Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
Venezuela: Unser Projekt ist feierlich eingeweiht
Christian Lopez Casanava war unser Mann in Caracas
Bericht für die
unitas 2/2007
Lange
war es still gewesen um das Verbandsprojekt in Caracas/ Macaracuay. Doch dann
kam die Einladung aus dem fernen Venezuela. Und die Einweihung „unseres“
Jugendzentrums wurde ein großes und feierliches Ereignis: Padre Pascual Chavez
Villanueva SDB, römischer Generaloberer der Salesianer weltweit, segnete höchstpersönlich
die neue Multifunktionshalle. Sie trägt in Zukunft den Namen "Casa
UNITAS"! Bbr. Christian Lopez Casanava von UNITAS-Salia in
Bonn hat sich für eine kurze Woche auf den anstrengenden Weg übers
große Meer gemacht und die UNITAS bei der Einweihung vertreten. Bereits bei der
Generalversammlung in Trier erstattete er Bericht und präsentierte die
Dankesurkunde. Hier der Bericht aus seinem Reisetagebuch:
7.
Mai: Ankunft
Was für
eine Reise! Nach elfstündigem Flug völlig erschöpft am Flughafen Caracas -
schon hier bekomme ich einen ersten Eindruck von den innerstaatlichen Verhältnissen.
Zwei Stunden Wartezeit am Zoll, Erläuterungen und Befragungen zu meinem Besuch
in der venezolanischen Hauptstadt sind noch das harmloseste Ereignis meiner einwöchigen
Reise. Was nutzt es aber, all dies zu überstehen – wenn ich doch meine
Gastgeber gar nicht persönlich kenne? Um sie ausfindig zu machen, begebe ich
mich auf zum Ausgang des Flughafens, in der Hoffnung, dass man mich dort
erwartet. Doch augenblicklich versperren mir zwei Polizisten den Weg.
Sicherheitsgründe, wie es heißt. Ein Glück, dass ich Spanisch spreche. Ich
solle ihn doch zur Autovermietung begleiten, so der Vorschlag der Beamten.
Gerade erst habe ich ihm berichtet, dass ich überhaupt keinen Führerschein
habe. „Ist doch kein Problem“, meint der Ordnungshüter. Und ich bleibe bis
auf weiteres irritiert.
Nach
drei Stunden Herumirren auf dem Flughafen finde ich meine Gastgeber. Wir machen
uns auf den Weg zur Ordensniederlassung. Auch diese Fahrt wird zum Abenteuer:
Die üblicherweise 45-minütige Strecke verlängert sich um drei weitere
Stunden. Die Autobahn ist gesperrt, einige Monate zuvor ist eine Brücke eingestürzt.
Uns bleibt nur die Weiterfahrt über die „Landstraße“, an steilen Klippen
entlang, durch enge Wege und an mit Wellblechhütten übersäten Hängen vorbei.
Müll türmt sich auf und neben der Straße. Straßenhunde überall und
verwahrloste Kinder – ein Anblick, der kaum zu beschreiben ist, wenn man es
nicht gesehen hat. Das gilt nicht anders für die Verkehrsverhältnisse, die wir
in Caracas selbst antreffen. Auf der Stadtautobahn gibt der Fahrer eine kurze
Einweisung zur Straßenverkehrsordnung. Hier, so erfahre ich, gelten diese vier
Gebote: Gefahren wird, wo Platz ist. Vorfahrt hat das größte Auto. Das
Wichtigste an einem Auto ist die Hupe. Und: Alles was fahrbar ist, wird
gefahren. Auf den verstopften Straßen wäre man zu Fuß fast schneller gewesen.
Und das Fenster zu öffnen, ist keine gute Idee. Denn die Abgase nehmen uns die
Luft. Nach der Ankunft in der Nacht entschädigen der herzliche Empfang und ein
echtes venezuelanisches Essen für die Flug- und Autostrapazen mehr als
ausreichend. Meine Odyssee und die sechsstündige Zeitverschiebung fordern
schließlich ihren Tribut. Das Gespräch mit den anwesenden Salesianern fällt
kurz aus.
8.
Mai: Der erste Tag in Caracas
Dienstagmorgen.
Ich werde gegen 5.30 Uhr wach, nehme noch vor dem Frühstück am Gottesdienst
teil. Wie auch an den folgenden Tagen dieser Woche, und jedes Mal wird mir die
Lesung übertragen. Nach ausgiebigem Frühstück planen Padre Enrique und Padre
Jonny, Provenzial in Venezuela, mit mir den weiteren Tagesablauf. Für die nächsten
Tage wird mir Daniel zur Seite gestellt, ein 21-jähriger studentischer
Mitarbeiter. Er will sein Studium der Elektrotechnik in Deutschland beenden,
denn für die Jugend gibt es in Venezuela kaum Zukunftsperspektiven. Wir fahren
einen Tag vor der Einweihung zum Jugendzentrum, damit ich mich mit dort den
Salesianern in Ruhe unterhalten und austauschen kann. Wieder dauert die Fahrt
durch die fast hoffnungslos verkeilten Straßen länger als geplant: Für 10
Kilometer brauchen wir eine Dreiviertelstunde. Doch dann sind wir da. Und ich
sehe das Jugendzentrum „Centro de Formación Juvenil y Popular“ zum ersten
Mal. Ein überaus positiver Eindruck: Das umzäunte Gelände besteht aus drei
Gebäuden und einem Basketballfeld. Eines dient als Unterkunft für die
Salesianer und Jugendarbeiter, ein zweites Gebäude beherbergt eine Großküche
mit dazugehörigen Essräumen im Erdgeschoss. Die erste Etage besteht aus einer
Bibliothek und einem Seminarraum.
Das
dritte Gebäude, für die UNITAS das Wichtigste, ist der so genannte „Salón
multiple“: Eine große Aula, in der die Jugendlichen gemeinsame
Veranstaltungen durchführen können, zudem zwei kleineren Besprechungsräume.
In der oberen Etage ein kleiner Gemeinschaftsraum – alles sehr klug
konzipiert. Mit Blick auf die Umgebung wird mir klar, wie wichtig dieses Zentrum
ist: Direkt am Basketballfeld wuchert eine Wellblechsiedlung am Hang. Eines von
vielen Slumviertel oder „barrios“, wie sie hier genannt werden. Hier
herrschen seit Jahren die nackte Gewalt - Armut, Drogen und Waffen. In ihrem
Zentrum können die beliebten und hoch angesehenen Salesianerpatres die
Jugendlichen versammeln und mit ihnen arbeiten, sie müssen sich nicht auf den
teilweise gefährlichen Weg zu ihnen in die Barrios selbst machen. Täglich
kommen bis zu 40 Kinder, wird mir von den Patres erzählt. Sie seien zugleich
Multiplikatoren und führten die Arbeit der Salesianer in den Barrios weiter.
Das zeige die ganze Geschichte der Salesianer in Venezuela,
Etwa
durch den Nationalsport Nr.1: Denn auf der angrenzenden „Wiese“, einem
bleichen und trockenen Gelände, werden Baseballturniere ausgerichtet. Auch ich
schlage mit den Jugendlichen ein paar Bälle, kann mit ihnen sprechen. Wieder
wird deutlich, wie wichtig diese Sozialarbeit ist. Die einen erzählen, dass sie
bereits mit Drogen in Kontakt kamen, andere hielten bereits Schusswaffen in den
Händen. Die Salesianer aber gäben ihnen die Möglichkeit einer Schulbildung,
der wichtigsten Voraussetzung für eine aussichtsreichere Zukunft. Was ich sehe
und höre, muss ich erst mal verarbeiten. Ziemlich erschüttert, nehme ich mir
in unserer Unterkunft einige Zeitungen zur Hand. Und stoße auf weitere
Probleme. Meinungsfreiheit gibt es nur im Internet. Venezuela ist ein Staat im
Griff einer Partei: Minister werden entlassen und durch Generäle ersetzt,
Privatunternehmen wie Krankenhäuser werden nationalisiert, 93% der Elektrizitätswerke
gehören wieder dem Staat, ausländischen Unternehmen werden Lizenzen entzogen.
Nur
einige Beispiele für die Entwicklung des Landes, seitdem Präsident Hugo Chavez
an der Macht ist. Nach dem gescheiterten Putsch festigt er mit neuen Gesetzen
seine Macht. Demonstrationen finden nur unter scharfer Aufsicht von Polizei und
Militär statt, eine Opposition ist kaum oder nur unter schwersten Bedingungen möglich.
Chavez setzt in dem patriotisch gesinnten Land auf die nationale Karte: Er setzt
sich mit Nationalhelden wie Simon Bolivar aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1821
auf eine Stufe. Die nationalen Fernsehprogramme zeigen der Bevölkerung Bilder,
die keine negativen Meinungen zulassen, Probleme werden verschwiegen. Die
Schuldigen sind sehr schnell im kapitalistischen Ausland gefunden, vor allem in
den USA oder bei der illegal zugewanderten Bevölkerung. In dem ölreichen Land
kostet eine Tankfüllung umgerechnet rund 1,50 Euro. Doch ein Liter Trinkwasser
ist teurer als ein Liter Benzin.
Jeder
ist betroffen, das Land bewegt sich auf eine unsichere Zukunft zu. Die
katholische Kirche versucht sich als Vermittler zwischen Regierung und
Opposition, doch das wird von der Regierung boykottiert. Nicht vergessen ist im
Land, dass Chavenisten 2003 die Totenfeier des vormaligen salesianischen
Erzbischofs Ignacio Antonio Kardinal Velasco García von Caracas störten, indem
man mit Steinen die Scheiben von Kirchen bewarf oder von Regierungsseite aus
versuchte, die Kirche mundtot zu machen. Manches erklärt sich, wenn man
bedenkt, dass der Generalobere der Salesianer Padre Pascual Chavez in Zivil
eingereist ist, um niemanden hellhörig zumachen. (Bild vom Reiseprogramm
oben rechts)
Der
9. Mai: Die große Einweihung
Zu
Hause ist heute Europatag. Hier machen wir uns früh morgens in Kolonne auf den
Weg zum Jugendzentrum, um an der feierlichen Einweihung teilzunehmen. Weit vor
Beginn der Feiern begrüßen uns bereits über 100 Menschen mit Liedern und
Musik. Ein bemerkenswerter Anblick - die Werbetrommel hat funktioniert. Alles
ist vertreten: Jung und Alt, Reich und Arm, Schüler und Studenten. Freundlich
geht man auf mich zu, fragt mich, wie es mit geht. „Die UNITAS aus Deutschland
ist da“, hat sich herumgesprochen. Auch Petrus ist auf unserer Seite, wir
haben bereits morgens knapp 30 Grad im Schatten, als ich mit den Architekten des
Jugendzentrums und Jugendarbeitern ins Gespräch komme. Erst heißt es aber, mit
Straßenkindern zu sprechen, was mich besonders freut. Ich muss gar Autogramme
geben, bis ich länger mit den Architekten reden kann. Sie bedankten sich in höchsten
Tönen bei der UNITAS für die Unterstützung. Man habe nicht geglaubt, dass
nach den Bauschwierigkeiten über eine so weite Entfernung hinweg noch Interesse
am Projekt bestanden habe. Und jetzt sei die UNITAS da – das zeige das
Gegenteil.
Dann
kommt der große Augenblick: Am Haupteingang versammeln sich alle für einen
kurzen Gottesdienst. Padre Chavez segnet nach einer kurzen Rede die Aula. Wir
werden zu einem aufgespannten Band geführt, haben die Ehre, die Schleife mit
musikalischer Begleitung zu öffnen. Wir betreten mit den Salesianer die Räume
und bekommen eine VIP-Führung, bei der ich mich intensiver mit dem
Generaloberen unterhalten und ihm die UNITAS näher bringen kann. Auch für mich
etwas Neues, einem so hohen Repräsentanten über unseren Verband zu berichten.
