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Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND

 

  

„Student sein ....“ – wozu dient das Studium?

Lebhafte Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania 
am12. Janaur 2006 an der Universität Essen


Ein buntes Kaleidoskop von Erkenntnissen brachte die Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania am Donnerstag, 12. Januar 2006, an der Universität Essen: Studenten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, sie waren noch nie Elite, sollten es aber sein. Und überhaupt: Es wäre schön, wenn mal etwas mehr getan würde, als von ihnen verlangt wird. Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr. Sebastian Sasse diskutierten Prof. Dr. Dieter Sturma (Bild links), Institut für Philosophie, Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker und Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung, Daniel Feldmann, Student und aktiv bei den Pfadfindern und Jörg Miller als Vertreter des Projekts "Uni aktiv". Aus ihren sehr unterschiedlichen Eingangsstatements entwickelte sich in der Diskussion eine umfassende Debatte zum Wesen und Nutzen der Universität und Wissenschaft, zur Situation von Lehrenden und Lehrenden – ein entscheidender Beitrag zum Oberthema des bei der UNITAS Ruhrania laufenden Semesterprogramms, das der Frage nach dem Sinn und Ziel des Studiums gewidmet ist.

 

Sehr grundsätzlich brachte der Philosoph in Erinnerung, dass Person, Persönlichkeit und Karriere weder Widersprüche, noch Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben sind. Mit seinem überraschenden Ansatz aus der Erklärung der Menschenrechte sezierte er die Bedingungen „im Raum der Gründe“, die einen Mensch zur Person machten: Recht auf Bildung und Teilhabe an Kultur, so Professor Dieter Sturma, seien unveräußerliche Rechte, die die Aneignung von Wissen und Techniken als Voraussetzungen für die Humanisierung der Lebenswelt erst ermöglichten. „Unterentwickelte Artikulationsfähigkeit und Neigung zu körperlicher Gewalt stehen in einem direkten Zusammenhang, das ist überall zu beobachten“, unterstrich Sturma in einem seiner Alltagsbeispiele aus der praktischen Anwendbarkeit der Philosophie und Geisteswissenschaften. Der Erwerb von Ausdrucks-, und Sprachfähigkeit seien die minimale Erwartung an ein abgeschlossenes Hochschulstudium. „Ich möchte, dass alle meine Studenten in einen Beruf kommen.“

 

Um eine Einschätzung der Studentenschaft gebeten, äußerte Professor Wolfgang Hartung, er „geniere er sich ein bisschen“. Er zeigte sich verwundert und deutlich frustriert, dass die an der Hochschulen gebotenen Chancen kaum wahrgenommen und zu einem hohem Prozentsatz sogar offen verweigert würden. „Wir beobachten eine Pflichterfüllung am Rande des Erträglichen, eine Beschränkung auf das Notwendigste“, meinte der aus Bayern gebürtige Historiker. Dort, so meinte er zugespitzt, sei die Mittlere Reife oft gleichwertig mit dem Abitur der meisten nordrhein-westfälischen Gymnasien. Doch nicht so sehr an den unterschiedlichen Voraussetzungen, sondern vor allem an der grassierenden Interesselosigkeit litten Studium und das Zusammenwirken von Lehrenden und Lernenden. Ihre Gemeinschaft werde zunehmend zu einem unerfüllten Wunsch, Hauptseminare würden zu Proseminaren, grundsätzliche Tugenden, die inspirierende wissenschaftliche Auseinandersetzung fehle, die Beherrschung simpelster handwerklicher Technologien, auch spüre er eine gewisse Weltfremdheit und Flucht in den Elfenbeinturm der Universität: „Studenten nehmen große Privilegien in Anspruch und haben eine Bringschuld!“ Gegen die allgemeine Verunsicherung der Studenten und angesichts der Frage, was akademisches Arbeiten sei, unterstrich er: „Setzt eigene Maßstäbe, Findet euer eigenes Profil“ und forderte ein intensives „Coaching“ von Studenten, etwa durch Ehemalige.

 

Social skills: Praktiker berichten

 

Sehr praktisch berichtete Daniel Feldmannaus seiner ehrenamtlichen Arbeit im Diözesanverband Essen der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Seit frühester Kindheit aktiv, habe er das Erziehungskonzept der Pfadfinder schätzen gelernt: Es ziele auf Entscheidungsfähigkeit, Mündigkeit und Reflektion, fördere die Beherrschung von Gruppenprozessen, die Erkenntnis vom Sinn eines Geben und Nehmens, Organisations- und Leitungsfähigkeit. „Es kostet Zeit, aber sie steht in einem Verhältnis zu dem Profit, der daraus zu ziehen ist“, so der für die Wölflingsarbeit bei der DPSG zuständige Student. Dieses Engagement fördere eine Persönlichkeitsentwicklung, präge für das Leben und habe nicht zuletzt auch bei der universitären Existenz nachhaltige und positive Auswirkungen in der Organisation und Bewältigung des Studiums. (www.dpsg.de)

