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Hier Archivmeldungen von der Wiederbegründung 1989 bis zum Winter 2004
23. Juli 1996
„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“
Reinhard Marx jüngster Bischof Deutschlands

Am 23. Juli, zum Hochfest des Bistumspatrons Liborius, hat Papst Johannes Paul II. unseren Bundesbruder Dr. Reinhard Marx zum Weihbischof des Erzbistums Paderborn ernannt. Gemeinsam mit dem ebenfalls ernannten Heinz Josef Algermissen, Dekan der Seelsorgeregion Minden-Ravensberg-Lippe, wird Bbr. Marx am 21.September im Hohen Dom zu Paderborn geweiht werden.

Bischof Karl Lehmann hieß als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz die beiden Weihbischöfe in der Gemeinschaft der Bischöfe willkommen. Sie würden durch ihre Erfahrung und Kompetenz im Bereich der Soziallehre der Kirche und ihre Vermittlung sowie in pastoraler Hinsicht und im Blick auf Dienst und Leben der Priester die Erfüllung des gemeinsamen Auftrages erleichtern helfen, hieß es in dem Glückwunschtelegramm.

Just zu seinem 43. Geburtstag wird Reinhard Marx durch die Weihe nun zu einem Amt beauftragt, daß sicher große Herausforderungen stellt. Gefragt ist dazu pastorale, wissenschaftliche und soziale Kompetenz, die ihn aber zweifellos auszeichnet: Reinhard Marx, 1953 in Geseke geboren, studierte Theologie in Paderborn, wo er 1975 in die UNITAS Hathumar eintrat. Am 2.Juni 1979 zum Priester geweiht, übernahm er zunächst die Vikarsstelle an St. Johann Baptist in Arolsen und wurde 1981 Geistlicher Rektor der Dortmunder „Kommende“, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Zugleich war er bis 1989 Diözesanbeauftragter für Betriebsseelsorge.

Parallel studierte Marx in Münster und Bochum Christliche Sozialwissenschaften, die er 1989 mit dem Doktor der Theologie abschloß. Erzbischof Joachim Degenhardt ernannte ihn im selben Jahr zum Subsidiar an St. Ewaldi in Dortmund-Aplerbeck und gleichzeitig zum Direktor der „Kommende“, die als Ort des gemeinsamen Arbeitens für Schüler und Studenten, aber vor allem als Forum für Gespräche zwischen Kirche, Gewerkschaftsvertretern und Unternehmern eine hohe Reputation erworben hat. Von Papst Johannes Paul II. 1993 mit dem Titel „Päpstlicher Ehrenkaplan“ ausgezeichnet, wurde Dr. Marx im April 1996 von Erzbischof Degenhardt zum außerordentlichen Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn berufen.

Sorge um Kirche und Welt

Seiner Sorge um die Zukunft der Kirche ließ Reinhard Marx Taten folgen: So gründete er gemeinsam mit Wilfried-Bernhard Theising und Rolf Lohmann, Bundesbrüdern der UNITAS Winfridia, und rund 40 weiteren Geistlichen zu Beginn des Jahres die „Priesterinitiative Johannes XXIII.“. Die Gründung soll nach dem Willen der Initiatoren dazu beitragen, in Zeiten des Umbruchs in Kirche und Gesellschaft einen Beitrag zur theologischen Vertiefung der priesterlichen Existenz zu leisten. Erklärtes Ziel der Mitglieder ist, sich in den innerkirchlichen Dialog über die Zukunft der Kirche einzumischen und so zu einem positiven Priesterbild beizutragen.

Dieses Engagement für Kirche und Gesellschaft, dieses positive Priester- und Menschenbild, lebt Reinhard Marx selbst vor: Der 1978 bei UNITAS Winfridia Philistrierte tritt den unitarischen Bundesbrüdern seit Jahren nicht nur als redlich - und verständlich! -argumentierender Theologe oder sozial- und wirtschaftswissenschaftlich versierter Redner gegenüber, der bei unzähligen Gelegenheiten zur aktiver Weltverantwortung des Christen auffordert und für mehr Glaubensmut in einer offenen Gesellschaft wirbt. Auch gerade in der privaten Begegnung freuen sich seine Gesprächspartner über seinen natürlichen Optimismus, seinen festen Stand im Leben und und eine ansteckende Fröhlichkeit.

Beirat für Kirchenfragen

Hohe pastorale, wissenschaftliche und soziale Kompetenz bewies Reinhard Marx nicht zuletzt als Beirat des UNITAS-Verbandes für Kirchenfragen, eine Funktion, die er bei der letzten Generalversammlung in Darmstadt an Wilfried Theising und P. Hans-Georg Löffler OFM (UNITAS Winfridia) weitergab. Bei der Generalversammlung 1989 als Nachfolger von Prälat Johannes Peters (Aachen) gewählt, trat Reinhard Marx sein Amt 1990 an und setzte wichtige Akzente. So gaben etwa gern angenommene Einladungen zu Besinnungswochenenden und viele weitere Aktivitäten - so in der Koordinierung des Arbeitskreises Grundsatzprogramm (AGP) - wesentliche Impulse zur spirituellen Vertiefung des verbandlichen Lebens.

Als Beirat hat er stets eine große Dialogfähigkeit unter Beweis gestellt und dabei mehr als einmal sein klärendes Wort in hitzigen Debatten erhoben. Auch seine warnenden und zugleich aufmunternden Redebeiträge bei Vorstandssitzungen sind nicht hoch genug einzuschätzen.

So haben seine Bundesbrüder ihn als Unitarier kennengelernt, in dem sich pastorale, wissenschaftliche und soziale Kompetenz - unitarisch übersetzt nicht mehr und nicht weniger als virtus, scientia und amicitia - wie selbstverständlich miteinander verbinden. Auch wenn die jetzige Bischofsernennung wohl den etwas schmerzlich empfundenen Abschied von seinen Aufgaben in der von vielen Bundesbrüdern besuchten „Kommende“ in Dortmund-Brackel bedeuten wird - seine gerade angetretene Paderborner Professur wird er weiter erfüllen. „Das kann ich den Studenten doch nicht antun“, schmunzelte Marx, der in dieser Aufgabe seine Bemühungen um die Verbreitung und Ausgestaltung der Katholischen Soziallehre weiter fortsetzen wird.

Auch seinen Bundesbrüdern - und Bundesschwestern, für deren verbandliche Integration er sich maßgeblich eingesetzt hat - wird er sicher eines nicht antun: Sich aus dem aktiven unitarischen Leben zurückziehen und als Person hinter seinen neuen Aufgabe verschwinden.

Lebensbejahung

„Es ist gut, daß wir hier sind. Es ist gut, daß es uns gibt“ - in dieser nicht nur schelmischen, oft wiederholten Bemerkung auf vielen Wallfahrten und Begegnungen drückt sich seine große Lebensbejahung aus. Reinhard Marx ist ein stets die Theorie mit Praxis kombinierender Geist. Seine Liebe zu dem Wort „Wer glaubt der zittert nicht“ (Johannes XXIII.) bedeutet für ihn mehr noch als eine Aussage über den glaubenden Menschen, der aus dieser Haltung heraus tut, was zu tun ist. Es ist ihm die Beschreibung der Mitte unsere Glaubens, eine Aussage über einen frohmachenden und befreienden Gott. Ganz gemäß der Devise, die er für sein Wappen und seine Aufgabe gewählt hat: „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17).

Für seine wichtige Aufgabe wünschen wir ihm von Herzen Gottes Segen und Geist, Glaubensstärke und die Tatkraft, die für dieses Amt nötig ist!

CB

 

Mai 1996
UNITAS-Verband jetzt offen für Studentinnenvereine

NEUSS/DARMSTADT. Der Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS (UV), bislang ein reiner Männerverband, hat bei seiner diesjährigen Generalversammlung in Darmstadt fünf UNITAS-Studentinnenvereine als gleichberechtigte Mitglieder aufgenommen. Damit ist die UNITAS der einzige katholische Korporationsverband, der sich für die Mitgliedschaft von Frauen entschieden hat.

Als „Signal für die Zukunft“ wertete der Vorortspräsident, Dirk Lüerßen aus Osnabrück, den von 103 vertretenen Vereinen aus Deutschland und Österreich gefaßten Beschluß zur Vollintegration von Frauen, für die eine satzungsändernde Dreiviertel-Mehrheit notwendig war. Auch der Vorsitzende des UNITAS-Altherren-Bundes, Günter Ganz aus Mainz, wertete die Entscheidung als „mutig“. Sie entspreche der Situation an den Hochschulen, an denen katholische Studentinnen bisher keine Möglichkeit dieser Form verbandlicher Organisation gegeben war. Die Bedenken, der 1855 gegründete und damit älteste katholische Studenten- und Akademikerverband werde durch die Aufnahme von Frauen sein Wesen nachhaltig verändern, seien durch das „überzeugende Engagement der Studentinnen in den vergangenen Jahren erfolgreich zerstreut“ worden.

Vorausgegegangen war der Aufnahme der UNITAS-Studentinnenvereine Elisabetha-Thuringia Marburg“, „Clara Schumann Bonn“, „Hassia Sophia Frankfurt“, „Maria Montessori Gießen“ und „Edith Stein in Freiburg“ ein bis in die 1960er Jahre zurückreichender innerverbandlicher Diskussionsprozeß. Der Assoziierung der ersten Vereine aus Marburg und Bonn 1991 folgte eine fünfjährige Erprobungsphase. Die Gründung eines eigenen Verbandes für Frauen war in den Beratungen verworfen worden.

Erleichtert über die jetzt gefaßte Entscheidung zeigte sich nicht zuletzt Dr. Wilfried Podlinski (67) aus Kaarst, von 1991-1994 Dekanatsratsvorsitzender in Neuss und seitdem Vorsitzender des amtierender UNITAS-Verbandsgeschäftsführer. Mit Antritt seiner Amtszeit hatte er die Verbandsgeschäftsstelle des Bundesverbandes von Bonn nach Neuss geholt, zunächst in das Marianum an der Preußenstraße. Mit Unterstützung des dort aktiven UNITAS-Studentenvereins „Ripuaria“ wechselte die Geschäftsstelle vor einem Jahr in das Kardinal-Frings-Haus am Münsterplatz, wo die Fäden für die Vorbereitung der als „historisch“ gewerteten Generalversammlung des Verbandes in Darmstadt zusammenliefen. „Jetzt kommt es darauf an, den Blick nach vorne zu richten und die inhaltliche Arbeit des Verbandes wieder massiv zu stärken“, erklärte Podlinski. Der Verband wolle sich dazu bundesweit aktiv an der Vorbereitung des Heiligen Jahres 2000 beteiligen. „Die Planungen laufen parallel zur Verfassung einer erneuerten Standortbeschreibung des Verbandes“, so Podlinski, der sich in Darmstadt bis zur Generalversammlung 1997 in Bonn für eine neue Kandidatur bereit erklärte und in seinem Amt bestätigt wurde. Das von Papst Johannes Paul II. ausgerufenen Jahr sei eine „Chance, die sich alle katholischen Verbände nicht entgehen lassen“ dürften.

Besonders freue er sich über die Erklärung der UNITAS-Studentinnen, die bei der „intensi-ven Mitgestaltung der inhaltlichen Arbeit des Verbandes in Fragen der Hochschul- und Gesellschaftspolitik mitmischen“ wollen. Dies betonten auch Anne-Kristin Brunn und Julia Kentrup von UNITAS Clara Schumann-Bonn. Die getroffene Entscheidung zur Vollintegration von Frauen erleichtere zudem die Ansprache weiterer interessierter Studentinnen, meinte ihre Bundesschwester Susanne Braun: „Jetzt gibt es endlich eine klare Richtung.“ Weitere Gründungen von Studentinnenvereinen - so in Münster - würden angestrebt.

