
Alle Unitarierinnen und Unitarier verpflichten sich darauf, als
katholische Studenten und spätere Akademiker in Staat, Kirche und
Gesellschaft Verantwortung zu tragen.
Leitfaden sind unsere Prinzipien VIRTUS
- SCIENTIA - AMICITIA, d.h.: Christliche Lebensführung, soziales
Engagement, Toleranz und Zivilcourage, fächerübergreifende,
wissenschaftliche Auseinandersetzung und Erweiterung des allgemeinen
Wissens, Freundschaft, aus der unsere Lebensgemeinschaft vieler
Generationen erwächst. Diese Prinzipien und unser Wahlspruch in
necessariis UNITAS - in dubiis libertas - in omnibus caritas tragen
unseren Lebensbund aktiver und ehemaliger Studenten.Gegenwärtig
bestehen 46 UNITAS-Vereine mit Studenten aller Fakultäten an
deutschen Hochschulen. Als einziger der Traditionsverbände nimmt der
UNITAS-Verband auch Studentinnen-Vereine auf - inzwischen haben sich acht
UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Frankfurt, Freiburg, Gießen, Marburg,
Mainz, Köln und Heidelberg gebildet. 6000
ehemalige Aktive, die sogen. "Alten Herren" und "Hohen
Damen", haben sich in 62 Altherren- und Hohe-Damenvereinen, sowie
164 Ortszirkeln (AHZ) zusammengeschlossen. Allein im Bereich des
Ruhrgebietes und im angrenzenden Raum bestehen ca. 30 AHZAHZ.
Der
Studentenverband ist
auf Bundesebene Mitglied des Bundes der
Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsgemeinschaft
Katholischer Studentenverbände (AGV) und des Europäischen
Kartellverbandes Christlicher Studentenverbände (EKV), der seit
1985 Konsultativstatus beim Europarat besitzt. Mit rund 660 christlichen
Studentenvereinigungen und 110.000 Mitgliedern in neun europäischen Ländern
ist er der größte Akademikerverband Europas. Die UNITAS ist Mitglied der
Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD) und im Zentralkomitee
der Deutschen Katholiken (ZdK) vertreten. Die UNITAS verleiht den Heinrich-Pesch-Preis
für Verdienste um die wissenschaftliche Weiterentwicklung und die
praktische Umsetzung der Soziallehre der Kirche.

Gruppenbild
mit "Pensionär": (v.l.) Alt-Senior Peter Helmus, Senior
Sebastian Sasse, der AHV-Vorsitzende OStD Jörg Lahme, Dr. Ernst-Hubert
Steinmann, Dr. Christof Beckmann, StD Martin Gewiese, AHZ-Vorsitzender in
Essen
Bbr.
OStD Jörg Lahme wechselt in den Unruhestand
„Niemals
geht man so ganz ...“ – der alte Hit passt auch auf Bundesbruder OStD
Jörg Lahme (66), der am Freitag, 20. Januar 2006, nach über zwei
Jahrzehnten Abschied von "seiner" Schule nahm. Zum „letzten
Schultag“ des Chefs des Emsland-Gymnasiums in Rheine hatten sich viele
Kollegen, Freunde und Weggefährten versammelt. Auch die UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund gratulierte dem mit gleich zwei großen Schultüten
ausgestatteten Jung-Pensionär mit einer Abordnung aus dem Ruhrgebiet zum
verdienten Ruhestand.
Bereits am Morgen würdigten Vertreter von Stadt, Kreis und
Kollegenschaft bei einem Festakt in der Stadthalle die Verdienste des
engagierten Schulleiters. Am Abend wurde die Pausenhalle des
traditionsreichen Gymnasiums dann zum Festsaal für eine gut 150-köpfige
Corona: Die große Familie gratulierte mit launigen Couplets, die Lieder
der Enkelkinder provozierten fröhlichen Applaus, die Nachbarschaft trat
vollzählig an, Freunde aus den Niederlanden und Polen waren gekommen, Schulkollegen und
Mitglieder der Rotarier, bei denen er seit Jahrzehnten aktiv ist. Geboren
am 20. September 1940, hatte sich Jörg 1960 während seines Studiums in Münster
der UNITAS Ruhrania angeschlossen, nach der Suspendierung in den 1970er
Jahren das Amt des Altherrenvereinsvorsitzenden übernommen und seitdem
ununterbrochen wahrgenommen. Den Wechsel der Korporation an die Ruhr hatte
er bei der Rekonstituierung in Bochum nachhaltig unterstützt. Nicht
zuletzt für den Zusammenhalt der Altherrenschaft spielt er eine zentrale
Rolle: Seit 25 Jahren organisiert er mit seiner Frau Doris die jährlichen
Ruhranentreffen in Münster-Sprakel.
Lebenslange
Freundschaft: "semper in unitate!"
In seiner Begrüßung stellte Jörg Lahme u.a. seine
über 50-jährige Freundschaft mit dem aus Hamm angereisten Bundesbruder
Dr. Ernst-Hubert Steinmann (Bild links) heraus: Mit dem späteren
Chefarzt hatte er schon als Quintaner am Paulinum in Münster in der
Nachkriegszeit Fußball
zwischen Teppichstangen gespielt. Aktiven-Senior Sebastian Sasse,
Alt-Senior Peter Helmus, der Zirkelvorsitzende der UNITAS in Essen, StD
a.D. Martin Gewiese und Ehrensenior Dr. Christof Beckmann gratulierten auf
der Bühne mit dem „Ehrenschild“ der Ruhrania, einem in Bilderrahmen
gefassten Unikat des Ruhranen-Wappens. Vor den vielen Gästen überbrachten
sie die Grüße des UNITAS-Bundesgeschäftsführers Bbr. Dieter Krüll
und des Verbandsvorstandes mit dem Dank für das jahrzehntelanges Wirken
Jörg Lahmes für die Korporation - auch in schwierigen Zeiten.