 

Ähnlich positiv äußerte sich Jörg Miller als Vertreter des Projekts „Uni aktiv“ zu außeruniversitärem Tun. „Zukünftige Führungskräfte sollten sich sozial engagieren“, forderte der Projektleiter am Labor für Organisationsentwicklung im Fachbereich Bildungswissenschaften. In der US-amerikanischen Tradition verpflichtend, sei die zwangsweise Arbeit von Studenten in Community Services zwar bei uns noch kein Thema, doch müssten bürgerschaftliche Aktivitäten an den Universitäten einen größeren Stellen- und Bekanntheitswert erhalten. In der Zusammenarbeit mit der Ehrenamtzentrale stünden über 300 Angebote in sozialen, kulturellen und ökologischen Einrichtungen zur Verfügung, auch sei man zur Verankerung von „Service Learning“ mit der Seite der Lehrenden in Kontakt getreten. Die Anlaufstelle auf dem Campus biete Beratung und Begleitung, Qualifizierung und Zertifikate – ein Beitrag zu einer Universität, die nicht nur Fachwissen, sondern auch in der Wirtschaft gefragte wichtige Schlüsselqualifikationen als „Kaltwasserkompetenz“ vermittle. (www.uni-aktiv.org)

 

Die freundlich, humorvoll und zugleich besorgt vorgetragene „Studentenschelte“ von Prof. Hartung könne er zwar nicht ganz teilen, meinte Professor Dieter Sturma, doch stünden die Universitäten am „Ende der Bildungskette: Das Versagen der schulischen Vorbildung sei zu offensichtlich („Die Schulen sind ein Elend“), die Bildungsvoraussetzungen seien schlechter, die Unterschiede größer geworden. Dabei hätten Studenten eine Riesenchance, die sie nutzen sollten, betonte Sturma. Mit Blick auf eigene Erfahrungen an US-Universitäten sprach er von der „chance to excell“, der „Möglichkeit, sich auszuzeichnen“. Das Gejammer über die Geisteswissenschaften, ob in den eigenen Reihen oder in der Öffentlichkeit, vor allem in den Medien, nannte er „verantwortungslos“, die sogenannten „Rankings“ von Universitäten „im wesentlichen ein Witz“ und den Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen „bedrückend“. Studenten, riet er dringend, sollten sich den öffentlich postulierten Bedürfnissen der Industrie verweigern, sondern vor allem das machen, „was ihnen Spaß macht – und es gut machen.“ Professoren, erklärte er mit Hinweis auf das Rousseausche Diktum vom „Missbrauch der Lebenszeit“, stünden in einer wichtigen Verantwortung für die Lebenszeit der Studierenden und warb für eine engere und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller an der Universität Lebenden und Arbeitenden.

 

Fazit: Schluss mit dem Mimikri

 

Offensichtlich, so darf man nach der Diskussion wohl unter anderem auch zusammenfassen, ist es eben doch nicht von der Hand zu weisen, dass studentische Aktivitäten, die schon immer in enger Kohabitation mit der Universität zu tun haben, noch nie „auf dem falschen Dampfer“ waren. Was, so auch in den Wortbeiträgen in der Diskussion, seien studentische Verbindungen anders als eben die geforderten Orte, Foren, Lebens- und Erfahrungsräume, an denen „der Student wirklich Student sein kann“? Ein Verband, so Diskussionsleiter Bbr. Sebastian Sasse, der wie die UNITAS 150 Jahre die Entwicklung der Universität und Studenten lebenslang aktiv begleite, stelle seine Kompetenz offensichtlich zu oft unter den Scheffel.

 

Dass sich außer den Bundesbrüdern der Ruhrania und Angehörigen des UNITAS-Zirkels Essen nur eine Handvoll studentischer Gäste zu der als öffentliche Podiumsdiskussion geplanten Debatte eingefunden hatten, fiel auch den Professoren auf. „Da haben sie den Beweis, dass das, was Sinn macht, aber über das Geforderte hinaus geht, wenig angenommen wird“, konstatierte Professor Hartung, der genau daran entlang die Stipendienfähigkeit von Studierenden deklinierte. Und Professor Sturma erklärte: „Vielleicht sind sie ja tatsächlich eben so eine Gruppe, die genau das tut, was man als Gesellschaft wohl von der Universität und als Universität von den Studenten verlangen kann.“ - Genug Stoff für die einen großen Bogen spannende Debatte, die sich im Anschluss an die Veranstaltung in die benachbarte Kneipe „Litfass“ verlagerte. Mit der Erkenntnis, dass mit dem Mimikri von studentischen Verbänden an den Unis Schluss endlich sein muss. Und dass das Gerede von den „Top-Unis“ außerhalb des Ruhrgebiets eben auch nur - Gerede - ist ....

