Juni
1995
Massive
Unterstützung erhielt der in den vergangenen sechs Jahren von der
UNITAS Sugambria unterstützte Aufbau eines Kinderheims in
Markkleeberg bei Leipzig. Über das Ergebnis, das sich jetzt auf mehr
als 600.000 Mark beläuft und inzwischen abgeschlossen ist, waren die
Initiatoren selbst überrascht....
UNITAS-Verband im Einsatz für Kinder in
Leipzig
Katholische Studenten sammeln eine halbe Million
Mark
OSNABRÜCK/NEUSS/BONN. Einen Stand von 500.000 Mark erreichte
jetzt das Spendenthermometer des „Verbandes der Wissenschaftlichen
Katholischen Studentenvereine Unitas“ für ein im Bau befindliches
Kinderdorf bei Leipzig. Schon im Juli werden nach derzeitigem
Planungsstand die ersten Kinder einziehen.
1990 ergriffen
studentische Mitglieder des Verbandes nach Besuchen in Sachsen die
Initiative für das erst von der Caritas getragene Kinder- und
Jugenddorf in den „neuen“ Bundesländern. Gemeinsam mit
Unitas-Mitglied Pfarrer Herbert Duffner, der nach dem Zweiten
Weltkrieg das Kinder- und Jugenddorf „Klinge“ im badischen Seckack
aufgebaut hatte, entwickelten sie die Idee weiter, mobilisierten und
begeisterten den 7.000 Angehörige zählenden Bundesverband, der die
Initiative zum „Soziale Projekt der UNITAS“ erklärte.
Bundesinnenminister a.D. Rudolf Seiters, selbst Angehöriger des
ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes in
Deutschland, übernahm spontan die Schirmherrschaft.
„Unser
Studentenprojekt ist Zeichen praktischer Solidarität zwischen Ost
und West. Wir ergreifen Partei für Kinder und Jugendliche“, so
Hans-Achim Michna aus Osnabrück, Sprecher des aus Unternehmern,
Ärzten, Kirchenleuten, Bundestagsabgeordneten und Studenten
gebildeten dreizehnköpfigen Kuratoriums. Besonderes Merkmal der
Siedlung: Erziehungsschwierige, elternlose und nichteheliche Kinder,
die unter dem SED-Regime nicht selten als „unproduktives Leben“
bezeichnet worden seien, sollen in ihrer aus dem sächsischen Boden
gestampften neuen Heimat die Zuwendung und Geborgenheit einer
Familie kennenlernen. So werden acht bis zehn Kinder
unterschiedlichen Alters mit ihren Pflegeeltern in einem Haus wie in
einer Familie zusammenleben. In jedem Haus, erläutert Michna das
Konzept, wird ein Elternpaar die Erziehung und gemeinsame
Wirtschaftsplanung übernehmen.
Fünf Jahre
dauerten Suche und Planung für ein 5,8 Hektar großes Grundstück, das
in der Gemeinde Markkleeberg bei Leipzig gefunden wurde. Etwa 80
Kinder sollen schließlich in neun Häusern mit Wohngärten und
Terrassen leben. Über 30.000 Quadratmeter Parklandschaft entstehen,
ein fast ein Hektar großer Abenteuerspielplatz und ein Sportplatz.
Auch vorgesehen sind mehrere Gemeinschafts- und Gästehäuser,
Parkplätze, ein Regenwassersammelbecken und ein Recyclingplatz.
Praktisch durchgeführt wird das Projekt unter dem Dach des Deutschen
Caritasverbandes, der auch die Trägerschaft der Einrichtung
übernimmt.
Schon vor
Abschluß der Planungen und der Klärung der rechtlichen Verhältnisse
schnellte das Spendenthermometer der Unitas in die Höhe. Heute steht
rund eine halbe Million Mark zur Verfügung. Immer wieder schrieben
die Studenten Tausende von Adressen an, starteten Spendenaufrufe an
Firmen und in Zeitungen. Und der Verband zog mit: Bundesbrüder aus
allen Ecken Deutschlands antworteten, Mitglieder gingen in vielen
deutschen Universitätsstädten zum Sammeln auf die Straße, bauten
Informationsstände auf, führten Kunstausstellungen, Konzerte,
Flohmärkte und andere Aktionen durch. Allein die vergangene
Weihnachtsaktion der Unitas brachte über 100.000 Mark
zusammen.
Seit dem
Katholikentag in Dresden, zu dessen Beginn der Dresdener Weihbischof
Georg Weinhold den symbolischen ersten Spatenstich für das Kinder-
und Jugenddorf machte, ging das Projekt mit großen Schritten voran:
Im Herbst vergangenen Jahres begann der Bau der ersten beiden Häuser
und im Mai wurde bereits Richtfest gefeiert. Noch im Spätsommer
werden die ersten Kinder aus einem aufgelösten katholischen
Waisenhaus in Engelsdorf einziehen. Für den Herbst ist die
Einweihung des ersten, nach der „Unitas“ benannten Hauses durch den
ehemaligen Bundesminister Rudolf Seiters vorgesehen.
Spendenkonto:
„Kinderdorf in
Sachsen“, Kontonummer 71 61 bei der Sparkasse Bonn (BLZ 380 500
00).
Kontakt: Hans-Achim Michna, Tel. 0541/67 6 8 0 oder 05441/82
191
8. Juli
1995
Ruhrania
erregt weiter Anstoß
Wallfahrt und Semester-Ex-Radio im
„Pott“
„Ja, es
soll Anstoß erregen, aber positiven. Schließlich stehen wir zum
Kreuz, das wir tragen, das als Zeichen der Erlösung die Mitte
unseres Lebens ist.“ So kommentierte Helmut Wiechmann die Frage nach
dem Sinn der ersten Ruhr-Wallfahrt der UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund am 8.Juli. Drei Kirchen standen auf dem
Wanderprogramm der Aktiven, die - Kreuz voraus - in der Heimat von
Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff auf Schusters Rappen durch
den Süden der Stadt Essen zogen.
Das Zitat aus der am 12.Juli in Radio
Essen ausgestrahlten inzwischen 10. Radiosendung „UNITAS-Auf Ruhr“
sollte deutlich machen, was eine kleine Gruppe vermag: Die Menschen
an der Straße zum Nachdenken anzuregen, miteinander ins Gespräch -
nicht zuletzt über den Glauben - zu kommen und gleichzeitig eine
gute Sache zu unterstützen.
Denn die Wanderung diente auch der Arbeit
der Salesianer Don Boscos im Essener Stadtteil Borbeck, die zur
Zeit ihr Schulgebäude modernisieren: Für jeden der zehn gelaufenen
Kilometer gab es „Kilometergeld“ von den Altherrenzirkeln Essen und
Bochum, die die Idee der Aktiven begeistert aufnahmen und als
Sponsoren für die Aktion einstiegen. Ein erster Betrag von 250 Mark
war das Ergebnis eines sonnigen Weges durch die grüne Wiege des
Ruhrbergbaus, den der Fuxenstall unter FM Helmut Wiechmann mit
„Lokalmatador“ Jens Scholten aus Essen-Überruhr, Benedikt Kisters
und Eckehard Brenne geistlich maßgeblich vorbereitet hatte.
Unitarischer „Wanderzirkus“
Die Wallfahrt war das gelungene
Ausrufezeichen nach einem Semester, das mit der kompletten
Wiederwahl der Chargen unter Senior Markus Mönig aus Iserlohn zuende
ging. Gestandene Verantwortliche sind gefragt, denn große Ereignisse
stehen für das kommende Semester ins Haus: Schließlich wollen die
Ruhranen - voraussichtlich am 12./13.Januar - ihr 85. Stiftungsfest
begehen. Auch Nachwuchs ist in den kommenden Monaten nötig bei dem
zwischen Lenne und Rhein tourenden einzigen unitarischen
„Wanderzirkus“. Studienortwechsler sind an der Ruhr herzlich
willkommen. Sie treffen in jeder Stadt zwischen Dortmund und
Duisburg immer auf aktive Ansprechpartner.
Fortsetzen wollen die Unitarier im
Ruhrgebiet die jetzt begonnene Jahreswallfahrt auch 1996. Nach
gelungenem Auftakt soll die Einladung an alle Alte Herren und an die
Aktivenvereine zwischen Bonn und Münster gerichtet werden, sich rund
um Potthoffs Geburtsort Essen-Werden mit dem Kreuz auf Wanderschaft
zu begeben. Die UNITAS Ruhr bittet, sich die Einladung schon einmal
vorzumerken. Die Ludgerusprozession am ersten Septembersonntag, aber
auch Zechenfahrten und andere ruhrtypische Besuchsziele wie
Brauereien oder immer wieder die Republik erschütternde
Fußballduelle machen das Revier im übrigen für jede Aktivitas zur
Region für ein ideales Tourenprogramm.
Wir brauchen Gemeinschaft
Ebenso kann ein Besuch im Rundfunkstudio
des Bistums Essen arrangiert werden, in dem mindestens zweimal pro
Semester die selbst produzierten Sendungen entstehen. Auch für
andere UNITAS-Aktivitates besteht hier die Möglichkeit, die Technik
kennenzulernen und über sich zu erzählen.
Genutzt hat es jetzt die UNITAS in
Thüringens Hauptstadt Erfurt, die mit Essen in einer
Städtepartnerschaft verbunden ist. Klaus-Hermann Rößler, ehemaliger
VOP und inzwischen „leidenschaftlicher Wahl-Thüringer“, brachte es
als Interviewpartner in der letzten Ausgabe des Semester-Ex-Radios
der UNITAS Ruhrania auf den Punkt: „Christen brauchen Gemeinschaft“,
meinte er, gefragt nach dem „Kick“ bei der UNITAS, „und sei sie noch
so klein.“ Auf das Ruhrgebiet gemünzt, gilt somit für die
Gemeinschaft des ganzen Verbandes weiterhin das unitarische
Startmotto von 1990: „Wir an der Ruhr - gemeinsam nach
vorn!“
C.Beckmann
28.
