Wissenschaftlicher
Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND
Aus: unitas 2000
VOR
50 JAHREN:
„...dem Unitas-Verband meine besten Wünsche für geistiges Gedeihen und wirksame
Friedensarbeit ...“
– Robert Schuman, der 9.Mai 1950
und drei kleine Quellen aus dem UV-Rundbrief 1950
VON DR. CHRISTOF BECKMANN
Ein Jahr nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands am 9.Mai 1945: Bbr. Dr. Robert Schuman wird Finanzminister, ist 1947/48 französischer Ministerpräsident, anschließend Außenminister. „Was wir brauchen, ist ein vereintes Europa, das ausschließlich auf Werke des Friedens ausgerichtet ist, ein Europa, das seine Anstrengungen und seine Ressourcen bündelt, um das wieder aufzubauen, was fünf Kriegsjahre zerstört haben“, erklärt er am 17. Januar 1949 in Bern. (1) Am 18. Dezember des Jahres spricht er in Brüssel und plädiert für eine Einbindung Deutschlands in den Dienst Europas. Sie werde diesem Land „eine Art Rehabilitierung und für uns eine Garantie“ bringen. Denn Deutschland sei am gefährlichsten, „wenn es auf sich selbst verwiesen ist und so einer furchterregenden und zerstörerischen Gärung überlassen“ werde.
Die französischen Kommunisten beschimpften Schuman als „Boche“ (2), mißtrauen dem 1886 in Luxemburg geborenen „Ost-Franzosen“, dessen Eltern 1870 nach der deutschen Besetzung Lothringens dorthin ausgewandert waren. Er hat in Metz eine deutsche Schule besucht, die Rechte in Bonn, München, Berlin und in Straßburg studiert, im Ersten Weltkrieg in einem deutschen Arbeitsbataillon gediente und bis 1918 die deutsche Staatsangehörigkeit. Von 1919 bis zum Kriegsbeginn zählte er als Abgeordneter der katholischen Volkspartei für Lothringen „Union Républicaine Lorraine“, bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo Hitlers zur ersten Garnitur französischer Parlamentarier, hatte sich der Zusammenarbeit mit den Nazis verweigert, war aus der Internierung in Neustadt an der Weinstraße geflüchtet und mußte bis 1945 im Untergrund leben. Die alles zählt in der unmittelbaren Nachkriegshysterie wenig: Der
PATRIOTE MOSELLAN vom 28. Januar 1950 bildet Schuman in deutscher Soldatenuniform und Bundespräsident Heuss als deutschen Feldwebel ab. (3)
Ganz anders eine - unitarische - Begegnung in Bonn: Der „UV-Rundbrief“ berichtet im März 1950 über einen Besuch Schumans an seinem alten Studienort (3):
„Diplomatische Treffen sind in der Bundeshauptstadt an der Tagesordnung. Die Nachricht aber, daß Robert Schuman für 2 Tage in Bonn Gast sein werde, erregte besondere Beachtung.
Im Jahre 1904 studierte er an der Universität Bonn und war aktiver Bundesbruder von Unitas Salia. AH Dr. Pomp übersandte dem Minister als Gruß folgendes Schreiben:
„Eure Exzellenz gestatte ich mir, bei Ihrem hiesigen Aufenthalt auch im Namen der Bonner Unitas der Sie vor mehr als 4 Jahrzehnten angehörten, herzlich willkommen zu heißen und unserer großen Freude darüber Ausdruck zu geben, daß Sie als von wahrem europäischem Geist erfüllter Staatsmann heute an maßgebender Stelle berufen sind, der freundschaftlichen Annäherung zwischen zwei großen Völkern den Weg zu bereiten. Wir sind überzeugt, daß gerade Sie, Exzellenz, der Sie das deutsche Wesen und die deutsche Seele in Ihren Studienjahren auf den deutschen Universitäten und innerhalb des Unitas-Verbandes mit den Idealen: VIRTUS-SCIENTIA-AMICITIA so genau kennen gelernt haben, der geeignete Mittler auf diesem Weg sein werden.“
Die Aktivitas war sehr erfreut, von Seiner Magnifizens dem Rektor der Universität, Herrn Prof. Dr. Klauser, zu Sonntag morgen in die Ehrenhalle der Universität gebeten worden zu sein, um den Minister mit 3 Vertretern der Korporationen zu begrüßen.
