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Hier eine Auswahl von UNITAS-Ruhrania betreffenden oder von Ruhranen geschriebenen Beiträgen aus der Verbandszeitschrift "unitas" und anderen Zeitungen

Hier weiter in unserem Archiv zu Ereignissen, 
die bis zur Wiederbegründung 1989 zurückführen.
Titel, Themen, Temperamente - viel Spaß beim Stöbern!

 

 

Studenten geben Borbeck Farbe
MdB Andreas Schmidt beim 95. Stiftungsfest der Unitas

Besondere Grüße kamen von Ruhrbischof Dr. Felix Genn: Über 60 Studenten, Ehemalige aus vielen Städten des Ruhrgebiets und Gäste von befreundeten Verbindungen aus Essen, Münster und Bonn feierten am Samstag im "Feldschlösschen" ihr 95. Stiftungsfest. ....

 

Artikel in den BORBECKER NACHRICHTEN vom 2. Februar 2006

   

 

Buchtipp: In der Spur bleiben
Seiters, Rudolf: In der Spur bleiben. Politische Wegmarken zu Rechtsstaat und Demokratie, Europa und Weltfrieden, bürgerliche Verantwortung und Solidarität. Olzog Verlag, 2005, Paperback, 160 Seiten, ISBN 3-7892-8174-3, EUR 14,90

Es ist ein programmatischer Titel, den unser Bundesbruder Dr. Rudolf Seiters seinem aktuellen und bei aller Nüchternheit spannenden und lesenswerten Buch voranstellt. „In der Spur bleiben“ ist Rückschau auf eigene politische Erfahrungen und ein programmatisches, persönliches Bekenntnis zugleich. „Dreiunddreißig Jahre im Deutschen Bundestag, von 1969 bis 2002: Eine Zeit voller Umbrüche, im Inneren wie im Äußeren. Ich habe erfahren, wie wichtig – auch – im politischen Handeln ist: Ein innerer Kompass, ein Wertefundament, Bürgernähe, das gegebene und gehaltene Wort, Verlässlichkeit. Und was in die Irre führt: Haltlose Versprechungen, das Verfangensein in Ideologien, Geschichtslosigkeit“, schickt Rudolf Seiters den 160 Seiten im Vorwort voraus.

Seine bei Olzog verlegte und Ende November veröffentlichte Sammlung von Vorträgen, Ansprachen, Zeitungsartikeln, Reden und Tagebuchnotizen aus knapp zwei Jahrzehnten sind mehr als ein Protokoll erlebter Geschichte aus der Perspektive eines Beteiligten.Vorgetragen wurden sie in Kirchengemeinden, bei Ausstellungen, vor der Konrad-Adenauer-Stiftung, im Hohen Dom zu Münster, Berlin, Papenburg, in der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena, der Bundeswehr-Hochschule in München, vor der Genfer Flüchtlingskonferenz, beim Osnabrücker Friedensgespräch, der Deutschen Botschaft beim Vatikan und dem Club zu Bremen. Die Zusammenstellung ist eine lebendige Erinnerung an beklemmende Situationen in den Tagen, in denen sich das „Wunder der Deutschen Einigung“ ereignete, an internationale Irritationen und ein Blick hinter die Kulissen und in die Mechanik der Macht in historischen Zeiten. Sachlich, bar jeden Pathos, beschreibt Bbr. Seiters ein Stück deutscher Geschichte, an der er selbst entscheidend mitwirkte. 

Das und sein erfolgreiches Vermittlungsgeschick in wichtigen Verhandlungen mit allen Beteiligten bis zum Zustandekommen des Einigungsvertrages dokumentiert ein wesentlicher Zeitzeuge: „In den dramatischen Monaten des Umbruchs war mir im Kanzleramt Rudolf Seiters – neben dem Leiter der außenpolitischen Abteilung, Horst Teltschik – ein wertvoller Berater und treuer Weggefährte“, erinnert Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl im Klappentext. „Ich schätzte Rudolf Seiters von Anfang an wegen seiner großen Zuverlässigkeit, seiner Fachkenntnis und seiner Weitsicht in Fragen der Deutschlandpolitik.“

Vorbilder für eine neue Weltinnenpolitik

Den Blick in die jüngere deutsche Geschichte ergänzt der Autor mit der weiteren und wichtigen Perspektive auf das europäische Einigungswerk und eine neuen Weltinnenpolitik zur Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens der Weltgemeinschaft. Eine eigene politische Wegmarke, der sich der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister für besondere Aufgaben, Bundesminister des Innern, Stellvertretende Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Erste Vizepräsident des Deutschen Bundestages nach seinem Ausscheiden aus der politischen Arbeit seit genau zwei Jahren als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes weiter zur Verfügung stellt. Die dort thematisierte bürgerschaftliche Verantwortung, die Notwendigkeit der Stärkung des Ehrenamts in einer lebendigen Bürgergesellschaft, führen auf die grundlegenden Eingangskapitel zurück, in denen er die „Spur“ bezeichnet, in der er die christliche Verantwortung für das demokratische Gemeinwesen als sein eigenes Movens bekennt: „Der Rechtsstaat, in dem wir leben ... ist wohl der freiheitlichste und sozialste, den es jemals auf deutschem Boden gab. Und deshalb werbe ich dafür, dass möglichst viele Bürger, gerade auch möglichst viele Christen, bereit sind, über das private Leben hinaus Verantwortung zu übernehmen – in der Gesellschaft insgesamt, im Ehrenamt und auch in der Politik.“ (S. 16f.) Es gehöre, dem Dienst am Menschen und Gemeinwohl verpflichtet, „immer Mut dazu, den christlichen Gestaltungsauftrag gegen den Strom eines unbequemen Zeitgeistes wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen“ (S. 30). Auch durch unzeitgemäße Charakterfestigkeit, die sich in besonderer Weise in einer von Einschaltquoten bestimmten Mediengesellschaft und kaum noch steigerungsfähigen Betroffenheitskultur beweise. (ebd., S. 31)
Das unabdingbare Eintreten für Gerechtigkeit, Solidarität und die unantastbare Würde des menschlichen Lebens unterstreicht er deutlich auch im Vorwort, wenn er feststellt: „Heute stehen wir vor einem Generationenwechsel in Politik und Gesellschaft mit gravierenden Folgen. Zum einen wird die Generation mit Wiederaufbauerfahrung von einer Generation mit Wohlstandserfahrung in der Verantwortung abgelöst. Zum anderen gilt es, alte und neue Lasten für die Schultern einer schwindenden Nachfolgegeneration tragbar zu machen. Unser Land, Staat und Bürger gleichermaßen, sind gefordert, den beschleunigten Strukturwandel hin zu einer globalen Wissensgesellschaft zu meistern. Der Staat allein kann dies nicht schaffen. Wir brauchen Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitnehmer, die Wissenschaft, vor allem aber brauchen wir die Bürger – mit mehr Freiheit und mehr Verantwortung für den Einzelnen.“

UNITAS-Mitglieder verwundert nicht, dass Bbr. Dr. Rudolf Seiters, der seit 1969 über 33 Jahre lang den Wahlkreis nördliches Emsland/Grafschaft Bentheim und den Landkreis Leer im Deutschen Bundestag vertrat, in besonderer Weise auf das Beispiel des leidenschaftlichen Parlamentariers Ludwig Windthorst verweist. Grundüberzeugungen und Vorbild unseres seiner Heimat entstammenden Ehrenmitglieds haben ihn ebenso geprägt wie sein universitärer Lehrer Joseph Höffner. „Von Höffner lernen, heißt für Politiker, beharrlich für die rechte Sache kämpfen und auch im Sieg bescheiden bleiben“, so sein persönliches Bekenntnis. Für unitarische Bundesgeschwister ist zweifellos eine besondere Freude, dass die Ausführungen zu den mutigen Thesen des späteren Kardinals von Köln – wie auch eigens vermerkt – auf den Festvortrag zurückgehen, den Rudolf Seiters zum 100-jährigen Bestehen der UNITAS Winfridia in Münster gehalten hat.
Christof Beckmann

Aus: unitas 4/2005, S. 231

 

HOCHSCHULE: Ein Studium lohnt sich auch morgen noch

TROTZ SCHLECHTER WIRTSCHAFTSLAGE HABEN AKADEMIKER NACH WIE VOR GUTE CHANCEN, AUF DEM ARBEITSMARKT FUSS ZU FASSEN. DAS BESTÄTIGTE DR. BERNHARD HOHN BEI EINER VORTRAGSVERANSTALTUNG DER KATHOLISCHEN AKADEMIKER-ARBEIT (KAD) IN BONN. UM JEDOCH AUCH DEN TRAUMBERUF AUSÜBEN ZU KÖNNEN, MÜSSEN DIE STUDIERENDEN SCHON VOR DEM ABSCHLUSS INITIATIVE ZEIGEN.

Von Julia Sudmann

Der deutschen Wirtschaft geht es seit Jahren schlecht, und das macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die anhaltend hohe Arbeitslosenquote macht jungen Menschen die Entscheidung schwer, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. Schließlich bietet der Traumberuf nicht zwangsläufig traumhafte Aussichten. Und Arbeitslosigkeit macht auch vor Akademikern nicht halt. Doch beim Blick auf den Anteil der Hochschulabsolventen unter den Arbeitslosen bewahrheitet sich: Ein Studium lohnt sich nach wie vor. Zu diesem Schluss kommt Dr. Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). Auf Einladung der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD) stellte er in einem Vortrag am 5. November 2005 in Bonn dar, wie die Chancen stehen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und welche Branchen auch für Akademiker derzeit kaum Perspektiven bieten.

Mit gerade einmal vier Prozent lag die Quote der Arbeitslosen mit Hochschulabschluss 2004 im Vergleich zur Quote insgesamt (11,9 Prozent) extrem niedrig und nahe an der Vollbeschäftigung. Dieser Trend lässt sich in den vergangenen 30 Jahren durchgehend beobachten. Die Zahl der Arbeitslosen mit Lehre oder Fachschulabschluss lag im Vergleich dazu 2004 bei 9,9 Prozent und auf die vergangenen Jahrzehnte bezogen stets deutlich über der Quote der arbeitslosen Akademiker. „So gut wie Akademiker stehen keine anderen Gruppen am Arbeitsmarkt“, bestätigte auch Hohn. Zudem sei die Zahl der Arbeitslosen mit Hochschulabschluss seit zwei Jahren bereits wieder im Rückgang. „Umgekehrt melden die Betriebe wieder mehr Stellen für Akademiker.“ Ein Studium ist demnach offenbar immer noch eine Eintrittskarte in die Berufswelt.

Bis heute stellen die Universitätsabschlüsse den mit Abstand größten Teil der akademischen Abschlüsse. 62,3 Prozent waren es etwa im Jahr 2003, gegenüber 28,5 Prozent Fachhochschulabschlüssen. Danach folgten die Verwaltungs-Fachhochschulen (5,4 %), Kunsthochschulen (2,4%) und Pädagogischen Hochschulen (1,2 %). Dass sich an diesen Verhältnissen etwas ändern wird, ist bereits abzusehen.„Die FH-Abschlüsse wachsen an“, erklärte Bernhard Hohn. Zum einen reize die Studierenden der Praxisbezug des Studiums, zum anderen bauten die Fachhochschulen stärker aus als die Universitäten. Doch obwohl das praxisbezogene Studium und die frühen Kontakte zu den jeweiligen Branchen ein eindeutiger Vorteil sind, haben es die FH-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt den Zahlen zufolge schwerer als Absolventen mit Universitätsabschluss. Ein Grund dafür ist laut Hohn, dass mehr FH-Absolventen auf den Arbeitsmarkt strömen. Einen weiteren vermutet der Experte darin, dass Fachhochschulabsolventen vor allem ins mittlere Management streben und dieses derzeit verstärkt abgebaut wird. Auch bei den Universitätsabschlüssen tut sich einiges. Waren 2003 noch lediglich 1,1 Prozent aller Hochschulabschlüsse Bachelor- und 1,4 Prozent Master-Abschlüsse – während die Zahl der Uni-Diplome und vergleichbarer Abschlüsse bei 40,7 Prozent lag – wird sich dieses Verhältnis bald grundlegend ändern. Und mit dem Ausbau der BA- und MA-Studiengänge, wird sich auch die Studiendauer künftig verkürzen. Denn derzeit dauert es im Durchschnitt noch fünf bis sechs Jahre bis zum erfolgreichen Examen. Und weil Studenten in zunehmendem Maße vor dem Studium zunächst eine Ausbildung absolvieren, ist das Durchschnittsalter der Absolventen mit 28,8 Jahren im internationalen Vergleich recht hoch. „Dabei sind allerdings die Promotionen mit eingerechnet“, relativierte Hohn. Den Trend, dem Studium eine Ausbildung vorauszuschicken, bewertete er als „durchaus gelungene Strategie“.