Für den „voraussichtlichen Unruhestand“ hatte die unitarische
Mannschaft ihrem AHV-Chef zudem ein vielteiliges Grillbesteck im Gepäck – gut
möglich, dass Jörg davon Gebrauch
machen wird: Denn zur weiteren Lebensplanungen gehört u.a. die
Neugestaltung des gesamten Gartens. Aber zunächst soll es erst einmal zum
Skifahren in den Urlaub nach Sölden gehen. Viel Freude an vielen schönen
ereignisreichen Jahren, die vor ihm liegen!
CB
Wissenschaftliche
Sitzung zum Kirchenrecht
Pfr. Dr. Cleve
zu Gast bei UNITAS Ruhrania
Für
die meisten war es eine Begegnung mit einer unbekannten Materie. Doch Befürchtungen,
dass das Thema des Abend wahrscheinlich wohl eher „dröger Stoff“ sein
würde, erwiesen sich als nichtig: Der Vortrag von Diözesanrichter Dr. Jürgen
Cleve am 19. Januar zu „einigen Aspekten des Kirchenrechts“ entpuppte
sich als rasante Tour durch die Kirchengeschichte und Begegnung mit
eher unbekannten und nicht nur für Juristen, Historiker oder
Fachtheologen spannenden Fragen: Braucht die Kirche ein Recht? Wie ist es
entstanden? Was regelt der 1983 zuletzt durch Papst Johannes Paul II.
geregelte „Corpus“ des kanonischen Rechts? Welche Auswirkungen hat er
für den ganz „normalen Gläubigen“? All diese Aspekte goss der
Pfarradministrator und promovierte Kirchenjurist Dr. Jürgen Cleve mit
seinem ausgezeichneten Vortrag vor knapp 30 Bundesgeschwistern und Gästen
im „Feldschlösschen“ in ein noch zu vielen Diskussionen anregendes
Gesamtbild.
Kirche
und Recht?
Bereits
das Neue Testament, so Dr. Cleve, enthalte im Briefkorpus und in den
Evangelienabschnitten, die sich mit dem Leben der nachösterlichen
Gemeinde befassen, Aussagen, die unverkennbar einen rechtliche Charakter
besitzen und das Leben der einzelnen Gläubigen wie auch das Leben der
Gemeinde insgesamt regeln. Sie wollen zugleich sichern, was für den
christlichen Glauben charakteristisch und typisch ist. Der Bereich der
„weltlichen" Rechtsprechung wird dabei nicht als vorbildlich oder
maßgebend betrachtet. Vor allem bestimmen sie die Bedingungen für die
Aufnahme eines Menschen durch die Taufe in die Kirche und das christliche
Eheverständnis. Grundlagen dafür sind die Glaubensaussagen, die als Ius
divinum in rechtliche Vorschriften transferiert werden.
Die
Gesetzgebung in der antiken Kirche geschieht zunächst auf den regionalen
Synoden und Konzilien, später dann auch die großen ökumenischen
(allgemeinen) Konzilien und schließlich durch Erlasse der Päpste und der
Bischöfe. Aus den Gesetzen und Rechtsvorschriften, die im Einklang mit
dem „Alten Recht" stehen müssen, entwickelt sich eine Vielzahl von
unüberschaubaren Vorschriften, Interpretationen und Gesetzesanwendungen.
Von der Kanonistik des Hochmittelalters werden die Vorschriften geordnet
und systematisch ausgelegt. Sie schafft die bis heute bleibende und
relevante Unterscheidung von „Sünde - peccatum" und
„Verbrechen – crimen“ bzw. „Schuld – culpa“ im
strafrechtlichen Sinn. Die Sünde erfordert als „Wiedergutmachung"
die „Buße - paenitentia", das Verbrechen aber die „Strafe -
poena". Bleibend definiert sie den Grundsatz: „Ohne Gesetz keine
Strafe - sine lege nulla poena". Die von Gratian erstellte
Sammlung der Vorschriften wird im Laufe der Zeit verbindlicher Bestandteil
des kirchlichen Rechts und entwickelt sich, ergänzt durch die
nachfolgenden päpstlichen Gesetzgebungen, bis in das späte 19.
Jahrhundert zum Corpus Iuris Canonici (C.I.C), das das Leben der Kirche
bestimmt. Angesichts divergierender Vorschriften werden für die
Rechtsanwendung sind die Kommentare der großen Kanonisten und die
Einzelentscheidungen des Apostolischen Stuhls maßgebend. Insbesondere die
Kongregation zur Interpretation der Beschlüsse des Konzils von Trient
muss beständig die alten europäischen Normen mit der neuzeitlichen
Missionssituation in Einklang bringen - eine völlig neue Lage für die
Kirche, die sich auch auf die krichliche Rechtsprechung auswirkt: Auch im
Blick auf die neuzeitliche staatliche Gesetzgebung entschließt sich die
katholische Kirche zu einer Vereinheitlichung ihres Rechtes und zur
Erarbeitung eines einheitlichen kirchlichen Gesetzbuches. Der erste Codex
luris Carionici tritt unter Papst Benedikt XV. 1917 in Kraft (CIC/1917).