Er fragt nach, zeigt, dass er großes Interesse hat und mehr darüber erfahren
will. Und ich erzähle ihm, was ich von der Entstehungsgeschichte der UNITAS über
die Weltkriege bis zur Neuzeit über uns weiß.
Bild oben: "El RM bendice el
salón múltiple de Macaracuay y agradece la ayuda de UNITAS",
lautet die Bildunterschrift auf der Seite http://www.donbosco.org.ve/doc/galeria.htm,
die viele Bilder vom Besuch des Generaloberen in der Salesianischen
Ordensprovinz Venezuela versammelt
(in der Bildmitte, links neben ihm Bbr. Christian Lopez Casanava von
UNITAS-Salia Bonn).
Die
bereits gefüllte Aula ist für den Tag festlich dekoriert, die Stühle sind
zusammengeliehen. Hier fehlt es noch an vielem, erklärt mir Padre Enrique.
Unsere Unterstützung ist weiter wichtig, erkenne ich – in einem „nackten“
Gebäude ist eine Arbeit schwer möglich. Immer mehr Menschen drängen hinzu,
fast 250 Leute lauschen der kurzen Einführung, bis man mich zum Podium
geleitet, wo ich neben Padre Chavez Platz nehme. Der Generalobere spricht über
den Sinn und die Zukunft der Jugendarbeit, verdeutlicht es am Beispiel des neu
gebauten Jugendzentrums. Man wolle einen Ort für Kinder und Jugendliche
schaffen, an dem sie Wärme und Zuneigung erfahren. Zugleich wolle man sie zu
verantwortungsvollen und mündigen Christen erziehen, sie für die Zukunft
wappnen. Die Parallelen zum UV sind für mich unübersehbar. Diese Arbeit,
betont der römische Ehrengast, komme aber nie an ein Ende, sondern sei ein
fortwährender Prozess, der nie zum Stillstand komme. Gerade in diesem Land sei
es ein weiter Weg, für den aber bereits die Grundsteine gelegt seien.
Begeistert wird seine Rede aufgenommen und mit viel Beifall bedacht.
Dann
greift der Provinzial von Venezuela zum Mikrophon. Auch er bedankt sich für das
zahlreiche Erscheinen und richtete die nächsten Worte an mich. Von ganzem
Herzen dankt er der UNITAS und überreicht mir eine eigens gefertigte
Dankesurkunde. Ich bin ziemlich überrascht, freue mich über diese unerwartete
Geste und das Geschenk. Aufmerksam folgt man meiner kleinen Einführung in die
Prinzipien und das Verständnis der UNITAS, die Gesprächsstoff für den
weiteren Tag liefern. Bereits im Jahr 2001 seien Bundesbrüder aus Venezuela bei
unserer Generalversammlung in Berlin gewesen, berichte ich. Unser Verband in
Deutschland freue sich, wenn ein reger Austausch stattfinden würde, auf regelmäßige
gegenseitige Informationen oder eben durch Besuche. Auch ich habe etwas
mitgebracht: Ein eigenes, zuhause angefertigtes und im Koffer transportiertes
Schild mit Zirkel und spanischer Inschrift. „Ab heute“, wird bekannt
gegeben, „heißt die Aula „Casa-UNITAS“. Wieder draußen angelangt, können
mich nun alle Leute dem Verband zuordnen, der sich an der Fertigstellung des
Hauses mit seinem Beitrag beteiligt hat. Immer wieder muss ich Rede und Antwort
stehen, will man mehr über uns erfahren. Ich verspreche, dass ich sie von
Deutschland aus noch mehr über den UV informieren werde.
Gegen
Mittag sind wir wieder unterwegs. Es gibt ein Essen mit hohen Repräsentanten
der Katholischen Kirche im Land, die durch Verspätungen und den dichten Verkehr
nicht an der Einweihung selbst teilnehmen konnten. Ich werde mit Bischöfen und
dem Apostolischem Nuntius bekannt gemacht, darf auch hier wieder über unseren
Verband berichten. Für mich ein einzigartiges Erlebnis: Wann bekommt man wieder
so eine Chance? Die Annahme, dass dies der Höhepunkt des Tages gewesen ist,
stellt sich für mich als Irrtum heraus. Denn schon geht es weiter im Programm:
Padre Chavez, der Generalobere, bittet mich, mit ihm an weiteren Termine
teilzunehmen. Wir fahren zu einer anderen Einweihung, diesmal zu der der
Verwaltungszentrale der „Casa Don Bosco“. In diesem Bürogebäude in
unmittelbarer Nähe eine Salesianer-Schule soll die zentrale Verwaltung und
Organisation des Ordens untergebracht werden. Auch dort warteten bereits Lehrkräfte,
Schüler und deren Eltern auf dem Schulhof auf unsere Ankunft. Zu Ehren des
Besuchers aus dem Vatikan gibt es Theaterstücke, Tanzeinlagen und eine Rede,
bis der Tag mit einem Gottesdienst in einer völlig gefüllten Kirche zu Ende
geht. Obwohl es keine Klimaanlage gibt und selbst am Abend Temperaturen von gefühlten
30 Grad herrschen, verlässt niemand zwischendurch die Kirche. Und das bei einem
Gottesdienst, der diesmal vier Stunden dauert. Ein 17-stündiger Tag geht mit
der Rückkehr in unserer Unterkunft gegen Mitternacht zu Ende.
10.
Mai: In den Barrios
Am
Donnerstag heißt es Ausschlafen. Kein Gespräch mehr mit dem Generaloberen –
er muss bereits die nächsten Termine wahrnehmen. Für mich geht es in
Begleitung eines Salesianers in die Stadt. Da ich darauf bestehe, keine
Touristenstätten zu besichtigen, sondern das „wahre Caracas“, fahren wir
mit der Metro in die „Innenstadt“. Hier ist es wie auf einem Basar: Menschen
laufen uns hinterher, wollen Schmuck oder gefälschte Markenartikel verkaufen.
Alles in Anwesenheit von gelangweilten Streifenpolizisten, die nichts
unternehmen. Sie sind viel mehr am Ausgang eines Fußballspieles interessiert.
Als ein wüstes Handgemenge ausbricht, machen wir uns aus dem Staub. In den
Barrios sehe ich das Elend der dort lebenden Bevölkerung hautnah. Ein Gänsehaut-Gefühl.
Fotos soll ich besser keine machen, wird mir geraten. Auf weitere Komplikationen
sind wir nicht gerade scharf. Wie bei der ersten Autofahrt wimmelte es hier von
Straßenhunden, die in den engen Kopfsteinpflastergassen zu überleben suchen.
Menschen eines jeden Alters tummeln sich auf der Straße. Kinder tragen Kleider,
die offensichtlich schon vielen zuvor gedient haben und viel zu groß sind. Zurück
in der Metro und in der Unterkunft angekommen, bin ich mehr als froh, dass uns
nichts passiert ist.
Neue
Chancen für die UNITAS Don Bosco
Am
Nachmittag kommen wir im Gespräch mit den Salesianern auf das Thema „UNITAS
Don Bosco“ zurück. Eigentlich ist es kein Problem, höre ich, hier wieder ein
neues Vereinsleben aufzuziehen: Die Salesianer betreiben Schulen und Fakultäten,
ein Potenzial ist jedenfalls da, man müsse es nur richtig ausschöpfen. Das
Angebot, einen Austausch mit Deutschland zu organisieren, um den Kontakt
wiederzubeleben, könnte unter Umständen tatsächlich funktionieren. Auch wenn
das Interesse an der deutschen Sprache in Venezuela nur begrenzt vorhanden ist:
In den letzten zwei Jahren hätten sich drei angehende Salesianer für einen
Deutschkurs gemeldet, der dann doch aus finanziellen Gründen ausfallen musste.
Trotzdem wollen wir am Ball bleiben, erkläre ich. Sie sollen mehr Information
bekommen über alles, was Aufbau und Struktur der UNITAS betrifft. Dort will man
es weitergeben und ist zuversichtlich, dass es in den nächsten Monaten eine
wiederbelebte „UNITAS Don Bosco“ gibt. Durch den Kontakt mit dem
Elektrotechnikstudent Daniel kommen wir auch direkt an die Universität und müssen
uns nicht nur auf einzelne Fakultäten beschränken. Nicht zuletzt: Eine UNITAS
in Venezuela kann etwas bewirken, was aus deutscher Sicht kaum vorstellbar ist.
Sie kann jungen Menschen eine Sicherheit vor möglichen staatlichen Repressalien
geben. Ein Grund mehr, an der Sache dranzubleiben und den neuen Schwung zu
nutzen! Tatsächlich wollen also die Salesianer selbst aktiv werden und damit
auch ihre Dankbarkeit zeigen.
Daher
zum Schluss ein Appell an alle Bundesbrüder: Bundesgeschwister, die mit dem
Gedanken spielen, einen Spanischkurs in Venezuela zu belegen oder eine
Praktikumsstelle dort bekommen, mögen sich bitte an mich (christian.lopez@gmx.de)
oder Christof Beckmann wenden, damit wir alles weitere organisieren können. Wir
müssen die UNITAS in Venezuela unterstützen! Was läge da nicht näher, als
einen Austausch wie in vergangen Zeiten wieder zu beleben?
|
Im Heiligen Jahr 2000 übernahm der UNITAS-Verband die
Aufgabe, ein
Kinder- und Jugendheim
der Salesianer Don Boscos in der venezolanischen Hauptstadt Caracas
mitzufinanzieren.
Im Folgenden die Entwicklung des Pojekts nach den Berichten in der
Verbandszeitschrift "unitas":
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2000
– 4
Unser Projekt:
Das
„Centro de Formación Juvenil y Popular“
in Caracas / Venezuela
Der
Beginn war hoffnungsvoll: Für unser neues soziales
Verbandsprojekt kamen bereits in der ersten Sammlung rund 130.00 DM
für
den Bau
des „Centro de Formación Juvenil y Popular“ in Macaracuay / Venezuela
zusammen.
1.
Ausgangslage:
Fast
60 % der Venezolaner sind jünger als 25 Jahre. Kinder und Jugendliche sollten
die Zukunft Venezuelas sein ... doch die meisten unter ihnen haben wenig Anlass,
frohen Mutes zu sein, und kaum Chancen, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Nur
drei Stichworte, um ihre Lage und die gar nicht rosigen Aussichten anzudeuten:
·
Schule: Der Staat spart an den Schulen, die Schulpflicht steht
mancherorts nur noch auf dem Papier. In den armen Vierteln der Städte („barrios“)
wächst die Zahl der Jugendlichen, die die Schule abbrechen.
·
Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenrate unter Jugendlichen und jungen
Erwachsenen (zwischen 14 und 25 Jahren) liegt im Landesdurchschnitt bei 64 %.
·
Gewalt: In Caracas sterben an jedem Wochenende (am Wochenende ist es
immer am schlimmsten) 20 bis 25 Jugendliche durch Mord. Manche werden für ein
Paar Markenschuhe erschlagen.