Als seine Magnifizens dem Minister seinen alten Leibfuchsen vorstellte, zeichnete sich aufrichtige Freude im Gesicht des Ministers ab und er hatte Worte des Dankes für die ihm erwiesene Aufmerksamkeiten.
Daran schloß sich die Vorstellung der Senioren an, der Bbr. Bbr. Fischbach, Voß und Knapp. Bbr. Fischbach entbot die ehrerbietigsten Grüße aller Bundesbrüder. Robert Schuman erklärte sehr aufgeschlossen und sichtlich angesprochen, daß ihn die Nennung des Namens „Unitas“ um Jahre verjünge. Geleitet von dem Gefühl, während des Studiums nicht allein stehen zu wollen, habe er sich der Korporation angeschlossen, die mit ihren Prinzipien seiner inneren Einstellung am meisten entsprochen habe. Zum Schluß drückte er den Senioren noch einmal herzlich die Hand und versicherte, daß sie bei einem Besuch in Paris ihm herzlich willkommen seien.
Nachdem der Minster Bonn wieder verlassen hatte, sandte er an AH Dr. Pomp ein Schreiben, das folgendermaßen lautete:
„Mit meinem herzlichen Dank und in freundlicher Erinnerung an Herrn Dr. Pomp und die gesamte Unitas Schuman.“
Ein Minister auf Staatsvisite, der Kontakt zu seinem ehemaligen Studentenverein sucht: Hier, in Bonn, war er 1904 der UNITAS-Salia beigetreten, bevor er 1905 zu UNITAS München wechselte, um sich 1906 UNITAS-Arminia zu Berlin und danach bis zum Studienabschluss UNITAS-Straßburg anzuschließen. Während des Gesprächs drückt er dem Senior einen Umschlag mit tausend Mark in die Hand - für die damaligen Maßstäbe viel Geld - und bemerkt: „Als Ausgleich für meine unterbliebenen Beitragszahlungen.“ (5) Diese hatte Schuman eingestellt, nachdem die Nationalsozialisten 1933 den UNITAS-Verband in Deutschland zur Aufgabe des Katholizitätsprinzips genötigt hatten, und bis zum endgültigen Verbot des Verbandes nach dem „Anschluss“ Österreichs an die dortige UNITAS überwiesen.
Das Bonner Zusammentreffen war eine Begegnung nur wenige Wochen vor einer „politischen Großtat“ (6): Am 9. Mai 1950 verkündet Minister Schuman im Salon de l´Horloge des Außenministeriums am Quai d´Órsay seine „Historische Erklärung“. (7) Der Friede der Welt könne nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen, sagt er einleitend. Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten könne, sei unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen. „Europa läßt sich nicht mit einem Schlag herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, daß der Jahrhunderte alte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muß in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen. Zu diesem Zweck schlägt die französische Regierung vor, in einem begrenzten, doch entscheidenden Punkt sofort zur Tat zu schreiten.“
Schumans Wille zur Aussöhnung der ehemaligen Kriegsgegner und zur radikalen Abkehr vom Nationalstaatsdenken der Vergangenheit gewinnt Gestalt: Er fordert als ersten Schritt zu einer politischen „Föderation Europas“ die Verschmelzung der deutschen und französischen Grundstoffindustrien - die Montan-Union. Durch die Zusammenlegung in der Kohle- und Stahlproduktion beider Länder werde die Schaffung der gemeinsamen Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern - „die erste Etappe der europäischen Föderation“ - einen Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft ermöglichen und die Bestimmung jener Gebiete ändern, die lange Zeit der Herstellung von Waffen gewidmet waren, deren sicherste Opfer sie gewesen sind, äußert Schuman: Die Solidarität der Produktion, die so geschaffen werde, „wird bekunden, daß jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich ist. Die Schaffung dieser mächtigen Produktionsgemeinschaft, die allen Ländern offensteht, die daran teilnehmen wollen, mit dem Zweck, allen Ländern, die sie umfaßt, die notwendigen Grundstoffe für ihre industrielle Produktion zu gleichen Bedingungen zu liefern, wird die realen Fundamente zu ihrer wirtschaftlichen Vereinigung legen.“
Der gesamten Welt werde diese Produktion ohne Unterschied und Ausnahme zur Verfügung gestellt werden, um zur Hebung des Lebensstandards und zur Förderung der Werke des Friedens beizutragen. Europa werde, so Schuman, dann mit vermehrten Mitteln die Verwirklichung einer seiner wesentlichsten Aufgaben verfolgen können: die Entwicklung des afrikanischen Erdteils. „So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerläßlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschließt, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren“, erklärt Schuman, dessen Plan im weiteren auch Näheres zur Struktur der Hohen Behörde umfaßt.
