23. Ruhranentreffen in Münster-Sprakel
Glückauf!: Ruhr-Aktivitas legt bei ihrem Projekt Tempo vor
MÜNSTER/RUHRGEBIET. 30 Bundesbrüder der Ruhrania mit ihren Angehörigen versammelten sich am 6. November 2004 im Heimathaus Münster-Sprakel zum traditionellen Jahrestreffen. Der zum 23. Mal in Folge von dem AHV-Vorsitzenden OStD Jörg Lahme (Rheine) und seiner Frau für die Ruhranen-Familie organisierte Abend garantierte nicht nur wieder für deftiges Essen bei knisterndem Herdfeuer in urigem Münsterland-Ambiente. Wieder standen auch plattdeutsche Texte und gemeinsam gesungene Lieder auf dem Programm.
Der Schauspieler und Regisseur Johannes Demming präsentierte Nachdenkliches und Heiteres aus fremder und eigener Feder. Sein munter inszenierter Streifzug durch die westfälische Seelenlandschaft machte mit der vielen heute unbekannten Sprache, aber auch der Geschichte, Identität und Mentalität der Region bekannt. Seine spielerische Annäherung an ein Idiom, das sich manchem Gast erst durch „Rückübersetzung aus dem Englischen“ erschloss, ließ Studentisches nicht außen vor: So dankten die Gäste mit großem Applaus dem „Holsken Hannes“ für seine Interpretation der Varusschlacht und stimmten begeistert in die niederdeutsche Fassung des Liedes „Als die Römer frech geworden“ ein.
Mit einem Lichtbildervortrag gelang auch der Brückenschlag ins Ruhrgebiet, wo sich die Aktivitas inzwischen auf einem eigenen Haus einrichtet. Ein virtueller Rundgang durch das „Feldschlösschen“ im Essener Stadtteil Borbeck und Szenen aus dem Vereinsleben demonstrierten die Möglichkeiten und den Fortschritt der Initiative an der Ruhr. Bbr. Dr. Christof Beckmann, Ehrensenior und HBV-Vorsitzender, berichtete zum Stand des vom Verband maßgeblich unterstützten Projekts, mit dem der Verein endgültig im Revier eine feste Heimat finden wird. Selbst der Gast des Abends, Johannes Demming, zeigte sich sichtlich beeindruckt von den Planungen. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Aktiver bei der heute suspendierten KDB Alania in Münster: „Ein eigenes Haus – wir haben die Situation damals verpasst - ist eine Riesenchance.“ Auch wenn sich das Leben der Korporation nun wohl immer mehr ganz an die Ruhr verlagern wird, wollen die Ruhranen nach einhelliger Meinung zunächst weiter an den Münsteraner Jahrestreffen im November festhalten.
Währenddessen beflügelt das zum 1. Juli 2004 übernommene Domizil zu großem Schwung an Rhein und Ruhr: Architekt Bbr. Otfried Jäger (Wesel) hat die komplette Bauaufnahme mit einer detailgenauen 3-D-Projektion des ganzen Gebäudes abgeschlossen. Derzeit läuft die Kalkulation für die ab Frühjahr startenden Bau- und Renovierungsmaßnahmen in dem über 100-jährigen Traditionshaus. Wie in der vergangenen unitas-Ausgabe berichtet, soll das Erdgeschoss mit dem angeschlossenen Biergarten noch im Frühjahr als öffentliche Gastronomie verpachtet werden. Acht bis neun Zimmer werden nach Fertigstellung für Studenten in den oberen Stockwerken zur Verfügung stehen. Auch ist ein eigener Kneip- und Vortragssaal geplant.
Im aktuellen „Roh“-Zustand wird die „Selbstversorger-Skihütte“ schon fleißig genutzt. Mit Senior Peter Helmus, FM Rüdiger Duckheim und
Quaestor Oliver Milerski sind drei Bundesbrüder auf der Baustelle eingezogen. Sie sorgen für Leben auf dem Haus, für den laufenden Betrieb und Ordnung. Immer mehr Seiten des Gästebuches füllen sich mit den Zeugnissen reger Nutzung: Das Areal der alten Gaststätte stand auch Externen bereits für große Geburtstagsfeiern zur Verfügung, Familienkreise aus der Gemeinde feierten hier, CV-Stammtische des örtlichen „Kohle“-Zirkels fanden dort statt und Messdiener tagten im urigen, unitarisch dekorierten Ambiente. Doch nicht nur inzwischen viele Hundert Gäste treffen hier auf ideale Bedingungen: Auch die Aktivitas trifft sich natürlich hier zu ihren Veranstaltungen, engagiert sich als gute Gastgeber für die vielen Gruppen – auch für Leute aus der Nachbarschaft, die immer wieder hereinschneien. Von vielen Seiten werden sie angesprochen, die Neugierde ist groß und überall wird das Engagement von großer Sympathie getragen: Nicht nur mit der Pfarrgemeinde und verschiedenen Vereinen gibt es bereits sehr gute Kontakte, auch und gerade die örtliche Altherrenschaft zeigt sich hoch interessiert. So zog das erste gemeinsame Vereinsfest mit dem Essener AHZ am 2. Advent über 40 Gäste „auf´s Haus“.
Botschafter der UNITAS
Die Ruhr-Aktiven verstehen und betätigen sich als Botschafter auf einem spannenden Breitengrad. Unterstützt von Verbandsvorstand und Zentralem Hausbauverein sind nun auf einem eigenen Ruhranen-Haus unitarische scientia, amicitia und eine ruhrtypische fidulitas in einen sportlichen Wettbewerb getreten. Ein buntes Semesterprogramm soll für Verband und Idee der UNITAS Interesse wecken: Von anspruchsvollen Wissenschaftlichen Sitzungen zu Weinproben, von geistlichen Gesprächen bis hin zum gemeinsamen Plätzchenbacken – alle Veranstaltungen verstehen sich als öffentlich und sollen unter den vielen lokalen Aktivitäten ein eigenes Profil herausstellen. Schön zu erfahren ist übrigens, dass immer wieder auch längere Zeit inaktive oder sogar beim Verband gar nicht mehr gemeldete Bundesbrüder der UNITAS für den neuen Standort zu interessieren sind. Und dass viele auch von weither angereiste Besucher voller Lob für das Projekt sind, befördert den Elan der Ruhr-Aktiven sehr. Die wackere Truppe, voll unterstützt vom Vorort UNITAS Rheinfranken, leistet so eine Riesenarbeit für alle und ist dankbar für jede Form der Unterstützung. Jetzt freuen sie sich
erst mal auf eine rauschende Silvesterfète, bei der viele Gäste sein werden und noch mehr willkommen sind.
Hinweis: Ins Ruhrgebiet gewechselte Aktive und AHAH sind herzlich gebeten, sich zu melden. Kontakt: Flurstr. 67, 45355 Essen, Tel. 0170/3675345, email: richie.duckheim@gmx.de
Aus: unitas 4/2004
Ruhr-Aktivitas
wacht am
Weltjugendtagskreuz
UNITAS - Kreuzbewegt
„Ich dachte, dort ist jetzt so eine kleinere Gruppe, die vor dem Kreuz betet und da kannst du dich anschließen. Und dann sehe ich eine solche Gemeinde, das hat mich natürlich bewegt. Aber sie merken die Faszination und die Anziehungskraft. Das Kreuz zieht an - wir sind kreuzbewegt!“ Ruhrbischof Dr. Felix Genn war am 29. November mindestens so perplex wie die mehr als 400 Menschen in der Essener Pfarrgemeinde St. Dionysius. Bannerabordnungen, Pfadfinder und Ehrengarden voraus hatten sie das 3,80 Meter hohe Holzkreuz mit Fackeln und Kerzen in ihre Kirche begleitet. Kurz vor dem Schluss-Segen dann die Riesenüberraschung: Ruhrbischof Dr. Felix Genn stand plötzlich in der Tür – und „Standing Ovations“, als er zum Schlusssegen für die Gemeinde nach vorne gebeten wurde....
Wäre Essens Bischof Felix etwas später vorbeigekommen – er wäre durchaus auf einige Bänke mit Jugendlichen gestoßen: Bis zum frühen Morgen hielten Jugendliche Nachtwache, beteten und sangen vor dem Kreuz und der Marien-Ikone. Auch auf die UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund, verstärkt durch die aktive Teilnahme von Vorortschriftführer Gordian Geilenkirchen von UNITAS Rheinfranken Düsseldorf: In der offenen Kirche hatten die Aktiven von 2 bis 4 Uhr die Nachtwache am Kreuz übernommen. Mit ihren Fahnen zogen sie in die Kirche, stellten sich und die UNITAS vor und gestalteten die mit dem Vereinsgebet eröffneten Stunden mit Psalmen, Gebeten, Textimpulsen, Taizé-Liedern und Gregorianischen Gesängen von CD. Zu den selbst formulierten Fürbitten stellten sie Lichter an das Kreuz, das so viele Menschen rund um den Globus bewegt, sangen im Magnifikat das Marienlob und schlossen die Lebenden und Verstorbenen der ganzen UNITAS-Familie in ihr Gebet ein.
Ein besonderes Erlebnis
Zweifellos: Dieses schlichte Kreuz einmal gemeinsam und fast für sich allein in den Blick nehmen zu können, war für alle Bundesbrüder ein besonderes Erlebnis. FM Rüdiger Duckheim hatte die Gestaltung der Vigilfeier übernommen, die mit einem gemeinsamen Frühstück im benachbarten Jugendheim und einer Frühschicht um 6 Uhr morgens zu Ende ging. Auch ihre Borbecker Farbenbrüder des CV hatten sich der Initiative angeschlossen und die unitarischen Banner am Abend mit an den Altar der neuen Heimatkirche der Ruhraktiven begleitet.
Aus: unitas 4/2004
Ewige Profess
von Benedikt Kisters
WÜRZBURG / BOCHUM. Bundesbruder Frt. Benedikt Kisters CSsR aus Bochum, Angehöriger der Kölner Provinz des Redemptoristenordens, legte am Sonntag, 4. Juli 2004, in einem festlichen Gottesdienst in der St. Alfons-Kirche in Würzburg die Profess auf Lebenszeit ab. Viele Angehörige, Freunde, eine große Anzahl von Mitbrüdern und Gäste aus den Nachbarländern wohnten dem Gottesdienst bei. Dem Gottesdienst, bei dem UNITAS Hetania chargierte, standen die beiden Provinziale, P. Hermann ten Winkel CSsR und P. Hans Schalk CSsR, sowie P. Johannes Römelt CSsR als Ausbildungsleiter vor. P. Hans Schalk, Provinzial der Münchener Provinz, erläuterte in seiner Predigt die Bedeutung des Professtextes und ermutigte die beiden Kandidaten auf dem von ihnen eingeschlagenen Weg.
Im Anschluss an den kirchenmusikalisch von einer Solistin und vom Kammerchor der Pfarrei St. Alfons gestalteten Gottesdienst gratulierten die Gäste bei schönstem Wetter auf dem Kirchplatz. Viele unitarische Bundesbrüder, darunter auch seine aus dem Norden und Süden angereiste Leibfamilie (Bild oben, links sein ehemaliger Heimatpfarrer in Bochum-Linden, Bbr. Alfons Riesener), nutzten die Gelegenheit für fröhliche Gespräche, die sich am Nachmittag auf dem Haus in der Schellingstraße fortsetzten.
1975 in Bochum - „im tiefsten Ruhrgebiet“ - geboren, wurde Benedikt Kisters nach seinem Abitur 1994 bei UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund rezipiert. Ein Jahr später begann er nach seinem Zivildienst ein Lehramtsstudium an der Ruhr-Universität Bochum und war allein dreimal in Folge Senior der Ruhr-UNITAS. Als „Hömma“, wie ihn die Bundesbrüder tauften, in die Ausbildungskommunität des Ordens nach Würzburg ging, schloss er sich dort der UNITAS-Hetania an. Bbr. Benedikt Kisters hatte am 30. September 2001 im Forchheimer Redemptoristenkloster St. Anton nach einjährigem Noviziat seine zeitliche Ordensprofess abgelegt. Die weltweit in 76 Ländern auf fünf Kontinenten tätige „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“ (C.Ss.R., Gesellschaft des Heiligsten Erlösers), die Bbr. Kisters seit Jugendtagen kennt, wurde durch Alfons von Liguori (1696-1782) gegründet. Benedikts Schritte in den Orden sind auch in unitas 3/2000 nachzulesen.
CB
Aus: unitas 4/2004
Prijedor in
Bosnien-Herzegovina:
Das Soziale Verbandsprojekt braucht unsere Hilfe!
„Die Mitglieder und Angehörigen des UNITAS-Verbandes können stolz sein“, erklärt Bbr. Günther Ganz, Beauftragter des UV für das Soziale Projekt in Prijedor/Banja Luka (BH). „Stolz darauf, dass bereits im Laufe eines Jahres nach dem Mannheimer GV-Beschluss schon mehr als die Hälfte unseres zugesagten finanziellen Beitrags gespendet worden ist.“
Der aktuelle Spendenstand für den Auf- und Umbau des alten Presbyteriums in Prijedor, Diözese Banja Luka in Bosnien-Herzegovina zu einem Internatsgebäude wollen wir 110.000 EURO beitragen. Rund 57.000 EURO sind bislang gespendet worden. Bereits jetzt wird das Internat auf dem Pfarrgelände von St. Joseph in Prijedor von 11 Jungen und Mädchen aus den umliegenden katholischen Dörfern bewohnt. Sie besuchen in Prijedor weiterführende Schulen.
Im Spendentopf (genau sind es 56.962,24 Euro nach dem Stand vom 1.9.2004) stecken viele Einzelspenden, aber auch Sammelergebnisse bei Vereins- und Stiftungsfesten, Benefizveranstaltungen zugunsten des Projektes, Familienfesten wie z.B. besonderen Geburtstagen von Bundesbrüdern.
Dank der Kollekte bei der diesjährigen Kreuzberg-Wallfahrt der UNITAS, die zur Hälfte der Klosterkirche auf dem Kreuzberg in der Rhön und zur Hälfte dem Sozialen Projekt des Verbandes zugeführt wurde, wurde inzwischen die Marke von 57.000 Euro erstmals überschritten.
„Nun gilt es“, so der ehemalige Vorsitzende des Altherrenbundes, „durch weitere Aktivitäten der Vereine wie der einzelnen Bundesbrüder und Bundesschwestern die noch fehlenden 53.000 Euro aufzubringen, damit wir mit Fug und Recht sagen können: „Dieses Internat ist unser Haus, ein Geschenk der UNITAS als Zeichen der Hoffnung für eine durch Krieg, Vertreibung und Verfolgung schwer geschädigte Region in Bosnien–Herzegovina“.
Aus: unitas 4/2004
Ehrenring für Bbr. Friedrich-Wilhelm Müller
BOCHUM. Bbr. Friedrich-Wilhelm Müller, Ltd. Regierungsschuldirektor im Institut für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW, ist jetzt mit dem Ehrenring der Stadt Bochum ausgezeichnet worden. Damit hat sich der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (s. unitas 1/2004) wie 20 weitere Preisträger in das Goldene Buch der Stadt eintragen können.