Die 119. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes in Darmstadt stand unter dem Leitwort „Kreativität der Naturwissenschaften - Hoffung für die Zukunft“. Wissenschaftliche Podien und ein Festvortrag von Bundesforschungsminister a.D. Dr. Riesenhuber widmeten sich dem Thema, das vor allem die ethische Dimension wissenschaftlichen Forschens in den Mittelpunkt stellte. Der Speyerer Bischof Anton Schlembach plädierte im Abschlußgottesdienst für eine Kirchenerneuerung am Beispiel der Urgemeinde in Jerusalem. Kirchliche Einheit und Geschwisterlichkeit erforderten die Suche nach einem größeren Konsens in „einem geduldigen, hör- und lernbereiten Dialog.“

Christof Beckmann


·
       Der aus einem 1847 in Bonn gegründeten Theologenverein hervorgegangene UNITAS-Verband zählt 51 aktive Studentenvereine, darunter in den letzten Jahren neu entstandene Vereine in Prag, Magdeburg/Erfurt und Karaganda/Kasachstan. Schon einmal war Neuss Ort einer wichtigen innerverbandlichen Entscheidung: Dort fiel 1886 der Beschluß, die Mitgliedschaft auch für Nichttheologen zu ermöglichen. Im Erzbistum Köln bestehen zwei Vereine in Köln, vier Vereine in Bonn, je ein Verein in Düsseldorf und Neuss. Ehemalige Aktive bilden entsprechende Altherren-Vereine und schließen sich am Wohnort in Altherren-Zirkeln zusammen. Gerade im Rhein-Ruhr-Bereich bestehen eine Vielzahl örtlicher Zusammenschlüsse.

·       Die Prinzipien des Verbandes sind „VIRTUS, AMICITIA, SCIENTIA“ . Der Wahlspruch lautet „In neccessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibuis caritas“. Die Verbandspatrone sind die Immaculata, Bonifatius und Thomas von Aquin. Die Mitglieder verpflichten sich, besondere Verantwortung in Kirche, Staat und Gesellschaft zu übernehmen. Zu den prominenten Mitglieder zählen neben Ludwig Windthorst u.a. die Systematisierer der Katholischen Soziallehre Franz Hitze und Heinrich Pesch, nach dem ein vom Verband verliehener Preis benannt ist, Robert Schuman, der ehemaliger französicher Ministerpräsident, die ehemaligen Bundesminister Heinrich Krone und Rudolf Seiters. Ehrenmitglieder des Verbandes im Erzbistum Köln sind Kardinal Joachim Meisner und Weihbischof Klaus Dick.

 

13. Januar 1996
UNITAS feiert 85. Stiftungsfest in Werden
Thema „Arbeitslosigkeit“ im Mittelpunkt

ESSEN. Sein 85.Stiftungsfest feiert am Samstag, 13.Januar, der Wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund in Essen-Werden. Das Vereinsfest zu Ehren des Verbandspatrons Thomas von Aquin begehen die Mitglieder um 18.30 Uhr mit der Teilnahme an der Gemeindemesse in der Basilika St. Ludgerus. Um 20.30 Uhr schließt sich im Saal des Kolpinghauses an der Brückstraße der traditionelle Festkommers an. Präsidierender Vorsitzender ist Dr. Christof Beckmann aus Essen.

Erwartet werden zum Kommers „Alte Herren“ des örtlichen Zirkels und aus den benachbarten Ruhrgebietsstädten. Studentische Gäste kommen aus Bonn, Münster und anderen Universitätsorten, darunter eine Delegation des amtierenden Verbands-Vorortes, UNITAS Sugambria Osnabrück. Mit der Festrede von Dr. Heinz Niemann aus Dortmund, Mitglied des Vorstandes von Krupp Hoesch International in Essen, widmet sich der Studenten- und Akademikerverband einem aktuellen Thema. Niemanns Vortrag steht unter dem Titel: „Die Arbeitslosigkeit in der Teufelsspirale? Anmerkungen eines Unternehmers.“

Der am 21.Januar 1911 in Münster unter dem Namen der ersten Korporation des Verbandes ins Leben gerufene katholische Studentenverein wurde im Sommersemester 1991 als W.K.ST.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund wiederbegründet. Er zählt Studenten aller Fachrichtungen an den Universitäten in Essen, Bochum, Dortmund und Wuppertal, die sich regelmäßig zu wissenschaftlichen religiösen und geselligen Veranstaltungen treffen. Die nach der Ruhr benannte UNITAS Ruhrania ist der einzige Ruhrgebietsverein des 1855 konstituierten und damit ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes in Deutschland. Mit weiteren Gründungen von UNITAS-Ortsvereinen in Madgeburg/Erfurt, Prag und Kasachstan hat der Verband in den letzten Jahren die Zahl seiner Mitgliedsvereine auf 47 gesteigert. Als einzigem Studentenverband sind ihm bislang auch UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Frankfurt, Marburg, Gießen und Freiburg assoziiert.

UNITAS und Essen

Die wesentlichen Impulse zur Entwicklung der UNITAS kamen aus Essen und Werden: Bereits 1847 hatten Studenten aus der Region an der Universität Bonn einen landsmannschaftlichen Theologenverein gegründet und ihn nach dem Fluß ihrer Heimat „Ruhrania“ genannt. Zu den Gründern und Mitgliedern der ersten Jahre zählten damals Wilhelm Pingsmann aus Werden, später Kölner Domkapitular und Offizial der Erzdiözese, Ludger Kleinheidt aus Heisingen, der spätere Generalvikar des Erzbistums Köln, sowie Wilhelm Lindemann aus Schönebeck, später Literaturhistoriker und Mitglied des preußischen Landtags. Der Gruppe, der außer weiten Mitgliedern aus Borbeck und Heidhausen auch die Söhne des Werdener Bauunternehmers Potthoff, Wilhelm und August, angehörten, schloß sich der am 21.Januar 1830 geborene jüngste Sohn Hermann Ludger an.

Ab 1850 wandelten sie den landsmannschaftlich ausgerichteten Theologenverein um, wählten den Namen UNITAS und legten die Prinzipien fest. Treibende Kraft war dabei Hermann Ludger Potthoff: Er wirkte 1855 an der mit der Verbandsgründung verbundenen Ausweitung des Verbandes nach Tübingen und Münster mit, empfing 1856 die Priesterweihe und trat 1863 die Stelle des Königlichen Hofpredigers in Dresden an. Bis 1883 in diesem Amt, übernahm er die Schriftleitung des 1871 ins Leben gerufenen Verbandsblattes, unterstützte die Öffnung des Verbandes für Nichttheologen 1887 und regte die Gründung von örtlichen Vereinigungen der ehemaligen studentischen Mitglieder an. So wurde im Todesjahr von Potthoff, 1888, durch Professor Joseph Prill, der erste Altherrenzirkel der UNITAS in Essen-Werden gegründet. Prill, damals Religionslehrer am Burggymnasium in Essen, übernahm auch die Schriftleitung der Verbandsorgans „UNITAS“.

Hermann Ludger Potthoff selbst war in seinen beiden letzten Lebensjahren Oberpfarrer in Burtscheid und wurde in Aachen zur letzten Ruhe getragen. In Werden erinnert eine Tafel an seinem Geburtshaus in der Hufergasse 15 an den Gründer der UNITAS. -


Juni 1995
Massive Unterstützung erhielt der in den vergangenen sechs Jahren von der UNITAS Sugambria unterstützte Aufbau eines Kinderheims in Markkleeberg bei Leipzig. Über das Ergebnis, das sich jetzt auf mehr als 600.000 Mark beläuft und inzwischen abgeschlossen ist, waren die Initiatoren selbst überrascht....

UNITAS-Verband im Einsatz für Kinder in Leipzig
Katholische Studenten sammeln eine halbe Million Mark

OSNABRÜCK/NEUSS/BONN. Einen Stand von 500.000 Mark erreichte jetzt das Spendenthermometer des „Verbandes der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas“ für ein im Bau befindliches Kinderdorf bei Leipzig. Schon im Juli werden nach derzeitigem Planungsstand die ersten Kinder einziehen.

1990 ergriffen studentische Mitglieder des Verbandes nach Besuchen in Sachsen die Initiative für das erst von der Caritas getragene Kinder- und Jugenddorf in den „neuen“ Bundesländern. Gemeinsam mit Unitas-Mitglied Pfarrer Herbert Duffner, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Kinder- und Jugenddorf „Klinge“ im badischen Seckack aufgebaut hatte, entwickelten sie die Idee weiter, mobilisierten und begeisterten den 7.000 Angehörige zählenden Bundesverband, der die Initiative zum „Soziale Projekt der UNITAS“ erklärte. Bundesinnenminister a.D. Rudolf Seiters, selbst Angehöriger des ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes in Deutschland, übernahm spontan die Schirmherrschaft.

„Unser Studentenprojekt ist Zeichen praktischer Solidarität zwischen Ost und West. Wir ergreifen Partei für Kinder und Jugendliche“, so Hans-Achim Michna aus Osnabrück, Sprecher des aus Unternehmern, Ärzten, Kirchenleuten, Bundestagsabgeordneten und Studenten gebildeten dreizehnköpfigen Kuratoriums. Besonderes Merkmal der Siedlung: Erziehungsschwierige, elternlose und nichteheliche Kinder, die unter dem SED-Regime nicht selten als „unproduktives Leben“ bezeichnet worden seien, sollen in ihrer aus dem sächsischen Boden gestampften neuen Heimat die Zuwendung und Geborgenheit einer Familie kennenlernen. So werden acht bis zehn Kinder unterschiedlichen Alters mit ihren Pflegeeltern in einem Haus wie in einer Familie zusammenleben. In jedem Haus, erläutert Michna das Konzept, wird ein Elternpaar die Erziehung und gemeinsame Wirtschaftsplanung übernehmen.

Fünf Jahre dauerten Suche und Planung für ein 5,8 Hektar großes Grundstück, das in der Gemeinde Markkleeberg bei Leipzig gefunden wurde. Etwa 80 Kinder sollen schließlich in neun Häusern mit Wohngärten und Terrassen leben. Über 30.000 Quadratmeter Parklandschaft entstehen, ein fast ein Hektar großer Abenteuerspielplatz und ein Sportplatz. Auch vorgesehen sind mehrere Gemeinschafts- und Gästehäuser, Parkplätze, ein Regenwassersammelbecken und ein Recyclingplatz. Praktisch durchgeführt wird das Projekt unter dem Dach des Deutschen Caritasverbandes, der auch die Trägerschaft der Einrichtung übernimmt.

Schon vor Abschluß der Planungen und der Klärung der rechtlichen Verhältnisse schnellte das Spendenthermometer der Unitas in die Höhe. Heute steht rund eine halbe Million Mark zur Verfügung. Immer wieder schrieben die Studenten Tausende von Adressen an, starteten Spendenaufrufe an Firmen und in Zeitungen. Und der Verband zog mit: Bundesbrüder aus allen Ecken Deutschlands antworteten, Mitglieder gingen in vielen deutschen Universitätsstädten zum Sammeln auf die Straße, bauten Informationsstände auf, führten Kunstausstellungen, Konzerte, Flohmärkte und andere Aktionen durch. Allein die vergangene Weihnachtsaktion der Unitas brachte über 100.000 Mark zusammen.