Seine lateinische Urfassung darf nicht in die Landessprachen übersetzt
werden, doch wird sie in der Folgezeit durch Einzelgesetzgebung ergänzt,
durch authentische Interpretationen präzisiert und durch Ausführungsbestimmungen
konkretisiert.
Das II.
Vaticanum und der CIC 1983
Die
Zeit vor und nach dem II. Vatikanischen Konzil bringt eine völlige
Umarbeitung des kirchlichen Rechts: Schon bei der Einberufung des Konzils
war die Reform der kirchlichen Rechts erwünscht. Sie verlief unter großer
Beteiligung von Fachleuten sehr komplex und vielschichtig. Da in der
letzten Phase auch noch das kirchliche Lehramt, vor allem Papst Johannes
Paul II. persönlich in den Redaktionsprozess eingegriffen hat, sind der
Codex Iuris Canonici von 1983 und der Codex Canonum Ecclesiarum
Orientalium in sich nicht so einheitlich wie der wesentlich von wenigen
Personen erstellte CIC/1917. In ihm spiegelt sich auch die
Auseinandersetzung zwischen den Polen „Recht" und „Pastoral"
die für die konziliare und nachkonziliare Zeit typisch ist.
In
sieben Büchern regelt der aktuelle CIC von 1983 Allgemeine Normen, nähere
Bestimmungen zu den Abschnitten „Das Volk Gottes“, „Die Gläubigen“,.
„Die hierarchische Verfassung der Kirche“ und „Die Institute des
geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens“, er
formuliert Kanones zum „Verkündigungsdienst der Kirche“, dem
„Heiligungsdienst der Kirche“ mit den Kapiteln Gottesdienst und
Sakramente, insbesondere Ehe. Weitere Bücher gelten den Themen
Kirchenvermögen, Strafbestimmungen in der Kirche und Prozesse.
Dabei
gilt nach dem Anspruch der katholischen Kirche: Das Heil der Seele(n) vor
Augen zu haben, nicht nur für ihre Gesetzesanwendung, sondern bereits für
ihre Gesetzgebung. In beiden sollte sich auch der besondere Geist der
Gemeinschaft Jesus Christi widerspiegeln. Das Ziel der kirchlichen
Gesetzgebung: Sie soll dazu dienen, dass der einzelne Gläubige, die
Gruppen und Gemeinschaften in der Kirche sowie die Kirche insgesamt „gut
und vernünftig nach dem Wort Gottes leben“ können. Die Gesetzgebung
will sichern, dass die Gläubigen, wenn sie die Gesetze befolgen, den
Lebensweg beschreiten, der zum Heil führt.
Oftmals
werden mit Gesetzesaussagen dogmatische
Inhalte gesichert
oder verteidigt. Die Kirche maßt sich nicht an, dass ihre Gesetze perfekt
sind. Sie kennt sogar ausdrücklich Institute wie die Dispens von einer
rein kirchlichen Vorschrift in einem begründeten Einzelfall, damit die
Anwendung einer konkreten Vorschrift nicht der Angemessenheit, der
Gerechtigkeit oder gar dem „Heil der Seelen" entgegenläuft.
„Trotz dieser grundsätzlich positiven Einstellung zum kirchlichen
Recht, das ja noch durch die teilkirchliche Gesetzgebung der einzelnen Diözesanbischöfe
und auch der Bischofskonferenzen ergänzt wird, bleiben viele Wünsche
offen“, erklärte Dr. Cleve. Es gebe manche Problemfelder im
Zusammenspiel von Kirche und Recht, von Recht und Pastoral sowie von
Rechtsetzung und Rechtsanwendung.
In
der anschließenden Diskussion wurden grundsätzliche, aber auch ganz
praktische Fragen aufgeworfen, die die Anwendungsbereiche und Grenzen der
kanonistischen Rechtsprechung an einzelnen Beispielen vertieften. Auch
nach gut drei Stunden konzentrierten Vortrags und Austauschs blieb noch
genug Stoff für weitere Debatten.
(Quelle:
Vortragsskript von Dr. Jürgen Cleve)
Programmvorschau:
Wissenschaftliche Sitzung am Donnerstag, 19.Januar,
mit Diözesanrichter Dr. Jürgen Cleve zum Kirchenrecht (CIC)
BORBECK. Über ein zwischen der Slowakei und dem Heiligen Stuhl
geschlossenes Konkordat ist gerade ein heftiger Streit in Gremien der EU
entbrannt. Wie greifen "zwischenstaatlich" getroffene
Vereinbarungen mit der Kirche auf das Leben ein? In Deutschland sind die katholischen Kirchenvorstände
Vermögensverwalter und gesetzliche Vertreter der Gemeinden - manchem ist
das überhaupt nicht bekannt. Ja - wem gehört denn nun das Geld, dem
Papst, dem Bischof, den Gläubigen oder der Gemeinde? Im Bistum Essen werden durchBischofsentscheid alte Pfarreien geschlossen, neue errichtet, Pfarrer zu
Pastören. Was sagt der Staat dazu, geht das denn so einfach? Und kein Verfahren beschäftigt die kirchlichen Gerichte so
sehr wie Scheidungsfragen - in rasant steigendem Maße. Wieso ist die
Kirche gegen Scheidungen und führt sie dann doch durch? Für dies alles
und mehr gibt es Regelungen, die für den Bereich der Katholischen Kirche
im "Codex iuris Canonici" zusammengefasst sind.
