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Venezuela: Unser Projekt ist feierlich eingeweiht
Christian Lopez Casanava war unser Mann in Caracas
 

Bericht für die unitas 2/2007

Lange war es still gewesen um das Verbandsprojekt in Caracas/ Macaracuay. Doch dann kam die Einladung aus dem fernen Venezuela. Und die Einweihung „unseres“ Jugendzentrums wurde ein großes und feierliches Ereignis: Padre Pascual Chavez Villanueva SDB, römischer Generaloberer der Salesianer weltweit, segnete höchstpersönlich die neue Multifunktionshalle. Sie trägt in Zukunft den Namen "Casa UNITAS"! Bbr. Christian Lopez Casanava von UNITAS-Salia in Bonn hat sich für eine kurze Woche auf den anstrengenden Weg übers große Meer gemacht und die UNITAS bei der Einweihung vertreten. Bereits bei der Generalversammlung in Trier erstattete er Bericht und präsentierte die Dankesurkunde. Hier der Bericht aus seinem Reisetagebuch:

7. Mai: Ankunft

Was für eine Reise! Nach elfstündigem Flug völlig erschöpft am Flughafen Caracas - schon hier bekomme ich einen ersten Eindruck von den innerstaatlichen Verhältnissen. Zwei Stunden Wartezeit am Zoll, Erläuterungen und Befragungen zu meinem Besuch in der venezolanischen Hauptstadt sind noch das harmloseste Ereignis meiner einwöchigen Reise. Was nutzt es aber, all dies zu überstehen – wenn ich doch meine Gastgeber gar nicht persönlich kenne? Um sie ausfindig zu machen, begebe ich mich auf zum Ausgang des Flughafens, in der Hoffnung, dass man mich dort erwartet. Doch augenblicklich versperren mir zwei Polizisten den Weg. Sicherheitsgründe, wie es heißt. Ein Glück, dass ich Spanisch spreche. Ich solle ihn doch zur Autovermietung begleiten, so der Vorschlag der Beamten. Gerade erst habe ich ihm berichtet, dass ich überhaupt keinen Führerschein habe. „Ist doch kein Problem“, meint der Ordnungshüter. Und ich bleibe bis auf weiteres irritiert.

Nach drei Stunden Herumirren auf dem Flughafen finde ich meine Gastgeber. Wir machen uns auf den Weg zur Ordensniederlassung. Auch diese Fahrt wird zum Abenteuer: Die üblicherweise 45-minütige Strecke verlängert sich um drei weitere Stunden. Die Autobahn ist gesperrt, einige Monate zuvor ist eine Brücke eingestürzt. Uns bleibt nur die Weiterfahrt über die „Landstraße“, an steilen Klippen entlang, durch enge Wege und an mit Wellblechhütten übersäten Hängen vorbei. Müll türmt sich auf und neben der Straße. Straßenhunde überall und verwahrloste Kinder – ein Anblick, der kaum zu beschreiben ist, wenn man es nicht gesehen hat. Das gilt nicht anders für die Verkehrsverhältnisse, die wir in Caracas selbst antreffen. Auf der Stadtautobahn gibt der Fahrer eine kurze Einweisung zur Straßenverkehrsordnung. Hier, so erfahre ich, gelten diese vier Gebote: Gefahren wird, wo Platz ist. Vorfahrt hat das größte Auto. Das Wichtigste an einem Auto ist die Hupe. Und: Alles was fahrbar ist, wird gefahren. Auf den verstopften Straßen wäre man zu Fuß fast schneller gewesen. Und das Fenster zu öffnen, ist keine gute Idee. Denn die Abgase nehmen uns die Luft. Nach der Ankunft in der Nacht entschädigen der herzliche Empfang und ein echtes venezuelanisches Essen für die Flug- und Autostrapazen mehr als ausreichend. Meine Odyssee und die sechsstündige Zeitverschiebung fordern schließlich ihren Tribut. Das Gespräch mit den anwesenden Salesianern fällt kurz aus.

8. Mai: Der erste Tag in Caracas

Dienstagmorgen. Ich werde gegen 5.30 Uhr wach, nehme noch vor dem Frühstück am Gottesdienst teil. Wie auch an den folgenden Tagen dieser Woche, und jedes Mal wird mir die Lesung übertragen. Nach ausgiebigem Frühstück planen Padre Enrique und Padre Jonny, Provenzial in Venezuela, mit mir den weiteren Tagesablauf. Für die nächsten Tage wird mir Daniel zur Seite gestellt, ein 21-jähriger studentischer Mitarbeiter. Er will sein Studium der Elektrotechnik in Deutschland beenden, denn für die Jugend gibt es in Venezuela kaum Zukunftsperspektiven. Wir fahren einen Tag vor der Einweihung zum Jugendzentrum, damit ich mich mit dort den Salesianern in Ruhe unterhalten und austauschen kann. Wieder dauert die Fahrt durch die fast hoffnungslos verkeilten Straßen länger als geplant: Für 10 Kilometer brauchen wir eine Dreiviertelstunde. Doch dann sind wir da. Und ich sehe das Jugendzentrum „Centro de Formación Juvenil y Popular“ zum ersten Mal. Ein überaus positiver Eindruck: Das umzäunte Gelände besteht aus drei Gebäuden und einem Basketballfeld. Eines dient als Unterkunft für die Salesianer und Jugendarbeiter, ein zweites Gebäude beherbergt eine Großküche mit dazugehörigen Essräumen im Erdgeschoss. Die erste Etage besteht aus einer Bibliothek und einem Seminarraum.

Das dritte Gebäude, für die UNITAS das Wichtigste, ist der so genannte „Salón multiple“: Eine große Aula, in der die Jugendlichen gemeinsame Veranstaltungen durchführen können, zudem zwei kleineren Besprechungsräume. In der oberen Etage ein kleiner Gemeinschaftsraum – alles sehr klug konzipiert. Mit Blick auf die Umgebung wird mir klar, wie wichtig dieses Zentrum ist: Direkt am Basketballfeld wuchert eine Wellblechsiedlung am Hang. Eines von vielen Slumviertel oder „barrios“, wie sie hier genannt werden. Hier herrschen seit Jahren die nackte Gewalt - Armut, Drogen und Waffen. In ihrem Zentrum können die beliebten und hoch angesehenen Salesianerpatres die Jugendlichen versammeln und mit ihnen arbeiten, sie müssen sich nicht auf den teilweise gefährlichen Weg zu ihnen in die Barrios selbst machen. Täglich kommen bis zu 40 Kinder, wird mir von den Patres erzählt. Sie seien zugleich Multiplikatoren und führten die Arbeit der Salesianer in den Barrios weiter. Das zeige die ganze Geschichte der Salesianer in Venezuela,

Etwa durch den Nationalsport Nr.1: Denn auf der angrenzenden „Wiese“, einem bleichen und trockenen Gelände, werden Baseballturniere ausgerichtet. Auch ich schlage mit den Jugendlichen ein paar Bälle, kann mit ihnen sprechen. Wieder wird deutlich, wie wichtig diese Sozialarbeit ist. Die einen erzählen, dass sie bereits mit Drogen in Kontakt kamen, andere hielten bereits Schusswaffen in den Händen. Die Salesianer aber gäben ihnen die Möglichkeit einer Schulbildung, der wichtigsten Voraussetzung für eine aussichtsreichere Zukunft. Was ich sehe und höre, muss ich erst mal verarbeiten. Ziemlich erschüttert, nehme ich mir in unserer Unterkunft einige Zeitungen zur Hand. Und stoße auf weitere Probleme. Meinungsfreiheit gibt es nur im Internet. Venezuela ist ein Staat im Griff einer Partei: Minister werden entlassen und durch Generäle ersetzt, Privatunternehmen wie Krankenhäuser werden nationalisiert, 93% der Elektrizitätswerke gehören wieder dem Staat, ausländischen Unternehmen werden Lizenzen entzogen.

Nur einige Beispiele für die Entwicklung des Landes, seitdem Präsident Hugo Chavez an der Macht ist. Nach dem gescheiterten Putsch festigt er mit neuen Gesetzen seine Macht. Demonstrationen finden nur unter scharfer Aufsicht von Polizei und Militär statt, eine Opposition ist kaum oder nur unter schwersten Bedingungen möglich. Chavez setzt in dem patriotisch gesinnten Land auf die nationale Karte: Er setzt sich mit Nationalhelden wie Simon Bolivar aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1821 auf eine Stufe. Die nationalen Fernsehprogramme zeigen der Bevölkerung Bilder, die keine negativen Meinungen zulassen, Probleme werden verschwiegen. Die Schuldigen sind sehr schnell im kapitalistischen Ausland gefunden, vor allem in den USA oder bei der illegal zugewanderten Bevölkerung. In dem ölreichen Land kostet eine Tankfüllung umgerechnet rund 1,50 Euro. Doch ein Liter Trinkwasser ist teurer als ein Liter Benzin.

Jeder ist betroffen, das Land bewegt sich auf eine unsichere Zukunft zu. Die katholische Kirche versucht sich als Vermittler zwischen Regierung und Opposition, doch das wird von der Regierung boykottiert. Nicht vergessen ist im Land, dass Chavenisten 2003 die Totenfeier des vormaligen salesianischen Erzbischofs Ignacio Antonio Kardinal Velasco García von Caracas störten, indem man mit Steinen die Scheiben von Kirchen bewarf oder von Regierungsseite aus versuchte, die Kirche mundtot zu machen. Manches erklärt sich, wenn man bedenkt, dass der Generalobere der Salesianer Padre Pascual Chavez in Zivil eingereist ist, um niemanden hellhörig zumachen. (Bild vom Reiseprogramm oben rechts)

Der 9. Mai: Die große Einweihung

Zu Hause ist heute Europatag. Hier machen wir uns früh morgens in Kolonne auf den Weg zum Jugendzentrum, um an der feierlichen Einweihung teilzunehmen. Weit vor Beginn der Feiern begrüßen uns bereits über 100 Menschen mit Liedern und Musik. Ein bemerkenswerter Anblick - die Werbetrommel hat funktioniert. Alles ist vertreten: Jung und Alt, Reich und Arm, Schüler und Studenten. Freundlich geht man auf mich zu, fragt mich, wie es mit geht. „Die UNITAS aus Deutschland ist da“, hat sich herumgesprochen. Auch Petrus ist auf unserer Seite, wir haben bereits morgens knapp 30 Grad im Schatten, als ich mit den Architekten des Jugendzentrums und Jugendarbeitern ins Gespräch komme. Erst heißt es aber, mit Straßenkindern zu sprechen, was mich besonders freut. Ich muss gar Autogramme geben, bis ich länger mit den Architekten reden kann. Sie bedankten sich in höchsten Tönen bei der UNITAS für die Unterstützung. Man habe nicht geglaubt, dass nach den Bauschwierigkeiten über eine so weite Entfernung hinweg noch Interesse am Projekt bestanden habe. Und jetzt sei die UNITAS da – das zeige das Gegenteil.