Eine Schere tut sich beim Vergleich der beliebtesten Studienfächer mit den auf dem Arbeitsmarkt gefragtesten Abschlüssen auf: Während die Studenten des mit Abstand begehrtesten Fachs Betriebswirtschaftslehre sowie auch die zweitplatzierten Mediziner noch recht gute Aussichten haben, gleich nach dem Abschluss einen Job zu finden, liegt auch eine Branche unter den Top Ten, in der Arbeitsplätze äußerst rar sind – die Architektur. „Architekten sind von eklatanter Arbeitslosigkeit bedroht“, warnte der Fachmann. Nur auf Platz sechs findet sich dagegen ein Studienfach, das wiederum gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet: Maschinenbauwesen. Weitere Ingenieursstudiengänge sowie die Biologie haben es gar nur ans Ende der ersten Zehn geschafft. Hohn betrachtet das mit Sorge. „Meines Erachtens ist mit der Reihenfolge etwas nicht in Ordnung“, sagte er. Denn gerade Ingenieure würden gebraucht. Zudem bieten Ingenieursstellen mehr Sicherheit, wie die Statistik der Stellen, die befristet ausgeschrieben werden, zeigt. Bei verschiedenen Ingenieursberufen und in der IT-Branche bewegen sich die Zahlen um oder sogar unter zehn Prozent. Hochschul- und Fachhochschullehrer haben demgegenüber mit etwa drei Viertel (76,3 Prozent) einen extrem hohen Anteil befristeter Stellen. Ebenfalls weit oben in der Liste: Sozialpädagogen (64,4 %), Sozialarbeiter (60,6 %), Chemiker (46,7 %), Grund- und Hauptschullehrer (45,1 %), Psychologen (42,9 %) und Fachschul- und Berufsschullehrer (42,5 %). Wer in diese Berufe strebt, sollte sich also darüber im Klaren sein, dass ihm große Flexibilität abgefordert wird.

Anlass zur Sorge gibt auch, dass es besonders die jungen Akademiker sind, die Schwierigkeiten haben, eine Anstellung zu finden. Denn die Statistik, die die Gruppe der unter 30-Jährigen mit gerade einmal 14 Prozent der arbeitslosen Akademiker angibt, während alle anderen Altersgruppen sich um die 28/29 Prozent einpendeln, täuscht: Es sind schlicht nicht so viele junge Menschen mit Hochschulabschluss am Markt, klärte Hohn in seinem Vortrag auf. In den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosigkeit bei den unter 30-Jährigen im Gegenteil sogar drastisch gestiegen, was sich vor allem mit der mangelnden Berufserfahrung erklären lässt. Hohn rät daher dringend dazu, sich schon während des Studiums um praktische Erfahrungen zu bemühen. Praktika und Diplomarbeiten in den jeweiligen Branchen bieten dazu Gelegenheit. Und, so der Experte, spätestens im Hauptstudium sei es an der Zeit, sich auf eine Grundrichtung festzulegen, die für einen späteren Arbeitgeber auch zu erkennen sei. Generell gilt laut Hohn, dass die klassischen Branchen wie Automobilindustrie und Maschinenbau nach wie vor die tragenden Säulen des Arbeitsmarktes sind – auch des Akademiker-Arbeitsmarktes. Die meisten Stellenangebote, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) eingehen, kommen mit 52,1 Prozent aus Personalvermittlungs- oder Zeitarbeitsfirmen. „Aus der öffentlichen Verwaltung kommt zwar noch relativ viel, aber die Angebote sind rückläufig“, schilderte Hohn. Einen noch stärkeren Rückgang gebe es allerdings mit minus 8,6 Prozent im Gesundheitswesen.

Während bei der BA technische Berufe die Liste der offenen Stellen anführen, liegen bei den Zeitungsanzeigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen weit vorne. Dennoch sollten Arbeitssuchende keine Möglichkeit der Jobsuche auslassen und neben Arbeitsvermittlung und Annoncen auch das Internet und Mundpropaganda miteinbeziehen.

Die Chancen der Eier legenden Wollmilchsau ...

Schwierig wird es, wenn es darum geht, die Anforderungen der Arbeitgeber zu erfüllen. Wie Hohn bestätigte, wird da oftmals die berühmte "Eier legende Wollmilchsau" gesucht. Der Bewerber sollte nicht nur auf seinem Fachgebiet über gutes bis sehr gutes Wissen verfügen, sondern möglichst breit gebildet sein. Zudem wünschen sich Firmen junge Akademiker mit passender Berufserfahrung. Hinzu kommen unspezifische Fachkompetenzen wie wirtschaftliches Grundverständnis, Englisch- oder anderen Fremdsprachenkenntnisse und Computerwissen. Und die so genannten Soft Skills – Mobilität, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, selbstständiges Arbeiten und am besten auch noch bescheidene Einkommenswünsche. Gerade den letzten Punkt nutzten Unternehmen in zunehmendem Maße aus, wie Hohn zu Bedenken gab. Denn immer häufiger würden ganze Projekte und Arbeitsbereiche schlecht oder gar nicht bezahlten Langzeitpraktikanten übergeben. „Die Zahl der Praktikumsplätze für Akademiker ist raketenhaft gestiegen.“ Doch außer moralischen Appellen an die Unternehmer hätte man in diesem Punkt keine Handhabe, so Hohn. Und in Sachen Mobilität machte der Arbeitsvermittler deutlich, dass eine gute Stelle eben oftmals einen Umzug erforderlich macht. Schließlich gibt es die meisten Angebote in den Ballungsräumen. Ganz vorne stehen dabei Städte wie Berlin, Hamburg, München und Stuttgart. So wurden von Januar bis September dieses Jahres etwa in München mit nahezu 3000 offenen Stellen für Akademiker rund fünf Mal so viele Jobs angeboten wie in Saarbrücken, Essen oder Magdeburg.

Studierenden, die in absehbarer Zeit ihren Abschluss machen werden, gab der Experte noch einen Tipp mit auf den Weg: „Es ist nicht unüblich, dass die Unternehmer auf einer Messe offen sind für Gespräche über Stellen.“ Das gelte nicht nur für die als Rekrutierungsmessen gedachten Absolventenkongresse, sondern auch für Fachmessen. Der Jobsuchende sollte einfach eine Bewerbungsmappe mitnehmen und interessanten Firmen seinen Lebenslauf da lassen.

Aber auch die Ausstellerverzeichnisse für solche Messen könnten auf der Suche nach einem Arbeitsplatz nützlich sein, da sie alle Adressen und Informationen über die Aussteller enthalten. Außerdem gibt es unter den Internetadressen www.deutschland.de (Stichwort: Wirtschaft) oder auch www.regisonline.de regionale Unternehmensdatenbanken, in denen sich auch kleinere Unternehmen finden lassen. Bernhard Hohn wies darauf hin, dass es sich lohnen kann, in die Arbeitssuche einiges an Zeit und Mühe zu investieren. Denn: „Die Suche nach einem Job ist quasi der erste Job, den Sie machen. Sehen Sie es als Herausforderung.“

Informationen zur Jobsuche für Akademiker gibt es im Internet unter www.babestellservice.de (Suchwort: Akademiker) oder über die Seite der Bundesagentur für Arbeit www.arbeitsagentur.de (Informationen für Arbeitnehmer, Bestimmte Personengruppen, Akademiker). Hintergründe zu den Chancen in diversen Branchen finden sich auf der Seite www.uni-magazin.de.

Aus: unitas 4/2005. Dort weitere Berichte zum Thema Studium und Hochschule.


12. Januar 2006: UNITAS Ruhrania veranstaltet öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema an der Uni Essen


Wir machen bereits jetzt darauf aufmerksam, dass sich am Donnerstag, 12. Januar, ein öffentliches Podium in der Universität Essen 
mit dem Thema „Haben Studenten eine gesellschaftspolitische Aufgabe?“ befassen wird. 
Unter Leitung von Ruhranen-Senior Sebastian Sasse diskutieren:
Der Philosoph Prof. Dieter Sturma, der Historiker Prof. Wolfgang Hartung, Vertreter des AStA und engagierte Studenten
 ab 18 Uhr in der Evangelischen Studentengemeinde „Die Brücke“. 
Zur Teilnahme wird ganz herzlich eingeladen.

 

Kinderheim in Nordböhmen: Das neue Soziale Verbandsprojekt

Liebe Bundesschwestern,
liebe Bundesbrüder,

wir können stolz darauf sein, dass das letzte soziale Projekt des UNITAS-Verbandes in Prijedor, Herzegowina, dank der Spendenbereitschaft der Unitarier bereits nach zwei Jahren im Sommer abgeschlossen werden konnte. Der Aufbau eines Schulinternats konnte mit fast 120.000 Euro unterstützt und damit erst ermöglicht werden. Die zuletzt noch für Prijedor eingegangenen Spenden werden wir auf das neue Soziale Projekt des Verbandes übertragen. Ich denke, die Spender sind damit einverstanden. Leider hat der Vorstand seit der letzten GV noch kein größeres, zum UNITAS-Verband passendes Soziales Projekt gefunden. Daher haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr ein kleineres Projekt anzubieten, und zwar die Finanzierung der Innenausstattung eines Begegnungshauses für Kinder „Herz-Jesu-Heim“ in Dlouha Louka in der Nähe des Klosters Osek in Nord-Böhmen. Das Projekt wurde von unserem schwer erkrankten ehemaligen Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Schommers vorgeschlagen und liegt ihm persönlich sehr am Herzen.

Die Zisterzienserabtei Osek in Nord-Böhmen wird seit 1992 (Rückgabe des Klosters durch die Regierung in Tschechien) von Abt Bernhard geleitet, der seither eine gewaltige Aufbauarbeit geleistet hat. Die Abtei Osek ist ein Ort für sozial schwache oder gestrauchelte Menschen, verbunden mit einem Altenheim. Nordböhmen ist seit der Zeit des Kommunismus nicht mehr christlich. Es sind nur wenige Menschen getauft. Deshalb wendet sich Abt Bernhard an die Kinder, die gerne zu ihm kommen. So hatte er die Idee eines Begegnungshauses für diese Kinder außerhalb des Klosters. Er fand in der Nähe in Dlouha Louka ein verfallenes Haus neben einer kleinen Kirche. Dieses Haus ließ Abt Bernhard – ein gelernter Bauingenieur – unter seiner Aufsicht wieder herstellen, so dass das Haus am 4.11.2003 eingeweiht werden konnte. Bis heute fehlt die Innenausstattung, so dass es seinen Zweck noch nicht erfüllen kann.

Hier könnte der UNITAS-Verband mit einem neuen Sozialen Projekt helfen.

