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9. Februar 2006:
Alltagstaugliches Philosophieren bei
Wissenschaftlicher Sitzung:
Die Wahrheit und ihre
Dimensionen
Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit?
Philosophische Grundfragen, die jede Kultur der
Menschheitsgeschichte beschäftigen, standen im Mittelpunkt der WS im
"Feldschlösschen" am Donnerstag, 9. Februar 2006. Mögen sich solche
Fragen für den Praktiker und Tatmensch zunächst als eher abgehobene
und abstrakte, „akademische“ Probleme darstellen, verwandelten sie
sich im Vortrag von Referent Winfried Knobloch und anschließender
Debatte in sehr alltagsbezogene Themen.
Ganz nach logischen Kriterien und Methoden
zerlegte der Diplom-Mathematiker die Dimensionen des
Wahrheitsbegriffs, ohne etwa „letzte“ oder „ewige“ Wahrheiten gleich
an den Anfang zu stellen: Wahrheit sei immer ein zuerst sehr nach
individuellen Aspekten, aus unterschiedlichen Gesichtspunkten und
Blickwinkeln wahrgenommener Ausschnitt der Wirklichkeit, eine in
kommunikativen Prozessen gewonnene, von sprachlichen und anderen
Konventionen, vielfältigen Bedingungen und Denken bestimmte, immer
nur ausschnitthafte Wahr-Nehmung und An-Erkenntnis von
Plausibilität, die bestimmte Sachverhalte für „wahr“ halten lässt.
Mehrdimensionale Wahrheiten
Doch bei mehr oder weniger einfachen Definitionen beließ
es der Referent nicht. Die Problematisierung und die Diskussion der
alltagspraktischen Seite des Themas zeigte: Das Nachdenken großer
Denker und Philosophen galt und gilt „fürwahr und in Wirklichkeit"
keiner einfachen Materie: Was die „Wirklichkeiten“ und „Wahrheiten“
in unterschiedlichen Kulturen und einer von Politik und Medien
bestimmten Welt betrifft, ermunterte der Vortrag, noch stärker
hinter für „wahr“ oder „unwahr“ gehaltene Sachverhalte zu schauen,
die Wahrheiten in vielen unterschiedlichen Positionen zu erkennen.
Es gelte, insbesondere die Techniken, Bedingungen und Auswirkungen
medialer Vermittlung von Wirklichkeit, die Macht der Sprache und der
Bilder einzuordnen. Eine muntere Debatte entspann sich mit Blick auf die „Wahrheit
der Wissenschaften“, auf die von vielfältigen Welt-Anschauungen und
ideologischen Konzepten geschaffene Realitäten, auf die Wirkung von
Literatur – vom Märchen bis zu Science Fiction, über die Deutung der
Geschichte, aber auch über die Vermittlung von „unbequemen
Wahrheiten“ in unterschiedlichen praktischen Politikfeldern – von
der Gesundheitspolitik bis zum Renteneintrittsalter und aktuellen
internationalen Krisensituationen. Nicht zuletzt galt die Diskussion
dem ganz besonderen Beitrag der Religionen mit ihren Vorschriften,
Geboten, liturgischen, kultischen und kulturellen Ausprägungen,
ihrer Perspektive auf eine „immer andere“ Wirklichkeit, für die
Erkenntnis der Welt.
Die Wahrheit
ist immer größer
Die Wahrheit, so der Referent, sei schon angesichts der
vielen Möglichkeiten der Zugänge zuletzt immer „größer“ als Theorien
und partielle „Wahr-Nehmungen“ ihrer selbst. Doch verschaffe die
Auseinandersetzung mit dem Thema dem denkenden Menschen, „die Fülle
der Wahrheit und Wirklichkeit des Seins und unserer Existenz
aufzufächern.“ Hierin liege auch eine Ausdeutung des biblischen
Gleichnisses von den Talenten, meinte Winfried Knobloch. Es sei nach
christlichem Verständnis vom Menschen Impuls, Antrieb und Aufgabe,
gegebene Fähigkeiten und erworbenen Erkenntnisse nach besten
Möglichkeiten zu vermehren und einzusetzen.
Die Wissenschaftliche Sitzung unterstrich mit ihrer
Themensetzung die Grundausrichtung des laufenden Semesterprogramms.
„Die Beschäftigung mit diesen grundsätzlichen Fragestellungen bleibt
Lebensaufgabe, nicht alle Fragen lassen sich an einem Abend klären,
alle Aspekte nennen und vertiefen“, erklärte Senior Sebastian Sasse.
Gerade aber die Plattform eines Lebenskreises, der wie die UNITAS
auch mehrere Generationen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen
übergreife, sei durchaus für die Annäherung einer erfüllten Existenz
wie geschaffen: „Jeder Tag ist für dieses Thema wie gemacht. Und es
bleibt eine Debatte, die wir weiter fortsetzen müssen“, dankte er
dem Referenten für eine konzentrierte und anregende Darstellung und
der Runde für einen engagierten Meinungsaustausch. Für die
weitergehende Diskussion nutzten die Teilnehmer gleich die erstbeste
Gelegenheit - und setzten den Impuls anschließend gleich in die Tat
um ....
CB
AKTUELL
+++ EINLADUNG:
"Die
Dimension des Wahrheitsbegriffs" Thema
der Wissenschaftlichen Sitzung am Donnerstag, 9. Februar 2006
„In vino veritas“, meinten
Alkaios und Plutarch. Von „nuda veritas“, der „nackten Wahrheit“,
spricht Horaz in seinen Oden. „Amicus Plato, sed magis amica
veritas“, lesen wir im Don Quijote von Cervantes. „Was ist
Wahrheit?“, fragt Pilatus. „Zwischen uns sei Wahrheit!“, fordert
Orest von Goethes Iphigenie. „Nur dem Ernst, den keine Mühe
bleichet, rauscht der Wahrheit tief versteckter Bronnen“, erklärt
Schiller. „Wer die Wahrheit kennet und spricht sie nicht, der
bleibt fürwahr ein erbärmlicher Wicht!“, singt das Studentenlied
„Stoßt an! Eisenach lebe“ „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das
Leben“, sagt Jesus. „Eins plus eins ist zwei“, behauptet der
Mathematiker ......