Seit dem Katholikentag in Dresden, zu dessen Beginn der Dresdener Weihbischof Georg Weinhold den symbolischen ersten Spatenstich für das Kinder- und Jugenddorf machte, ging das Projekt mit großen Schritten voran: Im Herbst vergangenen Jahres begann der Bau der ersten beiden Häuser und im Mai wurde bereits Richtfest gefeiert. Noch im Spätsommer werden die ersten Kinder aus einem aufgelösten katholischen Waisenhaus in Engelsdorf einziehen. Für den Herbst ist die Einweihung des ersten, nach der „Unitas“ benannten Hauses durch den ehemaligen Bundesminister Rudolf Seiters vorgesehen.

Spendenkonto: „Kinderdorf in Sachsen“, Kontonummer 71 61 bei der Sparkasse Bonn (BLZ 380 500 00).
Kontakt: Hans-Achim Michna, Tel.
0541/67 6 8 0 oder 05441/82 191


8. Juli 1995
Ruhrania erregt weiter Anstoß
Wallfahrt und Semester-Ex-Radio im „Pott“

„Ja, es soll Anstoß erregen, aber positiven. Schließlich stehen wir zum Kreuz, das wir tragen, das als Zeichen der Erlösung die Mitte unseres Lebens ist.“ So kommentierte Helmut Wiechmann die Frage nach dem Sinn der ersten Ruhr-Wallfahrt der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund am 8.Juli. Drei Kirchen standen auf dem Wanderprogramm der Aktiven, die - Kreuz voraus - in der Heimat von Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff auf Schusters Rappen durch den Süden der Stadt Essen zogen.

Das Zitat aus der am 12.Juli in Radio Essen ausgestrahlten inzwischen 10. Radiosendung „UNITAS-Auf Ruhr“ sollte deutlich machen, was eine kleine Gruppe vermag: Die Menschen an der Straße zum Nachdenken anzuregen, miteinander ins Gespräch - nicht zuletzt über den Glauben - zu kommen und gleichzeitig eine gute Sache zu unterstützen.

Denn die Wanderung diente auch der Arbeit der Salesianer Don Boscos im Essener Stadtteil Borbeck, die zur Zeit ihr Schulgebäude modernisieren: Für jeden der zehn gelaufenen Kilometer gab es „Kilometergeld“ von den Altherrenzirkeln Essen und Bochum, die die Idee der Aktiven begeistert aufnahmen und als Sponsoren für die Aktion einstiegen. Ein erster Betrag von 250 Mark war das Ergebnis eines sonnigen Weges durch die grüne Wiege des Ruhrbergbaus, den der Fuxenstall unter FM Helmut Wiechmann mit „Lokalmatador“ Jens Scholten aus Essen-Überruhr, Benedikt Kisters und Eckehard Brenne geistlich maßgeblich vorbereitet hatte.

Unitarischer „Wanderzirkus“

Die Wallfahrt war das gelungene Ausrufezeichen nach einem Semester, das mit der kompletten Wiederwahl der Chargen unter Senior Markus Mönig aus Iserlohn zuende ging. Gestandene Verantwortliche sind gefragt, denn große Ereignisse stehen für das kommende Semester ins Haus: Schließlich wollen die Ruhranen - voraussichtlich am 12./13.Januar - ihr 85. Stiftungsfest begehen. Auch Nachwuchs ist in den kommenden Monaten nötig bei dem zwischen Lenne und Rhein tourenden einzigen unitarischen „Wanderzirkus“. Studienortwechsler sind an der Ruhr herzlich willkommen. Sie treffen in jeder Stadt zwischen Dortmund und Duisburg immer auf aktive Ansprechpartner.

Fortsetzen wollen die Unitarier im Ruhrgebiet die jetzt begonnene Jahreswallfahrt auch 1996. Nach gelungenem Auftakt soll die Einladung an alle Alte Herren und an die Aktivenvereine zwischen Bonn und Münster gerichtet werden, sich rund um Potthoffs Geburtsort Essen-Werden mit dem Kreuz auf Wanderschaft zu begeben. Die UNITAS Ruhr bittet, sich die Einladung schon einmal vorzumerken. Die Ludgerusprozession am ersten Septembersonntag, aber auch Zechenfahrten und andere ruhrtypische Besuchsziele wie Brauereien oder immer wieder die Republik erschütternde Fußballduelle machen das Revier im übrigen für jede Aktivitas zur Region für ein ideales Tourenprogramm.

Wir brauchen Gemeinschaft

Ebenso kann ein Besuch im Rundfunkstudio des Bistums Essen arrangiert werden, in dem mindestens zweimal pro Semester die selbst produzierten Sendungen entstehen. Auch für andere UNITAS-Aktivitates besteht hier die Möglichkeit, die Technik kennenzulernen und über sich zu erzählen.

Genutzt hat es jetzt die UNITAS in Thüringens Hauptstadt Erfurt, die mit Essen in einer Städtepartnerschaft verbunden ist. Klaus-Hermann Rößler, ehemaliger VOP und inzwischen „leidenschaftlicher Wahl-Thüringer“, brachte es als Interviewpartner in der letzten Ausgabe des Semester-Ex-Radios der UNITAS Ruhrania auf den Punkt: „Christen brauchen Gemeinschaft“, meinte er, gefragt nach dem „Kick“ bei der UNITAS, „und sei sie noch so klein.“ Auf das Ruhrgebiet gemünzt, gilt somit für die Gemeinschaft des ganzen Verbandes weiterhin das unitarische Startmotto von 1990: „Wir an der Ruhr - gemeinsam nach vorn!“

C.Beckmann


 

 28. Januar 1995
Ruhrania feiert 84. Stiftungsfest
Blick geht nach Südamerika

BOCHUM. Sein 84.Stiftungsfest feiert am Samstag, 28.Januar 1995, der Wissenschaftliche Katholische Studentenverein UNITAS Ruhranaia Bochum-Essen-Dortmund. Das Vereinsfest zu Ehren des Verbandspatrons Thomas von Aquin begehen die Mitglieder um 18.30 Uhr mit einer gemeinsamen Messe in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses. Zelebrant ist Franziskanerpater Hans-Georg Löffler aus Dortmund.

Um 20.15 Uhr schließt sich im Wacholderhaus am Schwanenmarkt der traditionelle Festkommers an. Präsidierender Vorsitzender der studentischen Feier ist der derzeitige „Senior“ des Vereins, Helmut Wiechmann, Theologiestudent an der Ruhr-Universität. Erwartet werden zum Kommers neben vielen „Alten Herren“ aus den benachbarten Ruhrgebietsstädten auch Gäste aus mehreren anderen Universitätsorten, darunter eine Delegation des amtierenden Verbandsvorstandes, UNITAS Stolzenfels zu Bonn. Die Festrede von Dr. Dieter Allkämper vom Dortmunder Westfalen-Kolleg beleuchtet das Verhältnis zwischen Naturreligion und Christentum in Südamerika.

Der am 21.Januar 1911 in Münster ins Leben gerufene katholische Studentenverein wurde im Sommersemester 1991 als W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund wiederbegründet und verlegte seinen Hauptsitz in die Stadt der Ruhruniversität. Er zählt 20 aktive Studenten aller Fachrichtungen an den Universitäten Essen, Bochum, Dortmund und Wuppertal, die sich zu wissenschaftlichen, religiösen und geselligen Veranstaltungen regelmäßig in Bochum treffen. Die nach der Ruhr benannte UNITAS Ruhrania ist der einzige Ruhrgebietsverein des 1855 gegründeten und damit ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes in Deutschland. Mit weiteren Gründungen von Ortsvereinen in Magdeburg/Erfurt, Prag und Kasachstan hatte der Verband die Zahl seiner Mitgliedsvereine in den letzten Jahren auf 47 gesteigert. Die UNITAS hat zudem als einziger Studentenverband bislang auch vier UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Marburg, Frankfurt und Gießen aufgenommen.
 

 

Winfridenbote 1995

„...ändern muß sich der Einzelne...“
Fragen an Dr. Christof Beckmann, den neuen Stellvertretenden Verbandsgeschäftsführer

Innerhalb des Verbandes gilt spätestens seit der Ära Walter Keller der Verbandsgeschäftsführer als „der“ Mann im Verband, obwohl nach der Satzung der Vorortspräsident der höchste unitarische Repräsentant ist. Bleibt dem stellvertretenden Verbandsgeschäftsführer mehr als nur die Aufgabe des Kofferträgers?

Zunächst: Der UNITAS-Verband besitzt mit der besonderen Position des durch den gewählten Vorort gestellten Vorortspräsidenten in der Tat eine einzigartige Organisationsform unter den großen Korporationsverbänden. Dies ist in einem „Verband wissenschaftlicher katholischer Studentenvereine“ aber auch nur recht und billig. Dabei haben die Vorortspräsidenten viele Möglichkeiten, dieses wichtige Amt auszufüllen, mit ihren speziellen inhaltlichen oder thematischen Akzenten zu versehen und damit ihrer herausgehobenen Stellung gerecht zu werden. Dabei liegt es ganz an ihnen, ob sie es in der zugegebenermaßen manchmal zu kurzen Vorortszeit tun oder nicht.

Allerdings ist es aus guten Gründen der Verbandsgeschäftsführer, der den Verband rechtlich nach außen vertritt. Dies ist auch in unserer Satzung so festgelegt. Grundsätzlich ist die Geschäftsführung eines Verbandes dabei sicher eine dienende Aufgabe - neudeutsch „Service“. Sie führt die laufenden Geschäfte und trägt Sorge für die ordentliche Haushaltsführung. Im Gesamtvorstand, in dem Aktive und Alte Herren gemeinsam beraten und beschließen, führt der Verbandsgeschäftsführer aber nicht umsonst den Vorsitz, denn er garantiert an herausgehobener Stelle die kontinuierliche Arbeit des Verbandes. Damit wachsen ihm über seine geschäftsführenden Aufgaben weitere Kompetenz und Gewicht zu.

Dies haben sicher alle im übrigen ehrenamtlich tätigen Verbandsgeschäftsführer so gesehen und der ihnen eigenen Persönlichkeit entsprechend ausgefüllt. Der amtierende Verbandsgeschäftsführer Dr. Wilfried Podlinski hat sehr oft betont, daß er diesen dienenden Aspekt im Vordergrund seiner Arbeit sieht. Er versteht sich darüber hinaus ausdrücklich als ein Moderator in der sich recht deutlich abzeichnenden Umbruchszeit des Verbandes. Diese Verantwortung zu tragen, ist nicht leicht. Sie ist, wenn man so will, in diesen Jahren ein ziemlich schwerer „Übersee-Koffer“. Diesen Koffer nun mitzutragen, sollte - unabhängig von Ämtern - von allen Mitgliedern im Verband, von allen Unitariern, als eigene Aufgabe gesehen werden.

Welche konkreten Aufgabenbereiche siehst du, in denen du tätig werden wirst?

Auch der stellvertretende Verbandsgeschäftsführer ist nach dem eben Gesagten nicht nur jemand, der neben dem eigentlichen Geschäftsführer Kontovollmacht und Unterschriftsberechtigung besitzt. Dieser geschäftlichere Teil ist für mich persönlich nun einmal kein Anlaß zur Selbstüberschätzung. Und hier sind auch die Absprachen zwischen Bundesbruder Podlinski und mir klar. Sicher aber ist es grundsätzlich sinnvoll, bei Verhinderung des Verbandsgeschäftsführers einen gewählten Stellvertreter ins Rennen schicken zu können. Und hier ergänzen wir uns ja auch.

Als Bundesbruder Podlinski mich einige Wochen vor der Generalversammlung fragte, ob ich für das Amt zur Verfügung stehen würde, haben wir uns darauf verständigt, daß von meiner Seite vor allem Unterstützung in Richtung eines verstärkten innerverbandlichen Dialogs kommen könnte. Dies ergänzt sich auch mit seiner Auffassung von der durch ihn übernommenen Aufgabe. Hierbei einem überzeugten und überzeugenden Unitarier zur Seite zu stehen, der in seinem Amt als Moderator für die vielen innerverbandlich anstehenden Fragen angetreten ist, war auch für mich ein Reiz, nicht wieder für das Amt des Vorsitzenden des Beirates für Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchs zu kandidieren, in dem wir genau diesen so notwendigen Dialog auf der Ebene der Beiräte bereits mit vorbereitet haben.

