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Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND

 

  

Aus: unitas 2004/5

HOCHSCHULE: 
Ein Studium lohnt sich auch morgen noch

TROTZ SCHLECHTER WIRTSCHAFTSLAGE HABEN AKADEMIKER NACH WIE VOR GUTE CHANCEN, AUF DEM ARBEITSMARKT FUSS ZU FASSEN. DAS BESTÄTIGTE DR. BERNHARD HOHN BEI EINER VORTRAGSVERANSTALTUNG DER KATHOLISCHEN AKADEMIKER-ARBEIT (KAD) IN BONN. UM JEDOCH AUCH DEN TRAUMBERUF AUSÜBEN ZU KÖNNEN, MÜSSEN DIE STUDIERENDEN SCHON VOR DEM ABSCHLUSS INITIATIVE ZEIGEN.

Von Julia Sudmann

Der deutschen Wirtschaft geht es seit Jahren schlecht, und das macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die anhaltend hohe Arbeitslosenquote macht jungen Menschen die Entscheidung schwer, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. Schließlich bietet der Traumberuf nicht zwangsläufig traumhafte Aussichten. Und Arbeitslosigkeit macht auch vor Akademikern nicht halt. Doch beim Blick auf den Anteil der Hochschulabsolventen unter den Arbeitslosen bewahrheitet sich: Ein Studium lohnt sich nach wie vor. Zu diesem Schluss kommt Dr. Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). Auf Einladung der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD) stellte er in einem Vortrag am 5. November 2005 in Bonn dar, wie die Chancen stehen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und welche Branchen auch für Akademiker derzeit kaum Perspektiven bieten.

Mit gerade einmal vier Prozent lag die Quote der Arbeitslosen mit Hochschulabschluss 2004 im Vergleich zur Quote insgesamt (11,9 Prozent) extrem niedrig und nahe an der Vollbeschäftigung. Dieser Trend lässt sich in den vergangenen 30 Jahren durchgehend beobachten. Die Zahl der Arbeitslosen mit Lehre oder Fachschulabschluss lag im Vergleich dazu 2004 bei 9,9 Prozent und auf die vergangenen Jahrzehnte bezogen stets deutlich über der Quote der arbeitslosen Akademiker. „So gut wie Akademiker stehen keine anderen Gruppen am Arbeitsmarkt“, bestätigte auch Hohn. Zudem sei die Zahl der Arbeitslosen mit Hochschulabschluss seit zwei Jahren bereits wieder im Rückgang. „Umgekehrt melden die Betriebe wieder mehr Stellen für Akademiker.“ Ein Studium ist demnach offenbar immer noch eine Eintrittskarte in die Berufswelt.

Bis heute stellen die Universitätsabschlüsse den mit Abstand größten Teil der akademischen Abschlüsse. 62,3 Prozent waren es etwa im Jahr 2003, gegenüber 28,5 Prozent Fachhochschulabschlüssen. Danach folgten die Verwaltungs-Fachhochschulen (5,4 %), Kunsthochschulen (2,4%) und Pädagogischen Hochschulen (1,2 %). Dass sich an diesen Verhältnissen etwas ändern wird, ist bereits abzusehen.„Die FH-Abschlüsse wachsen an“, erklärte Bernhard Hohn. Zum einen reize die Studierenden der Praxisbezug des Studiums, zum anderen bauten die Fachhochschulen stärker aus als die Universitäten. Doch obwohl das praxisbezogene Studium und die frühen Kontakte zu den jeweiligen Branchen ein eindeutiger Vorteil sind, haben es die FH-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt den Zahlen zufolge schwerer als Absolventen mit Universitätsabschluss. Ein Grund dafür ist laut Hohn, dass mehr FH-Absolventen auf den Arbeitsmarkt strömen. Einen weiteren vermutet der Experte darin, dass Fachhochschulabsolventen vor allem ins mittlere Management streben und dieses derzeit verstärkt abgebaut wird. Auch bei den Universitätsabschlüssen tut sich einiges. Waren 2003 noch lediglich 1,1 Prozent aller Hochschulabschlüsse Bachelor- und 1,4 Prozent Master-Abschlüsse – während die Zahl der Uni-Diplome und vergleichbarer Abschlüsse bei 40,7 Prozent lag – wird sich dieses Verhältnis bald grundlegend ändern. Und mit dem Ausbau der BA- und MA-Studiengänge, wird sich auch die Studiendauer künftig verkürzen. Denn derzeit dauert es im Durchschnitt noch fünf bis sechs Jahre bis zum erfolgreichen Examen. Und weil Studenten in zunehmendem Maße vor dem Studium zunächst eine Ausbildung absolvieren, ist das Durchschnittsalter der Absolventen mit 28,8 Jahren im internationalen Vergleich recht hoch. „Dabei sind allerdings die Promotionen mit eingerechnet“, relativierte Hohn. Den Trend, dem Studium eine Ausbildung vorauszuschicken, bewertete er als „durchaus gelungene Strategie“.