...... WAHRHEIT?
Was das sein könnte, worum es
geht, wenn wir von ihr sprechen, beleuchtet am
Donnerstag, 9. Februar 2006, eine Wissenschaftliche Sitzung auf dem
„Feldschlösschen“. Der Vortrag mit anschließender Diskussion beginnt
um 20 Uhr, der Referent ist Dipl. Math. Winfried Knobloch (Bild
links).
Vormerken und kommen - Herzliche Einladung! In
unitate!
_________________________________
W.K.St.V. UNITAS Ruhrania
"Feldschlösschen", Flurstr. 67,
45355 Essen E-Mail: ruhrania@unitas.org, Aktuelle
Berichte, Bilder und Programm auf der Homepage
www.unitas-ruhrania.org
+ Bbr. Karl-Adolf
Loskant
MÜNSTER/RUHRGEBIET. Der
Altherrenzirkel der UNITAS in Münster und die UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund trauern um Bbr. Karl-Adolf Loskant, der am 1.
Februar 2006, drei Tage nach seinem 78. Geburtstag, gestorben
ist..
Der gebürtige Stettiner begann am
1. April 1967 seine Tätigkeit im Vorstand des Landwirtschaftlichen
Versicherungsvereins Münster – LVM. 1974 übernahm er dessen Vorsitz.
Karl-Adolf Loskant sah sich nie als Manager, sondern immer als
Weichensteller eines Versicherungsunternehmens. Als er 1992 in den
Ruhestand ging, hatte sich der LVM unter seiner Führung zu einem
wachstumsstarken Unternehmen entwickelt. Loskant war ein guter
Nachdenker, ein wacher Mitdenker, ein mutiger Vordenker. Für sein
vielfältiges, weit über seine beruflichen Tätigkeiten hinausgehendes
ehrenamtliches Engagement in Münster wurde ihm das
Bundesverdienstkreuz und die Paulusplakette des Bistums Münster
verliehen.
Bbr. Loskant war aber auch ein Unitarier aus Überzeugung,
aus dem christlichen Glauben heraus. Er hat sich mit großem
Engagement und mit viel Energie für die UNITAS eingesetzt.
Unermüdlich hat er in den schweren Nachkriegsjahren das
Wiedererstarken der UNITAS in Münster und der UNITAS Ruhrania
vorangetrieben, der er sich 1948 angeschlossen hatte. Dem
Altherrenzirkel der UNITAS in Münster, der UNITAS Ruhrania und dem
UNITAS-Verband ist Karl-Adolf Loskant stets treu verbunden gewesen
und hat die Veranstaltungen und Runden durch dem ihm eigenen Humor
und Unterhaltungswert bereichert.
"Bbr. Karl-Adolf Loskant ist von uns gegangen und hat
eine große Lücke hinterlassen – wir haben einen großen Unitarier
verloren der sich um die UNITAS in Münster verdient gemacht hat.
Viele Bundesbrüder haben nicht nur einen Bundesbruder verloren
sondern einen wahren Freund, der aus ihrer Mitte gerufen wurde. Er
wird in unser aller Erinnerung bleiben", unterstreicht Bbr. Hendrik
Koors, der Vorsitzende des UNITAS-Zirkels Münster, in der Würdigung,
die in der nächsten Ausgabe der Verbandszeitschrift erscheinen
wird. Mit einer Ansprache am Grab haben er und drei Vertreter
der UNITAS Winfridia sowie eine große Zahl von Bundesbrüdern des
Münsteraner Zirkels am Donnerstag, 9. Februar, von unserem Bbr.
Karl-Adolf Loskant Abschied genommen.
Christsein
in der Politik -
Andreas Schmidt MdB sprach beim 95.
Stiftungsfest der UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund

BORBECK. Besondere
Grüße kamen zum großen Fest von Ruhrbischof Dr. Felix Genn (s.
Grußbotschaft) und von Essens Oberbürgermeister Dr. Wolfgang
Reiniger (Gruß der Stadt s.u.): Über 60 Studenten der UNITAS
Ruhrania, Ehemalige aus vielen Städten des Ruhrgebiets und Gäste von
befreundeten Verbindungen aus Essen, Münster und Bonn feierten am
Samstag, 28. Januar, im „Feldschlösschen“ das 95. Stiftungsfest in
fröhlicher Runde.
Bereits am Nachmittag hatten
sich die Ruhranen zu Gremiensitzung im UNITAS-Heim an der Borbecker
Flurstraße versammelt, um Beschlüsse zur Zukunft des
Traditionshauses zu fassen. Nach der zum Vereinsfest Thomas von
Aquin von Pfarrer Dr. Jürgen Cleve gefeierten Messe in St. Maria
Immaculata sprach der für den Wahlkreis Mülheim/Essen im Deutschen
Bundestag tätige Abgeordnete Andreas Schmidt am Abend bei dem von
Senior Sebastian Sasse geleiteten Festkommers über christliche
Grundwerte in der Politik.
Bild
oben rechts: Festredner
beim 95. Stiftungsfest der Unitas Ruhrania, Andreas Schmidt MdB,
umrahmt von Mitgliedern des Studentenverbandes: (v.l.) Martin
Knobloch, Senior Sebastian Sasse, Almut
Belgardt,
Vorortspräsidentin Elisabeth Fels (Bonn),
Altherrenvereinsvorsitzender OStD Jörg Lahme, Ehrensenior Dr.