Friedrich Wilhelm Müller, bis Ende 2003 langjähriger Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Bochum und mehrfach Oberbürgermeisterkandidat seiner Parte, gehörte dem Rat der Stadt Bochum seit 1984 an. Seiner Stadt diente er als Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, im Personal- und Gleichstellungsausschuss sowie Mitglied der Bezirksvertretung Bochum-Südwest. Bbr. Müller, geboren am 5. Juli 1941, hatte sich im Juni 1961 der UNITAS Bavaria Würzburg angeschlossen. Er ist Mitglied im UNITAS-AHZ Bochum.
C. Beckmann, Essen
Aus: unitas 3/2004
UNITAS Rheinfranken Düsseldorf ist neuer Vorort !
Die 127. Generalversammlung in Hamburg hat Unitas Rheinfranken Düsseldorf zum neuen Vorort des UNITAS-Verbandes gewählt. Im 83. Jahr seines Bestehens übernimmt der Verein damit zum ersten Mal in seiner Geschichte die Verantwortung und will sich gewissenhaft bemühen, den Unitas-Verband auf das große Jubiläum seines 150-jährigen Bestehens im Jahre 2005 vorzubereiten.
Zum Vorortspräsidenten hat der Verein hat Bbr. Rolf Berweiler bestimmt. Der 24-Jährige aus Kaarst begann im Wintersemester 1999 an der FHF Nordkirchen das steuerrechtliche Studium. Im selben Semester wurde er bei UNITAS Winfridia Münster rezipiert. Nach beendetem erstem Studium wechselte er nach Düsseldorf, wo er derzeit im vierten Semester Jura studiert. In seiner Freizeit engagiert er sich in seiner Kirchengemeinde vor allem in der Jugendarbeit. „Mit Andreas Memmesheimer und Gordian Geilenkirchen stehen mir zwei fähige Rheinfranken als Vorortsschriftführer zur Seite“, freut er sich auf seine Amtszeit und zusammen mit allen Rheinfranken auf das Jahr, das jetzt vor ihnen liegt. Die Übergabe der Amtsgeschäfte erfolgte durch den Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll am 9. Juli im Anschluss an die HI Messe, die der Verein in der Katholischen Hochschulgemeinde Düsseldorf feierte.
Von der Feier im Rahmen des traditionellen Grillabends der Düsseldorfer UNITAS-Familie werden wir in der kommenden Ausgabe berichten und den neuen Vorort ausführlich vorstellen. (Kontakt: Rolf Berweiler, Lichtenvoorder Str. 15, 41564 Kaarst, e-mail: UV-Vorort@gmx.de, Tel. 02131 – 20 12 808)
Hier schon der Hinweis auf den feierlichen Vorortsübergabekommers:
Er wird am 30. Oktober 2004 in Verbindung mit einem Aktiventag stattfinden. Einladungen hierzu und weitere Informationen werden bald verschickt.
Aus: unitas 2004/2
Ein Haus für die UNITAS an der Ruhr
Jahrelange Bemühungen waren erfolgreich
ESSEN-BORBECK/RUHRGEBIET. Seit dem 1. Juli 2004 verfügt die UNITAS im Ruhrgebiet über ein eigenes Haus. Mit einem Objekt in Essen-Borbeck, das für die Zwecke von Verein und Verband sehr geeignet ist, wollen Altherrenschaft, Hausbauverein und Aktivitas die Zukunft der jahrelangen Bemühungen durch ein Haus sichern und der UNITAS im Ruhrgebiet eine dauerhafte Perspektive geben.
Immer wieder hatte es Anläufe gegeben: Erste Pläne gab es zum Erwerb des ehemaligen Gewerkschaftshauses in Bochum-Langendreer, weitere Bemühungen zielten auf den Kauf eines repräsentativen Krupp-Hauses in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs. Zuletzt geführte Verhandlungen um den Erwerb eines ehemaligen Kinderheims und Ordenshauses in Essen-Rüttenscheid konnten schließlich mit der beteiligten Pfarrgemeinde nicht realisiert werden. Doch für die Ruhranen kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen: Denn stets waren die Projekte aktiv durch Alte Herren am Ort unterstützt worden - nicht zuletzt durch den Vorstand des ZHBV und die Bewilligungskommission. Jetzt gaben alle Gremien „Grünes Licht“: Nach mehreren Besichtigungsterminen im Haus und intensiven Gesprächen konnte am 13. Mai die Unterschrift unter den Kaufvertrag für ein ehemaliges Hotel und Ausflugslokal in Essen-Borbeck gesetzt werden. Ein Meilenstein in der Geschichte der UNITAS Ruhrania, aber auch in der des ganzen Verbandes.
Die Wiege der UNITAS steht an der Ruhr
Mit einer zukunftssicheren Lösung für die UNITAS im Ruhrgebiet schließt sich ein Kreis. Studenten von hier riefen 1847 die erste „Ruhrania“ in Bonn ins Leben, den „Ur-Verein“, aus dem UNITAS-Salia hervorging. Und das Revier blieb eine Heimat des UV: Verbandsweit kaum bekannt, bestehen dort mit dem 1889 in Essen-Werden gegründeten Essener Zirkel und dem nur wenig jüngeren Bochumer Zirkel die ältesten UNITAS-Zirkel überhaupt. Zur unitarischen Plattform gehören weitere Zirkel in der unmittelbaren Nachbarschaft, etwa in Bottrop, Oberhausen, Mülheim, Duisburg, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Velbert oder Dortmund. Als gemeinsamer Treffpunkt kann das Haus ihre stärkere Zusammenarbeit fördern.
Für den Verband selbst ist die Region eine große Herausforderung: Mit dem neuen Angebot für Studenten aus den z.T. recht starken örtlichen katholischen Milieus, das an aktive Zeiten in Gemeinden und Jugendverbänden anschließt, wird die unitarische Wegstrecke zwischen Bonn, Köln, Düsseldorf und Münster kürzer. Sie findet ein neues Zentrum im Ballungsraum zwischen Duisburg und Dortmund, der „größten Stadt Deutschlands“. Hier leben nahezu 7 Millionen Einwohner, hier bestehen fast ein Dutzend kleine und große Universitäten und Fachhochschulen mit großem und wachsendem Ruf. Für die UNITAS ein lohnendes Unternehmen - auch wenn das Ruhrgebiet und die kurze Geschichte der seit den 1970er-Jahren errichteten „Heimfahrer“-Universitäten landläufig nicht gerade als typisches Umfeld für korporationsstudentische Traditionen gelten. Doch die Hochschulen locken mit speziellen Studienangeboten und decken einen großen Einzugsbereich ab (Sauerland, südliches Münsterland, Ostwestfalen, Niederrhein, Rheinland). Zudem macht die enge verkehrstechnische Anbindung im Gesamtbereich (Nahverkehr, S-Bahn, Zug, Autobahn) die Angehörigen der Universitäten hier zugleich erheblich mobiler. Hierin dürften durchaus Chancen für ein UNITAS-Haus in diesem Raum bestehen.
Die „alte“ und „neue“ Ruhrania hat es verdient
Mit dem Projekt findet die aus der UNITAS Sugambria 1911 gegründete UNITAS Ruhrania nun tatsächlich eine neue Heimat. Als einer der aus Münster stammenden Traditionsvereine im Verband trug sie nach der Suspendierung 1971 für 20 Jahre die Partnerschaft für UNITAS Rolandia Münster und zugleich die stille Hoffnung, dass einst ein neuer Anlauf zu einer eigenen Aktivitas möglich sein würde. Der kam 1991 mit der durch Ehrensenior Bbr. Norbert Klinke (AHZ Castrop-Rauxel) vermittelten Patenschaft für die UNITAS-Ruhr, die ihrerseits die Tradition der kurzfristig bestehenden UNITAS Liudger (Essen) und der UNITAS Robert Schuman (Bochum) übernommen hatte. Der Altherrenvereinsvorsitzende OStD Jörg Lahme, Schuldirektor in Rheine, mittlerweile seit über 25 Jahren als Vorsitzender des AHV Ruhrania im Amt, hält die aktiven AHAH mit jährlichen, sehr gut besuchten Treffen im Heimathaus Münster-Sprakel zusammen.
Dass sich die Neu- und Wiedergründung gleich zu Beginn für die ganze Region verantwortlich fühlte, machte ihr Name „UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund“ deutlich – eine Umwidmung, die auch der AHV bewusst und konsequent sofort in seinen eigenen Namen übernahm. Bereits bei der Wiederbegründung hatte er ein wichtiges Signal gesetzt: Ein kleines Gründungskapital aus dem Verkauf des Bootshauses an der Werse bei Münster wurde Grundstock für einen eigenen Hausbauverein, dem inzwischen rund 50 Mitglieder beitraten. Alte Ruhranen, aktive Studenten und Förderer aus dem ganzen Verband, die dadurch zugleich die B-Mitgliedschaft in einem der ältesten bestehenden UNITAS-Vereine erwarben, sorgten für ein stetes Anwachsen. In der Zeit bis heute entstand so ein recht ansehnliches Konto, das allein aber bei weitem nicht ausgereicht hätte, um den lang gehegten Traum zu erfüllen.
Auch klein – ganz groß …
Über 12 Jahre bemüht sich die UNITAS Ruhrania um aktives unitarisches Leben - immer auch unterstützt von der Altherrenschaft an der Ruhr. Denn hier brauchen sie einander – wie kaum in einer anderen Region. Zwar reichte es einige Semester nicht für ein gedrucktes Programm, doch hielt ein „unitarischer Familienkreis“ die Aktivitas hoch. Sie bringt unter allen studentischen Korporationen zwischen Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund immer noch beste Voraussetzungen mit: Der Name trifft die Region, er steht für Geschichte und Herkunft eines bundesweiten Verbandes. Für ihn, so die Hoffnung, kann das „Signal aus dem Revier“ mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit einen Schwung befördern, den die UNITAS insgesamt braucht. Mit neuem Elan, so die Hoffnung, wird es hier nun gelingen: Sie sind engagiert, mobil und einsatzbereit. Aktive Bundesbrüder ziehen bereits „auf das Haus“ und wollen den Neustart tatkräftig mit betreiben. Anfragen von möglichen Neumitgliedern, die sich für die UNITAS und eine studentische Wohngemeinschaft interessieren, liegen auch schon vor.
Das neue Haus – ein „offenes“ Haus
Das 1901 errichtete „Feldschlösschen“ in Essen-Borbeck, einst ein traditionsreiches beliebtes Ausflugslokal mit Hotelbetrieb, ist nach über drei Generationen in Familienbesitz eine bekannte und recht gute Adresse. Es handelt sich um ein komplett frei gezogenes, voll unterkellertes 2½-geschossiges Mehrfamilienhaus auf einem 905 m² großen Eckgrundstück in beliebter Wohnlage von Borbeck. Es verfügt mit günstigem Abstand zu den Nachbarhäusern über seit Dezember nicht mehr verpachtete Gastronomieräume im Erdgeschoss mit Gesellschaftszimmer, Küche, Abstell- und Lagerraum, Angestellten-WC sowie separate Damen- und Herrentoiletten (insgesamt 165 m2) und fünf Wohnungen mit 305 m2 Wohnfläche in den beiden Obergeschossen. Im ersten Obergeschoss befinden sich zwei Wohnungen sowie eine weitere über zwei Ebenen, im Dachgeschoss zwei weitere 2½ - Raum-Wohnungen.
Das Haus ist in den 80-er und 90-er Jahren in mehreren Teilbereichen modernisiert worden, u.a. wurden die Kunststoff-Iso-Fenster, die Dacheindeckung, die Bäder und alle Elektro- sowie Wasserleitungen erneuert. Zwei Wohnungen werden über asbestfreie Nachtspeicherheizungen versorgt, die restlichen drei Wohnungen und die Gaststätte verfügen über Gasetagenheizungen. Ein Teil des Grundstücks fungierte in Verbindung mit dem bisherigen Gastronomiebetrieb als Biergarten, der andere Teil umfasst die Garagen und fünf Außenstellplätze sowie deren Zufahrt. Nach derzeitigem Planungsstand bietet es ideale Räumlichkeiten für den Betrieb eines Verbindungshauses mit Wohnraum für acht oder mehr Studenten und ausreichend Platz für wissenschaftliche und gesellige Veranstaltungen.
Mit guter Verkehrsanbindung zur Essener Innenstadt sowie zu den Nachbarstädten Mülheim und Oberhausen liegt das Haus in unmittelbarer Nähe zum Essen-Borbecker Ortskern. Drei Buslinien verkehren an der Straße, der S-Bahn-Punkt Borbeck ist fußläufig in wenigen Minuten erreicht. Jeweils drei Kilometer von den Autobahnen A 40 (Nähe Aktienstraße) und A 42 entfernt, liegt es in einem hervorragenden Viertel, an einem markanten Kreuzungspunkt, in Nähe der weit über die Region hinaus bekannten Dampfbierbrauerei. Die ruhige Wohnlage zeichnet sich durch gute Infrastruktur aus: Einkaufsmöglichkeiten und zahlreiche Geschäfte des täglichen Bedarfs sind schnell erreicht. Der beliebte Borbecker Schlosspark und unmittelbar angrenzende Grünzüge bieten auch gute Freizeitmöglichkeiten – nicht nur für Studenten an den Universitäten Essen, Duisburg und Bochum, die auf perfekten Laufstrecken ein tägliches Joggingpensum erfüllen wollen.
Gute Adresse im Revier
Der Standort im Essener Stadtteil Borbeck ist auch in anderer Hinsicht durchaus Erfolg versprechend und mit der zur Verpachtung anstehenden Gastronomie Teil des „offenen Konzepts“: Neben dem ausgeprägten kirchlich-katholische Milieu und Verbandsleben sowie engen Kontakten zur Pfarrgemeinde St. Dionysius bietet der ausgeprägte Schulstandort mit fünf Gymnasien in der nahen Umgebung gute Keilmöglichkeiten. Der Treffpunkt für viele Gruppen im Umkreis soll große Auftrefffläche für die Öffentlichkeit bieten. Zur Vermietung von Räumen gibt es bereits jetzt erste Anfragen aus der Gemeinde.
Großer Dank ist für die vorzügliche Zusammenarbeit mit dem Zentralen Hausbauverein, insbesondere seinem Vorsitzenden Bbr. Dr. Dieter Rehbein, dem Chef der Bewilligungskommission Bbr. Hans Stumpf und Bbr. Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll zu sagen. Nach allen Erfahrungen der letzten Jahre steht fest, dass zu den Konditionen wohl kaum ein vergleichbares Objekt in ähnlicher Lage hätte gefunden werden können.
Eine neue unitarische Gemeinschaftsaufgabe - Hilfe ist willkommen!
Zunehmend intensiver wird im Zuge des Projektes nun der Kontakt unter den Bundesbrüdern vor Ort. Bei mehreren Treffen haben sie sich von den Möglichkeiten überzeugt. Das Semesterprogramm wird bereits weitgehend in den derzeitigen Räumen durchgeführt und erste Zirkel arrangieren hier ihre Treffen. Nun müssen Architekten und Bauleiter, Firmen und weitere Finanzmittel gefunden werden. Nach einem Info-Mailing in den Postleitzahlbezirken 40-47 haben sich bereits gut ein Dutzend neue Mitglieder dem HBV der Ruhrania angeschlossen. Erste Spendenzusagen belaufen sich bislang auf 12.000 Euro, der in Paderborn gegründete Hausbauverein hat ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro zugesagt! Hinweise auf Hilfsmöglichkeiten – vom persönlichen Einsatz bis zu Tipps (Reaktivierung der Gastronomie, Baubeflissene, Spenden) sind herzlich willkommen.