Auch wenn es der Verbandsvorstand möglicherweise anders sehen wird: Innerhalb der UNITAS gibt es eine nicht zu übersehende Verbandsverdrossenheit. Oder anders: Viele Bundesbrüder interessiert der Verband weniger, der eigene Verein umso mehr. Wie läßt sich dieser Tendenz entgegensteuern?

Es ist doch absolut wichtig, daß der eigene Verein die Bundesbrüder besonders interessiert! Dort verwurzelt sich ein Unitarier, lernt er unitarische Haltung an der Basis kennen, übernimmt er Aufgaben, lernt er seine Stärken kennen und entwickelt er seine Talente. Diese Verwurzelung in der freundschaftlichen Verbundenheit der Bundesbrüder im Verein ist erst die entscheidende Basis, auf der über den Ort hinaus weisendes Engagement aufbaut - vorausgesetzt, es wird von Anfang an auch deutlich, welche Bedeutung der Gesamtverband für den Einzelverein und umgekehrt hat. Anders kann es gar nicht gehen. Wenn in jedem Ortsverein entsprechendes unitarisches Leben wächst, sollte sich eigentlich niemand um mangelndes Verbandsinteresse sorgen. Für mich gilt die Formel: Viele gute Mitglieder machen viele gute Vereine, gute Vereine machen einen guten Verband.

Starke Ortsvereine aber sind leider ja wohl eher selten. Gerade wir Winfriden wissen doch, daß ein Verein mit 30 bis 40 Aktiven mehr Möglichkeiten hat, als die vielen kleineren Vereine. Ganz praktische Gründe also erklären, warum weniger „Man-power“ für den Verband von der Basis kommt, als uns allen lieb wäre. Und dies ist nicht nur eine Frage der Quantität. Denn mit der Verbandsverdrossenheit“ ist es wie mit der vieldiskutierten Politik- oder Parteienverdrossenheit: Wenn immer weniger sich engagieren, gehen die Dinge halt so, wie sie gehen. Und dabei bleibt die Arbeit für die Übriggebliebenen, statt sie sinnvoll auf viele Schultern zu verteilen, damit sie vielen Spaß macht.

Auf den Punkt gebracht: Der Verband spiegelt den Zustand der Gesamtvereine wider. Und jede fahrlässige Ignoranz, jedes destruktive und Kaputtdiskutieren des „Verbandes“, fällt vor allem auch auf die Vereine zurück. Denn daraus spricht ein völlig falsches Selbstverständnis und falsches Selbstbewußtsein der Gruppen vor Ort. Wenn dies einmal begriffen ist, wenn stattdessen endlich wieder ernsthaft inhaltliche Fragen auf der Tagesordnung stehen, dann gewinnt der Verband und gewinnen die Einzelvereine genau das Profil, das er und sie brauchen, um mehr an diesen Fragen und nicht zuletzt an der UNITAS interessierte Mitglieder in die Reihen vor Ort zu bekommen. Wir müssen also einfach lernen, wieder mehr miteinander als übereinander zu reden. Mit dem vom Geistlichen Beirat, Bundesbruder Dr. Reinhard Marx, gekommenen Anstoß für den „Arbeitskreis Grundsatzprogramm“ (AGP) sind wir da auf einem richtigen Weg. Wenn sich die UNITAS Winfridia wie auch die anderen Vereine an der Diskussion über Soll und Haben im Verband beteiligt und gute, grundsätzliche und zukunftsweisende Beiträge dazu auch aus Münster kommen - umso besser. Ich erwarte das sogar - das darf ich als Alter Herr der Winfridia sicher sagen.

Was muß sich innerhalb des UNITAS-Verbandes ändern, damit es für junge Studenten auch im Jahr 2000 noch attraktiv ist, Unitarier zu werden?

Die Prinzipen der UNITAS sind zeitlos. Es wird immer Menschen geben, die sich bemühen, unitarischen Grundsätzen in ihrem Leben gerecht zu werden. Daran wird sich - Gott sei Dank - zunächst einmal nichts ändern. Und ich bin sicher - auch weit über das Jahr 2000 hinaus. Da ist auch einmal statt ständiger Panikmache eine gelassene christliche Zuversicht am Platz.

Natürlich werden es aus vielen Gründen immer weniger, die sich „mit fliegenden Fahnen in die Arme des Vereins werfen“. Denn die Zeiten sind ja schon lange vorbei, in denen der Ortspfarrer, der unitarische Lehrer oder Vater den Sohnemann in die UNITAS schickte, damit er sich im freundschaftlichen Kreise der Bundesbrüder katholischer Lebenshaltung und „edler Unterhaltung“ zu befleißigen lernte. Über die ersten Kontakte gibt es im Verband schon immer eine Gleichzeitigkeit ganz unterschiedlicher Erfahrungen der Generationen.

Deutlicher aber sollte uns gerade in den Vereinen bewußt sein, daß die Gewinnung von Nachwuchs vor allem Überzeugungsarbeit bedeutet - wenn nicht sogar schon immer. Neumitglieder, überzeugte und überzeugende Unitarier, fallen nicht vom Himmel. Nur das persönliche Beispiel, die Glaubwürdigkeit vieler Einzelner zählt. „Verba docent, exempla trahunt“ heißt es nicht umsonst. Anders gesagt: „Reden ist Silber, Handeln ist Gold.“ Da muß sich also demnach nichts zunächst „im Verband“ ändern. Denn genau dieser Blickwinkel lenkt vom Eigentlichen ab. Ändern muß sich nämlich der Einzelne. Ein hoher Anspruch - aber das ist ja schon eine Katechismusweisheit ersten Grades.

Hier steckt die Chance für die Vereine und für den Verband: Gebraucht wird eine sich daraus entwickelnde bundesbrüderliche, bessere innerverbandliche Kommunikation, eine nachdrückliche und eindeutige Verständigung über die Essentials, eine Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist - und was nicht. Das heißt: Angesagt ist endlich die Abkehr von thematischen Nebenschauplätzen und eine Konzentration auf eine zeitgemäße Übersetzung unserer zentralen Grundsätze. Es muß in der Festschreibung unserer kirchlichen und gesellschaftlichen Positionen ein eindeutiges unitarisches Profil wachsen und geschärft werden, denn Beliebigkeit ist der Tod der UNITAS. Wir müssen unterscheidbar bleiben. Jeder Verein muß sich dazu in der Pflicht sehen und sich nicht zuletzt am Ort auch entsprechend präsentieren. Dann mag Nachwuchs in Scharen strömen - es schauen sich immer noch genug Menschen nach einer echten Orientierung um.

Wann wirst du Verbandsgeschäftsführer?

Es ist sicher sehr sinnvoll, in einigen Jahren nicht ganz unvorbereitet in die Diskussion über den nächsten Verbandsgeschäftsführer zu stolpern. Das ist auch die Meinung von Bundesbruder Podlinski, der nach seiner Aussage das Amt nicht „bis ultimo“ innehaben will. Ich selbst habe allerdings schon zur Zeit nicht geringe berufliche und vor allem auch familiäre Verpflichtungen, die leider oft genug zu kurz kommen. Auch sind da noch die UNITAS vor Ort sowie mit wichtige verschiedene Aktivitäten in anderen Vereinigungen, die die Luft wahrscheinlich etwas dünn für ein dauerhaftes Verbandsengagement dieser Art machen.

Zur Person:
Dr. Christof Beckmann, Jahrgang 1960, ist geborener Bonner. Nach Abitur 1978 bei den Jesuiten auf dem Aloisiuskolleg in Bad-Godesberg Lehre und Arbeit als Garten- und Landschaftsbauer in Bonn und München. Seit dem WS 1981/82 Student der Kommunikationswissenschaften, der Kunstgeschichte, Volkskunde und Neueren Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Gleichzeitig Eintritt in den W.K.St.V. UNITAS Stolzenfels Bonn, dort dreimal FM. 1985 Wechsel an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und zu UNITAS Winfridia, free student an der „Katholieke Universiteit Leuven“ (Belgien), FM und Hausmeister im Dondersheim, 1988-1989 stellv. Vorsitzender und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV). 1989 Gründung des W.K.St.V. UNITAS Essen/Bochum, seit 1991 UNITAS Ruhrania Essen-Bochum-Dortmund, dort seit 1991 Vorsitzender des „UNITAS Studentenheim Bochum e.V.“. Bis 1992 Redaktionsmitglied der Verbandszeitschrift „unitas“. 1990 Promotion in Münster mit einer Dissertation über katholisches Vereinswesen im Ruhrgebiet, 1992 Philistrierung bei UNITAS Winfridia Münster, B-Philister bei UNITAS Ruhrania. Seit 1990 Mitglied des UNITAS-Beirates für Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchs, 1992-1994 dessen Vorsitzender, seit 1994 Stellvertretender Verbandsgeschäftsführer.
Seit 1991 ist Bundesbruder Christof Beckmann als Öffentlichkeitsreferent der Katholischen Stadtkirche Essen und des Caritasverbandes für die Stadt Essen verantwortlich für die kirchliche Presse- und Rundfunkarbeit. Seit 1988 ist er verheiratet mit seiner Frau Maria. Beide haben drei Kinder: Lisa ist 4 Jahre, Johannes 2 Jahre alt, der jüngste, Georg, wurde am 10.Juni 1994 geboren.


 

Juli 1994
UNITAS beim Katholikentag in Dresden
Oberbürgermeister Dr. Wagner Ehrenmitglied -
Spenden für Kinderdorf

„Unterwegs zur Einheit“ lautete das Motto - und deutlich über 30.000 Dauerteilnehmer strömten zum 92. Deutschen Katholikentag nach Dresden. Im sächsischen Elbflorenz präsentierten sich vom 30.Juni bis zum 3.Juli die katholischen Verbände, die Bistümer und vielfältige Aktionen rund um religiöse, soziale und Umweltthemen. Mit dabei auch die UNITAS, die mit einem neuen Info-Stand an den Start ging. Sie sorgte gleich am ersten Tag für einen wichtigen Termin im Kalender des frisch wiedergewählten Oberbürgermeisters: Denn seit Donnerstag, 30.Juni, ist Dr. Herbert Wagner Ehrenmitglied des Verbandes.

Gelb-Weiß vor blauem Himmel

Eine große Baustelle: Dies war der erste unvergeßliche Eindruck von Dresden, diesem Städtekleinod an der Elbe. Und schon ist abzusehen, daß es sich bald nach dem Abbau der die Silhouette von Frauenkirche, Zwinger und Semper-Oper bestimmenden Baukräne der Welt als eine noch wertvollere Schatzkammer der Architektur und der Künste zeigen wird. Vor Jahren allerdings wäre der Idee gar eines gesamtdeutschen Katholikentags zweifellos eine gewisse Absurdität nicht abzusprechen gewesen. Nun aber ergossen sich die Besucher zu Tausenden aus dem Bahnhof, Bussen, Bahnen, und verstopften die Straßen der in sattem Gelb-Weiß glänzenden, wiedererstehenden Barockstadt. Ein Meer von Fahnen wies den Weg durch die über Nacht gewachsene 2,5 Kilometer lange Zeltstadt. Quer über die Schlagadern der historischen Sachsenmetropole zog sie sich als Quartier für die, die informieren wollten, und als Ziel derer, die sich, nicht selten erstaunt, von der lebendigen Vielfalt der katholischen Kirche überzeugen konnten. Vergleichbar groß wie in den vergangenen Jahren war die Programmvielfalt: 28 große Podiumsveranstaltungen, Bibelarbeit, Werkstätten und viele Treffpunkte zu bestimmten Themen - sie alle paßten sich ein in das Gesamtmotto.