Christof Beckmann, Kristin Kretschmann, UNITAS-Zirkelvorsitzender
Martin Gewiese (Essen), Consenior Roderich
Oberstehöhfeld
In
„dreifacher Verbundenheit“ gratulierte Pfarrer Dr. Jürgen Cleve im
Rahmen der am Abend gefeierten Messe herzlich zum runden Jubiläum:
Als Mitchrist, Gemeindepfarrer von St.Dionysius/St.Immakulata und
Mitglied des Altherrenvorstands der Katholischen Essener Verbindung
Assindia erhoffe er sich eine Stärkung des überpfarrlichen
studentischen Engagements in Borbeck. Er wünsche sich, dass die
Zusammenarbeit zwischen den Verbänden wachse und auch in einer für
das Bistum Essen besonderen Zeit gute Früchte trage, so der
Diözesanrichter. Die jüngst veröffentlichte Enzylika von Papst
Benedikt XVI. sei auch für die Prinzipien der UNITAS eine wichtige
Wegmarke: Die im päpstlichen Lehrschreiben herausgestellte Caritas
sei ein Grundprinzip für ein gelingendes Zusammenleben – auch im
verbindungsstudentischen Alltag, erklärte Dr. Cleve und wünschte dem
Fest ein gutes Gelingen.
Schwungvoller Kommers in
packevollem Saal
  
Der nach der Messe auf dem Haus der Ruhrania von Senior
Sebastian Sasse schwungvoll, mit Humor und Tiefgang in freier Rede
geschlagene Festkommers sah einen bis zum allerletzten Platz
gefüllten Gesellschaftsraum. Der Kommerspräside begrüßte vier
Vertreter der UNITAS Winfridia aus Münster, angeführt vom
designierten Senior Dirk Sandbrink, Vertreter von UNITAS Stolzenfels
Bonn, UNITAS tom-Kyle in Kiel, UNITAS Rolandia in Münster, aber auch
von Frisia Breslau zu Essen in SB und einen Abgesandten der
K.D.St.V. Nordmark im CV zu Essen. Wegen der drängenden Enge hatten
die drei Vertreterinnen des hohen Vororts UNITAS Clara Schumann
unter Leitung von VOP Elisabeth Fels auf das Chargieren verzichtet
und in der sorgsam geschichteten Corona Platz genommen. Einen
letzten Sitz gab es schließlich sogar für den ganz überraschend
gekommenen und mit großem Applaus bedachten Verbandsgeschäftsführer
Bbr. Dieter Krüll. Angehörige des AHZ Essen waren, angeführt des
AHZ-Vorsitzenden und Kommersmusikers Martin Gewiese naturgemäß in
großer Zahl mit ihren Damen erschienen. Aus Dortmund, Bochum,
St.Augustin/Bonn und Datteln/Castrop-Rauxel wurden Zirkelvertreter
begrüßt, nicht zuletzt grüßte Senior Sebastian aber die
Altherrenschaft unter dem Vorsitz des AHV-Chefs Jörg Lahme, der mit
seiner Frau Doris aus Rheine angereist war.
   
Aktuelles aus Berlin und
Grundfragen der Politik
„Christliche Überzeugungen lehren Demut vor der
übernommen Aufgabe und Verantwortung, sie motivieren uns helfen uns
aber auch, angesichts der riesigen Herausforderungen in einer der
größten Industrienationen der Welt nicht den Mut zu verlieren“,
äußerte CDU-Rechtspolitiker Andreas Schmidt in seiner halbstündigen
Festrede. In seinem Parforceritt durch alle Themen der aktuellen
Politik bekannte er sich nachdrücklich zu den Leitlinien der
katholischen Gesellschaftslehre und der evangelischen Sozialethik.
Sie seien in vielen Politikfeldern unverzichtbare
Entscheidungsgrundlagen, erklärte Schmidt, und nannte insbesondere
die Diskussionen um Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik
und Sterbehilfe. „Die Würde des Menschen muss unantastbar sein“,
unterstrich er unter großem Beifall. Die Familie bleibe die
entscheidende Keimzelle der Gesellschaft. Sie allein garantiere eine
stabile Grundlage für ein Land, das jetzt nicht „die Zukunft der
nachfolgenden Generationen verfrühstücken“ dürfe, so Schmidt. Viel
Zustimmung erhielt sein Plädoyer für mehr familien- und
kinderfreundliche Politik.
Erste
Papstenzylika gibt Leitlinien
In all diesen Fragen seien die Kirchen unverzichtbare
Partner der Politik. Sie seien nicht selbst zur Aktion in vorderster
Linie des politischen Auseinandersetzung aufgerufen, meinte Schmidt
in Anlehnung an die kürzlich erschienene Enzyklika von Papst
Benedikt XVI., doch gebe gerade dieses päpstliche Lehrschreiben
wesentliche Leitlinien für die Gestaltung eines menschenwürdigen
Zusammenlebens, auch für Fragen der
Gerechtigkeit und Solidarität weltweit. Die Globalisierung zwinge zu
einem neuen Ansatz ernsthafter Entwicklungspolitik. Auch die
europäischen Staaten seien durch die Osterweiterung zu einer
intensiven Zusammenarbeit aufgerufen: Kein Land, so Schmidt, könne
im Alleingang die Zukunft meistern.
Zwar sei die neue Koalition in Berlin für viele
Fraktionsmitglieder in CDU und SPD immer noch gewöhnungsbedürftig,
auch die Oppositionsparteien fänden sich erst langsam in ihre Rolle.
Doch verlange nicht nur die dramatische Haushaltslage jetzt eine
starke parlamentarische Mehrheit, damit Deutschland nicht im
internationalen Vergleich ins Hintertreffen gerate. „Es ist auch
gut, dass wir uns jetzt keinen Untersuchungsausschuss zur Tätigkeit
der Nachrichtendienste leisten“, betonte der Politiker. Die Gefahr
des Terrorismus sei noch lange nicht gebannt. Deutschland sei nach
wie vor ein potenzielles Ziel von Angriffen, gegen die man sich
schützen müsse. Besorgt über den Wahlsieg der Hamas in Palästina,
verwies Schmidt nachdrücklich auf Gefahrenherde der Welt und nannte
mit einem klaren Bekenntnis zur Existenzberechtigung des Staates
Israel die iranische Atompolitik eine internationale
Herausforderung, der man dringend begegnen müsse. Für Schmidts
engagierten und mit großem Applaus quittierten Vortrag dankte
Kommerspräside Sebastian Sasse mit einem guten „Borbecker
Schlosstropfen“ und einem gerahmten Vereinsemblem (Bild
oben).