Es sollen die Anschaffung einer Küchenzeile mit Ceran-Kochfeld, Einbaubackofen, Ablufthaube, zwei Kühlschränken sowie die erforderliche Ausstattung mit Küchen- und Haushaltsgegenständen (Porzellan, Besteck, Töpfe usw.) ebenso finanziert werden, wie eine Miele-Waschmaschine mit Trockner und die kindgerechte Möblierung der Zimmer nebst Matratzen, Bettzeug und Bettwäsche. Die Kosten hierfür betragen laut vorliegenden Angeboten rd. 32.500 Euro. Die kleine Kirche ist im Winter nur benutzbar, wenn die Fenster mit Doppelverglasung versehen werden und eine Elektroheizung installiert wird. Hierfür sind weitere 23.000,00 Euro erforderlich. Die Einrichtung der Kirche wurde bereits gestiftet. 
Mit vielen Menschen im Kreis Neuss kennt Bbr. Wolfgang Schommers Abt Bernhard seit 40 Jahren. Nicht zuletzt seiner Energie und Ausdauer ist der Wiederauf- und Umbau des Schlosses Langwaden bei Grevenbroich-Wevelinghoven in ein Zisterzienser-Kloster zu verdanken. Eine vergleichbare Aufbauleistung hat er in Osek vollbracht. Abt Bernhard ist der Garant dafür, dass unsere Spenden ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt werden und die Begegnungsstätte für Kinder in „Dlouha Louka“ mit Leben erfüllt wird, damit die Frohe Botschaft unseres Herrn Jesus Christus auch in Böhmen wieder von Kindern und Jugendlichen gehört werden kann. Der „Freundeskreis der Zisterzienserabtei Osek e.V.“ in Grevenbroich, dem Wolfgang Schommers angehört, wird unser Soziales Projekt begleiten und unterstützen. Abt Bernhard wird sich auf der Grundlage unserer Spendenzusage um eine zusätzliche Förderung des Projekts durch das Hilfswerk RENOVABIS bemühen. Dann könnte auf der Rückseite des Hauses auch ein Bolzplatz errichtet und der gesamte Außenbereich mit einem festen Zaun versehen werden.
Der Vorstand des UNITAS-Verbandes bittet alle Bundesschwestern und Bundesbrüder sehr herzlich, das neue
Soziale Projekt „Begegnungshaus für Kinder in Osek / Dlouha Louka“ des UNITAS-Verbandes nach Kräften zu unterstützen. Ihm ist dabei bewusst, dass dieses Projekt neben dem dringend erforderlichen Aufbau des Stiftungsvermögens der Stiftung UNITAS 150 PLUS eine große finanzielle Beanspruchung aller Unitarier bedeutet. Gleichwohl sollten wir die gute Tradition Sozialer Projekte im UNITAS-Verband auch dieses Jahr in der Adventszeit weiterführen.
Spenden können unter dem
Stichwort „Spende Osek“ auf folgendes Konto eingezahlt werden: UNITAS-Verband Soziales Projekt, Kto. Nr. 7161 Sparkasse KölnBonn (BLZ 380 500 00). Über die Spenden wird der UNITAS-Verband e.V. oder RENOVABIS steuerlich abzugsfähige Zuwendungsbestätigungen (Spendenquittungen) ausstellen. Allen Spendern sagen wir schon heute ein herzliches Vergelt´s Gott!

 

Erste Seligsprechungsphase für Lübecker Kapläne abgeschlossen
Gedenken und Wissenschaftsprogramm bei UNITAS Ruhrania

HAMBURG. Genau 62 Jahre nach ihrem Tod ist jetzt das Seligsprechungsverfahren für die „drei Lübecker Kapläne“ auf Diözesanebene abgeschlossen worden. Erzbischof Werner Thissen übergab die Akten am 10. November 2005 in Hamburg dem Anwalt Andrea Ambrosi, der das Verfahren im Vatikan weiter vertritt. Hermann Lange sowie die zwei Bundesbrüder Eduard Müller und Johannes Prassek (UNITAS Ruhrania) hatten gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink gegen die NS-Verbrechen protestiert. Sie starben am 10. November 1943 unter dem Fallbeil. Wie die KNA berichtete, befinden sich unter den 2.110 Seiten, die an die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen geleitet werden, persönliche Dokumente der Kapläne, theologische und historische Gutachten sowie Protokolle über Zeitzeugen-Befragungen, die im Rahmen des im Mai 2004 in der Diözese Hamburg von Erzbischof Dr. Werner Thissen eingeleiteten Verfahrens zusammengetragen wurden.

Die UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund hat am Abend des Tages, an dem die Nachricht bekannt wurde, ihres Bundesbruders Johannes Prassek (Bild oben) gedacht. Zum Auftakt einer Wissenschaftlichen Sitzung, die sich am Beispiel des Hl. Dionysius von Paris dem Thema der Heiligenverehrung widmete, erinnerte Senior Sebastian Sasse an das Glaubenszeugnis des Geistlichen. Der Vortrag von Bbr. Roderich Oberstehöhfeld und die anschließende Diskussion machten deutlich, welche Bedeutung der Rolle von Vorbildern im Glauben zukommt.

Semesterprogramm in Essen

Bereits am Vortag hatten auf Einladung der Aktiven mehr als 60 Helfer aus den Pfarreien, Gruppen und Vereinen der Katholischen Pfarrgemeinden St. Dionysius und St. Immakulata in Essen-Borbeck im UNITAS-Zentrum „Feldschlösschen“ Erinnerungen an den XX. Weltjugendtag ausgetauscht. Viele Hundert Fotos, mit dem Beamer an die Wand geworfen, zeigten, dass sich WJT-Gäste in Borbeck wohlfühlten. Als „Geschenk der besonderen Art“ hatte UNITAS Ruhrania auch eine akustische Überraschung vorbereitet: Eine rund 12 Minuten lange Collage fasste Worte von Papst Benedikt XVI., Ruhrbischof Felix Genn, Lieder und Statements von Gästen und Organisatoren zu einem kurzweiligen Stück zusammen, das als CD den Verantwortlichen überreicht wurde.

Lange Abende und Nächte auf dem Essener UNITAS-Haus garantieren die ersten der gut ein Dutzend Wissenschaftlichen Sitzungen im laufenden Wintersemester: Nach einem literarischen Abend, bei dem Senior Sebastian Sasse aus den Werken Werner Bergengruen las, kommt das „WS-Programm“ im Wintersemester langsam in Fahrt: So referierte Sebastian Sasse vor vielen Gästen zum Thema „Profile von Konvertiten“. Die Veranstaltung stellte Herkunft, Motivationen und Wirken bekannter Persönlichkeiten aus der Geschichte vor, die meist aus dem protestantischen Umfeld in die katholische Kirche übertraten. Engagierte Diskussionen zur Natur des Priesteramts und über Fragen der Liturgie und Messgestaltung brachte ein Vortrag von Kaplan Norbert Linden. Der Vikar an St. Dionysius, Essen-Borbeck, hatte Überlegungen des Benediktiners und Bestsellerautors Anselm Grün zur Eucharistie in den Mittelpunkt gestellt. Nachdrücklich unterstrichen die Bundesbrüder am Beispiel der Devise „in neccessariis unitas“ den Kernsatz des unitarischen Selbstverständnisses: „Die bundesbrüderliche Freundschaft vollendet sich am tiefsten in der gemeinsamen Eucharistie.“

Dass nicht nur Wissenschaftsarbeit das Ruhranen-Programm im WS 2005/06 prägt, zeigt die erneute Teilnahme der Aktivitas am traditionellen Barbara-Ball örtlichen CV-Zirkels „Kohle“ auf Schloss Borbeck: Ob Bundesliga-Tänzer, Salonlöwen, Debütanten und schon immer begnadete Nichttänzer - alle kamen auf ihre Kosten. Mit einem kernigen „Gaudeamus“ und Farbenstrophen verlängerten die letzten Aufrechten den Ballabend in der ehemaligen Residenz der Essener Fürstäbtissinnen noch bis weit nach 3 Uhr morgens.

Semestertagebuch und Einladung zu Podium

Das Semestertagebuch der UNITAS-Ruhrania wird laufend auf der Internetseite der Revier-UNITAS fortgeführt. Unter „Aktuelle Berichte“ auf der Homepage www.UNITAS-ruhrania.org gibt es ständig neue Artikel mit Berichten und Vorschau auf das Programm.

So lockt eine Silvesterfète auf´s Haus, alle Unitarier in der Region sind am 4. Januar 2006 zu einem Neujahrsempfang eingeladen und am Donnerstag, 12. Januar, ist ein öffentliches Podium in der Universität Essen dem Thema „Haben Studenten eine gesellschaftspolitische Aufgabe?“ gewidmet. Unter Leitung von Senior Sebastian Sasse diskutieren der Philosoph Prof. Dieter Sturma, der Historiker Prof. Wolfgang Hartung, Vertreter des AStA und engagierte Studenten in der Evangelischen Studentengemeinde „Die Brücke“. Zur Teilnahme wird ganz herzlich eingeladen.

Übrigens: Sicher Unikate sind auch die auf der Homepage zu besichtigenden „Alten Meister“ aus der „Klassikergalerie“ des Vereins, die gegen eine Spende für den Hausbauverein der Ruhrania ganz individuell hergestellt werden. Kontaktaufnahme erbeten (E-Mail: ruhrania@UNITAS.org) !

Aus: unitas 4/2005

Das bringt ein katholisches Netzwerk ...
VON BBR. JENS GROSSMANN, FRANKFURT/MAIN

Was bringt ein katholisches Netzwerk? Ganz allgemein gesprochen dient der Beitritt zu einem Netzwerk der Erweiterung beruflicher und persönlicher Kontakte. Jeder neue Kontakt bereichert dabei das bestehende Netz und führt zu weiterem Austausch und immer neuen Verknüpfungen. Was liegt nun für einen Unitarier näher, sich einem Netzwerk zu bedienen, welches ihn in seinem privaten Umfeld abholt, welches seine Glaubensüberzeugungen und Wertvorstellungen teilt sowie eine sehr persönliche und unkomplizierte Ansprache potentieller Kontaktpartner erlaubt?

Vielleicht mag sich nun der ein oder andere fragen, auf welches Selbstverständnis sich ein katholisches Netzwerk begründet, das ganz unumwunden den Netzwerkgedanken proklamiert, an wen es sich richtet, inwiefern es wirklich praktiziert wird und wem es letztendlich zum Vorteil gereicht? Hierzu mag eingangs die folgende rhetorische Überlegung ein zweifelsfreies Selbstverständnis ablegen:

Ist doch unser Bekenntnis zur UNITAS nicht ein ganzheitliches, sind nicht der gezielte Austausch und die bewusste Vermittlung bestehender Kontakte die nur folgelogische Auslegung unserer Prinzipien virtus, scientia und amicitia unter einem berufsorientierten Aspekt? Auf jeden Fall! Ein katholisches Netzwerk ist hierzu eine geeignete, ja sogar notwendige Plattform. Ich verweise an dieser Stelle auf den hervorragenden Artikel von Bbr. Marc Schmidt, der zuletzt unter dem Titel willkommen im Netzwerk!“ ein sehr überzeugendes Plädoyer für ein katholisches Netzwerk abgehalten hat und darin dessen Eignung im unitarischen Umfeld beschreibt. Mir erscheint es an dieser Stelle sinnvoll, hierzu ergänzend kurz auf den Aspekt der Notwendigkeit zu einem solchen zu verweisen (s.u.).

Jeder Unitarier, der nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums den Berufseinstieg sucht oder aber sich im Rahmen seiner beruflichen Entwicklung vor eine neue Herausforderung gestellt sieht, sollte bewusst und konsequent das bestehende katholische Netzwerk dazu nutzen, geeignete berufliche Kontakte aufzuspüren und wertvolle Informationen auszutauschen. Je bewusster dabei dieses Netzwerk als eine geeignete Plattform zum gezielten Austausch weiterführender Informationen oder gar der Vermittlung konkreter Ansprechpartner wahrgenommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines auf gegenseitigem Vorteil beruhenden Ergebnisses.

Dass dieses katholische Netzwerk tatsächlich gelebt wird und funktioniert, konnte ich zu Beginn des Jahres selbst erleben, als ich völlig überraschend einen Anruf an meinem Arbeitsplatz von Bbr. Marc Schmidt bekam, der sich mir kurz vorstellte und mich daraufhin zu einem Termin bei der Societät für Unternehmensplanung in Frankfurt zu einem gegenseitigen Kennenlernens einlud. Dieser Kontakt wiederum kam durch einen Hinweis von Bbr. Nikolaus Jung (Genf) zustande, der von meiner Tätigkeit vor Ort wusste und Bbr. Marc Schmidt informiert hatte.