Einer
der Orden, die sich dieser Not annimmt, sind die Salesianer. Diese Kongregation
kam 1894 in Venezuela an. Ihr gehören dort 230 Ordensleute (Salesianos de Don
Bosco) an, die ihre pastorale und soziale Aufgaben in 13 Bundesstaaten hauptsächlich
unter den Jugendlichen und Indígenas wahrnehmen, und zwar in Schulen,
Fachhochschulen, Jugendzentren oder Einrichtungen zur beruflichen Ausbildung,
u.a. Lehrwerkstätten. Der Projektverantwortliche in Caracas ist der
Jugendseelsorger P. Rafael Borges. Rechtsträger im Namen der Salesianer ist die
Asociación Civil Sociedad Pedagógica.
2.
Projektmaßnahme:
Die
kirchliche Jugendarbeit braucht gut geschulte Führungskräfte, die als
Gruppenleiter die Funktion von Multiplikatoren übernehmen. Fast in jeder Region
des Landes haben die Salesianer Ausbildungshäuser für die religiöse und vor
allem für die berufliche Bildung der Jugendlichen, doch fehlt ein zentraler Ort
für die Schulung der Animateure / Führungskräfte.
In
Caracas verfügt die Kongregation über ein Grundstück von gut 9.000 qm im
Stadtteil Macaracuay (Südosten der Hauptstadt Caracas). Darauf soll nun ein
solches Jugendzentrum entstehen, das sich aus sechs verschieden Gebäuden
zusammensetzt:
1)
Ein
390 qm großes Gebäude, das mit einer Bühne versehen wird und als
Mehrzweckraum für verschiedenste Aktivitäten genutzt werden kann. Daneben eine
Mensa mit einer Großküche und einem geräumigen Speisesaal (insgesamt 264 qm).
Zudem muss aufgrund der Sicherheitsprobleme in der Metropole Caracas ein Haus für
den Hausmeister gebaut werden (95,25 qm).
2)
Eine
Kapelle (156,50 qm).
3)
Ein
zweistöckiges Gebäude mit Schlafzimmern (759 qm) und ein Verwaltungsgebäude -
ebenfalls zweistöckig - mit Büros, einer Bibliothek, einem Computerraum im
Erdgeschoß und der Wohnung für die Salesianer im ersten Stock (756 qm)
Um
diese Gebäude herum bleibt immer noch ausreichend Grünfläche, die für die
sportlichen Aktivitäten der Jugendlichen benutzt werden können (Fußball,
Baseball).
3.
Kosten
und Finanzierung:
Laut
Kostenvoranschlag des Architekten Fernando Albunquerque belaufen sich die
Gesamtkosten auf 778.270.000 Bolívares (2.500.000 DM). Davon entfallen
271.350.000 Bolívares (860.000 DM) auf die erste Etappe. Adveniat wird um
205.000.000 Bolívares (650.000 DM) für diese erste Etappe gebeten. Für den
Rest sorgt der Projektträger in Eigenleistung.
4.
Beurteilung:
Die
Baupreise entsprechen dem Durchschnitt in der Hauptstadt Caracas, und die
Salesianer in Venezuela sind Adveniat als gute Projektpartner bekannt. Eine
Beihilfe für den ersten Bauabschnitt sollte allerdings die Hälfte der
veranschlagten Kosten nicht übersteigen.
Adveniat
empfiehlt daher eine Unterstützung von 430.000 DM.
Wir
sind damit Partner der Salesianer Don Boscos, die eine wichtige Funktion in
Venezuela ausüben. Der Orden unterhält eine große Zahl von Straßenkinderprojekten
in verschiedenen Ländern des Kontinents, so in Argentinien, Bolivien,
Brasilien, in Ecuador, Guatemala, Haiti und Parguay. In der venezolanischen
Hauptstadt Caracas haben sie
in ihrer Pfarrgemeinde im Armenviertel La Dolorita, zu der ca. 150.000 Menschen
aus den Barrios gehören, Alphabetisierungs- und handwerkliche
Ausbildungsprogramme installiert. Zwar wachsen die Elendsviertel heute langsamer
als noch in den Zeiten des „Ölrausches“, doch schieben sie sich immer noch
ohne Wasserversorgung, Schulen und medizinische Versorgung die Berghänge im
Osten von Caracas hoch. In verschiedenen Stadtvierteln haben die Salesianer
Mehrzweckräume eingerichtet, doch fehlen Mittel für die Ausstattungen, die
Lehrmittel und die Kostenerstattung für freiwillige Lehrer und Hilfskräfte.
„Schulische Bildung und berufliche Ausbildung bieten für die Jugendlichen oft
den einzigen Ausweg aus dem Teufelskreislauf von Armut, Vernachlässigung und
Unwissenheit“, so die Salesianer in ihren Ordensinformationen.
LINKS:
Straßenkinderprojekte
der Salesianer Don Boscos: http://www.strassenkinder.de
Don
Bosco weltweit
(Linkliste von G. Wechner): http://www.asamnet.de/~sdb/sdbwelt.htm
Don
Bosco weltweit (Server des Generalats Rom): http://www.sdb.org/
Länderinfo
der Bonner Botschaft Venezuelas
Kolumbus
kam auf seiner dritten Reise nach Westindien 1498 zur Mündung des Orinoko, zur
Halbinsel Paria und zur karibischen Küste. Wahrscheinlich erreichte er auch die
Insel Margarita. Wenig später sah Alonso de Ojeda, der von Amerigo Vespucci
begleitet wurde, im Gebiet von Maracaibo die Pfahlbauten der Indianer, die die
Entdecker an Venedig erinnerten. Sie nannten das Land daher Venezuela,
„Klein-Venedig“.
Ab
1520 erfolgten die ersten spanischen Siedlungen z.B. Cumaná. Kaiser KarI V. von
Deutschland überließ in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1528-1546)
die Nutzung Venezuelas dem Augsburger Handelshaus der Welser als Pfandbesitz für
gewährte Kredite. Siedler ließen sich in Barquisimeto (1552), Valencia (1555)
und Caracas (1567) nieder und begannen mit der Landwirtschaft. Viele Siedler
heirateten Indianerfrauen aus Mangel an europäischen Frauen. Schwarze Sklaven
wurden aus Afrika für Arbeiten in den Zuckerrohrplantagen eingeführt. Bis 1777
gehörte Venezuela zum Vizekönigreich Neugranada. Ab Ende des 18. Jahrhunderts
kam es zu ersten Versuchen, vom Kolonialherren Spanien unabhängig zu werden.
Spanien durchlebte eine politische Schwächeperiode, als Napoleon Spanien bedrängte.
Diese Gelegenheit nutzte Venezuela und erklärte sich am 5. Juli 1811 zur unabhängigen
Republik. Jedoch mußte die Unabhängigkeit in den folgenden Jahren in blutigen
Kämpfen gegen die wiedererstarkten Spanier verteidigt werden. Diese Kämpfe
sind untrennbar mit dem Namen Simón Bolívar verbunden. Erst am 24. Juni 1821
war mit der Schlacht von Carabobo die vollkommene Unabhängigkeit erreicht.
Unter Bolívars Leitung vereinigten sich 1819 Venezuela, Kolumbien, Panamá und
Ecuador zur Republik Großkolumbien. 1830, nach dem Tod Bolívars, zerfiel diese
Föderation und Venezuela wurde eigenständige Republik. Im 19. Jahrhundert kam
es zu zahlreichen Bürgerkriegen und Aufständen. Diktatoren regierten das Land.
Während der Präsidentschaft von Juan Vicente Gómez (1908 - 1935) herrschten
im Lande relativ stabile innenpolitische Verhältnisse. In diese Zeit fallen die
Erdölfunde und der schnelle Ausbau der Ölförderung. Venezuela wurde zu einem
der führenden Produzenten des „schwarzen Goldes“ und wurde gleichzeitig zu
einem der modernsten lateinamerikanischen Staaten.
Venezuela
hat etwa 24 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist nicht gleichmäßig über
das Land verteilt. Das angenehme Klima der gemäßigten Zone (tierra templada)
mit guten Anbaumöglichkeiten und der Meeresnähe machte die Küstenkordillere
zum bevorzugten Siedlungsgebiet. Am dünnsten besiedelt ist der Süden des
Landes mit den weiten Urwäldern. 80 % der Venezolaner leben mittlerweile in Städten.
Die Verstädterung ging einher mit der Entwicklung der Industrie, besonders im
Bereich des Erdöls und der Petrochemie. In den urbanen Zonen von Caracas,
Maracaibo, Valencia und Barquisimeto waren die Beschäftigungschancen und
dadurch die Lebensqualität im Vergleich zu den Möglichkeiten auf dem Lande größer.
In
der ethnischen Zusammensetzung zeigt sich eine vielfältige Mischung von Weißen,
Indianern und Schwarzen. Mestizen (34%) und Mulatten (33%) machen zusammen etwa
zwei Drittel der Bevölkerung aus. Etwa 22% der Venezolaner sind Weiße, zumeist
Nachkommen der kreolischen, ehemals kolonialspanischen Oberschicht (criollos),
und eingewanderter Europäer (Italiener, Portugiesen, Deutsche, Osteuropäer).
Es gibt auch etwa 200.000 Araber (Libanesen und Syrer). Etwa 9% der Bevölkerung
sind Schwarze und etwa 3% sind Indianer, die zumeist am Oberlauf des Orinoko und
im Nordwesten (Goajira) des Landes wohnen. Diese ursprünglichen Bewohner des
Landes leben auch heute noch zumeist in ihren alten Traditionen und sind ohne
nennenswerte Kontakte zur modern-industriellen Kultur. So sind sie nur teilweise
in den Staat Venezuela integriert wie z.B. die Yanomami am Orinoko, um die sich
bis vor kurzem nur die Salesianermissionare kümmerten. Zusehends zeigt hier
aber der moderne Staat Venezuela Bereitschaft, den Süden zu entwickeln (Desarrollo
del Sur). Als Folge der über drei Jahrhunderte spanischer Kolonialherrschaft
sind etwa 84% der Bevölkerung römisch-katholisch. Es gibt ungefähr 500.000
Protestanten, 50.000 Muslime, 15.000 Juden und zahlreiche, zumeist animistische
indianische Naturreligionen. Die Verfassung sichert Religionsfreiheit zu. Übrigens:
In Venezuela leben auch zwichen 10-12.000 Deutsche und etwa 35.000 Deutschstämmige.
Venezuela
liegt im nördlichen Teil Südamerikas zwischen dem Äquator und dem 12. Grad nördlicher
Breite. Es bedeckt eine Fläche von 925.026 km2 (einschließlich des
Maracaibo-Sees) und ist mithin fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik
Deutschland. Größte Nord-Süd-Ausdehnung ist 1.217 km, größte
Ost-West-Ausdehnung 1.493 km. Im Norden grenzt Venezuela an die Karibische See
und im Nordosten mit dem Orinoko-Delta an den Atlantik (insgesamt 3.200 km
Meeresküsten).
Venezuela
hat vier natürliche Landschaftszonen: Tiefland von Maracaibo im Norden. Hier
liegen unter Tertiärschichten wesentliche Erdölvorräte des Landes. Das
Andengebiet im Westen ist die Fortsetzung der Ost-Kordillere Kolumbiens mit dem
Pico Bolívar (5.002 m) als höchstem Berg, eine Region ewigen Schnees in Äquatornähe.