   Anmut
& Grazie: Doris Lahme und Li, unsere chinesische
Austauschstudentin; Borbecker unter sich: Barbara Küpper und AH
Fuchs; Dortmunder und Pfadfinder: Regina und Andreas Rydzek (Kenner
nennen ihn Bocuse...)
Wir im
Revier – gemeinsam nach vorn!
Launige Grußworte entlockte der Vorsitzende den
Vertretern der vielen Vereine, die ihre Verbundenheit mit der UNITAS
im Revier bekundeten. Besondere Freude gab es über die guten Wünsche
der benachbarten CV-Verbindung Nordmark: Man freue sich auf eine
gute und enge Zusammenarbeit der Korporationen am Ort. Nach
Nationalhymne und eingerahmt vom Bundeslied gab es eine
außergewöhnliche Zeremonie: Nach vier Jahrzehnten wurde mit Herr
Gerfried Küpper aus Borbeck ein ehemals in Freiburg (Paulus) und
Münster (Burgundia) aktiver Unitarier neu mit der Verbandsnadel
ausgestattet. Bewegt dankte er auch im Namen seiner Frau Barbara in
Erinnerung an viele gute Stunden in jungen Jahren für die
Wiederaufnahme in den Verband.(Bild
unten)
Gewohnt fröhlich und aufgeräumt zeiget sich der
UNITAS-Verbandsgeschäftsführer: Er habe bei Besuchen in früheren
Jahren im Ruhrgebiet eine noch erheblich kleinere Corona
angetroffen, erklärte Dieter Krüll in seiner herzlichen und
humorvollen Ansprache. „Dies hat sich nun geändert. Ihr habt ein
tolles Haus, eine wachsende Altherrenschaft und die Zukunft vor
euch! Packt´s an – mit uns könnt ihr rechnen“, ermunterte er die
Ruhrania-Aktiven und Ehemaligen unter donnerndem Applaus. Mit dem
Bau des neuen Heims mute sich die Revier-UNITAS viel zu, aber es
werde sich lohnen, meinte Dieter Krüll zuversichtlich und lud die
Unitarier zur kommenden Generalversammlung nach Neuss
ein.
Gruß
vom Vorort: Vorbildliche Arbeit
Ihre Verbundenheit mit der UNITAS an der Ruhr zeigten
auch die eigens angereisten Vertreterinnen des hohen Vororts Unitas
„Clara Schumann“ aus Bonn: „Respekt für eure Semesterprogramme – das
lässt sich mehr als sehen!“, lobte Vorortspräsidentin Elisabeth
Fels. Schon oft sei sie bei Besuchen in Essen immer wieder von der
Gastfreundschaft, Begeisterung und wirklich unitarischen
Gemeinschaft beeindruckt gewesen, erklärte die Jurastudentin. Immer
wieder habe sie gespürt, dass sich die UNITAS hier sehr eng mit dem
ganzen Verband identifiziere und ihn in der Region gut vertreten
wolle. „Was ihr hier mit einer vergleichsweise kleinen Aktivitas auf
die Beine stellt, ist erstaunlich und wirklich vorbildlich!“ Dem in
Essen-Borbeck ansässigen Verein sagte sie die Hilfe des an rund 40
Universitäten deutschlandweit vertretenen Verbandes zu.
Ein sehr bewegendes Wort richtete der
Altherrenvereinsvorsitzende OStD Jörg Lahme (Bild links) an
seine Aktivitas: „Wir erleben heute einen historischen Tag. Die
Ruhranen sind im 95. Jahr ihres Bestehens im Revier fest vor Anker
gegangen. Und die Arbeit geht jetzt richtig los.“ Der Aktivitas
sprach er seinen Respekt für die in den letzten Jahren geleistete
Arbeit aus. Mit den Beschlüssen vom Nachmittag werde nun die
Anschlussfinanzierung für die anstehenden Bauarbeiten im Haus
angegangen, in fester Hoffnung, dass die Ruhrania im Ruhrgebiet eine
klare Chance habe. „Die Unterstützung des Altherrenvereins ist dabei
sicher“, unterstrich der AHV-Chef. Zum Einzug auf dem „neuen“ Haus
versprach er Außergewöhnliches von der „alten“ Ruhrania: „Wenn wir
das Feldschlösschen ganz neu in strahlendem Glanz sehen, dann sind
die Gründungsfahne und das bis heute erhaltene Gefallenendenkmal der
Ruhranen aus dem Ersten Weltkrieg hier auf dem Haus am allerbesten
aufgehoben“, erklärte AH Lahme und wünschte unter großem Beifall ein
kräftiges „Vivat-floreat-crescat!“
UNITAS
im Ruhrgebiet: Die Zukunft hat begonnen ...
Nicht nur die UNITAS Ruhrania, sondern der gesamte vor
150 Jahren gegründete Bundesverband sei sich seiner Wurzeln im
Revier und in Borbeck bewusst, so Kommerspräside Sebastian Sasse in
seiner Ansprache. Sie sollen, wie in den Gremiensitzungen am
Nachmittag gemeinsam beschlossen, jetzt tatkräftig und sichtbar
gestärkt werden: Das durch den Ortsverein zum Juli 2004 erworbene
Borbecker „Feldschlösschen“ wird als Traditionshaus noch in diesem
Jahr einer grundlegenden Sanierung unterzogen werden. Nach einer
Kernsanierung sollen Studentenzimmer und eine neue Gastronomie mit
Biergarten nun völlig neu entstehen. „Eine Entscheidung für die
Zukunft, die die Präsenz und Arbeit des ältesten katholischen
Studentenverbandes in Deutschland auch im Ruhrgebiet auf Dauer
sichern wird“, erklärten Vorortspräsidentin Elisabeth Fels und
Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll.
   Erfreut: Die Münsteraner Winfriden - Erschöpft:
Ruhranen nach getaner Arbeit - Erstaunt: Alte Herren
erforschen ihre Liederbücher
... im "Heidelberg des
Ruhrgebiets" ...