Die UNITAS im Ruhrgebiet hofft, dass das Projekt weitere Kreise ziehen wird und viele Unterstützer findet. Sie selbst will als einziger Verein im Ruhrbistum ihren Teil für die Präsenz des Verbandes im Revier beitragen und steht für Nachfragen jederzeit zur Verfügung.
Kontakt zur Arbeitsgruppe „UNITAS-Haus im Revier“:
Dr. Christof Beckmann, Hülsmannstr. 74, 45355 Essen, Tel. 0201 – 66 47 57, E-mail: kipnrw@aol.com,
UNITAS Ruhrania- Studentenheim e.V.,
Bankverbindung: Bank im Bistum Essen, KtoNr. 47 890 012, BLZ 360 602 95.
Seligsprechungsprozess
für Bbr. Johannes Prassek
von Bbr. Dr. Lambert Stamer
HAMBURG/VATIKAN. Gut 60 Jahre nach dem Tod der Lübecker Geistlichen Johannes Prassek, Eduard Müller und Helmut Lange sowie des evangelischen Pfarrers Karl Friedrich Stellbrink hat der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen am 10. Mai 2004 den Prozess der Seligsprechung für die drei katholischen Kapläne eingeleitet.
Dabei muss nachgewiesen werden, dass die drei Kapläne für ihren Glauben gestorben sind, nachdem sie in Predigten und Glaubensgesprächen die Verbrechen des Nationalsozialismus verurteilt, Flugblätter vervielfältigt und kritische Informationen ausgetauscht hatten. Im Frühsommer 1942 wurden sie verhaftet und in einem gemeinsamen Prozess vom Volksgerichtshof 1943 zum Tode verurteilt. Am 10. November 1943 starben sie gemeinsam im Hamburger Gefängnis Holstenglacis durch das Fallbeil. Die angestrebte feierliche Seligsprechung bedeutet: Die ganze Kirche bestätigt das Leben und den Tod der Seligen als vorbildliches Glaubenszeugnis. Sie bekräftigt ihren Glauben, daß diese Zeugen in die Herrlichkeit Gottes auferweckt sind. Sie erlaubt die Verehrung der Seligen durch das Gottesvolk als Vorbild und Fürsprecher.
Bbr. Johannes Prassek gilt als Kopf der drei Lübecker Kapläne. Er wurde am 13.8.1911 in Hamburg-Barmbek geboren. Der Vater war Maurer und stammte aus Schlesien. Die Mutter, Konvertitin, kam aus Mecklenburg. Erste Kaplanstelle nach der Priesterweihe 1937 war Wittenburg, die zweite ab 1939 Lübeck. Der große und asketische Mann überzeugte durch seine Natürlichkeit, Offenheit und seine vertrauensvolle Hinwendung zu einzelnen Menschen. Zwei Wochen vor seiner Festnahme bekam er wegen seines mutigen Einsatzes während eines Bombenangriffs das „Luftschutz-Ehrenzeichen“.
Auch als Prediger vertrat er offen seine Meinung und scheute keine Kritik an der NS-Ideologie. Das sprach sich herum. Gemeindemitglieder und Freunde warnten den Kaplan vor der Gefahr, die die öffentliche Kritik mit sich brachte. Er selbst war nicht mit der Zurückhaltung einverstanden, die die katholischen Bischöfe gegenüber dem NS-Regime an den Tag legten. Umso mehr verehrte er mutige Einzelgänger wie den Münsteraner Kardinal von Galen, dessen Portrait auf seinem Schreibtisch stand. Im evangelischen Pastor Stellbrink fand der Kaplan einen Mitstreiter: Beide tauschten Flugblätter und Informationen, auch über „Feindsender“ aus. Eine weitere Provokation: Prassek widmete sich als Seelsorger den polnischen Zwangsarbeitern in Lübeck, er lernte dazu sogar polnisch.
Ein Spitzel, der sich als sozial bedürftiger Glaubenssuchender ausgab, denunzierte den Geistlichen. Prassek hatte dem Mann vertraut und ihm seine kritischen Meinungen mitgeteilt. Der Verrat traf ihn schmerzlich. Am 18. Mai 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet. Während der einjährigen Untersuchungshaft streute die Gestapo Gerüchte über Prasseks Lebenswandel und Beziehungen zu Frauen. Der Gefangene erhielt gefälschte Nachrichten, wonach ihn der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning fallengelassen habe. Gegen den Rat seines Anwalts stritt der Geistliche in der Verhandlung keine seiner regimekritischen Äußerungen ab. Am 24. Juni 1943 wurde er zum Tode verurteilt. Sein Abschiedsbrief ist nicht erhalten. Er wurde möglicherweise vernichtet. Erhalten ist aber noch das Neue Testament des Kaplans mit Notizen und Anstrichen. Der Bischof von Osnabrück liest an jedem Todestag in der Eucharistiefeier das Evangelium aus diesem Buch. Auf der ersten Seite hat Johannes Prassek den Satz aufgeschrieben: „Wer sterben kann, wer will den zwingen?“
Aus: unitas 2004/2

Vom Abenteuer,
ein Student zu sein –
Ein Zwischenruf
Von Bbr. Sebastian Sasse
(UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund)
Bildung – ein Thema, das auf der politischen Agenda ganz oben steht und vor allem uns als Studenten betrifft. Deswegen können uns die öffentlichen Debatten über die Zukunft der Bildung in Deutschland nicht unberührt lassen. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine neue bildungspolitische Sau durchs Dorf getrieben wird.
Die Debatten laufen dabei immer nach dem gleichen Muster ab: Zunächst wird ein Krisenszenario beschworen, nach dem Motto: „Wissenschaftler xy hat festgestellt, jeder dritte Achtjährige ist Analphabet!“ Nachdem dann ganz Deutschland mit Hilfe der Medien aufgescheucht worden ist, tritt schließlich der Kanzler vor die Mikrofone und kündigt an, das Thema zur Chefsache zur machen. Wahlweise wird nun ein Expertengremium einberufen oder der Kanzler fragt einfach mal seine Frau um Rat. Am Ende kann dann vieles dabei herauskommen, nur erfahrungsgemäß keine vernünftige Lösung. Da ist es schon wahrscheinlicher, dass Doris via Bildzeitung verkündigt: „Deutsche Mütter! Lest Euren Kindern nicht mehr vor. Entfremdet sie nicht von ihren Büchern.“
So ist also die Lage. Was also noch Neues über Bildung schreiben? Ich sitze in der Mensa vor einem leeren Stück Papier. Noch ein neuer Vorschlag zur Entschlackung der Universitätsbürokratie? Nein, ich habe genug von dem ganzen Zirkus. Ich sitze hier an meinem Tisch und um mich herum wuselt ein bunter Haufen von jungen Menschen, die sich alle Student nennen. Vorne in der Ecke sitzen zwei Mädels und ein Mann im Holzfällerhemd, vermutlich BWL-er. Sie unterhalten sich über die Prüfungsordnung. „Brauche ich eigentlich den Schein aus dem Hauptseminar.“ Die beiden Frauen nicken ihrem Kommilitonen bestimmt zu. An dem Tisch neben mir spricht ein Mädchen mit lustigen Rastazöpfen mit einem jungen Mann im schwarzen Polo-Shirt: „Also wenn ich Plato richtig verstanden habe“ ....
Ach ja, Plato ...
Ach ja, Platon. Vielleicht wissen ja die alten Griechen ein Antwort auf die Frage, was es bedeutet Student zu sein: „Und nun mache Dir den Unterschied zwischen Bildung und Unbildung klar. ... Stelle Dir die Menschen vor in einem unterirdischen, höhlenartigen Raum, der gegen das Licht einen weiten Ausgang hat über die ganze Höhlenbreite; in dieser Höhle leben sie von Kindheit, gefesselt an Schenkeln und Nacken, so dass sie dort bleiben müssen und nur gegen vorwärts schauen, den Kopf aber wegen der Fesseln nicht herumdrehen können; aus weiter Ferne leuchtet von oben her hinter ihrem Rücken das Licht eines Feuers; zwischen diesem Licht und den Gefesselten führt ein Weg in der Höhle, ihm entlang stelle Dir eine niedrige Wand vor, ähnlich wie bei den Gauklern ein Vorschlag von den Zuschauern errichtet ist, über dem sie ihre Künste zeigen. ... An dieser Wand ... tragen Menschen mannigfache Geräte vorbei, die über die Mauer hinausragen, dazu auch Statuen aus Holz und Stein von Menschen und anderen Lebewesen, kurz, alles mögliche, alles künstlich hergestellt, wobei die Vorbeitragenden teils sprechen, teils schweigen. ... sie (die in der Höhle Gefesselten) sehen von sich und den anderen zunächst nichts außer den Schatten, die von dem Feuer auf die gegenüberliegende Mauer geworfen werden ... .“
Raus aus der Höhle !
Ja, ja die alten Griechen. Kommt uns das nicht bekannt vor, was Plato hier seinen Lehrer Sokrates ausführen lässt. Glauben wir nicht auch oft, bloß die Schatten der Wirklichkeit wahrzunehmen. Ist die moderne Mediengesellschaft unsere Höhle? Starren wir nicht auch wie gefesselt in den Fernseher und glauben, dass das, was uns von der Mattscheibe aus entgegen flimmert, die Wirklichkeit sei. Nun wird der eine oder andere erwidern: „Sicherlich lassen sich viele von irgendwelchen Medienspektakeln täuschen. Aber die Mehrheit doch nicht. Wir sind doch aufgeklärt. Wir leben in einem modernen Land!“ Einer solcher Argumentation werden sich vor allem die Teile der Bevölkerung anschließen, die glauben aufgrund ihrer Ausbildung besonders vor solcherart Täuschung gefeit zu sein. Dieser Menschenschlag nennt sich gemeinhin Akademiker.
Aber so leicht lässt Plato Sokrates es uns nicht machen. Für ihn sitzen wir alle in der Höhle. Egal ob Oberstudienrat, Bäcker oder Landstreicher. Es ist aber auch klar: Wenn wir Bildung erfahren wollen, dann müssen wir aus der Höhle heraus. Dafür müssen wir Kraft und Anstrengung aufbringen. So fährt er denn fort: „Überlege nun Lösung aus Ketten und Unverstand ... Wenn etwa einer gelöst und gezwungen würde, sofort aufzustehen und den Kopf umzuwenden, auszuschreiten und zum Licht zu blicken, wenn er bei alledem Schmerz empfände und wegen des Strahlenfunkelns jene Gegenstände nicht anschauen könnte, deren Schatten er vorher gesehen – was glaubst du, würde er da wohl antworten, wenn man ihm sagte, er habe vorher nur eitlen Tand gesehen, jetzt aber sehe er schon richtiger ... Würde er da nicht in Verlegenheit sein und glauben, was er vorher erblickt, sei wirklicher als das, was ich ihm jetzt zeige?“
Was ist ein Akademiker?
„Wodurch unterscheidet sich ein arbeitsloser Akademiker von einem Akademiker mit Arbeit. Der Erste sagt zum Zweiten: Ich hätte gerne eine Currywurst.“ Dieser Witz zeigt, der Nimbus, der einst das Wort „Akademiker“ umstrahlte, ist dahin. Das ist insofern konsequent, als dass es heute fast keine Akademiker im eigentlichen Sinne mehr gibt. Da unser Land aber Akademiker so sehr bedarf, wie wahrscheinlich noch nie zuvor, ist es um so wichtiger, sich die eigentliche Bedeutung des Wortes „Akademiker“ vor Augen zu führen.
In Athen gründete Platon einst die Akademie. Hier lehrte er seine Philosophie und bildete seine Schüler. Aus der Akademie entwickelte sich unser Wort Akademiker. Was heißt das nun? Ein Akademiker ist ein Mensch, der neben seiner eigentlichen Tätigkeit auch ein Interesse an Philosophie hat. Ein Philosoph ist eine Mensch, der die Weisheit liebt. Er besitzt sie also nicht, sondern er strebt nur nach ihr. Ein philosophierender Mensch ist also ein Mensch auf dem Weg. Sein Leben verläuft nicht statisch, er ist fortwährend in Bewegung. Wir alle gehen Wege. Wenn ein Wanderer von einem Punkt A zu einem Punkt B will, hat er mehrere Möglichkeiten. Er kann die befestigte Straße benutzen. Er kann sich aber auch seinen eigenen Weg bahnen. Er kann sich durch den noch nicht erschlossenen Wald schlagen. Und wenn er plötzlich vor einer Felswand angelangt ist, also nicht weiterkommt, muss er zurückkehren, einen anderen Weg einschlagen. Die Wurzel der Philosophie ist das Staunen. Der Mensch befindet sich auf seinem Weg und plötzlich kommt ihm dabei irgend etwas seltsam vor. Er stellt sich eine Frage. Und indem er nach der Antwort sucht, schlägt er einen neuen Weg ein. Die Gefahr besteht darin, plötzlich die Orientierung zu verlieren. Der Reiz: Es besteht die Möglichkeit, den richtigen Weg einzuschlagen, den Weg zur Weisheit.
Ein Akademiker weiß um dieses Risiko und er geht es trotzdem ein. Der Akademiker ruht sich nicht in seinem bürgerlichen Leben aus, er ist ein Suchender. Er sucht weiter nach dem Weg zur Wahrheit. Je nach Disziplin seiner wissenschaftlichen Arbeit, versucht er seinen Teil zu dieser großen Suche beizutragen. Der Akademiker ist ein Abenteurer.
Nun mal ehrlich ...
Nun mal ehrlich, wenn ich jetzt behaupten würde, unser gesamter Wissenschaftsbetrieb liege in Ketten und sei in weiten Teilen von Unverstand dominiert, weil er sich vom Wesentlichen entfernt habe: Wer würde dann nicht zunächst verlegen zur Seite blicken und schließlich meine These bestimmt zurückweisen? Es hilft aber nichts, ich beharre weiter darauf: Der Student erfährt heute im Studium nicht mehr viel von dem Wesentlichen, was Wissenschaft ausmacht. Was das Wesentliche ist? Nun, Sokrates darf sich einer metaphorischeren Sprache bedienen als ich. Den alten Griechen nimmt man Pathos nicht krumm. Er spricht einfach vom „Licht“. Wir müssen deswegen alle, egal ob Mediziner, Ingenieur oder Historiker, Philosophen werden. Als Studenten unterscheiden wir uns daher nicht vom Rest der Bevölkerung dadurch, dass wir neben dem Personalausweis auch noch eine Matrikelnummer besitzen. Student sein heißt, sich auf das Abenteuer Wissenschaft einzulassen. Haben unserer heutigen Universitäten, diese tristen Fabriken der Bürokratie, eine Chance wieder zum Tummelfeld solcher Abenteurer zu werden?