Als Küstenkordillere reichen Ausläufer dieses Gebirges bis in den Osten des
Landes. Orinoko-Becken mit den „Llanos“, den flachen Gras- und
Savannenlandschaften nördlich des Orinoko, und der Urwaldlandschaft „Selva“
südlich des mächtigen Stroms. Hochland von Guayana im Süden mit einer
ausgedehnten Tafelberg-Landschaft. Diese 115 „Tepuis“, Tafelberge, sind bis
über 2.800 m hoch (Roraima). Sie überragen die „Gran Sabana“ mit ihren oft
mehreren hundert Meter hohen, senkrecht abfallenden Steilwänden, zum Beispiel
Auyan-Tepuy mit etwa eintausend Metern. Hier ist mit 1005m Höhe auch der Salto
Angel (auch „Churun Merú“ genannt), der höchste Wasserfall der Erde. Er
wurde 1937 von dem US-Amerikaner Jimmy Angel entdeckt Der Orinoko (span. Río
Orinoco) ist mit 2.140 km das drittgrößte Stromgebiet Südamerikas. Er
entspringt in der Sierra Parima an der Grenze zu Brasilien im Süden des
Hochlands von Guayana. Die Orinokoquelle wurde erst 1951 entdeckt. Er hat
insgesamt 194 Nebenflüsse. Das Delta nimmt über 30.000 km2 Fläche ein und wächst
jährlich um 45 km in den Atlantik hinaus. Der Orinoko spielt, anders als sein
großer Nachbar im Süden, der Amazonas, wegen zahlreicher Stromschnellen für
die Schiffahrt eine untergeordnete Bedeutung. Venezuela hat 75 Inseln in der
Karibik, von denen Margarita die bekannteste ist (850 km2).
Fauna
Die
Tierwelt ist sehr artenreich. In den Wäldern fällt die Vielzahl der
unterschiedlichen Vögel auf. Kolibris in den Wäldern der gemäßigten Zone und
entlang der Flüsse große Kolonien von Reihern, Ibissen, Störchen, Kranichen,
Aras und verschiedenen Stelzvögeln. Ein eigenartiger Vogel ist der Guácharo.
Aus ihm gewannen die Indianer früher Öl zum Kochen und Leuchten. In den
Waldgebieten gibt es Pumas und Jaguare sowie Tapire, Pekaris, Wildschweine und Bären.
Dazu gesellen sich Faultiere, verschiedene Affenarten und Nagetiere wie Aguti
und Paca. Die Flüsse sind sehr fischreich, mit Pirañas, die in Venezuela
Caribe heißen, Zitteraalen, Pavons, Arapaimas, Schildkröten und vereinzelt
Krokodilen. Im Mündungsgebiet des Orinoko und an der Küste leben Seekühe,
Manati, die bis zu 5m lang und bis zu 300 kg schwer werden können. In den Urwäldern
am Oberlauf des Orinoko kommen zahlreiche Schlangen vor, darunter äußerst
giftige Arten und meterlange Würgeschlangen.
Flora
Entsprechend
den drei Klimazonen gibt es unterschiedliche Formen der Vegetation, die durch
Eingriffe des Menschen wie Rodung, Abweiden, Abbrennen usw. und durch die
Bodenverhältnisse mitbestimmt werden. Im schmalen Küstengebiet im Norden
wachsen Dornsträucher, Kakteen und Sukkulenten. Dichten Nebelwald gibt es an
den Hängen der Küstenkordillere. Hier, wie auch in den tropischen Höhenwäldern
in der Kordillere von Mérida ab etwa 1.800 m sind zahlreiche Formen von Lianen
und Epiphyten zu finden. Hier wachsen die bekannten „Frailejones“. Durch
Rodungen von großen Flächen sind Getreideanbaugebiete bis in 3.000 m Höhe
gewonnen worden. Allerdings sind Bodenerosionen an steileren Hängen oft die
negative Begleiterscheinung. Kaffee wird in den feuchten Gebieten der gemäßigten
Zone angebaut. In der heißen Zone darunter sind weite Flächen mit tropischem
Bergwald. Im Tiefland von Maracaibo und in den nördlichen Llanos befinden sich
Trockenwälder. Am Fuß der Anden sind große Wälder mit laubabwerfenden Bäumen.
Innerhalb der tischebenen Llanos gibt es weite Grasgebiete mit vereinzelten
Chaparro-Bäumen und Galeriewäldern, die mit Palmsavannen abwechseln. Dichter
Regenwald ist im Deltagebiet des Orinoko, das in regelmäßigen Abständen überschwemmt
wird. Im unmittelbaren Mündungsgebiet ausgedehnte Mangrovenwälder. Im Bergland
von Guayana wechseln Savannen und feuchte Wälder einander ab.
Auf
den schwer zugänglichen Höhen der Tafelberge (Tepuis) finden Botaniker
manchmal seltene, ja sogar einmalige Sonderformen von Pflanzen, die sich auf den
von den anderen Landesteilen abgetrennten Gebieten eigenständig entwickelt
haben. Orchideenfreunde finden in den Urwaldgebieten des Orinoko und seiner
zahlreichen Nebenflüsse ein wahres Paradies von über 500 Arten. In Venezuela
wurden bisher über 100 Farnsorten und über 45.000 verschiedene Blütenpflanzen
gezählt.
Das
Klima
Das
Klima in Venezuela wird durch seine Nähe zum Äquator bestimmt. Es herrscht
daher überwiegend tropisches Klima mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Die
Temperatur ändert sich abhängig von der Höhe, von 0°C oder weniger auf den
Andengipfeln bis auf über 34°C in den tiefer gelegenen Zonen.
Wüstenhitze
in den Dünen von Coro und Frost in den Anden- auf extreme regionale
Unterschiede muß sich der Reisende in Venezuela gefaßt machen. Insgesamt
betrachtet herrschen tropische Wärmegrade vor. Das landesweite Temperaturmittel
liegt bei 27 C, und die Jahreszeiten unterscheiden sich im wesentlichen durch
die Regenmenge. Die Trockenzeit dauert von November bis April. Die Regenzeit
bringt besonders im Landesinneren zwischen April und Oktober heftige
Regenschauer mit sich, die sich meist auf wenige Stunden am Nachmittag beschränken.
Der Trockengürtel entlang der Küste ist mit jährlich 600 mm Niederschlag
generell sonnensicher, die Llanos (1000-2000mm) haben eine stark ausgeprägte
Regenzeit zwischen Juni und August. Ganzjährig fallen Niederschläge (über
3000mm) im Gebiet der Regenwälder Guayanas.
Wirtschaft
Der
Export von Erdöl und Erdölderivaten erbringt die größten Deviseneinnahmen.
Eisenerz im Bergland von Guayana (z.B. Cerro Bolívar) hat die wirtschaftliche
Entwicklung des östlichen Landesteils stark vorangetrieben, Gold- und
Diamantenfunde im Bergland von Guayana. Die Industrie konzentriert sich überwiegend
um Caracas und Valencia. Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören Textil,
Sisal, Gerbereien, Schuhe, Papier, Zucker, Tabak, Zement und Autoreifen.
Nach
dem schnellen Ausbau der Erdölindustrie Rückgang der Landwirtschaft. Eine
Agrarreform soll die bessere Verteilung und damit Nutzung der Böden für die
dezimierte landwirtschaftliche Bevölkerung sichern. Kaffeeanbau an den Hängen
der Kordilleren (400 bis etwa 1.800 m). Die Qualität gilt als ausgezeichnet.
Nur ein geringer Teil der Gesamtfläche des Landes ist Kulturland, Seefischfang
in der östlichen Küstenregion um Cumaná und im Golf von Venezuela.
Fischkonservenindustrie. Der Fremdenverkehr hat noch einen bescheidenen Anteil
am Volkseinkommen. Nach dem Preisrutsch für Erdöl wendet sich die
Aufmerksamkeit staatlicher und privater Stellen verstärkt dem Tourismus zu.
Die
VEBA OEL und Venezuela
Venezuela
hat zur Zeit drei große deutsche Partner im Bereich Energie und Bodenschätze:
VEBA OEL (Gelsenkirchen), Preussag Energie (Lingen) und Ruhrkohle (Essen). In
Venezuela ist Veba Oel im Bereich Förderung und Produktion an drei Projekten
beteiligt: Im Feld „La Ceiba“, in dem bei Testbohrungen vielversprechende Ölreserven
festgestellt wurden, hat Veba Oel 1996 als Partner (30%) von Mobil und Nippon
eine Explorationslizenz erworben. Darüber hinaus ist Veba Oel 1997 als Partner
(16%) von Mobil und PdVSA in das Schwerölprojekt „Cerro Negro“ im Orinoco-
Gebiet eingestiegen. Das Projekt umfaßt neben der Förderung auch die
Vorverarbeitung des schweren Rohöls in einer Raffinerie an der venezolanischen
Küste. Jüngstes Engagement (15%) ist der Block „Punta Pescador“. Partner
sind hier Amoco und Total. In den nächsten fünf Jahren will Veba Oel insgesamt
über 1 Mrd DM in das Upstream-Geschäft der Schwerpunktregion Venezuela
investieren. Damit ist Veba Oel der größte deutsche Investor in Venezuela.
Desweiteren
besteht eine Zusammenarbeit in dem Raffinerie-Joint-Venture „Ruhr Oel GmbH“,
der größten venezolanischen Investition in Europa. An der Ruhr Oel GmbH sind
PdVSA und Veba Oel mit jeweils 50% beteiligt. In diesem 1983 gegründeten Joint-
Venture wurde erstmals eine Zusammenarbeit zwischen Mineralölunternehmen aus
einem ölimportierenden und einem Förderland vereinbart. Heute verfügt die
Ruhr Oel GmbH über das größte Raffineriesystem in Deutschland. An den fünf
Standorten in Gelsenkirchen, Vohburg, Münchsmünster, Schwedt und Karlsruhe
verarbeitet das Unternehmen 430.000 Barrel Rohöl pro Tag und produziert
erhebliche Mengen petrochemischer Produkte (1,2 Millionen Jahrestonnen Ethylen
und 900.000 Tonnen Propylen). Bisher haben Veba Oel und PdVSA rd. sechs Mrd Mark
in das Joint- Venture investiert. Die Produkte werden über die Veba
Oel-Beteiligung Aral (56%), über das Tochterunternehmen Veba Wärmeservice und
über den Petrochemievertrieb verkauft.
Politik
In
Venezuela besteht eine der ältesten Demokratien Lateinamerikas. Seit 1958 finden regelmäßig alle fünf Jahre Wahlen statt. Venezuela ist mit
seinen ca. 24 Millionen Einwohnern ein friedliebendes, dem Fortschritt
verpflichtetes Land, das bisher nicht ein einziges Mal in einen Krieg mit seinen
Nachbarn verwickelt war. Die letzten Präsidentenwahlen , sowie die Wahlen für
das Parlament und für die gesetzgebenden Körperschaften in den einzelnen
Bundesstaaten fanden Ende 1998 statt. Präsident
Hugo Chávez Frías wurde mit 56% der Stimmen gewählt.

Spendensammlung
für unser
Sozialprojekt in Caracas
Wie
jedes Semester hat die UNITAS-Salia – unterstützt von Bundesschwestern der
UNITAS Clara Schumann – in Bonn eine Straßensammlung zu Gunsten des Sozialen
Projekts durchgeführt.
Dabei wurden die Passanten auf dem Bonner Münsterplatz
mit Hilfe von Info-Tafeln und Handzetteln über das „Centro de Formacion
Juvenil y Popular“ in Caracas unterrichtet. Trotz schlechten Wetters kamen
wieder über 1.000 DM zusammen.