Eine Schere tut sich beim Vergleich der beliebtesten Studienfächer mit den auf dem Arbeitsmarkt gefragtesten Abschlüssen auf: Während die Studenten des mit Abstand begehrtesten Fachs Betriebswirtschaftslehre sowie auch die zweitplatzierten Mediziner noch recht gute Aussichten haben, gleich nach dem Abschluss einen Job zu finden, liegt auch eine Branche unter den Top Ten, in der Arbeitsplätze äußerst rar sind – die Architektur. „Architekten sind von eklatanter Arbeitslosigkeit bedroht“, warnte der Fachmann. Nur auf Platz sechs findet sich dagegen ein Studienfach, das wiederum gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet: Maschinenbauwesen. Weitere Ingenieursstudiengänge sowie die Biologie haben es gar nur ans Ende der ersten Zehn geschafft. Hohn betrachtet das mit Sorge. „Meines Erachtens ist mit der Reihenfolge etwas nicht in Ordnung“, sagte er. Denn gerade Ingenieure würden gebraucht. Zudem bieten Ingenieursstellen mehr Sicherheit, wie die Statistik der Stellen, die befristet ausgeschrieben werden, zeigt. Bei verschiedenen Ingenieursberufen und in der IT-Branche bewegen sich die Zahlen um oder sogar unter zehn Prozent. Hochschul- und Fachhochschullehrer haben demgegenüber mit etwa drei Viertel (76,3 Prozent) einen extrem hohen Anteil befristeter Stellen. Ebenfalls weit oben in der Liste: Sozialpädagogen (64,4 %), Sozialarbeiter (60,6 %), Chemiker (46,7 %), Grund- und Hauptschullehrer (45,1 %), Psychologen (42,9 %) und Fachschul- und Berufsschullehrer (42,5 %). Wer in diese Berufe strebt, sollte sich also darüber im Klaren sein, dass ihm große Flexibilität abgefordert wird.

Anlass zur Sorge gibt auch, dass es besonders die jungen Akademiker sind, die Schwierigkeiten haben, eine Anstellung zu finden. Denn die Statistik, die die Gruppe der unter 30-Jährigen mit gerade einmal 14 Prozent der arbeitslosen Akademiker angibt, während alle anderen Altersgruppen sich um die 28/29 Prozent einpendeln, täuscht: Es sind schlicht nicht so viele junge Menschen mit Hochschulabschluss am Markt, klärte Hohn in seinem Vortrag auf. In den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosigkeit bei den unter 30-Jährigen im Gegenteil sogar drastisch gestiegen, was sich vor allem mit der mangelnden Berufserfahrung erklären lässt. Hohn rät daher dringend dazu, sich schon während des Studiums um praktische Erfahrungen zu bemühen. Praktika und Diplomarbeiten in den jeweiligen Branchen bieten dazu Gelegenheit. Und, so der Experte, spätestens im Hauptstudium sei es an der Zeit, sich auf eine Grundrichtung festzulegen, die für einen späteren Arbeitgeber auch zu erkennen sei. Generell gilt laut Hohn, dass die klassischen Branchen wie Automobilindustrie und Maschinenbau nach wie vor die tragenden Säulen des Arbeitsmarktes sind – auch des Akademiker-Arbeitsmarktes. Die meisten Stellenangebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) eingehen, kommen mit 52,1 Prozent aus Personalvermittlungs- oder Zeitarbeitsfirmen. „Aus der öffentlichen Verwaltung kommt zwar noch relativ viel, aber die Angebote sind rückläufig“, schilderte Hohn. Einen noch stärkeren Rückgang gebe es allerdings mit minus 8,6 Prozent im Gesundheitswesen.

Während bei der BA technische Berufe die Liste der offenen Stellen anführen, liegen bei den Zeitungsanzeigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen weit vorne. Dennoch sollten Arbeitssuchende keine Möglichkeit der Jobsuche auslassen und neben Arbeitsvermittlung und Annoncen auch das Internet und Mundpropaganda miteinbeziehen.