Diese Kontaktvermittlung auf Basis persönlicher Empfehlung ist das entscheidende Asset unseres katholischen Netzwerks, dem wir, wenn auch zumeist nur unbewusst, mit unserem Bekenntnis zur UNITAS folglich alle angehören. Wir sollten dieses bestehende Netzwerk pflegen und aktiv gestalten, und zwar ohne jede falsche Bescheidenheit!

Hierin sehe ich einen erheblichen Zugewinn für die Attraktivität unserer Gemeinschaft, von der wir langfristig alle profitieren: Zum einen schafft sie einen zusätzlichen Wert nicht nur für seine bestehenden Mitglieder, sondern gerade auch für neue Mitglieder (die unsere Gemeinschaft nicht nur unter ökonomischen Aspekten nachhaltig für sich gewinnen sollte), die in einer konkreten berufsorientierten Unterstützung eine nicht zu vernachlässigende Komponente des Lebensbund-Prinzips wiederfinden.

Dieser Artikel soll somit eine Anregung sein, das bestehende katholische Netzwerk bewusst als solches wahrzunehmen und sich auch aktiv seiner bestehenden Strukturen zu bedienen! Vitamin B schadet nur dem, der es nicht nutzt! Warum sollten wir als Unitarier diesbezüglich hinter unseren Möglichkeiten zurückstehen? Das Netzwerk verdient unsere Aufmerksamkeit!

UNITAS ist vielfältig und nützlich ...
Von Bbr. Jens Jennissen

Mitglied des UNITAS-Verbandes zu sein, bedeutet für mich nicht nur die Möglichkeiten irgendeines Verbindungsnetzwerkes nutzen zu können, sondern darüber hinaus, Teil eines katholischen Netzwerks zu sein. Dazu einige Beispiele.

Nachdem ich der UNITAS Tuisconia zu Hamburg beigetreten war, öffneten sich mir einige Türen. Mein Vater, Bbr. Dr. Georg Jennißen, der auch an der Gründung des „Bundes katholischer Rechtsanwälte“ beteiligt war, stellte den Kontakt zu Bbr. Nikolaus Jung her. Dabei ging es zunächst um die Möglichkeiten eines Praktikums in einer Anwaltskanzlei, die sich jedoch auf Grund meiner anderweitigen Interessen nicht realisierten. Nikolaus verwies mich aber auch an Bbr. Marc Schmidt weiter, mit dem ich mich Mitte April in seinem Frankfurter Büro traf. Marc sitzt als Personalberater einer bekannten Beratungssozietät an der Schaltstelle eines umfangreichen Netzwerkes.

Ein weiteres Beispiel für den Nutzen und das Funktionieren des unitarischen Netzwerks, stellt sich beim Thema Wohnen. Neben einer sehr schönen „Bude“ in toller Lage in Hamburg, wurde ich kürzlich auch für eine Wohnung während meines Praktikums in Frankfurt in diesem Sommer bei der UNITAS fündig. Ein kurzer Anruf beim AHV-Vorsitzenden der UNITAS Guestfalia-Sigfridia, Bbr. Franz Riehl, und meine Wohnungssorgen waren gelöst.

Ich bin der Meinung, dass diese Beispiele, die alle aus dem letzten Jahr stammen, zeigen, wie vielfältig und nützlich das Netzwerk der UNITAS ist.

 
Jahrestagung 2005 des BKR

Am Samstag, 5. November, und Sonntag,  6. November 2005, findet die Jahrestagung des Bundes katholischer Rechtsanwälte in Bonn auf dem Haus der UNITAS–Salia statt. Auf dem Programm steht am Samstag ein workshop zum Thema „Erfolg in der Nische - Lukrative Tätigkeitsfelder für Rechtsanwälte“. Auf Einladung der Pax Bank trifft man sich anschließend zum „come together“ mit interessanten Gesprächspartnern aus Wirtschaft und Politik. Der Abend steht dann ganz im Zeichen des schon traditionellen Kommerses des BKR. Als Festredner hat Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Isensee (CV) von der Rheinischen Friedrich–Wilhelms–Universität Bonn seine Teilnahme zugesagt. Am Sonntag findet im Anschluss an den gemeinsamen Gottesdienst die Jahreshauptversammlung der Mitglieder des BKR statt. 
Interessenten melden sich bitte bei der Geschäftsstelle des BKR, Rechtsanwalt Dieter Trimborn v. Landenberg, www.bkr-netzwerk.de. Ihnen werden umgehend nähere Informationen übersandt.

Nikolaus Jung,
www.ra-jung.de

Vitamin B des BKR

Zusatzqualifikationen sind heute für Juristen zwingende Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Nur mit einem Plus man sich positiv von Mitbewerbern unterscheiden. Der Bund katholischer Rechtsanwälte weiß worauf es in der Praxis ankommt. Darum will der BKR Studierenden helfen, Zusatzqualifikationen zu erwerben.

  • JURA in den USA: Wer ein Praktikum, eine Wahlstation oder den Master of Law in den Vereinigten Staaten von Amerika absolvieren möchte und Tips zu organisatorischen, finanziellen und inhaltlichen Fragen hat kann sich nicht nur an den BKR wenden, sondern auch unter www.dajv.de an die Deutsch-Amerikanische-Juristenvereinigung.

  • JURA in Spanien: Informationen gibt es bei der Deutsch-Spanischen Juristenvereinigung unter e-mail: josalamanca@barceloviajes.com, Sr. D. Gabriel Sanchez.

  • JURA in Genf: Wer in Genf juristische Zusatzqualifikationen erwerben möchte und Hilfe bei der Zimmersuche braucht bekommt Unterstützung von RA Nikolaus Jung, www.ra-jung.de. Es besteht ein sehr guter Kontakt zur katholischen Pfarrgemeinde St. Boniface, der auch ein Studentenwohnheim angegliedert ist, welches von Jesuiten betrieben wird.

 


 

Willkommen im Netzwerk!
VON Bbr. MARC SCHMIDT, ESSEN



Gott bewahre! Sind Kontakte und Vitamin B nicht etwas Schlechtes? Müssen wir uns nicht dafür entschuldigen? „Das ist alles rein wissenschaftlich in der UNITAS“, „Nein, ich hab mich selbst beworben für das Praktikum – keine Beziehungen“, oder – aus passiver Sicht – „Der hat seinen Job ja nur über Vitamin B bekommen...“ – ich frage: Na und?! Ist das schlimm? Ein unitarisches Netzwerk ist förderlich für die Gesellschaft und es sollte häufiger geschehen, dass unser Netzwerk aktiv gelebt wird. Warum? Bitte im Text folgen:

„Netzwerken bedeutet, langfristige Kontakte herzustellen und zu pflegen im Sinne eines gegenseitigen Gewinns auf ideeller und materieller Ebene“. Ein Definitionsversuch der erst einmal egoistisch und nach einem Streben nach Macht und Reichtum klingt. Stimmt aber nicht, denn ein Netzwerk von Personen mit gesundem, christlichen Wertebewusstsein ist für die Gesellschaft ein Gewinn. 

Das ist eine starke These. Dieser Aussage liegt jedoch der Feststellung zugrunde, dass die UNITAS alle Voraussetzungen bietet, ein tragfähiges Netzwerk zu sein. Die sozialen Projekte des Verbandes beweisen dies. Die UNITAS könnte jedoch noch mehr. Da es jedoch Realität ist, dass das unitarische Netzwerk bisher im Alltag wenig zu Geltung kommt und nicht die nötige Anerkennung genießt, die es verdient, bleibt unser Potential weitgehend ungenutzt.

Dabei ist das unitarische Netzwerk etwas besonderes und einmaliges. Bildet das unitarische Netzwerk doch die Bühne, für Menschen mit christlichem Wertegefüge, einem weitem Bildungshorizont und den nötigen Sekundärtugenden. Das Sprichwort, „Sag mir mit wem Du Dich umgibst und ich sag Dir, wer Du bist.“ trifft diesbezüglich den Kern. Ein Blick in die Umgebung eines Jeden von uns bestätigt dies. Wir müssen uns nur unser Umfeld anschauen, die Tugenden der Personen reflektieren mit denen wir uns umgeben und wir entdecken, dass wir uns mit genau den Menschen umgeben, mit denen wir Werte, Ansichten und christliche Grundeinstellungen teilen. 

Somit ist die UNITAS ein ideales Umfeld für ein homogenes und tragfähiges Netzwerk. Der in der Definition genannte „Gewinn“ ist nicht als Nutzen eines jeden Einzelnen für selbstsüchtige Ziele zu verstehen. Denn zum Ersten erweitert sich unser Netzwerk stets um einen neuen Personenkreis. Somit haben stets neue Teilhaber am Netzwerk Zugang zu demselben. Zweitens bietet ein Netzwerk Sicherheit und fängt die Mitglieder auf, die von äußeren Umständen bedroht sind und Drittens – und das ist der Vorteil für die gesamte Gesellschaft – wirkt das unitarische Netzwerk positiv auf seine Umgebung. 

Da der Gedanke, dass unser Netzwerk positiv auf die Gesellschaft wirkt, abstrakt klingt, ein Beispiel aus der Wirtschaft: Ein Vorstand mit christlicher Grundeinstellung und gesunden Sekundärtugenden wird sich mit Mitarbeitern umgeben, die seine Einstellungen teilen. Er wird somit bei der Auswahl der Mitarbeiter stets ein Augenmerk auf diese Eigenschaften haben. Ist die Führungsspitze eines Unternehmens mit fähigen Persönlichkeiten besetzt, die der Vorstand nach oben genannten Kriterien ausgesucht hat, so werden Unternehmensentscheidungen auf Basis der christlichen Grundwerte gefällt. Davon profitieren Mitarbeiter, Kunden und im Ganzen die Gesellschaft, in deren Markt sich das Unternehmen bewegt. Der Nachhaltigkeitsgedanke wird somit vom Unternehmen aktiv gelebt. Dies garantiert dem Unternehmen langfristigen Erfolg und der Gesellschaft stabile soziale Strukturen. 

Im Grundgedanken der UNITAS bedeutet dies eine Verpflichtung für Unitarier, den Netzwerkgedanken auch im Berufsleben aktiv zu leben, unser Vitamin B einzusetzen, beruflichen Nachwuchs zu fördern und gestandene Bundesbrüder im Kontakt zu stärken. Ein Beispiel für diese positive Arbeit ist das Juristennetzwerk unseres lieben Bbr. Nikolaus Jung (Genf). Der Bund katholischer Rechtsanwälte (www.bkr-netzwerk.de) repräsentiert sich als Netzwerk von Gleichgesinnten, die ihre Arbeit am christlichen Menschenbild und Wertesystem orientieren, um so positiv in Politik, Gesellschaft und Kirche zu wirken.

Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Weiter so!

Der Autor Bbr. Marc Schmidt (UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund) ist Mitarbeiter der Societät für Unternehmensplanung, begeisterter Networker und aktiv für das unitarische Netzwerk.
Kontakt:
Marc.Schmidt@SUP-Consultants.com

Aus: unitas 1/2005

 

Säkularisation: Ein gewalttätiges Friedensgeschäft
„Ein gewalttätiges Friedensgeschäft – Die Säkularisation im Ruhrgebiet“, hrsg. v. Bbr. Dr. Baldur Hermans. Bischöfliches Generalvikariat Essen, Dezernat für gesellschaftliche und weltkirchliche Aufgaben. 384 Seiten, 135 Abb., Edition Werry Verlagsgesellschaft mbH, Mülheim a.d. Ruhr (Düsseldorfer Str. 12, 45481 Mülheim/Ruhr, Tel., 0208 – 480598, mail: info@edition-werry.de), 29 Euro (ISBN 3-88867-049-7).