Nun sollte man meinen, dass in unserer Gesellschaft das „Abenteuer“ hoch im Kurs steht. Wird uns doch allenthalben gesagt, wir sollten nach dem Kick, der Entgrenzung, dem Rausch suchen, um uns selbst zu finden. Aber, wie bereits erwähnt, das Abenteuer des Studenten besteht in seiner Suche nach der Weisheit. Er kann sich also niemals sicher sein, die vollständige Weisheit gefunden zu haben. Der Student darf nie selbstzufrieden sein, er muss sich immer wieder aufraffen und nach einem neuen Weg suchen. So zu handeln wird immer schwieriger. Gerade im akademischen Milieu. Nicht selten trifft man hier auf Gestalten, die glauben, ein schwarzer Schal und ein Glas Rotwein in der Rechten reichten aus, um sich als Prototyp eines Intellektuellen präsentieren zu können. Es genügt eben nicht, mal bei Nietzsche gelesenen zu haben, dass das Dionysische, das Triebhafte im Menschen, unseren kreativen Kern bilde. Sonst würde ja jeder x-beliebige Exzess den besten Weg zum ersten Lyrikband darstellen. Dann müssten ja unter den Brücken die besten Sonette gedichtet werden und jede Fixerstube eine Ansammlung von potentiellen Literaturnobelpreisträgern in sich bergen.
„Student sein, wenn die Veilchen blühen, das erste Lied der Lerche singt, der Maiensonne Strahl triebweckend in die Erde dringt. Student sein, wenn die weißen Schleier vom blauen Himmel grüßend weh’n: das ist des Daseins schönste Feier! Herr, lass sie nie zu Ende geh’n!“ Was’n das? So würde wohl mancher meiner Kommilitonen auf diese Verse reagieren. Und tatsächlich wirkt dieses alte Studentenlied mit seinem fröhlichen Optimismus heute stark befremdlich. Gerade auf einen Studenten. Im Uni-Alltag herrscht knallharte Bürokratie. Es geht nur noch um überfüllte Hörsäle und die Einführung von Studiengebühren. Da ist kein Platz für Studenten mit Platon im Kopf und Veilchen im Knopfloch. Der Student von heute fühlt sich einem zunehmenden Druck von außen ausgesetzt. Er folgt nicht seinen wissenschaftlichen Interessen, er beugt sich den Anforderungen des Marktes. Jeder rät ihm, sein Studium so schnell wie möglich zu beenden und dann Karriere zu machen. Das Idealbild des modernen Studenten ist ein durch die Welt von Praktikum zu Praktikum jettender junger Mensch, der mindestens sechs Sprachen fließend beherrscht, aber nirgendwo zu Hause ist. Kann man da noch vom Studium als des „Daseins schönster Feier“ sprechen? Wohl kaum.
Was ist ein Student?
Die Universität hat also mit der von vor hundert Jahren wenig gemeinsam. Wie bei jeder gesellschaftlichen Institution sind auch an ihr die Umbrüche des letzten Jahrhunderts nicht vorbeigegangen. Dass auch die Universität sich wandeln muss, ist im Prinzip nicht falsch Allerdings muss die Frage erlaubt sein: Hat sich die deutsche Universität in den letzten 30 Jahren zu ihrem Vorteil entwickelt? Nein. Aber es besuchen doch so viele junge Menschen, wie nie zuvor, die Hochschulen? Das ist vollkommen richtig. Allerdings gab es noch nie so wenige Studenten. Diese These klingt seltsam? Nun, es schreiben sich immer mehr Menschen an den Unis ein, die meisten sind nur keine wirklichen Studenten. Sie besuchen Vorlesungen, schreiben Hausarbeiten, machen Scheine. Ja, natürlich. Die meisten haben irgendwann auch ihren Abschluss in der Tasche. Nur Studenten sind sie trotzdem nicht. Student sein, bedeutet nämlich, eine bestimmte Lebensform zu wählen. Was zeichnet dieses Lebensform aus? Student zu sein, bedeutet sich auf das Abenteuer Suche einzulassen. Student sein heißt, sich im Sinne Platons auf die Suche nach dem Weg zur Wahrheit zu begeben. Wenn wir diesen Weg einschlagen, dann erleben wir auch des „Daseins schönste Feier“. Wir leben zwar in der „Spaßgesellschaft“, doch von Freude am Leben hört man erschreckend wenig. Daher glaube ich, dass unsere Gesellschaft dringend dieser Spezies bedarf, die sich Student nennt. Es darf daher nicht immer nur über Strukturprobleme gesprochen werden. Auch soll uns hier die Auswanderung von Wissenschaftlern in die Vereinigten Staaten nicht kümmern. Es geht um das Bekenntnis zu einer Option, zu einer Möglichkeit, in dieser Welt seinen Platz zu finden. In unserer Zeit wird viel von Chancen gesprochen, die man angeblich nicht verpassen darf. Ich will nur eins: Eine freie Person sein. Ein Student.
Deutschland braucht Studenten
In der öffentlichen Diskussion wird oft ein allgemeiner Mangel beklagt. Der Mangel an Ideen, Innovationen usw.. Deutschland mangelt es an Personen. Deswegen, und nur deswegen braucht Deutschland Studenten.
Was also tun? Rückzug lautet die Parole. Zurück zu sich, zum Fach. Einfach denken und sich bilden ohne Rücksicht auf Verluste. Rüstzeug: Humor und Mut. Es lohnt nicht mehr, sich über die einstürzenden schiefen Türme der Bildungsbürokratie aufzuregen. Ich brauche, um gut studieren zu können, nicht mehr als meinen Kopf. Den kann mir keiner nehmen. Also los. Machen wir uns auf den Weg, auf den Weg zur Weisheit. Aber lasst uns nicht die Veilchen am Wegesrand übersehen. Wir wollen sie pflücken und uns am Leben erfreuen. Fröhlich erhebe ich mich von meinem Mensatisch. Es ist schön, Student zu sein. Das Abenteuer ruft.
Aus: unitas 2004/2
Ermländer, Unitarier, Zeuge der Vertreibung
Bbr. Professor Gerhard Fittkau gestorben
ESSEN. Im Alter von 91 Jahren ist am Samstag, 6. März 2004, Bbr. Professor Dr. Gerhard Fittkau in Essen-Werden gestorben. Vor zwei Jahren noch hatte der weit über die Grenzen des Ruhrbistums und Deutschlands bekannte Priester, Pädagoge und Publizist den 65. Jahrestag seiner Priesterweihe begehen können. Seit 1960 lebte er im Essener Süden in der Werdener Gemeinde St. Ludgerus.
Bbr. Fittkau wurde am 11. Mai 1912 in Tollnigk, Kreis Heilsberg/Ostpreußen, geboren. Seine Studien führten ihn zunächst nach Innsbruck, wo er sich 1930 der sieben Jahre zuvor gegründeten UNITAS Greifenstein anschloss. Anschließend setzte er sein Studium in Rom, Freiburg/Schweiz und Braunsberg fort. 1937 weihte ihn Bischof Maximilian Kaller in Frauenburg zum Priester. Kaller hatte früh die besondere Begabung des jungen Priesters erkannt und machte ihn zu seinem Bischöflichen Kaplan. Bald geriet Fittkau in Konflikt mit den Nationalsozialisten, weil er verbotene Hirtenbriefe verteilte. Als „Staatsfeind“ wurde er 1939 aus Ost- und Westpreußen ausgewiesen. Zuflucht fand er als Hausgeistlicher im Karmel zu Breslau. In dieser Zeit absolvierte er ein Zusatzstudium, das er 1944 mit einer Promotion zum Doktor der Theologie mit höchstem Prädikat abschloss. Seine Doktorarbeit wurde später in Bonn während seiner Tätigkeit in den USA veröffentlicht. Alle vier Manuskripte seiner Habilitationsschrift über „Die Theologie des Mysteriums bei Johannes Chrysostomus“ gingen in den Kriegswirren 1945 verloren.
Das Jahr 1944 war entscheidend im Leben von Bbr. Fittkau. In jenem Jahr 1944 wurde er Pfarrer in Süßenberg in der Nähe von Heilsberg. Kurz nach dem Jahreswechsel erlebte er den Einmarsch der russischen Truppen und wurde verschleppt in den „Archipel GULag“. Wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes wurde er aber zum Ende des Jahres 1945 wieder abgeschoben und erreichte nach einer 28-tägigen Odyssee mit dem Güterzug Frankfurt/Oder. Es stand sehr schlecht um ihn, als er anschließend nach Berlin kam, wo ihn Katharinenschwestern jedoch wieder gesund pflegen konnten. Seine Erlebnisse, Empfindungen und Eindrücke in diesem Jahr hat er festgehalten in dem Buch „Mein 33. Jahr“ (1), das schnell eine Auflage von über 100.000 Exemplaren erreichte und in zehn Sprachen übersetzt wurde. Der beeindruckende Erlebnisbericht schildert die Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen.
Der ostpreußische Bischof Kaller war inzwischen aus seiner Heimat vertrieben und zum Päpstlichen Sonderbeauftragten für die Vertriebenen in Deutschland ernannt worden. An seine Seite kehrte Fittkau zurück. Nach dem Tode Kallers 1947 übernahm Bbr. Fittkau wie selbstverständlich die Seelsorge an seinen im ganzen Land zerstreuten Landsleuten. Bei einer ersten Bettelreise in die Schweiz brachte er unter anderem 300 Fahrräder für die Mitbrüder in Mitteldeutschland zusammen.
Im Herbst 1948 wurde er Generalsekretär des Bonifatiuswerkes in Paderborn, und im Februar 1949 ging er als Direktor der American St. Boniface Society, des amerikanischen Bonifatiuswerkes, nach New York. Dort organisierte er mit Talent eine umfassende Diasporahilfe. Seine Begabung für Sprachen und seine Sprachgewandtheit kamen ihm dabei zustatten. 1953 wurde Gerhard Fittkau vom Papst zum Päpstlichen Geheimkämmerer und 1956 zum Päpstlichen Hausprälaten ernannt. Den Titel eines Konsistorialrates seines Heimatbistums Ermland behielt er bei.
Auch später, als er nach seiner Rückkehr 1960 nach Essen kam und von 1962 ab am Bischöflichen Priesterseminar St. Ludgerus in Essen-Werden Dogmatikvorlesungen hielt, waren ihm diese Fähigkeiten eine gute Hilfe. Während des Konzils leitete er in Rom die deutschsprachige Abteilung des Konzilspresseamtes, 1961 wurde er Gründungsmitglied des Rundfunkrates der Deutschen Welle, einem Gremium, dem er als einziger „der ersten Stunde“ über 25 Jahre lang angehörte. Von 1968 bis 1971 war er im Auftrag der nordrhein-westfälischen Bischöfe offizieller Beobachter beim Niederländischen Pastoralkonzil und 1971 Mitarbeiter der deutschen Vertretung bei der Bischofssynode in Rom. Der Papst ernannte ihn 1982 zum Apostolischen Protonotar. Im Juli 1989 würdigte der ermländische Bischof Edmund Piszcz die Verdienste Bbr. Fittkaus mit der Ernennung zum Ehrendomherren in der Diözese Ermland (Polen).
Wer sein Buch „Mein dreiunddreißigstes Jahr" gelesen hat, weiß, wer er war", lautet es im Text seiner Todesanzeige: „Der Hirte, der seine Herde nicht im Stich gelassen hat, als die Wölfe kamen. der Priester, der das Gehorsamsversprechen an seinen HERRN und an seinen Bischof gehalten hat bis zum letzten Atemzug - er starb während der hl. Messe bei der Vaterunser-Bitte "Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden"; der Theologe, der die Wahrheit des katholischen Glaubens unermüdlich und kraftvoll verteidigt und das Schicksal des lästigen Propheten ertragen hat, ohne seinen Humor zu verlieren; der Mensch und Bruder dessen Verlässlichkeit und Zuwendung für viele zum Anker geworden ist. Wir beten, er möge jetzt schauen, was er in seinem Leben geglaubt und verkündet hat."
Am 16. März wurde Bbr. Gerhard Fittkau nach dem Requiem in St. Gereon in Köln-Merheim auf dem Kalker Friedhof zur letzten Ruhe getragen.
(1) „Mein dreiunddreißigstes Jahr. Ein ostpreußischer Pfarrer im Archipel Gulag“, zuletzt aufgelegt in Berlin: Buchverl. Union, [1991]. 334 S.. (ISBN 3-372-00401-9), 29,80 EURO. Als Taschenbuch im Steyler-Verlag, Nettetal 1982, (ISBN 3805000677).
Aus: unitas 2004/1
Ruhranen-Hochzeiten
Gleich zwei junge Alte Herren der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund haben im Sommer geheiratet:
Herne/Bonndorf/München. Bbr. Burkhard Gößmann und Elisabeth Adler schlossen am 21. Juni 2003 in der Katholischen Pfarrkirche St. Peter, Bonndorf im Schwarzwald den Bund fürs Leben. Die Bundesbrüder gratulieren herzlich!
Ewerswinkel/Münster. Kirchlich geheiratet haben am 18. Juli 2003 Bbr.
Christoph Kinzelt v. Batman und seine Frau Verena. Zelebrant der Brautmesse war der Geistliche Beirat des Verbandes, Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann (Bochum). Gleich zwei Chargenteams (UNITAS Ruhrania und UNITAS Rolandia Münster) standen Spalier. Gratulor!
Aus: unitas 2003/3
Bbr. Franz Josef Bals
Essen. Bbr. Franz Josef Bals aus Essen, geboren am 6. Juni 1935, rezipiert bei UNITAS Franko-Saxonia Marburg im Oktober 1955 und Alter Herr seit 1. Oktober 1960, ist am 4. Juli 2003 gestorben. Als treuer unitarischer Wegbegleiter der Essener Bundesbrüder, bei deren Treffen und Veranstaltungen er mit seiner lieben Frau nach seiner Pensionierung als Kriminalbeamter einer der beständigsten Gäste war, unterstützte er auch die junge UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund als Mitglied im Hausbauverein. Seine Verlässlichkeit, sein Prinzipientreue und sein Humor wurden von allen sehr geschätzt. Seine Bundesbrüder gaben ihm das letzte Geleit.
Aus: unitas 2003/4
Dr. med. Theodor Schmitz
Recklinghausen. Am 24. August 2003 verstarb Dr. med. Theodor Schmitz v/o Düse (UNITAS Ruhrania Münster, UNITAS-Würzburg) in Marl im Alter von 64 Jahren. Geboren am 27. April 1939 in Recklinghausen wurde er im SS 1960 bei UNITAS-Ruhrania zu Münster rezipiert und studierte vier Semester in Würzburg. Hier engagierte er sich bei UNITAS-Bavaria, u.a. als Senior im SS 1964, als 1. Vorortsschriftführer 1964/65 und wurde am 10. Juli 1968 philistriert.
Aus: unitas 2003/4
Dr. med. Karl Heinz Höwing
HILDESHEIM. Der AHZ Hildesheim nahm Abschied von Bundesbruder Dr. med. Karl Heinz Höwing. Geboren am 7. April 1931, studierte er in Münster Medizin und wurde dort im Juni 1952 bei der UNITAS Ruhrania aktiv. Philistriert wurde er zum Januar 1958 in Göttingen, wo er als Assistent des berühmten Professor Martius promoviert wurde.