Januar 1995
Ruhrania
feiert 84. Stiftungsfest
Blick geht nach
Südamerika
BOCHUM. Sein
84.Stiftungsfest feiert am Samstag, 28.Januar 1995, der
Wissenschaftliche Katholische Studentenverein UNITAS Ruhranaia
Bochum-Essen-Dortmund. Das Vereinsfest zu Ehren des Verbandspatrons
Thomas von Aquin begehen die Mitglieder um 18.30 Uhr mit einer
gemeinsamen Messe in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses.
Zelebrant ist Franziskanerpater Hans-Georg Löffler aus Dortmund.
Um 20.15 Uhr schließt sich im
Wacholderhaus am Schwanenmarkt der traditionelle Festkommers an.
Präsidierender Vorsitzender der studentischen Feier ist der
derzeitige „Senior“ des Vereins, Helmut Wiechmann, Theologiestudent
an der Ruhr-Universität. Erwartet werden zum Kommers neben vielen
„Alten Herren“ aus den benachbarten Ruhrgebietsstädten auch Gäste
aus mehreren anderen Universitätsorten, darunter eine Delegation des
amtierenden Verbandsvorstandes, UNITAS Stolzenfels zu Bonn. Die
Festrede von Dr. Dieter Allkämper vom Dortmunder Westfalen-Kolleg
beleuchtet das Verhältnis zwischen Naturreligion und Christentum in
Südamerika.
Der am 21.Januar 1911 in Münster ins
Leben gerufene katholische Studentenverein wurde im Sommersemester
1991 als W.K.St.V. UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
wiederbegründet und verlegte seinen Hauptsitz in die Stadt der
Ruhruniversität. Er zählt 20 aktive Studenten aller Fachrichtungen
an den Universitäten Essen, Bochum, Dortmund und Wuppertal, die sich
zu wissenschaftlichen, religiösen und geselligen Veranstaltungen
regelmäßig in Bochum treffen. Die nach der Ruhr benannte UNITAS
Ruhrania ist der einzige Ruhrgebietsverein des 1855 gegründeten und
damit ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverbandes in
Deutschland. Mit weiteren Gründungen von Ortsvereinen in
Magdeburg/Erfurt, Prag und Kasachstan hatte der Verband die Zahl
seiner Mitgliedsvereine in den letzten Jahren auf 47 gesteigert. Die
UNITAS hat zudem als einziger Studentenverband bislang auch vier
UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Marburg, Frankfurt und Gießen
aufgenommen.
Winfridenbote 1995
„...ändern
muß sich der Einzelne...“
Fragen an Dr.
Christof Beckmann, den neuen Stellvertretenden
Verbandsgeschäftsführer
Innerhalb
des Verbandes gilt spätestens seit der Ära Walter Keller der
Verbandsgeschäftsführer als „der“ Mann im Verband, obwohl nach der
Satzung der Vorortspräsident der höchste unitarische Repräsentant
ist. Bleibt dem stellvertretenden Verbandsgeschäftsführer mehr als
nur die Aufgabe des Kofferträgers?
Zunächst: Der
UNITAS-Verband besitzt mit der besonderen Position des durch den
gewählten Vorort gestellten Vorortspräsidenten in der Tat eine
einzigartige Organisationsform unter den großen
Korporationsverbänden. Dies ist in einem „Verband wissenschaftlicher
katholischer Studentenvereine“ aber auch nur recht und billig. Dabei
haben die Vorortspräsidenten viele Möglichkeiten, dieses wichtige
Amt auszufüllen, mit ihren speziellen inhaltlichen oder thematischen
Akzenten zu versehen und damit ihrer herausgehobenen Stellung
gerecht zu werden. Dabei liegt es ganz an ihnen, ob sie es in der
zugegebenermaßen manchmal zu kurzen Vorortszeit tun oder
nicht.
Allerdings ist
es aus guten Gründen der Verbandsgeschäftsführer, der den Verband
rechtlich nach außen vertritt. Dies ist auch in unserer Satzung so
festgelegt. Grundsätzlich ist die Geschäftsführung eines Verbandes
dabei sicher eine dienende Aufgabe - neudeutsch „Service“. Sie führt
die laufenden Geschäfte und trägt Sorge für die ordentliche
Haushaltsführung. Im Gesamtvorstand, in dem Aktive und Alte Herren
gemeinsam beraten und beschließen, führt der Verbandsgeschäftsführer
aber nicht umsonst den Vorsitz, denn er garantiert an
herausgehobener Stelle die kontinuierliche Arbeit des Verbandes.
Damit wachsen ihm über seine geschäftsführenden Aufgaben weitere
Kompetenz und Gewicht zu.
Dies haben
sicher alle im übrigen ehrenamtlich tätigen Verbandsgeschäftsführer
so gesehen und der ihnen eigenen Persönlichkeit entsprechend
ausgefüllt. Der amtierende Verbandsgeschäftsführer Dr. Wilfried
Podlinski hat sehr oft betont, daß er diesen dienenden Aspekt im
Vordergrund seiner Arbeit sieht. Er versteht sich darüber hinaus
ausdrücklich als ein Moderator in der sich recht deutlich
abzeichnenden Umbruchszeit des Verbandes. Diese Verantwortung zu
tragen, ist nicht leicht. Sie ist, wenn man so will, in diesen
Jahren ein ziemlich schwerer „Übersee-Koffer“. Diesen Koffer nun
mitzutragen, sollte - unabhängig von Ämtern - von allen Mitgliedern
im Verband, von allen Unitariern, als eigene Aufgabe gesehen
werden.
Welche
konkreten Aufgabenbereiche siehst du, in denen du tätig werden
wirst?
Auch der
stellvertretende Verbandsgeschäftsführer ist nach dem eben Gesagten
nicht nur jemand, der neben dem eigentlichen Geschäftsführer
Kontovollmacht und Unterschriftsberechtigung besitzt. Dieser
geschäftlichere Teil ist für mich persönlich nun einmal kein Anlaß
zur Selbstüberschätzung. Und hier sind auch die Absprachen zwischen
Bundesbruder Podlinski und mir klar. Sicher aber ist es
grundsätzlich sinnvoll, bei Verhinderung des
Verbandsgeschäftsführers einen gewählten Stellvertreter ins Rennen
schicken zu können. Und hier ergänzen wir uns ja auch.
Als Bundesbruder
Podlinski mich einige Wochen vor der Generalversammlung fragte, ob
ich für das Amt zur Verfügung stehen würde, haben wir uns darauf
verständigt, daß von meiner Seite vor allem Unterstützung in
Richtung eines verstärkten innerverbandlichen Dialogs kommen könnte.
Dies ergänzt sich auch mit seiner Auffassung von der durch ihn
übernommenen Aufgabe. Hierbei einem überzeugten und überzeugenden
Unitarier zur Seite zu stehen, der in seinem Amt als Moderator für
die vielen innerverbandlich anstehenden Fragen angetreten ist, war
auch für mich ein Reiz, nicht wieder für das Amt des Vorsitzenden
des Beirates für Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchs zu kandidieren,
in dem wir genau diesen so notwendigen Dialog auf der Ebene der
Beiräte bereits mit vorbereitet haben.
Auch
wenn es der Verbandsvorstand möglicherweise anders sehen wird:
Innerhalb der UNITAS gibt es eine nicht zu übersehende
Verbandsverdrossenheit. Oder anders: Viele Bundesbrüder interessiert
der Verband weniger, der eigene Verein umso mehr. Wie läßt sich
dieser Tendenz entgegensteuern?
Es ist doch
absolut wichtig, daß der eigene Verein die Bundesbrüder besonders
interessiert! Dort verwurzelt sich ein Unitarier, lernt er
unitarische Haltung an der Basis kennen, übernimmt er Aufgaben,
lernt er seine Stärken kennen und entwickelt er seine Talente. Diese
Verwurzelung in der freundschaftlichen Verbundenheit der
Bundesbrüder im Verein ist erst die entscheidende Basis, auf der
über den Ort hinaus weisendes Engagement aufbaut - vorausgesetzt, es
wird von Anfang an auch deutlich, welche Bedeutung der Gesamtverband
für den Einzelverein und umgekehrt hat. Anders kann es gar nicht
gehen. Wenn in jedem Ortsverein entsprechendes unitarisches Leben
wächst, sollte sich eigentlich niemand um mangelndes
Verbandsinteresse sorgen. Für mich gilt die Formel: Viele gute
Mitglieder machen viele gute Vereine, gute Vereine machen einen
guten Verband.
Starke
Ortsvereine aber sind leider ja wohl eher selten. Gerade wir
Winfriden wissen doch, daß ein Verein mit 30 bis 40 Aktiven mehr
Möglichkeiten hat, als die vielen kleineren Vereine. Ganz praktische
Gründe also erklären, warum weniger „Man-power“ für den Verband von
der Basis kommt, als uns allen lieb wäre. Und dies ist nicht nur
eine Frage der Quantität. Denn mit der Verbandsverdrossenheit“ ist
es wie mit der vieldiskutierten Politik- oder
Parteienverdrossenheit: Wenn immer weniger sich engagieren, gehen
die Dinge halt so, wie sie gehen. Und dabei bleibt die Arbeit für
die Übriggebliebenen, statt sie sinnvoll auf viele Schultern zu
verteilen, damit sie vielen Spaß macht.
Auf den Punkt
gebracht: Der Verband spiegelt den Zustand der Gesamtvereine wider.