Nachrichten aus
Venezuela
"Hallo
Deutschland“, meldet sich in diesen Wochen immer wieder der designierte VOP
Stephan Demuth (UNITAS-Salia, Bonn) per E-Mail aus Venezuela. Er studiert an der
Bonner Universität Spanisch und hatte für die Semesterferien einen
Spanischkurs im Ausland geplant. Da das neue soziale Projekt des
UNITAS-Verbandes in Venezuela angesiedelt ist, lag für ihn schnell der Gedanke
nahe, den Kurs in Caracas zu absolvieren und gleichzeitig das neue Projekt vor
Ort kennen zu lernen. Rasch waren die Kontakte zu den Projektträgern, den
Salesianern, in Venezuelas Hauptstadt vermittelt, die sich um die notwendigen
Vorbereitungen und die Organisation des zweimonatigen Aufenthalts kümmerten. Am
11. August 2000
machte sich Stephan dann zusammen mit einem Studienkollegen, Gregor
Geiermann, auf die Reise. „Es gefällt mir hier außerordentlich gut“, mailt
er jetzt der unitas-Redaktion. „Die Salesianer sind so nett, wie man eben nur
sein kann und die Stadt Caracas ist außerordentlich beeindruckend.“ Hier sein
erster kleiner Bericht:
Nach
einer etwa 40-minütgen Fahrt vom Flughafen durch mit Abgas gefüllte Tunnel und
mit einem Straßenverkehr, der mich als wohlbehüteten Europäer einfach nur hat
blass werden lassen, wurden wir im Haus der Salesianer in Caracas zunächst
einmal mit einem klasse Abendessen für die Flugstrapazen mehr als gebührend
entschädigt. Am folgenden Tag stand dann eine erste Orientierung in der südamerikanischen
Metropole auf dem Programm.
Mein
erster Eindruck: Die von Bergen umgebene Stadt im Tal erinnert an ein
Amphitheater. In der Mitte, wie auf einer Bühne, ragen Hunderte von Hochhäusern
in den Himmel, leuchten riesige Werbeflächen und gibt es einfach alles, was
auch europäische und amerikanische Großstädte zu bieten haben. An den Hängen
rundherum findet sich dazu der gravierende Unterschied: Dort erstrecken sich wie
auf Zuschauerplätzen die „Barrios“, die Elendsviertel. Nicht sehr schwierig
zu bemerken ist, dass in Caracas der Mittelstand einfach fehlt.
Wohin
man schaut, überall finden sich krasse Gegensätze: Von „Sambil“, dem größtem
Einkaufzentrum Lateinamerikas, in dem auf sechs riesigen, klimatisierten Etagen
einfach alles für den Konsum zu haben ist, sind es gerade mal 10 Minuten zu Fuß
zum nächsten Armenviertel, in dem die Hygienezustände katastrophal sind, die
Leute kaum was zu essen haben und es oft tagelang kein Wasser gibt. Eines von
den Vierteln bekommt sogar generell nur einmal im Monat Wasser. Gegen diese
Missstände versuchen die Salesianer gezielt anzugehen. Ich hatte schon die Möglichkeit,
zahlreiche Projekte zu besichtigen, und konnte mir somit ein gutes Bild von der
fachlich kompetenten Arbeit machen.
Momentan
sind hier Ferien. Da die meisten Schüler allerdings aus zu armen Verhältnissen
kommen, um in den Urlaub fahren zu koennen, gibt es beispielsweise den „Plan
vacacional“, eine zur Schule angebotene ersatzweise Beschäftigung. Ziel
dieses Programms ist es, die Kinder von der Straße zu holen und sie vor
Drogenkonsum und Kriminalisierung zu bewahren. Im „Plan vacacional“ werden
die Kinder morgens von Freiwilligen und Salesianern unterrichtet. Die Kinder
machen mit Begeisterung mit, obwohl Ferien sind! Nachmittags gibt es dann
Freizeitbeschäftigungen wie Fußball und Volleyball.
Unser
Projekt hat schon gute Fortschritte gemacht. Die Salesianer sind sehr
hilfsbereit und nett und haben uns schon gleich am Anfang einem Termin mit dem
Architekten gemacht. Daran hat auch der Provinzial P. Bruno Masiero SDB
teilgenommen. Uns wurde der vorläufige Entwurf des Planes vorgestellt und
eingehend erklärt. Zur Vorläufigkeit ist zu sagen, dass das Konzept steht und
allenfalls in Einzelheiten, die Material und Geschmack betreffen, noch geändert
wird. Außerdem wurde die Ausrichtung auf die Zukunft erläutert, da nicht alle
Teile des Planes in einer Bauphase realisiert werden. Dies hängt mit den
bestehenden Bauvorschriften zusammen, denen zufolge zunächst nur ein bestimmter
Teil des Geländes bebaut werden darf. (Foto oben) Es werden also erst die
dringend benötigten Schulungsräumlichkeiten gebaut, später dann auch
Freizeiteinrichtungen. Der Plan umfasst allerdings jetzt schon alle diese Gebäude,
um später dann eine schnelle Realisierung der einzelnen Bauphasen zu
garantieren.
Das
Hauptgebäude ist funktionell ausgerichtet, d.h. neben Unterbringungsmöglichkeiten,
Essraum, Küche und sanitären Einrichtungen gibt es auch einen variablen
Multifunktionsraum, der sich je nach Bedürfnis in mehrere kleine Einheiten
unterteilen lässt. Das Gesamtkonzept sieht desweiteren großzügige Grünflächen
vor, die das gesamte Gelände einfassen und für ein angenehmes Klima im
Kontrast zur hektischen Stadt sorgen sollen. Weitere Treffen mit dem Architekten
stehen noch an, bei denen Details besprochen werden sollen. Wir werden
versuchen, auch dann wieder dabei zu sein, was von Seiten der Padres und des
Architekten gerne gesehen wird. Darüber sowie über unsere sonstigen
Erfahrungen und Erlebnisse demnächst dann mehr.
Cordiales
saludos, Stephan Demuth“
Mail-Adresse: stephan.demuth@gmx.de
2000 – 4
Der Vorortspräsident
zum neuen Jahr
Nachdem
schon beim Übergang zum Jahr 2000 allzu oft das Wort „Jahrtausendwechsel“
zu hören war, die dazu nötigen tausend Jahre allerdings noch nicht ganz
verstrichen waren, stehen wir nun wirklich kurz davor, in ein neues Jahrtausend
zu treten. Aber wohl auch dieses Mal werden Befürchtungen und Visionen von
einem Supergau der Computer oder gar einem Weltuntergang nicht wahr werden. Natürlich
ist es ein historischer Übergang zu neuen 365 Tagen, aber umgekehrt wird sich
der Lauf der Geschichte nicht durch ihn beeinflussen lassen. Denn dieser hält
sich ja bekanntlich nicht an Jahre und Jahreszeiten.
Dennoch
ist es ein guter Zeitpunkt, einmal inne zu halten und sich zu fragen, wo wir
eigentlich stehen. In der Welt, in Europa, in Deutschland, auch in der UNITAS
und vor allem als einzelne Personen in unserem ganz persönlichen Umfeld.
Anhalten. Den Strom der Zeit durchbrechen. In sich gehen um sich zu fragen:
Welche Veränderungen hat es gegeben, welche stehen bevor und wie kann am besten
Einfluss genommen werden? Was sind die Aufgaben in der Zukunft und wie können
sie bewältigt werden? Diese Fragen zu beantworten, sollte eine Aufgabe für
jeden von uns sein, um Anstöße für sich selbst zu finden und die eigenen
Ideen zu verwirklichen. Ein Jahreswechsel ist dazu immer eine willkommene
Angelegenheit.
In
Europa ...
Die
Welt verändert sich. Ständig und immer schneller werdend. Mit den modernsten
Medien und dank hervorragender Satellitentechnik ist es kein Problem mehr, mit
dem letzten Winkel der Erde in Kontakt zu treten. Das Fernsehen bietet uns jeden
Abend auf einer Vielzahl von Kanälen Einblicke in andere Welten. Und selbst das
Reisen in die entlegensten Einöden ist sehr einfach, komfortabel und schnell
geworden. Uns Menschen werden diese Entwicklungen mehr oder weniger
„vorgesetzt“. Wir müssen lernen, mit immer mehr Informationen und schneller
werdenden Veränderungen zurechtzukommen. Unsere wichtigste Aufgabe sollte es
dabei sein, in der Zukunft in unserem Handlungsbereich, der oft größer ist als
wir annehmen, verantwortungsbewusst mit all diesen Möglichkeiten umzugehen.
Zum
Stichwort Europa fallen mir einerseits die guten Erfolge ein, die in den letzten
Jahren auf dem Weg zu seiner Vereinigung erzielt wurden. Allerdings kann auch
nicht der parallel dazu verlaufende, schreckliche Krieg im ehemaligen
Jugoslawien übersehen werden, in dem all die Menschenrechte, die in den meisten
anderen europäischen Staaten inzwischen zum Glück absolute Priorität genießen,
mit Füssen getreten wurden. Unsere Aufgabe in Europa muss vor allen Dingen
sein, Vorurteile abzubauen, um nicht nur eine Integration auf wirtschaftlicher
und politischer Ebene zu schaffen, sondern gerade auch im menschlichen Bereich
miteinander auszukommen. Denn nur so kann von einer wirklichen Union gesprochen
werden.
...
in Deutschland...
In
Deutschland leben wir jetzt seit über 10 Jahren mit den Bürgern der neuen
Bundesländer in einem Staat zusammen und meistern die Aufgaben, die uns die
Vereinigung gestellt hat, recht gut. Doch auch hier ist der Abbau von bereits
oben angesprochenen Vorurteilen auf beiden Seiten und ein Schaffen von Toleranz
von großer Wichtigkeit. Nur auf diesem Wege können wir auch ein weiteres
Problem lösen: Die Ausländerfeindlichkeit. Es kann nicht sein, dass in der
ausländischen Presse – wie ich es jüngst auf meiner Venezuelareise erfahren
musste – fast jeder zweite Artikel über Deutschland von Übergriffen auf Ausländer
handelt. An der Beseitigung jeglicher radikaler Tendenzen werden wir als Staat
und Bürger auch im kommenden Jahrtausend hart arbeiten müssen.
Zwar
ist Deutschland nach dem Krieg zu einem vergleichsweise reichen und friedlichen
Staat im Herzen von Europa herangewachsen, dennoch sollten wir uns nicht zurücklehnen
und auf unseren Lorbeeren ausruhen. Gerade jetzt, wo es uns einigermaßen gut
geht, sollten wir uns auch an die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mit
zwei grausamen Kriegen und zahllosen Verbrechen an der Menschheit erinnern.
Mit
der UNITAS können wir dabei ein Stück weit mithelfen, wenn es darum geht,
radikalen Tendenzen vorzubeugen. „Jeder Bundesbruder soll auch über den
Tellerrand der eigenen Fakultät hinaus schauen. Er soll sich über sein persönliches
Fachstudium hinaus auch wissenschaftlich um eine menschenwürdiger zu
gestaltende Welt bemühen, sein theologisches Wissen vertiefen und eine ethische
Fundierung der eigenen Meinung schaffen. Das Ziel: Die Bildung der Mitglieder zu
dialogfähigen, weltzugewandten und weltverantwortlichen Christen die im Leben
stehen.“ So formuliert Bbr. Dr. Christof Beckmann treffend in der Extraausgabe
der UNITAS vom Juni 1998 im Leitartikel eines der Ziele unseres
Studentenverbands. Gibt es denn wirkungsvollere Maßnahmen, junge Menschen vor
radikalen Tendenzen zu schützen als zu versuchen, ihnen Bildung zu vermitteln
und ihnen die Freiräume zu schaffen, sich auf dem Fundament des christlichen
Glaubens eine eigene Meinung bilden zu können?
...
weltoffen ...