Dann kommt der große Augenblick: Am Haupteingang versammeln sich alle für einen kurzen Gottesdienst. Padre Chavez segnet nach einer kurzen Rede die Aula. Wir werden zu einem aufgespannten Band geführt, haben die Ehre, die Schleife mit musikalischer Begleitung zu öffnen. Wir betreten mit den Salesianer die Räume und bekommen eine VIP-Führung, bei der ich mich intensiver mit dem Generaloberen unterhalten und ihm die UNITAS näher bringen kann. Auch für mich etwas Neues, einem so hohen Repräsentanten über unseren Verband zu berichten. Er fragt nach, zeigt, dass er großes Interesse hat und mehr darüber erfahren will. Und ich erzähle ihm, was ich von der Entstehungsgeschichte der UNITAS über die Weltkriege bis zur Neuzeit über uns weiß.

Bild oben:  "El RM bendice el salón múltiple de Macaracuay y agradece la ayuda de UNITAS", 
lautet die Bildunterschrift auf der Seite http://www.donbosco.org.ve/doc/galeria.htm
die viele Bilder vom Besuch des Generaloberen in der Salesianischen Ordensprovinz Venezuela versammelt 
(in der Bildmitte, links neben ihm Bbr. Christian Lopez Casanava von UNITAS-Salia Bonn).

Die bereits gefüllte Aula ist für den Tag festlich dekoriert, die Stühle sind zusammengeliehen. Hier fehlt es noch an vielem, erklärt mir Padre Enrique. Unsere Unterstützung ist weiter wichtig, erkenne ich – in einem „nackten“ Gebäude ist eine Arbeit schwer möglich. Immer mehr Menschen drängen hinzu, fast 250 Leute lauschen der kurzen Einführung, bis man mich zum Podium geleitet, wo ich neben Padre Chavez Platz nehme. Der Generalobere spricht über den Sinn und die Zukunft der Jugendarbeit, verdeutlicht es am Beispiel des neu gebauten Jugendzentrums. Man wolle einen Ort für Kinder und Jugendliche schaffen, an dem sie Wärme und Zuneigung erfahren. Zugleich wolle man sie zu verantwortungsvollen und mündigen Christen erziehen, sie für die Zukunft wappnen. Die Parallelen zum UV sind für mich unübersehbar. Diese Arbeit, betont der römische Ehrengast, komme aber nie an ein Ende, sondern sei ein fortwährender Prozess, der nie zum Stillstand komme. Gerade in diesem Land sei es ein weiter Weg, für den aber bereits die Grundsteine gelegt seien. Begeistert wird seine Rede aufgenommen und mit viel Beifall bedacht.

Dann greift der Provinzial von Venezuela zum Mikrophon. Auch er bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen und richtete die nächsten Worte an mich. Von ganzem Herzen dankt er der UNITAS und überreicht mir eine eigens gefertigte Dankesurkunde. Ich bin ziemlich überrascht, freue mich über diese unerwartete Geste und das Geschenk. Aufmerksam folgt man meiner kleinen Einführung in die Prinzipien und das Verständnis der UNITAS, die Gesprächsstoff für den weiteren Tag liefern. Bereits im Jahr 2001 seien Bundesbrüder aus Venezuela bei unserer Generalversammlung in Berlin gewesen, berichte ich. Unser Verband in Deutschland freue sich, wenn ein reger Austausch stattfinden würde, auf regelmäßige gegenseitige Informationen oder eben durch Besuche. Auch ich habe etwas mitgebracht: Ein eigenes, zuhause angefertigtes und im Koffer transportiertes Schild mit Zirkel und spanischer Inschrift. „Ab heute“, wird bekannt gegeben, „heißt die Aula „Casa-UNITAS“. Wieder draußen angelangt, können mich nun alle Leute dem Verband zuordnen, der sich an der Fertigstellung des Hauses mit seinem Beitrag beteiligt hat. Immer wieder muss ich Rede und Antwort stehen, will man mehr über uns erfahren. Ich verspreche, dass ich sie von Deutschland aus noch mehr über den UV informieren werde.

Gegen Mittag sind wir wieder unterwegs. Es gibt ein Essen mit hohen Repräsentanten der Katholischen Kirche im Land, die durch Verspätungen und den dichten Verkehr nicht an der Einweihung selbst teilnehmen konnten. Ich werde mit Bischöfen und dem Apostolischem Nuntius bekannt gemacht, darf auch hier wieder über unseren Verband berichten. Für mich ein einzigartiges Erlebnis: Wann bekommt man wieder so eine Chance? Die Annahme, dass dies der Höhepunkt des Tages gewesen ist, stellt sich für mich als Irrtum heraus. Denn schon geht es weiter im Programm: Padre Chavez, der Generalobere, bittet mich, mit ihm an weiteren Termine teilzunehmen. Wir fahren zu einer anderen Einweihung, diesmal zu der der Verwaltungszentrale der „Casa Don Bosco“. In diesem Bürogebäude in unmittelbarer Nähe eine Salesianer-Schule soll die zentrale Verwaltung und Organisation des Ordens untergebracht werden. Auch dort warteten bereits Lehrkräfte, Schüler und deren Eltern auf dem Schulhof auf unsere Ankunft. Zu Ehren des Besuchers aus dem Vatikan gibt es Theaterstücke, Tanzeinlagen und eine Rede, bis der Tag mit einem Gottesdienst in einer völlig gefüllten Kirche zu Ende geht. Obwohl es keine Klimaanlage gibt und selbst am Abend Temperaturen von gefühlten 30 Grad herrschen, verlässt niemand zwischendurch die Kirche. Und das bei einem Gottesdienst, der diesmal vier Stunden dauert. Ein 17-stündiger Tag geht mit der Rückkehr in unserer Unterkunft gegen Mitternacht zu Ende.

10. Mai: In den Barrios

Am Donnerstag heißt es Ausschlafen. Kein Gespräch mehr mit dem Generaloberen – er muss bereits die nächsten Termine wahrnehmen. Für mich geht es in Begleitung eines Salesianers in die Stadt. Da ich darauf bestehe, keine Touristenstätten zu besichtigen, sondern das „wahre Caracas“, fahren wir mit der Metro in die „Innenstadt“. Hier ist es wie auf einem Basar: Menschen laufen uns hinterher, wollen Schmuck oder gefälschte Markenartikel verkaufen. Alles in Anwesenheit von gelangweilten Streifenpolizisten, die nichts unternehmen. Sie sind viel mehr am Ausgang eines Fußballspieles interessiert. Als ein wüstes Handgemenge ausbricht, machen wir uns aus dem Staub. In den Barrios sehe ich das Elend der dort lebenden Bevölkerung hautnah. Ein Gänsehaut-Gefühl. Fotos soll ich besser keine machen, wird mir geraten. Auf weitere Komplikationen sind wir nicht gerade scharf. Wie bei der ersten Autofahrt wimmelte es hier von Straßenhunden, die in den engen Kopfsteinpflastergassen zu überleben suchen. Menschen eines jeden Alters tummeln sich auf der Straße. Kinder tragen Kleider, die offensichtlich schon vielen zuvor gedient haben und viel zu groß sind. Zurück in der Metro und in der Unterkunft angekommen, bin ich mehr als froh, dass uns nichts passiert ist.

Neue Chancen für die UNITAS Don Bosco

Am Nachmittag kommen wir im Gespräch mit den Salesianern auf das Thema „UNITAS Don Bosco“ zurück. Eigentlich ist es kein Problem, höre ich, hier wieder ein neues Vereinsleben aufzuziehen: Die Salesianer betreiben Schulen und Fakultäten, ein Potenzial ist jedenfalls da, man müsse es nur richtig ausschöpfen. Das Angebot, einen Austausch mit Deutschland zu organisieren, um den Kontakt wiederzubeleben, könnte unter Umständen tatsächlich funktionieren. Auch wenn das Interesse an der deutschen Sprache in Venezuela nur begrenzt vorhanden ist: In den letzten zwei Jahren hätten sich drei angehende Salesianer für einen Deutschkurs gemeldet, der dann doch aus finanziellen Gründen ausfallen musste. Trotzdem wollen wir am Ball bleiben, erkläre ich. Sie sollen mehr Information bekommen über alles, was Aufbau und Struktur der UNITAS betrifft. Dort will man es weitergeben und ist zuversichtlich, dass es in den nächsten Monaten eine wiederbelebte „UNITAS Don Bosco“ gibt. Durch den Kontakt mit dem Elektrotechnikstudent Daniel kommen wir auch direkt an die Universität und müssen uns nicht nur auf einzelne Fakultäten beschränken. Nicht zuletzt: Eine UNITAS in Venezuela kann etwas bewirken, was aus deutscher Sicht kaum vorstellbar ist. Sie kann jungen Menschen eine Sicherheit vor möglichen staatlichen Repressalien geben. Ein Grund mehr, an der Sache dranzubleiben und den neuen Schwung zu nutzen! Tatsächlich wollen also die Salesianer selbst aktiv werden und damit auch ihre Dankbarkeit zeigen.

Daher zum Schluss ein Appell an alle Bundesbrüder: Bundesgeschwister, die mit dem Gedanken spielen, einen Spanischkurs in Venezuela zu belegen oder eine Praktikumsstelle dort bekommen, mögen sich bitte an mich (christian.lopez@gmx.de) oder Christof Beckmann wenden, damit wir alles weitere organisieren können. Wir müssen die UNITAS in Venezuela unterstützen! Was läge da nicht näher, als einen Austausch wie in vergangen Zeiten wieder zu beleben?

   

 

 

Im Heiligen Jahr 2000 übernahm der UNITAS-Verband die Aufgabe, ein Kinder- und Jugendheim 
der Salesianer Don Boscos in der venezolanischen Hauptstadt Caracas mitzufinanzieren. 
Im Folgenden die Entwicklung des Pojekts nach den Berichten in der Verbandszeitschrift "unitas":

 

 

2000 – 4
Unser Projekt: 
Das „Centro de Formación Juvenil y Popular“ in Caracas / Venezuela

Der Beginn war hoffnungsvoll: Für unser neues soziales Verbandsprojekt kamen bereits in der ersten Sammlung rund 130.00 DM für den Bau des „Centro de Formación Juvenil y Popular“ in Macaracuay / Venezuela zusammen.

1. Ausgangslage:

Fast 60 % der Venezolaner sind jünger als 25 Jahre. Kinder und Jugendliche sollten die Zukunft Venezuelas sein ... doch die meisten unter ihnen haben wenig Anlass, frohen Mutes zu sein, und kaum Chancen, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Nur drei Stichworte, um ihre Lage und die gar nicht rosigen Aussichten anzudeuten:

· Schule: Der Staat spart an den Schulen, die Schulpflicht steht mancherorts nur noch auf dem Papier. In den armen Vierteln der Städte („barrios“) wächst die Zahl der Jugendlichen, die die Schule abbrechen.

· Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenrate unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen (zwischen 14 und 25 Jahren) liegt im Landesdurchschnitt bei 64 %.

· Gewalt: In Caracas sterben an jedem Wochenende (am Wochenende ist es immer am schlimmsten) 20 bis 25 Jugendliche durch Mord. Manche werden für ein Paar Markenschuhe erschlagen.