Und jede fahrlässige Ignoranz, jedes destruktive und
Kaputtdiskutieren des „Verbandes“, fällt vor allem auch auf die
Vereine zurück. Denn daraus spricht ein völlig falsches
Selbstverständnis und falsches Selbstbewußtsein der Gruppen vor Ort.
Wenn dies einmal begriffen ist, wenn stattdessen endlich wieder
ernsthaft inhaltliche Fragen auf der Tagesordnung stehen, dann
gewinnt der Verband und gewinnen die Einzelvereine genau das Profil,
das er und sie brauchen, um mehr an diesen Fragen und nicht zuletzt
an der UNITAS interessierte Mitglieder in die Reihen vor Ort zu
bekommen. Wir müssen also einfach lernen, wieder mehr miteinander
als übereinander zu reden. Mit dem vom Geistlichen Beirat,
Bundesbruder Dr. Reinhard Marx, gekommenen Anstoß für den
„Arbeitskreis Grundsatzprogramm“ (AGP) sind wir da auf einem
richtigen Weg. Wenn sich die UNITAS Winfridia wie auch die anderen
Vereine an der Diskussion über Soll und Haben im Verband beteiligt
und gute, grundsätzliche und zukunftsweisende Beiträge dazu auch aus
Münster kommen - umso besser. Ich erwarte das sogar - das darf ich
als Alter Herr der Winfridia sicher sagen.
Was
muß sich innerhalb des UNITAS-Verbandes ändern, damit es für junge
Studenten auch im Jahr 2000 noch attraktiv ist, Unitarier zu
werden?
Die Prinzipen
der UNITAS sind zeitlos. Es wird immer Menschen geben, die sich
bemühen, unitarischen Grundsätzen in ihrem Leben gerecht zu werden.
Daran wird sich - Gott sei Dank - zunächst einmal nichts ändern. Und
ich bin sicher - auch weit über das Jahr 2000 hinaus. Da ist auch
einmal statt ständiger Panikmache eine gelassene christliche
Zuversicht am Platz.
Natürlich werden
es aus vielen Gründen immer weniger, die sich „mit fliegenden Fahnen
in die Arme des Vereins werfen“. Denn die Zeiten sind ja schon lange
vorbei, in denen der Ortspfarrer, der unitarische Lehrer oder Vater
den Sohnemann in die UNITAS schickte, damit er sich im
freundschaftlichen Kreise der Bundesbrüder katholischer
Lebenshaltung und „edler Unterhaltung“ zu befleißigen lernte. Über
die ersten Kontakte gibt es im Verband schon immer eine
Gleichzeitigkeit ganz unterschiedlicher Erfahrungen der
Generationen.
Deutlicher aber
sollte uns gerade in den Vereinen bewußt sein, daß die Gewinnung von
Nachwuchs vor allem Überzeugungsarbeit bedeutet - wenn nicht sogar
schon immer. Neumitglieder, überzeugte und überzeugende Unitarier,
fallen nicht vom Himmel. Nur das persönliche Beispiel, die
Glaubwürdigkeit vieler Einzelner zählt. „Verba docent, exempla
trahunt“ heißt es nicht umsonst. Anders gesagt: „Reden ist Silber,
Handeln ist Gold.“ Da muß sich also demnach nichts zunächst „im
Verband“ ändern. Denn genau dieser Blickwinkel lenkt vom
Eigentlichen ab. Ändern muß sich nämlich der Einzelne. Ein hoher
Anspruch - aber das ist ja schon eine Katechismusweisheit ersten
Grades.
Hier steckt die
Chance für die Vereine und für den Verband: Gebraucht wird eine sich
daraus entwickelnde bundesbrüderliche, bessere innerverbandliche
Kommunikation, eine nachdrückliche und eindeutige Verständigung über
die Essentials, eine Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist -
und was nicht. Das heißt: Angesagt ist endlich die Abkehr von
thematischen Nebenschauplätzen und eine Konzentration auf eine
zeitgemäße Übersetzung unserer zentralen Grundsätze. Es muß in der
Festschreibung unserer kirchlichen und gesellschaftlichen Positionen
ein eindeutiges unitarisches Profil wachsen und geschärft werden,
denn Beliebigkeit ist der Tod der UNITAS. Wir müssen unterscheidbar
bleiben. Jeder Verein muß sich dazu in der Pflicht sehen und sich
nicht zuletzt am Ort auch entsprechend präsentieren. Dann mag
Nachwuchs in Scharen strömen - es schauen sich immer noch genug
Menschen nach einer echten Orientierung um.
Wann
wirst du Verbandsgeschäftsführer?
Es ist sicher
sehr sinnvoll, in einigen Jahren nicht ganz unvorbereitet in die
Diskussion über den nächsten Verbandsgeschäftsführer zu stolpern.
Das ist auch die Meinung von Bundesbruder Podlinski, der nach seiner
Aussage das Amt nicht „bis ultimo“ innehaben will. Ich selbst habe
allerdings schon zur Zeit nicht geringe berufliche und vor allem
auch familiäre Verpflichtungen, die leider oft genug zu kurz kommen.
Auch sind da noch die UNITAS vor Ort sowie mit wichtige verschiedene
Aktivitäten in anderen Vereinigungen, die die Luft wahrscheinlich
etwas dünn für ein dauerhaftes Verbandsengagement dieser Art machen.
Zur Person:
Dr. Christof Beckmann, Jahrgang
1960, ist geborener Bonner. Nach Abitur 1978 bei den Jesuiten auf
dem Aloisiuskolleg in Bad-Godesberg Lehre und Arbeit als Garten- und
Landschaftsbauer in Bonn und München. Seit dem WS 1981/82 Student
der Kommunikationswissenschaften, der Kunstgeschichte, Volkskunde
und Neueren Geschichte an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Gleichzeitig Eintritt in den
W.K.St.V. UNITAS Stolzenfels Bonn, dort dreimal FM. 1985 Wechsel an
die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und zu UNITAS
Winfridia, free student an der „Katholieke Universiteit Leuven“
(Belgien), FM und Hausmeister im Dondersheim, 1988-1989 stellv.
Vorsitzender und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Katholischer Studentenverbände (AGV). 1989 Gründung des W.K.St.V.
UNITAS Essen/Bochum, seit 1991 UNITAS Ruhrania
Essen-Bochum-Dortmund, dort seit 1991 Vorsitzender des „UNITAS
Studentenheim Bochum e.V.“. Bis 1992 Redaktionsmitglied der
Verbandszeitschrift „unitas“. 1990 Promotion in Münster mit einer
Dissertation über katholisches Vereinswesen im Ruhrgebiet, 1992
Philistrierung bei UNITAS Winfridia Münster, B-Philister bei UNITAS
Ruhrania. Seit 1990 Mitglied des UNITAS-Beirates für
Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchs, 1992-1994 dessen Vorsitzender,
seit 1994 Stellvertretender Verbandsgeschäftsführer.
Seit 1991
ist Bundesbruder Christof Beckmann als Öffentlichkeitsreferent der
Katholischen Stadtkirche Essen und des Caritasverbandes für die
Stadt Essen verantwortlich für die kirchliche Presse- und
Rundfunkarbeit. Seit 1988 ist er verheiratet mit seiner Frau Maria.
Beide haben drei Kinder: Lisa ist 4 Jahre, Johannes 2 Jahre alt, der
jüngste, Georg, wurde am 10.Juni 1994 geboren.
Juli
1994
UNITAS beim
Katholikentag in Dresden
Oberbürgermeister Dr. Wagner
Ehrenmitglied -
Spenden für Kinderdorf
„Unterwegs zur Einheit“
lautete das Motto - und deutlich über 30.000 Dauerteilnehmer
strömten zum 92. Deutschen Katholikentag nach Dresden. Im
sächsischen Elbflorenz präsentierten sich vom 30.Juni bis zum 3.Juli
die katholischen Verbände, die Bistümer und vielfältige Aktionen
rund um religiöse, soziale und Umweltthemen. Mit dabei auch die
UNITAS, die mit einem neuen Info-Stand an den Start ging. Sie sorgte
gleich am ersten Tag für einen wichtigen Termin im Kalender des
frisch wiedergewählten Oberbürgermeisters: Denn seit Donnerstag,
30.Juni, ist Dr. Herbert Wagner Ehrenmitglied des Verbandes.
Gelb-Weiß vor blauem Himmel
Eine große Baustelle: Dies war der erste
unvergeßliche Eindruck von Dresden, diesem Städtekleinod an der
Elbe. Und schon ist abzusehen, daß es sich bald nach dem Abbau der
die Silhouette von Frauenkirche, Zwinger und Semper-Oper
bestimmenden Baukräne der Welt als eine noch wertvollere
Schatzkammer der Architektur und der Künste zeigen wird. Vor Jahren
allerdings wäre der Idee gar eines gesamtdeutschen Katholikentags
zweifellos eine gewisse Absurdität nicht abzusprechen gewesen. Nun
aber ergossen sich die Besucher zu Tausenden aus dem Bahnhof,
Bussen, Bahnen, und verstopften die Straßen der in sattem Gelb-Weiß
glänzenden, wiedererstehenden Barockstadt. Ein Meer von Fahnen wies
den Weg durch die über Nacht gewachsene 2,5 Kilometer lange
Zeltstadt. Quer über die Schlagadern der historischen
Sachsenmetropole zog sie sich als Quartier für die, die informieren
wollten, und als Ziel derer, die sich, nicht selten erstaunt, von
der lebendigen Vielfalt der katholischen Kirche überzeugen konnten.
Vergleichbar groß wie in den vergangenen Jahren war die
Programmvielfalt: 28 große Podiumsveranstaltungen, Bibelarbeit,
Werkstätten und viele Treffpunkte zu bestimmten Themen - sie alle
paßten sich ein in das Gesamtmotto.