Doch trockene Information sollte nicht der Zweck der demonstrativ öffentlichen Präsenz von Kirche in der Stadt sein: Erklärte Absicht der Veranstalter war es, ins Gespräch zu kommen, ins ökumenische Gespräch und auch in den Dialog mit der Kirche Fernstehenden. Dort, wo in der ehemals protestantischen Stadt 70% der 470.000 Einwohner bislang keine Beziehungen zur Kirche hatten, dort, wo die Katholikenzahl des ganzen Bistums Dresden-Meißen mit 270.000 nicht einmal an die Zahl der katholischen Kirchenangehörigen in einer westdeutschen Stadt wie etwa Essen heranreicht.

Getreu der Devise „Unterwegs zur Einheit“ stellte der Katholikentag die Überlegungen zu Gestaltungsaufgaben in Gesellschaft und Politik, die Verständigung über gemeinsame und grundlegende Werte in einem neuen Wertekonsens in den Mittelpunkt. Doch neben der Diskussion über eine gelingende plurale Demokratie und die Frage, was uns Deutsche unsere jüngste Geschichte lehrt, ging es auch um die Grundwerte menschlichen Lebens und Zusammenlebens, die Herausforderungen im europäischen und weltweiten Zusammenhang, und um die Frage nach der Einheit der Kirche und der Christen heute.

Glutofen Altmarkt bringt Spenden für UNITAS-Projekt

Umgeben von den barocken Fassaden der alten Residenzstadt, war der wie ganz Dresden sonnenüberströmte zentrale Altmarkt vor allem Forum für die Ordensgemeinschaften, die Frauenverbände, die großen Sozialverbände und für die Jugend. In schöner Eintracht nebeneinander „zelteten“ hier auch die katholischen Studentenverbände, TCV, RkdB, UNITAS, KV, CV und die Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Studentenverbände (AGV). Am Stand der AGV war vorgesorgt: Hier ließ sich mit spontan organisierten Getränken gut der Hitze trotzen. Allein 500 Liter Faßbier gingen als Spende der versammelten Verbände an Katholikentagsbesucher aus dem Zapfhahn. Das schöne Ergebnis: Ein Reingewinn von 1.700,- DM für das UNITAS-Kinderdorf-Projekt in Markkleeberg bei Leipzig, für das am Vortag des Katholikentreffens der erste Spatenstich getan werden konnte. Noch im Herbst diesen Jahres wird der Grundstein für das erste, vom UNITAS-Verband finanzierte, Haus gelegt.

UNITAS präsent

In enger Nachbarschaft bemühten sich Zelt an Zelt die studentischen Verbandsvertreter auf dem Dresdener Altmarkt um eine passable Präsentation ihrer „essentials“ und Aktivitäten. Schon die mit großem Schriftzug versehene Zeltwand machte den UNITAS-Stand gleich bei der ersten Fernsehberichterstattung zum beliebten Drehmotiv. Hinter der Wand wartete auf Besucher der vom Beirat für Öffentlichkeitsarbeit aufgebaute Teil des neuen Info-Standes, neben dem ausgeschiedenen Vorsitzenden mit viel Arbeitseinsatz von den Bundesbrüdern Hermann-Josef Grossimlinghaus und Thorsten Braun (UNITAS-Salia) montiert und per Kleinbus von Christoph Brands nach Dresden transportiert. Auf sechs Großtafeln informierten professionell gestaltete Textfahnen, historisches und aktuelles Fotomaterial stellte Geschichte, Prinzipien, Personen, soziales Engagement, Geselligkeit, Sport und das Leben auf dem Haus vor. Gleich mitnehmen konnten Besucher am leider nicht sehr beständig besetzten Stand zudem das in einer Auflage von 5000 Exemplaren aufgelegte neue farbige Info-Faltblatt, das erstmalig auf dem Katholikentag verteilt wurde. Nicht zuletzt: Auch die UNITAS-Studentinnenvereine zeigten Flagge am Verbandsstand, informierten auf zwei Tafeln mit Bildern und Zeitungsausschnitten.

Glückwünsche für den OB

Hoher Besuch stellte sich am Donnerstag nach der Standeröffnung ein. Dresdens Oberbürgermeister Dr. Herbert Wagner kam zum offiziellen Termin in das schnell mit rund 40 Besuchern überfüllte Zelt. Der Altherrenbundsvorsitzende Günter Ganz begrüßte pünktlich um 10 Uhr den Generalvikar von Dresden-Meißen, Prälat Georg Hanke, den Generalsekretär der KAD, Urban Zinser (CV), den KV-Rats-Vorsitzenden Dr. Wolfgang Löhr, Hubert Tintelott, Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Deutschlands, den AGV-Vorsitzenden Klaus Oidtmann, die Vorortspräsidenten von CV und KV, und viele mehr. Unter den am Stand versammelten Bundesbrüdern: Der geistliche Beirat des Verbandes, Dr. Reinhard Marx, Vorortspräsident Thomas Lichtleitner-Meier, die Vorortsschriftführer Alexander Pulte und Hermann Wind, Präsident der KAD und Stadtrat Bernhard Mihm, Dr. Christof Beckmann in Vertretung des erkrankten Verbandsgeschäftsführers Dr. Wilfried Podlinski, Leopold Turowski, Beirat für gesellschaftspolitische Fragen, der geistliche Beirat des neuen Vorortes UNITAS Stolzenfels, Kaplan Bruno Kurth, sowie rund zehn Aktive. Sie alle waren gekommen, um die auf der Paderborner Generalversammlung 1993 beschlossenen Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den Dresdener Oberbürgermeister mitzuerleben. Zu seiner erst am Sonntag zuvor erfolgten Wiederwahl gab es gleich auch langen Beifall: „Ihre mit großem Vorsprung vor Ihren Konkurrenten erfolgte Wiederwahl bestätigt eindrucksvoll Ihr Ansehen bei den Bürgern dieser Stadt, die mit Ihrer Wiederwahl Ihre aus christlicher Verantwortung erbrachten großartigen Aufbauleistungen, die sich an den fast 200 Baukränen, die in den Dresdner Himmel ragen, ablesen lassen, anerkannt haben“, äußerte Günter Ganz in seiner Laudatio.

UNITAS und Dresden

In seiner Ansprache erinnerte Ganz an prominente Unitarier, die mit Dresden verbunden sind. So an Hermann Ludger Potthoff, bis 1885 zwei Jahrzehnte lang Königlicher Hofprediger an der Hofkirche. Mit Professor Dr. Aloys Schäfer, ab 1906 Apostolischer Vikar von Sachsen mit Sitz in Dresden, stellte ein Unitarier die Weichen für die Gründung des Bistums Dresden-Meißen. Dessen erster Bischof wiederum war Dr. Christian Schreiber, ab 1930 erster Bischof von Berlin, und Ehrenmitglied des UNITAS-Verbandes. „Ganz besonders der wissenschaftliche und praktische Einsatz für die soziale Gerechtigkeit gehört zur unitarischen Tradition. In diesem Einsatz für soziale Gerechtigkeit steht in mannigfaltiger Weise auch Ihr Leben“, erklärte der Altherrenbundsvorsitzende an die Adresse des Oberbürgermeisters. „Dafür hat der UNITAS-Verband Ihnen die Ehrenmitgliedschaft angetragen. In Ihnen erkennt der UNITAS-Verband eine Persönlichkeit, mit der sich seine Mitglieder gerne auch äußerlich durch eine gemeinsame Zugehörigkeit zum Verband verbunden sehen wollen.“

Bundesbruder Dr. Wagner - ein engagierter katholischer Christ

Der Neu-Unitarier Dr. Herbert Wagner, 1948 in Neustrelitz/Mecklenburg geboren, arbeitete nach Grundwehrdienst und Elektronik-Studium in Dresden als Entwicklungsingenieur in der Industrie. Promoviert zum Dr. Ing. wurde er 1985. Aus einem katholischen Elternhaus stammend, engagierte er sich Wagner schon als Student im Bereich der Kirche, war 1970/71 Sprecher der Katholischen Studentengemeinde und von 1975-1990 Sprecher des Katholischen Akademiker-Kreises Dresden. In seiner eigenen Pfarrgemeinde in unterschiedlichen Gruppen und Funktionen tätig, wurde ihm 1987 die Regie der Schlußfeier des ersten landesweiten Katholikentreffens in Dresden anvertraut. Dr. Wagner, vor der Wende auf der Seite der Reformer, wurde im Herbst 1989 Sprecher der oppositionellen „Gruppe der 20“, Organisator und Moderator der Dresdener Montags-Demonstrationen. Vorsitzender der Basisdemokratischen Fraktion der Stadtverordnetenversammlung nach dem Honecker-Sturz, wurde Wagner Stellvertretender Stadtvorsitzender und bei den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 Spitzenkandidat der Demokratischen Union für das Amt des Oberbürgermeisters. In diesem wurde er am 26.Juni 1994 wieder bestätigt. Sein Herz für die Kommunalpolitik schlägt auch über seine eigne Stadt hinaus, denn Dr. Wagner ist Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages und Stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages.

„Diese Vita zeigt, daß der UNITAS-Verband in Ihnen einer Persönlichkeit begegnet, die unserer akademischen Jugend in jeglicher Hinsicht als Vorbild vorgestellt werden kann“, erklärte der Altherrenbunds-Vorsitzende Günter Ganz in seiner Laudatio und überreichte eine eigens gestaltete Urkunde. „Sie haben in Ihrem bisherigen Leben den Wahlspruch der UNITAS verwirklicht. Sie haben stets das, was Sie als notwendig ansahen, nämlich Ihren katholischen Glauben, mannhaft vertreten und sind unter schwierigsten Bedingungen für die katholische Kirche eingetreten. Sie haben in den nicht notwendigen Dingen Toleranz geübt. Sie haben sich in Ihrem Handeln und Eintreten für andere Menschen durch die Liebe für sie leiten lassen.“

Dr. Wagner, dem VOP Thomas Lichtleitner-Meier die Verbandsnadel anheftete, nahm die Ehrungen mit Dank und sichtlicher Freude entgegen. In einer kurzen Ansprache warb er um westdeutsche Symphatien für den Aufbauwillen in den „neuen“ Bundesländern. Die Unterstützung auch der Katholiken und der Kirchen sei bei dieser gesamtdeutschen Aufgabe gefragt. „Hätte es während meiner Studienzeit in Dresden katholische Studentenverbindungen gegeben - ich hätte mich übrigens ganz sicher einer angeschlossen“, erklärte er. „Und es hätte gut die UNITAS sein können.“

 

UNITAS-Stand auf Anfrage

Ein repräsentativer und zugleich wetterbeständiger Info-Stand steht den aktiven UNITAS-Vereinen seit dem Katholikentag in Dresden zur Verfügung. Das Trägersystem für den Info-Stand besteht aus stabilen Aluminiumrohren. Es ist mit grundsätzlichen Informationen zum Verband, seinen Grundlagen, seiner Geschichte und praktischer Arbeit versehen. Die 2,20 Meter hohe Ausstattung mit zwölf DIN A-0 großen, scheibengeschützten Flächen, Beistelltischen, Stirntransparent und Regenschutzplane wird auch für öffentliche Veranstaltungen oder Info-Stände im Freien gut geeignet sein. Der Aufbau ist leicht zu bewerkstelligen, für den Transport sind ein großer Kombi oder ein Kleintransporter notwendig. Vereine, die den Stand für die eigene Öffentlichkeitsarbeit nutzen wollen, können sich an die Verbandsgeschäftsstelle richten, die den Verleih koordiniert.