An
den Fundamenten, Grundsätzen und unseren Prinzipien dürfen und müssen wir
auch im neuen Jahrtausend nichts ändern. Was wir überlegen müssen, ist
vielmehr, wie wir den Gedanken, die Idee UNITAS, am besten in die Welt
hinaustragen und bekannt machen. Ich sehe da große Chancen in der Erstellung
neuer Werbematerialien sowie in einem internationalen Ansatz. Warum sollten wir
nicht die Möglichkeiten nutzen, die sich uns zur Zeit in Oppeln/Polen und
Caracas/Venezuela bieten, um durch die UNITAS einen internationalen
Studentenaustausch aufzubauen und zu fördern? Ich denke, dass das Interesse auf
jeweils beiden Seiten groß genug ist, dort mit unserer Hilfe neue
UNITAS-Vereine zu gründen. Sicherlich ist das Funktionieren über Jahre hinweg
erst einmal nur eine Vision für das kommende Millennium, aber ein Jahrtausend
ist ja lang...
....
und sozial engagiert.
Ich
denke, dass auch das soziale Projekt des UNITAS-Verbandes in der Zukunft noch stärker
von den einzelnen Vereinen wahrgenommen werden sollte. Erstens, um sich sozial
zu engagieren und innerhalb des Vereins eine gute Identifikationsmöglichkeit zu
finden, und zweitens, um damit den sozialen Gedanken der UNITAS in die Öffentlichkeit
zu tragen und damit für sich zu werben.
Ich
habe die Erfahrung gemacht, dass viele Studenten das freiwillige soziale
Engagement suchen; sie wollen sich aber nicht in unübersichtlichen Strukturen
von Großorganisationen einspannen lassen, die eine wirkliche Identifikation mit
dem Projekt und dem eigenen Engagement nicht zulässt. Wir können diesen jungen
Leuten in der UNITAS die Möglichkeit geben, nach eigenen Vorstellungen
Programme und Aktionen für die Unterstützung unseres sozialen Projekts zu
erarbeiten und mit Gleichgesinnten zu realisieren. Hier liegt eine gute Chance für
die UNITAS, Studierenden und ihren Freunden, die sich konkret engagieren wollen,
einen Anlaufpunkt mit Perspektive zu geben.
Trotz
eines noch so gut funktionierenden UNITAS-Vereins, wichtiger Ereignisse in
Deutschland, der Ausführung des europäischen Gedankens und des Friedens in der
Welt ist wohl vor allem jedem von uns sein unmittelbares Umfeld, seine persönliche
Welt von zentraler Bedeutung. Denn es ist eine alte Weisheit: Nur wenn das Leben
im Kleinen funktioniert, kann auch im Grossen etwas bewirkt und verändert
werden. Das wird auch in einem neuen Jahrtausend wichtig sein und ich wünsche
jedem von uns, dass er seine persönlichen Anforderungen bewältigen kann und
das neue Jahrtausend für alle mit neuem Enthusiasmus und mit Zufriedenheit
beginnt.
Euer
Stephan Demuth,
Vorortspräsident
„Alt-Marburg,
traute Musenstadt“ -
Aktiventag sucht Möglichkeiten für verstärktes soziales Engagement der UNITAS
„Wer
hier nicht dabei gewesen ist, der hat etwas verpasst“ - so lautete das Fazit
aller Teilnehmer des Aktiventags vom 24. bis zum 26. November in Marburg. Jeder
der über 50 an den Vorträgen und Diskussionen teilnehmenden Bundesbrüder und
Bundesschwestern war sowohl vom Verlauf der Tagung als auch von der
hervorragenden Stimmung während des gesamten Wochenendes begeistert.
Der
Aktiventag stand diesmal unter dem Thema „Soziales Engagement -
Herausforderung für die UNITAS“. Diesen Schwerpunkt hatte der Vorort
UNITAS-Salia gewählt, um die Unterstützung der Aktiven für die verschiedenen
Sozialen Projekte des Verbandes und der Vereine zu stärken und das Bewusstsein
aller Bundesbrüder und Bundesschwestern für diese wichtigen Fragestellungen zu
schärfen. Es sollte erreicht werden, die Motivation aller Bundesschwestern und
Bundesbrüder zu verstärken, auch einmal über den Tellerrand des eigenen
Vereins hinauszuschauen und sich für eine positive Gestaltung unserer Umwelt
aktiv einzusetzen.
Die
inhaltliche Arbeit begann am Freitag mit einer Einführung in die Thematik. Der
stellvertretende Verbandsgeschäftsführer Bbr. Peter Mömkes referierte über
die historische Entwicklung des Sozialen Projekts im UNITAS-Verband. Hierbei
ging er besonders auf die Beweggründe der ersten Unitarier ein, sich sozial zu
engagieren und beleuchtete die Gestaltung dieses frühen Engagements. Obwohl die
Gründergeneration der UNITAS nur über äußerst geringe finanzielle Mittel
verfügte, unterstützte man schon wenige Jahre nach der Gründung des Verbandes
aus innerer Überzeugung und um die unitarischen Prinzipien mit Leben zu füllen
das erste Soziale Projekt des Verbandes, eine Mission in Applerbeck in der Diözese
Paderborn. Später wurde die finanzielle Unterstützung dieser Mission zur
unitarischen Vereinspflicht erhoben: Die UNITAS „stellt sich die Aufgabe, eine
bestimmte Missionsstelle in besonderer Weise zu unterstützen.“ Bbr. Peter Mömkes
bezeichnete das Soziale Projekt des Verbandes als eine historische
Verpflichtung, der wir auch heute gerecht werden müssen.
Der
Samstag begann mit einem Diavortrag von unserem Vorortspräsidenten Stephan
Demuth über seinen zweimonatigen Aufenthalt in Venezuela und seinen Besuch bei
unserem Sozialen Projekt in Caracas. Er berichtete über den aktuellen Stand der
Planungen des Kinder- und Jugendzentrums und erklärte äußerst kenntnisreich
und mit eindrucksvollen Dias die Bemühungen der Mitglieder des Ordens der
Salesianer, die Not der Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt von Venezuela
zu lindern. Der VOP zeigte den Anwesenden die Notwendigkeit, dieses Projekt zu
unterstützen und ermunterte die Vereinsvertreter, eigene Aktionen zur Förderung
unseres Vorhabens durchzuführen
Für
den nächsten Vortrag hatte Margaretha Sasker von den „Ärzten ohne Grenzen“
gewonnen werden können. Die Krankenschwester aus Frankfurt engagiert sich schon
seit vielen Jahren für die Arbeit der Friedensnobelpreisträger von 1999. Sie fährt
trotz 2 kleiner Kinder regelmäßig für 6 Wochen in die Krisen- und Notregionen
der Welt und opfert für ihre gemeinnützige Arbeit sogar ihren Urlaub. Von den
Erfahrungen, welche sie auf diesen Reisen gesammelt hatte, erzählte sie auf
sehr bewegende Art und Weise. Einige der Teilnehmer waren von dem Vortrag und
dem persönlichen Engagement von Frau Sasker so beeindruckt, dass sie beim
anschließenden Mittagessen Kontakte knüpften, um sich zukünftig auf ähnliche
Weise zu betätigen.
Im
Anschluss an den mit viel Applaus bedachten Vortrag konnte VOP Stephan Demuth
Frau Sasker eine Spende des UNITAS-Verbandes für die „Ärzte ohne Grenzen“
in Höhe von 300 DM überreichen.
Den
dritten Vortrag des Tages hielt Hans-Jürgen Dörrich vom Jugendwerk der
Salesianer „Jugend Dritte Welt e.V.“. Das Thema seiner Ausführungen war:
„Sinnstiftung durch soziale Arbeit - Die Motivation junger Menschen für
Entwicklungszusammenarbeit“. Nach einer Darstellung seiner Organisation und
ihrer Arbeit, stellte er die provokante These, dass man „mit sozialer Arbeit
heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken“ könne und regte hiermit
eine interessante Diskussion an. In Verlauf dieser Diskussion wurden viele
Schwachpunkte in der Selbstdarstellung der großen Hilfsorganisationen genauso
angesprochen, wie die großen Möglichkeiten, die sich durch soziales Engagement
für Organisationen wie den UNITAS-Verband ergeben.
Nach
dem Abschluss der Vorträge standen zwei Arbeitsgruppen auf dem Programm. Die
erste Gruppe wurde geleitet von VOP Stephan Demuth. Sie hatte sich zur Aufgabe
gesetzt, Konzepte für die Unterstützung der Sozialen Projekte zu erarbeiten.
Nachdem einige Bundesschwestern und Bundesbrüder dargestellt hatten, wie sie
sich in ihren Vereinen sozial engagieren, wurde die Frage erörtert, ob die
Unterstützung des Verbandsprojektes sinnvoller sei als das Engagement für
eigene Vereinsprojekte. Man einigte sich schließlich darauf, dass durch die Bündelung
der Kräfte der einzelnen Vereine für ein Projekt bessere Grundvoraussetzungen
für das soziale Engagement geschaffen werden und auch eine größere Außenwirkung
erreicht wird. Jedoch wurde kritisch angemerkt, dass die Möglichkeiten der
Identifikation aller Vereine mit dem Verbandsprojekt verbessert werden müsse.
VOP Stephan Demuth schlug zur Lösung dieser Problematik eine von ihm gehaltene
Wissenschaftliche Sitzung bei den Vereinen vor; des weiteren sollte die
Entwicklung des Projekts auf der Internetseite und in der Verbandszeitung ständig
dargestellt werden. Auch wurde überlegt, mit interessierten Unitariern eine
Reise nach Venezuela zu organisieren, um so die Identifikation mit dem
Jugendzentrum zu stärken.
Die zweite Arbeitsgruppe leitete
Alt-VOP Rainer Voss. Er stellte den Aktiven die Ergebnisse der Klausurtagung vom
14. Oktober in Bad Godesberg vor und diskutierte über die beschlossenen Maßnahmen,
um die UNITAS zukunftsfähig zu gestalten. In der Kürze der Zeit konnten nicht
alle Fragen erörtert werden. Doch man war sich einig, dass man das Katholizitätsprinzip
unbedingt erhalten müsse, jedoch dass der Status von evangelischen Mitgliedern
des Verbandes überdacht werden müsse. Die unterschiedliche Handhabung von
Formen und Ritualen sollte nicht vom Verband vorgeschrieben werden, sondern man
sollte die verschiedenen Ausprägungen des Brauchtums in den einzelnen Vereinen
respektieren und weiterbestehen lassen. Eine Umformulierung der lateinischen
Prinzipien wurde von den Teilnehmern der Arbeitsgruppe abgelehnt, da es keine
gleichwertige Möglichkeit gibt, den Sinngehalt unserer Prinzipien in einem
deutschen Wort auszudrücken.
Ein
Höhepunkt des Wochenendes war ohne Zweifel auch die von den beiden Marburger
Vereinen gemeinsam geschlagene Kreuzkneipe am Samstagabend. Die Prima der
Elisabetha-Thuringia, Sandra Kösters, und der Senior der Franko-Saxonia, Mario
Palichleb, begrüßten eine stattliche Anzahl von Unitariern und Gästen auf dem
Robert-Schuman-Haus.
Sandra
Kösters ging auch in ihrer Prinzipienrede auf das Thema des Aktiventages ein.
Sie sah in dem Engagement für die Sozialen Projekte die Möglichkeit, alle drei
unitarischen Prinzipien zu verwirklichen. Das Prinzip virtus wird durch die
Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen in hohem Maße gelebt. Die scientia
wird verwirklicht, da man sich über die sozialen und politischen Gegebenheiten
am Ort unseres Projekts informieren muss und lernt, auf die unterschiedlichen
Problemstellungen einzugehen. Auch die amicitia wird durch das Eintreten des
ganzen Vereins für einen guten Zweck und die Freude, die dieses gemeinsame
Engagement weckt, gestärkt.