Doch trockene Information sollte nicht
der Zweck der demonstrativ öffentlichen Präsenz von Kirche in der
Stadt sein: Erklärte Absicht der Veranstalter war es, ins Gespräch
zu kommen, ins ökumenische Gespräch und auch in den Dialog mit der
Kirche Fernstehenden. Dort, wo in der ehemals protestantischen Stadt
70% der 470.000 Einwohner bislang keine Beziehungen zur Kirche
hatten, dort, wo die Katholikenzahl des ganzen Bistums
Dresden-Meißen mit 270.000 nicht einmal an die Zahl der katholischen
Kirchenangehörigen in einer westdeutschen Stadt wie etwa Essen
heranreicht.
Getreu der Devise „Unterwegs zur Einheit“
stellte der Katholikentag die Überlegungen zu Gestaltungsaufgaben in
Gesellschaft und Politik, die Verständigung über gemeinsame und
grundlegende Werte in einem neuen Wertekonsens in den Mittelpunkt.
Doch neben der Diskussion über eine gelingende plurale Demokratie
und die Frage, was uns Deutsche unsere jüngste Geschichte lehrt,
ging es auch um die Grundwerte menschlichen Lebens und
Zusammenlebens, die Herausforderungen im europäischen und weltweiten
Zusammenhang, und um die Frage nach der Einheit der Kirche und der
Christen heute.
Glutofen Altmarkt bringt Spenden für
UNITAS-Projekt
Umgeben von den barocken Fassaden der
alten Residenzstadt, war der wie ganz Dresden sonnenüberströmte
zentrale Altmarkt vor allem Forum für die Ordensgemeinschaften, die
Frauenverbände, die großen Sozialverbände und für die Jugend. In
schöner Eintracht nebeneinander „zelteten“ hier auch die
katholischen Studentenverbände, TCV, RkdB, UNITAS, KV, CV und die
Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Studentenverbände (AGV). Am
Stand der AGV war vorgesorgt: Hier ließ sich mit spontan
organisierten Getränken gut der Hitze trotzen. Allein 500 Liter
Faßbier gingen als Spende der versammelten Verbände an
Katholikentagsbesucher aus dem Zapfhahn. Das schöne Ergebnis: Ein
Reingewinn von 1.700,- DM für das UNITAS-Kinderdorf-Projekt in
Markkleeberg bei Leipzig, für das am Vortag des Katholikentreffens
der erste Spatenstich getan werden konnte. Noch im Herbst diesen
Jahres wird der Grundstein für das erste, vom UNITAS-Verband
finanzierte, Haus gelegt.
UNITAS präsent
In enger Nachbarschaft bemühten sich Zelt
an Zelt die studentischen Verbandsvertreter auf dem Dresdener
Altmarkt um eine passable Präsentation ihrer „essentials“ und
Aktivitäten. Schon die mit großem Schriftzug versehene Zeltwand
machte den UNITAS-Stand gleich bei der ersten
Fernsehberichterstattung zum beliebten Drehmotiv. Hinter der Wand
wartete auf Besucher der vom Beirat für Öffentlichkeitsarbeit
aufgebaute Teil des neuen Info-Standes, neben dem ausgeschiedenen
Vorsitzenden mit viel Arbeitseinsatz von den Bundesbrüdern
Hermann-Josef Grossimlinghaus und Thorsten Braun (UNITAS-Salia)
montiert und per Kleinbus von Christoph Brands nach Dresden
transportiert. Auf sechs Großtafeln informierten professionell
gestaltete Textfahnen, historisches und aktuelles Fotomaterial
stellte Geschichte, Prinzipien, Personen, soziales Engagement,
Geselligkeit, Sport und das Leben auf dem Haus vor. Gleich mitnehmen
konnten Besucher am leider nicht sehr beständig besetzten Stand
zudem das in einer Auflage von 5000 Exemplaren aufgelegte neue
farbige Info-Faltblatt, das erstmalig auf dem Katholikentag verteilt
wurde. Nicht zuletzt: Auch die UNITAS-Studentinnenvereine zeigten
Flagge am Verbandsstand, informierten auf zwei Tafeln mit Bildern
und Zeitungsausschnitten.
Glückwünsche für den OB
Hoher Besuch stellte sich am Donnerstag
nach der Standeröffnung ein. Dresdens Oberbürgermeister Dr. Herbert
Wagner kam zum offiziellen Termin in das schnell mit rund 40
Besuchern überfüllte Zelt. Der Altherrenbundsvorsitzende Günter Ganz
begrüßte pünktlich um 10 Uhr den Generalvikar von Dresden-Meißen,
Prälat Georg Hanke, den Generalsekretär der KAD, Urban Zinser (CV),
den KV-Rats-Vorsitzenden Dr. Wolfgang Löhr, Hubert Tintelott,
Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes und Vorsitzender
der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Deutschlands, den
AGV-Vorsitzenden Klaus Oidtmann, die Vorortspräsidenten von CV und
KV, und viele mehr. Unter den am Stand versammelten Bundesbrüdern:
Der geistliche Beirat des Verbandes, Dr. Reinhard Marx,
Vorortspräsident Thomas Lichtleitner-Meier, die Vorortsschriftführer
Alexander Pulte und Hermann Wind, Präsident der KAD und Stadtrat
Bernhard Mihm, Dr. Christof Beckmann in Vertretung des erkrankten
Verbandsgeschäftsführers Dr. Wilfried Podlinski, Leopold Turowski,
Beirat für gesellschaftspolitische Fragen, der geistliche Beirat des
neuen Vorortes UNITAS Stolzenfels, Kaplan Bruno Kurth, sowie rund
zehn Aktive. Sie alle waren gekommen, um die auf der Paderborner
Generalversammlung 1993 beschlossenen Verleihung der
Ehrenmitgliedschaft an den Dresdener Oberbürgermeister mitzuerleben.
Zu seiner erst am Sonntag zuvor erfolgten Wiederwahl gab es gleich
auch langen Beifall: „Ihre mit großem Vorsprung vor Ihren
Konkurrenten erfolgte Wiederwahl bestätigt eindrucksvoll Ihr Ansehen
bei den Bürgern dieser Stadt, die mit Ihrer Wiederwahl Ihre aus
christlicher Verantwortung erbrachten großartigen Aufbauleistungen,
die sich an den fast 200 Baukränen, die in den Dresdner Himmel
ragen, ablesen lassen, anerkannt haben“, äußerte Günter Ganz in
seiner Laudatio.
UNITAS und Dresden
In seiner Ansprache erinnerte Ganz an
prominente Unitarier, die mit Dresden verbunden sind. So an Hermann
Ludger Potthoff, bis 1885 zwei Jahrzehnte lang Königlicher
Hofprediger an der Hofkirche. Mit Professor Dr. Aloys Schäfer, ab
1906 Apostolischer Vikar von Sachsen mit Sitz in Dresden, stellte
ein Unitarier die Weichen für die Gründung des Bistums
Dresden-Meißen. Dessen erster Bischof wiederum war Dr. Christian
Schreiber, ab 1930 erster Bischof von Berlin, und Ehrenmitglied des
UNITAS-Verbandes. „Ganz besonders der wissenschaftliche und
praktische Einsatz für die soziale Gerechtigkeit gehört zur
unitarischen Tradition. In diesem Einsatz für soziale Gerechtigkeit
steht in mannigfaltiger Weise auch Ihr Leben“, erklärte der
Altherrenbundsvorsitzende an die Adresse des Oberbürgermeisters.
„Dafür hat der UNITAS-Verband Ihnen die Ehrenmitgliedschaft
angetragen. In Ihnen erkennt der UNITAS-Verband eine Persönlichkeit,
mit der sich seine Mitglieder gerne auch äußerlich durch eine
gemeinsame Zugehörigkeit zum Verband verbunden sehen
wollen.“
Bundesbruder Dr. Wagner - ein engagierter katholischer
Christ
Der Neu-Unitarier Dr. Herbert Wagner,
1948 in Neustrelitz/Mecklenburg geboren, arbeitete nach
Grundwehrdienst und Elektronik-Studium in Dresden als
Entwicklungsingenieur in der Industrie. Promoviert zum Dr. Ing.
wurde er 1985. Aus einem katholischen Elternhaus stammend,
engagierte er sich Wagner schon als Student im Bereich der Kirche,
war 1970/71 Sprecher der Katholischen Studentengemeinde und von
1975-1990 Sprecher des Katholischen Akademiker-Kreises Dresden. In
seiner eigenen Pfarrgemeinde in unterschiedlichen Gruppen und
Funktionen tätig, wurde ihm 1987 die Regie der Schlußfeier des
ersten landesweiten Katholikentreffens in Dresden anvertraut. Dr.
Wagner, vor der Wende auf der Seite der Reformer, wurde im Herbst
1989 Sprecher der oppositionellen „Gruppe der 20“, Organisator und
Moderator der Dresdener Montags-Demonstrationen. Vorsitzender der
Basisdemokratischen Fraktion der Stadtverordnetenversammlung nach
dem Honecker-Sturz, wurde Wagner Stellvertretender Stadtvorsitzender
und bei den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 Spitzenkandidat
der Demokratischen Union für das Amt des Oberbürgermeisters. In
diesem wurde er am 26.Juni 1994 wieder bestätigt. Sein Herz für die
Kommunalpolitik schlägt auch über seine eigne Stadt hinaus, denn Dr.
Wagner ist Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages und
Stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages.