Die Überraschung in der internationalen Staatengemeinschaft ist groß: Niemand hat einen solchen Vorschlag erwartet - vor allem nicht von französischer Seite. Konrad Adenauer, dem Schuman - obwohl sie zur gleichen Zeit in Bonn studiert hatten - im August 1949 zum ersten Mal begegnet war und mit dem ihn in den folgenden Jahren eine tiefe Freundschaft verband, hatte im März eine deutsch-französische Wirtschaftsunion vorgeschlagen. Doch was Schuman forderte, der sich lediglich der Zustimmung Bundeskanzler Adenauers und des Luxemburger Ministerpräsidenten Josef Bech versicherte, ging weit über eine bilaterale Lösung hinaus. Sein Ziel: die Europäische Union und ein Europäisches Parlament. Die zunächst zögernden Politiker in Den Haag, Brüssel und Rom stimmten zu - Schuman kündigt an, er werde seinen Plan notfalls auch mit einem einzigen Partner verwirklichen.
Der vom 3. - 9. August 1950 in München tagenden 73. Generalversammlung der UNITAS schrieb Schuman: „LE MINISTRE, AFFAIRES ETRANGERES - Strasbourg, le 4 aout 1950 - Aus Strasbourg, dem Sitz des zurzeit tagenden Europa-Rates entbiete ich dem Unitas-Verband in freundlicher und dankbarer Erinnerung meine besten Wünsche für geistiges Gedeihen und wirksame Friedensarbeit.“ (8) Wie wichtig ihm die Verbindung zur UNITAS geblieben war, illustriert der UV-Rundbrief im Oktober: Er gab Ausschnitte aus einem längeren Artikel von Bbr. Elmar Caspar wieder, der in der Mainzer Studentenzeitung davon berichtete, dass er anläßlich einer Studienfahrt Mainzer und Freiburger Studenten nach Paris mit einem weiteren Bundesbruder einen spontanen Besuch bei Schuman im Quai d´Orsay unternommen hatte. Bei seinem letzten Deutschland-Besuch, schreibt Caspar, habe sich Schuman „vor Angehörigen seiner alten Stammverbindung - der Bonner Unitas-Salia - geäußert, daß er sich heute noch zu den Zielen der UNITAS bekenne.“
Zunächst hätten sich die beiden Bundesbrüder für ihren Plan wenig Hoffnung gemacht, schließlich in Paris aber doch „die verblüffend wenigen Instanzen bis zum Sekretär des Ministers auf Anhieb“ durchlaufen. Zwar sei der Zeitpunkt wegen Gesprächen der Außenminister der Marshall-Plan-Länder bei Schuman ungünstig gewesen, ihr Staunen dafür umso größer, als der Sekretär mit der Einladung erschien. „Es begann ein kurzes Märchen für uns“, schildert Bbr. Caspar die Begegnung, Diener im Frack und mit schweren silbernen Halsketten brachten sie in einen prachtvoll ausgestatteten Salon, dienstbare Geister öffneten auf ein Klingelzeichen zwei große Flügeltüren. Etwas beklommen sei ihnen zumute gewesen: „Schuman jedoch ließ keine Verlegenheitsmomente aufkommen, sondern kam uns sogleich freundlich bis zur Tür entgegen, begrüßte uns, und innerhalb weniger Minuten saßen wir schon in zwanglosem Gespräch gemütlich beisammen. Die verschiedensten Themen wurden berührt, so daß die Zeit schier wie im Fluge verging. Der Minister interessierte sich natürlich für unsere Korporation und für das studentische Leben an unserer jungen Mainzer Universität.“ Aber auch eine „kleine Exkursion auf die politische Ebene sei unerläßlich“ gewesen, wie Caspar schreibt. „Schuman bedauerte u.a., daß es so viel ungerechte Kritik gebe, die immer wieder vergesse, daß bei der heutigen Lage nie eine Änderung von heute auf morgen möglich sei. Es erfordere sehr, sehr viel Geduld, bis man - sei dies nun innen- oder außenpolitisch - Erfolge erzielen könne. - Auch etwas spannungsgeladene Themen konnten dem überaus freundschaftlichen Charakter unseres „Round-Table-Gespräches“ nichts anhaben.“