Einer der Orden, die sich dieser Not annimmt, sind die Salesianer. Diese Kongregation kam 1894 in Venezuela an. Ihr gehören dort 230 Ordensleute (Salesianos de Don Bosco) an, die ihre pastorale und soziale Aufgaben in 13 Bundesstaaten hauptsächlich unter den Jugendlichen und Indígenas wahrnehmen, und zwar in Schulen, Fachhochschulen, Jugendzentren oder Einrichtungen zur beruflichen Ausbildung, u.a. Lehrwerkstätten. Der Projektverantwortliche in Caracas ist der Jugendseelsorger P. Rafael Borges. Rechtsträger im Namen der Salesianer ist die Asociación Civil Sociedad Pedagógica.

2. Projektmaßnahme:

Die kirchliche Jugendarbeit braucht gut geschulte Führungskräfte, die als Gruppenleiter die Funktion von Multiplikatoren übernehmen. Fast in jeder Region des Landes haben die Salesianer Ausbildungshäuser für die religiöse und vor allem für die berufliche Bildung der Jugendlichen, doch fehlt ein zentraler Ort für die Schulung der Animateure / Führungskräfte.

In Caracas verfügt die Kongregation über ein Grundstück von gut 9.000 qm im Stadtteil Macaracuay (Südosten der Hauptstadt Caracas). Darauf soll nun ein solches Jugendzentrum entstehen, das sich aus sechs verschieden Gebäuden zusammensetzt:

1)  Ein 390 qm großes Gebäude, das mit einer Bühne versehen wird und als Mehrzweckraum für verschiedenste Aktivitäten genutzt werden kann. Daneben eine Mensa mit einer Großküche und einem geräumigen Speisesaal (insgesamt 264 qm). Zudem muss aufgrund der Sicherheitsprobleme in der Metropole Caracas ein Haus für den Hausmeister gebaut werden (95,25 qm).

2)  Eine Kapelle (156,50 qm).

3)  Ein zweistöckiges Gebäude mit Schlafzimmern (759 qm) und ein Verwaltungsgebäude - ebenfalls zweistöckig - mit Büros, einer Bibliothek, einem Computerraum im Erdgeschoß und der Wohnung für die Salesianer im ersten Stock (756 qm)

Um diese Gebäude herum bleibt immer noch ausreichend Grünfläche, die für die sportlichen Aktivitäten der Jugendlichen benutzt werden können (Fußball, Baseball).

3. Kosten und Finanzierung:

Laut Kostenvoranschlag des Architekten Fernando Albunquerque belaufen sich die Gesamtkosten auf 778.270.000 Bolívares (2.500.000 DM). Davon entfallen 271.350.000 Bolívares (860.000 DM) auf die erste Etappe. Adveniat wird um 205.000.000 Bolívares (650.000 DM) für diese erste Etappe gebeten. Für den Rest sorgt der Projektträger in Eigenleistung.

4. Beurteilung:

Die Baupreise entsprechen dem Durchschnitt in der Hauptstadt Caracas, und die Salesianer in Venezuela sind Adveniat als gute Projektpartner bekannt. Eine Beihilfe für den ersten Bauabschnitt sollte allerdings die Hälfte der veranschlagten Kosten nicht übersteigen.

Adveniat empfiehlt daher eine Unterstützung von 430.000 DM.

Wir sind damit Partner der Salesianer Don Boscos, die eine wichtige Funktion in Venezuela ausüben. Der Orden unterhält eine große Zahl von Straßenkinderprojekten in verschiedenen Ländern des Kontinents, so in Argentinien, Bolivien, Brasilien, in Ecuador, Guatemala, Haiti und Parguay. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben sie in ihrer Pfarrgemeinde im Armenviertel La Dolorita, zu der ca. 150.000 Menschen aus den Barrios gehören, Alphabetisierungs- und handwerkliche Ausbildungsprogramme installiert. Zwar wachsen die Elendsviertel heute langsamer als noch in den Zeiten des „Ölrausches“, doch schieben sie sich immer noch ohne Wasserversorgung, Schulen und medizinische Versorgung die Berghänge im Osten von Caracas hoch. In verschiedenen Stadtvierteln haben die Salesianer Mehrzweckräume eingerichtet, doch fehlen Mittel für die Ausstattungen, die Lehrmittel und die Kostenerstattung für freiwillige Lehrer und Hilfskräfte. „Schulische Bildung und berufliche Ausbildung bieten für die Jugendlichen oft den einzigen Ausweg aus dem Teufelskreislauf von Armut, Vernachlässigung und Unwissenheit“, so die Salesianer in ihren Ordensinformationen.

LINKS:
Straßenkinderprojekte der Salesianer Don Boscos: http://www.strassenkinder.de
Don Bosco weltweit (Linkliste von G. Wechner): http://www.asamnet.de/~sdb/sdbwelt.htm
Don Bosco weltweit
(Server des Generalats Rom): http://www.sdb.org/

 

Länderinfo der Bonner Botschaft Venezuelas

Kolumbus kam auf seiner dritten Reise nach Westindien 1498 zur Mündung des Orinoko, zur Halbinsel Paria und zur karibischen Küste. Wahrscheinlich erreichte er auch die Insel Margarita. Wenig später sah Alonso de Ojeda, der von Amerigo Vespucci begleitet wurde, im Gebiet von Maracaibo die Pfahlbauten der Indianer, die die Entdecker an Venedig erinnerten. Sie nannten das Land daher Venezuela, „Klein-Venedig“.

Ab 1520 erfolgten die ersten spanischen Siedlungen z.B. Cumaná. Kaiser KarI V. von Deutschland überließ in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1528-1546) die Nutzung Venezuelas dem Augsburger Handelshaus der Welser als Pfandbesitz für gewährte Kredite. Siedler ließen sich in Barquisimeto (1552), Valencia (1555) und Caracas (1567) nieder und begannen mit der Landwirtschaft. Viele Siedler heirateten Indianerfrauen aus Mangel an europäischen Frauen. Schwarze Sklaven wurden aus Afrika für Arbeiten in den Zuckerrohrplantagen eingeführt. Bis 1777 gehörte Venezuela zum Vizekönigreich Neugranada. Ab Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu ersten Versuchen, vom Kolonialherren Spanien unabhängig zu werden. Spanien durchlebte eine politische Schwächeperiode, als Napoleon Spanien bedrängte. Diese Gelegenheit nutzte Venezuela und erklärte sich am 5. Juli 1811 zur unabhängigen Republik. Jedoch mußte die Unabhängigkeit in den folgenden Jahren in blutigen Kämpfen gegen die wiedererstarkten Spanier verteidigt werden. Diese Kämpfe sind untrennbar mit dem Namen Simón Bolívar verbunden. Erst am 24. Juni 1821 war mit der Schlacht von Carabobo die vollkommene Unabhängigkeit erreicht. Unter Bolívars Leitung vereinigten sich 1819 Venezuela, Kolumbien, Panamá und Ecuador zur Republik Großkolumbien. 1830, nach dem Tod Bolívars, zerfiel diese Föderation und Venezuela wurde eigenständige Republik. Im 19. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Bürgerkriegen und Aufständen. Diktatoren regierten das Land. Während der Präsidentschaft von Juan Vicente Gómez (1908 - 1935) herrschten im Lande relativ stabile innenpolitische Verhältnisse. In diese Zeit fallen die Erdölfunde und der schnelle Ausbau der Ölförderung. Venezuela wurde zu einem der führenden Produzenten des „schwarzen Goldes“ und wurde gleichzeitig zu einem der modernsten lateinamerikanischen Staaten.

Venezuela hat etwa 24 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Das angenehme Klima der gemäßigten Zone (tierra templada) mit guten Anbaumöglichkeiten und der Meeresnähe machte die Küstenkordillere zum bevorzugten Siedlungsgebiet. Am dünnsten besiedelt ist der Süden des Landes mit den weiten Urwäldern. 80 % der Venezolaner leben mittlerweile in Städten. Die Verstädterung ging einher mit der Entwicklung der Industrie, besonders im Bereich des Erdöls und der Petrochemie. In den urbanen Zonen von Caracas, Maracaibo, Valencia und Barquisimeto waren die Beschäftigungschancen und dadurch die Lebensqualität im Vergleich zu den Möglichkeiten auf dem Lande größer.

In der ethnischen Zusammensetzung zeigt sich eine vielfältige Mischung von Weißen, Indianern und Schwarzen. Mestizen (34%) und Mulatten (33%) machen zusammen etwa zwei Drittel der Bevölkerung aus. Etwa 22% der Venezolaner sind Weiße, zumeist Nachkommen der kreolischen, ehemals kolonialspanischen Oberschicht (criollos), und eingewanderter Europäer (Italiener, Portugiesen, Deutsche, Osteuropäer). Es gibt auch etwa 200.000 Araber (Libanesen und Syrer). Etwa 9% der Bevölkerung sind Schwarze und etwa 3% sind Indianer, die zumeist am Oberlauf des Orinoko und im Nordwesten (Goajira) des Landes wohnen. Diese ursprünglichen Bewohner des Landes leben auch heute noch zumeist in ihren alten Traditionen und sind ohne nennenswerte Kontakte zur modern-industriellen Kultur. So sind sie nur teilweise in den Staat Venezuela integriert wie z.B. die Yanomami am Orinoko, um die sich bis vor kurzem nur die Salesianermissionare kümmerten. Zusehends zeigt hier aber der moderne Staat Venezuela Bereitschaft, den Süden zu entwickeln (Desarrollo del Sur). Als Folge der über drei Jahrhunderte spanischer Kolonialherrschaft sind etwa 84% der Bevölkerung römisch-katholisch. Es gibt ungefähr 500.000 Protestanten, 50.000 Muslime, 15.000 Juden und zahlreiche, zumeist animistische indianische Naturreligionen. Die Verfassung sichert Religionsfreiheit zu. Übrigens: In Venezuela leben auch zwichen 10-12.000 Deutsche und etwa 35.000 Deutschstämmige.

Venezuela liegt im nördlichen Teil Südamerikas zwischen dem Äquator und dem 12. Grad nördlicher Breite. Es bedeckt eine Fläche von 925.026 km2 (einschließlich des Maracaibo-Sees) und ist mithin fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Größte Nord-Süd-Ausdehnung ist 1.217 km, größte Ost-West-Ausdehnung 1.493 km. Im Norden grenzt Venezuela an die Karibische See und im Nordosten mit dem Orinoko-Delta an den Atlantik (insgesamt 3.200 km Meeresküsten). 