„Diese Vita zeigt, daß der UNITAS-Verband
in Ihnen einer Persönlichkeit begegnet, die unserer akademischen
Jugend in jeglicher Hinsicht als Vorbild vorgestellt werden kann“,
erklärte der Altherrenbunds-Vorsitzende Günter Ganz in seiner
Laudatio und überreichte eine eigens gestaltete Urkunde. „Sie haben
in Ihrem bisherigen Leben den Wahlspruch der UNITAS verwirklicht.
Sie haben stets das, was Sie als notwendig ansahen, nämlich Ihren
katholischen Glauben, mannhaft vertreten und sind unter
schwierigsten Bedingungen für die katholische Kirche eingetreten.
Sie haben in den nicht notwendigen Dingen Toleranz geübt. Sie haben
sich in Ihrem Handeln und Eintreten für andere Menschen durch die
Liebe für sie leiten lassen.“
Dr. Wagner, dem VOP Thomas
Lichtleitner-Meier die Verbandsnadel anheftete, nahm die Ehrungen
mit Dank und sichtlicher Freude entgegen. In einer kurzen Ansprache
warb er um westdeutsche Symphatien für den Aufbauwillen in den
„neuen“ Bundesländern. Die Unterstützung auch der Katholiken und der
Kirchen sei bei dieser gesamtdeutschen Aufgabe gefragt. „Hätte es
während meiner Studienzeit in Dresden katholische
Studentenverbindungen gegeben - ich hätte mich übrigens ganz sicher
einer angeschlossen“, erklärte er. „Und es hätte gut die UNITAS sein
können.“
UNITAS-Stand
auf Anfrage
Ein repräsentativer und zugleich
wetterbeständiger Info-Stand steht den aktiven UNITAS-Vereinen seit
dem Katholikentag in Dresden zur Verfügung. Das Trägersystem für den
Info-Stand besteht aus stabilen Aluminiumrohren. Es ist mit
grundsätzlichen Informationen zum Verband, seinen Grundlagen, seiner
Geschichte und praktischer Arbeit versehen. Die 2,20 Meter hohe
Ausstattung mit zwölf DIN A-0 großen, scheibengeschützten Flächen,
Beistelltischen, Stirntransparent und Regenschutzplane wird auch für
öffentliche Veranstaltungen oder Info-Stände im Freien gut geeignet
sein. Der Aufbau ist leicht zu bewerkstelligen, für den Transport
sind ein großer Kombi oder ein Kleintransporter notwendig. Vereine,
die den Stand für die eigene Öffentlichkeitsarbeit nutzen wollen,
können sich an die Verbandsgeschäftsstelle richten, die den Verleih
koordiniert.
Dialog und
Orientierung
Arbeitskreis Grundsatzprogramm (AGP) ins Leben
gerufen
Sie ist
eine noch ganz junge Tochter des Verbandes: Die neue
UNITAS-Grundsatzkommission. Am 7. April 1994 schlug sie im Bonner
Katholischen Büro die Augen auf und wurde von den anwesenden Eltern
gleich standesgemäß getauft. Zeugen: Die Bundesbrüder Dr. Reinhard
Marx, Geistlicher Beirat des Verbandes, Vorortspräsident Thomas
Meier, Verbandsgeschäftsführer Dr. Wilfried Podlinski, Leopold
Turowski, Beirat für gesellschaftspolitische Fragen und Dr.Christof
Beckmann, Beirat für Öffentlichkeitsarbeit.
Entstanden ist
die Grundsatzkommission aus den Beratungen der Neusser Klausurtagung
des Verbandsvorstandes am 26./27.Febru-ar. Der „geistige Vater“ Dr.
Reinhard Marx, hatte den Gedanken zu einer grundsätzlichen neuen und
intensiveren Beschäftigung mit den essentials der UNITAS in die
Debatte geworfen. Die Versammlung widmete sich dem Thema in einer
breiten Diskussion und beauftragte die genannten „Taufpaten“ mit der
Fortführung der Debatte. Und mittlerweile hat die
Grundsatzkommission die ersten Schritte getan: Seit der ersten
Versammlung des Arbeitsgruppe hört sie auf den Namen „Arbeitskreis
Grundsatzprogramm“, abgekürzt AGP. Die Funktion des Sprechers hat
auf Wunsch der Mitglieder Bundesbruder Marx übernommen.
Profil schärfen - Dialog führen
Ausgangspunkt
der Überlegungen ist, daß wesentliche Positionen des Verbandes, die
in religiösen Angeboten (Einkehrtage, Verbands- und
AGV-Wallfahrten), etwa auf dem Krone-Kreis-Seminar, auf
Aktiventagen, in sozialen Projekten und der Wissenschaftsarbeit,
aber auch in der Teilnahme an den „Salzburger Hochschulwochen“ zum
Ausdruck kommen, neu zu schärfen sind. Dazu sollen auf dem Boden der
festehenden Grundsätze des unitarischen Grundgesetzes und des Bonner
Papiers, die sich aus den Prinzipien und dem Wahlspruch ergeben,
Positionen für heute neu er-“arbeitet“ werden.
Für den Verband
bedeutet die Installierung dieses AGP nach dem Willen der
Promulgatoren damit das Startsignal für einen über mehrere Jahre
laufenden Prozeß der Vergewisserung und Übersetzung der unitarischen
Prinzipien. Mehr herausgestellt werden soll das Angebot des
Verbandes für junge Menschen als Einladung zur Gemeinschaft, zur
Lebensorientierung und zu einer eindeutigen christlichen
Werteordnung. Dem Bemühen um eine Aktualisierung der Prinzipien, der
Verstärkung der inhaltlichen Dialogs, der Erweiterung des
thematischen Aktionsfeldes und der Entwicklung neuer Perspektiven
soll sich der Verband auf einer breiten inhaltlichen Basis und unter
Beteiligung aller Verbandsstrukturen stellen. Das Ergebnis soll die
Arbeit des Verbandes mittel- und langfristig
verpflichten.
Der Arbeitskreis
selbst sieht sich nicht als Konkurrenz zu den bestehenden
Verbandsämtern. Vielmehr soll ihnen, insbesondere der GV und dem
Vorstand, zugearbeitet werden. Als Zusammenfassung der
Beiratsvorsitzenden wird der AGP deren Arbeit anregen, verstetigen
und harmonisieren. Auf Vorschlag des Verbandsgeschäftsführers werden
auch der hochschulpolitische Beirat und das unitarische Presseamt in
den Kreis berufen. Erste Überlegungen für ein Diskussionspapier, das
zu einem breiten Dialog im Verband führen soll, werden bis zur GV
vorliegen.
C.Beckmann
2. Mai
1994
Bbr. Prälat
Dr. Heinrich Holtkamp zur letzten Ruhe
begleitet
ESSEN.
Unter großer Anteilnahme
wurde am 2.Mai Bundesbruder Prälat Dr. Heinrich Holtkamp auf dem St.
Markus-Friedhof in Essen-Bredeney zur letzten Ruhe getragen.
Ortspfarrer Egon Goldenberg konzelebrierte mit dem Essener
Generalvikar Dieter Schümmelfeder, Dechant Josef Kestermann und
Pfarrer Franz-Josef Reidick in der Markuskirche die Exequien. Rund
30 Priester, sechs Bannerabordnungen der Katholischen
Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und viele Gläubige nahmen Abschied von
dem beliebten Geistlichen, der am 25.April im Alter von 91 Jahren
gestorben war. „Das Wort Gottes zu ergründen, es zu verkünden in
treuer, kompromißloser Konsequenz, das hat er in sechs Jahrzehnten
seines reichen priesterlichen Lebens als seinen wichtigen Auftrag
betrachtet. Er stand festgewurzelt in der Tradition des Glaubens“,
würdigte Pfarrer Goldenberg in seiner Ansprache das lange Wirken der
markanten Priesterpersönlichkeit.
Bundesbruder
Holtkamp, 1903 in Essen-Rüttenscheid geboren, studierte in Bonn,
Freiburg und Köln Theologie und Philosophie. 1923 trat er in die
UNITAS Eckardia in Freiburg ein und wurde 1923 philistriert. Nach
seiner Priesterweihe 1928 in Köln und ersten Kaplansjahren im Bistum
Aachen kam er 1931 als Rektor an die Kirche St. Johann in Essen. Hier
erlebte er als letzter der lebenden Augenzeugen die Zerstörung der
Münsterkirche mit. Der Religionslehrer an der Städtischen
Berufsschule wirkte als Priester in der Pfarrei Herz-Jesu in
Altenessen, an St.Mariä Geburt in Kupferdreh-Dilldorf und von 1952
bis 1973 an St. Markus in Bredeney. Von 1962 bis 1969 war Holtkamp
Dechant des Dekanates Essen-Werden. 1974 ernannte ihn Papst Paul VI.
zum Päpstlichen Ehrenkaplan.
Besonders
verbunden war der hünenhafte Geistliche der Arbeit der Katholischen
Arbeitnehmerbewegung (KAB). Vierzig Jahre lang war er Präses des
Essener KAB-Bezirks. Prälat Holtkamp, der nach 65 Jahren im Dienst
vor acht Monaten noch sein Eisernes Priesterjubiläum feierte, wurde
über das Bistum Essen hinaus bekannt. 1971 holte er den zu seiner
Pfarrgemeinde in Bredeney gehörenden, entführten Essener Kaufmann
Theo Albrecht nach Hause, nachdem der damalige Essener Bischof Dr.
Franz Hengsbach das geforderte Lösegeld von 7 Millionen Mark
übergeben hatte.
Der Essener
Zirkel verliert in Bundesbruder Prälat Holtkamp ein treues Mitglied.
R.I.P.
CB
Mai/Juni
1994
Robert-Schuman-Universität Essen?