Als angesehener Mediziner in Hildesheim übernahm er im ärztlichen und öffentlichen Bereich viele Ämter und Verpflichtungen - so z. B bei der Ärztekammer und beim Finanzgericht. Der UNITAS widmete er einen beträchtlichen Teil seiner Schaffenskraft. Viele Bundesbrüder konnten sich seiner Hilfe in Wort und Tat erfreuen. Das unitarische Leben hat er als Mitglied des Senats mitgestaltet - es war ihm ein Herzensanliegen. Den Herbst des Lebens zu genießen, war ihm leider nur teilweise vergönnt, das auferlegte Kreuz in vielfacher Form trug er mit christlicher Haltung und Wurde. Bundesbrüder des AHZ Hildesheim geleiteten ihn am 5. Februar 2004 auf seinem letzten irdischen Wege; möge Gott ihm sein Wirken für die UNITAS lohnen.
AHZ Hildesheim, Der Senat
Aus: unitas 2004/1
Dr. Manfred Kinzelt
Die UNITAS Ruhrania Münster trauert um ihren lieben Bundesbruder Dr. Manfred Kinzelt. Er starb am 11. Dezember 2003 nach schwerer, mit viel Geduld ertragener Krankheit. Er war einer der treuesten Ruhranen aus tiefer Überzeugung. 86 Semester in der UNITAS Ruhrania sind ein beredtes Zeugnis seiner inneren Verbundenheit mit seiner Verbindung, für die er immer gelebt hat.
Er wurde am 13. April 1942 in Münster geboren. Schon früh verlor er während des zweiten Weltkrieges seinen Vater, so dass seine Mutter als Kriegerwitwe ihn allein aufzog. Unser Bundesbruder war und ist bis an sein Lebensende ein echter Münsteraner geblieben. Er besuchte dort das Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium und studierte nach seinem Abitur Zahnmedizin an der Wilhelms-Universität in Münster.
1961 wurde er in die UNITAS Ruhrania rezipiert und war als Aktiver über mehrere Jahre ein wirklich engagierter Bundesbruder. Er bekleidete in dieser Zeit verschiedene Chargen. Er war Consenior und Senior in den Blütezeiten der UNITAS Ruhrania.
Während der Studienzeiten entdeckte er die Liebe zum Fechtsport, der er bis zuletzt innerlich verbunden war.
1967 heiratete er seine Frau Iris, 1968 wurde Tochter Anne und 1972 Sohn Christoph geboren. Christoph ist inzwischen ebenfalls Ruhrane und setzt die Familientradition fort. Auch er war schon Senior in der wiederbegründeten UNITAS Ruhrania Essen-Bochum-Dortmund.
Nach dem Zahnmedizinstudium übernahm er in Essen eine Zahnarztpraxis, die er bis 1999 mit viel Einsatz und Liebe führte. In dieser Zeit war er so oft seine Zeit es zuließ, in der münsterländischen Parklandschaft bei Gescher, wo er über all die Jahre die freie Zeit in seinem Feriendomizil verbrachte. Er war sehr naturverbunden, was sich auch in seiner Vorliebe für die Jagd äußerte.
Nach seiner Berufstätigkeit in Essen kehrte er in seine Heimatstadt Münster zurück, wo er die letzten Jahre in seinem neuen Haus in Münster-Albachten verlebte. Er genoss die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen und lebte bewusst. Er studierte noch einmal an der Universität in Münster seine heimliche Liebe, die Geschichtswissenschaft mit voller Hingabe und allen Pflichten und guten Noten. Leider war es ihm nicht vergönnt, sein Studium mit dem angestrebten Examen abzuschließen. Eine plötzliche Erkrankung änderte sein Leben schlagartig. Gerne hätte er die Geburt seines zweiten Enkelkindes im kommenden Mai noch erlebt. Er starb nach einem glücklichen, erfüllten Leben. Trotz der Schwere des Leides blieb er bis zum Schluss gefasst und zufrieden. Er strahlte wie in seinem ganzen Leben eine Herzlichkeit aus, die jeden in seinen Bann nahm. Nur auf seine geliebte Pfeife musste er verzichten.
Am letzten Ruhranentreffen in Sprakel konnte er schon nicht mehr dabei sein. Die UNITAS Ruhrania ist dankbar, dass wir einen so wertvollen Menschen in unseren Reihen gehabt haben und werden ihn sicher nie vergessen.
Jörg Lahme, Rheine
AHV-x UNITAS Ruhrania
Aus: unitas 2004/1
21. Ruhranentreffen in Münster-Sprakel
Münster/Ruhrgebiet. Über 40 Teilnehmer – so viel wie nie in den vergangenen Jahren – trafen sich am Samstag, 16. November 2002, zum alljährlichen Ruhranentreffen im Heimathaus Münster-Sprakel. Mit fünf Bundesbrüdern stattete auch erstmals UNITAS Winfridia den Ruhranen einen Besuch ab.
Für die Organisation des 21. Ruhranentreffens in Folge zeichnete wieder in bewährter Weise der Vorsitzende des AHV UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund, Bbr. Jörg Lahme (Rheine), verantwortlich. Nicht nur für ein vorzügliches Büffet war gesorgt: Als Programm-Highlight und nach großen Erfolgen in den vergangenen Jahren gestaltete Bbr. Rainer van Husen einen Abend mit „Herbstlicher Poesie in Wort und Musik“. Er machte mit seiner Begleitung am Klavier den Abend im urigen Ambiente des münsterländischen Bauernhofes wieder zu einem echten Erlebnis. Bilder oben: Jung und Alt vereint. Bbr. Jörg Lahme dankt Bbr. Rainer van Husen nach seinem Auftritt. Hinweis: Dessen neue Aufnahme „Die schöne Müllerin“ wird in dieser unitas-Ausgabe unter Medien/Bücher vorgestellt.
Aus: unitas 2003/1
„Die schöne Müllerin“
Bbr. Rainer van Husen singt Franz Schubert; Bezug: discoteca, Windhorststr. 48, 48143 Münster, Tel. (0251) 56754, FAX (0251) 56773,
DISCOTECA@gmx.de
Er ist Realschulrektor der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten und Tenor zugleich: Bbr. Rainer van Husen (Bild oben rechts), am 22. 8. 1944 in Fulda geboren und im November 1964 bei UNITAS Ruhrania in Münster rezipiert. Seine stimmliche Ausbildung erhielt er bei Trude Liedtke-Epping (Münster) und Hermann Firchow (Bielefeld). Kammersänger Professor Hans Hotter verlieh dem lyrischen Tenor 1979 das Diplom der Wiener Meisterkurse für Liedgesang. Seitdem gab er viele Konzerte in ganz Deutschland sowie im europäischen Ausland - u. a. bei den Kasseler Musiktagen (zusammen mit Robert Holl, Helmut Deutsch und Leonard Hokanson) sowie bei den „Juni-Musiktagen Kinzigtal“ und den von ihm mitbegründeten „Eckelshausener Musiktagen" an der oberen Lahn, einem renommierten internationalen Kammermusikfestival.
Zahlreiche Konzerte mit Agnes Giebel führten ihn nach Dänemark zu den international besetzten „Juleconcerten" in Kopenhagen, Helsingør und Fridericia. Zwischenzeitlich arbeitete er mit Theo Altmeyer, Raimond Gilvan und Adelbert Kraus. Neben mehreren Schallplattenaufnahmen, die von der niveauvollen Haltung van Husens Zeugnis ablegen, wirkte Bbr. van Husen bei zahlreichen Rundfunk- und Fernsehproduktionen mit. Vor allem dem romantischen Liedrepertoire gilt die Liebe und das besondere Interesse des lyrischen Tenors. Die großen Liederzyklen Schuberts und Schumanns finden in seiner Interpretation immer wieder den Zuspruch des Konzertpublikums. Daneben scheut er sich nicht, auch weniger bekannte Tenorpartien - etwa im Bereich des spätromantischen und modernen Oratoriums - einzustudieren und ihnen zur Wirkung zu verhelfen. Geschätzt ist van Husen auch als Sänger geistlicher Chorwerke, Passionen und Messen in Vertonungen von Bach bis zu zeitgenössischen Komponisten. Davon legt seine Zusammenarbeit mit vielen Domchören Deutschlands ab. Neben seiner solistischen Tätigkeit - Rainer van Husen gibt auch Wohltätigkeitskonzerte zugunsten sozialer Projekte – pflegt er auch den Ensemblegesang.
Mit dem Liederzyklus „Die schöne Müllerin" von Franz Schubert – eingespielt am 17. August 2002 im Clara Schumann-Saal des Dr. Hoch´s-Konservatoriums in Frankfurt/M., legt Rainer van Husen seine aktuelle CD vor. Begleitet wird er am Klavier von Wolfgang Hess, mit dem er seit nun zwölf Jahren zusammenarbeitet. Die CD ist sehr hörenswert und kostet 14, 95 Euro.
Aus: unitas 2003/1
"Mehr
Herz für Europa" -
EUROPA - EINE "ERFOLGSGESCHICHTE OHNE BEISPIEL" ...
Im Interview: Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Fraktionsvorsitzender der EVP,
Festredner bei der 125. Generalversammlung des UNITAS-Verbandes in Münster
VON DR. CHRISTOF BECKMANN
50
Jahre nach der Unterzeichnung des Deutschlandvertrags in Bonn (26. Mai 1952),
mit der die Bundesrepublik wieder in die Rechte eines souveränen Staates
eingesetzt wurde, waren Redner und Thema des Festkommerses zur 125.
Generalversammlung glücklich gewählt. Was mit der Deutsch-Französischen Aussöhnung
begann, mit den Verträgen von Rom und der Gründung der EWG durch die ersten
sechs Staaten vor 45 Jahren fortgesetzt wurde, war "Beginn für eine
Erfolgsgeschichte ohne Beispiel", so Prof. Dr. Hans-Gert Poettering aus
Osnabrück, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei EVP, der größten im
Europa-Parlament. Nach seiner mit großem Applaus bedachten Rede zum Thema
"Unsere Verantwortung für Europa -Reform und Erweiterung der europäischen
Union" in der Halle Münsterland hatten wir Gelegenheit zu einem ausführlichen
Gespräch.
An
Europa und an unitarische Verpflichtungen im Geiste Robert Schumans zu erinnern,
ist zu jeder Zeit richtig. Auch - und gerade - wenn sich in den letzten Wochen
berechtigte Klagen über den "Euro" häuften. Er hat nun ein gutes
halbes Jahr Zeit gehabt. Und immer noch rechnen viele in DM um, aus Angst, von
den üblichen Verdächtigen übers Ohr gehauen werden. Doch wer hat sich nach
allen verheerenden Erfahrungen europäischer Geschichte ausmalen können, dass
sich einst die Münzen einer gemeinsamen kontinentalen Währung aus nahezu allen
europäischen Ländern im Portemonnaie mischen? Bei allem wohlfeilen Klagen dürfe
Grundsätzliches nicht in Vergessenheit geraten, meint Prof. Dr. Hans-Gert
Poettering: "Wenn wir Europa nur mit dem Verstand machen, aber nicht mit
dem Herzen, dann wird es nicht gelingen", das ist seine feste Oberzeugung.
Denn Europa - immer noch ein Kontinent im Werden - fordere auch eine emotionale
Zustimmung.
Doch
die Liste der Vorurteile über "die in Brüssel" ist lang. Europa heißt
für viele und in erster Linie: Regelungswut bis ins Detail - in fast jedem
Lebensbereich, bürokratischer Wasserkopf, Subventionsirrsinn. Dr. Hans-Gert
Poettering aber will billige Vorurteile nicht so stehen lassen. Versäumnisse räumt
er durchaus ein. Sie gebe es auf jeder politischen Ebene: "Oftmals wird aus
der Sicht der nationalen Politik, aus den nationalen Hauptstädten, die Politik
in Brüssel nur negativ gewertet. Doch dieses Bild ist nicht angebracht.
Fehlentwicklungen gibt es überall auf der kommunalen Ebene, auf der
Landesebene, auf der Bundesebene, natürlich auch in Europa und das müssen wir
korrigieren." Dagegen helfe nur eins: "Zur Demokratie gehören Öffentlichkeit
und Transparenz", erklärt Poettering. Gesetze im europäischen Ministerrat
dürften nicht hinter verschlossenen Türen diskutiert werden. "Die europäische
Union muss demokratischer werden und vor allem muss sie offener, transparenter
werden", unterstreicht der EVP-Fraktionschef.
Europa
ist noch nicht fertig ...
Der
entscheidende Durchbruch liegt nun fast ein halbes Jahrhundert zurück: Belgien,
Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Bundesrepublik
Deutschland unterzeichneten am 25. März 1957 auf dem Kapitol in Rom die Verträge
zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen
Atomgemeinschaft (EURATOM). Auf dem historischen Fundament des "Europa der
Sechs" wuchs seitdem durch Erweiterung und Fortentwicklung die Europäische
Union. Daran seit Beginn maßgeblich beteiligt war eine Generation, die den mörderischen
11. Weltkrieg durchlitten hatte. Besonders Vertreter von Parteien christlicher
Grundausrichtung engagierten sich tatkräftig für eine europäische
Friedensordnung: Für sie stehen Namen wie de Gasperi, Adenauer und Bundesbruder
Robert Schuman, der ehemalige französische Außenminister und erste Präsident
des Europäischen Parlaments. "Ihr Erbe ist auch für die Christdemokraten
von heute noch verbindlich", unterstreicht der EVP-Fraktionsvorsitzende.
"Das Wichtigste ist ein großer Respekt vor der menschlichen Person. Nach
christlicher Definition bedeutet dies Eigenverantwortung, aber auch
Verantwortung für die Gemeinschaft." Dies habe Eingang gefunden in die
Grundrechtscharta, die unter Vorsitz des früheren Bundespräsidenten Roman
Herzog erarbeitet wurde. "Und ich bin dafür, dass diese europäische
Grundrechtscharta auch europäisches Recht wird, weil sie nämlich auch unsere
christlichen Prinzipien vertritt."
Für
ein Europa mit Prinzipien
Für
Poettering gründen sie sich vor allem auf das unveräußerliche Recht jedes
Einzelnen auf Menschenwürde: Die totalitären Systeme des Kommunismus und
Nationalsozialismus hätten nur das Kollektiv gesehen, der Kommunismus die
Klasse, der Nationalismus die Rasse. "Diese Systeme sind gescheitert. Es
haben sich unsere christlichen Werte durchgesetzt und ich denke, dass es unsere
Verantwortung ist, als Christen so viel von unseren Werten in die europäische
Union einzubringen, wie nur möglich." Dies aus christlicher Verantwortung
für eine Aufgabe, die alle Christen, aber auch Nichtchristen einschließen müsse,
betont Poettering. Sie für dieses Ziel zu gewinnen, das ist für ihn
Gegenwarts- und Zukunftsaufgabe: "Europa muss auf die Würde des Menschen,
auf Demokratie und Frieden gebaut sein. Wenn wir Christen hier unseren Beitrag
leisten, werden wir erfolgreich sein, davon bin ich zutiefst überzeugt."