Der „liebens- und lebenswerte“ Stadtteil habe mit
den seit jüngster Zeit immer aktiveren, vor allem katholischen
studentischen Verbänden noch Farbe hinzugewonnen, betonte der
Vorsitzende der UNITAS Ruhrania, Sebastian Sasse unter großem
Beifall der Festcorona: „Wir sind sicher: Borbeck wird das
Heidelberg des Ruhrgebiets!“ Ein Satz, an dem manche Festgäste
offensichtlich noch lange zu beißen hatten: Bis in den Morgen
dauerten die Gespräche auf dem Haus an. Ein Stiftungsfest, ein
Vereinsfest, ein Werk vieler helfender Hände – eine Begegnung und
ein Ereignis, dass allen Einsatz lohnte ...
   Fröhlich: Dr. Ilse Krisam und der
Senior Sebastian Sasse - Fantastisch: Der Essener Zirkelvorsitzende
Martin Gewiese an der Bierorgel - Freundschaft: AH Kauczor aus St.
Augustin und der Verbandsgeschäftsführer Dieter Krüll aus
Neuss
Siehe auch:
"Studenten geben Borbeck Farbe", Artikel in den
BORBECKER NACHRICHTEN vom 2. Februar
2006
Der
Oberbürgermeister der Stadt Essen
Dem
wissenschaftlichen katholischen Studentenverein Unitas Ruhrania
Bochum – Essen – Dortmund gratuliere ich zum 95. Bestehen im Namen
der Stadt Essen recht herzlich.
Unsere noch recht junge Universität hat sich schnell einen
wichtigen Platz in unserer Stadt erarbeitet. Heute ist sie mit dem
Universitätsklinikum eine der Säulen, die die Zukunftsfähigkeit von
Stadt und Region sichern. Zum Leben in einer Universitätsstadt
gehören traditionell auch Studentenvereine wie die in Münster
gegründete Unitas Ruhrania.
Wer sich
hier engagiert, findet Freunde für sein ganzes Leben. Das macht den
Reiz der Studentenvereine aus. Hier werden Freundschaften
geschlossen, Netzwerke geknüpft, die über das Studium hinausreichen
und die auf gemeinsamen Werten beruhen. Die studentischen
Verbindungen sind Ausdruck einer gewachsenen universitären
Tradition. Dass es auch heute gelingt, diese Tradition weiter mit
Leben zu füllen, zeigt die W. K. St. V. Unitas Ruhrania Bochum –
Essen - Dortmund auf eindrucksvolle Weise.
Wenn sie
auch ursprünglich in Münster gegründet wurde, ist die Unitas
Ruhrania seit nunmehr zehn Jahren im Ruhrgebiet aktiv. Ein Zeichen
dieser Verbundenheit mit unserer Region ist sicher das Feldschlösschen in
Borbeck, das der Ruhrania seit einen Jahr zur Heimat geworden
ist.
Ich heiße
Sie alle zu Ihrem Festkommers herzlich in Essen willkommen!
Dr.
Wolfgang Reiniger Oberbürgermeister
1911-2006:
95. Stiftungsfest voraus Gremiensitzung
und Festkommers am Samstag, 28.
Januar 2006 Festredner ist Andreas Schmidt MdB
(CDU)
BORBECK. Der
„Wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund“ begeht am Samstag, 28. Januar, den Jahrestag
seiner Gründung vor 95 Jahren. „Ein Grund der Freude, ein Grund zum
Feiern und ein Tag voller Hoffnungen für die Zukunft der UNITAS im
Ruhrgebiet“, so der vorsitzende „Senior“, der Philosophiestudent
Sebastian Sasse. Die vor dem Ersten Weltkrieg in Münster gegründete
Vereinigung aktiver und ehemaliger Studenten ist die einzige
regionale Vertretung der UNITAS, des ältesten katholischen
Akademikerverbandes in Deutschland.
Bereits
die Gründungskorporation von 1847 trug den Namen Ruhrania – kein
Wunder, kamen doch die ersten Mitglieder aus dem damals noch
beschaulichen Ruhrgebiet zum Studium an die Bonner Universität.
Initiator der damaligen Theologenvereinigung war neben Studenten aus
Heisingen, Überruhr und Borbeck vor allem Hermann Ludger Potthoff,
später Oberhofprediger am Königlichen Hof in Sachsen, dem eine
Gedenktafel am Geburtshaus in der Hufergasse in Essen-Werden
gewidmet ist. 1855 war aus der ersten Vereinigung bereits ein
Verband entstanden, der sich schnell auf Universitäten in ganz
Deutschland und im Ausland verbreitete. 150 Jahre später wurde ein
bundesweites Festjahr begangen – auch die unitarischen
„Bundesbrüder“ an den Ruhr-Universitäten stellten ihr Programm 2005
ganz unter das Jubiläum.
Ihr eigenes Programm im Wintersemester 2005/06
beleuchtet vor allem die Situation an den Universitäten und die
Frage nach Sinn und Zweck eines Studiums heute. „Es lohnt sich, auch
heute noch ein Studium aufzunehmen, daran kann kein Zweifel
bestehen“, zeigt sich der Vorsitzende des Studentenvereins
überzeugt. Doch es nehme auch in die Pflicht, so Sasse: „Die von
allen geschaffenen Privilegien stellen auch in eine
gesellschaftliche Verantwortung.“ Der UNITAS-Verband habe seit
seiner „Erfindung“ genau dies deutlich herausgestellt und setze
neben einem zielstrebigen Studium den Schwerpunkt auf soziales
Engagement im direkten Umfeld und weltweit.
95 Jahre UNITAS Ruhrania: CDU-MdB hält
Festrede
Das 95.
