Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
aus:
unitas, 2005
Neuauflage:
Bbr. Portmanns Biographie von Kardinal von Galen
Heinrich Portmann: Kardinal von Galen. Ein Gottesmann in seiner Zeit.
328 Seiten. Verlag Aschendorff, Münster. 12,80 Euro
„Gern
gebe ich der Biographie des hochseligen Kardinals von Galen, die von seinem
langjährigen Kaplan Dr. Heinrich Portmann verfasst wurde, ein Wort des Geleites
mit auf den Weg. Wenn auch der große Bekennerbischof nun schon zwei Jahre nicht
mehr in unserer Mitte weilt, so lebt doch sein Andenken unter uns in
unverminderter Frische fort“, schrieb am 22. März 1948, dem zweiten Jahrestag
des Todes des Kardinals von Galen, Bischof Michael Keller in seinem Vorwort zur
323 Seiten umfassenden Erstauflage. „Sein Name wurde zu einem Begriff über
die Grenzen des Bistums hinaus, in die Welt hinein. Als der unerschrockene Kämpfer
gegen die Mächte des Neuheidentums, als der glühende Verteidiger des Glaubens,
der Rechte Gottes und der Menschen, als ein wahrer Gottesmann seiner Zeit wird
er in der Geschichte unserer heiligen Kirche und unseres Vaterlandes
weiterleben.“
Neben
seiner Charakterstärke, Geradheit seines Wesens, Furchtlosigkeit und
Kompromisslosigkeit seines Handelns, wenn es um die Sache Gottes ging, sei das
Entscheidende und Tiefste seiner Persönlichkeit „der unerschütterliche
Glaube und die zarte Gottverbundenheit“ gewesen. „Um diesen gottbegnadeten
und gottgesandten Oberhirten scharte sich in Begeisterung und Liebe immer enger
das gläubige Volk. Was wäre er in jenen düsteren Jahren gewesen ohne die
Treue seiner Herde? Sie war für ihn der feste Rückhalt. Sie konnte das sein,
weil auch sie Gott mehr liebte als die Blendwerke der Menschen. Wie schwach ist
ein Bischof ohne die Treue seiner Diözesanen! Wie stark wird er, wenn sie ihm
folgen auch in schweren Tagen! .... Möge dieses Buch das Andenken an meinen
hochseligen Vorgänger befestigen, möge es durch sein stilles Apostolat in den
Herzen der Leser die Liebe zur heiligen Kirche, zu ihren Priestern und Bischöfen
vertiefen! Das ist mein inniger Wunsch.“
Bereits
1946 hatte Bbr. Portmann (Bild oben) eine erste Schrift vorlegt (Der
Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht,
Münster/Westfalen), seine umfängliche Biographie über
den „Löwen von Münster“ folgte
kurze Zeit später. Nach zahlreichen Neuauflagen war sie
mehr als 20 Jahre lang nicht erhältlich: „leider vergriffen“, bedauerte der
Buchhandel. Doch jetzt, rechtzeitig vor der für 2005 in Aussicht genommenen
Seligsprechung des Kardinals Clemens August Graf von Galen liegt das von seinem
bischöflichen Kaplan Heinrich Portmann geschriebene „Lebensbild“ als
Taschenbuch wieder vor. „Sonderauflage“ nennt der Münsterische Verlag
Aschendorff das – und kann sicher sein, dass dieser von einem Bundesbruder
verfasste Klassiker innerhalb der inzwischen sehr reichhaltigen Galenschen
Sekundärliteratur viele Leser finden wird. Eine lang ersehnte
historisch-kritische Biographie auf der Grundlage der Löfflerschen Dokumentenbände
und weiterer Quellen (Kuropka, Wolf und andere) wurde bislang noch nicht
vorgelegt.
Der Charme des Portmann-Buches liegt
gerade darin, dass der Autor Bischof von Galen aus unmittelbarem persönlichem
Erleben heraus wahrgenommen hat und so ein profiliertes Bild zeichnen konnte. Msgr.
Dr. iur. can. Heinrich Portmann,
war lange Zeit und bis zuletzt als Bischöflicher Kaplan der „Schatten“ des
Münsteraner Bischofs. Von Galen bat Bbr. Portmann am Abend vor seinem Tod:
„Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, dann musst Du aber kommen; ich möchte
dann nicht gern alleine sein.“ Die
eine oder andere „hagiographische“ Würdigung, wie Rudolf Morsey es einmal
nannte, nimmt man angesichts der Authentizität der Portmannschen Diktion gerne
in Kauf. Schade allerdings, dass auf einen Abdruck von Bildern wie auch der drei
berühmten Predigten aus dem Jahr 1941 verzichtet wurde, „da diese häufig
auch andernorts veröffentlicht worden sind“, wie es heißt.
Zugleich eine
Erinnerung an Bbr. Portmanns 100. Geburtstag
Die
erneute Veröffentlichung seiner Galen-Biographie wirft nun auch ein neues Licht
auf Dr. Heinrich Portmann selbst, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100.
Mal jährt. Der Sohn eines Maurers, am 5. Oktober 1905 in Hamm-Bockum-Hövel
geboren, besuchte das Gymnasium in Hamm, schloss sich während des Studiums in
Freiburg der dortigen UNITAS. An seinem zweiten Studienort Münster stieß er
zur UNITAS Ruhrania, der er zeitlebens eng verbunden blieb – später lange
Zeit als ihr Ehrensenior. Zum Priester geweiht am 19. Dezember 1931, wurde er am
30. 12. 1931 zum Kaplan an Herz-Jesu Emsdetten ernannt.
Von
1934-37 schloss sich ein Studium des Kirchenrechts in Rom an, wo er als Kaplan
an der Anima tätig war. Nach Rückkehr aus Rom diente er bis zum 17. 11. 1938
als Hausgeistlicher am Deutschen Studentenwohnheim in Münster. Zum 1. 7. 1938
übernahm er das Amt des Defensor vinculi et Promotor iustitiae substitutus et
subordinarius am Bischöflichen Offizialat in Münster, war vom 17. 11.1938 -
14. 4. 1949 Bischöflicher Kaplan von Bischof August Clemens von Galen und
Bischof Michael Keller, ab dem 14. 4. 1949 Vizeoffizial am Diözesangericht Münster
und wurde später zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Am 30. April 1961
starb er in Münster. Seine fesselnde Schilderung der Zeit und der Persönlichkeit
Kardinal von Galens vermag auch nach mehr als einem halben Jahrhundert immer
noch zu beeindrucken.
CB