Für ihn bedeutet das: mehr und überzeugtes Engagement für die demokratische
Vertretung der Bürger Europas, vor allem im Europäischen Parlament. Seitdem es
im Juni 1979 erstmals in allgemeinen und direkten Wahlen gewählt wurde, gehen
die Bürger Europas regelmäßig alle fünf Jahre zu den Wahlurnen. Durch eine
ganze Reihe von Verträgen hat das Europäische Parlament inzwischen zunehmende
Befugnisse und wachsenden Einfluss auf die europäische Politik erhalten.
Insbesondere die Verträge von Maastricht und Amsterdam haben das Europäische
Parlament schrittweise von einer nur beratenden Versammlung in ein Parlament mit
Gesetzgebungsbefugnis verwandelt, vergleichbar mit denen der nationalen
Parlamente. Hier wird bereits jetzt Politik für die Zukunft gestaltet - wenn
auch zumeist im Windschatten der politischen Themen in den Einzelstaaten.
Europa
vor der Erweiterung
Stark
beteiligt an diesem Prozess sind die christlich-konservativen Parteien, die sich
auf europäischer Ebene in der Europäischen Volkspartei (EVP) vereinigt haben.
Als Zusammenschluss von 42 christlich-demokratischen und
christlich-konservativen Parteien greift die EVP bereits jetzt weit über die
engeren Grenzen Europas hinaus. 27 Parteien zählt sie in den Mitgliedsländern,
wo sie das deutlich beste Ergebnis bei den letzten EU-Wahlen 1999 holten. Von
den insgesamt 626 Sitzen des Europäischen Parlaments entfallen 233 auf die EVP,
99 kamen davon allein aus Deutschland. Bis zu den nächsten Wahlen 2004 haben
sich die Europaparlamentäre ein schweres Programm vorgenommen - die Ost- und Süderweiterung
steht an, die Schaffung eines Wirtschaftsraumes, der die Zahl der heute 375
Millionen Europäer aus 15 Ländern bald weit übertreffen wird.
Doch
vernünftige und wirksame Politik für Europa könne kaum im luftleeren Raum
gemacht werden, erklärt der EVP-Vertreter. Deutlich unterstreicht er die
Bedeutung, die unter anderem der Kirche und den christlichen Werten beim
fortschreitenden Vereinigungsprozess Europas zukommt. "Hätte ich vor 30
Jahren vorausgesagt, dass wir heute darüber verhandeln, dass osteuropäische Länder
wie Lettland, Estland, Polen und Litauen als Mitglieder in die EU aufgenommen
werden, hätten sie mir vermutlich nicht geglaubt. Wenn diese Länder im Jahr
2004 der EU beitreten, dann ist das auch der Kirche zu verdanken", so
Poettering. Seitdem Papst Johannes Paul II. den Menschen in Polen Mitte der
1980-er Jahre Mut gemacht habe und ihnen zurief: "Habt keine Angst!"
sei der Begriff Europa zum kollektiven Symbol geworden für Freiheit,
Rechtsstaat und effiziente Wirtschaft, die sich auf die Initiative des Einzelnen
stützten. All dies seien christliche Werte, die im besonderen Respekt vor der Würde
des Einzelnen gründeten.
Wenn
sich nun die osteuropäischen Staaten um eine Mitgliedschaft in der Europäischen
Union bemühten, drängten sie nicht zuerst an die Geldtöpfe Brüssels:
"Sie teilen vor allem unsere christlichen Werte, weil sie an die Freiheit
der Person und den Rechtsstaat glauben", betont Prof. Poettering. Den
Menschen in diesen Ländern sei der Wertewandel zu verdanken, der dazu geführt
habe, dass der Warschauer Pakt heute nicht mehr existiert. Eine starke
Gemeinschaft des ganzen Europa sei wichtig, mahnt der Parlamentarier: "Wir
wollen gleichberechtigte Partner von Amerika, nicht seine Vasallen sein!"
Die
Jugend wird Europa weiterbauen ...
Politiker,
so Poettering, müssten besonders das Gespräch mit der Jugend suchen, um sie für
Europa zu gewinnen. Ein Appell, den er aber auch an die Jugend selbst richtet:
"Macht mit, in der Politik! Die europäische Union besteht aus den Städten
und Gemeinden, in Deutschland auch aus den Landkreisen und aus den, woanders aus
den Regionen und aus den verschiedenen Vaterländern!" Sich zu engagieren,
sich nicht zurückzulegen und anderen das Feld zu überlassen - das gelte für
Christen ganz besonders. "Wir sind herausgefordert, diese Welt
mitzugestalten. Denn wenn wir sie nicht mitgestalten, dann machen es andere.
Deswegen bitte alle, und gerade auch junge Menschen, sich zu engagieren, um
diese Weit ein bisschen besser zu machen. Sie menschenwürdiger zu machen, dass
sich Menschenrechte und Menschenwürde am Ende durchsetzen und alle unsere
Konflikte friedlich miteinander bewältigt werden."
Die
Jugend werde die Zukunft bestimmen und gestalten; Zukunft werde bald Gegenwart
sein. Kirchen und Politik müssten darum mit allen im Gespräch bleiben.
"Mitten in der Gesellschaft - ob sie nun immer unseren Vorstellungen
entspricht oder nicht. Die Menschen sind so wie sie sind. Wir müssen unsere
Standpunkte vermitteln, doch wir können uns selbst auch bereichern lassen und
diesen Weg gemeinsam gehen." Mehr Transparenz, starke demokratische
Legitimierung des Parlaments, Verständlichmachen der Politik in Brüssel und
Straßburg - für ein gemeinsames, größeres, starkes und
verantwortungsbereites Europa. Diese Ziele, so der Fraktionsvorsitzende der
Europäischen Volkspartei, könne jeder Bürger, jede Bürgerin unterstützen.
Die Parlamentarier laden ein -sie wollen zeigen, dass ihre Arbeit nicht in
Hinterzimmern stattfindet. "Ja, selbstverständlich, Sie können nach Brüssel,
nach Straßburg kommen, ich lade sie herzlich ein." Eine Einladung zum
Engagement für ein freies und verantwortungsbereites Europa: "Ich bin
zutiefst davon überzeugt, dass Europa unsere Zukunft ist. Deutschland ist unser
Vaterland, aber dieses deutsche Vaterland hat nur eine Zukunft in Europa, in der
europäischen Union und darüber hinaus haben wir natürlich eine große
Verantwortung auch für die Weit insgesamt."
Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering
Geboren am 15. September 1945 in Bersenbrück/Niedersachsen, Studium der
Rechtswissenschaften, Politik und Geschichte an den Universitäten Bonn und Genf
sowie am Institut des Hautes Études Internationales, Genf. Studienaufenthalt an
der Columbia University, New York, 1976 zweites juristisches Staatsexamen; 1974
Promotion, 1974-1980 europapolitischer Sprecher der Jungen Union Niedersachsen.
1976-1979 wissenschaftlicher Angestellter, zahlreiche Veröffentlichungen zur
europäischen Politik, Berufung zum Honorarprofessor an der Universität Osnabrück
im September 1995. Seit 1990 CDU-Kreisvorsitzender im Landkreis Osnabrück.
Mitglied des Europäischen Parlaments seit 1979; 1981-1991 Landesvorsitzender
der Europa-Union Niedersachsen, 1984-1994 Vorsitzender des Unterausschusses
"Sicherheit und Abrüstung"; 1994-1999 stellvertretender
Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei, 1996-1999 Leitung der
Arbeitsgruppe "Erweiterung der Europäischen Union". 1997-1999 Präsident
der Europa-Union Deutschland. Mitglied im Ausschuss für auswärtige
Angelegenheiten, Menschenrechte, gemeinsame Sicherheit und Verteidigungspolitik,
Fraktionsvorsitzender der EVP im Europäischen Parlament.
Adresse: Europabüro, Schepeler Straße 17-19, 49074 Osnabrück, Tel:
(0541) 57060, Fax: (0541) 57013.
Weitere Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Gert_P%C3%B6ttering
Europäische Volkspartei
(EVP)
Am 29.4.1976 schlossen sich die christlich-demokratischen
Parteien aus zunächst sieben Ländern der Europäischen Gemeinschaft zur
"Europäischen Volkspartei" (EVP) zusammen.
Kontakt: Europäische Volkspartei (EVP), 67, rue d'Arlon, 6-1040 Brüssel,
Belgien, Tel.: 0032-2-285-4157, Fax: 0032-2-285-4155
www.eppe.org
Europaparlament
Wahlergebnisse
aus Deutschland
(aus: unitas 3/2002 (Zeitschrift des
Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS, 142.
Jahrgang), S. 111-112)
Bbr. Andreas Hackert
ESSEN. Völlig unerwartet wurde unser Bundesbruder Andreas Hackert am 25. August 2001 im Alter von erst 38 Jahren heimgerufen. Andreas hatte soeben bei einer ökumenischen Trauung in Bad Homburg auf besonderen Wunsch der Braut, die ihn aus seiner Vikarszeit kannte, die Ansprache an das Brautpaar gehalten. Nach dem Gottesdienst fühlte er sich unwohl, legte sich etwas hin und wurde später tot gefunden. Herzinfarkt! Die UNITAS Hathumar in Paderborn ist zutiefst betroffen und trauert mit dem AHZ Oberhausen um einen jungen engagierten Unitarier.
Andreas Hackert gehörte 1985 zu den fünf Studenten, die auf Anregung von Weihbischof Dr. Reinhard Marx (damals Leiter der Kommende in Dortmund) und Prälat Alfons Hardt die Aktivitas der UNITAS Hathumar wiederbegründeten und wiederbelebten. Damals verbrachte er als Theologiestudent seine Freisemester in Paderborn und pflegte auch nach seiner Rückkehr ins Priesterseminar in Essen die engen Verbindungen zu uns. In Essen war er auch Mitbegründer der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund. Auch nach seiner Priesterweihe, als Vikar im Bistum Essen, war er sowohl in offizieller Eigenschaft (als Priester in Gottesdiensten) als auch privat immer wieder in unserer Mitte. Wir würden ihm Unrecht tun, wenn wir seine Dispens vom Priesteramt der Römisch-Katholischen Kirche und seine Probleme mit dem Zölibat verschweigen würden, die ihn ab 1996 veranlassten in der Altkatholischen Kirche tätig zu werden.
Bbr. Weihbischof Dr. Reinhard Marx, der auch sein Leibbursche war, wird mit uns beim nächsten Vereinsfest der UNITAS Hathumar Paderborn am 16. Dezember 2001 im Gottesdienst Andreas gedenken.
Ernst Raach, Paderborn
Aus: unitas 2002/2
Aus dem AHZ Dortmund
Dortmund. Mit großem Dank und großer Anerkennung - sowie einem Blumenstrauß in
blau-weiß-gold für die Ehefrauen - verabschiedete Bbr. Gerd Stolte, neuer Vorsitzender des AHZ Dortmund, den bisherigen langjährigen Vorsitzenden, Bbr. OStD i. R. Erhard Wagener und den „noch langjährigeren" Schriftführer, Bbr. Dr. Heinz Niemann. Die beiden hatten sich nach über 16 bzw. 30 Jahren verdienstvoller Tätigkeit für den Zirkel als amtsmüde erklärt, was die Zirkelmitglieder mit großem Bedauern, aber auch mit Verständnis aufnahmen. Die beiden erfüllten ihre Aufgaben vorzüglich und sie waren ein gutes Team, so dass der Zirkel über all die Jahre lebte und gedieh. Bbr. Erhard Wagener hat als Vorsitzender in seiner liebenswürdigen Art Kontakt sowohl zu den Jüngeren, so auch zur Aktivitas Ruhrania, als auch in vorbildlicher unitarischer Weise - stets unterstützt von seiner Frau Helga - gerade zu den älteren oder kranken Bundesbrüdern und deren Familien gehalten. Seinen Ansprachen zuzuhören, war ein Genuss, da sie geistreich waren und menschliche Wärme zeigten. Beiden Bundesbrüdem lag und liegt die UNITAS sehr am Herzen, und sie haben den Zirkel durch ihr Wirken und ihr bundesbrüderliches Verhalten geprägt. „Schade, dass Ihr aufhört! Wir Neuen werden es schwer haben!"
Prof. Dr. Klaus Heinz, Dortmund
Aus: unitas 2002/4
Hochzeit
Essen/Köln. Bbr. Thomas Kleinschnittger (UNITAS-Salia Bonn, UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund) und Gabriele Höttler feierten am 4. Mai 2002 ihre Brautmesse in der Pfarrkirche St. Pankratius Köln-Worringen. Glückauf!
Aus: unitas 2002/4
Zwei Bundesbrüder
als neue Pastoralreferenten
im Bistum Essen
ESSEN. Mit vier weiteren Kandidaten sind am 27. Juni 2001 die Bundesbrüder Ralf Tietmeyer (UNITAS Winfridia/Frisia Münster) aus Oelde (St. Johann Baptist) und Dr. Thilo Esser (UNITAS Rolandia Münster) aus Gladbeck, St. Lamberti, vom Essener Bischof Dr. Hubert Luthe in den Dienst als Pastoralreferenten im Bistum Essen entsandt worden.
Im Anschluss an einen festlichen Gottesdienst in der Gelsenkirchener Propsteigemeinde St. Augustinus fand ein Empfang statt, bei dem die Bundesbrüder aus Münster und dem Ruhrgebiet gratulierten. Als Diplom-Theologen haben die neuen Pastoralreferenten nach ihrem Universitätsabschluss eine dreijährige Ausbildung absolviert und eine zweite kirchliche Dienstprüfung abgelegt. Sie werden in der kategorialen und pfarrlichen Seelsorge eingesetzt. Die ersten Pastoralreferent(inn)en im Bistum Essen wurden 1997 in ihre neuen Wirkungskreise entsandt.
Aus: unitas 2001/4
Bbr. P. Hans-Georg Löffler
OFM
ist neuer Wallfahrtsleiter in Werl
WERL. Der Geistliche Beirat des Verbandes Bbr. Pater Hans-Georg Löffler ofm (38) ist am 2. Oktober offiziell als Guardian des Franziskaner-Klosters Werl und neuer Wallfahrtsleiter eingeführt worden. Zugleich stellte sich dabei den Gläubigen in der Basilika auch Pater Georg Andlinger vor, der Stellvertreter des Guardians wurde.
An der in Konzelebration gefeierten Messfeier - am Altar stand auch der scheidende Pater Heinz-Günter Hilgefort - nahmen im Chorraum auch drei Unitarier vom designierten Vorort UNITAS Franko-Palatia teil, mit denen Pater Hans-Georg seit seiner Zeit als Noviziatsleiter in Nürnberg sehr verbunden war. Der neue Wallfahrtsleiter war 1983 bei UNITAS Winfridia in Münster rezipiert und 1990 philistriert worden. Mehr Informationen zum traditionsreichen Marienwallfahrtsort Werl im Internet unter:
http://www.wallfahrt-werl.de
Bild links: Bbr. P. Löffler (rechts) mit Bbr.
Helmut Wiechmann
Aus: unitas 2001/4
Professfeier von Bbr. Benedikt Kisters in Forchheim
FORCHHEIM. Bbr. Benedikt Kisters (UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund/UNITAS Hetania Würzburg) legte nach einjährigem Noviziat mit drei weiten Kandidaten am 30. September im Forchheimer Redemptoristenkloster St. Anton seine zeitliche Ordensprofess ab.