Stiftungsfest am 28. Januar ist einer der Höhepunkte des laufenden
Programms aus wissenschaftlichen, geselligen und religiösen
Veranstaltungen. Die studentische Vereinigung, die im Sommer 2004
das Borbecker „Feldschlösschen“ an der Flurstraße übernommen hat,
beginnt ihr Festprogramm am Nachmittag zunächst mit
Gremiensitzungen. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur 2006 anstehenden
Komplettrenovierung der Traditionsgaststätte, in der
Studentenwohnungen und eine neue Gastronomie eingerichtet werden
sollen. Nach der Messe um 18 Uhr in St. Immakulata veranstalten die
Studenten einen Festkommers unter Leitung von Sebastian Sasse
(Bild links). Festredner ist der CDU-Abgeordnete des
Wahlkreises Mülheim/Essen im Deutschen Bundestag,
Rechtsanwalt Andreas Schmidt
(Mülheim), der über die aktuellen Themen der Berliner Politik
berichten wird. Viele Gäste vom Bundesverband, aus dem umliegenden
UNITAS-Zirkeln im Ruhrgebiet und von befreundeten Verbänden haben
für das Fest in Essen-Borbeck zugesagt.
Der
Referent: Andreas Schmidt,
geboren am 4. November 1956 in Mülheim an der Ruhr, evangelisch,
verheiratet, eine Tochter, studierte nach dem Abitur am Gymnasium
Broich 1976 in Mülheim an der Ruhr, Rechtswissenschaften an der
Ruhr-Universität Bochum. 1982 legte er die erste und 1985 die zweite
juristische Staatsprüfung ab. In der Zwischenzeit war er Assistent
von Dr. Otmar Franz, MdEP. Der Rechtsanwalt ist Mitglied des
Verwaltungsrates der Sparkasse Mülheim an der Ruhr und
Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten
Nationen. Schmidt war seit seinem Eintritt in die CDU und die
Junge Union 1974 in verschiedenen Funktionen der Partei tätig: 1984
bis 1989 Kreisvorsitzender der Jungen Union Mülheim an der Ruhr,
1986 bis 1991 Mitglied im Landesvorstand der Jungen Union
Nordrhein-Westfalen, 1989 Kreisvorsitzender der CDU Mülheim an der
Ruhr. Dem Deutschen Bundestag gehört Schmidt seit 1990 an. Hier ist
er u.a. Vorsitzender
und Ordentliches Mitglied im Rechtsausschuss, der
viele
Gesetze mitberät. Federführend ist der Ausschuss z.B. im Zivil-,
Straf-, Wirtschafts- und Verfahrensrecht. Auch verfolgt der
Ausschuss die höchste deutsche Rechtsprechung am
Bundesverfassungsgericht, um dem Parlament in bestimmten Verfahren
eine Stellungsnahme zu empfehlen. Gewählt wurde Andreas
Schmidt über die
Landesliste für den Wahlkreis 119 (Mülheim – Essen), der auch den
Essener Stadtteil Borbeck umfasst. Hier hatte er bei der letzten
Bundestagswahl 2005 32,8 Prozent der abgegebenen Erststimmen auf
sich vereinigt (2002: 30,9 %).
Das UNITAS-Haus in Borbeck kennt Andreas Schmidt von
einem früheren Besuch. Bereits vor einigen Monaten war er zu Gast an
der Flurstraße und zeigte sich bereits damals sehr interessiert an
den Bauplänen im ehemaligen „Feldschlösschen“ sowie an Arbeit und
Zielen der UNITAS, der er spontan seinen Besuch zu unserem
anstehenden „runden“ Stiftungsfest bei den Ruhranen
zusagte.
Mehr Informationen: Grundsätze Das
UNITAS-Haus in Borbeck Programm WS
2005/2006 Artikel/Aktuelle
Berichte Geschichte
des W.K.St.V. UNITAS Ruhrania
Die
UNITAS ist der älteste
katholische Studenten und Akademikerverband Deutschlands. Der
Verband der Wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine
UNITAS wurde 1855
von Studenten aus dem Ruhrgebiet an der
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gegründet - ältester Ortsverein
ist der dort 1847 ins Leben gerufene W.K.St.V. UNITAS-Salia; an über
30 deutschen Universitäten mit gemeinsamen Statut vertreten - durch
den 1911 in Münster gegründeten W.K.St.V. UNITAS
RUHRANIA seit 1989 auch
wieder im Ruhrgebiet. Alle Unitarierinnen und Unitarier
verpflichten sich darauf, als katholische Studenten und spätere
Akademiker in Staat, Kirche und Gesellschaft Verantwortung zu tragen
. Leitfaden sind unsere Prinzipien VIRTUS - SCIENTIA -
AMICITIA, d.h.: Christliche Lebensführung, soziales Engagement,
Toleranz und Zivilcourage, fächerübergreifende, wissenschaftliche
Auseinandersetzung und Erweiterung des allgemeinen Wissens,
Freundschaft, aus der unsere Lebensgemeinschaft vieler Generationen
erwächst. Diese Prinzipien und unser Wahlspruch in necessariis
UNITAS - in dubiis libertas - in omnibus caritas tragen unseren
Lebensbund aktiver und ehemaliger Studenten.Gegenwärtig
bestehen 46 UNITAS-Vereine mit Studenten aller Fakultäten
an deutschen Hochschulen. Als einziger der Traditionsverbände
nimmt der UNITAS-Verband auch Studentinnen-Vereine auf - inzwischen
haben sich acht UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Frankfurt,
Freiburg, Gießen, Marburg, Mainz, Köln und Heidelberg
gebildet. 6000
ehemalige Aktive, die sogen. "Alten Herren" und "Hohen Damen", haben
sich in 62 Altherren- und Hohe-Damenvereinen, sowie 164
Ortszirkeln (AHZ) zusammengeschlossen. Allein im Bereich des
Ruhrgebietes und im angrenzenden Raum bestehen ca. 30 AHZAHZ.
Der Studentenverband ist
auf Bundesebene Mitglied des Bundes
der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsgemeinschaft Katholischer
Studentenverbände (AGV) und des Europäischen Kartellverbandes
Christlicher Studentenverbände (EKV), der seit 1985
Konsultativstatus beim Europarat besitzt. Mit rund 660 christlichen
Studentenvereinigungen und 110.000 Mitgliedern in neun europäischen
Ländern ist er der größte Akademikerverband Europas. Die UNITAS ist
Mitglied der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD)
und im Zentralkomitee der Deutschen
Katholiken (ZdK) vertreten. Die UNITAS verleiht den
Heinrich-Pesch-Preis für Verdienste um die wissenschaftliche
Weiterentwicklung und die praktische Umsetzung der Soziallehre der
Kirche.