Während
seines Grußwortes bedankte sich VOP Stephan Demuth herzlich bei den beiden
Marburger Vereinen für die hervorragende Organisation des Wochenendes und die
große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aller Marburger Aktiven. Er dankte
den Teilnehmern des Aktiventages für die auf hohem Niveau geführten
Diskussionen und forderte sie auf, die Idee des Sozialen Projekts in die eigenen
Vereine zu tragen: „Das Soziale Projekt kostet zwar viel Kraft. Aber die
Motivation und Energie, welche man aus einem Engagement für diese gute Sache
zieht, können den UNITAS-Vereinen auch neue Vitalität geben und jedem
einzelnen Unitarier aufzeigen, dass es sich lohnt, gemeinsam für das Soziale
Projekt einzustehen.“
Die
für den Sonntagmorgen geplante Ergebnisrunde konnte leider nur in einem sehr
kleinen Kreis durchgeführt werden, da die meisten Aktiven von der Kneipe und
dem anschließenden Ausklang am letzten Abend noch zu sehr mitgenommen waren.
Nach dieser kurzen Darstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen zeigten uns
zwei Marburger Aktive während einer 1-stündigen Stadtführung die Sehenswürdigkeiten
der mittelhessischen Universitätsstadt.
Nach
der Stadtführung besuchten wir gemeinsam den Gottesdienst der Katholischen
Hochschulgemeinde. Hochschulpfarrer Bbr. Norbert Ernst begrüßte die Unitarier
in der Kirche St. Peter und Paul. Am Abend zuvor war er auch bei der Kneipe
dabei gewesen, musste die Corona aber leider schon früh verlassen, da er am nächsten
Morgen ja arbeiten musste. „Ihr könnt bei der Predigt morgen früh weiter
schlafen, aber ich muss konzentriert sein“, entschuldigte er sich humorvoll
bei seiner Verabschiedung. Dieses „Angebot“ nutzte aber natürlich keiner
der anwesenden Unitarier, sondern man hörte den interessanten Ausführungen des
Bundesbruders über den „Souverän Jesus Christus“ aufmerksam zu.
Die
Aktivenvertreterin West, Bsr. Claudia Bellen (UNITAS Clara-Schumann Bonn),
formulierte ihr Fazit des Aktiventages in einem Grußwort während der Kneipe:
„Endlich kann man in der UNITAS auch wieder inhaltlich arbeiten und muss auf
den Verbandsveranstaltungen keine lähmenden Grabenkämpfe über
Strukturreformen mehr austragen.“
Wer
beim nächsten Aktiventag dabei sein möchte, der sollte sich schon jetzt das
Wochenende vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2001 frei halten. Dieser Aktiventag wird
vom Vorort als Rhetorik-Seminar gestaltet und von professionellen
Rhetorik-Lehrern durchgeführt. Alle interessierten aktiven Bundesschwestern und
Bundesbrüder sind herzlich nach Münster eingeladen. Das genaue Programm wird
in einer der nächsten Ausgaben der unitas
bekannt gegeben.
Thomas
Breuer, VOS

Postamt
Salia-Bonn: Weihnachts-Mailing
2000 für Caracas
BONN.
Aktive
der Vorortskorporation übernahmen auch in diesem Jahr wieder das
Weihnachts-Mailing für unser Soziales
Projekt. Über 5.600 Briefe wurden für den Versandt fertig gemacht und an
alle Alten Herren und Hohen Damen des UNITAS-Verbandes auf den Postweg gebracht.
Der schönste Lohn für die vielstündige Arbeit wäre ein ähnlich gutes
Spendenergebnis wie in den beiden vergangenen Jahren, in denen jeweils rund
110.000 DM durch die Aktion dem Projektkonto zugute kamen.
Das
soziale Projekt des UNITAS-Verbandes:
Was soll in „unserem“ Jugendzentrum
in Caracas
geschehen?
von
Bbr. VOP Stephan Demuth
Die folgenden
Ausführungen basieren weitgehend auf schriftlichen Unterlagen, die mir die
Salesianer in Venezuela über die Planung des „Centro de Formacion Juvenil y
Popular“ zur Verfügung gestellt haben, ergänzt um einige Aspekte, die ich
bei zahlreichen Gesprächen mit verschiedenen Verantwortlichen während meines
zweimonatigen Aufenthalts im Land im Spätsommer 2000 erfahren habe. Nachstehend
werden kurz die Ziele und Aktivitäten dargestellt, die in „unserem“
Jugendzentrum nach der Fertigstellung geschehen sollen.
Der
Orden der Salesianer – er ist Träger des Projekts – widmet sich vornehmlich
der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus den Armenvierteln und sozialen
Brennpunkten. Mit dem neuen Jugendzentrum verfolgt er das Ziel, kinder- und
jugendgerechte Räumlichkeiten zu schaffen, um verschiedene, derzeit dezentral
und oft an ungeeigneten Orten durchgeführte Aktivitäten zusammenzubringen und
so effizienter zu gestalten. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von
10 bis 21 Jahren aus den Straßenkinder- und Erziehungsprojekten sowie aus den
Schulen und offenen Zentren der Salesianer, aber auch sonstige junge Menschen,
etwa aus diözesanen Trägerstrukturen, die man zu sozialer Kompetenz befähigen
will. Darüber hinaus soll das „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ vor
allem der Aus- und Weiterbildung der Erzieher, Multiplikatoren und Helfer in der
Jugendarbeit dienen. Dazu ist auch die Einrichtung einer Bibliothek geplant.
Die Zusammenführung der verschiedenen
Engagements soll einmal der salesianischen Jugendbewegung (Movimiento
Juvenil Salesiano [MJS])
in Venezuela ein neues Profil geben. Zum anderen sollen in die Aktivitäten aber
auch – wie schon erwähnt – andere Jugendliche und Träger einbezogen
werden. Wie ich in einem persönlichen Gespräch mit dem Erzbischof von Caracas,
Ignacio Antonio Velasco Garcia – er ist ebenfalls Salesianer -
erfuhr, ist die katholische Kirche in Venezuela bestrebt, alle Jugendbewegungen
und –initiativen enger miteinander zu vernetzen, um die verschiedenen
Erfahrungen in der Jugendarbeit zusammenzubringen, einen gegenseitigen
Lernprozess zu initiieren und schließlich ein neues Gesamtkonzept zu
entwickeln. Das geplante Jugendzentrum ist in diesem Bestreben ein wichtiges
Element.
Das
Zentrum will den Kindern und Jugendlichen aus den Armenvierteln aber darüber
hinaus auch einfach nur ein Stück Beheimatung bieten, einen Ort, wo sie
jederzeit hinkönnen und wo jemand für sie da ist. Wir können als UNITAS mit
unserer Hilfe einen wichtigen Beitrag leisten, die angestrebten Ziele zu
verwirklichen und die schlimme Situation der Straßenkinder von Venezuela in
Zukunft ein Stück weit in andere, bessere Bahnen zu lenken!
von
rechts: Pablo Stocco (verantwortlicher Padre für das Jugendzentrum), Ingenieur
des Projektes, Stephan Demuth
Das
Jugendzentrum setzt meines Erachtens genau an der richtigen Stelle an, um der
Armut entgegenzuwirken. Mit der Einrichtung setzt sich die Diözese gegen die
Ausgrenzung der Jugendlichen ein und versucht, ihnen religiöse Orientierung und
Halt, Gemeinschaft und Nähe zu bieten sowie ihnen die christlichen Werte der Nächstenliebe
zu vermitteln. Denn einer Jugend, die in Armut aufwächst, kaum berufliche
Perspektiven hat und nur unzureichend persönliche Orientierungshilfen bekommt,
wird es schwer fallen, die politische und soziale Entwicklung ihrer Gesellschaft
positiv mit zu bestimmen. Mangelnde Zukunftsaussichten sind keine guten
Voraussetzungen für Verantwortungsbewusstsein und soziales Engagement. Im
Gegenteil: eine perspektiv- und orientierungslose Jugend ist besonders anfällig
für (selbst-)zerstörerische Verhaltensweisen und Aktivitäten, die sich
negativ auf die gesamte Gesellschaft auswirken. Ein Jugendlicher, der keine
Ausbildungsmöglichkeit bekommt, der den ganzen Tag auf der Straße verbringen
muss und keine Ansprechpartner in seiner Familie und sozialen Umgebung hat, wird
eher versucht sein, Drogen zu konsumieren oder sich kriminellen Banden
anzuschließen.
So
ist das Konzept einer präventiven und subsidiären Jugendarbeit auch im Sinne
der venezolanischen Regierung. Die aktive Arbeit mit Heranwachsenden sowie die
Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im „Centro de Formacion Juvenil y
Popular“ will junge Menschen zu einem solidarischen Verhalten erziehen und sie
zu engagierten Bürgern machen, die sich dann selbst als Multiplikatoren für
Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen.
Einige
Zahlen sollen die Notwendigkeit des Jugendzentrums verdeutlichen. Im
Jahresdurchschnitt bezieht sich das Angebot auf junge Menschen, die in gefährdeter
Situation von den Einrichtungen der Salesianer in Caracas betreut werden; auf
Schüler der 3 Schulen der Salesianer in Caracas und der 10 anderen allgemeinen
Schulen im Osten der Hauptstadt; auf Schützlinge der 5 salesianischen
Pfarrgemeinden und der 30 übrigen Gemeinden im östlichen Caracas sowie auf
Kinder und Jugendliche aus den 4 Jugendzentren und den 10 Oratorien der
Salesianer in der Metropole:
1.
ca.
6.060 Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren (überwiegend Schüler der 6. Klasse
der Hauptschule)
2.
ca.
12.520 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren (überwiegend Schüler der 7.
bis 9. Klasse der Hauptschulen und des Gymnasiums)
3.
ca.
1.920 Jugendliche im Alter von 17 bis 21 Jahren (überwiegend Arbeiter in den
Ausbildungszentren und Erstsemester)
4.
ca.
670 Jugendliche (ab 17 Jahre) und Erwachsene, die als Lehrer, Erzieher,
Ausbilder, Betreuer und Multiplikatoren in verschiedenen Projekten arbeiten
(Lehrer an den drei salesianischen Schulen in der Metropole; Ausbilder an den fünf
Ausbildungszentren der Salesianer in Caracas; Hauptamtliche und Freiwillige des
Netzes „Casa Don Bosco“ für gefährdete Kinder und Jugendliche; Leiter und
Erzieher der vier Jugendzentren und 10 Oratorien der Salesianer in der
Hauptstadt; Leiter und Erzieher der Jugendzentren und Oratorien der Salesianer
im Hinterland von Caracas; Katecheten der fünf salesianischen Gemeinden sowie
Katecheten und jugendliche Betreuer aus den anderen Gemeinden der Metropole.)
Viele
ältere Jugendliche arbeiten nach ihrer Schulzeit oder beruflichen Ausbildung
gerne weiter als freiwillige Helfer und Betreuer in den Einrichtungen der
Salesianer mit. Gerade sie gewinnen schnell das Vertrauen der Jüngeren, weil
sie die Erfahrungen und Erlebnisse aus ihrer eigenen Zeit als Mitglied einer
Jugendgruppe noch unmittelbar einbringen können. Gleichzeitig erhalten sie auf
diesem Wege die Möglichkeit, sich in die Praxis als Lehrer und Erzieher einzuüben.