Venezuela hat vier natürliche Landschaftszonen: Tiefland von Maracaibo im Norden. Hier liegen unter Tertiärschichten wesentliche Erdölvorräte des Landes. Das Andengebiet im Westen ist die Fortsetzung der Ost-Kordillere Kolumbiens mit dem Pico Bolívar (5.002 m) als höchstem Berg, eine Region ewigen Schnees in Äquatornähe. Als Küstenkordillere reichen Ausläufer dieses Gebirges bis in den Osten des Landes. Orinoko-Becken mit den „Llanos“, den flachen Gras- und Savannenlandschaften nördlich des Orinoko, und der Urwaldlandschaft „Selva“ südlich des mächtigen Stroms. Hochland von Guayana im Süden mit einer ausgedehnten Tafelberg-Landschaft. Diese 115 „Tepuis“, Tafelberge, sind bis über 2.800 m hoch (Roraima). Sie überragen die „Gran Sabana“ mit ihren oft mehreren hundert Meter hohen, senkrecht abfallenden Steilwänden, zum Beispiel Auyan-Tepuy mit etwa eintausend Metern. Hier ist mit 1005m Höhe auch der Salto Angel (auch „Churun Merú“ genannt), der höchste Wasserfall der Erde. Er wurde 1937 von dem US-Amerikaner Jimmy Angel entdeckt Der Orinoko (span. Río Orinoco) ist mit 2.140 km das drittgrößte Stromgebiet Südamerikas. Er entspringt in der Sierra Parima an der Grenze zu Brasilien im Süden des Hochlands von Guayana. Die Orinokoquelle wurde erst 1951 entdeckt. Er hat insgesamt 194 Nebenflüsse. Das Delta nimmt über 30.000 km2 Fläche ein und wächst jährlich um 45 km in den Atlantik hinaus. Der Orinoko spielt, anders als sein großer Nachbar im Süden, der Amazonas, wegen zahlreicher Stromschnellen für die Schiffahrt eine untergeordnete Bedeutung. Venezuela hat 75 Inseln in der Karibik, von denen Margarita die bekannteste ist (850 km2).

Fauna

Die Tierwelt ist sehr artenreich. In den Wäldern fällt die Vielzahl der unterschiedlichen Vögel auf. Kolibris in den Wäldern der gemäßigten Zone und entlang der Flüsse große Kolonien von Reihern, Ibissen, Störchen, Kranichen, Aras und verschiedenen Stelzvögeln. Ein eigenartiger Vogel ist der Guácharo. Aus ihm gewannen die Indianer früher Öl zum Kochen und Leuchten. In den Waldgebieten gibt es Pumas und Jaguare sowie Tapire, Pekaris, Wildschweine und Bären. Dazu gesellen sich Faultiere, verschiedene Affenarten und Nagetiere wie Aguti und Paca. Die Flüsse sind sehr fischreich, mit Pirañas, die in Venezuela Caribe heißen, Zitteraalen, Pavons, Arapaimas, Schildkröten und vereinzelt Krokodilen. Im Mündungsgebiet des Orinoko und an der Küste leben Seekühe, Manati, die bis zu 5m lang und bis zu 300 kg schwer werden können. In den Urwäldern am Oberlauf des Orinoko kommen zahlreiche Schlangen vor, darunter äußerst giftige Arten und meterlange Würgeschlangen.

Flora

Entsprechend den drei Klimazonen gibt es unterschiedliche Formen der Vegetation, die durch Eingriffe des Menschen wie Rodung, Abweiden, Abbrennen usw. und durch die Bodenverhältnisse mitbestimmt werden. Im schmalen Küstengebiet im Norden wachsen Dornsträucher, Kakteen und Sukkulenten. Dichten Nebelwald gibt es an den Hängen der Küstenkordillere. Hier, wie auch in den tropischen Höhenwäldern in der Kordillere von Mérida ab etwa 1.800 m sind zahlreiche Formen von Lianen und Epiphyten zu finden. Hier wachsen die bekannten „Frailejones“. Durch Rodungen von großen Flächen sind Getreideanbaugebiete bis in 3.000 m Höhe gewonnen worden. Allerdings sind Bodenerosionen an steileren Hängen oft die negative Begleiterscheinung. Kaffee wird in den feuchten Gebieten der gemäßigten Zone angebaut. In der heißen Zone darunter sind weite Flächen mit tropischem Bergwald. Im Tiefland von Maracaibo und in den nördlichen Llanos befinden sich Trockenwälder. Am Fuß der Anden sind große Wälder mit laubabwerfenden Bäumen. Innerhalb der tischebenen Llanos gibt es weite Grasgebiete mit vereinzelten Chaparro-Bäumen und Galeriewäldern, die mit Palmsavannen abwechseln. Dichter Regenwald ist im Deltagebiet des Orinoko, das in regelmäßigen Abständen überschwemmt wird. Im unmittelbaren Mündungsgebiet ausgedehnte Mangrovenwälder. Im Bergland von Guayana wechseln Savannen und feuchte Wälder einander ab.

Auf den schwer zugänglichen Höhen der Tafelberge (Tepuis) finden Botaniker manchmal seltene, ja sogar einmalige Sonderformen von Pflanzen, die sich auf den von den anderen Landesteilen abgetrennten Gebieten eigenständig entwickelt haben. Orchideenfreunde finden in den Urwaldgebieten des Orinoko und seiner zahlreichen Nebenflüsse ein wahres Paradies von über 500 Arten. In Venezuela wurden bisher über 100 Farnsorten und über 45.000 verschiedene Blütenpflanzen gezählt.

Das Klima

Das Klima in Venezuela wird durch seine Nähe zum Äquator bestimmt. Es herrscht daher überwiegend tropisches Klima mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Die Temperatur ändert sich abhängig von der Höhe, von 0°C oder weniger auf den Andengipfeln bis auf über 34°C in den tiefer gelegenen Zonen.

Wüstenhitze in den Dünen von Coro und Frost in den Anden- auf extreme regionale Unterschiede muß sich der Reisende in Venezuela gefaßt machen. Insgesamt betrachtet herrschen tropische Wärmegrade vor. Das landesweite Temperaturmittel liegt bei 27 C, und die Jahreszeiten unterscheiden sich im wesentlichen durch die Regenmenge. Die Trockenzeit dauert von November bis April. Die Regenzeit bringt besonders im Landesinneren zwischen April und Oktober heftige Regenschauer mit sich, die sich meist auf wenige Stunden am Nachmittag beschränken. Der Trockengürtel entlang der Küste ist mit jährlich 600 mm Niederschlag generell sonnensicher, die Llanos (1000-2000mm) haben eine stark ausgeprägte Regenzeit zwischen Juni und August. Ganzjährig fallen Niederschläge (über 3000mm) im Gebiet der Regenwälder Guayanas.  

Wirtschaft

Der Export von Erdöl und Erdölderivaten erbringt die größten Deviseneinnahmen. Eisenerz im Bergland von Guayana (z.B. Cerro Bolívar) hat die wirtschaftliche Entwicklung des östlichen Landesteils stark vorangetrieben, Gold- und Diamantenfunde im Bergland von Guayana. Die Industrie konzentriert sich überwiegend um Caracas und Valencia. Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören Textil, Sisal, Gerbereien, Schuhe, Papier, Zucker, Tabak, Zement und Autoreifen.

Nach dem schnellen Ausbau der Erdölindustrie Rückgang der Landwirtschaft. Eine Agrarreform soll die bessere Verteilung und damit Nutzung der Böden für die dezimierte landwirtschaftliche Bevölkerung sichern. Kaffeeanbau an den Hängen der Kordilleren (400 bis etwa 1.800 m). Die Qualität gilt als ausgezeichnet. Nur ein geringer Teil der Gesamtfläche des Landes ist Kulturland, Seefischfang in der östlichen Küstenregion um Cumaná und im Golf von Venezuela. Fischkonservenindustrie. Der Fremdenverkehr hat noch einen bescheidenen Anteil am Volkseinkommen. Nach dem Preisrutsch für Erdöl wendet sich die Aufmerksamkeit staatlicher und privater Stellen verstärkt dem Tourismus zu.

Die VEBA OEL und Venezuela

Venezuela hat zur Zeit drei große deutsche Partner im Bereich Energie und Bodenschätze: VEBA OEL (Gelsenkirchen), Preussag Energie (Lingen) und Ruhrkohle (Essen). In Venezuela ist Veba Oel im Bereich Förderung und Produktion an drei Projekten beteiligt: Im Feld „La Ceiba“, in dem bei Testbohrungen vielversprechende Ölreserven festgestellt wurden, hat Veba Oel 1996 als Partner (30%) von Mobil und Nippon eine Explorationslizenz erworben. Darüber hinaus ist Veba Oel 1997 als Partner (16%) von Mobil und PdVSA in das Schwerölprojekt „Cerro Negro“ im Orinoco- Gebiet eingestiegen. Das Projekt umfaßt neben der Förderung auch die Vorverarbeitung des schweren Rohöls in einer Raffinerie an der venezolanischen Küste. Jüngstes Engagement (15%) ist der Block „Punta Pescador“. Partner sind hier Amoco und Total. In den nächsten fünf Jahren will Veba Oel insgesamt über 1 Mrd DM in das Upstream-Geschäft der Schwerpunktregion Venezuela investieren. Damit ist Veba Oel der größte deutsche Investor in Venezuela.

Desweiteren besteht eine Zusammenarbeit in dem Raffinerie-Joint-Venture „Ruhr Oel GmbH“, der größten venezolanischen Investition in Europa. An der Ruhr Oel GmbH sind PdVSA und Veba Oel mit jeweils 50% beteiligt. In diesem 1983 gegründeten Joint- Venture wurde erstmals eine Zusammenarbeit zwischen Mineralölunternehmen aus einem ölimportierenden und einem Förderland vereinbart. Heute verfügt die Ruhr Oel GmbH über das größte Raffineriesystem in Deutschland. An den fünf Standorten in Gelsenkirchen, Vohburg, Münchsmünster, Schwedt und Karlsruhe verarbeitet das Unternehmen 430.000 Barrel Rohöl pro Tag und produziert erhebliche Mengen petrochemischer Produkte (1,2 Millionen Jahrestonnen Ethylen und 900.000 Tonnen Propylen). Bisher haben Veba Oel und PdVSA rd. sechs Mrd Mark in das Joint- Venture investiert. Die Produkte werden über die Veba Oel-Beteiligung Aral (56%), über das Tochterunternehmen Veba Wärmeservice und über den Petrochemievertrieb verkauft.

Politik

In Venezuela besteht eine der ältesten Demokratien Lateinamerikas. Seit 1958 finden regelmäßig alle fünf Jahre Wahlen statt. Venezuela ist mit seinen ca. 24 Millionen Einwohnern ein friedliebendes, dem Fortschritt verpflichtetes Land, das bisher nicht ein einziges Mal in einen Krieg mit seinen Nachbarn verwickelt war. Die letzten Präsidentenwahlen , sowie die Wahlen für das Parlament und für die gesetzgebenden Körperschaften in den einzelnen Bundesstaaten fanden Ende 1998 statt. Präsident Hugo Chávez Frías wurde mit 56% der Stimmen gewählt.

 

Spendensammlung für unser
 Sozialprojekt in Caracas

Wie jedes Semester hat die UNITAS-Salia – unterstützt von Bundesschwestern der UNITAS Clara Schumann – in Bonn eine Straßensammlung zu Gunsten des Sozialen Projekts durchgeführt. 

Dabei wurden die Passanten auf dem Bonner Münsterplatz mit Hilfe von Info-Tafeln und Handzetteln über das „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ in Caracas unterrichtet. Trotz schlechten Wetters kamen wieder über 1.000 DM zusammen.