Neben den Familienangehörigen nahmen auch Bundesbrüder aus dem Ruhrgebiet und Würzburg an der von drei Ordensprovinzialen gestalteten feierlichen Messe teil. Der zeitlichen Profess folgt nach drei Jahren die ewige Profess, durch die sich Bbr. Kisters, der die Redemptoristen seit Jugendtagen kennt, endgültig an den Orden binden will. Die heute weltweit in 76 Ländern auf fünf Kontinenten tätige „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“ (C.Ss.R., Gesellschaft des Heiligsten Erlösers) wurde durch Alfons von Liguori (1696-1782) gegründet.
1975 in Bochum „im tiefsten Ruhrgebiet“ geboren, wurde Benedikt Kisters nach seinem Abitur 1994 bei UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund rezipiert. Ein Jahr später begann er nach seinem Zivildienst ein Lehramtsstudium an der Ruhr-Universität Bochum und war allein dreimal in Folge Senior der Ruhr-UNITAS. Als er in die Ausbildungskommunität des Ordens nach Würzburg ging, schloss er sich dort der UNITAS-Hetania an. Benedikts Schritte in den Orden sind auch in unitas 3/2000 nachzulesen.
Aus: unitas 2001/4
Altherrenvereine: Fusion stärkt aktive Basis
MÜNSTER. In gutem bundesbrüderlichem Einvernehmen haben sich in Münster die Altherrenvereine von UNITAS Burgundia und UNITAS Rolandia zusammengeschlossen. Sie firmieren künftig unter dem Namen AHV UNITAS Rolandia-Burgundia. Diese Namensgebung folgt nicht der historischen Tatsache, dass Burgundia der ältere Verein ist. Sie ist aber konsequent, da UNITAS Rolandia über eine stärkte Aktivitas verfügt, die sich so mit dem Altherrenverein weiterhin deutlicher identifizieren kann.
Der Schritt zur Fusion folgte der Erkenntnis, dass der AHV Burgundia wegen des wachsenden Altersdurchschnitts sehr bald für sich nicht mehr bestehen könnte. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurde die Aktivitas suspendiert. In Münster bestanden nach acht UNITAS-Vereinen seit Mitte der 60er Jahre nur noch die Aktivitates von UNITAS Winfridia und UNITAS Rolandia. Ab 1977 bildeten die Altherrenvereine Patenschaften mit diesen Aktivitates. UNITAS Sugambria mit UNITAS Wiking gemeinsam gründeten in Osnabrück einen neuen Verein, während UNITAS Ruhrania sich im Ruhrgebiet neu formierte.
Aus der Patenschaft zwischen Burgundia und Rolandia entstand 1990 eine neue Aktivitas der Burgundia, die jedoch wegen des fortgeschrittenen Semester der Gründer bald kein aktives Vereinsleben mehr gestalten konnte. Es war konsequent, dass sich junge Aktive der Rolandia anschlossen. Das führte zur Überlegung, nun die Fusion der Altherrenvereine zu betreiben. Eine Arbeitsgruppe formulierte in vertrauensvoller Zusammenarbeit und offeriertem Gesprächen einen Fusionsvertrag, der in schriftlicher Abstimmung unter allen Mitgliedern eine große Zustimmung fand. In beiden Altherrenvereinen gab es jeweils nur eine Enthaltung. Dieser große Vertrauensbeweis machte Mut, danach auch eine neue Satzung zu erstellen, die in einem ersten gemeinsamen Cumulativconvont angenommen wurde. Ein feierlicher Kommers besiegelte schließlich die Fusion, von der sich Burgunden und Rolanden eine Stärkung der UNITAS in Münster auf Dauer versprechen.
Aus der 1904 gegründeten Burgundia war 1919 Rolandia gegründet worden. Rolanden gründeten 1948 die Burgundia neu. Nun wird aus der Jahrzehnte langen engen Zusammenarbeit eine Gemeinschaft und die Altherrenschaft der Burgundia hat wieder eine lange vermisste aktive Basis.
Franz-Josef Hesse, Ahaus
Aus: unitas 2001/4
UNITAS im Radio: „Für eine Globalisierung der Solidarität“
ESSEN. Unsere neu aufgenommenen Bundesbrüder der UNITAS Don Bosco Caracas/Venezuela, Atmosphäre von der 124. GV in Berlin, Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll und der Geistliche Beirat P. Hans-Georg Löffler waren mehr als vier Wochen lang im ersten lizensierten katholischen Internet-Radio „kip-radio.de“ zu hören.
In der Einleitung für den ca. 9 Minuten langen Beitrag hieß es: „Globalisierung ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Es geht auch um Werte, Vertrauen und Solidarität", meint Franziskanerpater Hans-Georg Löffler aus Werl. Er gehört dem vor 150 Jahren gegründeten bundesweiten „Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS" an, dem ältesten katholischen Studentenverband. Er will mit seinem jüngsten Mitgliedsverein in Venezuela und einem Jugendprojekt in Caracas diese Art der Globalisierung voranbringen. Ein Traditionsverein, der noch nie mit sogenannten „Burschenschaften" verwechselt werden wollte.“ Eine Kurzversion des von Bbr. Christof Beckmann produzierten Beitrags war bereits kurz nach der Berliner GV auf den 44 NRW-Lokalradios gesendet worden. Mehr Infos: http://www.kip-radio.de/
Aus: unitas 2001/4
20. Ruhranentreffen in Münster
MÜNSTER. Zum traditionellen Ruhranentreffen lädt am Samstag, dem 10. November 2001, der AHV UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund nach Münster-Sprakel. Es findet im Jahre 2001 zum 20. Mal statt. Der wie immer vom umsichtigen AHV-Vorsitzenden OStD Jörg Lahme aus Rheine organisierte Jubiläumsabend der 1911 in Münster gegründeten Korporation beginnt um 18.00 Uhr im Heimathaus in Sprakel, Max-Clemens-Kanal. Die Teilnehmer, können sich wie in den vergangenen Jahren wieder auf ein vorzügliches Essen freuen, aber auch ein Programm-Highlight: Wegen des großen Erfolges wurden Bbr. Rainer van Husen und Michael Schwarte gebeten, im historischen westfälischen Ambiente des Museumshofes einen fröhlichen und erbaulichen Liederabend mit Ohrwürmern aus der leichten Muse zu gestalten. Um Anmeldung bis zum 27. Oktober 2001 wird gebeten. Kontakt: Jörg Lahme, Franziskusstr. 53, 48432 Rheine-Mesum, Tel. 05975 - 1661.
Aus: unitas 2001/4
Hochzeiten
Osnabrück/Marburg. Den heiligen Bund der Ehe haben am 23. Juni 2001 in Osnabrück Bbr. Ass.iur. Issac de la Cruz y Quintero (UNITAS Franko-Saxonia) und Bsw. Ass.iur. Anja Baumann (UNITAS Elisabetha-Thuringia) geschlossen. Den Traugottesdienst feierte Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann (UNITAS Ruhrania) aus Bochum. Es gratulieren die Aktivitas und Altherrenschaft der UNITAS Franko-Saxonia und Aktivitas und Hohe Damen der UNITAS Elisabetha Thuringia ganz herzlich.
Aus: unitas 2001/4
Brief aus Canterbury
„... Eine Menschentraube scharte sich um den einzigen Fernseher im
Bibliotheksgebäude. Auf dem Bildschirm Qualm, verzweifelt in Panik fliehende Menschen. Ein isrealischer Freund erklärt, dass die Twin Towers des World Trade Centers nicht mehr existieren... Einen Tag später hat sich der Staub gelegt, erste Zahlen stehen fest. Müssen wir uns nicht fragen: Warum musste das geschehen? Und wie kann es weitergehen?
Hier in Canterbury waren und sind alle betroffen - Menschen aus der ganzen Welt, aus Europa, dem Nahen Osten, China und Japan und Europa. Keiner - auch kein Palästinenser - hat gefeiert, dafür saßen wir gestern Abend alle um einen großen Tisch. Ein Gespräch, dass mich zuversichtlich für die Zukunft macht. Alle waren sich einig, dass dieser Anschlag unmenschlich und grausam war. Aber wo liegen die tieferen Gründe? Amerika ist für viele ein Feindbild, sein weltpolitisches Engagement oft unglücklich. Und wenn ich die Zeitungen sehe: Brennende Menschen, die aus dem 80. Stockwerk springen und tanzende Kinder in Palästina. Das schafft Feindbilder, die erst nach sehr lange Zeit wieder aus den Köpfen der Menschen verschwunden sind....
Es stellt sich spätestens jetzt auch die Frage, nach einem Wechsel in der Weltpolitik. Es ist nur traurig, dass vor großen Veränderungen immer viele Menschen sterben. ... Alle, so waren wir uns um den Tisch einig, müssen enger zusammenrücken und unsere Werte auf ein stabiles Fundament stellen. Auf diesem Fundament kann eine Gesellschaft aufgebaut werden, wie sie noch nie da gewesen ist....“
Aus einer Mail von Bbr. Marc Schmidt (Senior der UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund), der im August / September aus einem Studienaufenthalt an der Universität Canterbury/England an die Zeitung schrieb
Aus: unitas 2001/4
5. Mai 2001:
Region Rhein-Ruhr:
Erfolgreiches Teamwork von Düsseldorf und Ruhrgebiet
Bochum/Essen/Düsseldorf. Unerwartet viele Gäste folgten am 5. Mai der gemeinsamen Einladung der Aktivitates UNITAS-Ruhrania, UNITAS Rheinfranken und des UNITAS-AHZ Bochum zu einem Tag im Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel. Auch zum Vereinsfest St. Bonifatius am 10. Juni in Essen-Werden machten sich 43 Mitglieder der „unitarischen Familie Rhein-Ruhr“ auf den Weg in die Geburtsstadt von Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff und drehten nach der Messe in der Basilika gemeinsam eine Runde auf dem Baldeneysee.
Ein Sommersemester und zwei erfolgreiche Beispiele regionaler Zusammenarbeit im Verband, wie der Bericht von Marc Schmidt betont:
„Regionale Zusammenarbeit lohnt sich und sie beginnt ganz klein: Rüdiger Duckheim, Senior der UNITAS Rheinfranken, und Marc Schmidt, Senior der Ruhrania, hatten auf dem Ruhr-Stiftungsfest im Januar eine Farbenstrophe auf „das schöne Oberhausen“ gedichtet. „Aber da gibt´s doch gar keine Uni!“ hieß es. „Macht nichts, die bauen wir noch und die UNITAS-Oberhausen gleich dazu.“
An diesem Januarabend besiegelten Rheinfranken und Ruhrania eine bislang sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Dass diese so erfolgreich würde, konnte noch niemand ahnen. Bald darauf aber standen die Programme für das Sommersemester und somit auch die ersten gemeinsamen Veranstaltungen. Der erste Höhepunkt: die Exkursion ins Kloster der aus Österreich „zugereisten“ Zisterzienser-Patres in Bochum-Stiepel. An diesem warmen Frühlingsabend war die Messe noch ein bisschen voller als sonst. Denn rund vierzig Unitarier lauschten der Predigt des Paters und dem Vortrag, für den Pater Paulus, selbst Cver, spontan zugesagt hatte. Das Thema „Maria im neuen Testament“ konnte passender für den Marienwallfahrtsmonat und -ort nicht gewählt sein. Ein Rahmenprogramm war schnell geplant, Kaffee und Kuchen organisiert - dazu noch einmal vielen Dank an Ehefrauen, Freundinnen und Mütter - und fertig war ein unitarischer Nachmittag mit Alten Herren, Familien und Aktiven. Beim Essen nach der Messe setzte sich die gute Stimmung fort.
Beflügelt vom Erfolg ging es auch an die Planung des gemeinsamen Vereinsfestes in Werden, wo sich die Festversammlung nach dem Gottesdienst auf die Planken der Weißen Flotte begab. Gäste aus den umliegenden Zirkeln und selbst aus dem Münsterland und München angereiste Bundesbrüder erlebten mit ihren Familien einen unitarischen Sonnentag auf den Wellen des romantischen Baldeneysees. Beim Ausklang mit Blick auf Villa Hügel wurden nicht nur neue Kontakte geknüpft, sondern auch gute Vorsätze gefasst: „Das Beispiel des Hl. Bonifatius zeigt, dass sich mit Beharrlichkeit und Teamwork viel erreichen lässt“, erklärte der Ruhranen-Senior bei einer kurzen Ansprache auf dem Schiff. Wir brauchen mehr Treffen wie diese und laden alle herzlich ein, die sich der UNITAS verbunden fühlen.
Denn überall dort, wo sich die UNITAS in großen anonymen Stadtlandschaften bewähren muss, sind die Herausforderungen ähnlich groß: Ob in München, Hamburg, Berlin oder im Rhein-/Ruhrgebiet - an den passenden Antworten auf Heimfahrer-Universitäten, übergroße Alternativangebote und eingefahrene unitarische Strukturen muss überall mit Hochdruck gearbeitet werden. Auch im am dichtesten besiedelten Raum Deutschlands muss die UNITAS ihre Chance weiter wahrnehmen, ihre Substanz und Kräfte konzentrieren - und das lässt sich nur in einem sinnvollen und engagierten Teamwork von Aktivitates und Altherrenzirkeln erreichen.
Beide Veranstaltungen haben die Notwendigkeit und den Nutzen weiterer regionaler Kooperation im Rhein-Ruhr-Raum kräftig unterstrichen - zur Freude der Seniores: „Gemeinsam nach vorn! Wir machen weiter so!“ Auch wenn noch die Oberhausener Uni fehlt: Die Farbenstrophe ist schon fertig. (Foto: Christoph Kinzelt)
Aus: unitas 2001/3
Neustart für AHZ Bochum -
Ruhr-Kommers am 20. Januar 2001
BOCHUM/RUHRGEBIET. Bbr. Bernd Genser, AH der UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund, ist seit dem 10. Dezember 2000 Vorsitzender des wiederbegründeten AHZ Bochum. Zum Geistlichen Beirat wurde - ebenfalls einstimmig - Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann gewählt. Beide hatten am 2. Adventssonntag zum Vereinsfest Maria Immaculata in die Altenbochumer Liebfrauen-Gemeinde eingeladen.
Unter dem Motto „Alles bleibt anders“ feierten rund 50 Bundesbrüder mit ihren Damen aus Bochum, eine starke Delegation des AHZ Essen, junge AHAH umliegender Zirkel und Aktive der Ruhrania gemeinsam die von Kaplan Wiechmann zelebrierte Messe. In den Fürbitten gedachten sie der verstorbenen Zirkelvorsitzenden Dr. Benno Eichholz, Dr. Wilfried Glass und des Ruhranen-Ehrenseniors Norbert Klinke, die Aktivitas chargierte mit Vertretern der Eucharistischen Ehrengarde. Das von Bbr. Genser anschließend geleitete Arbeitsessen in der Aktiven-Konstante „Wacholderhaus“ am Schwanenmarkt widmete sich der Frage der Fortsetzung der unitarischen Präsenz in der Ruhrstadt und der künftigen Zusammenarbeit mit den umliegenden Ruhr-Zirkeln.