Die UNITAS Ruhrania am Donnerstag, 19. Januar,
mit Fragen aus diesem Themenkreis beschäftigen. Ein Zitat aus den Psalmen - „Recht muss Recht bleiben ...“ (
Ps 94,15) - ist das Motto der Veranstaltung zum
"Codex iuris canonici" (CIC): Bei der Wissenschaftlichen Sitzung
wird Referent Dr. theol. Jürgen Cleve im Borbecker "Feldschlösschen"
die Entwicklung und ausgewählte Aspekte aus dem Kirchenrecht vorstellen
und mit den Besuchern über Sinn und konkrete Auswirkungen kirchlicher "Gesetzgebung"
diskutieren.
Dr.
Jürgen Cleve wurde am 15. Januar 1961 in Duisburg geboren. Die
Priesterweihe empfing er am 5. Juni 1987 in Essen und trat anschließend
seine erste Stelle als Kaplan in der Pfarrei St. Markus, Essen-Bredeney,
an. Vier Jahre später wechselte er als Kaplan in die Bochumer Pfarrei St.
Augustinus. 1997 promovierte Cleve an der Theologischen Fakultät der
Ruhr-Universität Bochum im Fach Kirchenrecht. Seither arbeitet der Doktor
der Theologie als Diözesanrichter im Bischöflichen Offizialat. Am 1.
Oktober 1999 übernahm Cleve die Leitung der Pfarrei St. Engelbert im
Dekanat Essen-Mitte. Am 29. Mai 2005 wurde er als Pfarradministrator von
St.Dionysius Essen-Borbeck und St. Maria Immaculata eingeführt.
Zur
Vorbereitung: Der Codex Iuris Canonici (CIC; zu deutsch: Codex des kanonischen Rechts) ist das Gesetzbuch der katholischen Kirche im lateinischen Bereich und in seiner jetzigen Fassung seit dem Ersten Adventssonntag 1983 in Kraft. Der Codex von 1983 löste damit seinen Vorgängercodex, den CIC von 1917, ab. Für die auch zur katholischen Kirche gehörenden sog. unierten Ostkirchen existiert ein eigenes Gesetzbuch, der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium
(CCEO). Der CIC gliedert sich in sieben Bücher:
1. Allgemeine Normen: Grundlegende Definitionen, ohne die ein Rechtswerk nicht auskommt, so etwa die Gesetzesdefinition oder die Vorschriften für die Übertragung von Kirchenämtern.
2. Volk Gottes: Rechte und Pflichten aller Gläubigen, die Kirchenverfassung (Aufgaben und Rechte des Papstes, der
Diözesanbischöfe, die innere Ordnung der Teilkirchen z. B. die
Aufteilung in Pfarren und Dekanaten, die Rechtsstellung der
Ordensgemeinschaften.
3. Verkündigungsdienst der Kirche: Hierunter fallen Predigt und
Katechese, katholisches Schul- und Hochschulwesen, Religionsunterricht und
Bücherzensur.
4. Heiligungsdienst der Kirche: Sakramente und Sakramentalien.
5. Kirchenvermögen: Verwaltungsvorschriften zu Geld- und Sachwerten der
Kirche.
6. Strafbestimmungen in der Kirche: Insbesondere
"kirchenspezifische" Straftaten wie etwa Sakramentensimulation
oder Gehorsamsverweigerung werden hier behandelt.
7. Prozesse: Neben den Bestimmungen zum kirchlichen Gerichtswesen im
allgemeinen finden sich hier Regelungen sowohl für das reguläre (und
fast nie vorkommende) Streitverfahren über besondere Arten von Verfahren,
wie z. B. das Ehenichtigkeitsverfahren (in Deutschland das häufigste
Verfahren an kirchlichen Gerichten) bis hin zum Verfahren zur
Amtsenthebung oder Versetzung von Pfarrern.
Weblinks: Deutscher Text des CIC von der Seite des Vatikans:
http://www.vatican.va/archive/DEU0036/ INDEX.HTM; Deutscher Text bei
codex-iuris-canonici.de (mit Suchfunktion!): http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm;
Lateinischer Text des CIC von 1983: http://www.intratext.com/X/LAT0010.HTM;
Codex Iuris Canonici von 1917 (lateinisch): http://www.theol.u-szeged.hu/~laurin/cic1917.html;
Auslegung: Kleines Kirchenrechtliches Wörterbuch (Kleines
Stichwortlexikon zum CIC von 1983):
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/kirrecht/woerterbuch.html;
sonstige Weblinks:
http://www.codex-iuris-canonici.de/.
(Quelle: wikipedia)
Wir laden ganz herzlich ein.
„Student
sein ....“ – wozu dient das Studium?
Lebhafte Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania an der
Universität Essen
Ein buntes Kaleidoskop von
Erkenntnissen brachte die Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania am
Donnerstag, 12. Januar 2006, an der Universität Essen: Studenten sind
auch nicht mehr das, was sie mal waren, sie waren noch nie Elite, sollten
es aber sein. Und überhaupt: Es wäre schön, wenn mal etwas mehr getan
würde, als von ihnen verlangt wird. Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr.