Die Chancen der Eier legenden Wollmilchsau ...

Schwierig wird es, wenn es darum geht, die Anforderungen der Arbeitgeber zu erfüllen. Wie Hohn bestätigte, wird da oftmals die berühmte "Eier legende Wollmilchsau" gesucht. Der Bewerber sollte nicht nur auf seinem Fachgebiet über gutes bis sehr gutes Wissen verfügen, sondern möglichst breit gebildet sein. Zudem wünschen sich Firmen junge Akademiker mit passender Berufserfahrung. Hinzu kommen unspezifische Fachkompetenzen wie wirtschaftliches Grundverständnis, Englisch- oder anderen Fremdsprachenkenntnisse und Computerwissen. Und die so genannten Soft Skills – Mobilität, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten und am besten auch noch bescheidene Einkommenswünsche. Gerade den letzten Punkt nutzten Unternehmen in zunehmendem Maße aus, wie Hohn zu Bedenken gab. Denn immer häufiger würden ganze Projekte und Arbeitsbereiche schlecht oder gar nicht bezahlten Langzeitpraktikanten übergeben. „Die Zahl der Praktikumsplätze für Akademiker ist raketenhaft gestiegen.“ Doch außer moralischen Appellen an die Unternehmer hätte man in diesem Punkt keine Handhabe, so Hohn. Und in Sachen Mobilität machte der Arbeitsvermittler deutlich, dass eine gute Stelle eben oftmals einen Umzug erforderlich macht. Schließlich gibt es die meisten Angebote in den Ballungsräumen. Ganz vorne stehen dabei Städte wie Berlin, Hamburg, München und Stuttgart. So wurden von Januar bis September dieses Jahres etwa in München mit nahezu 3000 offenen Stellen für Akademiker rund fünf Mal so viele Jobs angeboten wie in Saarbrücken, Essen oder Magdeburg.

Studierenden, die in absehbarer Zeit ihren Abschluss machen werden, gab der Experte noch einen Tipp mit auf den Weg: „Es ist nicht unüblich, dass die Unternehmer auf einer Messe offen sind für Gespräche über Stellen.“ Das gelte nicht nur für die als Rekrutierungsmessen gedachten Absolventenkongresse, sondern auch für Fachmessen. Der Jobsuchende sollte einfach eine Bewerbungsmappe mitnehmen und interessanten Firmen seinen Lebenslauf da lassen.

Aber auch die Ausstellerverzeichnisse für solche Messen könnten auf der Suche nach einem Arbeitsplatz nützlich sein, da sie alle Adressen und Informationen über die Aussteller enthalten. Außerdem gibt es unter den Internetadressen www.deutschland.de (Stichwort: Wirtschaft) oder auch www.regisonline.de regionale Unternehmensdatenbanken, in denen sich auch kleinere Unternehmen finden lassen. Bernhard Hohn wies darauf hin, dass es sich lohnen kann, in die Arbeitssuche einiges an Zeit und Mühe zu investieren. Denn: „Die Suche nach einem Job ist quasi der erste Job, den Sie machen. Sehen Sie es als Herausforderung.“

Informationen zur Jobsuche für Akademiker gibt es im Internet unter www.babestellservice.de (Suchwort: Akademiker) oder über die Seite der Bundesagentur für Arbeit www.arbeitsagentur.de (Informationen für Arbeitnehmer, Bestimmte Personengruppen, Akademiker). Hintergründe zu den Chancen in diversen Branchen finden sich auf der Seite www.uni-magazin.de.

Aus: unitas 4/2005. Dort weitere Berichte zum Thema Studium und Hochschule.


12. Januar 2006: UNITAS Ruhrania veranstaltet öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema an der Uni Essen


Wir machen bereits jetzt darauf aufmerksam, dass sich am Donnerstag, 12. Januar, ein öffentliches Podium in der Universität Essen 
mit dem Thema „Haben Studenten eine gesellschaftspolitische Aufgabe?“ befassen wird. 
Unter Leitung von Ruhranen-Senior Sebastian Sasse diskutieren:
Der Philosoph Prof. Dieter Sturma, der Historiker Prof. Wolfgang Hartung, Vertreter des AStA und engagierte Studenten
 ab 18 Uhr in der Evangelischen Studentengemeinde „Die Brücke“. 
Zur Teilnahme wird ganz herzlich eingeladen.