CB

 


PROGRAMMHINWEIS:
Öffentliche Podiumsdiskussion


"Haben Studenten eine gesellschaftspolitische Aufgabe?"
am Donnerstag, 12. Januar 2006 an der Universität Essen

Seit es Universitäten gibt, heißt es Bücherschleppen und Scheinekloppen, Vorlesungen besuchen und Prüfungen ablegen. Doch warum sollten sich Musensöhne und -töchter an den Hohen Schulen im ganz normalen Leben nicht auch mit ganz normalen Dingen beschäftigen? Nicht Kinobesuchen, Parties, Ferientouren, versteht sich - nicht allein. Sondern mit Tätigkeiten im sozialen Bereich.

Das tun heute immer mehr Studiosi, denn langsam spricht sich rum, dass man nicht nur nach dem US-amerikanischen Vorbild "Credit Points" für´s Studium sammeln kann, sondern gerade hier etwas für´s Leben lernt, Grundbedingungen für Stipendien erfüllt und nebenbei ganz praktisch gesellschaftliche Mitverantwortung einübt.
Seit einigen Jahren gibt es auch an deutschen Hochschulen Freiwilligenagenturen, die endlich einen alten Gedanken wieder in Erinnerung rufen. Denn bereits vor 100 Jahren hat sich eine "sozialstudentische Bewegung" entwickelt, an der die damals bestimmenden, kirchlich geprägtenstudentischen Verbände wesentlich beteiligt waren. Die weitgespannten Tätigkeiten dieser Bewegung hat ganze Generationen von Akademikern geprägt.

Geht das auch heute noch? Haben Studenten nicht genug zu tun? Was bringt es? Wie geht es? Diese Fragen gehen alle an. Denn es ist ein Thema, das zu einer zukunftsfähigen Bildung an zukunftsfähigen Universitäten gehört.

Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr. Sebastian Sasse diskutieren:

Prof. Dr. Dieter Sturma,
Institut für Philosophie
Prof. Dr. Wolfgang Hartung, 
Historiker und Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung
Daniel Feldmann,
Student und aktiv bei den Pfadfindern
und ein Vertreter des Projekts "Uni aktiv".
Veranstalter:
W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund

18 Uhr, im evangelischen Studentinnen- und Studentenzentrum die BRÜCKE. 
Adresse:
Universitätsstr.19 45141 Essen, Tel 0201-235766, Fax 0201-202589, 
E-mail: die.bruecke@uni-essen.de,
http://www.die-bruecke.uni-essen.de

Zur Teilnahme wird ganz herzlich eingeladen.

 

 

 

Zur Diskussion empfehlen wir folgenden Beitrag von Christopher Onkelbach aus der WAZ von Montag, 9. Januar 2006




ESSAY: ZUKUNFT DER BILDUNG

Wissen als Blindenhund


Bildung zwischen Wahrheit und Wettbewerb. Reformen an Schulen und Hochschulen setzen auf Verwertbarkeit und Markt. Verantwortung der Wissenschaft

Von Christopher Onkelbach


Essen. Unsere Schulen und Hochschulen werden immer mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst. Es geht um die möglichst schlanke und schnelle Ausbildung junger Menschen, um sie rasch und reibungslos ins Berufsleben zu bringen.