Sebastian Sasse diskutierten Prof. Dr. Dieter Sturma, Institut für
Philosophie, Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker und
Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung, Daniel Feldmann, Student
und aktiv bei den Pfadfindern und Jörg Miller als Vertreter des Projekts
"Uni aktiv". Aus ihren sehr unterschiedlichen Eingangsstatements
entwickelte sich in der Diskussion eine umfassende Debatte zum Wesen und
Nutzen der Universität und Wissenschaft, zur Situation von Lehrenden und
Lehrenden – ein entscheidender Beitrag zum Oberthema des bei der UNITAS
Ruhrania laufenden Semesterprogramms, das der Frage nach dem Sinn und Ziel
des Studiums gewidmet ist.
Sehr
grundsätzlich brachte der Philosoph in Erinnerung, dass Person,
Persönlichkeit und Karriere weder Widersprüche, noch Bedingungen für
ein menschenwürdiges Leben sind. Mit seinem überraschenden Ansatz aus
der Erklärung der Menschenrechte sezierte er die Bedingungen „im Raum
der Gründe“, die einen Mensch zur Person machten: Recht auf Bildung und
Teilhabe an Kultur, so Professor Dieter Sturma, seien
unveräußerliche Rechte, die die Aneignung von Wissen und Techniken als
Voraussetzungen für die Humanisierung der Lebenswelt erst ermöglichten.
„Unterentwickelte Artikulationsfähigkeit und Neigung zu körperlicher
Gewalt stehen in einem direkten Zusammenhang, das ist überall zu
beobachten“, unterstrich Sturma in einem seiner Alltagsbeispiele aus der
praktischen Anwendbarkeit der Philosophie und Geisteswissenschaften. Der
Erwerb von Ausdrucks-, und Sprachfähigkeit seien die minimale Erwartung
an ein abgeschlossenes Hochschulstudium. „Ich möchte, dass alle meine
Studenten in einen Beruf kommen.“
Um eine Einschätzung der
Studentenschaft gebeten, äußerte Professor Wolfgang Hartung, er
„geniere er sich ein bisschen“. Er zeigte sich verwundert und deutlich
frustriert, dass die an der Hochschulen gebotenen Chancen kaum
wahrgenommen und zu einem hohem Prozentsatz sogar offen verweigert
würden. „Wir beobachten eine Pflichterfüllung am Rande des
Erträglichen, eine Beschränkung auf das Notwendigste“, meinte der aus
Bayern gebürtige Historiker. Dort, so meinte er zugespitzt, sei die
Mittlere Reife oft gleichwertig mit dem Abitur der meisten
nordrhein-westfälischen Gymnasien. Doch nicht so sehr an den
unterschiedlichen Voraussetzungen, sondern vor allem an der grassierenden
Interesselosigkeit litten Studium und das Zusammenwirken von Lehrenden und
Lernenden. Ihre Gemeinschaft werde zunehmend zu einem unerfüllten Wunsch,
Hauptseminare würden zu Proseminaren, grundsätzliche Tugenden, die
inspirierende wissenschaftliche Auseinandersetzung fehle, die Beherrschung
simpelster handwerklicher Technologien, auch spüre er eine gewisse
Weltfremdheit und Flucht in den Elfenbeinturm der Universität: „Studenten
nehmen große Privilegien in Anspruch und haben eine Bringschuld!“ Gegen
die allgemeine Verunsicherung der Studenten und angesichts der Frage, was
akademisches Arbeiten sei, unterstrich er: „Setzt eigene Maßstäbe,
Findet euer eigenes Profil“ und forderte ein intensives „Coaching“
von Studenten, etwa durch Ehemalige.
Social
skills: Praktiker berichten
Sehr
praktisch berichtete Daniel Feldmannaus seiner ehrenamtlichen Arbeit im Diözesanverband Essen der
Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Seit frühester Kindheit
aktiv, habe er das Erziehungskonzept der Pfadfinder schätzen gelernt: Es
ziele auf Entscheidungsfähigkeit, Mündigkeit und Reflektion, fördere
die Beherrschung von Gruppenprozessen, die Erkenntnis vom Sinn eines Geben
und Nehmens, Organisations- und Leitungsfähigkeit. „Es kostet Zeit,
aber sie steht in einem Verhältnis zu dem Profit, der daraus zu ziehen
ist“, so der für die Wölflingsarbeit bei der DPSG zuständige Student.
