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Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
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Aus: unitas 2000

 

„Robert Schuman hat die Welt verändert ...“ 

Fragen an Hans-August Lücker, Exekutiv-Präsident 
des Comitée zur Seligsprechung Robert Schumans, „Vater Europas“



unitas: Herr Lücker, Sie sind Exekutiv-Präsident des deutschen und des französischen Comitées für die Seligsprechung Robert Schumans. Welche Aufgabe haben diese Comitées?

Lücker: Der Antrag auf Seligsprechung muss durch Laien an den zuständigen Bischof herangetragen werden. Dieser gibt das Anliegen weiter nach Rom. Wenn Rom dann sein nihil obstat gibt, kann der Bischof das offizielle Verfahren eröffnen. Dies geschah im Fall von Robert Schuman 1989/90 durch den zuständigen Ortsbischof von Metz, Pierre Raffin, sehr schnell, weil Papst Johannes Paul II. auf Grund seiner persönlichen Kenntnisse an der Seligsprechung Robert Schumans in besonderer Weise interessiert war und ist. In seiner berühmten Rede vor dem Europäischen Parlament im Oktober 1988 hat er als einzigen Robert Schuman mit anderen, er hat nicht gesagt: und andere, er hat mit anderen dieses Europa in Gang gebracht als eine Verpflichtung an die Würde des Menschen und an ihre Freiheit (...) Robert Schuman, sagt er weiter, ist ein authentischer Christ, der zugleich ein außerordentlich fähiger Staatsmann war; und er bleibt ein ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas. 

Die französischen Freunde, mit denen ich natürlich seit Jahren gut bekannt war, baten mich dann, dass wir von deutscher Seite dieses Anliegen unterstützen. Ich habe sofort ja gesagt, weil ich mir natürlich darüber im Klaren bin, wie viel wir Deutschen Robert Schuman zu verdanken haben. Es klingt vielleicht für manche Ohren etwas merkwürdig, wenn ich das sage: Deutschland wäre heute nicht das, was es ist ohne Robert Schuman. Ich habe alle großen Männer der Zeit nach dem Krieg kennen gelernt. Ich wüsste keinen, der diese Politik der Versöhnung eingeleitet hätte, die Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg mit Deutschland mit dem Ziel, Deutschland als gleichberechtigtes Mitglied wieder in den Kreis der freien Völker zu führen. 

Ich habe dann dem damaligen Augsburger Bischof Josef Stimpfle – leider ist er 1996 viel zu früh verstorben –, den ich aus langjähriger Zusammenarbeit, insbesondere von den Europäischen Kulturtagen in der Abtei Ottobeuren kannte, meine Pläne für die Errichtung eines deutschen Comitées vorgetragen und bat ihn, den Vorsitz zu übernehmen. Er war sofort dazu bereit, so dass wir dann gemeinsam an die Arbeit gehen konnten. Unsere französischen Freunde baten uns dann auch, uns an den Kosten zu beteiligen. 

unitas: Wie hoch sind die Kosten und wie setzen sie sich zusammen?

Lücker: Die Kosten betragen rund 200.000 US-Dollar, das sind etwa 400.000 DM. Bischof Stimpfle und ich haben damals unseren französischen Freuden zugesagt, dass wir die Hälfte übernehmen, also rund 200.000 DM. 

unitas: Wie soll das Geld aufgebracht werden?

Lücker: Damals schien mir das vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen mit anderen Projekten kein großes Problem zu sein. Doch ich habe mich grundlegend getäuscht. Die Nachwirkungen der Flick-Affäre Mitte der achtziger Jahre – die ja heute wieder aktuell diskutiert werden – haben das ganze Mäzenatentum stillgelegt. Die junge Generation in den Führungsetagen der großen Unternehmen macht da nicht mehr mit. Die Art und Weise des modernen Sponsoring der heutigen Zeit kann man für ein Seligsprechungsverfahren nicht anwenden. Ich habe dann viele andere Initiativen ergriffen, u. a. eine Ausstellung durchgeführt, für die ich allerdings keinen Eintritt, sondern nur Spenden nehmen konnte. Dabei kam jedoch zu wenig zusammen. Ich kann bis heute über etwa 40.000 DM verfügen. 

unitas: Wofür wird das Geld verwendet?