Gruppenbild mit "Pensionär": (v.l.) Alt-Senior Peter Helmus,
Senior Sebastian Sasse, der AHV-Vorsitzende OStD Jörg Lahme, Dr.
Ernst-Hubert Steinmann, Dr. Christof Beckmann, StD Martin Gewiese,
AHZ-Vorsitzender in Essen
Bbr. OStD Jörg Lahme wechselt in den
Unruhestand
„Niemals geht man so ganz ...“ –
der alte Hit passt auch auf Bundesbruder OStD Jörg Lahme (66), der
am Freitag, 20. Januar 2006, nach über zwei Jahrzehnten Abschied von
"seiner" Schule nahm. Zum „letzten Schultag“ des Chefs des
Emsland-Gymnasiums in Rheine hatten sich viele Kollegen, Freunde und
Weggefährten versammelt. Auch die UNITAS Ruhrania
Bochum-Essen-Dortmund gratulierte dem mit gleich zwei großen
Schultüten ausgestatteten Jung-Pensionär mit einer Abordnung aus dem
Ruhrgebiet zum verdienten Ruhestand.
Bereits am
Morgen würdigten Vertreter von Stadt, Kreis und Kollegenschaft bei
einem Festakt in der Stadthalle die Verdienste des engagierten
Schulleiters. Am Abend wurde die Pausenhalle des traditionsreichen
Gymnasiums dann zum Festsaal für eine gut 150-köpfige Corona: Die
große Familie gratulierte mit launigen Couplets, die Lieder der
Enkelkinder provozierten fröhlichen Applaus, die Nachbarschaft trat
vollzählig an, Freunde aus den Niederlanden
und Polen waren gekommen, Schulkollegen und Mitglieder der Rotarier,
bei denen er seit Jahrzehnten aktiv ist. Geboren am 20. September
1940, hatte sich Jörg 1960 während seines Studiums in Münster der
UNITAS Ruhrania angeschlossen, nach der Suspendierung in den 1970er
Jahren das Amt des Altherrenvereinsvorsitzenden übernommen und
seitdem ununterbrochen wahrgenommen. Den Wechsel der Korporation an
die Ruhr hatte er bei der Rekonstituierung in Bochum nachhaltig
unterstützt. Nicht zuletzt für den Zusammenhalt der Altherrenschaft
spielt er eine zentrale Rolle: Seit 25 Jahren organisiert er mit
seiner Frau Doris die jährlichen Ruhranentreffen in
Münster-Sprakel.
Lebenslange Freundschaft: "semper in
unitate!"
In seiner Begrüßung stellte Jörg Lahme u.a. seine über
50-jährige Freundschaft mit dem aus
Hamm angereisten Bundesbruder
Dr. Ernst-Hubert Steinmann (Bild links) heraus: Mit dem
späteren Chefarzt hatte er schon als Quintaner am Paulinum in
Münster in der Nachkriegszeit Fußball zwischen Teppichstangen
gespielt. Aktiven-Senior Sebastian Sasse, Alt-Senior Peter Helmus,
der Zirkelvorsitzende der UNITAS in Essen, StD a.D. Martin Gewiese
und Ehrensenior Dr. Christof Beckmann gratulierten auf der Bühne mit
dem „Ehrenschild“ der Ruhrania, einem in Bilderrahmen gefassten
Unikat des Ruhranen-Wappens. Vor den vielen Gästen überbrachten sie
die Grüße des UNITAS-Bundesgeschäftsführers Bbr. Dieter Krüll und
des Verbandsvorstandes mit dem Dank für das jahrzehntelanges Wirken
Jörg Lahmes für die Korporation - auch in schwierigen Zeiten. Für
den „voraussichtlichen Unruhestand“ hatte die unitarische Mannschaft
ihrem AHV-Chef zudem ein vielteiliges Grillbesteck im Gepäck – gut
möglich, dass Jörg davon Gebrauch machen wird: Denn zur weiteren
Lebensplanungen gehört u.a. die Neugestaltung des gesamten Gartens.
Aber zunächst soll es erst einmal zum Skifahren in den Urlaub nach
Sölden gehen. Viel Freude an vielen schönen ereignisreichen Jahren,
die vor ihm liegen! CB
Wissenschaftliche
Sitzung zum Kirchenrecht Pfr. Dr. Cleve zu Gast bei UNITAS
Ruhrania
Für die meisten war es eine Begegnung
mit einer unbekannten Materie. Doch Befürchtungen, dass das Thema
des Abend wahrscheinlich wohl eher „dröger Stoff“ sein würde,
erwiesen sich als nichtig: Der Vortrag von Diözesanrichter Dr.
Jürgen Cleve am 19. Januar zu „einigen Aspekten des Kirchenrechts“
entpuppte sich als rasante Tour durch die Kirchengeschichte und
Begegnung mit eher unbekannten und nicht nur für Juristen,
Historiker oder Fachtheologen spannenden Fragen: Braucht die Kirche
ein Recht? Wie ist es entstanden? Was regelt der 1983 zuletzt durch
Papst Johannes Paul II. geregelte „Corpus“ des kanonischen Rechts?
Welche Auswirkungen hat er für den ganz „normalen Gläubigen“? All
diese Aspekte goss der Pfarradministrator und promovierte
Kirchenjurist Dr. Jürgen Cleve mit seinem ausgezeichneten Vortrag
vor knapp 30 Bundesgeschwistern und Gästen im „Feldschlösschen“ in
ein noch zu vielen Diskussionen anregendes
Gesamtbild.
Kirche und Recht?