Die Hochschulreform, die Nordrhein-Westfalen derzeit erlebt, trägt die Überschrift: Wettbewerb! Praxisorientierung, Berufsbefähigung, Beschleunigung und Output-Orientierung sind die Schlagworte, die darunter stehen. Für die Umstellung der Hochschulfinanzierung auf leistungsabhängige Maßstäbe gibt es viele gute Argumente. Was aber für die Bildung daraus folgt, wird selten mitgedacht.
So ist etwa die Umstellung der Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master auch als Sparmaßnahme zu sehen. Mit Hilfe des gestuften Systems lassen sich mehr Leute in kürzerer Zeit durch die Uni schleusen und die Zahl der Absolventen wird womöglich auch erhöht. Der Bologna-Prozess begann mit dem richtigen Ziel, in Europa einen einheitlichen und konkurrenzfähigen Hochschulraum zu entwickeln. Wie dies aber gestaltet werden kann, ohne die Studieninhalte allein rascher Berufsbefähigung zu unterwerfen, blieb blass. Dem Bologna-Prozess fehle die geistige Orientierung, kritisierte der Philosoph Julian Nida-Rümelin.
Eine Reform des Bildungswesens muss eine bedeutsame Grundfrage beantworten: Soll das Bildungssystem ein vom Staat finanziertes und weitgehend geschütztes Gegenmodell zum Markt bleiben oder soll es Teil des Marktes werden? Im Grunde wurde diese Frage von vielen Bildungspolitikern schon in dem Moment entschieden, als sie mehr Wettbewerb forderten. Wozu auch die Einführung von Studiengebühren gehört.
Was aber folgt aus der zunehmenden Ökonomisierung der Bildung? Wettbewerb erzeugt stets Gewinner und Verlierer. Wo Ressourcen knapp sind, gibt es Verteilungskämpfe. Im Bildungswesen sind Sieger oder Verlierer nicht nur Hochschulen, Fachbereiche, Wissenschaftler oder Studierwillige, der Prozess betrifft am Ende die ganze Gesellschaft. Wie lässt Marktsteuerung sich mit sozialer Gerechtigkeit vereinbaren? Sie erzeugt Eliten, und die Masse der anderen. Der Bielefelder Philosoph Christoph Butterwegge schrieb: "Wettbewerb, der Sieger und Verlierer kennt, ist mit Wissenschaft, die nach Wahrheit strebt, kaum vereinbar."
Markt und Bildung - das sind nicht einmal die beiden Seiten einer Medaille. Bildung - wie auch Dichtung, Kunst, Musik - folgt in ihrem Ideal anderen Gesetzen. Sie will nicht siegen, sondern überzeugen. Sie ist nicht effektiv, sondern sperrig. Sie ist ohne ökonomisches oder politisches Interesse. Sie ist nicht zweckbestimmt, sondern frei. Sie ist nicht aktuell, sondern zeitlos. Sie hat es nicht eilig, sondern benötigt Muße. All dies macht sie aus ökonomischer Sicht suspekt.

Mit diesem traditionellen humanistischen Bildungsideal kollidiert die Idee, Forschung und Lehre nach ihrem Beitrag zum wirtschaftlichen und technischen Fortschritt zu beurteilen. Das Paradoxe an dieser Vorstellung ist, dass eine konsequente Ausrichtung der Wissenschaft auf Kriterien der Verwertbarkeit die Wissenschaft selbst lähmen und beschädigen würde. Ihr fehlte die nötige Freiheit. Die kulturelle Funktion, die aufklärerische Tradition, das kritische und distanzierte Beobachten gingen verloren.
Die zweite Form der Ökonomisierung ist der Umbau der Hochschulen zu Anstalten der Berufsausbildung. Dies wäre jedoch bei der wachsenden Dynamik des Arbeitsmarktes eine Sackgasse. Ausbildung hat mit Bildung wenig zu tun. Das Resultat wäre ein Heer von Fachleuten, die aber das Ganze nicht überschauen. Was fangen wir an mit unseren Daten? Wohin gehen wir? Zu welchem Zweck lernen wir? Was ist das Ziel? Wie dient das Wissen der Gesellschaft? Diese Fragen kann ein Spezialist nicht beantworten, sein Expertenwissen gliche einem Blindenhund, der uns durch eine komplizierter werdende Welt mehr schlecht als recht leitet. Sehen könnte der Fachmann nur, hätte er Bildung.

In Zeiten, wo religiöse und kulturelle Differenzen zunehmen, wo die Globalisierung uns vor neue Herausforderungen stellt, kann uns ein Spezialist also kaum helfen. Wir brauchen die Kultur-, Religions- und Geisteswissenschaftler, die Philosophen und Historiker und die Kunsthistoriker, die uns einen Weg weisen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten erklären können.

Die Fähigkeiten, die ein wissenschaftliches Studium daher vermitteln sollte, sind neben reinem Fachwissen die Ausbildung einer eigenständigen Urteilskraft. Das angeleitete und dann eigenverantwortliche Lernen und Forschen formt Persönlichkeiten, die dann auch auf dem Arbeitsmarkt Chancen haben.

Während der Reformprozess des Bildungssystems fortschreitet, sollte immer wieder die Frage gestellt werden, ob wir Bildung wirklich nur als zentralen Standortfaktor im Wettlauf der Wissensnationen begreifen wollen - dann würden aus Hochschulen bald Betriebe -, oder ob wir Bildung im humboldtschen Sinne als Bedingung des "eigentlichen Menschseins", als Zweck an sich verstehen.
Den Anforderungen der Zukunft wird vermutlich am ehesten eine Zwischenlösung gerecht, die einer effizienten und modernen Wissensvermittlung nicht die Bildung opfert. Es müsste eine Brücke entstehen zwischen marktgläubigen Bildungsmanagern und den strengen Hütern des humboldtschen Erbes. Zuvor aber müsste endlich eine Debatte über Sinn, Ziel und Aufgabe von Erziehung beginnen, um von diesem Punkt aus ein Bildungskonzept zu entwerfen. Damit wir endlich Klarheit darüber gewinnen, wohin uns Bildung bringen soll.