Thema in der Mai-Ausgabe des UNITAS-Radiomagazins im
Ruhrgebiet
„Nicht bekannt... Keine
Ahnung... Sicher, der Musiker...“ - diese und ähnliche Statements
ernüchterten die Macher der neuesten Radioproduktion der UNITAS
Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund. In ihrem Mai-Magazin setzte sich die
Aktivitas mit der laufenden Diskussion um die Umbenennung der
Universität/Gesamthochschule Essen auseinander. Das mittlerweile
siebte ihrer einstündigen Radio-Magazine, die im Bürgerfunk von
Radio Essen und der Ruhrwelle Bochum ausgestrahlt werden, stellte am
11.Mai den Unitarier und „Vater Europas“ Robert Schuman als
Kandidaten für einen neuen Namen der Essener Universität in den
Mittelpunkt.
Mit der Sendung griff die UNITAS an der
Ruhr in einen bislang recht „unaufgeregt“ verlaufenden
universitätsinternen Gesprächsprozeß ein, in den die politischen
Kräfte am Ort hineinwirken. Dies stellte auch eine von den
Bundesbrüdern Bernd Genser und Christian Lammert für die neueste
„AufRuhr“-Sendung bei rund 100 Kommilitonen durchgeführte
Zufallsbefragung in der Mensa fest. Wie sich herausstellte, haben
sich weder die Diskussion selbst, noch gar die Alternativen zur
Namensgebung in größeren Kreisen herumgesprochen.
Bis auf ganz geringe Ausnahmen wußten die
Studenten auch kaum etwas mit dem Namen „Schuman“ anzufangen. Wie
befürchtet, war es allenfalls der Musiker, zu dem den Studentinnen
und Studenten etwas einfiel. So erinnerte sich wenigstens ein
besonders informierter Kommilitonen spontan an die „Rheinische
Sinfonie“ des gleichnamigen romantischen Komponisten. Anderen wäre
jeder Name recht: „Sollen sie doch die Uni nach Kashoggi benennen“,
meinte ein offensichtlich Betriebswirtschaft Studierender, der jeden
Vorschlag unterstützt, wenn nur der Namensgeber oder seine Erben
einen „entsprechenden Betrag für die universitäre Lehre und
Forschung lockermachen.“ Andere wiederum votierten für ein örtliches
Kneipenoriginal oder lieber den Rot-Weiß-Essen-Altstar „Ente“
Lippens. Und der Hausmeister der Alma Mater gab erregt zu Protokoll,
daß wohl niemand in Frankreich auf die Idee käme, eine Universität
nach einem Deutschen zu benennen - und sei er noch so
berühmt.....
Der Weg einer Alternative
Die Fakten: Seit dem vergangenen Jahr
steht der insbesondere von Oberbürgermeisterin Anette Jäger und
SPD-Fraktion unterstützte Vorschlag im Raum, die Uni/GHS Essen nach
dem Essener Alt-Oberbürgermeister und ehemaligen Bundespräsidenten
Gustav Heinemann zu benennen. Seitdem aber Mitte Januar Dr. Markus
Kiefer, CVer und Herausgeber eines lokalen Wochenblattes, als
bislang einzige Alternative und überraschend den Namen Robert
Schumans in den Ring warf, waren die Bundesbrüder an der Ruhr
natürlich als erste „mit von der Partie“. Eine sofort angestellte
Blitzrecherche bei den im Ruhrbistum und angrenzenden Raum
bestehenden Zirkeln Anfang Februar ließ eine deutliche Parteinahme
Für Schuman erkennen, was die Aktiven „vor Ort“ in ihrer
Unterstützung für den „europäischen“ Vorschlag bestärkte.
Ein offizielles Statement der UNITAS
wurde gleich in 320.000 Exemplaren des Wochenblattes verbreitet, ein
umfassender Artikel über Schuman in einem weiteren Stadtmagazin
brachte erste Reaktionen. Auch die Alten Herren des Essener Zirkels
stiegen ein und warben nachdrücklich im Convent Essener
Corporationsverbände (CEAV) für den Alternativvorschlag. Das
Ergebnis: Einstimmig beschlossen die vertretenen, bereits über den
CV informierten Verbände, dem Antrag der UNITAS zu entsprechen und
den Namen Robert Schumans im Förderverein der Universität zu
empfehlen, in dem sie Sitz und Stimme haben.
Trotzdem: Manchem Außenstehenden und fern
der grünen Ruhr Wohnenden drängt sich sicher zuerst und ganz
selbstverständlich die Frage auf, was Schuman wohl mit dem bis heute
noch weitgehend vom Kohle-und-Stahl-Klischee bestimmten Revier
Überhaupt zu tun haben mag. Eine Argumentationslücke? Nein,
erklärten die Aktiven in ihrem Radiomagazin: Denn es sei gerade
Schuman, der es verdient habe, den Menschen in Stadt und Region im
Gedächtnis zu bleiben. Er, dessen politische Vision Europas
Wirklichkeit zu werden beginnt, er, der selbst zwischen den Grenzen
der wechselvollen Geschichte des Kontinents aufwuchs, widersetzte
sich prinzipientreu nationaler Beschränktheit. Dem
Nachkriegsfrankreich gab er das Vertrauen in die Republik zurück und
erleichterte gleichzeitig der jungen deutschen Republik die Rückkehr
in die Völkergemeinschaft.
Schuman und das Revier
Und sein Bezug zum Ruhrgebiet ist dabei
offensichtlich: Denn Schuman stemmte sich in den ersten
Friedensjahren nach dem Krieg gegen die völlige Demontage der
deutschen Wirtschaft - mit ganz entscheidenden Auswirkungen für die
unter Zwangswirtschaft stehende Montanbetriebe gerade des
rheinisch-westfälischen Industriereviers. Nüchtern sah er mit der
deutsch-französischen Aussöhnung als erstem Baustein Europas die
Wichtigkeit zuerst des wirtschaftlichen Zusammenwachsens: „Europa
wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine
Solidarität der Tat schaffen“, meinte Schuman in seiner
„Historischen Erklärung“ vom 9. Mai 1950, in der den Vorschlag
machte, die Grundindustrien Deutschlands und Frankreichs als
Grundstein für ein Vereinigtes Europa zusammenzuschließen. Die
„Solidarität der Produktion“ sollte einen neuen Krieg unmöglich
machen, einen Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der
Arbeiterschaft schaffen und allen Staaten Europas offen stehen.
Mit seinem „europäischen Traum“, der über
die Montan-Union von 1952 bis heute inzwischen sehr konkrete Form
annahm, wurde Schuman zum „Propheten der Zukunft“. Sie sah er in
einer universellen Solidarität, in einer Aufhebung der Teilung
Europas, das versöhnt mit der Pluralität der Traditionen und
Überzeugungen zum Vorbild Für Fortschritt, Solidarität,
Verantwortung und Zivilisation werden sollte. Robert Schuman, der
von dem jüngst zum Träger des Heinrich-Brauns-Preises des Bistums
Essen gekürten ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Leo
Tindemans einmal als „der weitblickendste Staatsmann unserer Zeit“
bezeichnet wurde, muß damit in der weiten Öffentlichkeit als
„Pionier Europas“ gelten, dem vielleicht der größte Anteil am Werden
einer europäischen Nation zukommt.
Diese Erkenntnis galt und gilt es auch an
der Ruhr zu beleben, so die Meinung der UNITAS im Revier. Zu
niederschmetternd war den Bundesbrüdern das Ergebnis der Umfrage im
„geistdurchfluteteten Beton“ der Essener Uni. Aber, Hand aufs Herz:
An welcher der Hohen Schulen der Republik wäre der Befund wirklich
anders gewesen? Trotzdem - Robert-Schuman-Universität Essen: Bleibt
dies nicht ein bißchen weit hergeholt, ist dies nicht ein bißchen
viel Ehre für eine junge, 1972 gegründete Universität mit 25.000
Studierenden in 14 Fakultäten?
Während sich seit kurzem die Duisburger
Universität in der Nachbarschaft den Namen Mercators, des großen
Sohnes der Stadt, zugelegt hat, verfolgen die Unterstützer der
Namensgebung nach Robert Schuman in Essen eine völlig andere Idee:
„Eine junge, namenlose Universität nach einem großen Sohn oder einer
großen Tochter der Stadt zu benennen, ist sicher der einfachste
Weg“, heißt es in der Moderation des UNITAS-Magazins. Gerade im
Ruhrgebiet, das als Konjunkturlokomotive der Nachkriegszeit mit
Bergbau und Stahl selbst so maßgeblich von der Politik Robert
Schumans profitiert hat, gebe es aber eine besondere Herausforderung
für eine sachliche, emotionslose und parteipolitisch unbelastete
Diskussion, die über den Vorschlag Gustav Heinemann hinausgeht.
Schuman-Diskussion vor
dem Euro-Gipfel in Essen
Zumal in der Stadt Essen selbst: Denn
schließlich rüstet sich die 630.000 Einwohner zählende Ruhrmetropole
schon vor den für den 12.Juni anstehenden Europawahlen für den
diesjährigen Euro-Gipfel. Am 9./10. Dezember treffen sich die
Regierenden Europas am „Schreibtisch des Reviers“. Welche Chance für
eine Universität in einer europäischen Zukunftsregion für eine
glaubwürdige Demonstration von Europa- und Weltoffenheit!
Europa und die aktive Rolle eines fast
vergessenen Visionärs an dessen Gestaltung - dies muß im Mittelpunkt
der Essener Diskussion stehen. Daß Robert Schuman vor 90 Jahren in
die UNITAS Salia in Bonn eintrat und zeitlebens ein bekennender
Unitarier war, der Umstand, daß sein Seligsprechungsprozeß
eingeleitet und gerade unser Verband sein Vermächtnis neu und Für
die aktuelle Arbeit mehr entdecken muß - dies sind keine Argumente
Für die hiesige Diskussion. Aber den Fortgang der Ereignisse werden
die Unitarier an der Ruhr jedenfalls nicht nur als Zuschauer
verfolgen...