Dieses Engagement fördere eine Persönlichkeitsentwicklung, präge für
das Leben und habe nicht zuletzt auch bei der universitären Existenz
nachhaltige und positive Auswirkungen in der Organisation und Bewältigung
des Studiums. (www.dpsg.de)
Ähnlich
positiv äußerte sich Jörg Miller als Vertreter des Projekts „Uni
aktiv“ zu außeruniversitärem Tun. „Zukünftige Führungskräfte
sollten sich sozial engagieren“, forderte der Projektleiter am Labor
für Organisationsentwicklung im Fachbereich Bildungswissenschaften. In
der US-amerikaischen Tradition verpflichtend, sei die zwangsweise Arbeit
von Studenten in Community Services zwar bei uns noch kein Thema, doch
müssten bürgerschaftliche Aktivitäten an den Universitäten einen
größeren Stellen- und Bekanntheitswert erhalten. In der Zusammenarbeit
mit der Ehrenamtzentrale stünden über 300 Angebote in sozialen,
kulturellen und ökologischen Einrichtungen zur Verfügung, auch sei man
zur Verankerung von „Service Learning“ mit der Seite der Lehrenden in
Kontakt getreten. Die Anlaufstelle auf dem Campus biete Beratung und
Begleitung, Qualifizierung und Zertifikate – ein Beitrag zu einer
Universität, die nicht nur Fachwissen, sondern auch in der Wirtschaft
gefragte wichtige Schlüsselqualifikationen als „Kaltwasserkompetenz“
vermittle. (www.uni-aktiv.org)
Die freundlich, humorvoll und
zugleich besorgt vorgetragene „Studentenschelte“ von Prof. Hartung
könne er zwar nicht ganz teilen, meinte Professor Dieter Sturma, doch
stünden die Universitäten am „Ende der Bildungskette: Das Versagen der
schulischen Vorbildung sei zu offensichtlich („Die Schulen sind ein
Elend“), die Bildungsvoraussetzungen seien schlechter, die Unterschiede
größer geworden. Dabei hätten Studenten eine Riesenchance, die sie
nutzen sollten, betonte Sturma. Mit Blick auf eigene Erfahrungen an
US-Universitäten sprach er von der „chance to excell“, der „Möglichkeit,
sich auszuzeichnen“. Das Gejammer über die Geisteswissenschaften, ob in
den eigenen Reihen oder in der Öffentlichkeit, vor allem in den Medien,
nannte er „verantwortungslos“, die sogenannten „Rankings“ von
Universitäten „im wesentlichen ein Witz“ und den Einfluss der
Wirtschaft auf die Hochschulen „bedrückend“. Studenten, riet er
dringend, sollten sich den öffentlich postulierten Bedürfnissen der
Industrie verweigern, sondern vor allem das machen, „was ihnen Spaß
macht – und es gut machen.“ Professoren, erklärte er mit Hinweis auf
das Rousseausche Diktum vom „Missbrauch der Lebenszeit“, stünden in
einer wichtigen Verantwortung für die Lebenszeit der Studierenden und
warb für eine engere und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller an der
Universität Lebenden und Arbeitenden.
Fazit:
Schluss mit dem Mimikri
Offensichtlich,
so darf man nach der Diskussion wohl unter anderem auch zusammenfassen,
ist es eben doch nicht von der Hand zu weisen, dass studentische
Aktivitäten, die schon immer in enger Kohabitation mit der Universität
zu tun haben, noch nie „auf dem falschen Dampfer“ waren. Was, so auch
in den Wortbeiträgen in der Diskussion, seien studentische Verbindungen
anders als eben die geforderten Orte, Foren, Lebens- und Erfahrungsräume,
an denen „der Student wirklich Student sein kann“? Ein Verband, so
Diskussionsleiter Bbr. Sebastian Sasse, der wie die UNITAS 150 Jahre die
Entwicklung der Universität und Studenten lebenslang aktiv begleite,
stelle seine Kompetenz offensichtlich zu oft unter den Scheffel.
Dass sich außer den Bundesbrüdern
der Ruhrania und Angehörigen des UNITAS-Zirkels Essen nur eine Handvoll
studentischer Gäste zu der als öffentliche Podiumsdiskussion geplanten
Debatte eingefunden hatten, fiel auch den Professoren auf. „Da haben sie
den Beweis, dass das, was Sinn macht, aber über das Geforderte hinaus
geht, wenig angenommen wird“, konstatierte Professor Hartung, der genau
daran entlang die Stipendienfähigkeit von Studierenden deklinierte. Und
Professor Sturma erklärte: „Vielleicht sind sie ja tatsächlich eben so
eine Gruppe, die genau das tut, was man als Gesellschaft wohl von der
Universität und als Universität von den Studenten verlangen kann.“ -
Genug Stoff für die einen großen Bogen spannende Debatte, die sich im
Anschluss an die Veranstaltung in die benachbarte Kneipe „Litfass“
verlagerte. Mit der Erkenntnis, dass mit dem Mimikri von studentischen
Verbänden an den Unis Schluss endlich sein muss. Und dass das Gerede von
den „Top-Unis“ außerhalb des Ruhrgebiets eben auch nur - Gerede - ist
....
CB
PROGRAMMHINWEIS:
Öffentliche Podiumsdiskussion
"Haben Studenten eine gesellschaftspolitische
Aufgabe?"
am Donnerstag, 12. Januar 2006 an der Universität Essen
Seit
es Universitäten gibt, heißt es Bücherschleppen und Scheinekloppen,
Vorlesungen besuchen und Prüfungen ablegen. Doch warum sollten sich
Musensöhne und -töchter an den Hohen Schulen im ganz normalen Leben
nicht auch mit ganz normalen Dingen beschäftigen? Nicht Kinobesuchen,
Parties, Ferientouren, versteht sich - nicht allein. Sondern mit Tätigkeiten
im sozialen Bereich.
Das tun heute immer mehr Studiosi, denn langsam spricht sich rum, dass man
nicht nur nach dem US-amerikanischen Vorbild "Credit Points" für´s
Studium sammeln kann, sondern gerade hier etwas für´s Leben lernt,
Grundbedingungen für Stipendien erfüllt und nebenbei ganz praktisch
gesellschaftliche Mitverantwortung einübt.