 

Dialog und Orientierung
Arbeitskreis Grundsatzprogramm (AGP) ins Leben gerufen

Sie ist eine noch ganz junge Tochter des Verbandes: Die neue UNITAS-Grundsatzkommission. Am 7. April 1994 schlug sie im Bonner Katholischen Büro die Augen auf und wurde von den anwesenden Eltern gleich standesgemäß getauft. Zeugen: Die Bundesbrüder Dr. Reinhard Marx, Geistlicher Beirat des Verbandes, Vorortspräsident Thomas Meier, Verbandsgeschäftsführer Dr. Wilfried Podlinski, Leopold Turowski, Beirat für gesellschaftspolitische Fragen und Dr.Christof Beckmann, Beirat für Öffentlichkeitsarbeit.

Entstanden ist die Grundsatzkommission aus den Beratungen der Neusser Klausurtagung des Verbandsvorstandes am 26./27.Febru-ar. Der „geistige Vater“ Dr. Reinhard Marx, hatte den Gedanken zu einer grundsätzlichen neuen und intensiveren Beschäftigung mit den essentials der UNITAS in die Debatte geworfen. Die Versammlung widmete sich dem Thema in einer breiten Diskussion und beauftragte die genannten „Taufpaten“ mit der Fortführung der Debatte. Und mittlerweile hat die Grundsatzkommission die ersten Schritte getan: Seit der ersten Versammlung des Arbeitsgruppe hört sie auf den Namen „Arbeitskreis Grundsatzprogramm“, abgekürzt AGP. Die Funktion des Sprechers hat auf Wunsch der Mitglieder Bundesbruder Marx übernommen.

Profil schärfen - Dialog führen

Ausgangspunkt der Überlegungen ist, daß wesentliche Positionen des Verbandes, die in religiösen Angeboten (Einkehrtage, Verbands- und AGV-Wallfahrten), etwa auf dem Krone-Kreis-Seminar, auf Aktiventagen, in sozialen Projekten und der Wissenschaftsarbeit, aber auch in der Teilnahme an den „Salzburger Hochschulwochen“ zum Ausdruck kommen, neu zu schärfen sind. Dazu sollen auf dem Boden der festehenden Grundsätze des unitarischen Grundgesetzes und des Bonner Papiers, die sich aus den Prinzipien und dem Wahlspruch ergeben, Positionen für heute neu er-“arbeitet“ werden.

Für den Verband bedeutet die Installierung dieses AGP nach dem Willen der Promulgatoren damit das Startsignal für einen über mehrere Jahre laufenden Prozeß der Vergewisserung und Übersetzung der unitarischen Prinzipien. Mehr herausgestellt werden soll das Angebot des Verbandes für junge Menschen als Einladung zur Gemeinschaft, zur Lebensorientierung und zu einer eindeutigen christlichen Werteordnung. Dem Bemühen um eine Aktualisierung der Prinzipien, der Verstärkung der inhaltlichen Dialogs, der Erweiterung des thematischen Aktionsfeldes und der Entwicklung neuer Perspektiven soll sich der Verband auf einer breiten inhaltlichen Basis und unter Beteiligung aller Verbandsstrukturen stellen. Das Ergebnis soll die Arbeit des Verbandes mittel- und langfristig verpflichten.

Der Arbeitskreis selbst sieht sich nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Verbandsämtern. Vielmehr soll ihnen, insbesondere der GV und dem Vorstand, zugearbeitet werden. Als Zusammenfassung der Beiratsvorsitzenden wird der AGP deren Arbeit anregen, verstetigen und harmonisieren. Auf Vorschlag des Verbandsgeschäftsführers werden auch der hochschulpolitische Beirat und das unitarische Presseamt in den Kreis berufen. Erste Überlegungen für ein Diskussionspapier, das zu einem breiten Dialog im Verband führen soll, werden bis zur GV vorliegen.

C.Beckmann

 

2. Mai 1994
Bbr. Prälat Dr. Heinrich Holtkamp zur letzten Ruhe begleitet

ESSEN. Unter großer Anteilnahme wurde am 2.Mai Bundesbruder Prälat Dr. Heinrich Holtkamp auf dem St. Markus-Friedhof in Essen-Bredeney zur letzten Ruhe getragen. Ortspfarrer Egon Goldenberg konzelebrierte mit dem Essener Generalvikar Dieter Schümmelfeder, Dechant Josef Kestermann und Pfarrer Franz-Josef Reidick in der Markuskirche die Exequien. Rund 30 Priester, sechs Bannerabordnungen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und viele Gläubige nahmen Abschied von dem beliebten Geistlichen, der am 25.April im Alter von 91 Jahren gestorben war. „Das Wort Gottes zu ergründen, es zu verkünden in treuer, kompromißloser Konsequenz, das hat er in sechs Jahrzehnten seines reichen priesterlichen Lebens als seinen wichtigen Auftrag betrachtet. Er stand festgewurzelt in der Tradition des Glaubens“, würdigte Pfarrer Goldenberg in seiner Ansprache das lange Wirken der markanten Priesterpersönlichkeit.

Bundesbruder Holtkamp, 1903 in Essen-Rüttenscheid geboren, studierte in Bonn, Freiburg und Köln Theologie und Philosophie. 1923 trat er in die UNITAS Eckardia in Freiburg ein und wurde 1923 philistriert. Nach seiner Priesterweihe 1928 in Köln und ersten Kaplansjahren im Bistum Aachen kam er 1931 als Rektor an die Kirche St. Johann in Essen. Hier erlebte er als letzter der lebenden Augenzeugen die Zerstörung der Münsterkirche mit. Der Religionslehrer an der Städtischen Berufsschule wirkte als Priester in der Pfarrei Herz-Jesu in Altenessen, an St.Mariä Geburt in Kupferdreh-Dilldorf und von 1952 bis 1973 an St. Markus in Bredeney. Von 1962 bis 1969 war Holtkamp Dechant des Dekanates Essen-Werden. 1974 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Päpstlichen Ehrenkaplan.

Besonders verbunden war der hünenhafte Geistliche der Arbeit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Vierzig Jahre lang war er Präses des Essener KAB-Bezirks. Prälat Holtkamp, der nach 65 Jahren im Dienst vor acht Monaten noch sein Eisernes Priesterjubiläum feierte, wurde über das Bistum Essen hinaus bekannt. 1971 holte er den zu seiner Pfarrgemeinde in Bredeney gehörenden, entführten Essener Kaufmann Theo Albrecht nach Hause, nachdem der damalige Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach das geforderte Lösegeld von 7 Millionen Mark übergeben hatte.

Der Essener Zirkel verliert in Bundesbruder Prälat Holtkamp ein treues Mitglied. R.I.P.

CB

 

Mai/Juni 1994
Robert-Schuman-Universität Essen?
Thema in der Mai-Ausgabe des UNITAS-Radiomagazins im Ruhrgebiet

„Nicht bekannt... Keine Ahnung... Sicher, der Musiker...“ - diese und ähnliche Statements ernüchterten die Macher der neuesten Radioproduktion der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund. In ihrem Mai-Magazin setzte sich die Aktivitas mit der laufenden Diskussion um die Umbenennung der Universität/Gesamthochschule Essen auseinander. Das mittlerweile siebte ihrer einstündigen Radio-Magazine, die im Bürgerfunk von Radio Essen und der Ruhrwelle Bochum ausgestrahlt werden, stellte am 11.Mai den Unitarier und „Vater Europas“ Robert Schuman als Kandidaten für einen neuen Namen der Essener Universität in den Mittelpunkt.

Mit der Sendung griff die UNITAS an der Ruhr in einen bislang recht „unaufgeregt“ verlaufenden universitätsinternen Gesprächsprozeß ein, in den die politischen Kräfte am Ort hineinwirken. Dies stellte auch eine von den Bundesbrüdern Bernd Genser und Christian Lammert für die neueste „AufRuhr“-Sendung bei rund 100 Kommilitonen durchgeführte Zufallsbefragung in der Mensa fest. Wie sich herausstellte, haben sich weder die Diskussion selbst, noch gar die Alternativen zur Namensgebung in größeren Kreisen herumgesprochen.

Bis auf ganz geringe Ausnahmen wußten die Studenten auch kaum etwas mit dem Namen „Schuman“ anzufangen. Wie befürchtet, war es allenfalls der Musiker, zu dem den Studentinnen und Studenten etwas einfiel. So erinnerte sich wenigstens ein besonders informierter Kommilitonen spontan an die „Rheinische Sinfonie“ des gleichnamigen romantischen Komponisten. Anderen wäre jeder Name recht: „Sollen sie doch die Uni nach Kashoggi benennen“, meinte ein offensichtlich Betriebswirtschaft Studierender, der jeden Vorschlag unterstützt, wenn nur der Namensgeber oder seine Erben einen „entsprechenden Betrag für die universitäre Lehre und Forschung lockermachen.“ Andere wiederum votierten für ein örtliches Kneipenoriginal oder lieber den Rot-Weiß-Essen-Altstar „Ente“ Lippens. Und der Hausmeister der Alma Mater gab erregt zu Protokoll, daß wohl niemand in Frankreich auf die Idee käme, eine Universität nach einem Deutschen zu benennen - und sei er noch so berühmt.....

Der Weg einer Alternative

Die Fakten: Seit dem vergangenen Jahr steht der insbesondere von Oberbürgermeisterin Anette Jäger und SPD-Fraktion unterstützte Vorschlag im Raum, die Uni/GHS Essen nach dem Essener Alt-Oberbürgermeister und ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann zu benennen. Seitdem aber Mitte Januar Dr. Markus Kiefer, CVer und Herausgeber eines lokalen Wochenblattes, als bislang einzige Alternative und überraschend den Namen Robert Schumans in den Ring warf, waren die Bundesbrüder an der Ruhr natürlich als erste „mit von der Partie“. Eine sofort angestellte Blitzrecherche bei den im Ruhrbistum und angrenzenden Raum bestehenden Zirkeln Anfang Februar ließ eine deutliche Parteinahme Für Schuman erkennen, was die Aktiven „vor Ort“ in ihrer Unterstützung für den „europäischen“ Vorschlag bestärkte.

Ein offizielles Statement der UNITAS wurde gleich in 320.000 Exemplaren des Wochenblattes verbreitet, ein umfassender Artikel über Schuman in einem weiteren Stadtmagazin brachte erste Reaktionen. Auch die Alten Herren des Essener Zirkels stiegen ein und warben nachdrücklich im Convent Essener Corporationsverbände (CEAV) für den Alternativvorschlag. Das Ergebnis: Einstimmig beschlossen die vertretenen, bereits über den CV informierten Verbände, dem Antrag der UNITAS zu entsprechen und den Namen Robert Schumans im Förderverein der Universität zu empfehlen, in dem sie Sitz und Stimme haben.

Trotzdem: Manchem Außenstehenden und fern der grünen Ruhr Wohnenden drängt sich sicher zuerst und ganz selbstverständlich die Frage auf, was Schuman wohl mit dem bis heute noch weitgehend vom Kohle-und-Stahl-Klischee bestimmten Revier Überhaupt zu tun haben mag. Eine Argumentationslücke? Nein, erklärten die Aktiven in ihrem Radiomagazin: Denn es sei gerade Schuman, der es verdient habe, den Menschen in Stadt und Region im Gedächtnis zu bleiben. Er, dessen politische Vision Europas Wirklichkeit zu werden beginnt, er, der selbst zwischen den Grenzen der wechselvollen Geschichte des Kontinents aufwuchs, widersetzte sich prinzipientreu nationaler Beschränktheit. Dem Nachkriegsfrankreich gab er das Vertrauen in die Republik zurück und erleichterte gleichzeitig der jungen deutschen Republik die Rückkehr in die Völkergemeinschaft.