Christof Beckmann


... das ist der rechte Mann.." - so meinte schon Mephistopheles einst im Studierzimmer sinnierend an den Schüler gewandt (Faust, Der Tragödie Erster Teil). Recht hatte er allemal - und die Weisheit paßt für den speziellen Fall. Denn die Universität/Gesamthochschule Essen sucht einen Namen. Nicht gerade eine Tragödie, noch ein Drama, aber ein Schauspiel mit wenig Publikum, so schien die Suche bislang. Bis Anfang des Jahres ein neuer Vorschlag auf die Bühne trat, als vom Stadtblatt ,,Hallo Essen" der Name des ehemaligen französischen Außenministers und Ministerpräsidenten Robert Schuman in die öffentliche Debatte geworfen wurde. Wenn auch zur Zeit die Diskussion in der Institution keine große Wellen zu schlagen scheint, kam doch außerhalb des Campus publikumswirksam des Namenskarussell wieder in Fahrt.
In der Hochschule werde die Frage der Namensgebung seit einigen Wochen in ollen Fachbereichen und verschiedenen Gruppen diskutiert. Dies betonte Rektor Professor Dr. Elmar Lehmann auf eine Anfrage des von Dr. Markus Kiefer herausgegebenen Blattes. Da die Überlegungen noch nicht abgeschlossen seien, will der Rektor selbst zu diesem Zeitpunkt noch keine Stellungnahme abgeben. Doch wie soll es anders sein: Lange bevor im Senat beschlossen wird - und auf die Entscheidungsfindung
dort kommt es an - stoßen sich auch im politischen und im öffentlichen Raum, wie so oft, die Dinge im Raum. Eine Perspektive ist gefragt...
Die Namen....
Öffentlich und länger zur Debatte steht bislang Gustav Heinemann, von 1946 bis 1949 Essener Oberbürgermeister, favorisiert von Oberbürgermeisterin Jäger und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Willi Nowack. Als ,,Bürgerpräsident" stehe Heinemann für Demokratie, Toleranz und Solidorität, meint Annette Jäger. „Grundsätzlich für gut" hält dagegen Hanns Sobek, Erster Bürgermeister, den Vorschlag „Robert Schuman". Walter Wandke, GRÜNEN-Ratsherr und Mitglied im Kulturausschuß, will das „,Lebenswerk von Schuman und seine Verknüpfung mit dem Ruhrgebiet der frühen Nachkriegszeit nicht geringschätzen", schlägt seinerseits
aber den Schriftsteller Erik Reger vor, der sich vor sechzig Jahren in zwei Romanen ,,Union in fester Hand" und
,,Das wachsame Hähnchen" mit der Stadt und dem Revier auseinander
setzte. Eine Namensgebung begrüßt auch die Fraktionsvorsitzende der FDP, Georgia Kaiser. Die Richtung sei wegweisend, meint die Liberale, doch möchte sie eine Personifizierung vermeiden. Ihr Vorschlag:
„Europa-Universität Essen". Und endlich ganz international wird die Angelegenheit
mit der Antwort von Francois Scheer, dem Französischen Botschafter in Bonn. Er hält den Vorschlag für eine gute Idee, schlägt als Alternative im europäischen Kontext zudem Charles de Gaulle vor.
Mit Blick auf das Revier und auf die Frage, ob nicht auch herausragende Frauen für die Namensgebung in Frage kommen, äußern sich Stimmen aus dem kirchlichen Raum: So hält der Essener Weihbischof Franz Grave den Vorschlag für “sicherlich bedenkenswert", da Schuman mit der Schaffung einer europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl für Essen und das Ruhrgebiet große Bedeutung gehabt habe. Darüber hinaus verweist der Bischofsvikar für weltkirchliche und gesellschaftliche Aufgaben darauf, daß die christlich-soziale Bewegung aus dem Ruhrgebiet starke Impulse erhalten har. Die Grundlage der Sozialgesetzgebung sei hier begründet worden, stellt Grave fest und nennt als ,,hervorragenden Repräsentanten dieser
Bewegung" Heinrich Brauns, der vor seiner Zeit als zwölfmaliger Arbeitsminister (1920-1928) der Weimarer Republik von 1895-1900 als Vikar in Essen-Borbeck wirkte. Auch Dr. Baldur Hermans, dem Leiter der Abteilung Kirche und Gesellschaft im Bischöflichen Generalvikariat gefällt die Namensgebung „Robert Schuman-Universität". Sie würde in diesem Jahr aufmerksam europaweit registriert, erklärt Hermans, sie wäre Programm, signalisiere Offenheit für Europa und Weltoffenheit, internationale Kooperation und Verständigung, ehre einen europäischen Politiker von hoher moralischer Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Es falle schwer, einen gleichermaßen bedeutenden Namen wie den Schumans zu finden, doch solle man auch an Frauen wie an die lange Zeit in Essen lebende Politikerin Helene Weber, an die jüdische Physikerin Ilse Meitner oder die Philosophin Edith Stein denken.
... die Uni...
In der öffentlichen Meinung schweben also inzwischen eine ganze Reihe prominente und weniger prominente Namen über dem Gelände, dem dereinst nicht im Traum anzusehen war, daß es einmal Standort einer „Hohen Schule" sein würde. Mit der Industrialisierung entstand an selber Stelle im alten „Segeroth“ innerhalb weniger Jahrzehnte „Essens wilder Norden". Eingeklemmt zwischen Maschinenbaufabrik, Städtischer Gasfabrik, Kruppscher Gußstahlfabrik und Schießstand, dem Bahnhof Essen-Nord, Zeche Gustav und Victoria Mathias, Rheinisch-Westfälischem
Elektrizitätswerk, Kläranlage und Städtischem Fuhrpark war er über die Region hinaus als “Nachtjacken- und Scheunenviertel" bekannt. Bis in die Zeit noch dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich im ,,klassischen Zuwandererviertel Essens“ zwischen Maschinen-, Bohrer-, Former, Gas-, Dreher-, Gieß- oder Schachtstraße bei höchster Bevölkerungsdichte und geringstem Wohnkomfort ein reich differenziertes politisches und soziales Milieu.
Zwischen katholischer Kirchengemeinde St. Marien und angeschlossenem Kloster, der KPD, Zentrumspartei und sozialistischer Arbeiterbewegung wuchs in den slumartigen Mietskasernen der Mythos vom „Roten Segeroth". Von der Heimat Kleingewerbetreibender, von
„Klüngelskerlen", aus den Ostprovinzen stammenden Juden, den Sinti und Roma an der Schlenhofstraße, Kostgängern, hochmobilen Facharbeitern und Prostituierten ließen die Bomberstaffeln der Royal Air Force im August 1945 nur noch Trümmer. In Ruinen, Holzbaracken und Nissenhütten, Schuppen und Kellerwohnungen kämpften nach dem Krieg Flüchtlinge und 25.000 Menschen um ihr Überleben. Ein seit 1950 verfolgter Plan, einen Großmarkt an der Stelle des Viertels einzurichten, kam nicht zur Verwirklichung, neue Bauprojekte gegen Ende der 1960er Jahre wurden nicht ausgeführt. Erst mit dem im Januar l92l erfolgten Zuschlag für die Uni auf dem Gelände des Segeroth kam eine neue Perspektive. Unter dem Motto „Offene Universität“ ging es schließlich zur Sache und am 24.Oktober 1972 kam es unter Gründungsrektor Wolter Kroll zum ersten Spatenstich. 22 Jahre später bevölkern 22.500 Studenten aus vielen Ländern der Welt den Campus, studieren an 14 Fakultäten.
...die Stadt ...
Die Essener Universität eröffnete nicht nur dem Viertel neue Perspektiven, auch der Stadt und den Menschen in der Region. Sie ist zwar nicht gerade die größte Hochschule in der Gegend, aber ein Pfund, mit dem die Stadt, einst weltweiter Inbegriff von Kohle und Stahl, heute wuchern kann. Wie das Revier selbst liegt sie im Herzen Europas.Und nicht umsonst tröst die mit 630.000 Einwohnern mit Frankfurt um den sechsten Platz in der Republik rangelnde Ruhrmetropole den beziehungsreichen Namen „Schreibtisch des Ruhrgebietes". Essen, gleichzeitig Zentrale des Ruhrbistums, Sitz der größten .Energieriesen Europas und großer deutscher
Wirtschaftskonzerne, eine Stadt mit großem Kulturangebot und Freizeitqualität, hat unter guten Voraussetzungen ihre Zukunft noch vor sich. Denn im europäischen Wettbewerb bestehen für das Revier insgesamt gute Ausgangspositionen. Kein Wunder also, daß im Jahr der Europa-Wahlen der Dezember-Gipfel der Europäischen Union mit Recht diesmal in Essen stattfindet. Schon jetzt zeichnet sich ein aufwendiges und
vielfältiges Europaprogramm in der Stadt ab.
... die Perspektive.
Während so am Himmel über der Stadt wie ein Regenbogen vieldeutig und hoffnungsvoll der Schriftzug ,,Europa" steht, fällt mit dem Nomen ,,Robert Schuman" für die Essener Uni ein mächtiger Stein ins Wasser. Wie kaum eine andere Universitätsgründung der letzten Jahrzehnte hat Essen damit eine Chance, Flagge zu zeigen. Bedenkenswerte Alternativen stehen im Raum, die über die Stadt hinaus weisen und den Horizont weiten können. Wenige aber so, wie der potentielle Namensgeber selbst.