Unzählige Kirchen und Klöster wurden vor gut 200 Jahren in der sogenannten „Säkularisation“ von Staats wegen enteignet – ein Datum, an das im vergangenen Jahr in vielfältiger Weise, mehr oder weniger gelungen, erinnert wurde. Was damals in einer von vielen fälschlicherweise als „geschichtslos“ bezeichneten Region geschah, stellt nun die fundierte Publikation „Ein gewalttätiges Friedensgeschäft - Die Säkularisation im Ruhrgebiet“ von Bbr. Dr. Baldur Hermans dar.

Der Herausgeber, bis Ende 2004 Leiter des Dezernates für gesellschaftliche und weltkirchliche Aufgaben im Bistum Essen, hat die Anregung einer historischen Fachtagung zum Thema „Säkularisation” aufgegriffen und 19 Autoren versammelt, darunter Historiker, Theologen, Journalisten und lokalgeschichtlich Interessierte. Auf 360 Seiten präsentieren sie in 23 Aufsätzen ihre Forschungsergebnisse über die Auflösung, Enteignung und Verweltlichung von Stiften, Abteien und Ordenskommenden im gesamten späteren „Ruhrgebiet“. Das Buch schlägt einen geographischen und thematischen Bogen von der Zisterzienser-Abtei Kamp bis zur Deutschordens-Kommende in Brakel, vom Karmeliterkloster Leuchterhoff bei Marl über das Essener Damenstift bis zum Zisterzienserinnenkloster in Gevelsberg. Für manchen Leser wird es ein völlig neues Licht auf den Raum werfen, der eher und fast ausschließlich als Wiege der Schwerindustrie gilt. Dass dieses einzigartige Laboratorium neuer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer und sozialer Prozesse nicht nur mit dem Namen „Krupp“ verbunden ist, sondern auch eine „Vorgeschichte“ hat, fällt den meisten überregionalen Darstellungen meist zum Opfer. Wie etwa die Aufsätze über die Residenz der Fürstäbtissinnen in Borbeck oder die Benediktiner-Abtei in Werden zeigen, bedeutete die Säkularisation im späteren „Kohlenpott“ den Niedergang zweier reichsunmittelbarer Fürstentümer: Für das Stift Essen bedeutete es das Ende einer milden 900-jährigen Frauenherrschaft, die Werdener Abtei des Hl. Ludgerus wurde zum Zuchthaus (1817-1928) umgewandelt. Wenn auch „die Preußen insgesamt milder als die katholischen Bayern“ verfuhren, wie Hermans bei der Buchvorstellung anmerkte, ging mit der Säkularisation eine Epoche zu Ende. Nicht nur heimatlose Mönche mussten ein neues Auskommen finden, auch die Bevölkerung rund um die „frommen Wirtschaftsbetriebe“, die an manchen Orten sogar gewaltsamen Widerstand gegen die behördlichen Maßnahmen der Obrigkeit leistete, sah sich vor eine völlig neue Situation gestellt. Doch wurde der Schock der Jahre auch zum Startschuss für ein neues, ungeahntes Wachstum der Kirche. Wie am Beispiel der Essener Frauenkommunitäten gezeigt, entstanden nun auch neue Formen von Kongregationen, aus den Resten der Beginenbewegung des Mittelalters wuchsen tätige soziale „Großbetriebe“.

Der Reichsdeputationshauptschluss - ein Bruch des alten Reichsrechtes und eine ungeheure Bereicherung des Staates auf Kosten der Kirche, wie der Herausgeber anmerkt, markierte den Zusammenbruch einer jahrhundertealten Welt- und Sozialordnung. Heute erlebt die in Folge der Ereignisse von damals entstandene bürgerliche Gesellschaft eine Säkularisation anderer Art. Daran erinnert Ruhrbischof Dr. Felix Genn in seinem Geleitwort. Das Buch habe „ein Ereignis zum Gegenstand, das nicht nur die Frage provoziert, welche Folgen es gehabt hat, sondern auch, ob es immer noch Folgen hat, es also bis in unsere Gegenwart hinein andauert. Das macht die Angelegenheit spannend.” Das Buch ist in der Tat nicht nur spannend, sondern auch reich bebildert und mit zahlreichen Hintergrundinformationen bereichert. Ein umfassendes Namens-, Orts- und Stichwortverzeichnis gehört ebenso dazu, wie eine Umrechnung der damals gültigen Währungsgrößen. Dass die umfangreiche Publikation erscheinen konnte, ist auch zahlreichen Sponsoren zu verdanken, darunter die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie mehrere Banken und Sparkassen.

 

Neuauflage: Bbr. Portmanns Biographie von Kardinal von Galen 
Heinrich Portmann: Kardinal von Galen. Ein Gottesmann in seiner Zeit. 328 Seiten. Verlag Aschendorff, Münster. 12,80 Euro

„Gern gebe ich der Biographie des hochseligen Kardinals von Galen, die von seinem langjährigen Kaplan Dr. Heinrich Portmann verfasst wurde, ein Wort des Geleites mit auf den Weg. Wenn auch der große Bekennerbischof nun schon zwei Jahre nicht mehr in unserer Mitte weilt, so lebt doch sein Andenken unter uns in unverminderter Frische fort“, schrieb am 22. März 1948, dem zweiten Jahrestag des Todes des Kardinals von Galen, Bischof Michael Keller in seinem Vorwort zur 323 Seiten umfassenden Erstauflage. „Sein Name wurde zu einem Begriff über die Grenzen des Bistums hinaus, in die Welt hinein. Als der unerschrockene Kämpfer gegen die Mächte des Neuheidentums, als der glühende Verteidiger des Glaubens, der Rechte Gottes und der Menschen, als ein wahrer Gottesmann seiner Zeit wird er in der Geschichte unserer heiligen Kirche und unseres Vaterlandes weiterleben.“ Neben seiner Charakterstärke, Geradheit seines Wesens, Furchtlosigkeit und Kompromisslosigkeit seines Handelns, wenn es um die Sache Gottes ging, sei das Entscheidende und Tiefste seiner Persönlichkeit „der unerschütterliche Glaube und die zarte Gottverbundenheit“ gewesen. „Um diesen gottbegnadeten und gottgesandten Oberhirten scharte sich in Begeisterung und Liebe immer enger das gläubige Volk. Was wäre er in jenen düsteren Jahren gewesen ohne die Treue seiner Herde? Sie war für ihn der feste Rückhalt. Sie konnte das sein, weil auch sie Gott mehr liebte als die Blendwerke der Menschen. Wie schwach ist ein Bischof ohne die Treue seiner Diözesanen! Wie stark wird er, wenn sie ihm folgen auch in schweren Tagen! .... Möge dieses Buch das Andenken an meinen hochseligen Vorgänger befestigen, möge es durch sein stilles Apostolat in den Herzen der Leser die Liebe zur heiligen Kirche, zu ihren Priestern und Bischöfen vertiefen! Das ist mein inniger Wunsch.“

Bereits 1946 hatte Bbr. Portmann (Bild unten) eine erste Schrift vorlegt (Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht, Münster/Westfalen), seine umfängliche Biographie über den „Löwen von Münster“ folgte kurze Zeit später. Nach zahlreichen Neuauflagen war sie mehr als 20 Jahre lang nicht erhältlich: „leider vergriffen“, bedauerte der Buchhandel. Doch jetzt, rechtzeitig vor der für 2005 in Aussicht genommenen Seligsprechung des Kardinals Clemens August Graf von Galen liegt das von seinem bischöflichen Kaplan Heinrich Portmann geschriebene „Lebensbild“ als Taschenbuch wieder vor. „Sonderauflage“ nennt der Münsterische Verlag Aschendorff das – und kann sicher sein, dass dieser von einem Bundesbruder verfasste Klassiker innerhalb der inzwischen sehr reichhaltigen Galenschen Sekundärliteratur viele Leser finden wird. Eine lang ersehnte historisch-kritische Biographie auf der Grundlage der Löfflerschen Dokumentenbände und weiterer Quellen (Kuropka, Wolf und andere) wurde bislang noch nicht vorgelegt.

Der Charme des Portmann-Buches liegt gerade darin, dass der Autor Bischof von Galen aus unmittelbarem persönlichem Erleben heraus wahrgenommen hat und so ein profiliertes Bild zeichnen konnte. Msgr. Dr. iur. can. Heinrich Portmann, war lange Zeit und bis zuletzt als Bischöflicher Kaplan der „Schatten“ des Münsteraner Bischofs. Von Galen bat Bbr. Portmann am Abend vor seinem Tod: „Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, dann musst Du aber kommen; ich möchte dann nicht gern alleine sein.“ Die eine oder andere „hagiographische“ Würdigung, wie Rudolf Morsey es einmal nannte, nimmt man angesichts der Authentizität der Portmannschen Diktion gerne in Kauf. Schade allerdings, dass auf einen Abdruck von Bildern wie auch der drei berühmten Predigten aus dem Jahr 1941 verzichtet wurde, „da diese häufig auch andernorts veröffentlicht worden sind“, wie es heißt.

Zugleich eine Erinnerung an Bbr. Portmanns 100. Geburtstag

Die erneute Veröffentlichung seiner Galen-Biographie wirft nun auch ein neues Licht auf Portmann selbst, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Der Sohn eines Maurers, am 5. Oktober 1905 in Hamm-Bockum-Hövel geboren, besuchte das Gymnasium in Hamm, schloss sich während des Studiums in Freiburg der dortigen UNITAS. An seinem zweiten Studienort Münster stieß er zur UNITAS Ruhrania, der er zeitlebens eng verbunden blieb – später lange Zeit als ihr Ehrensenior. Zum Priester geweiht am 19. Dezember 1931, wurde er am 30. 12. 1931 zum Kaplan an Herz-Jesu Emsdetten ernannt. 

Von 1934-37 schloss sich ein Studium des Kirchenrechts in Rom an, wo er als Kaplan an der Anima tätig war. Nach Rückkehr aus Rom diente er bis zum 17. 11. 1938 als Hausgeistlicher am Deutschen Studentenwohnheim in Münster. Zum 1. 7. 1938 übernahm er das Amt des Defensor vinculi et Promotor iustitiae substitutus et subordinarius am Bischöflichen Offizialat in Münster, war vom 17. 11.1938 - 14. 4. 1949 Bischöflicher Kaplan von Bischof August Clemens von Galen und Bischof Michael Keller, ab dem 14. 4. 1949 Vizeoffizial am Diözesangericht Münster und wurde später zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Am 30. April 1961 starb er in Münster. Seine fesselnde Schilderung der Zeit und der Persönlichkeit Kardinal von Galens vermag auch nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch zu beeindrucken.
CB

 


"Cor unum et anima una“
Ruhr-UNITAS feierte 175. Geburtstag von Hermann Ludger Potthoff


ESSEN. Das 94. Stiftungsfest der UNITAS Ruhrania stand ganz im Zeichen des 175. Geburtstags unseres Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff. Mehr als 60 Gäste versammelten sich am 22. Januar 2005 auf dem neuen Ruhranen-Haus, um so ihren ganz speziellen Beitrag zum Jubiläumsjahr des Verbandes zu leisten. Ein schwungvoller, von FM Rüdiger Duckheim im „Feldschlösschen“ geschlagener Kommers sorgte für eine würdige und fröhliche Feierstunde. Ermunternde Worte richteten VOS Andreas Memmesheimer (UNITAS Rheinfranken), der Geistliche Beirat Kaplan Helmut Wiechmann und StD a.D. Martin Gewiese als Vorsitzender des ältesten UNITAS-Zirkels Essen an die Corona. Grüße überbrachten auch Vertreter des Borbecker CV-Zirkels „Kohle“, der CV-Verbindungen K.D.St.V. Nordmark (Essen) und AV Silesia (Bochum). Große Artikel in den örtlichen Zeitungen hatten den aus Werden stammenden Gründer der UNITAS bereits einem großen Publikum vorgestellt. Unter einem neu gerahmten großen Jugendbild des Verbandsstifters erinnerte die Festrede von Ehrensenior Dr. Christof Beckmann an Hermann Ludger Potthoffs Leben und Bedeutung, die wir im Folgenden in neuer Fassung wiedergeben:

Ein Herz und eine Seele

„Cor unum et anima una / Ein Herz und eine Seele“ Potthoff hieß der Wahlspruch, den Potthoff vor 145 Jahren bei der 1. Generalversammlung in Düsseldorf prägte. Unter ihm wurde damals die so genannte „klerikale UNITAS“ ins Leben gerufen. Ihr sollten die Priester angehören, die als Studenten den seit 1847 in Bonn, 1855 in Tübingen und 1859 in Münster aktiven Vereinen angehört hatten. Den sie nun ergänzenden „Priesterverein UNITAS“ der Alten Herren bezeichnete Bbr. Werner Ohlendorf in seinem 1913 erschienenen Handbuch für den Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS“ als „eine der einzigartigsten Organisationen, die die Geschichte des deutschen Katholizismus im 19. Jahrhundert aufweisen kann.“ Zweck der Vereinigung war die freundschaftliche Verbindung untereinander aber auch die Vermittlung von religiöser und wissenschaftlicher Anregung. An ihrer Spitze stand als Präses, zugleich Generalpräses der UNITAS, bis 1873 Hermann Ludger Potthoff als treibende Kraft der ganzen Vereinigung.