   

Nachrichten aus Venezuela

"Hallo Deutschland“, meldet sich in diesen Wochen immer wieder der designierte VOP Stephan Demuth (UNITAS-Salia, Bonn) per E-Mail aus Venezuela. Er studiert an der Bonner Universität Spanisch und hatte für die Semesterferien einen Spanischkurs im Ausland geplant. Da das neue soziale Projekt des UNITAS-Verbandes in Venezuela angesiedelt ist, lag für ihn schnell der Gedanke nahe, den Kurs in Caracas zu absolvieren und gleichzeitig das neue Projekt vor Ort kennen zu lernen. Rasch waren die Kontakte zu den Projektträgern, den Salesianern, in Venezuelas Hauptstadt vermittelt, die sich um die notwendigen Vorbereitungen und die Organisation des zweimonatigen Aufenthalts kümmerten. Am 11. August 2000 machte sich Stephan dann zusammen mit einem Studienkollegen, Gregor Geiermann, auf die Reise. „Es gefällt mir hier außerordentlich gut“, mailt er jetzt der unitas-Redaktion. „Die Salesianer sind so nett, wie man eben nur sein kann und die Stadt Caracas ist außerordentlich beeindruckend.“ Hier sein erster kleiner Bericht:

Nach einer etwa 40-minütgen Fahrt vom Flughafen durch mit Abgas gefüllte Tunnel und mit einem Straßenverkehr, der mich als wohlbehüteten Europäer einfach nur hat blass werden lassen, wurden wir im Haus der Salesianer in Caracas zunächst einmal mit einem klasse Abendessen für die Flugstrapazen mehr als gebührend entschädigt. Am folgenden Tag stand dann eine erste Orientierung in der südamerikanischen Metropole auf dem Programm.

Mein erster Eindruck: Die von Bergen umgebene Stadt im Tal erinnert an ein Amphitheater. In der Mitte, wie auf einer Bühne, ragen Hunderte von Hochhäusern in den Himmel, leuchten riesige Werbeflächen und gibt es einfach alles, was auch europäische und amerikanische Großstädte zu bieten haben. An den Hängen rundherum findet sich dazu der gravierende Unterschied: Dort erstrecken sich wie auf Zuschauerplätzen die „Barrios“, die Elendsviertel. Nicht sehr schwierig zu bemerken ist, dass in Caracas der Mittelstand einfach fehlt.

Wohin man schaut, überall finden sich krasse Gegensätze: Von „Sambil“, dem größtem Einkaufzentrum Lateinamerikas, in dem auf sechs riesigen, klimatisierten Etagen einfach alles für den Konsum zu haben ist, sind es gerade mal 10 Minuten zu Fuß zum nächsten Armenviertel, in dem die Hygienezustände katastrophal sind, die Leute kaum was zu essen haben und es oft tagelang kein Wasser gibt. Eines von den Vierteln bekommt sogar generell nur einmal im Monat Wasser. Gegen diese Missstände versuchen die Salesianer gezielt anzugehen. Ich hatte schon die Möglichkeit, zahlreiche Projekte zu besichtigen, und konnte mir somit ein gutes Bild von der fachlich kompetenten Arbeit machen.

Momentan sind hier Ferien. Da die meisten Schüler allerdings aus zu armen Verhältnissen kommen, um in den Urlaub fahren zu koennen, gibt es beispielsweise den „Plan vacacional“, eine zur Schule angebotene ersatzweise Beschäftigung. Ziel dieses Programms ist es, die Kinder von der Straße zu holen und sie vor Drogenkonsum und Kriminalisierung zu bewahren. Im „Plan vacacional“ werden die Kinder morgens von Freiwilligen und Salesianern unterrichtet. Die Kinder machen mit Begeisterung mit, obwohl Ferien sind! Nachmittags gibt es dann Freizeitbeschäftigungen wie Fußball und Volleyball.

Unser Projekt hat schon gute Fortschritte gemacht. Die Salesianer sind sehr hilfsbereit und nett und haben uns schon gleich am Anfang einem Termin mit dem Architekten gemacht. Daran hat auch der Provinzial P. Bruno Masiero SDB teilgenommen. Uns wurde der vorläufige Entwurf des Planes vorgestellt und eingehend erklärt. Zur Vorläufigkeit ist zu sagen, dass das Konzept steht und allenfalls in Einzelheiten, die Material und Geschmack betreffen, noch geändert wird. Außerdem wurde die Ausrichtung auf die Zukunft erläutert, da nicht alle Teile des Planes in einer Bauphase realisiert werden. Dies hängt mit den bestehenden Bauvorschriften zusammen, denen zufolge zunächst nur ein bestimmter Teil des Geländes bebaut werden darf. (Foto oben) Es werden also erst die dringend benötigten Schulungsräumlichkeiten gebaut, später dann auch Freizeiteinrichtungen. Der Plan umfasst allerdings jetzt schon alle diese Gebäude, um später dann eine schnelle Realisierung der einzelnen Bauphasen zu garantieren.

Das Hauptgebäude ist funktionell ausgerichtet, d.h. neben Unterbringungsmöglichkeiten, Essraum, Küche und sanitären Einrichtungen gibt es auch einen variablen Multifunktionsraum, der sich je nach Bedürfnis in mehrere kleine Einheiten unterteilen lässt. Das Gesamtkonzept sieht desweiteren großzügige Grünflächen vor, die das gesamte Gelände einfassen und für ein angenehmes Klima im Kontrast zur hektischen Stadt sorgen sollen. Weitere Treffen mit dem Architekten stehen noch an, bei denen Details besprochen werden sollen. Wir werden versuchen, auch dann wieder dabei zu sein, was von Seiten der Padres und des Architekten gerne gesehen wird. Darüber sowie über unsere sonstigen Erfahrungen und Erlebnisse demnächst dann mehr.

Cordiales saludos, Stephan Demuth“
Mail-Adresse: stephan.demuth@gmx.de

 

2000 – 4 
Der Vorortspräsident
zum neuen Jahr

Nachdem schon beim Übergang zum Jahr 2000 allzu oft das Wort „Jahrtausendwechsel“ zu hören war, die dazu nötigen tausend Jahre allerdings noch nicht ganz verstrichen waren, stehen wir nun wirklich kurz davor, in ein neues Jahrtausend zu treten. Aber wohl auch dieses Mal werden Befürchtungen und Visionen von einem Supergau der Computer oder gar einem Weltuntergang nicht wahr werden. Natürlich ist es ein historischer Übergang zu neuen 365 Tagen, aber umgekehrt wird sich der Lauf der Geschichte nicht durch ihn beeinflussen lassen. Denn dieser hält sich ja bekanntlich nicht an Jahre und Jahreszeiten.

Dennoch ist es ein guter Zeitpunkt, einmal inne zu halten und sich zu fragen, wo wir eigentlich stehen. In der Welt, in Europa, in Deutschland, auch in der UNITAS und vor allem als einzelne Personen in unserem ganz persönlichen Umfeld. Anhalten. Den Strom der Zeit durchbrechen. In sich gehen um sich zu fragen: Welche Veränderungen hat es gegeben, welche stehen bevor und wie kann am besten Einfluss genommen werden? Was sind die Aufgaben in der Zukunft und wie können sie bewältigt werden? Diese Fragen zu beantworten, sollte eine Aufgabe für jeden von uns sein, um Anstöße für sich selbst zu finden und die eigenen Ideen zu verwirklichen. Ein Jahreswechsel ist dazu immer eine willkommene Angelegenheit.

In Europa ...

Die Welt verändert sich. Ständig und immer schneller werdend. Mit den modernsten Medien und dank hervorragender Satellitentechnik ist es kein Problem mehr, mit dem letzten Winkel der Erde in Kontakt zu treten. Das Fernsehen bietet uns jeden Abend auf einer Vielzahl von Kanälen Einblicke in andere Welten. Und selbst das Reisen in die entlegensten Einöden ist sehr einfach, komfortabel und schnell geworden. Uns Menschen werden diese Entwicklungen mehr oder weniger „vorgesetzt“. Wir müssen lernen, mit immer mehr Informationen und schneller werdenden Veränderungen zurechtzukommen. Unsere wichtigste Aufgabe sollte es dabei sein, in der Zukunft in unserem Handlungsbereich, der oft größer ist als wir annehmen, verantwortungsbewusst mit all diesen Möglichkeiten umzugehen.

Zum Stichwort Europa fallen mir einerseits die guten Erfolge ein, die in den letzten Jahren auf dem Weg zu seiner Vereinigung erzielt wurden. Allerdings kann auch nicht der parallel dazu verlaufende, schreckliche Krieg im ehemaligen Jugoslawien übersehen werden, in dem all die Menschenrechte, die in den meisten anderen europäischen Staaten inzwischen zum Glück absolute Priorität genießen, mit Füssen getreten wurden. Unsere Aufgabe in Europa muss vor allen Dingen sein, Vorurteile abzubauen, um nicht nur eine Integration auf wirtschaftlicher und politischer Ebene zu schaffen, sondern gerade auch im menschlichen Bereich miteinander auszukommen. Denn nur so kann von einer wirklichen Union gesprochen werden.

... in Deutschland...

In Deutschland leben wir jetzt seit über 10 Jahren mit den Bürgern der neuen Bundesländer in einem Staat zusammen und meistern die Aufgaben, die uns die Vereinigung gestellt hat, recht gut. Doch auch hier ist der Abbau von bereits oben angesprochenen Vorurteilen auf beiden Seiten und ein Schaffen von Toleranz von großer Wichtigkeit. Nur auf diesem Wege können wir auch ein weiteres Problem lösen: Die Ausländerfeindlichkeit. Es kann nicht sein, dass in der ausländischen Presse – wie ich es jüngst auf meiner Venezuelareise erfahren musste – fast jeder zweite Artikel über Deutschland von Übergriffen auf Ausländer handelt. An der Beseitigung jeglicher radikaler Tendenzen werden wir als Staat und Bürger auch im kommenden Jahrtausend hart arbeiten müssen.

Zwar ist Deutschland nach dem Krieg zu einem vergleichsweise reichen und friedlichen Staat im Herzen von Europa herangewachsen, dennoch sollten wir uns nicht zurücklehnen und auf unseren Lorbeeren ausruhen. Gerade jetzt, wo es uns einigermaßen gut geht, sollten wir uns auch an die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mit zwei grausamen Kriegen und zahllosen Verbrechen an der Menschheit erinnern.

Mit der UNITAS können wir dabei ein Stück weit mithelfen, wenn es darum geht, radikalen Tendenzen vorzubeugen. „Jeder Bundesbruder soll auch über den Tellerrand der eigenen Fakultät hinaus schauen. Er soll sich über sein persönliches Fachstudium hinaus auch wissenschaftlich um eine menschenwürdiger zu gestaltende Welt bemühen, sein theologisches Wissen vertiefen und eine ethische Fundierung der eigenen Meinung schaffen. Das Ziel: Die Bildung der Mitglieder zu dialogfähigen, weltzugewandten und weltverantwortlichen Christen die im Leben stehen.“ So formuliert Bbr. Dr. Christof Beckmann treffend in der Extraausgabe der UNITAS vom Juni 1998 im Leitartikel eines der Ziele unseres Studentenverbands. Gibt es denn wirkungsvollere Maßnahmen, junge Menschen vor radikalen Tendenzen zu schützen als zu versuchen, ihnen Bildung zu vermitteln und ihnen die Freiräume zu schaffen, sich auf dem Fundament des christlichen Glaubens eine eigene Meinung bilden zu können?

... weltoffen ...