Seit einigen Jahren gibt es auch an deutschen Hochschulen Freiwilligenagenturen,
die endlich einen alten Gedanken wieder in Erinnerung rufen. Denn bereits
vor 100 Jahren hat sich eine "sozialstudentische Bewegung" entwickelt,
an der die damals bestimmenden, kirchlich geprägtenstudentischen
Verbände wesentlich beteiligt waren. Die weitgespannten Tätigkeiten
dieser Bewegung hat ganze Generationen von Akademikern geprägt.
Geht das auch heute noch? Haben Studenten nicht genug zu tun? Was
bringt es? Wie geht es? Diese Fragen gehen alle an. Denn es ist ein
Thema, das zu einer zukunftsfähigen Bildung an zukunftsfähigen Universitäten
gehört.
Unter Leitung von Ruhranen-Senior
Bbr. Sebastian Sasse diskutieren:
Prof. Dr. Dieter Sturma, Institut für
Philosophie
Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker und Vertrauensdozent der
Konrad Adenauer-Stiftung
Daniel Feldmann, Student und aktiv bei den Pfadfindern
und ein Vertreter des Projekts "Uni aktiv".
Veranstalter: W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
18 Uhr, im
evangelischen Studentinnen- und Studentenzentrum die
BRÜCKE.
Adresse: Universitätsstr.19
45141 Essen, Tel
0201-235766, Fax 0201-202589,
E-mail: die.bruecke@uni-essen.de,
http://www.die-bruecke.uni-essen.de
Zur Teilnahme wird ganz
herzlich eingeladen.
Zur
Diskussion empfehlen wir folgenden Beitrag von Christopher Onkelbach aus
der WAZ von Montag, 9. Januar 2006

ESSAY: ZUKUNFT DER BILDUNG
Wissen als Blindenhund
Bildung zwischen Wahrheit und Wettbewerb. Reformen an Schulen und Hochschulen setzen auf Verwertbarkeit und Markt. Verantwortung der Wissenschaft
Von Christopher Onkelbach
Essen. Unsere Schulen und Hochschulen werden immer mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst. Es geht um die möglichst schlanke und schnelle Ausbildung junger Menschen, um sie rasch und reibungslos ins Berufsleben zu bringen.
Die Hochschulreform, die Nordrhein-Westfalen derzeit erlebt, trägt die Überschrift: Wettbewerb! Praxisorientierung, Berufsbefähigung, Beschleunigung und Output-Orientierung sind die Schlagworte, die darunter stehen. Für die Umstellung der Hochschulfinanzierung auf leistungsabhängige Maßstäbe gibt es viele gute Argumente. Was aber für die Bildung daraus folgt, wird selten mitgedacht.
So ist etwa die Umstellung der Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master auch als Sparmaßnahme zu sehen. Mit Hilfe des gestuften Systems lassen sich mehr Leute in kürzerer Zeit durch die Uni schleusen und die Zahl der Absolventen wird womöglich auch erhöht. Der Bologna-Prozess begann mit dem richtigen Ziel, in Europa einen einheitlichen und konkurrenzfähigen Hochschulraum zu entwickeln. Wie dies aber gestaltet werden kann, ohne die Studieninhalte allein rascher Berufsbefähigung zu unterwerfen, blieb blass. Dem Bologna-Prozess fehle die geistige Orientierung, kritisierte der Philosoph Julian Nida-Rümelin.
Eine Reform des Bildungswesens muss eine bedeutsame Grundfrage beantworten: Soll das Bildungssystem ein vom Staat finanziertes und weitgehend geschütztes Gegenmodell zum Markt bleiben oder soll es Teil des Marktes werden? Im Grunde wurde diese Frage von vielen Bildungspolitikern schon in dem Moment entschieden, als sie mehr Wettbewerb forderten. Wozu auch die Einführung von Studiengebühren gehört.
Was aber folgt aus der zunehmenden Ökonomisierung der Bildung? Wettbewerb erzeugt stets Gewinner und Verlierer. Wo Ressourcen knapp sind, gibt es Verteilungskämpfe. Im Bildungswesen sind Sieger oder Verlierer nicht nur Hochschulen, Fachbereiche, Wissenschaftler oder Studierwillige, der Prozess betrifft am Ende die ganze Gesellschaft. Wie lässt Marktsteuerung sich mit sozialer Gerechtigkeit vereinbaren? Sie erzeugt Eliten, und die Masse der anderen. Der Bielefelder Philosoph Christoph Butterwegge schrieb: "Wettbewerb, der Sieger und Verlierer kennt, ist mit Wissenschaft, die nach Wahrheit strebt, kaum vereinbar."
Markt und Bildung - das sind nicht einmal die beiden Seiten einer Medaille. Bildung - wie auch Dichtung, Kunst, Musik - folgt in ihrem Ideal anderen Gesetzen. Sie will nicht siegen, sondern überzeugen. Sie ist nicht effektiv, sondern sperrig. Sie ist ohne ökonomisches oder politisches Interesse. Sie ist nicht zweckbestimmt, sondern frei. Sie ist nicht aktuell, sondern zeitlos. Sie hat es nicht eilig, sondern benötigt Muße. All dies macht sie aus ökonomischer Sicht suspekt.
Mit diesem traditionellen humanistischen Bildungsideal kollidiert die Idee, Forschung und Lehre nach ihrem Beitrag zum wirtschaftlichen und technischen Fortschritt zu beurteilen. Das Paradoxe an dieser Vorstellung ist, dass eine konsequente Ausrichtung der Wissenschaft auf Kriterien der Verwertbarkeit die Wissenschaft selbst lähmen und beschädigen würde. Ihr fehlte die nötige Freiheit. Die kulturelle Funktion, die aufklärerische Tradition, das kritische und distanzierte Beobachten gingen verloren.