Lücker: Sowohl das französische als auch das deutsche Comitée tragen alle im Rahmen ihrer Arbeit anfallenden Kosten selbst. Die genannten Kosten fallen ausschließlich in Rom an. Zum Beispiel müssen alle Akten auf einem besonderen Pergament aus Ziegenhäuten geschrieben werden, weil die Dokumente über mehrere Jahrhunderte hinweg lesbar bleiben müssen. Dies ist mit erheblichen Kosten verbunden. 

unitas: Soeben ist ihr neues Buch unter dem Titel „Robert Schuman und die Einigung Europas“ erschienen, das Sie zusammen mit Ihrem alten Weggefährten Jean Seitlinger verfasst haben. Auch dieses Projekt wollen Sie in den Dienst des Seligsprechungsprozesses stellen!

Lücker: Das ist richtig. Ich habe Robert Schuman 17 Jahre gekannt und er wurde mir im Laufe der Jahre ein väterlicher Freund. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen wurde ich von europäischen Freunden gedrängt, ein Buch über ihn zu schreiben. Ich wollte zunächst nicht, weil ich es mir nicht zutraute, die große Persönlichkeit Robert Schumans ganz zu erfassen. Es gibt bis heute keine Publikation, die dies versucht. Es wurde viel über Robert Schuman geschrieben, aber es gibt bis heute kein Buch, das versucht, diese Persönlichkeit ganz darzustellen. Alte Freunde wie Pierre Pflimlin und der ehemalige Luxemburger Ministerpräsident Werner haben mich dann dazu gedrängt, doch die Sache anzugehen. Nach dem Urteil einiger Professoren, die das Manuskript gelesen haben, ist es wohl ein ganz gutes Buch geworden.

Ich konnte dann meinen alten Freund Jean Seitlinger als Mitautor gewinnen. Das Buch erscheint als Gemeinschaftsproduktion in deutscher und französischer Sprache in der Luxemburger Editions Saint-Paul und im Bonner Verlag Bouvier. Es ist zu einem Ladenpreis von 40 DM erhältlich. Ich möchte nun anbieten, wenn jemand bereit ist, 100 DM oder mehr zu geben, erhält er über den den Buchpreis übersteigenden Betrag eine abzugsfähige Spendenbescheinigung. Diese Summe kommt dann voll und ganz dem Seligsprechungsprozess von Robert Schuman zu Gute. [Anm. d. Red.: Die Bestelladresse und Kontonummer ist am Ende des Interviews abgedruckt]

Ich setze dabei besonders auf die katholischen Studenten- und Akademikerverbände. In unserer heutigen Zeit stellen diese Verbände noch ein ethisch-moralisches Rückgrat in unserer Gesellschaft dar. Sie können sie zwar nicht grundlegend ändern, aber sie machen doch deutlich, dass es noch etwas anderes gibt als die Modernismen unserer Zeitströmungen. CV, KV und vor allem der Unitas-Verband, dem Robert Schuman seit seiner Bonner Studentenzeit als Mitglied angehörte, haben zusammen fast 60.000 Mitglieder. Wenn nur 5 % davon aktiv bei meiner Aktion mitmachen würden, könnte aus diesen Einnahmen der gesamte deutsche Beitrag zum Seligsprechungsprozess finanziert werden.

unitas: Wie ist der aktuelle Stand des Seligsprechungsprozesses und wie sind die Perspektiven zeitlich einzuordnen?

Lücker: Wir hatten etwas Pech. Zwei der Postulatoren sind frühzeitig verstorben. Es mussten dann jeweils neue geeignete Personen gesucht werden, was zusätzlich Zeit in Anspruch genommen hat. Jetzt hat die Aufgabe der Benediktiner René Bornert übernommen. Er hat zugesagt, nach Möglichkeit bis Spätherbst dieses Jahres die Postulationsschrift fertig vorzulegen. Sobald der Text in Rom eingegangen ist, haben wir von dort die Zusicherung, dass der Prozess in etwa zwei Jahren abgeschlossen werden kann. 

unitas: Kann die Tatsache, dass Papst Johannes Paul II. persönlich sehr stark an der Seligsprechung interessiert ist, das Verfahren beschleunigen?