Mit diesem Erfahrungshorizont können die jungen „Lehrer“ später landesweit
auf andere Einrichtungen verteilt werden, und sie leisten längerfristig einen
wichtigen Beitrag zu einem höheren Bildungsniveau in Venezuela. Im neuen
Jugendzentrum soll dieses Engagement besonders gefördert und koordiniert
werden. Langfristig soll so ein neues Netzwerk in der Jugenderziehung entstehen.
Hervorzuheben
ist noch, dass das Jugendzentrum auch anderen Organisationen als Ort für
Veranstaltungen und Seminare offen stehen soll, so dass eine effektive Nutzung
der Gebäude über das gesamte Jahr gewährleistet ist.
Die
nachstehende Stichworte geben einige Beispiele für Aktivitäten und Themen der
Workshops, die im „Centro de Formacion Juvenil y Popular“ durchgeführt
werden sollen:
Treffen und Weiterbildung der Koordinatoren der Ausbildungs- und
Jugendzentren sowie der Oratorien, Treffen
und Weiterbildung der Katecheten, Treffen und Weiterbildung der Erzieher von
verwahrlosten und gefährdeten Jugendlichen, Treffen und Schulung der
Jugendbetreuer, Treffen der Schüler- und Studentenorganisationen, Koordination
der Arbeit in den Ausbildungszentren, Koordination von sportlichen Aktivitäten,
Organisation und Koordination der Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche,
Einkehrtage und Exerzitien für verschiedene Zielgruppen, Veranstaltungsort für
das Nationale Jugendtreffen, Veranstaltung von Kinder- und Jugendcamps (mit dem
Angebot von Sportflächen für Fußball, Baseball, Volleyball etc.).
Workshops
für folgende Gruppen und zu folgenden Themen:
für
Liturgiegruppen, zur Förderung der freiwilligen Laiendienste, theologische
Unterweisung für Laien, für
junge Verlobte und Ehepaare, Lebensplanung, Beziehungen und Freundschaft, Liebe
und sexuelle Aufklärung, Aufbau und Führung einer Gruppe, Gruppenpädagogik
und –dynamik, effektive Kommunikation, Einführung in Theaterspiel, Lyrik und
Rhetorik, Handarbeiten, Gruppenspiele, Analyse der sozialen Wirklichkeit, Einführung
in die Sozialpolitik, Erziehung zum Umweltschutz, Teilnahme an politischen
Prozessen, Anleitung zum Beten, Einführung in die Bibelarbeit, Meditation und
Spiritualität, Sakramentenlehre (insbes. Tauf-, Kommunion- und Firmkatechese),
Berufung zum Priester (Motivation und Perspektiven).
2001
-1
Grünes Licht für Baubeginn in Caracas
Weihnachts-Briefaktion 2000 brachte wieder über 100.000 DM Spenden ein
22.
Januar 2001 - zu Besuch beim Bischöflichen Hilfswerk ADVENIAT in Essen: Die
Bundesbrüder VOP Stephan Demuth, Hermann-Josef Grossimlinghaus und Dr. Christof
Beckmann waren zu Gast bei Venezuela-Referent Christoph Huber. Der Vortortspräsident
nutzte die Gelegenheit, über seinen zweimonatigen Aufenthalt in Lateinamerika
zu berichten. Vor zehn Mitarbeitern, die mit Projekten in der Region befasst
sind, zeigte er einen Diavortrag und veranschaulicht die Arbeit in den Missions-
und Sozialstationen der Salesianer Don Boscos. Im Gespräch mit leitenden
Adveniat-Mitarbeitern und Christoph Huber wurde über den Fortschritt der
Planungen und das bisherige Verbandsengagement informiert. Auf Hubers
Schreibtisch lagen die soeben frisch mit der Post eingegangenen überarbeiteten
Bau- und Finanzierungspläne für „unser“ Jugendzentrum in Caracas. Hier zum
aktuellen Stand der Bericht von Bbr. H.-J. Gossimlinghaus:
„Die
noch ausstehende Prüfung der Bodenproben ist abgeschlossen, die behördlichen
Genehmigungen liegen vor. Dem Baubeginn steht nun nichts mehr im Wege. Pater
Bruno Masiero, der Provinzial der Salesianer in Caracas, ist optimistisch. In
einem Brief an VOP Stephan Demuth drückt er die Hoffnung aus, dass die erste
von drei Bauphasen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Es handelt
sich um eine Grundeinheit mit Eingangsbereich und Empfangsbüro, Küche,
Speisesaal und (variablen) Tagungs- und Besprechungsräumen, so dass das Zentrum
eventuell schon vor Ende 2001 seinen Betrieb für eintägige Veranstaltungen
aufnehmen kann.
In
einer zweiten Bauphase sollen dann Schlafräume für Männer und Frauen, Büros,
Zimmer für die Referenten und eine Wohnung für die Gemeinschaft der
Salesianer, die das Haus betreut, hinzukommen. Dann können auch mehrtägige
Seminare mit Übernachtungsmöglichkeit der Teilnehmer durchgeführt werden. In
der dritten und letzten Etappe werden schließlich noch eine Kapelle, ein
kleines Amphitheater und die Außenanlagen hinzukommen. Wichtig an der Planung
ist, dass jede Bauphase für sich schon die Funktionsfähigkeit des Zentrums gewährleistet
und nicht erst die komplette Fertigstellung des Gesamtbaus abgewartet werden
muss.
Der
Finanzbedarf weist für die erste Bauphase rund 820.000 DM, für die zweite etwa
1,4 Mio. DM und für die dritte noch ca. 170.000 DM aus. Die Finanzierung des
ersten Bauabschnitts ist bereits vollständig abgesichert mit Eigenleistungen
der Salesianer, Beiträgen von ADVENIAT und nicht zuletzt des UNITAS-Verbandes,
ohne dessen Hilfe – so wird betont – das Projekt nicht realisierbar gewesen
wäre.
Besonders
stolz können wir auf das Ergebnis unserer Weihnachtsbriefaktion 2000 sein. Das
Spendenkonto stieg wieder um mehr als 100.000 DM, so dass wir bis jetzt, also
nach etwa 1 ½ Jahren Laufzeit des neuen Projekts, schon rund 240.000 DM sammeln
konnten. Sie bilden den Grundstock für die erste Bauphase. Allen Spendern sei
an dieser Stelle herzlich gedankt. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass
noch ein gutes Stück des angestrebten Ziels vor uns liegt und wir in unseren
Bemühungen nicht nachlassen dürfen.
Projekt-Partner: Das
Bischöfliche Lateinamerika-Hilfswerk ADVENIAT
Die
Bischöfliche Aktion ADVENIAT ist nicht nur Mitfinanzierer des Projekts, sondern
sie hat die Salesianer in Venezuela auch intensiv beraten, bis nun endlich im
Dialog zwischen Träger, Geldgebern und staatlichen Genehmigungsbehörden eine
akzeptable sachgerechte und finanzierbare Planung vorgelegt werden konnte –
ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hingezogen hat. ADVENIAT ist auch
unser Partner im administrativen Bereich. Es besorgt den verantwortungsvollen
Transfer der Finanzmittel, beobachtet den Fortgang der Bauarbeiten und stellt
vor allem die Spendenquittungen für die auf dem UNITAS-Spendenkonto
eingegangenen Gelder aus. In diesem Zusammenhang noch ein
organisations-technischer Hinweis: Die UNITAS-Geschäftsstelle gibt die
Spenderlisten vierteljährlich an das Hilfswerk weiter, so dass zwischen
Überweisung und Zusendung der Spendenbescheinigungen manchmal etwas Zeit
vergehen kann. Wir bitten hierfür um Verständnis.
Herzlich
danken möchte ich unserer Verbandssekretärin, Frau Marianne Hübers, die die
Spenderlisten erstellt und oftmals in mühsamer Kleinarbeit durch Nachschlagen
im Gesamtverzeichnis Namen und Anschriften auf den Überweisungsträgern wegen
fehlender oder unvollständiger Angaben rekonstruieren muss. Manchmal sind die
Daten so lückenhaft, dass man sie nicht mehr nachvollziehen kann. In solchen Fällen
können dann natürlich auch keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.
Daher erneut meine Bitte: Auf den Überweisungsträgern immer vollständig Name und Anschrift des Absenders angeben!
Wir
hoffen, dass auch während des Jahres 2001 wieder viele Bundesschwestern und
Bundesbrüder großherzig spenden, damit wir den Kindern und Jugendlichen in
Venezuela schnell helfen können. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang
nochmals an runde Geburtstage, Jubiläen, Kollekten bei Vereins- oder
Stiftungsfesten, Straßensammlungen durch Aktivitates etc., die immer gute Anlässe
bieten, zu Spenden aufzurufen.“

Besuch
bei ADVENIAT:
Am 22. Januar berichtete VOP Stephan Demuth vor Mitarbeitern der Bischöflichen
Aktion ADVENIAT über seine Erfahrungen während seines zweimonatigen
Aufenthalts in Venezuela im vergangenen Jahr. Anschließend wurde ausführlich
der Fortgang unseres sozialen Projekts, des Baus des Jugendzentrums „Centro de
Formación Juvenil y Popular“, in Caracas mit dem Projekt-Abteilungsleiter
Michael Huhn und dem Venezuela-Referenten Christoph Huber diskutiert. Auf
unserem Foto: (v.l.) Bbr. Hermann-Josef Großimlinghaus, Beauftragter des
UNITAS-Verbandes für das Soziale Projekt, Christoph Huber, Venezuela-Referent
bei ADVENIAT, VOP Stephan Demuth und Dr. Christof Beckmann, Schriftleiter der
Verbandszeitschrift.
Das
Statement:
Länderreferent
Christoph Huber, Adveniat
unitas:
Das „soziale joint-venture“ von UNITAS-Verband, Salesianern und Adveniat
nimmt in den letzten Wochen deutliche Konturen an. Alle Mitstreiter für dieses
Projekt kommen aus der „kirchlichen Ecke“. Ist dies ein Vorteil?
Die
soziale Frage gerade in Lateinamerika kann man nicht unabhängig vom kirchlichen
Hintergrund sehen. Es sind Länder, die zu neunzig Prozent katholisch,
christlich sind, und in denen deshalb die Religion ganz spezifisch zur Kultur
und Lebensweise gehört. Wenn wir hier in Europa oft über soziale Gerechtigkeit
sprechen, klammern wir diesen meist Aspekt aus. Wenn sich die Kirche in
Lateinamerika besonders im Bildungsbereich engagiert, ist dies genau der
richtige Ansatz.
Katastrophenmeldungen
aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern prägten die Berichterstattung
in den letzten Wochen. Erdbeben und andere schreckliche Naturereignisse haben
Soforthilfemaßnahmen nötig gemacht - Caritas, Malteser und nicht zuletzt
Adveniat leisten hier viel. Was ist der Vorteil von langfristigem Engagement?
Venezuela
z.B. hat eine sehr, sehr junge Bevölkerung. Ein Großteil der Einwohner ist
unter dreißig. Wer nicht bei der Jugend und im Bildungsbereich ansetzt, kann
die großen Herausforderungen im sozialen Bereich gar nicht angehen. Mittel- und
langfristig ist die Ausbildung von Multiplikatoren im eigenen Land entscheidend.
Sie erst können auf die soziale Situation wirken, indem sie zukünftige Führungskräfte
heranbilden....
...
die UNITAS ist als Studenten- und Akademikerverband also der richtige Partner?
Es
ist eigentlich die ideale Lösung! Denn wir haben hier ja Studenten und
Jugendliche, die sich für andere Studenten und für andere Jugendliche
einsetzen, die eben nicht vergleichbare Bildungsmöglichkeiten haben. Wenn sich
Studenten für Jugendliche in einem anderen Land engagieren, das ist das
eigentlich das, was immer passiere