Schuman und das Revier

Und sein Bezug zum Ruhrgebiet ist dabei offensichtlich: Denn Schuman stemmte sich in den ersten Friedensjahren nach dem Krieg gegen die völlige Demontage der deutschen Wirtschaft - mit ganz entscheidenden Auswirkungen für die unter Zwangswirtschaft stehende Montanbetriebe gerade des rheinisch-westfälischen Industriereviers. Nüchtern sah er mit der deutsch-französischen Aussöhnung als erstem Baustein Europas die Wichtigkeit zuerst des wirtschaftlichen Zusammenwachsens: „Europa wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen“, meinte Schuman in seiner „Historischen Erklärung“ vom 9. Mai 1950, in der den Vorschlag machte, die Grundindustrien Deutschlands und Frankreichs als Grundstein für ein Vereinigtes Europa zusammenzuschließen. Die „Solidarität der Produktion“ sollte einen neuen Krieg unmöglich machen, einen Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft schaffen und allen Staaten Europas offen stehen.

Mit seinem „europäischen Traum“, der über die Montan-Union von 1952 bis heute inzwischen sehr konkrete Form annahm, wurde Schuman zum „Propheten der Zukunft“. Sie sah er in einer universellen Solidarität, in einer Aufhebung der Teilung Europas, das versöhnt mit der Pluralität der Traditionen und Überzeugungen zum Vorbild Für Fortschritt, Solidarität, Verantwortung und Zivilisation werden sollte. Robert Schuman, der von dem jüngst zum Träger des Heinrich-Brauns-Preises des Bistums Essen gekürten ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Leo Tindemans einmal als „der weitblickendste Staatsmann unserer Zeit“ bezeichnet wurde, muß damit in der weiten Öffentlichkeit als „Pionier Europas“ gelten, dem vielleicht der größte Anteil am Werden einer europäischen Nation zukommt.

Diese Erkenntnis galt und gilt es auch an der Ruhr zu beleben, so die Meinung der UNITAS im Revier. Zu niederschmetternd war den Bundesbrüdern das Ergebnis der Umfrage im „geistdurchfluteteten Beton“ der Essener Uni. Aber, Hand aufs Herz: An welcher der Hohen Schulen der Republik wäre der Befund wirklich anders gewesen? Trotzdem - Robert-Schuman-Universität Essen: Bleibt dies nicht ein bißchen weit hergeholt, ist dies nicht ein bißchen viel Ehre für eine junge, 1972 gegründete Universität mit 25.000 Studierenden in 14 Fakultäten?

Während sich seit kurzem die Duisburger Universität in der Nachbarschaft den Namen Mercators, des großen Sohnes der Stadt, zugelegt hat, verfolgen die Unterstützer der Namensgebung nach Robert Schuman in Essen eine völlig andere Idee: „Eine junge, namenlose Universität nach einem großen Sohn oder einer großen Tochter der Stadt zu benennen, ist sicher der einfachste Weg“, heißt es in der Moderation des UNITAS-Magazins. Gerade im Ruhrgebiet, das als Konjunkturlokomotive der Nachkriegszeit mit Bergbau und Stahl selbst so maßgeblich von der Politik Robert Schumans profitiert hat, gebe es aber eine besondere Herausforderung für eine sachliche, emotionslose und parteipolitisch unbelastete Diskussion, die über den Vorschlag Gustav Heinemann hinausgeht.

Schuman-Diskussion vor dem Euro-Gipfel in Essen

Zumal in der Stadt Essen selbst: Denn schließlich rüstet sich die 630.000 Einwohner zählende Ruhrmetropole schon vor den für den 12.Juni anstehenden Europawahlen für den diesjährigen Euro-Gipfel. Am 9./10. Dezember treffen sich die Regierenden Europas am „Schreibtisch des Reviers“. Welche Chance für eine Universität in einer europäischen Zukunftsregion für eine glaubwürdige Demonstration von Europa- und Weltoffenheit!

Europa und die aktive Rolle eines fast vergessenen Visionärs an dessen Gestaltung - dies muß im Mittelpunkt der Essener Diskussion stehen. Daß Robert Schuman vor 90 Jahren in die UNITAS Salia in Bonn eintrat und zeitlebens ein bekennender Unitarier war, der Umstand, daß sein Seligsprechungsprozeß eingeleitet und gerade unser Verband sein Vermächtnis neu und Für die aktuelle Arbeit mehr entdecken muß - dies sind keine Argumente Für die hiesige Diskussion. Aber den Fortgang der Ereignisse werden die Unitarier an der Ruhr jedenfalls nicht nur als Zuschauer verfolgen...

Christof Beckmann


 ... das ist der rechte Mann.." - so meinte schon Mephistopheles einst im Studierzimmer sinnierend an den Schüler gewandt (Faust, Der Tragödie Erster Teil). Recht hatte er allemal - und die Weisheit paßt für den speziellen Fall. Denn die Universität/Gesamthochschule Essen sucht einen Namen. Nicht gerade eine Tragödie, noch ein Drama, aber ein Schauspiel mit wenig Publikum, so schien die Suche bislang. Bis Anfang des Jahres ein neuer Vorschlag auf die Bühne trat, als vom Stadtblatt ,,Hallo Essen" der Name des ehemaligen französischen Außenministers und Ministerpräsidenten Robert Schuman in die öffentliche Debatte geworfen wurde. Wenn auch zur Zeit die Diskussion in der Institution keine große Wellen zu schlagen scheint, kam doch außerhalb des Campus publikumswirksam des Namenskarussell wieder in Fahrt.

In der Hochschule werde die Frage der Namensgebung seit einigen Wochen in ollen Fachbereichen und verschiedenen Gruppen diskutiert. Dies betonte Rektor Professor Dr. Elmar Lehmann auf eine Anfrage des von Dr. Markus Kiefer herausgegebenen Blattes. Da die Überlegungen noch nicht abgeschlossen seien, will der Rektor selbst zu diesem Zeitpunkt noch keine Stellungnahme abgeben. Doch wie soll es anders sein: Lange bevor im Senat beschlossen wird - und auf die Entscheidungsfindung dort kommt es an - stoßen sich auch im politischen und im öffentlichen Raum, wie so oft, die Dinge im Raum. Eine Perspektive ist gefragt...

Die Namen....

Öffentlich und länger zur Debatte steht bislang Gustav Heinemann, von 1946 bis 1949 Essener Oberbürgermeister, favorisiert von Oberbürgermeisterin Jäger und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Willi Nowack. Als ,,Bürgerpräsident" stehe Heinemann für Demokratie, Toleranz und Solidorität, meint Annette Jäger. „Grundsätzlich für gut" hält dagegen Hanns Sobek, Erster Bürgermeister, den Vorschlag „Robert Schuman". Walter Wandke, GRÜNEN-Ratsherr und Mitglied im Kulturausschuß, will das „,Lebenswerk von Schuman und seine Verknüpfung mit dem Ruhrgebiet der frühen Nachkriegszeit nicht geringschätzen", schlägt seinerseits aber den Schriftsteller Erik Reger vor, der sich vor sechzig Jahren in zwei Romanen ,,Union in fester Hand" und ,,Das wachsame Hähnchen" mit der Stadt und dem Revier auseinander setzte. Eine Namensgebung begrüßt auch die Fraktionsvorsitzende der FDP, Georgia Kaiser. Die Richtung sei wegweisend, meint die Liberale, doch möchte sie eine Personifizierung vermeiden. Ihr Vorschlag: „Europa-Universität Essen". Und endlich ganz international wird die Angelegenheit mit der Antwort von Francois Scheer, dem Französischen Botschafter in Bonn. Er hält den Vorschlag für eine gute Idee, schlägt als Alternative im europäischen Kontext zudem Charles de Gaulle vor.

Mit Blick auf das Revier und auf die Frage, ob nicht auch herausragende Frauen für die Namensgebung in Frage kommen, äußern sich Stimmen aus dem kirchlichen Raum: So hält der Essener Weihbischof Franz Grave den Vorschlag für “sicherlich bedenkenswert", da Schuman mit der Schaffung einer europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl für Essen und das Ruhrgebiet große Bedeutung gehabt habe. Darüber hinaus verweist der Bischofsvikar für weltkirchliche und gesellschaftliche Aufgaben darauf, daß die christlich-soziale Bewegung aus dem Ruhrgebiet starke Impulse erhalten har. Die Grundlage der Sozialgesetzgebung sei hier begründet worden, stellt Grave fest und nennt als ,,hervorragenden Repräsentanten dieser Bewegung" Heinrich Brauns, der vor seiner Zeit als zwölfmaliger Arbeitsminister (1920-1928) der Weimarer Republik von 1895-1900 als Vikar in Essen-Borbeck wirkte. Auch Dr. Baldur Hermans, dem Leiter der Abteilung Kirche und Gesellschaft im Bischöflichen Generalvikariat gefällt die Namensgebung „Robert Schuman-Universität". Sie würde in diesem Jahr aufmerksam europaweit registriert, erklärt Hermans, sie wäre Programm, signalisiere Offenheit für Europa und Weltoffenheit, internationale Kooperation und Verständigung, ehre einen europäischen Politiker von hoher moralischer Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Es falle schwer, einen gleichermaßen bedeutenden Namen wie den Schumans zu finden, doch solle man auch an Frauen wie an die lange Zeit in Essen lebende Politikerin Helene Weber, an die jüdische Physikerin Ilse Meitner oder die Philosophin Edith Stein denken.

... die Uni...

In der öffentlichen Meinung schweben also inzwischen eine ganze Reihe prominente und weniger prominente Namen über dem Gelände, dem dereinst nicht im Traum anzusehen war, daß es einmal Standort einer „Hohen Schule" sein würde. Mit der Industrialisierung entstand an selber Stelle im alten „Segeroth“ innerhalb weniger Jahrzehnte „Essens wilder Norden". Eingeklemmt zwischen Maschinenbaufabrik, Städtischer Gasfabrik, Kruppscher Gußstahlfabrik und Schießstand, dem Bahnhof Essen-Nord, Zeche Gustav und Victoria Mathias, Rheinisch-Westfälischem Elektrizitätswerk, Kläranlage und Städtischem Fuhrpark war er über die Region hinaus als “Nachtjacken- und Scheunenviertel" bekannt. Bis in die Zeit noch dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich im ,,klassischen Zuwandererviertel Essens“ zwischen Maschinen-, Bohrer-, Former, Gas-, Dreher-, Gieß- oder Schachtstraße bei höchster Bevölkerungsdichte und geringstem Wohnkomfort ein reich differenziertes politisches und soziales Milieu.

Zwischen katholischer Kirchengemeinde St. Marien und angeschlossenem Kloster, der KPD, Zentrumspartei und sozialistischer Arbeiterbewegung wuchs in den slumartigen Mietskasernen der Mythos vom „Roten Segeroth". Von der Heimat Kleingewerbetreibender, von „Klüngelskerlen", aus den Ostprovinzen stammenden Juden, den Sinti und Roma an der Schlenhofstraße, Kostgängern, hochmobilen Facharbeitern und Prostituierten ließen die Bomberstaffeln der Royal Air Force im August 1945 nur noch Trümmer. In Ruinen, Holzbaracken und Nissenhütten, Schuppen und Kellerwohnungen kämpften nach dem Krieg Flüchtlinge und 25.000 Menschen um ihr Überleben. Ein seit 1950 verfolgter Plan, einen Großmarkt an der Stelle des Viertels einzurichten, kam nicht zur Verwirklichung, neue Bauprojekte gegen Ende der 1960er Jahre wurden nicht ausgeführt. Erst mit dem im Januar l92l erfolgten Zuschlag für die Uni auf dem Gelände des Segeroth kam eine neue Perspektive. Unter dem Motto „Offene Universität“ ging es schließlich zur Sache und am 24.Oktober 1972 kam es unter Gründungsrektor Wolter Kroll zum ersten Spatenstich. 22 Jahre später bevölkern 22.500 Studenten aus vielen Ländern der Welt den Campus, studieren an 14 Fakultäten.