An den Fundamenten, Grundsätzen und unseren Prinzipien dürfen und müssen wir auch im neuen Jahrtausend nichts ändern. Was wir überlegen müssen, ist vielmehr, wie wir den Gedanken, die Idee UNITAS, am besten in die Welt hinaustragen und bekannt machen. Ich sehe da große Chancen in der Erstellung neuer Werbematerialien sowie in einem internationalen Ansatz. Warum sollten wir nicht die Möglichkeiten nutzen, die sich uns zur Zeit in Oppeln/Polen und Caracas/Venezuela bieten, um durch die UNITAS einen internationalen Studentenaustausch aufzubauen und zu fördern? Ich denke, dass das Interesse auf jeweils beiden Seiten groß genug ist, dort mit unserer Hilfe neue UNITAS-Vereine zu gründen. Sicherlich ist das Funktionieren über Jahre hinweg erst einmal nur eine Vision für das kommende Millennium, aber ein Jahrtausend ist ja lang...

.... und sozial engagiert.

Ich denke, dass auch das soziale Projekt des UNITAS-Verbandes in der Zukunft noch stärker von den einzelnen Vereinen wahrgenommen werden sollte. Erstens, um sich sozial zu engagieren und innerhalb des Vereins eine gute Identifikationsmöglichkeit zu finden, und zweitens, um damit den sozialen Gedanken der UNITAS in die Öffentlichkeit zu tragen und damit für sich zu werben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Studenten das freiwillige soziale Engagement suchen; sie wollen sich aber nicht in unübersichtlichen Strukturen von Großorganisationen einspannen lassen, die eine wirkliche Identifikation mit dem Projekt und dem eigenen Engagement nicht zulässt. Wir können diesen jungen Leuten in der UNITAS die Möglichkeit geben, nach eigenen Vorstellungen Programme und Aktionen für die Unterstützung unseres sozialen Projekts zu erarbeiten und mit Gleichgesinnten zu realisieren. Hier liegt eine gute Chance für die UNITAS, Studierenden und ihren Freunden, die sich konkret engagieren wollen, einen Anlaufpunkt mit Perspektive zu geben.

Trotz eines noch so gut funktionierenden UNITAS-Vereins, wichtiger Ereignisse in Deutschland, der Ausführung des europäischen Gedankens und des Friedens in der Welt ist wohl vor allem jedem von uns sein unmittelbares Umfeld, seine persönliche Welt von zentraler Bedeutung. Denn es ist eine alte Weisheit: Nur wenn das Leben im Kleinen funktioniert, kann auch im Grossen etwas bewirkt und verändert werden. Das wird auch in einem neuen Jahrtausend wichtig sein und ich wünsche jedem von uns, dass er seine persönlichen Anforderungen bewältigen kann und das neue Jahrtausend für alle mit neuem Enthusiasmus und mit Zufriedenheit beginnt.

Euer Stephan Demuth, 
Vorortspräsident

 

 

„Alt-Marburg, traute Musenstadt“ -
Aktiventag sucht Möglichkeiten für verstärktes soziales Engagement der UNITAS

„Wer hier nicht dabei gewesen ist, der hat etwas verpasst“ - so lautete das Fazit aller Teilnehmer des Aktiventags vom 24. bis zum 26. November in Marburg. Jeder der über 50 an den Vorträgen und Diskussionen teilnehmenden Bundesbrüder und Bundesschwestern war sowohl vom Verlauf der Tagung als auch von der hervorragenden Stimmung während des gesamten Wochenendes begeistert.

Der Aktiventag stand diesmal unter dem Thema „Soziales Engagement - Herausforderung für die UNITAS“. Diesen Schwerpunkt hatte der Vorort UNITAS-Salia gewählt, um die Unterstützung der Aktiven für die verschiedenen Sozialen Projekte des Verbandes und der Vereine zu stärken und das Bewusstsein aller Bundesbrüder und Bundesschwestern für diese wichtigen Fragestellungen zu schärfen. Es sollte erreicht werden, die Motivation aller Bundesschwestern und Bundesbrüder zu verstärken, auch einmal über den Tellerrand des eigenen Vereins hinauszuschauen und sich für eine positive Gestaltung unserer Umwelt aktiv einzusetzen.

Die inhaltliche Arbeit begann am Freitag mit einer Einführung in die Thematik. Der stellvertretende Verbandsgeschäftsführer Bbr. Peter Mömkes referierte über die historische Entwicklung des Sozialen Projekts im UNITAS-Verband. Hierbei ging er besonders auf die Beweggründe der ersten Unitarier ein, sich sozial zu engagieren und beleuchtete die Gestaltung dieses frühen Engagements. Obwohl die Gründergeneration der UNITAS nur über äußerst geringe finanzielle Mittel verfügte, unterstützte man schon wenige Jahre nach der Gründung des Verbandes aus innerer Überzeugung und um die unitarischen Prinzipien mit Leben zu füllen das erste Soziale Projekt des Verbandes, eine Mission in Applerbeck in der Diözese Paderborn. Später wurde die finanzielle Unterstützung dieser Mission zur unitarischen Vereinspflicht erhoben: Die UNITAS „stellt sich die Aufgabe, eine bestimmte Missionsstelle in besonderer Weise zu unterstützen.“ Bbr. Peter Mömkes bezeichnete das Soziale Projekt des Verbandes als eine historische Verpflichtung, der wir auch heute gerecht werden müssen.

Der Samstag begann mit einem Diavortrag von unserem Vorortspräsidenten Stephan Demuth über seinen zweimonatigen Aufenthalt in Venezuela und seinen Besuch bei unserem Sozialen Projekt in Caracas. Er berichtete über den aktuellen Stand der Planungen des Kinder- und Jugendzentrums und erklärte äußerst kenntnisreich und mit eindrucksvollen Dias die Bemühungen der Mitglieder des Ordens der Salesianer, die Not der Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt von Venezuela zu lindern. Der VOP zeigte den Anwesenden die Notwendigkeit, dieses Projekt zu unterstützen und ermunterte die Vereinsvertreter, eigene Aktionen zur Förderung unseres Vorhabens durchzuführen

Für den nächsten Vortrag hatte Margaretha Sasker von den „Ärzten ohne Grenzen“ gewonnen werden können. Die Krankenschwester aus Frankfurt engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Arbeit der Friedensnobelpreisträger von 1999. Sie fährt trotz 2 kleiner Kinder regelmäßig für 6 Wochen in die Krisen- und Notregionen der Welt und opfert für ihre gemeinnützige Arbeit sogar ihren Urlaub. Von den Erfahrungen, welche sie auf diesen Reisen gesammelt hatte, erzählte sie auf sehr bewegende Art und Weise. Einige der Teilnehmer waren von dem Vortrag und dem persönlichen Engagement von Frau Sasker so beeindruckt, dass sie beim anschließenden Mittagessen Kontakte knüpften, um sich zukünftig auf ähnliche Weise zu betätigen.

Im Anschluss an den mit viel Applaus bedachten Vortrag konnte VOP Stephan Demuth Frau Sasker eine Spende des UNITAS-Verbandes für die „Ärzte ohne Grenzen“ in Höhe von 300 DM überreichen.

Den dritten Vortrag des Tages hielt Hans-Jürgen Dörrich vom Jugendwerk der Salesianer „Jugend Dritte Welt e.V.“. Das Thema seiner Ausführungen war: „Sinnstiftung durch soziale Arbeit - Die Motivation junger Menschen für Entwicklungszusammenarbeit“. Nach einer Darstellung seiner Organisation und ihrer Arbeit, stellte er die provokante These, dass man „mit sozialer Arbeit heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken“ könne und regte hiermit eine interessante Diskussion an. In Verlauf dieser Diskussion wurden viele Schwachpunkte in der Selbstdarstellung der großen Hilfsorganisationen genauso angesprochen, wie die großen Möglichkeiten, die sich durch soziales Engagement für Organisationen wie den UNITAS-Verband ergeben.

Nach dem Abschluss der Vorträge standen zwei Arbeitsgruppen auf dem Programm. Die erste Gruppe wurde geleitet von VOP Stephan Demuth. Sie hatte sich zur Aufgabe gesetzt, Konzepte für die Unterstützung der Sozialen Projekte zu erarbeiten. Nachdem einige Bundesschwestern und Bundesbrüder dargestellt hatten, wie sie sich in ihren Vereinen sozial engagieren, wurde die Frage erörtert, ob die Unterstützung des Verbandsprojektes sinnvoller sei als das Engagement für eigene Vereinsprojekte. Man einigte sich schließlich darauf, dass durch die Bündelung der Kräfte der einzelnen Vereine für ein Projekt bessere Grundvoraussetzungen für das soziale Engagement geschaffen werden und auch eine größere Außenwirkung erreicht wird. Jedoch wurde kritisch angemerkt, dass die Möglichkeiten der Identifikation aller Vereine mit dem Verbandsprojekt verbessert werden müsse. VOP Stephan Demuth schlug zur Lösung dieser Problematik eine von ihm gehaltene Wissenschaftliche Sitzung bei den Vereinen vor; des weiteren sollte die Entwicklung des Projekts auf der Internetseite und in der Verbandszeitung ständig dargestellt werden. Auch wurde überlegt, mit interessierten Unitariern eine Reise nach Venezuela zu organisieren, um so die Identifikation mit dem Jugendzentrum zu stärken.

Die zweite Arbeitsgruppe leitete Alt-VOP Rainer Voss. Er stellte den Aktiven die Ergebnisse der Klausurtagung vom 14. Oktober in Bad Godesberg vor und diskutierte über die beschlossenen Maßnahmen, um die UNITAS zukunftsfähig zu gestalten. In der Kürze der Zeit konnten nicht alle Fragen erörtert werden. Doch man war sich einig, dass man das Katholizitätsprinzip unbedingt erhalten müsse, jedoch dass der Status von evangelischen Mitgliedern des Verbandes überdacht werden müsse. Die unterschiedliche Handhabung von Formen und Ritualen sollte nicht vom Verband vorgeschrieben werden, sondern man sollte die verschiedenen Ausprägungen des Brauchtums in den einzelnen Vereinen respektieren und weiterbestehen lassen. Eine Umformulierung der lateinischen Prinzipien wurde von den Teilnehmern der Arbeitsgruppe abgelehnt, da es keine gleichwertige Möglichkeit gibt, den Sinngehalt unserer Prinzipien in einem deutschen Wort auszudrücken.

Ein Höhepunkt des Wochenendes war ohne Zweifel auch die von den beiden Marburger Vereinen gemeinsam geschlagene Kreuzkneipe am Samstagabend. Die Prima der Elisabetha-Thuringia, Sandra Kösters, und der Senior der Franko-Saxonia, Mario Palichleb, begrüßten eine stattliche Anzahl von Unitariern und Gästen auf dem Robert-Schuman-Haus.

Sandra Kösters ging auch in ihrer Prinzipienrede auf das Thema des Aktiventages ein. Sie sah in dem Engagement für die Sozialen Projekte die Möglichkeit, alle drei unitarischen Prinzipien zu verwirklichen. Das Prinzip virtus wird durch die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen in hohem Maße gelebt. Die scientia wird verwirklicht, da man sich über die sozialen und politischen Gegebenheiten am Ort unseres Projekts informieren muss und lernt, auf die unterschiedlichen Problemstellungen einzugehen. Auch die amicitia wird durch das Eintreten des ganzen Vereins für einen guten Zweck und die Freude, die dieses gemeinsame Engagement weckt, gestärkt.