Dass die UNITAS an der Ruhr ihn, dessen Geburtstag sich am 21. Januar zum 175. Mal jährte, in den Mittelpunkt ihres 94. Stiftungsfestes stellt, legt schon die Nähe zu seinem Geburtsort im heutigen Essen-Werden nahe. In seinem Todesjahr 1888 aber wurde auch der erste Altherren-Zirkel des Verbandes in der Ruhrstadt gestiftet – damit ist bereits auch die Lebensspanne unseres Gründers beschrieben: Von 1830 bis 1888 – ganze 59 Jahre alt ist er geworden, war Hermann Ludger Potthoff „Herz und Seele“ der UNITAS. 

Sein Werk, aus dem der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands wuchs, entsteht in einer unruhigen und turbulenten Zeit. Umbrüche und Aufbrüche kennzeichnen das Umfeld der Gründung im 19. Jahrhundert, die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche erreichen einen weiteren Höhepunkt.

Ein Kontinent in Aufruhr

Hermann Ludger Potthoff und seine Freunde sind Zeugen einer sehr bewegten Zeit. Das 1842 begangene Kölner Dombaufest und die ein Jahr später begangene Jahrtausendfeier des Reichs sind Ausdruck eines schwärmerischen und turbulenten Aufbruchs, einer Zeit, in der allenthalben patriotische und nationale Bewegungen Auftrieb erlangen. In ihr gerät der ganze Kontinent in Aufruhr, ausgelöst durch die französische Juli-Revolution in Mittel- und Südeuropa und allen Staaten Europas - mit Ausnahme Englands und Russlands. Die Ereignisse überschlagen sich: Aufstände überall, die gewaltsame Vereinigung Italiens führt zur Besetzung des Kirchenstaats und Inhaftierung von Papst Pius IX., radikale Unruhen in den deutschen Ländern - besonders im Südwesten, in Wien und Berlin - brechen sich Bahn. Verwegen gewandete aktive und ehemalige Studentenführer rufen die Republik aus, Freischaren proklamieren die bewaffnete Revolution. Im Streit zwischen großdeutschen und kleindeutschen Parteiungen gibt es Demonstrationen für Vereins- und Pressefreiheit, auch für Religions- und Glaubensfreiheit. Die verfassungsgebende Nationalversammlung konstituiert sich in der Frankfurter Paulskirche, wird bald durch Militär gesprengt. Ein Land im Ausnahmezustand: Standgerichte, Massenerschießungen und -auswanderung, Fürstenunion und Reaktion. Widerstand, besonders im katholischen Volksteil Preußens gegen Kulturpolitik, bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen. 

Kurz: Im manifesten Zusammenbruch der Alten Welt – zwischen Revolte und Beharrung - entsteht die bürgerliche Gesellschaft. Dramatische Schritte vollziehen sich, es entfaltet sich ein rasantes Potenzial in den Wissenschaften, der Wirtschaft und an Ideologien. All dies kulminiert für unseren preußisch dominierten Raum in diesen entscheidenden Jahren zwischen 1848 bis 1859, dem Jahr, in dem die Zentrumspartei gegründet wird. In diesen Umbruchszeiten liegt die Wurzel eines Verbandes – unseres Verbandes, in einer zersplitternden Welt.

1847 hat sich im Gasthof „Engel“ die „Ruhrania“, ein Verein katholischer Studenten in Bonn gegründet, einer von fünf, die sich dort zur so genannten „Union“ zusammenschließen. Eine Protestaktion vor allem gegen antikatholisches Vorgehen Preußens in den neu gebildeten Provinzen Rheinland und Westfalen. Dieser Union ist trotz heißer Schwüre beim gemeinsamen Fest auf der Klosterruine Heisterbach keine lange Existenz beschieden - die Ruhrania überlebt, weil sie sich ab Sommersemester 1850 total reformiert: Sie verzichtet auf Couleur - (die Farben der Ruhrania waren orange-weiß-rot) - äußerliches Zeichen einer gänzlichen Neuorientierung. Und sie richtet das Vereinsleben bewusst auf die Bildung des katholischen Glaubens unter den Prinzipien „virtus, scientia und amicitia“ aus. Im SS 1852 unter Leonhard Brandt, später Missionar in den USA, wählt die Ruhrania den hl. Thomas von Aquin und den hl. Aloisius zu ihren Patronen. Die Mitglieder verpflichteten sich, an den Festtagen dieser Heiligen zur gemeinsamen Eucharistiefeier, zur anschließenden Agape und einer Festsitzung, für die sich der Name Morgensitzung einbürgert. Später, 1854 – nach der Verkündung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis - kommt als weitere Patronin die Immaculata und damit ihr Fest als drittes Vereinsfest dazu.

Ein Bautechniker wird Priester

Die wichtigen Weichen der späteren UNITAS sind damit bereits gestellt, als der junge Bautechniker Hermann Ludger Potthoff im Wintersemester 1852/53 in die Ruhrania eintritt. Und doch bezeichnen wir ihn mit Recht als ihren Gründer. Hermann Ludger Potthoff ist schon gut zwei Jahre vorher in der damals noch ziemlich kleinen und jungen Universitätsstadt Bonn mit der Ruhrania zusammengetroffen. Viele ihrer Mitglieder sind von der Ruhr zum Studium an den Rhein gegangen. Ihre Geburtsorte gehören heute zur Stadt Essen, wie Werden, Heisingen, Heidhausen, Borbeck und Schönebeck. Sein ältester Bruder Wilhelm war 1847 einer ihrer Gründer, studierte dort zunächst Medizin, dann wie sein zweiter Bruder August ab 1850 Theologie. 

Ihr Vater ist Bauunternehmer in Werden - Sohn Hermann Ludger soll das Unternehmen erben und fortführen. Ab 1840 auf der Rektoratsschule in Werden, besucht er die Bau- und Gewerbeschule in Hagen. In den Ferien arbeitet er auf den Baustellen seines Vaters. Auf dem frühesten Bild bis zu seinem Altersbildnis ist er alles andere als ein durchgeistigter, schmaler Gelehrter: Ein durchaus tatkräftiger, ja humorvoller, im Leben stehender Mensch, mittelgroß, mit kräftiger Statur und offenem, optimistischem Blick macht sich Ende 1849 von der Ruhr auf an den Rheinstrom unter dem Siebengebirge, um seine Brüder zu besuchen. Er lernt dort im Freundeskreis der Ruhrania eine ganz andere Welt kennen. Und beschließt: Ich will auch Priester werden und Theologie studieren. 

Dazu muss er erst das Abitur nachholen. Ostern 1850 zieht er nach Bonn. Sein Landsmann Wilhelm Pingsmann aus Werden, ebenfaIIs Ruhrane und später Domkapitular und Offizial der Erzdiözese Köln, bereitet ihn auf das Abitur vor. Schon 1852 hat Potthoff es bestanden, beginnt sofort das Studium und kann nun - nach seiner Immatrikulation - vollberechtigtes Mitglied der Ruhrania werden. Bereits zum Sommersemester 1853 wird er zum Präses gewählt und bleibt dies mehrere Semester.

Zug um Zug setzt er nun den Umbau des landsmannschaftlichen Vereins ins Werk. Deutlich wird dies am Beispiel des Prinzips scientia – in einer Zeit, in der Seminare heutiger Zeit noch nicht existieren. Prinzip und Praxis nehmen damit viele Entwicklungen an der Universität bereits vorweg. Nach heißen Debatten beschließt der Convent damals unter seiner Leitung:
1. Jeder (wöchentliche) Vortrag muss frei gehalten werden. Nur die Dispositionen (Stichpunkte) dürfen während des Vortrags eingesehen werden.
2. Jedes Mitglied soll wenigstens einmal im Semester eine schriftliche Arbeit einreichen. Zu ihr haben die anderen Mitglieder eine schriftliche Kritik einzureichen.
3. Es wird den einzelnen Mitgliedern dringend ans Herz gelegt, durch das Studium des vorkommenden Themas und Vorbringungen von Einwendungen die Disputation zu beleben.

Dies sind dies mehr als die Grundzüge eines unverbindlichen Rhetorikseminars: Denn was nutzt es, viel zu wissen, wenn man es nicht mündlich und schriftlich an den Mann bringen kann? Was nutzt es etwas zu vertreten, wenn man es nicht begründen und verteidigen kann? Was nutzt es, viel zu hören, wenn man sich keine eigenen Gedanken dazu machen und Kritik anbringen kann? Was nutzt an einem selbst geübte Kritik, wenn man sie nicht ertragen und danach zu handeln lernt? Und nicht zuletzt: Was nutzt es zu kritisieren, wenn man selbst nichts von der Sache versteht? Zweifellos: Ein pädagogisch wertvolles Programm - hier ist das wöchentliche Training für jedes Mitglied ein echter Nutzen – in einem Verein, der sich das Attribut „wissenschaftlich“ wählt.

Das zweite - und nicht weniger wichtig - war das Abrücken vom althergebrachten Prinzip der Landsmannschaft. Am 2. Februar 1854 wird der Name „UNITAS“ einstimmig angenommen. Ein programmatischer Name, der das „Katholisch“ unterstreicht. Seine Bedeutung: „Einheit im Glauben, Einheit in der Wissenschaft und Einheit in der Freundschaft“, so der ausführlichere Vermerk im Protokoll. Und auf die erste Seite des Protokollbuches schreibt Potthoff: „In necessariis UNITAS, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ – seit 1854 ist dies seither ununterbrochen der Wahlspruch der UNITAS geblieben.

Ein Lebensbund entsteht

Genau ein Monat später, am 3. März 1854, bekräftigen alle Unitarier mit ihrer Unterschrift die neuen Statuten. Sie drücken das aus, was Hermann Ludger Potthoff sich schon zu dieser Zeit unter UNITAS vorstellte – es ist das alles umschließende Band der Einheit: In allen grundsätzlichen Fragen, in allen Lebenslagen, beruflichen und persönlichen Herausforderungen. Ein hehres Ziel, aber auch hier ganz praktisch: Denn die Statuten bestimmen u.a. außerdem: Die UNITAS ist nicht nur ein Freundeskreis für die Studentenzeit, sondern für das ganze Leben. Ein wirklicher Lebensbund entsteht – und das zieht sich mit all den vielfältigen persönlichen Kontakten und Freundschaften durch die gesamte unitarische Geschichte – ja sogar durch große und entscheidende Teile unserer deutschen Geschichte.