...die Stadt ...

Die Essener Universität eröffnete nicht nur dem Viertel neue Perspektiven, auch der Stadt und den Menschen in der Region. Sie ist zwar nicht gerade die größte Hochschule in der Gegend, aber ein Pfund, mit dem die Stadt, einst weltweiter Inbegriff von Kohle und Stahl, heute wuchern kann. Wie das Revier selbst liegt sie im Herzen Europas.Und nicht umsonst tröst die mit 630.000 Einwohnern mit Frankfurt um den sechsten Platz in der Republik rangelnde Ruhrmetropole den beziehungsreichen Namen „Schreibtisch des Ruhrgebietes". Essen, gleichzeitig Zentrale des Ruhrbistums, Sitz der größten .Energieriesen Europas und großer deutscher Wirtschaftskonzerne, eine Stadt mit großem Kulturangebot und Freizeitqualität, hat unter guten Voraussetzungen ihre Zukunft noch vor sich. Denn im europäischen Wettbewerb bestehen für das Revier insgesamt gute Ausgangspositionen. Kein Wunder also, daß im Jahr der Europa-Wahlen der Dezember-Gipfel der Europäischen Union mit Recht diesmal in Essen stattfindet. Schon jetzt zeichnet sich ein aufwendiges und vielfältiges Europaprogramm in der Stadt ab.

... die Perspektive.

Während so am Himmel über der Stadt wie ein Regenbogen vieldeutig und hoffnungsvoll der Schriftzug ,,Europa" steht, fällt mit dem Nomen ,,Robert Schuman" für die Essener Uni ein mächtiger Stein ins Wasser. Wie kaum eine andere Universitätsgründung der letzten Jahrzehnte hat Essen damit eine Chance, Flagge zu zeigen. Bedenkenswerte Alternativen stehen im Raum, die über die Stadt hinaus weisen und den Horizont weiten können. Wenige aber so, wie der potentielle Namensgeber selbst.

Robert Schuman hat sicher verdient, den Menschen in dieser Stadt, in dieser Region und in Europa im Gedächtnis zu bleiben. Denn seine politische Vision Europas beginnt Wirklichkeit zu werden. Er, der selbst zwischen den Grenzen der wechselvollen Geschichte aufwuchs, als Luxemburger vor genau 90 Jahren in Bonn sein Studium aufnahm, in München, Berlin und Straßburg fortsetzte, widersetzte sich prinzipientreu nationalem Dünkel und der Unfreiheit. Nach dem Krieg gab er Frankreich das Vertrauen in die Republik zurück, erleichterte gleichzeitig der Bundesrepublik wieder den Weg in die Völkergemeinschaft, stemmte sich gegen die völlige Demontage vor allem rheinisch-westfälischen Industriereviers. Nüchtern sah er mit der deutsch-französischen Aussöhnung als erstem Baustein Europas die Wichtigkeit wirtschaftlichen Zusammenwachsens: „Europa wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen", sagte er in seiner „Historischen Erklärung" vom 9.Mai 1950. In ihr machte er den Vorschlag, die gesamte deutsche und französische Kohle- und Stahlproduktion unter eine gemeinsame Hohe Behörde zu stellen. Diese Solidarität der Produktion sollte einen erneuten Krieg unmöglich machen, einen Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft ermöglichen und allen beitrittswilligen Staaten ganz Europas offen stehen.

Mit seinem “Europäischen Traum“, der über die MONTAN-Union von 1952 bis heute inzwischen sehr konkrete Gestalt annahm, wurde er zum ,,Prophet der Zukunft". Sie sah Robert Schuman in einer „universellen Solidarität", in einer Aufhebung der Teilung Europas, das versöhnt mit der Pluralität der Traditionen und Überzeugungen zum Vorbild für Fortschritt, Solidarität, Verantwortung und Zivilisation werden sollte.
Schuman - von Leo Tindemanns, dem ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten, einmal als “der kreativste und weitblickendste Staatsmann unserer Zeit" bezeichnet, wurde zum ,,Pionier Europas". Robert Schuman schuf dazu Perspektiven, die noch über Europa hinausweisen. „Robert Schuman-Universität Essen" also – ohne eine Zweifel eine zukunftsweisende Perspektive für Hochschule und Stadt gleichermaßen.

Christof Beckmann



Zitiert: Robert Schuman

„Das Gesetz der Solidarität drängt sich dem öffentlichen Gewissen auf. In der Erhaltung des Friedens, der Verteidigung gegen Aggressionen, dem Kampf gegen das Elend, der Achtung der Verträge, der Erhaltung von Gerechtigkeit und Menschenwürde fühlen wir uns alle solidarisch.“

„Europa ist gegen niemand. Das geeinte Europa ist ein Symbol der allumfassenden Solidarität der Zukunft. Bevor Europa eine militärische Allianz oder eine wirtschaftliche Einheit sein wird, muß es eine kulturelle Einheit im höchsten Sinne des Wortes sein."

„Der Respekt vor dem Recht des Anderen ist der Friede für alle."

“Europa kommt es zu, einen neuen Weg aufzuzeigen: durch das Akzeptieren einer Vielfalt von Zivilisationen, von denen jede den anderen mit gleicher Achtung begegnet.“

„Die Demokratie ist eine fortdauernde Bewegung, die sich vervollkommnen muß. Das Gesetz der Solidarität zwischen den Völkern gebietet dem heutigen Gewissen aller Völker, sich zu einer gegenseitigen Solidarität aufgerufen zu sehen. Einer braucht den anderen ohne Unterschied des Ranges und der Macht, die er hat.“

„Der Friede der Welt kann nicht bewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen."


Aus: STADTMAGAZIN „LIVE. Zeit für Essen“, März 1994, X-XII.

 

 

WISSENSCHAFTLICHER KATHOLISCHER STUDENTENVEREIN
unitas ruhrania
Bochum - Essen - Dortmund - gegr. 12.1.1911 in Münster
 

Essen, 27.Januar 1994
Hallo Essen - Redaktion 

Stellungnahme zur Namensgebung
der Universität-Gesamthochschule Essen

Sehr geehrte Herren,

die Information, daß es eine Initiative zur Benennung der Universität-GHS Essen nach Robert Schuman gibt, zunächst im Kreis der UNITAS im Ruhrgebiet ein großes Interesse hervorgerufen. Aber auch im Bundesverband ist der Vorschlag auf ein positives Echo gestoßen. Eine förmliche Erklärung zur Sache wird im Februar bei einer Klausurtagung des Vorstandes in Neuss getroffen werden können - falls auch für Sie von Interesse.

Nicht nur im W.K.St.V. UNITAS Ruhrania, sondern auch bei den örtlichen Vorständen der UNITAS-Altherrenzirkel im Bistum Essen/Raum Ruhrbiet in den Städten Essen, Bochum, Castrop-Rauxel, Dinslaken-Walsum, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Mülheim, Oberhausen, Recklinghausen, Witten und Wuppertal hat die Information über die Initiative entsprechende Beschlüsse und große, auch begeisterte Zustimmung für die Initiative hervorgerufen. Ich darf Ihnen persönlich und im Auftrag die nachstehende - kurze - Stellungnahme zur Sache übersenden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr.Christof Beckmann


Stellungnahme

„Ein hervorragender Vorschlag. Denn wer die Zukunft - auch für das Revier - will, meint Europa. Und wer Europa will und die Verantwortung des Kontinents für die Welt sieht, kommt an dem großen Europäer Robert Schuman nicht vorbei. Sein Charakter, seine weit in die Zukunft weisende politische Vision, seine Unabhängigkeit von nationaler Begrenztheit, seine tiefe Menschlichkeit und hohe persönliche Integrität, sein Widerstand gegen Unfreiheit, sein bedingungsloses Eintreten für Demokratie und Gleichberechtigung unter den Völkern, sein lebenslanger Appell für Solidarität, Versöhnung, Gerechtigkeit, Menschenwürde und die Erhaltung des Friedens sind vorbildlich. Der Vorschlag hat in unserer Stadt viele Fürsprecher verdient. Dem „Vater Europas“ könnte kein besseres Andenken bewahrt werden. Sinnvolle Alternativen? Keine!“

Dr. Christof M. Beckmann, Essen
Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS im Bistum Essen/Ruhrgebiet


 

15. Januar 1994
Totalitärem widerstehen, für Demokratie und Europa einstehen
Ruhrania feierte 83. Stiftungsfest

BOCHUM. Mit Cumulativkonvent, gemeinsamer Messe in der Bochumer Propsteikirche und Kommers beging am Samstag, 15.Januar die UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund ihr 83. Stiftungsfest in der Bochumer Konstanten „Wacholderhaus“. Es stand ganz im Zeichen des Gedenkens an den durch die Nazis unter dem Fallbeil hingerichteten Kaplan Bbr. Johannes Prassek. Ihn charakterisierte Bundesbruder Dr. Ludwig Freibüter als „Märtyrer sein Zeit“ und lebensfrohen Unitarier in historischem Zusammenhang, in menschlichen wie geistlichen Zeugnissen.

Mit Blick auf die anstehenden Europawahlen und den im Dezember anstehenden EU-Gipfel in der Ruhrgebietsmetropole Essen erinnerten die Ruhranen auch an Robert Schuman. Den von Kommerspräside Dr. Christof Beckmann gemachte Vorschlag zur Unterstützung einer kürzlich in Essen entstandenen Initiative, die Universität/GHS Essen nach dem großen Europäer und Unitarier zu benennen, quittierten die Gäste und Bundesbrüder der Zirkel in Bochum, Essen, Dortmund, Castrop-Rauxel mit großem Applaus.

Vierzehn Bundesbrüder und eine Reihe von Verkehrsgästen verzeichnete der Rechenschaftsbericht von Senior Bernd Brinker. Wie die Diskussionen im CC deutlich machten, will die Ruhrania, die sich in den ersten Semestern mit stark besuchten Veranstaltungen zu sozialpolitischen Themen im Ruhrgebiet vorstellte, an ihrem Profil noch weiter arbeiten. So soll sich echte Wissenschaftsarbeit mit gemeinschaftsfördernden und kulturellen Veranstaltungen ergänzen. Der Kontakt zu Altherrenschaft und mit den umliegenden Altherrenzirkeln soll noch verstärkt und die mit dem Dortmunder Zirkel aufgenommene Zusammenarbeit intensiviert werden. Eine positive Bilanz zog der Verein, der sich wie kein anderer im Verband der besonderen Herausforderungen der großen räumlichen Entfernungen stellt, zur Öffentlichkeitsarbeit. So lieferten die aktiven Ruhranen mit einem Bericht über das Vereinsfest im Dezember 1993 unter anderem ihr inzwischen fünftes Radiomagazin bei Radio Essen ab.
CB


Oktober 1993
Hier funkt´s! UNITAS auf Sendung
Das läßt sich hören: „Friesenwelle“ und „UNITAS - Auf Ruhr“

Ein einsamer Mensch mitten in einer Fußgängerzone Münsters: Immer wieder hält er Passanten an, ihnen ein Mikro unter die Nase und stellt die Fragen aller Fragen: „Bürgerradio Antenne Münster - was halten Sie von Studentenverbindungen?“ Aber nicht irgendein freier Mitarbeiter der zahlreichen Lokalfunkstationen in Nordrhe