Der Außenminister habe ihnen anschließend die Räume gezeigt, „u.a. den berühmten Salle d´Horloge, in dem schon so viele Verträge und Abkommen geschlossen worden“ seien. Caspar schließt: „Nach einer herzlichen Verabschiedung entließ uns unser hoher Gastgeber mit freundlichen Grüßen an unsere Mainzer Bundesbrüder, wobei er uns noch bei seiner nächsten Deutschlandreise einen inoffiziellen Mainz-Besuch versprach.“ (9)
Was die jungen Unitarier nicht ahnen konnten: In dem erwähnten „Uhrensaal“ des Außenministeriums am Quai d´Órsay unterzeichneten am 18. April 1951 Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Italien, Luxemburg und die Niederlande den Vertrag, mit dem sie die Montan-Union begründeten, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS; C.E.C.A. - Communauté Européenne du Charbon et de lÁcier) ins Leben riefen. Die entscheidende Vorstufe für gemeinsames Europa, der Durchbruch für ein neues poltisches Denken: Auch wenn am 30. August 1954 die Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft im französischen Parlament scheiterte - Schuman war seit 1953 nicht mehr im Amt -, entstanden mit dem Vertrag von Rom vom 25. März 1957 mit der Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM), schließlich mit dem Gemeinsamen Agrarmarkt (1962) und der Zollunion (1968) Strukturen, denen in den Folgejahren immer mehr europäische Staaten beitraten.
Robert Schuman selbst hat diese Entwicklung nicht mehr erlebt. Seine Vision vom „Vaterland Europa“ mußte sich zu seinen Lebzeiten der gaullistischen Rede und Politik vom „Europa der Vaterländer“ beugen - er sah es schweren Herzens. Doch der Traum des „Propheten der Zukunft“, des „Pilgers für Europa“ und erster Präsident des Europäischen Parlamentes, der Traum von Europa, für den er selbst den ersten konkreten Schritt einleitete, und der Deutschland den Weg zurück in die Völkergemeinschaft ebnete, nimmt bis heute weiter Gestalt an.
„Die Solidarität der Nationen ist die große Lehre der jüngsten Vergangenheit“, sagte Robert Schuman am 23. August 1953, dem 800. Todestag Bernhards von Clairvaux bei der Grundsteinlegung für eine dem Heiligen geweihten Kirche in Speyer. (10) „Wie so oft lernt die Menschheit aus den Exzessen des Irrtums und der Bosheit die alten vergessenen Wahrheiten wieder. Die christliche Nächsten- und Bruderliebe lebt wieder auf und entfaltet sich in den freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Staaten und Völkern, die wir brauchen, die wir begründen wollen“: Robert Schumans Vision einer „universellen Solidarität“ in einem
ungeteilten Europa, das versöhnt mit der Pluralität der Traditionen und Überzeugungen zum Vorbild für Fortschritt, Solidarität, Verantwortung und Zivilisation werden sollte. Den UNITAS-Vereinen in Münster schrieb er 1955 zum Stiftungsfest: „Amicitia über die nationalen Grenzen hinaus soll nunmehr ein Losungswort sein für die Unitas.“ (11)
Als Robert Schuman am 7. September 1963 in Scy-Chazelles zu Grabe getragen wird, ist außer der französischen Trikolore nur eine einzige weitere Fahne vertreten. Auf seinen ausdrücklichen persönlichen Wunsch hin begleitet ihn die blau-weiss-goldene Fahne der UNITAS, getragen vom Senior der UNITAS-Rhenania, mit zwei Bundesbrüdern seiner UNITAS Salia und der UNITAS Stolzenfels. (12)
Quellen:
(1) s. Robert Schuman (1886-1963). Ein Moselländer in der Politik - Aspekte aus seinem Leben, bearb. v. Marion DUVIGNEAU, hg. v. Karl Heinz DEBUS, Speyer 1994 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Katalogreihe),38ff.
