Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
Patriarch
und Prinzipal:
Bbr. OStR a.D. Norbert Klinke starb in Castrop-Rauxel
Castrop-Rauxel/Ruhrgebiet.
„Einmal endet alles, auch das, was ihr wollt", so stand es zu Bbr.
Norbert Klinkes letztem Theaterauftritt 1991 in der unitas (4/1991, 132).
Damals beschloss er mit Shakespeares lyrischer Komödie „Was ihr
wollt" eine 27-jährige erfolgreiche Spielzeit mit der von ihm gegründeten
Schulbühne der Castrop-Rauxeler Gymnasien. Mit einer Inszenierung pro Jahr
- ein bundesweiter Rekord, wie die Zeitungen berichteten. Jetzt verließ er,
der große Theaterfan, der Pädagoge und ausgemachte Opernnarr, mit 66
Jahren die Bühne des Lebens - ein schmerzhafter Abschied für ihn, seine
Familie und die unitarische Gemeinschaft. Die letzte Rolle, die ihm
beschieden war, stand nicht auf seinem Spielplan, sie hatte er sich nicht
aussuchen können. Am 4. November 2000 starb er nach langer Krankheit.
Geboren wurde Bbr. Norbert Klinke am 6. Juli 1934 in Breslau. „Und ein
Schlesier bleibst du zeitlebens, das legst du nie ab“, wie er mehr als
einmal sagte. Am Remigianum in Borken-Burlo baute er 1956 sein Abitur und
ging anschließend zum Studium an die Theologische Fakultät in Paderborn.
1957 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät in Münster in Deutsch
und Latein ein. Trotz erster Kontakte zum CV schloss er sich der UNITAS an:
Zu seinem 23. Geburtstag rezipierte ihn die UNITAS-Ruhrania, bei der er im
Sommersemester 1959 Senior im Festpräsidium beim 100. Stiftungsfest des
UNITAS-Ortsverbandes Münster war. Am 28. Januar 1961 philistriert, bestand
Norbert Klinke 1962 sein 1. Staatsexamen und begann als Studienreferendar am
Adalbert-Stifter-Gymnasium in Castrop-Rauxel. Dort blieb er über sein zwei
Jahre später abgelegtes 2. Staatsexamen hinaus bis zu seiner aus
Krankheitsgründen erfolgten Pensionierung 1978, zuletzt als Oberstudienrat.
Der hier von ihm 1964 gegründeten Schulbühne galt seine besondere Liebe:
40 Wochen im Jahr, 27 Jahre lang, gehörte sein Mittwochnachmittag der
Ensemblearbeit. Seine Arbeit als Autor, Texter, Dramaturg, als Regisseur,
Schauspieler, Masken- und Bühnenbildner, die er ganz bewusst am
professionellen Theater orientierte, ließ das Unternehmen zu einer
Institution von
überregionaler Bedeutung werden und fand großes Echo in
den Zeitungen der Revier-Stadt. Fast 400 Mitspieler gingen durch seine
Theaterschule, inszenierten unter seiner Leitung begeisternde Aufführungen,
trugen die Geschichte der Schulbühne mit und machten später zum Teil sogar
die Schauspielerei zum Beruf. Jährlich trafen sich 50 bis 60 bei den jährlichen
Wiedersehenstreffen. Gemeinsam wagten sie sich an schwere Stoffe wie
Ionescos „Triumph des Todes oder Das große Massakerspiel“, aber auch an
Komödien wie „Die Plappermäuler“ oder „Viel Lärm in Chiozza“ von
Goldoni, in denen Norbert Klinke selbst als Schauspieler in Haupt- und
Nebenrollen glänzte. Seinen Abschied von der Bühne nahm er als Falstaffs
kleiner Bruder Junker Tobias von Rülp mit seinem 150. Auftritt in seiner
20. Rolle, den er temperamentvoll als Trunkenbold verkörperte (s. Bild)
- wie so oft zum großen Vergnügen seiner Mitspieler und seines geliebten
Publikums. Wie in anderen Rollen kam ihm dabei seine Statur zugute: „Ein
Mann wie ein Baum“, schrieben die Zeitungen zu Recht, „imposant der
wallende Bart.“ Seine ganze Familie stand hinter seiner Arbeit: Die
„Bretter, die die Welt bedeuten" wurden auch seiner Frau Helga und fünf
Kindern zur Heimat, von denen die drei ältesten, Markus, Dominikus und
Maresa in vielen Rollen auf der Bühne standen.
Da er bereits einige Jahre gesundheitlich kürzer treten musste, wurde 1992
als Nachfolgeorganisation der „Fundus Alte Schulbühne“ gegründet. Die
Institution hatte ihren Motor verloren. Nicht so die UNITAS: Als Senior
hatte Bbr. Norbert Klinke bereits 22 Jahre lang, von 1970-1982, den
UNITAS-Altherrenzirkel Castrop-Rauxel geleitet. 1991 wurde der begeisterte
Ruhrane, gleichzeitig B-Philister der UNITAS-Winfridia, auch zum „Vater“
der Vereinigung seines Altherrenvereins mit den jungen Aktiven an der Ruhr.
Er hat die Wiederbegründung an der Ruhr tatkräftig unterstützt und wurde
am 2. Februar 1991 zum Ehrensenior der UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
gewählt. Er füllte das Amt engagiert und vorbildlich mit der ihm eigenen,
großen Sensibilität: Er schlichtete manche Meinungsverschiedenheiten,
sorgte für Nachwuchs im Verein, begeisterte mit offiziellen Reden, mit
einem wahren Schatz unzähliger Anekdoten, die er bis spät in die Nacht zum
Besten geben konnte und nicht zuletzt gemeinsam mit seiner lieben Frau Helga
durch sein gastfreundliches Haus, das den Aktiven immer offen stand.
Ob er im Bischofsgewand als Nikolaus auftrat oder regelmäßig zum
„Schlesischen Essen“ beim „Rübezahl“ einlud - immer fühlten sich
seine unitarischen Bundesbrüder mit großem Herzen aufgenommen. Doch war
das „alte Zirkuspferd", wie sich der lebensbejahende und lebensfrohe
Mittelpunkt seiner Familie und seiner Ruhr-UNITAS selber oft nannte, bereits
schon schwer gesundheitlich angeschlagen. Ihr „Junker Tobias“, wie sie
ihn nach seiner letzten Theaterrolle tauften, musste die letzten Jahre im
Rollstuhl verbringen. Bbr. Kaplan Helmut Wichmann brachte ihm seinen
Primizsegen und die Krankenkommunion. Norberts treues und offenes Herz
setzte vielfach aus und in der Nacht des 4. November 2000 schlug es zum
letzten Mal. Viele Freunde begleiteten ihn auf dem letzten Weg, unter ihnen
der Vorstand des AHV Ruhrania, Vertreter der UNITAS-Winfridia, des AHZ in
Castrop-Rauxel, des AHZ Essen und seine Aktivitas, die mit beiden Fahnen ihm
die letzte Ehre erwiesen.
„Der Vorhang fällt, kein Grund zur Trauer“, setzte er selbst auf seinen
Totenbrief. Und so wollen ihn seine Bundesbrüder, die sich seiner ganzen
Familie sehr verbunden fühlen, auch als verdientes und begeisterndes
Vorbild immer in treuer Erinnerung behalten.
Dr. Christof Beckmann, Essen
Aus: unitas 2001/1