Robert Schuman hat sicher verdient, den Menschen in dieser Stadt, in dieser Region und in Europa im Gedächtnis zu bleiben. Denn seine politische Vision Europas beginnt Wirklichkeit zu werden. Er, der selbst zwischen den Grenzen der wechselvollen Geschichte aufwuchs, als Luxemburger vor genau 90 Jahren in Bonn
sein Studium aufnahm, in München, Berlin und Straßburg fortsetzte, widersetzte sich prinzipientreu nationalem Dünkel und der Unfreiheit. Nach dem Krieg gab er Frankreich das Vertrauen in die Republik zurück, erleichterte gleichzeitig der Bundesrepublik wieder den Weg in die Völkergemeinschaft, stemmte sich gegen die völlige Demontage vor allem rheinisch-westfälischen Industriereviers. Nüchtern sah er mit der deutsch-französischen Aussöhnung als erstem Baustein Europas die Wichtigkeit wirtschaftlichen Zusammenwachsens: „Europa wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen", sagte er in seiner „Historischen Erklärung" vom 9.Mai 1950. In ihr machte er den Vorschlag, die gesamte deutsche und französische Kohle- und Stahlproduktion unter eine gemeinsame Hohe Behörde zu stellen. Diese Solidarität der Produktion sollte einen erneuten Krieg unmöglich machen, einen Ausgleich im Fortschritt der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft ermöglichen und allen beitrittswilligen Staaten ganz Europas offen stehen.
Mit seinem “Europäischen Traum“, der über die MONTAN-Union von 1952 bis heute inzwischen sehr konkrete Gestalt annahm, wurde er zum ,,Prophet der Zukunft". Sie sah Robert Schuman in einer „universellen Solidarität", in einer Aufhebung der Teilung Europas, das versöhnt mit der Pluralität der Traditionen und Überzeugungen zum Vorbild für Fortschritt, Solidarität, Verantwortung und Zivilisation werden sollte.
Schuman - von Leo Tindemanns, dem ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten, einmal als “der kreativste und weitblickendste Staatsmann unserer Zeit" bezeichnet, wurde zum ,,Pionier Europas". Robert Schuman schuf dazu Perspektiven, die noch über Europa hinausweisen. „Robert Schuman-Universität Essen" also – ohne eine Zweifel eine zukunftsweisende Perspektive für Hochschule und Stadt gleichermaßen.
Christof Beckmann
Zitiert: Robert Schuman
„Das Gesetz der Solidarität drängt sich dem öffentlichen Gewissen auf. In der Erhaltung des Friedens, der Verteidigung gegen Aggressionen, dem Kampf gegen das Elend, der Achtung der Verträge, der Erhaltung von Gerechtigkeit und Menschenwürde fühlen wir uns alle solidarisch.“
„Europa ist gegen niemand. Das geeinte Europa ist ein Symbol der allumfassenden Solidarität der Zukunft. Bevor Europa eine militärische Allianz oder eine wirtschaftliche Einheit sein wird, muß es eine kulturelle Einheit im höchsten Sinne des Wortes sein."
„Der Respekt vor dem Recht des Anderen ist der Friede für alle."
“Europa kommt es zu, einen neuen Weg aufzuzeigen: durch das Akzeptieren einer Vielfalt von Zivilisationen, von denen jede den anderen mit gleicher Achtung begegnet.“
„Die Demokratie ist eine fortdauernde Bewegung, die sich vervollkommnen muß. Das Gesetz der Solidarität zwischen den Völkern gebietet dem heutigen Gewissen aller Völker, sich zu einer gegenseitigen Solidarität aufgerufen zu sehen. Einer braucht den anderen ohne Unterschied des Ranges und der Macht, die er hat.“
„Der Friede der Welt kann nicht bewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen."
Aus: STADTMAGAZIN „LIVE. Zeit für Essen“, März 1994, X-XII.
WISSENSCHAFTLICHER KATHOLISCHER
STUDENTENVEREIN
unitas ruhrania
Bochum - Essen - Dortmund - gegr. 12.1.1911 in
Münster
Essen,
27.Januar 1994
Hallo Essen - Redaktion
Stellungnahme
zur Namensgebung
der Universität-Gesamthochschule
Essen
Sehr geehrte
Herren,
die Information,
daß es eine Initiative zur Benennung der Universität-GHS Essen nach
Robert Schuman gibt, zunächst im Kreis der UNITAS im Ruhrgebiet ein
großes Interesse hervorgerufen. Aber auch im Bundesverband ist der
Vorschlag auf ein positives Echo gestoßen. Eine förmliche Erklärung
zur Sache wird im Februar bei einer Klausurtagung des Vorstandes in
Neuss getroffen werden können - falls auch für Sie von
Interesse.
Nicht nur im
W.K.St.V. UNITAS Ruhrania, sondern auch bei den örtlichen Vorständen
der UNITAS-Altherrenzirkel im Bistum Essen/Raum Ruhrbiet in den
Städten Essen, Bochum, Castrop-Rauxel, Dinslaken-Walsum,
Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Mülheim, Oberhausen,
Recklinghausen, Witten und Wuppertal hat die Information über
die Initiative entsprechende Beschlüsse und große, auch begeisterte
Zustimmung für die Initiative hervorgerufen. Ich darf Ihnen
persönlich und im Auftrag die nachstehende - kurze - Stellungnahme
zur Sache übersenden.
Mit freundlichen
Grüßen
Dr.Christof
Beckmann
Stellungnahme
„Ein
hervorragender Vorschlag. Denn wer die Zukunft - auch für das Revier
- will, meint Europa. Und wer Europa will und die Verantwortung des
Kontinents für die Welt sieht, kommt an dem großen Europäer Robert
Schuman nicht vorbei. Sein Charakter, seine weit in die Zukunft
weisende politische Vision, seine Unabhängigkeit von nationaler
Begrenztheit, seine tiefe Menschlichkeit und hohe persönliche
Integrität, sein Widerstand gegen Unfreiheit, sein bedingungsloses
Eintreten für Demokratie und Gleichberechtigung unter den Völkern,
sein lebenslanger Appell für Solidarität, Versöhnung, Gerechtigkeit,
Menschenwürde und die Erhaltung des Friedens sind vorbildlich. Der
Vorschlag hat in unserer Stadt viele Fürsprecher verdient. Dem
„Vater Europas“ könnte kein besseres Andenken bewahrt werden.
Sinnvolle Alternativen? Keine!“
Dr. Christof M.
Beckmann, Essen
Verband der Wissenschaftlichen Katholischen
Studentenvereine UNITAS im Bistum Essen/Ruhrgebiet
15. Januar
1994
Totalitärem
widerstehen, für Demokratie und Europa einstehen
Ruhrania feierte 83. Stiftungsfest
BOCHUM.
Mit Cumulativkonvent, gemeinsamer Messe in der Bochumer
Propsteikirche und Kommers beging am Samstag, 15.Januar die UNITAS
Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund ihr 83. Stiftungsfest in der Bochumer
Konstanten „Wacholderhaus“. Es stand ganz im Zeichen des Gedenkens
an den durch die Nazis unter dem Fallbeil hingerichteten Kaplan Bbr.
Johannes Prassek. Ihn charakterisierte Bundesbruder Dr. Ludwig
Freibüter als „Märtyrer sein Zeit“ und lebensfrohen Unitarier in
historischem Zusammenhang, in menschlichen wie geistlichen
Zeugnissen.
Mit Blick auf
die anstehenden Europawahlen und den im Dezember anstehenden
EU-Gipfel in der Ruhrgebietsmetropole Essen erinnerten die Ruhranen
auch an Robert Schuman. Den von Kommerspräside Dr. Christof Beckmann
gemachte Vorschlag zur Unterstützung einer kürzlich in Essen
entstandenen Initiative, die Universität/GHS Essen nach dem großen
Europäer und Unitarier zu benennen, quittierten die Gäste und
Bundesbrüder der Zirkel in Bochum, Essen, Dortmund, Castrop-Rauxel
mit großem Applaus.
Vierzehn
Bundesbrüder und eine Reihe von Verkehrsgästen verzeichnete der
Rechenschaftsbericht von Senior Bernd Brinker. Wie die Diskussionen
im CC deutlich machten, will die Ruhrania, die sich in den ersten
Semestern mit stark besuchten Veranstaltungen zu sozialpolitischen
Themen im Ruhrgebiet vorstellte, an ihrem Profil noch weiter
arbeiten. So soll sich echte Wissenschaftsarbeit mit
gemeinschaftsfördernden und kulturellen Veranstaltungen ergänzen.
Der Kontakt zu Altherrenschaft und mit den umliegenden
Altherrenzirkeln soll noch verstärkt und die mit dem Dortmunder
Zirkel aufgenommene Zusammenarbeit intensiviert werden. Eine
positive Bilanz zog der Verein, der sich wie kein anderer im Verband
der besonderen Herausforderungen der großen räumlichen Entfernungen
stellt, zur Öffentlichkeitsarbeit. So lieferten die aktiven Ruhranen
mit einem Bericht über das Vereinsfest im Dezember 1993 unter
anderem ihr inzwischen fünftes Radiomagazin bei Radio Essen
ab.
CB
Oktober
1993
Hier
funkt´s! UNITAS auf Sendung
Das läßt sich hören: „Friesenwelle“
und „UNITAS - Auf Ruhr“
Ein
einsamer Mensch mitten in einer Fußgängerzone Münsters: Immer wieder
hält er Passanten an, ihnen ein Mikro unter die Nase und stellt die
Fragen aller Fragen: „Bürgerradio Antenne Münster - was halten Sie
von Studentenverbindungen?“ Aber nicht irgendein freier Mitarbeiter
der zahlreichen Lokalfunkstationen in Nordrhe