(2) vgl. Albert KRAUS: „Sein oberstes Ziel war die Sicherung des Friedens. Der Katholik Robert Schuman kämpfte mit Leidenschaft für die europäische Einigung“, in: DEUTSCHE TAGESPOST v. 16. April 1991
(3) vgl. (1)
(4) UV-Rundbrief, herausgegeben vom Vorort und Altherren-Bund des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS“ Nr. 3, März 1950, 2
(5) Vgl. B. MIHM Robert Schuman. Lebensbild in: UNITAS-Handbuch I, hg. v. Wolfang Burr, Siegburg 1995 (UNITAS Schriftenreihe, Bd. 10), 310-316, hier 313f.
(6) s. (2)
(7) im folgenden vgl. „Robert Schuman. Europäer aus christlicher Verantwortung“, hg. v. Hans August LÜCKER, Vallendar-Schönstatt 1992, 18f., weitere Literatur: Victor CONZEMIUS, Robert Schuman. Christ und Staatsmann, Hamburg-Freiburg/Schweiz 1985; Ludwig FREIBÜTER, Der Unitarier Robert Schuman, in: unitas 1986, 94.
(8) UV-Rundbrief, Nr.9/10, September/Oktober 1950,4. Der Europa-Rat wurde am 5. Mai 1949 geschaffen.
(9) ebd., „Aus dem Verbande. Ein Besuch bei Außenminister Schuman“, 9
(10) vgl. (1), 46ff. Schuman wird bei dem hochsymbolischen Akt dort von deutschen und französischen Jugendlichen begeistert gefeiert. Nuntius Aloysius Muench legt den Grundstein, es sprechen Adenauer, Schuman und der französische Botschafter André Francois Poncet. Bernhard von Clairvaux, den Gründer der Zisterzienser, bezeichnet Schuman als den ersten großen Europäer. Am Abend der Veranstaltung ergreift u.a. auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Bbr. Dr. Karl von Löwenstein, das Wort.
(11) vgl. Anm. 5, 314
(12) vgl. „Ein edler Christ, ein großer Europäer, ein treuer Unitarier“, in: unitas 1963, 182ff.
Zur Person
1886 - am 29.Juni als Jean-Baptiste Nicolas Robert Schuman in Clausen (Luxemburg) geboren
1896-1903 - Großherzogliches Gymnasium „Athenaeum“ in Luxemburg, Abitur am kaiserlichen Gymnasium in Metz
1904-1908 - 1. Semester an der Universität Bonn, Beitritt zum Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS, Studium der Rechtswissenschaften, Volks-, Welt- und Finanzwirtschaft 1905 in München, 1905/06 in Berlin, 1906-08 in Straßburg und 1.Staatsexamen
1908-1910 - Referendar in Metz
1910 - Promotion zum Dr. iur. mit „summa cum laude“
1912 - 2.Staatsexamen, Mitglied der Görresgesellschaft
1913 - Organisator des Deutschen Katholikentages in Metz
19-1918 - Zivilbeamter am Bezirkspräsidium in Boulay
1918 - Stadtrat in Metz
1919 - Abgeordneter der französischen Nationalversammlung für die „Union Républicaine Lorraine“ (bis zur Verhaftung durch die Gestapo 1941), seit Beginn des II. Weltkrieges Staatsekretär für das Flüchtlingswesen
1941-1945 - Verhaftung durch die deutsche Besatzungsmacht, aus Lothringen ausgewiesen, deportiert in „Sonderhaft“ nach Neustadt/Weinstraße (Rheinland-Pfalz), Flucht in die Benediktinerabtei St. Martin bei Ligugé, lebt versteckt in einem Trappisten-Kloster und in einem Waisenhaus
1945 - Abgeordneter des MPR für die Nationalversammlung, Präsident des Finanz-Ausschusses
1946 - Finanzminister
1947-1948 - Ministerpräsident
1948-1952 - Außenminister in acht Kabinetten der „politischen Mitte“, Außenpolitik mit europäischem Profil: 9.Mai 1950 „historische Erklärung“ für die neue Struktur Europas mit dem Vorschlag, die Grundindustrien Deutschlands und Frankreichs als ersten Baustein einer europäischen Föderation zusammenzulegen. Die „Montan-Union“ (1952) soll politisch zur „Féderation de l'Europe“ führen. Seine wesentlich von ihm mitvorbereiteten Verträge zur „Europäischen Verteidigungsgemeinschaft“ und zur „Europäischen Gemeinschaft“ werden von der Nationalversammlung verworfen - die Zeit für seine Vision eines geeinten Europas ist noch nicht reif.