Während seines Grußwortes bedankte sich VOP Stephan Demuth herzlich bei den beiden Marburger Vereinen für die hervorragende Organisation des Wochenendes und die große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aller Marburger Aktiven. Er dankte den Teilnehmern des Aktiventages für die auf hohem Niveau geführten Diskussionen und forderte sie auf, die Idee des Sozialen Projekts in die eigenen Vereine zu tragen: „Das Soziale Projekt kostet zwar viel Kraft. Aber die Motivation und Energie, welche man aus einem Engagement für diese gute Sache zieht, können den UNITAS-Vereinen auch neue Vitalität geben und jedem einzelnen Unitarier aufzeigen, dass es sich lohnt, gemeinsam für das Soziale Projekt einzustehen.“

Die für den Sonntagmorgen geplante Ergebnisrunde konnte leider nur in einem sehr kleinen Kreis durchgeführt werden, da die meisten Aktiven von der Kneipe und dem anschließenden Ausklang am letzten Abend noch zu sehr mitgenommen waren. Nach dieser kurzen Darstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen zeigten uns zwei Marburger Aktive während einer 1-stündigen Stadtführung die Sehenswürdigkeiten der mittelhessischen Universitätsstadt.

Nach der Stadtführung besuchten wir gemeinsam den Gottesdienst der Katholischen Hochschulgemeinde. Hochschulpfarrer Bbr. Norbert Ernst begrüßte die Unitarier in der Kirche St. Peter und Paul. Am Abend zuvor war er auch bei der Kneipe dabei gewesen, musste die Corona aber leider schon früh verlassen, da er am nächsten Morgen ja arbeiten musste. „Ihr könnt bei der Predigt morgen früh weiter schlafen, aber ich muss konzentriert sein“, entschuldigte er sich humorvoll bei seiner Verabschiedung. Dieses „Angebot“ nutzte aber natürlich keiner der anwesenden Unitarier, sondern man hörte den interessanten Ausführungen des Bundesbruders über den „Souverän Jesus Christus“ aufmerksam zu.

Die Aktivenvertreterin West, Bsr. Claudia Bellen (UNITAS Clara-Schumann Bonn), formulierte ihr Fazit des Aktiventages in einem Grußwort während der Kneipe: „Endlich kann man in der UNITAS auch wieder inhaltlich arbeiten und muss auf den Verbandsveranstaltungen keine lähmenden Grabenkämpfe über Strukturreformen mehr austragen.“

Wer beim nächsten Aktiventag dabei sein möchte, der sollte sich schon jetzt das Wochenende vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2001 frei halten. Dieser Aktiventag wird vom Vorort als Rhetorik-Seminar gestaltet und von professionellen Rhetorik-Lehrern durchgeführt. Alle interessierten aktiven Bundesschwestern und Bundesbrüder sind herzlich nach Münster eingeladen. Das genaue Programm wird in einer der nächsten Ausgaben der unitas bekannt gegeben.

Thomas Breuer, VOS

 

Postamt Salia-Bonn: Weihnachts-Mailing 2000 für Caracas

BONN. Aktive der Vorortskorporation übernahmen auch in diesem Jahr wieder das Weihnachts-Mailing für unser Soziales Projekt. Über 5.600 Briefe wurden für den Versandt fertig gemacht und an alle Alten Herren und Hohen Damen des UNITAS-Verbandes auf den Postweg gebracht. Der schönste Lohn für die vielstündige Arbeit wäre ein ähnlich gutes Spendenergebnis wie in den beiden vergangenen Jahren, in denen jeweils rund 110.000 DM durch die Aktion dem Projektkonto zugute kamen.

 

Das soziale Projekt des UNITAS-Verbandes:
Was soll in „unserem“ Jugendzentrum 
in Caracas
geschehen?  

von Bbr. VOP Stephan Demuth

Die folgenden Ausführungen basieren weitgehend auf schriftlichen Unterlagen, die mir die Salesianer in Venezuela über die Planung des „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ zur Verfügung gestellt haben, ergänzt um einige Aspekte, die ich bei zahlreichen Gesprächen mit verschiedenen Verantwortlichen während meines zweimonatigen Aufenthalts im Land im Spätsommer 2000 erfahren habe. Nachstehend werden kurz die Ziele und Aktivitäten dargestellt, die in „unserem“ Jugendzentrum nach der Fertigstellung geschehen sollen.

Der Orden der Salesianer – er ist Träger des Projekts – widmet sich vornehmlich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus den Armenvierteln und sozialen Brennpunkten. Mit dem neuen Jugendzentrum verfolgt er das Ziel, kinder- und jugendgerechte Räumlichkeiten zu schaffen, um verschiedene, derzeit dezentral und oft an ungeeigneten Orten durchgeführte Aktivitäten zusammenzubringen und so effizienter zu gestalten. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 21 Jahren aus den Straßenkinder- und Erziehungsprojekten sowie aus den Schulen und offenen Zentren der Salesianer, aber auch sonstige junge Menschen, etwa aus diözesanen Trägerstrukturen, die man zu sozialer Kompetenz befähigen will. Darüber hinaus soll das „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ vor allem der Aus- und Weiterbildung der Erzieher, Multiplikatoren und Helfer in der Jugendarbeit dienen. Dazu ist auch die Einrichtung einer Bibliothek geplant.

Die Zusammenführung der verschiedenen Engagements soll einmal der salesianischen Jugendbewegung (Movimiento Juvenil Salesiano [MJS]) in Venezuela ein neues Profil geben. Zum anderen sollen in die Aktivitäten aber auch – wie schon erwähnt – andere Jugendliche und Träger einbezogen werden. Wie ich in einem persönlichen Gespräch mit dem Erzbischof von Caracas, Ignacio Antonio Velasco Garcia – er ist ebenfalls Salesianer - erfuhr, ist die katholische Kirche in Venezuela bestrebt, alle Jugendbewegungen und –initiativen enger miteinander zu vernetzen, um die verschiedenen Erfahrungen in der Jugendarbeit zusammenzubringen, einen gegenseitigen Lernprozess zu initiieren und schließlich ein neues Gesamtkonzept zu entwickeln. Das geplante Jugendzentrum ist in diesem Bestreben ein wichtiges Element.

Das Zentrum will den Kindern und Jugendlichen aus den Armenvierteln aber darüber hinaus auch einfach nur ein Stück Beheimatung bieten, einen Ort, wo sie jederzeit hinkönnen und wo jemand für sie da ist. Wir können als UNITAS mit unserer Hilfe einen wichtigen Beitrag leisten, die angestrebten Ziele zu verwirklichen und die schlimme Situation der Straßenkinder von Venezuela in Zukunft ein Stück weit in andere, bessere Bahnen zu lenken!

von rechts: Pablo Stocco (verantwortlicher Padre für das Jugendzentrum), Ingenieur des Projektes, Stephan Demuth

Das Jugendzentrum setzt meines Erachtens genau an der richtigen Stelle an, um der Armut entgegenzuwirken. Mit der Einrichtung setzt sich die Diözese gegen die Ausgrenzung der Jugendlichen ein und versucht, ihnen religiöse Orientierung und Halt, Gemeinschaft und Nähe zu bieten sowie ihnen die christlichen Werte der Nächstenliebe zu vermitteln. Denn einer Jugend, die in Armut aufwächst, kaum berufliche Perspektiven hat und nur unzureichend persönliche Orientierungshilfen bekommt, wird es schwer fallen, die politische und soziale Entwicklung ihrer Gesellschaft positiv mit zu bestimmen. Mangelnde Zukunftsaussichten sind keine guten Voraussetzungen für Verantwortungsbewusstsein und soziales Engagement. Im Gegenteil: eine perspektiv- und orientierungslose Jugend ist besonders anfällig für (selbst-)zerstörerische Verhaltensweisen und Aktivitäten, die sich negativ auf die gesamte Gesellschaft auswirken. Ein Jugendlicher, der keine Ausbildungsmöglichkeit bekommt, der den ganzen Tag auf der Straße verbringen muss und keine Ansprechpartner in seiner Familie und sozialen Umgebung hat, wird eher versucht sein, Drogen zu konsumieren oder sich kriminellen Banden anzuschließen.

So ist das Konzept einer präventiven und subsidiären Jugendarbeit auch im Sinne der venezolanischen Regierung. Die aktive Arbeit mit Heranwachsenden sowie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ will junge Menschen zu einem solidarischen Verhalten erziehen und sie zu engagierten Bürgern machen, die sich dann selbst als Multiplikatoren für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen.

Einige Zahlen sollen die Notwendigkeit des Jugendzentrums verdeutlichen. Im Jahresdurchschnitt bezieht sich das Angebot auf junge Menschen, die in gefährdeter Situation von den Einrichtungen der Salesianer in Caracas betreut werden; auf Schüler der 3 Schulen der Salesianer in Caracas und der 10 anderen allgemeinen Schulen im Osten der Hauptstadt; auf Schützlinge der 5 salesianischen Pfarrgemeinden und der 30 übrigen Gemeinden im östlichen Caracas sowie auf Kinder und Jugendliche aus den 4 Jugendzentren und den 10 Oratorien der Salesianer in der Metropole:

1. ca. 6.060 Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren (überwiegend Schüler der 6. Klasse der Hauptschule)

2. ca. 12.520 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren (überwiegend Schüler der 7. bis 9. Klasse der Hauptschulen und des Gymnasiums)

3. ca. 1.920 Jugendliche im Alter von 17 bis 21 Jahren (überwiegend Arbeiter in den Ausbildungszentren und Erstsemester)

4. ca. 670 Jugendliche (ab 17 Jahre) und Erwachsene, die als Lehrer, Erzieher, Ausbilder, Betreuer und Multiplikatoren in verschiedenen Projekten arbeiten (Lehrer an den drei salesianischen Schulen in der Metropole; Ausbilder an den fünf Ausbildungszentren der Salesianer in Caracas; Hauptamtliche und Freiwillige des Netzes „Casa Don Bosco“ für gefährdete Kinder und Jugendliche; Leiter und Erzieher der vier Jugendzentren und 10 Oratorien der Salesianer in der Hauptstadt; Leiter und Erzieher der Jugendzentren und Oratorien der Salesianer im Hinterland von Caracas; Katecheten der fünf salesianischen Gemeinden sowie Katecheten und jugendliche Betreuer aus den anderen Gemeinden der Metropole.)

Viele ältere Jugendliche arbeiten nach ihrer Schulzeit oder beruflichen Ausbildung gerne weiter als freiwillige Helfer und Betreuer in den Einrichtungen der Salesianer mit. Gerade sie gewinnen schnell das Vertrauen der Jüngeren, weil sie die Erfahrungen und Erlebnisse aus ihrer eigenen Zeit als Mitglied einer Jugendgruppe noch unmittelbar einbringen können. Gleichzeitig erhalten sie auf diesem Wege die Möglichkeit, sich in die Praxis als Lehrer und Erzieher einzuüben. Mit diesem Erfahrungshorizont können die jungen „Lehrer“ später landesweit auf andere Einrichtungen verteilt werden, und sie leisten längerfristig einen wichtigen Beitrag zu einem höheren Bildungsniveau in Venezuela. Im neuen Jugendzentrum soll dieses Engagement besonders gefördert und koordiniert werden. Langfristig soll so ein neues Netzwerk in der Jugenderziehung entstehen.