Für diese Generationen übergreifende amicitia setzt sich später keiner so engagiert ein wie Potthoff selbst. Er beendet 1855 sein Studium, zieht ins Priesterseminar nach Köln, empfängt im August 1856 die Priesterweihe und feiert in Hardenberg/Neviges seine Primiz. Sieben Jahre ist er Kaplan in Kapellen-Gilverath, wird 1863 vom Kölner Kardinal von Geissel in die Diasporaarbeit nach Dresden „ausgeliehen“ – der Apostolische Vikar für Sachsen – das Herrscherhaus ist katholisch - hat seelsorgerische Hilfe in der sächsischen Landeshauptstadt angefordert. Potthoff wird Stiftskaplan in der Hofkirche, leitet ein Waisenhaus, ist Hofprediger und bleibt als königlicher sächsischer Konsitorialrat für 23 Jahre dort.

Auch in dieser Zeit bleibt er in engem Kontakt mit den Bundesbrüdern im Westen. Es ist inzwischen die Zeit der Reichsgründung, dem Deutsch-Französischen Krieg folgt ein Preuße auf dem deutschen Kaiserthron, als der inzwischen 41-jährige Potthoff in einer weiteren Weise für den inneren Zusammenhalt tätig wird: Auf seinen Antrag beschließt die GV 1871 in Bonn-Poppelsdorf unter anderem die Herausgabe eines „Vereinsorgans für die Mitglieder der „clerikalen und akademischen UNITAS“. Poffhoff wird die Schriftleitung übertragen. Die erste Nummer der Zeitschrift kommt zum 1. Januar 1872 - als Treuebekenntnis zu Papst Pius IX. unter dem Namen ROMA. Vielen klingt er zu anspruchsvoll - Potthoff nimmt die Kritik auf und nennt die Zeitschrift ab 1873 „Correspondenz der UNITAS“. Ein Jahr später heißt es „Correspondenz-Blatt der UNITAS“ – Potthoff wird jetzt „Urpräses“ der UNITAS genannt. 

Übrigens – und darum unterstreiche ich dies auch hier besonders gerne: Seit 1898 wird die Zeitung unter der Leitung von Prälat Joseph Prill in Essen redigiert, bekommt ein ganz neues Gesicht. Und sie erhält hier ab 1900 den Namen „UNITAS“. Eben jener Joseph Prill, damals Religionslehrer am Burggymnasium, hatte im Todesjahr von Hermann Ludger Potthoff 1888 in dessen Geburtsort Werden den ersten Altherrenzirkel der UNITAS gegründet. Dass die „UNITAS“ heute im 144. Jahr - und ja auch wieder in Essen - erscheint, liegt daran, dass sie sich bereits auf die Festbriefe der UNITAS bezieht, die seit 1860 anlässlich der unitarischen Vereinsfeste zwischen den Coeten der UNITAS ausgetauscht wurden.

Abkehr vom reinen Theologen-Verband 

Nun wären dies bereits einige wichtige Aspekte, die seine Bedeutung herausstellen. Doch Potthoffs Engagement sind nicht nur die kurz beleuchteten Grundsätze, die innere Ausgestaltung und die Grundlagen der Kommunikation im Verband zu verdanken. Denn er ist ebenfalls wesentlich dafür verantwortlich, dass die UNITAS überhaupt ihre heutige Gestalt annimmt. Wie oft erwähnt, handelt es sich bei der jungen UNITAS durchaus und keineswegs um einen reinen Theologenverband: Sehr früh hatten die Statuten von 1853/ 54 festgelegt, dass auch Studenten anderer Fakultäten in den Verein aufgenommen werden konnten, jedoch nur nach einstimmigen Beschluss der Mitglieder. Ein Zusatz, der 20 Jahre später, 1873 gestrichen wurde. Denn die Integration der Nichttheologen hatte offenbar völlig problemlos geklappt. Nun wird es 14 Jahre später auch ganz offiziell und verbandsweit beschlossen. Denn 1886 ist Potthoffs Bundesbruder und Mitgründer der UNITAS, Friedrich Ludger Kleinheidt aus Essen-Heisingen Generalvikar der Erzdiözese Köln geworden. Hermann Ludger wird nach 23 Jahren aus der Diaspora in seine Heimatdiözese Köln zurückgeholt - als Oberpfarrer in Burtscheid, heute gehört es zu Stadt und Diözese Aachen. 

Ein Jahr später findet die außerordentliche GV 1887 in Neuß statt: die UNITAS steht Studenten aller Fakultäten offen. Und die Coeten, die Einzelvereine der UNITAS, nennen sich nun „wissenschaftliche katholische Studentenvereine UNITAS“. Dies setzt Gründer Potthoff – gegen den Widerstand von Franz Hitze - mit dem jungen Studenten Peter Kreutzer durch. Dem späteren Pfarrer in St. Johann in Altenessen und ersten Stadtdechanten von Essen, steht später in dem jungen „Roten Ruhrkaplan“ Bbr. Carl Klinkhammer der erste Priester zur Seite, der von den Nazis verhaftet werden wird.

Mit der Öffnung der UNITAS für Studenten aller Fakultäten hat Potthoff seiner UNITAS einen letzten großen Dienst erwiesen. Doch keiner ahnt, dass sein Leben seinen Lauf vollendet hat: Ein Jahr später, am 8. Oktober 1888, stirbt er im 59. Lebensjahr. Sein frisches Grab auf dem Burtscheider-Friedhof macht die UNITAS zu einem Denkmal. Ort vieler Fackelzüge und Festveranstaltungen in den über 100 Jahren, die seitdem vergangen sind, wird auch sein Geburtshaus in Essen-Werden, wo in der Hufergasse 15 heute noch eine Gedenktafel an den Gründer der UNITAS erinnert, der ihr die Grundlagen und wesentlichen Strukturen gab.

Das unitarische Testament

Zwar ist Vieles über und von Hermann Ludger Potthoff noch erhalten, auch manche seiner Predigten oder seiner Dispositionen zu Predigten. Ein Buch könnte man über ihn schreiben. Doch wenn auch nur sein „unitarisches Testament“ bekannt geblieben wäre – bereits dies wäre allein schon ein einzigartiger Grund, in ihm eines der größten Unitarier zu gedenken. Dieses „unitarische Testament“, von ihm bereits 1854/55 als Erläuterung der Statuten 1854/55 verfasst, wurde viele Jahrzehnte lang es in der älteren UNITAS jeweils zu Beginn eines jeden Semesters vorgelesen. Es ist ein Dokument eines aufmerksamen und scharfen Beobachters, eines abgeklärten Menschenkenners und eines sehr praktisch veranlagten Seelsorgers, der ganz und gar in der Kirche zu Hause ist. 

Was würde er sagen, wenn er heute die Einladung zur 150. Generalversammlung am Gründungsort Bonn lesen würde? Wo ganz offenbar wird, dass seine Ideen, sein Lebenswerk, bis heute bestehen – in einer der ältesten im 19. Jahrhundert entstandenen katholischen Vereinigungen überhaupt? Was würde er sagen, wenn er uns heute sähe, das Handy griffbereit zur Hand, mit ISDN und Flatrate ausgestattet? Uns, die Zeugen einer Zeit, in der die ganze globalisierte Welt auf dem Bildschirm zu erreichen ist, in der sich wieder entscheidende Umbrüche auf unserem Kontinent und überall abzeichnen? Was würde er sagen, wenn er unseren Vereinsalltag erlebte: das Gelingende, die äußeren Umstände, unsere Zweifel und Anfechtungen. Zumal wenn uns an der Ruhr sein Blick streifte, wo wir etwas Neues beginnen – in Zeiten, die der Kirche, seiner und unserer Heimat, ganz offensichtlich eine radikale Neubesinnung abverlangen?

Kein Mythos, sondern Lebenspraxis

Das Werk des sehr handfesten, nüchternen Bautechnikers, Jugendführers und Pädagogen, der viele begeistern konnte, der gefragte Kanzelredner und Zeitgenosse entscheidender Ereignisse unserer Geschichte brachte unzählige Menschen nach seinem Vorbild in einer einzigartigen Korporationsform zusammen. Doch um Hermann Ludger Potthoff wurden keine Legenden und Geschichten wie manchen anderen Gründerfiguren gedichtet. Aus der Literatur wissen wir schlicht: Er war geachtet, beliebt, wurde sehr respektiert. Wohl, weil er darin selbst ein Vorbild war: Er achtete die Meinung des anderen, er glättete die Wogen mancher interner Auseinandersetzung, respektierte seine Freunde, verhalf jedem zu seinem Recht und blieb doch konsequent. Er selbst hat bis zu seinem Tod so für die UNITAS gelebt, wie er es in seinem frühen Testament gefordert hat: nie herrschsüchtig, selbstlos, hilfsbereit und vor allem tief fromm.

Wir leben seinen Traum

Hermann Ludger Potthoff - ein ganz und gar lebenspraktischer Mensch, hatte – so ließe sich sagen - einen Traum. Es war ein Traum, der Wirklichkeit wurde. Und den – so ließe sich ebenfalls sagen - auch wir leben. Wenn wir heute seiner gedenken, dann erinnern wir uns daran, was es bedeutet, wenn er in seinem unitarischen Testament von „Einheit, aber nicht Einerleiheit“ spricht, was „Lust zum Studium“, „stets offene Augen für das praktische Leben“ und „entschiedenes Handeln“ bedeuten. Und „Liebe zu Gott, Demut des Herzens, Freundschaft im Herrn“, wie er es ausdrückte.

Vor gut 140 Jahren, damals 34 und Oberhofprediger in Dresden, schrieb er: „Wer durch die UNITAS mein Freund geworden, für den war ich es ganz, so gut ich es konnte. Ich fragte nicht nach seinem Namen, seiner Landsmannschaft, nicht nach seinen Talenten allein. Je mehr er mir ein Unitarier schien, je mehr war er mir Freund. Das war mir Bedürfnis, das war mir heilige Pflicht. Man hat es zu öfteren gesagt, und selbst edle Naturen sprechen es heute wohl nach, das akademische Vereinsleben seien jugendliche, oft gut gemeinte, aber immerhin Träume, die in der Wirklichkeit des Lebens wieder in ihr Nichts sich auflösen würden. Ich habe diese Reden, sofern sie auch UNITAS betrafen, niemals verstanden, verstehe sie auch heute nicht und werde sie niemals verstehen. Was mir die UNITAS war, das war kein Traum, denn es war katholisches Leben, Fühlen und Handeln.“

„Cor unum et anima una“ – wir kehren an den Anfang zurück. „Ein Herz – ein Geist und eine Seele“ – in der tieferen, der tiefsten Bedeutung des Wortes. Es ist eine wahrhaft unitarische Redewendung – sie hat bei uns Geschichte. Und sie muss mit einem Wirklichkeit gewordenen Traum zu tun haben. Wohl kaum hätte die UNITAS 2005 Gelegenheit, ihr 150-jähriges Bestehen zu feiern. Und wenn es sie nicht gäbe, müsste sie - um es mit einem Wort von Bundesbruder Dr. Ludwig Freibüter zu sagen - gerade jetzt neu erfunden werden.

Und auch daran sei zum Schluss erinnert: Daran, dass die UNITAS 1988 im Essener Saalbau – aus Anlass des 100. Todestages von Hermann Ludger Potthoff und des 100. des Essener Zirkels – erstmals die Vorortsübergabe im Rahmen eines Kommerses feierte. Das aus Alten Herren bestehende Präsidium erklärte damals, dass der Verband in Potthoffs Heimat einen neuen Anlauf nehmen werde. Es ist getan. Unter dem Namen des Vereins, dem er seinen Stempel aufdrückte. Der RUHRANIA. Stolz, froh und dankbar setzen wir es in seinem Namen – hier in diesem Haus - fort. Gott sei Dank! Unserer lieben UNITAS Ruhrania ein herzliches „Vivat, floreat, crescat!“, und dem ganzen Verband – „ad multos annos!“

Die Zukunft: Virtuell und real

Das Geburtstags-Fest für Hermann Ludger Potthoff im Revier endete mit einem zünftigen Ausklang und dem Hochamt am Sonntag in der Pfarrkirche St. Dionysius. Aktivitas und Alte Herren nutzten die Gelegenheit, dem scheidenden Pfarrer Otmar Vieth zu seiner Ernennung zum Dompropst zu gratulieren, bevor sich die Runde zu einem Frühschoppen wieder auf dem Haus versammelte. In der vorlesungsfreien Zeit und im Sommersemester steht nun dessen Renovierung an. Hausbauverein und CC hatten am Samstagnachmittag über den Stand der Planungen und die Kostenkalkulation beraten. Einen ersten virtuellen Eindruck vom Kneip- und Vortragssaal gibt es schon: Architekt Bbr. Otfried Jäger (Wesel) hat die unter den beiden Türmen geplante Halle mit offener Dachkonstruktion bereits als 3-D-Animation vorbereitet. Es wäre zu schön, wenn aus der beeindruckenden virtuellen Ansicht im Video bald eine reale werden könnte.