1953 - die von Schuman beeinflusste „Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten“ tritt in Kraft, heute in 26 europäischen Staaten für 500 Millionen Menschen gültig, prägt entscheidend die geistigen Grundlagen des KSZE-Prozesses
1953-1958 - in allen europäischen Ländern wirkt Schuman in zahllosen Vorträgen als „Pilger Europas“ und wirbt für seine politische Vision Europas
1958-1960 - Präsident des Europäischen Parlaments - zu seiner einmütigen Wahl gibt es stehende Ovationen für den „Vater Europas“
1958 - Karlspreis der Stadt Aachen
1959 - Erasmus-Kulturpreis zusammen mit Karl Jaspers
1963 - am 4.September stirbt Robert Schuman im Alter von 77 Jahren in Scy-Chazelles bei Metz. Seinem Sarg zieht die Fahne der UNITAS-Salia voraus.
Vollversammlung in Würzburg und Scy-Chazelles -
Seligsprechungsprozess in entscheidender Phase
VON BBR. DR. KARL-HEINZ GORGES, TRIER
Das Verfahren befinde sich in seiner entscheidenden Phase, erklärte der Exekutivpräsident Hans August Lücker bei der diesjährigen Vollversammlung des deutschen „Komitees zur Seligsprechung von Robert Schuman" in am 26. April 2002 in Würzburg. In Anwesenheit des Präsidenten des deutschen Komitees, Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz (Augsburg), berichtete er, dass noch im Herbst die vollständigen Unterlagen nach Rom gesandt werden sollen. Zum Jahresende 2004 könne eine Entscheidung erwartet werden. Lücker, ehemals Vizepräsident des Europaparlamentes, bestätigte, er selbst habe bereits vor zwei Jahren 7.000 Seiten Bild- und Textdokumente zum Lebenswerk des Europäischen Politikers im Vatikan eingereicht: Er hob erneut hervor, dass Papst Johannes Paul II. Robert Schumann als „authentischen Christen und zugleich außergewöhnlich fähigen Staatsmann und ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas" bezeichnet habe.
Die Generalversammlung des französischen Komitees tagte am 1. Juni 2002 in Metz in Scy-Chazelles im Hause von Robert Schuman. Das „Institut St. Benoit“ Montigny-les-Metz, Antragstellerin für den Seligsprechungsprozess für Bbr. Robert Schuman, begann ihre Sitzung unter großer Beteiligung mit einer Hl. Messe in der Kapelle der Herz-Jesu-Schwestern, dem Hause in Scy-Chazelles gegenüber, das Bbr. Robert Schuman während 40 Jahren bewohnt hatte. Anschließend versammelten sich die Teilnehmer zu einem kurzen Gebet in der Wehrkapelle St. Quirin, wo Robert Schumann seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Vorsitzende der Generalversammlung, Präsident Notar Gilbert Grandidier, gab im Einverständnis mit Bischof Raffin von Metz die Ernennung des Metzer Domkapitulars Joseph Jost zum neuen Postulator im Seligsprechungsprozess für Bbr. Schuman bekannt. Von diesem Wechsel erwartet man einen beschleunigten Abschluss der Berichterstattung. Die Ergebnisse der geschichtlichen wie auch theologischen Kommission sind weit fortgeschritten, so dass die Phase der kanonischen Untersuchung in Metz bald mit der Weitergabe des Prozessberichtes nach Rom endet.