Hervorzuheben ist noch, dass das Jugendzentrum auch anderen Organisationen als Ort für Veranstaltungen und Seminare offen stehen soll, so dass eine effektive Nutzung der Gebäude über das gesamte Jahr gewährleistet ist.

Die nachstehende Stichworte geben einige Beispiele für Aktivitäten und Themen der Workshops, die im „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ durchgeführt werden sollen:  

Treffen und Weiterbildung der Koordinatoren der Ausbildungs- und Jugendzentren sowie der Oratorien, Treffen und Weiterbildung der Katecheten, Treffen und Weiterbildung der Erzieher von verwahrlosten und gefährdeten Jugendlichen, Treffen und Schulung der Jugendbetreuer, Treffen der Schüler- und Studentenorganisationen, Koordination der Arbeit in den Ausbildungszentren, Koordination von sportlichen Aktivitäten, Organisation und Koordination der Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche, Einkehrtage und Exerzitien für verschiedene Zielgruppen, Veranstaltungsort für das Nationale Jugendtreffen, Veranstaltung von Kinder- und Jugendcamps (mit dem Angebot von Sportflächen für Fußball, Baseball, Volleyball etc.).

Workshops für folgende Gruppen und zu folgenden Themen:

für Liturgiegruppen, zur Förderung der freiwilligen Laiendienste, theologische Unterweisung für Laien, für junge Verlobte und Ehepaare, Lebensplanung, Beziehungen und Freundschaft, Liebe und sexuelle Aufklärung, Aufbau und Führung einer Gruppe, Gruppenpädagogik und –dynamik, effektive Kommunikation, Einführung in Theaterspiel, Lyrik und Rhetorik, Handarbeiten, Gruppenspiele, Analyse der sozialen Wirklichkeit, Einführung in die Sozialpolitik, Erziehung zum Umweltschutz, Teilnahme an politischen Prozessen, Anleitung zum Beten, Einführung in die Bibelarbeit, Meditation und Spiritualität, Sakramentenlehre (insbes. Tauf-, Kommunion- und Firmkatechese), Berufung zum Priester (Motivation und Perspektiven).

 

2001 -1
Grünes Licht für Baubeginn in Caracas

Weihnachts-Briefaktion 2000 brachte wieder über 100.000 DM Spenden ein

22. Januar 2001 - zu Besuch beim Bischöflichen Hilfswerk ADVENIAT in Essen: Die Bundesbrüder VOP Stephan Demuth, Hermann-Josef Grossimlinghaus und Dr. Christof Beckmann waren zu Gast bei Venezuela-Referent Christoph Huber. Der Vortortspräsident nutzte die Gelegenheit, über seinen zweimonatigen Aufenthalt in Lateinamerika zu berichten. Vor zehn Mitarbeitern, die mit Projekten in der Region befasst sind, zeigte er einen Diavortrag und veranschaulicht die Arbeit in den Missions- und Sozialstationen der Salesianer Don Boscos. Im Gespräch mit leitenden Adveniat-Mitarbeitern und Christoph Huber wurde über den Fortschritt der Planungen und das bisherige Verbandsengagement informiert. Auf Hubers Schreibtisch lagen die soeben frisch mit der Post eingegangenen überarbeiteten Bau- und Finanzierungspläne für „unser“ Jugendzentrum in Caracas. Hier zum aktuellen Stand der Bericht von Bbr. H.-J. Gossimlinghaus:

„Die noch ausstehende Prüfung der Bodenproben ist abgeschlossen, die behördlichen Genehmigungen liegen vor. Dem Baubeginn steht nun nichts mehr im Wege. Pater Bruno Masiero, der Provinzial der Salesianer in Caracas, ist optimistisch. In einem Brief an VOP Stephan Demuth drückt er die Hoffnung aus, dass die erste von drei Bauphasen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Es handelt sich um eine Grundeinheit mit Eingangsbereich und Empfangsbüro, Küche, Speisesaal und (variablen) Tagungs- und Besprechungsräumen, so dass das Zentrum eventuell schon vor Ende 2001 seinen Betrieb für eintägige Veranstaltungen aufnehmen kann.

In einer zweiten Bauphase sollen dann Schlafräume für Männer und Frauen, Büros, Zimmer für die Referenten und eine Wohnung für die Gemeinschaft der Salesianer, die das Haus betreut, hinzukommen. Dann können auch mehrtägige Seminare mit Übernachtungsmöglichkeit der Teilnehmer durchgeführt werden. In der dritten und letzten Etappe werden schließlich noch eine Kapelle, ein kleines Amphitheater und die Außenanlagen hinzukommen. Wichtig an der Planung ist, dass jede Bauphase für sich schon die Funktionsfähigkeit des Zentrums gewährleistet und nicht erst die komplette Fertigstellung des Gesamtbaus abgewartet werden muss.

Der Finanzbedarf weist für die erste Bauphase rund 820.000 DM, für die zweite etwa 1,4 Mio. DM und für die dritte noch ca. 170.000 DM aus. Die Finanzierung des ersten Bauabschnitts ist bereits vollständig abgesichert mit Eigenleistungen der Salesianer, Beiträgen von ADVENIAT und nicht zuletzt des UNITAS-Verbandes, ohne dessen Hilfe – so wird betont – das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre.

Besonders stolz können wir auf das Ergebnis unserer Weihnachtsbriefaktion 2000 sein. Das Spendenkonto stieg wieder um mehr als 100.000 DM, so dass wir bis jetzt, also nach etwa 1 ½ Jahren Laufzeit des neuen Projekts, schon rund 240.000 DM sammeln konnten. Sie bilden den Grundstock für die erste Bauphase. Allen Spendern sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass noch ein gutes Stück des angestrebten Ziels vor uns liegt und wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen dürfen.

Projekt-Partner: Das Bischöfliche Lateinamerika-Hilfswerk ADVENIAT

Die Bischöfliche Aktion ADVENIAT ist nicht nur Mitfinanzierer des Projekts, sondern sie hat die Salesianer in Venezuela auch intensiv beraten, bis nun endlich im Dialog zwischen Träger, Geldgebern und staatlichen Genehmigungsbehörden eine akzeptable sachgerechte und finanzierbare Planung vorgelegt werden konnte – ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hingezogen hat. ADVENIAT ist auch unser Partner im administrativen Bereich. Es besorgt den verantwortungsvollen Transfer der Finanzmittel, beobachtet den Fortgang der Bauarbeiten und stellt vor allem die Spendenquittungen für die auf dem UNITAS-Spendenkonto eingegangenen Gelder aus. In diesem Zusammenhang noch ein organisations-technischer Hinweis: Die UNITAS-Geschäftsstelle gibt die Spenderlisten vierteljährlich an das Hilfswerk weiter, so dass zwischen Überweisung und Zusendung der Spendenbescheinigungen manchmal etwas Zeit vergehen kann. Wir bitten hierfür um Verständnis.

Herzlich danken möchte ich unserer Verbandssekretärin, Frau Marianne Hübers, die die Spenderlisten erstellt und oftmals in mühsamer Kleinarbeit durch Nachschlagen im Gesamtverzeichnis Namen und Anschriften auf den Überweisungsträgern wegen fehlender oder unvollständiger Angaben rekonstruieren muss. Manchmal sind die Daten so lückenhaft, dass man sie nicht mehr nachvollziehen kann. In solchen Fällen können dann natürlich auch keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Daher erneut meine Bitte: Auf den Überweisungsträgern immer vollständig Name und Anschrift des Absenders angeben!

Wir hoffen, dass auch während des Jahres 2001 wieder viele Bundesschwestern und Bundesbrüder großherzig spenden, damit wir den Kindern und Jugendlichen in Venezuela schnell helfen können. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang nochmals an runde Geburtstage, Jubiläen, Kollekten bei Vereins- oder Stiftungsfesten, Straßensammlungen durch Aktivitates etc., die immer gute Anlässe bieten, zu Spenden aufzurufen.“

 

Besuch bei ADVENIAT: Am 22. Januar berichtete VOP Stephan Demuth vor Mitarbeitern der Bischöflichen Aktion ADVENIAT über seine Erfahrungen während seines zweimonatigen Aufenthalts in Venezuela im vergangenen Jahr. Anschließend wurde ausführlich der Fortgang unseres sozialen Projekts, des Baus des Jugendzentrums „Centro de Formación Juvenil y Popular“, in Caracas mit dem Projekt-Abteilungsleiter Michael Huhn und dem Venezuela-Referenten Christoph Huber diskutiert. Auf unserem Foto: (v.l.) Bbr. Hermann-Josef Großimlinghaus, Beauftragter des UNITAS-Verbandes für das Soziale Projekt, Christoph Huber, Venezuela-Referent bei ADVENIAT, VOP Stephan Demuth und Dr. Christof Beckmann, Schriftleiter der Verbandszeitschrift.  

 

Das Statement:
Länderreferent Christoph Huber, Adveniat

unitas: Das „soziale joint-venture“ von UNITAS-Verband, Salesianern und Adveniat nimmt in den letzten Wochen deutliche Konturen an. Alle Mitstreiter für dieses Projekt kommen aus der „kirchlichen Ecke“. Ist dies ein Vorteil?

Die soziale Frage gerade in Lateinamerika kann man nicht unabhängig vom kirchlichen Hintergrund sehen. Es sind Länder, die zu neunzig Prozent katholisch, christlich sind, und in denen deshalb die Religion ganz spezifisch zur Kultur und Lebensweise gehört. Wenn wir hier in Europa oft über soziale Gerechtigkeit sprechen, klammern wir diesen meist Aspekt aus. Wenn sich die Kirche in Lateinamerika besonders im Bildungsbereich engagiert, ist dies genau der richtige Ansatz.

Katastrophenmeldungen aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern prägten die Berichterstattung in den letzten Wochen. Erdbeben und andere schreckliche Naturereignisse haben Soforthilfemaßnahmen nötig gemacht - Caritas, Malteser und nicht zuletzt Adveniat leisten hier viel. Was ist der Vorteil von langfristigem Engagement?

Venezuela z.B. hat eine sehr, sehr junge Bevölkerung. Ein Großteil der Einwohner ist unter dreißig. Wer nicht bei der Jugend und im Bildungsbereich ansetzt, kann die großen Herausforderungen im sozialen Bereich gar nicht angehen. Mittel- und langfristig ist die Ausbildung von Multiplikatoren im eigenen Land entscheidend. Sie erst können auf die soziale Situation wirken, indem sie zukünftige Führungskräfte heranbilden....

... die UNITAS ist als Studenten- und Akademikerverband also der richtige Partner?

Es ist eigentlich die ideale Lösung! Denn wir haben hier ja Studenten und Jugendliche, die sich für andere Studenten und für andere Jugendliche einsetzen, die eben nicht vergleichbare Bildungsmöglichkeiten haben. Wenn sich Studenten für Jugendliche in einem anderen Land engagieren, das ist das eigentlich das, was immer passiere