Lücker: Ich denke schon. Zusammen mit Bischof Stimpfle war ich dreimal beim Papst, und wir haben das Anliegen frei mit ihm diskutiert. Er ist so sehr an Robert Schuman interessiert, weil er ihn in unserer heutigen Zeit ganz besonders als Beispiel herausstellen möchte. 

Nach dem jetzigen Stand rechne ich mit der Seligsprechung im Jahr 2002 oder 2003, entweder in Rom oder in Metz. Ins Auge gefasst ist ein Termin um den 9. Mai herum, das Datum der historischen Erklärung Robert Schumans aus dem Jahr 1950 zur politischen Einigung Europas. Ich hoffe, dass wir diesen Zeithorizont einhalten können. Er würde auch gut in den europäischen Kontext passen, weil bis zum Jahr 2002 nach meiner Auffassung die Reformen der EU beschlossen sein müssten, im Sinne von Robert Schuman eine europäische Föderation zu errichten. 

unitas: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Hermann-Josef Grossimlinghaus.

 

  
Unser Gesprächspartner:

Hans August LÜCKER

¨ Jahrgang 1915, mit Robert Schuman seit 1948 bekannt und später gut befreundet
¨ Seit 1948 in führenden Wirtschaftspositionen
¨ Ab 1953 MdB und MdEP
¨ 1958 an der Seite Robert Schumans Mitbegründer des Europäischen Parlaments und dessen erster Vize-Präsident sowie Vorsitzender der christliche-demokratischen Fraktion
¨ 1976 Exekutivpräsident der neugegründeten Europäischen Volkspartei (EVP)
¨ Europäischer Co-Präsident der parlamentarischen Konferenz EG-Lateinamerika und Co-Präsident für die Süderweiterung der EG
¨ Als Exekutivpräsident der Christlichen Demokraten auf europäischer und internationaler Ebene rund 30 Jahre Inspirator und Integrator ihrer Politik


Wer das Angebot von Hans-August Lücker nutzen und durch den Erwerb seines Buches in Verbindung mit einer Spende für den Seligsprechungsprozess einen finanziellen Beitrag leisten möchte, kann dies durch entsprechende Überweisung von DM 100,- (oder mehr) an die Gesellschaft zur Förderung der Einigung Europas aus christlicher Verantwortung e. V. unter Angabe des Verwendungszwecks Robert Schuman (Buch + Spende), Kontonummer 021 28 78 bei Deutsche Bank 24-Filiale Bonn (Bankleitzahl 380 700 24) tun. Das Buch wird ihm dann automatisch zugesandt. 


Robert-Schuman-Pilgerreise nach Rom

Vom 30. Oktober bis 5. November 2000 veranstaltet die Gesellschaft zur Förderung der Einigung Europas aus christlicher Verantwortung e. V. eine besonders auf Robert Schuman ausgerichtete Pilgerreise nach Rom. Das Programm enthält u. a.: eine Begegnung mit Papst Johannes Paul II. bei einer Messe im Petersdom; Messen mit den Kardinälen Ratzinger und Poupard mit einer Ansprache und anschließendem Dialog; eine Vortrags-Veranstaltung (ggf. mit einer Ausstellung über Robert Schumann). 

Abflugmöglichkeiten von Köln/Bonn – Frankfurt/Main – Stuttgart – München. Die Unterbringung erfolgt in Drei- und Vier-Sterne-Hotels in zentraler Lage; Preis bei 7 Übernachtungen (inklusive Flug): DM 2.000,- bis 2.300,- pro Person. Interessenten wenden sich bitte an: 
Comitée für die Seligsprechung Robert Schumans
Exekutiv-Präsident Hans-August Lücker
Ferdinandstraße 64
53127 Bonn
Tel./Fax 02 28 / 28 10 93