Die zweite Form der Ökonomisierung ist der Umbau der Hochschulen zu Anstalten der Berufsausbildung. Dies wäre jedoch bei der wachsenden Dynamik des Arbeitsmarktes eine Sackgasse. Ausbildung hat mit Bildung wenig zu tun. Das Resultat wäre ein Heer von Fachleuten, die aber das Ganze nicht überschauen. Was fangen wir an mit unseren Daten? Wohin gehen wir? Zu welchem Zweck lernen wir? Was ist das Ziel? Wie dient das Wissen der Gesellschaft? Diese Fragen kann ein Spezialist nicht beantworten, sein Expertenwissen gliche einem Blindenhund, der uns durch eine komplizierter werdende Welt mehr schlecht als recht leitet. Sehen könnte der Fachmann nur, hätte er Bildung.
In Zeiten, wo religiöse und kulturelle Differenzen zunehmen, wo die Globalisierung uns vor neue Herausforderungen stellt, kann uns ein Spezialist also kaum helfen. Wir brauchen die Kultur-, Religions- und Geisteswissenschaftler, die Philosophen und Historiker und die Kunsthistoriker, die uns einen Weg weisen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten erklären können.
Die Fähigkeiten, die ein wissenschaftliches Studium daher vermitteln sollte, sind neben reinem Fachwissen die Ausbildung einer eigenständigen Urteilskraft. Das angeleitete und dann eigenverantwortliche Lernen und Forschen formt Persönlichkeiten, die dann auch auf dem Arbeitsmarkt Chancen haben.
Während der Reformprozess des Bildungssystems fortschreitet, sollte immer wieder die Frage gestellt werden, ob wir Bildung wirklich nur als zentralen Standortfaktor im Wettlauf der Wissensnationen begreifen wollen - dann würden aus Hochschulen bald Betriebe -, oder ob wir Bildung im humboldtschen Sinne als Bedingung des "eigentlichen Menschseins", als Zweck an sich verstehen.
Den Anforderungen der Zukunft wird vermutlich am ehesten eine Zwischenlösung gerecht, die einer effizienten und modernen Wissensvermittlung nicht die Bildung opfert. Es müsste eine Brücke entstehen zwischen marktgläubigen Bildungsmanagern und den strengen Hütern des humboldtschen Erbes. Zuvor aber müsste endlich eine Debatte über Sinn, Ziel und Aufgabe von Erziehung beginnen, um von diesem Punkt aus ein Bildungskonzept zu entwerfen. Damit wir endlich Klarheit darüber gewinnen, wohin uns Bildung bringen soll.
Neujahrsempfang
2006: "Heraus
mit der Sprache!"
4.1.2006: Gutes Neues Jahr! Über 40 Bundesbrüder und Gäste versammelten
sich am Mittwochabend auf dem UNITAS-Haus in Borbeck zu einer
"Premiere": Der erste und sicher nicht der letzte
Neujahrsempfang im "Feldschlösschen" vereinigte Mitglieder der
UNITAS-Zirkel in Essen, Bochum, Bottrop, Oberhausen, Castrop-Rauxen und
Datteln zum zwanglosen Gespräch und Austausch. "Frohe
Begegnung und wissenschaftliche Akzente sind in guter unitarischen
Tradition nicht zu trennen. Und es gut, dass wir das Jahr genauso
beginnen", erklärte Senior Sebastian Sasse, der die Corona und den
Festredner mit einem Rück- und Ausblick auf das laufende Semester
begrüßte.
Im
Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag von Bbr. Pfr. em. Alfons
Riesener, der mit seinem ausgefeilten Vortrag klärende und provozierende
Gedanken zur Situation der Kirche in der modernen Gesellschaft
formulierte. Mit vielfältigen Quellen - von Descartes über Johannes Paul
II. bis zu den Schriften von Benedikt XVI. erörterte der in Billerbeck
lebende Theologe die Genese und Gestalt der Ideologien des 19.
Jahrhunderts bis zum "Relativismus" unserer Tage, dem
insbesondere der jetzige Papst in seinen Ansprachen seine Aufmerksamkeit
gewidmet hat. Christen, so Pfr. Riesener, müssten jederzeit in der Lage
sein, mit Argumenten die Bedeutung ihres Glaubens zu verteidigen. Nicht
das Denken allein, sondern das Sein eröffne einen realistischen und
ganzheitlichen Blick auf die Wirklichkeit. Christen sollten durchaus
unterstreichen, dass - und warum - die christliche Lebensführung das
"bessere Lebenskonzept" sei. Die übliche Mehrheitsentscheidung
in gesellschaftlichen Prozessen könne die Wahrheit nicht ersetzen. Reine
Binnenverkündigung sei nicht hilfreich. "Für Christen lautet das
Gebot der Zeit: Heraus mit der Sprache!", betonte er. Hier müsse
nicht nur neues Selbstvertrauen entwickelt, sondern auch "Vertrauen
in den Himmel", meinte Riesener und verwies auf das große
Jubiläumsfest, das das vergangenen Jahr im Bistum Münster bestimmte:
"Seinem Gründer, dem Heiligen Liudger, der vor 1200 Jahren dort zum
ersten Bischof geweiht wurde, können wir heute noch eine Menge
zutrauen."
Neue Offenheit für religiöse Fragen
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