Dem in Essen gehaltenen Vortrag lag neben der Verbandsgeschichte von Peter Hasenberg und früheren Artikeln in der Verbandszeitschrift auch die einschlägige Literatur aus den UNITAS-Handbüchern zugrunde. Wichtige Informationen und einige der verwandten Bilder versammelt die Festschrift zum 150. Stiftungsfest von Unitas-Salia von 1997.

Aus: unitas 1/2005

 

Unitarisches Geleit für Liudger 
Auftakt für die 1200-Jahr-Feiern des Bistums Münster

ESSEN. In der Basilika in Essen-Werden hat der Erzbischof von Köln, Bbr. Kardinal Joachim Meisner am Sonntag, 6. März den Friesen- und Sachsenmissionar Liudger als „universale, europäische Gestalt” gewürdigt. Acht Bischöfe und zwei Äbte aus dem In- und Ausland gedachten in der Heimatstadt unseres Verbandsgründers Hermann Ludger Potthoff seines Namenspatrons, der vor 1200 Jahren zum ersten Bischof von Münster geweiht wurde. Als einzige Fahnenabordnung zog das gemeinsame Chargenteam von Vorort UNITAS Rheinfranken Düsseldorf und UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund der beeindruckenden und farbenfrohen Prozession voraus – natürlich auch mit der Fahne der ehemaligen Essener Vereins UNITAS St. Liudger.

Der heilige Liudger, Apostel der Friesen und Sachsen, erster Bischof und Patron des Bistums Münster, Gründer der Benediktinerabtei Werden und zweiter Patron des Bistums Essen, gehört zu den großen Heiligen Europas. Er entstammt einer adeligen friesischen Familie und wurde um 742 in der Nähe der heutigen Stadt Utrecht (Niederlande) geboren. 777 erhielt er in Köln die Priesterweihe durch Bischof Ricolf, 787 ernannte Karl der Große ihn zum Missionsleiter für die fünf ostfriesischen Gaue. Der Kölner Erzbischof Hildebold weihte Liudger am 30. März 805 zum ersten Bischof des Missionsgebietes in Westfalen, wo dieser in der heutigen Stadt Münster seine Missionszentrale einrichtete. 799 gründete Liudger in Werden an der Ruhr ein Kloster nach der Regel des heiligen Benedikt. Er starb am 26. März 809 während einer Missionsreise in Billerbeck und wurde seinem Wunsch entsprechend in Werden beigesetzt.

Das Ereignis in der Ruhrstadt unterstrich die besondere Rolle, die der heilige Liudger für das Ruhrbistum, nicht zuletzt aber für Münster hat. „Für ungezählte Menschen wurde Liudger zum Vater des Glaubens, weil er sich in seiner Zeit vorbehaltlos dem Auftrag des Herrn stellte”, erklärte der Apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender, in seinem Grußwort. Das Pontifikalamt feierten neben Kardinal Meisner und Nutius Ender in Konzelebration der Essener Bischof Dr. Felix Genn, der Erzbischof von Luxemburg, Dr. Fernand Franck, die Bischöfe von Osnabrück, Dr. Franz Josef Bode, von Aachen, Dr. Heinrich Mussinghoff, Bbr. Dr. Reinhard Marx von Trier sowie der Münsteraner Weihbischof Heinrich Timmerevers.

Jubiläum in Münster gestartet

Am 30. März reiste der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Liudger nach Münster, wo sie in einer Prozession durch die Stadt in den Dom getragen wurden, gefolgt von Messen, Andachten, Gebetsstunden bis zum offiziellen Start des Münsteraner Bistumsjubiläums am 3. April. Es steht unter dem Motto „Eine Liebesgeschichte - 1200 Jahre Bistum Münster". Von Wangerooge bis Wadersloh, von Werne bis Wachtendonk, vom Niederrhein bis zur Nordsee wird es mit über 300 diözesanen und regionalen Veranstaltungen gefeiert, wie das in einer Auflage von 50.000 Exemplaren gedruckte Jahresprogramm auf 235 Seiten ausweist. Zu den Höhepunkten der Feiern zählt der vom 1. bis 3. Juli stattfindende Bistumstag in Münster, zu dem mehrere zehntausend Besucher erwartet werden. „An diesem Wochenende laden wir alle Interessierten zu gemeinsamen Gebet und Gotteslob, zu Information und Diskussion herzlich ein. Für unser Bistum hoffen wir auf eine große Feier in guter Gemeinschaft, die lange in Erinnerung bleibt und neue Impulse für das Leben im Bistum Münster mit sich bringt“, so Bischof Dr. Reinhard Lettmann, der am 2. April sein 25-jähriges Amtsjubiläum feiern konnte. Begegnung und Diskussion, Musik und Tanz - ein vielfältiges Programm lädt dazu ein, an diesem Wochenende nach Münster aufzubrechen und mitzufeiern. 
Kulturelle Höhepunkte in Münster setzen mit zahlreichen Exponaten aus aller Welt drei sehr sehenswerte Ausstellungen im Stadtmuseum, im Landesmuseum und in der Domkammer des St.-Paulus-Doms. „Liudger wird Bischof” ist die größte Sonderausstellung in der Geschichte des Stadtmuseums an der Münsteraner Salzstraße. Zu den zahlreichen neuen Publikationen, Events, Wallfahrten, Konzerten und Musicals gibt es zahlreiche weitere Informationen im Internet: www.liudger-wird-bischof.de, www.bistumsjubilaeum2005.de. 


Bild oben: Am Schrein des Heiligen Liudger versammelt (v.l.): Bischof Genn (Essen), Bischof Mussinghoff (Aachen), Bbr. Bischof Marx (Trier) und Weihbischof Timmerevers (Vechta) Foto: M. Engelbrecht.
Bild unten: Für die Ruhr-Aktiven (hier einige Teilnehmer am Jubiläum in Essen im Bild) waren die Feiern in Werden zur Bischofsweihe des Hl. Liudger vor 1200 Jahren ein großes Erlebnis. Für den Fotographen stellten sie sich nach einem Besuch des Geburtshauses von Bbr. Hermann Ludger Potthoff in der Hufergasse vor den Redaktionsräumen der Werdener Nachrichten in Positur. Foto: C. Beckmann

Aus: unitas 1/2005

Lübecker Märtyrer - Erster Schritt zur Seligsprechung zweier Bundesbrüder. Der Abschiedsbrief von Kaplan Johannes Prassek

HAMBURG. Wie berichtet, hat in Hamburg offiziell das Seligsprechungsverfahren für die „Lübecker Märtyrer“, die Kapläne Hermann Lange, Bbr. Eduard Müller und Bbr. Johannes Prassek (UNITAS Ruhrania, Bild oben) begonnen, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Mit ihnen gemeinsam starb der evangelische Pastor Karl-Friedrich Stellbrink. Wie der Hamburger Erzbischof Werner Thissen erklärte, soll er nach Abschluss des Verfahrens immer mit erwähnt und gewürdigt werden. Wann das Seligsprechungsverfahren abgeschlossen wird, ist noch unklar. Zunächst steht das Jahr 2005 im Zeichen der Sichtung der Akten und Befragung noch lebender Zeitzeugen. Dann geht das Verfahren an den Vatikan. 

Erzbischof Werner Thissen zeigte sich überrascht, wie bekannt die vier Märtyrer auch außerhalb Norddeutschlands seien: „Das war ganz interessant, als ich das in der Bischofskonferenz in Fulda zum ersten Mal nannte: Da erzählten sofort Mitbrüder im Bischofsamt, was sie wussten von den Lübecker Märtyrern. Am bekanntesten, scheint mir, ist das Gebet von Kaplan Müller: Herr, hier sind meine Hände - leg darauf, was du willst.“ 
Mittlerweile tauchten im November 2004 auch die Jahrzehntelang als verschollen oder vernichtet geglaubten Abschiedsbriefe von Prassek, Lange und Stellbrink auf. Der Lübecker Historiker Prof. Dr. Peter Voswinckel entdeckte eine ganze Reihe verschollener Märtyrer-Dokumente im Berliner Bundesarchiv, die nach dem Krieg in Archiven der DDR gelandet waren. Die gefundenen Texte lassen den Weg der Briefe jetzt nachzeichnen. Der Volksgerichtshof hatte die Auslieferung verboten. Grund waren die Bekenntnisse der Zuversicht, ja der Freude der Geistlichen vor ihrem Tod. „Mit diesen Bemerkungen haben die Verurteilten offenbar zum Ausdruck bringen wollen, dass sie sich bei Begehung ihrer Straftaten für eine gute Sache eingesetzt und ihr Leben als Märtyrer eingesetzt hätten“ - so der Volksgerichtshof. 

Der Abschiedsbrief von Bbr. Kaplan Johannes Prassek an seine Familie: 

Hamburg, dem 10. XI. 1943 
„Ihr Lieben! 

Heute Abend ist es nun so weit, daß ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es Euch nicht sagen, wie sehr. Gott ist so gut, daß er mich noch einige schöne Jahre als Priester hat arbeiten lassen. Und dieses Ende, so mit vollem Bewußtsein und in ruhiger Vorbereitung darauf sterben dürfen, ist das Schönste von allem. Worum ich Euch um alles in der Welt bitte, ist dieses: Seid nicht traurig! Was mich erwartet, ist Freude und Glück, gegen das alles Glück hier auf der Erde nichts gilt. Darum dürft auch Ihr Euch freuen. Für Euch ist mein Tod kein Verlust, ich hätte in meinem Amte als Priester Euch doch kaum mehr dienen können. Was ich für Euch habe tun können, daß ich täglich für Euch gebetet habe, werde ich jetzt noch viel mehr tun können. Was meine große Sorge um Euch ist, die gleiche, die ich auch für Paul habe, wißt Ihr. Aus dieser Sorge heraus müßt Ihr das auch verstehen, was ich Euch manchmal geschrieben habe. 
Darf ich Euch bitten, mir zu verzeihen, wenn ich Euch bisweilen weh dabei getan habe? Es war nicht böse gemeint. Und Dank für alle Sorge und Mühe, die Ihr in meinem Leben Euch um mich gemacht habt. Vom Himmel aus will ich versuchen, Euch alles wieder gut zu machen. Wie es wohl sein wird? Lebt wohl. Ich grüße Euch noch einmal in herzlicher Liebe und Dankbarkeit. 
Euer Hans 

Grüßt alle Bekanten noch einmal: Pastor Alves, die Schwestern in Rahlstedt, Webers, Gerdines, Cordes, Heiwings, meinen Pastor in Lübeck, die Schwestern dort, grüßt mir vor allem den Bischof und dankt ihm in meinem Namen für alles, besonders dafür, daß er mich zum Priester geweiht hat. Größeres und Schöneres habe ich auf der Erde nicht erfahren, und nun kommt die größte Freude, Gott, die ewige Liebe. 
Ich segne Euch ein letztes Mal. Über meine Sachen habe ich im Testament bestimmt. Laßt es dabei bleiben.“

Das Gebet von (Bbr.) Eduard Müller lautet:
Herr, hier sind meine Hände.
Lege darauf, was du willst.
Nimm hinweg, was du willst.
Führe mich, wohin du willst.
In allem geschehe dein Wille.


Aus: unitas 1/2005


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