Die Versammlung verabschiedete eine Entschließung, die Hans August Lücker persönlich an den Präsidenten des EU-Verfassungskonventes, Valéry Giscard d'Estaing übermittelt. Eine Entschließung sicherlich im Sinne von Robert Schuman, die andere gesellschaftliche Gruppen und Verbände zur Nachahmung ermutigen sollte. Wir dokumentieren im folgenden den Text im Wortlaut.
Entschließung
„Wir appellieren an den Konvent der Europäischen Union (EU) und an den Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs, dafür Sorge zu tragen, dass der Text eines neuen Verfassungsvertrages mit einer Anrufung Gottes beginnt, um gemäß unserer 3000-jährigen Kultur die Bereitschaft unserer Völker und ihrer Regierungen sichtbar zu machen, dass wir unsere Herrschaft über die Erde und die Schöpfung in Verantwortung vor Gott ausüben, wie alle großen Religionen und Kulturen das absolut höchste Wesen nennen. Für die große Mehrheit der europäischen Völker und ihrer Religionen Judentum, Christentum und Islam ist es der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sollte Europa sich von diesem geistig-kulturellen Fundament lösen - wie gegenwärtige einzelne Tendenzen bereits zu beobachten sind - wird Europa und seine Kultur dem Verfall anheimfallen, wie die Geschichte der Menschheit lehrt. Die Menschen- und Grundrechte sind vorgegeben von Gott, können nicht von der Gesellschaft oder vom Staat eingesetzt werden, der sie jedoch auch zu eigenem Nutzen schützen soll.
Wir unterstützen die territoriale und politische Erweiterung der Europäischen Union nach Mittelost- und Südosteuropa, weil mit ihr Europa seine historischen Grenzen wieder erlangt. Die Heimkehr dieser Länder nach Europa war immer Bestandteil der Politik der europäischen Einigung seit den Gründungsvätern. Auf mittlere und lange Sicht wird sie allen Beteiligten zum Vorteil gereichen.
Der neue Vertrag sollte in einer Präambel die großen Ziele und Felder der Politik der EU nach innen und außen definieren, damit in der Entwicklung der Globalisierung der Welt der geistig-kulturelle, der wirtschaftlich-gesellschaftliche sowie der außen- und sicherheitspolitische Standort Europas nach innen und außen sichtbar wird. Unser Europa muss den Willen haben, die Kraft und Anstrengungen aufbringen, um morgen seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit wiederzugewinnen und eine mitentscheidende Größe im Konzert der Welt zu sein.
Wir erwarten mit großer Ungeduld, dass aufgrund der Schlussempfehlung des Konvents der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs die Entscheidungen trifft, die die Europäische Union volksnah, effizient und funktionsfähig machen: Und zwar in demokratischer Ausgewogenheit zwischen Legislative (direkt gewähltes Parlament und Kammer der Mitgliedstaaten), einer starken Exekutive (Hohe Kommission mit den notwendigen Vollmachten einer Regierung), dem Europäischen Gerichtshof und dem Europäischen Rechnungshof (beide vorhanden, müssen nur angepasst werden). Insbesondere sollte auch ein „Präsident der Europäischen Union“ für eine angemessene Amtszeit auf Vorschlag des Europäischen Rates von den zwei legislativen Kammern (die einen Europäischen Kongress bilden könnten) gewählt werden.“
Bonn, 26, April 2002, Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Einigung aus christlicher Verantwortung e.V., Präsident: Prof. Dr, Hans-Albrecht Schwarz-Liebermann von Wahlendorf, Exekutivpräsident: Hans August Lücker, Generaldirektor i.R.
Hinweis an alle Bundesgeschwister:
Mit der Bestellung des Buches „Robert Schuman und die Einigung Europas“ von Hans August Lücker und Jean Seidlinger (SAINT-PAUL Verlag, Luxemburg 2000, 22
EUR) wird gleichzeitig der Seligsprechungsprozess mitfinanziert. Spendenquittung für Buch und evtl. Spende durch die „Ges. z.
Förd. d. Europ. Einigung aus chr. Verantw. e.V., Kto. 0212878, BLZ 38070024, Deutsche Bank 24-Filiale Bonn.