Per Conventsbeschluss hatte der AHZ Bochum im Frühjahr seine Zirkelarbeit beendet und den Bundesbrüdern den Eintritt in den örtlichen CV-Zirkel freigestellt. Vielen Bundesbrüdern allerdings, so wurde deutlich, schien dieser Schritt zu schnell erfolgt zu sein. Ein über Jahrzehnte auf hohem Niveau geführtes Zirkelleben aber war unter den gegeben Voraussetzungen nicht mehr fortzuführen. „Monatsversammlungen hatten keine Chance mehr auf Erfolg“, erklärte Bbr. Hans Ferkinghoff, dem die Versammlung für 13 Jahre lange engagierte Schriftführerarbeit ihren großen Respekt und Dank aussprach. Zunehmende Immobilität der Bundesbrüder forderte ihren Tribut, das wissenschaftliche Programm sei nicht mehr aufrecht zu halten gewesen. Verstärkt, so beschlossen die Zirkel, wolle man in Zukunft mit dem AHZ Essen zusammenarbeiten, dessen Vorsitzender Dr. Richard Wessendorf die Planung für das kommende Jahr vorstellte und zur Teilnahme einlud. Die Vereinsfeste sollen in Zukunft im Wechsel ausgerichtet werden und die in letzter Zeit mit großem Erfolg durchgeführten Fahrten der Essener gemeinsam stattfinden. Den zur Zeit sieben Aktiven der UNITAS-Ruhrania, die in den letzten beiden Semestern kein eigenes Programm mehr aufgestellt hatten, bot der von den eigenen jungen Alten Herren wiederbelebte Zirkel eine enge Zusammenarbeit an. Konstante wird das von Vereinswirt Hans Kronenberg geführte „Wacholderhaus“ in der Nähe der Propsteikirche bleiben.
Aus: unitas 2001/1
Ruhr-Kommers am 20. Januar:
„90 Jahre UNITAS Ruhrania“ -
Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll hält die Festrede
ESSEN/BOCHUM. Nach einem ersten Treffen im Januar soll das erste Vereinsfest des neuen Jahres am Samstag, 20. Januar 2001, gemeinsam mit dem 90. Stiftungsfest der ehemaligen münsteraner Korporation UNITAS-Ruhrania begangen werden. Am Nachmittag wird zu CC, Hausbauvereinssitzung und anschließend um 18 Uhr zur Hl. Messe in die Altenbochumer Liebfrauen-Gemeinde eingeladen. Um 20.15 Uhr c.t. beginnt ein „Ruhr-Kommers“ in der Vereinskonstanten „Wacholderhaus“. Als Festredner hat der UNITAS-Verbandsgeschäftsführer Bbr. Dieter Krüll zugesagt. Weitere Angaben werden noch mit gesonderter Einladung und über die unitarische Mailingliste bekannt gegeben. Alle AHAH, und besonders jüngere Alten Herren und an der UNITAS Interessierte, die auf dem von der A40/42 gekennzeichneten Breitengrad für kürzer oder länger sesshaft geworden sind, sind gebeten, sich den Termin vorzumerken und sind zur Kontaktaufnahme und zum Kommen herzlich eingeladen.
Kontakt: Bbr. Bernd Genser, Viktoriastraße 16, 44787 Bochum, Tel. 0234 - 640 45 70, Kaplan Helmut Wiechmann, Liebfrauenstr. 7a, 44803 Bochum, Tel. 0234- 35 12 35.
Aus: unitas 2001/1
90. Stiftungsfest an der Ruhr -
111 Jahre AHZ Bochum
Bochum/Essen. „Die Arbeit hat sich gelohnt“, so das einstimmige Urteil der rund 50 Gäste zum 90. Stiftungsfest der UNITAS-Ruhrania, das sie gemeinsam mit dem 111. Bestehen des AHZ Bochum begingen. Am 20. Januar 2001 feierten die Ruhr-Unitarier mit Bbr. Kaplan Helmut Wiechmann und seiner Gemeinde in St. Liebfrauen, Altenbochum, die Messe zum Vereinsfest Thomas von Aquin. Anschließend trafen sie sich in der Vereinskonstanten „Wacholderhaus“ zum Kommers.
Kommerspräside Bbr. Bernd Genser, neuer Vorsitzender des wiederbelebten AHZ Bochum, freute sich über den Besuch des Vorortspräsidenten Stephan Demuth, des Verbandsgeschäftsführers Karl Dieter Krüll, des Sprechers des Sozialen Verbandsprojektes, Hermann-Josef Grossimlinghaus, von Alt-VOS Lambert Klinke, begrüßte die Chargen von UNITAS-Rheinfranken Düsseldorf und einen von mehreren neuen interessierten Keilgästen. In seiner Ansprache erinnerte Bbr. Genser an die Gründung der UNITAS-Ruhrania vor 90 Jahren in Münster und die Rekonstituierung der Korporation nach fast 20 Jahren Suspendierung vor genau 10 Jahren im Ruhrgebiet. Unitarische Besucher aus Essen, Datteln, Dortmund zeigten die Verbundenheit der unitarischen Ortsgruppen im Revier, der „größten Stadt Deutschlands“.
In seiner mit großem Applaus bedachten programmatischen Festrede ermunterte UNITAS-Verbandsgeschäftsführer Karl Dieter Krüll - wie der in der Nachfolge des Ende letzten Jahres verstorbenen Bbr. Norbert Klinke zum neuen Ehrensenior gewählte Dr. Christof Beckmann mit der Statue eines „Ruhr-Kumpels“ bedacht - die Corona zu festem Zusammenhalt: „Kümmert Euch um stärkeren Kontakt untereinander! Das ist manchmal ein schwieriges Geschäft, aber es geht nicht ohne!“ Bereits am Nachmittag hatte er den Convent und die Hausbauvereinssitzung in der Kaplanei von St. Liebfrauen besucht und sich so ein Bild von den besonderen Herausforderungen an unitarisches Leben in einer dichten Stadtlandschaft machen können. Konsequenz der Beratungen: Die UNITAS-Ruhrania will mit einem neuen Programm und in enger Zusammenarbeit mit den umliegenden Zirkeln einen neuen Anfang machen.
Relaunch für Ruhr-UNITAS
Nach einem programmlosen Jahr hat eine neue Aktiven-Mannschaft um Senior Marc Schmidt, Consenior Udo Nobis und Fuxmajor Christoph Kinzelt wieder regelmäßige Termine angesetzt. Das Programm liegt bereits vor. Sie wollen die Zusammenarbeit mit den Düsseldorfer Bundesbrüdern, vor allem aber mit den Altherrenzirkel Bochum und Essen verstärken. Auch sie wollen in Zukunft intensiver kooperieren: Bei einem ersten Treffen des Bochumer AHZ am 26. Januar 2001 wurde ein vollständiges Jahresprogramm aufgestellt, das die Teilnahme an Terminen des Essener UNITAS-AHZ vorsieht. Als Vorsitzenden in Bochum bestätigten rund 20 Gäste Bbr. Bernd Genser, Geistlicher Beirat und Quaestor ist Bbr. Helmut Wiechmann. Er konnte bei einer spontanen Sammlung bereits einen beachtlichen neuen finanziellen Grundstock für die Zirkelarbeit verbuchen. Ein weiterer Beschluss: Alle beim Treffen anwesenden Damen wurden als Vollmitglieder in den Zirkel aufgenommen und werden auf Wunsch in Zukunft als „Bundesschwestern“ geführt.
Die Unitarier im Ruhrgebiet wünschen sich sehr die Kontaktaufnahme durch Bundesbrüder und -schwestern in der Region. „Lange nicht mehr bei Veranstaltungen präsente Mitglieder finden bei uns herzliche Aufnahme“, betont Bernd Genser. „Gerade auch jüngeren Bundesbrüdern mit ihren Familien und Kindern bieten wir die Chance, an ihr Aktivenleben anzuknüpfen.“ Auf Wunsch gehen Programm und Termine umgehend zu.
Kontakt: Bbr. Bernd Genser, Viktoriastr. 16, 44787 Bochum, 0234 - 90 37 217, 0172 - 28 20 417, bernd.genser@niggemann-fst.com.
Aus: unitas 2001/2
Internet-Forum
für wissenschaftliche Arbeiten
Science-aktuell.de jetzt online!
Essen. Bbr. Marc Schmidt (UNITAS-Ruhrania) bietet mit seinem wissenschaftlichen Verlag Science-aktuell.de die kostenlose Möglichkeit, naturwissenschaftliche Hausarbeiten, Diplom- und Doktorarbeiten sowie Bachelor- und Masterarbeiten zu veröffentlichen. Zusätzlich bietet die Hornepage ein Onlinemagazin mit Berichten aus der Wissenschaft, Rezensionen und aktuellen Meldungen aus den Denkfabriken. In einem Archiv werden veröffentlichte Publikationen archiviert und nach Fachbereichen sortiert zum Abruf bereitstehen.
Der maximal veröffentlichte Umfang beträgt vier DINA4 Seiten in 12dtp Schriftgröße mit 11/2 Zeilen Abstand. Zusätzlich können drei Tabellen und Grafiken beigefügt werden. Grafiken müssen im jpg- und Texte im doc Format sein, damit Dokumente berücksichtigt werden können. Zusätzlich ist eine kurze Zusammenfassung, ein Abstract der zugrundeliegenden Idee und der Ergebnisse willkommen. Arbeiten und Anfraqen bitte an: Science-works@science-aktuell.de.
Aus: unitas 2000/5, Schwarzes Brett
Pfingsten 2000
Priesterweihe für Helmut Wiechmann in Essen
ESSEN. Zu einem besonderen Hochfest wurde für die Unitarier an der Ruhr das Pfingstfest. Durch Handauflegung durch Ruhrbischof Dr. Hubert Luthe wurde Bbr. Helmut Wiechmann am Freitag vor Pfingsten als einer von drei Kandidaten in diesem Jahr zum Priester geweiht. Am Pfingstsonntag feierte er Primiz in seiner Heimatgemeinde St. Barbara im Nord-Stadtteil Kray.
Helmut Wiechmann v. Don Camillo, am 28. April 1951 in Essen geboren, absolvierte eine Malerlehre und eine Krankenpflegeausbildung, die er mit dem Krankenpflegeexamen am Gladbecker St. Barbara-Hospital abschloss. Mehrere Jahre war er aktiver St. Georgs-Pfadfinder in der dortigen Pfarrei St.Lamberti. „Eine rundum gute Sache und Prägung“, erinnert er sich heute. Die Bundeswehrzeit als Sanitäter in Itzehoe, Schleswig-Holstein, folgte. Der Wunsch, Priester zu werden, wuchs auf dem zweiten Bildungsweg, den er mit dem Abitur auf dem Ruhrkolleg in Essen beendete. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. Auch während seines Studiums setzte er seine jahrlange Tätigkeit als Vormund fort, die er im Auftrag des Jugendamtes Essen und des Sozialdienstes katholischer Frauen in Bottrop für viele Kinder übernahm. Die intensive Sorge für die ihm Anvertrauten und die direkte Konfrontation mit harten Lebensschicksalen wurde für ihn zu einer lebensprägenden und dankbaren Erfahrung. Seiner zupackenden und lebensbejahenden Grundeinstellung gemäß ging er über die Vertretung der Jugendlichen vor Gerichten und anderen Einrichtungen noch hinaus, indem er eine Lebensgemeinschaft mit zwei Kindern gründete, mit denen er bis zu ihrer Volljährigkeit in einem gemeinsamen Haushalt zusammenlebte. Zum Lebensunterhalt trugen jahrelange Nachtdienste in verschiedenen Kliniken bei, wo er als Pfleger für kranke Menschen sorgte.
Nach seinem Eintritt ins Bischöfliche Priesterseminar absolvierte er ein Pastoralpraktikum in der Duisburger Arbeiterpfarrei St.Josef am Dellplatz. Dem Diplom folgte ein einjähriges
Praktikum in St. Ludgerus, Essen-Rüttenscheid, 1998 in St. Urbanus, Gelsenkirchen-Buer, die Weihe zum Diakon und die Diakonatszeit in der Pfarrei Heilige Schutzengel in Essen-Frillendorf. „Im Laufe der Jahre wurde mir immer mehr bewusst, dass die Welt Priester braucht“, berichtete Helmut Wiechmann in seiner Vorstellung in der Essener Bistumszeitung „Ruhrwort“. Dass er sich das feste Ziel gesetzt habe, habe ihm auch über Zeiten hinweg geholfen, in denen er nicht sicher gewesen sei, ob es der richtige Weg sei. Gott schreibe auch auf krummen Zeilen gerade, meint Bbr. Helmut, dankbar für viele Begegnungen mit Menschen, die ihn auf seinem Weg der Berufung unterstützt hätten.
Seine Bundesbrüder an der Ruhr - und nicht nur dort – schätzen die selbstlose, fröhliche, kontaktfreudige und glaubensfeste Art, mit der sich der erste Senior nach der Wiederbegründung der UNITAS-Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund stets seiner unitarischen Familie zugewandt hat. Nach seiner oft zitierten Forderung „Wir müssen was tun! Wir müssen uns stellen!“ prägte er das Leben der Ruhranen auf seine ganz besondere Weise und zeigte, dass sich der unitarische Burscheneid nicht zuletzt in der konkreten Begegnung mit dem Mitmenschen verwirklichen muss.
„Alles, was ihr von jetzt an als Priester sagt und tut, ist allein sein Wort und sein Werk", sagte Ruhrbischof Dr. Hubert Luthe den Neupriestern in seiner Predigt in der Essener Münsterkirche. Das sei die Last ihres Lebens, aber zugleich Gottes überquellendes Geschenk. Luthe: „Wir danken euch, dass ihr euch der Hand Gottes stellt für uns, seine Kirche, und wir versprechen euch, mit euch Christen zu sein, damit ihr für uns Priester sein könnt.“ Die Ruhranen traten zur Priesterweihe ihres ersten Seniors im Salonwichs an. Bei Helmuts Primiz in der ehemaligen Bergbaupfarre St. Barbara, Essen-Kray, chargierten sie mit Ludgerus- und Ruhranenfahne gemeinsam mit dem hohen Vorort UNITAS-Cheruskia Gießen unter VOP Rainer Voss und VOS Lambert Klinke und der münsteraner Abordnung der UNITAS-Rolandia. Die Vorstände der AH-Zirkel, voran Essen mit dem Vorsitzenden Dr. Richard Wessendorf und eine starke Abordnung des Dortmunder Zirkels, gratulierten und übergaben wie der AHV UNITAS-Ruhrania ihre Geschenke zu Priestergewand, Stola und Erinnerungen an einen schönen Tag im Ruhrrevier – nicht zuletzt auch für Helmuts 90-jährige Pflegemutter Frau Anneliese Serno.
Bbr. Wiechmann, der als Kaplan in die Pfarrgemeinde Liebfrauen in Bochum-Altenbochum kommen wird, erteilte seinen Bundesbrüdern und ihren Familienangehörigen einen „unitarischen“ Primizsegen – ein Hochfest für die Ruhr-UNITAS, zu der am Krayer Pfarrhaus bereits das passende Geschenk im Winde wehte: Eine Sonderanfertigung eines Banners der UNITAS, die mit Bbr. Helmut Wiechmanns tatkräftiger Unterstützung an der Ruhr sicher nicht so schnell untergehen wird.
Dr. Christof Beckmann, Essen
Aus: unitas 2000/3
Orden 2000- Teil III