Bereits das Neue Testament, so Dr. Cleve, enthalte im
Briefkorpus und in den Evangelienabschnitten, die sich mit dem Leben
der nachösterlichen Gemeinde befassen, Aussagen, die unverkennbar
einen rechtliche Charakter besitzen und das Leben der einzelnen
Gläubigen wie auch das Leben der Gemeinde insgesamt regeln. Sie
wollen zugleich sichern, was für den christlichen Glauben
charakteristisch und typisch ist. Der Bereich der „weltlichen"
Rechtsprechung wird dabei nicht als vorbildlich oder maßgebend
betrachtet. Vor allem bestimmen sie die Bedingungen für die Aufnahme
eines Menschen durch die Taufe in die Kirche und das christliche
Eheverständnis. Grundlagen dafür sind die Glaubensaussagen, die als
Ius divinum in rechtliche Vorschriften transferiert werden.
Die Gesetzgebung in der antiken Kirche geschieht zunächst
auf den regionalen Synoden und Konzilien, später dann auch die
großen ökumenischen (allgemeinen) Konzilien und schließlich durch
Erlasse der Päpste und der Bischöfe. Aus den Gesetzen und
Rechtsvorschriften, die im Einklang mit dem „Alten Recht" stehen
müssen, entwickelt sich eine Vielzahl von unüberschaubaren
Vorschriften, Interpretationen und Gesetzesanwendungen. Von der
Kanonistik des Hochmittelalters werden die Vorschriften geordnet und
systematisch ausgelegt. Sie schafft die bis heute bleibende und
relevante Unterscheidung von „Sünde - peccatum" und
„Verbrechen – crimen“ bzw. „Schuld – culpa“ im
strafrechtlichen Sinn. Die Sünde erfordert als „Wiedergutmachung"
die „Buße - paenitentia", das Verbrechen aber die „Strafe - poena".
Bleibend definiert sie den Grundsatz: „Ohne Gesetz keine Strafe -
sine lege nulla poena". Die von Gratian erstellte Sammlung
der Vorschriften wird im Laufe der Zeit verbindlicher Bestandteil
des kirchlichen Rechts und entwickelt sich, ergänzt durch die
nachfolgenden päpstlichen Gesetzgebungen, bis in das späte 19.
Jahrhundert zum Corpus Iuris Canonici (C.I.C), das das Leben der
Kirche bestimmt. Angesichts divergierender Vorschriften werden für
die Rechtsanwendung sind die Kommentare der großen Kanonisten und
die Einzelentscheidungen des Apostolischen Stuhls maßgebend.
Insbesondere die Kongregation zur Interpretation der Beschlüsse des
Konzils von Trient muss beständig die alten europäischen Normen mit
der neuzeitlichen Missionssituation in Einklang bringen - eine
völlig neue Lage für die Kirche, die sich auch auf die krichliche
Rechtsprechung auswirkt: Auch im Blick auf die neuzeitliche
staatliche Gesetzgebung entschließt sich die katholische Kirche zu einer Vereinheitlichung
ihres Rechtes und zur Erarbeitung eines einheitlichen kirchlichen
Gesetzbuches. Der erste Codex luris Carionici tritt unter Papst
Benedikt XV. 1917 in Kraft (CIC/1917). Seine lateinische Urfassung
darf nicht in die Landessprachen übersetzt werden, doch wird sie in
der Folgezeit durch Einzelgesetzgebung ergänzt, durch authentische
Interpretationen präzisiert und durch Ausführungsbestimmungen
konkretisiert.
Das II. Vaticanum und der CIC 1983
Die Zeit vor und nach dem II. Vatikanischen Konzil bringt
eine völlige Umarbeitung des kirchlichen Rechts: Schon bei der
Einberufung des Konzils war die Reform der kirchlichen Rechts
erwünscht. Sie verlief unter großer Beteiligung von Fachleuten sehr
komplex und vielschichtig. Da in der letzten Phase auch noch das
kirchliche Lehramt, vor allem Papst Johannes Paul II. persönlich in
den Redaktionsprozess eingegriffen hat, sind der Codex Iuris
Canonici von 1983 und der Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium in
sich nicht so einheitlich wie der wesentlich von wenigen Personen
erstellte CIC/1917. In ihm spiegelt sich auch die Auseinandersetzung
zwischen den Polen „Recht" und „Pastoral" die für die konziliare und
nachkonziliare Zeit typisch ist.
In sieben Büchern regelt der aktuelle CIC von 1983
Allgemeine Normen, nähere Bestimmungen zu den Abschnitten „Das Volk
Gottes“, „Die Gläubigen“,. „Die hierarchische Verfassung der Kirche“
und „Die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des
Apostolischen Lebens“, er formuliert Kanones zum
„Verkündigungsdienst der Kirche“, dem „Heiligungsdienst der Kirche“
mit den Kapiteln Gottesdienst und Sakramente, insbesondere Ehe.
Weitere Bücher gelten den Themen Kirchenvermögen, Strafbestimmungen
in der Kirche und Prozesse.
Dabei gilt nach dem Anspruch
der katholischen Kirche: Das Heil der Seele(n) vor Augen zu haben,
nicht nur für ihre Gesetzesanwendung, sondern bereits für ihre
Gesetzgebung. In beiden sollte sich auch der besondere Geist der
Gemeinschaft Jesus Christi widerspiegeln. Das Ziel der kirchlichen
Gesetzgebung: Sie soll dazu dienen, dass der einzelne Gläubige, die
Gruppen und Gemeinschaften in der Kirche sowie die Kirche insgesamt
„gut und vernünftig nach dem Wort Gottes leben“ können. Die
Gesetzgebung will sichern, dass die Gläubigen, wenn sie die Gesetze
befolgen, den Lebensweg beschreiten, der zum Heil führt.
Oftmals werden
mit Gesetzesaussagen dogmatische
Inhalte gesichert oder
verteidigt. Die Kirche maßt sich nicht an, dass ihre Gesetze perfekt
sind. Sie kennt sogar ausdrücklich Institute wie die Dispens von
einer rein kirchlichen Vorschrift in einem begründeten Einzelfall,
damit die Anwendung einer konkreten Vorschrift nicht der
Angemessenheit, der Gerechtigkeit oder gar dem „Heil der Seelen"
entgegenläuft. „Trotz dieser grundsätzlich positiven Einstellung zum
kirchlichen Recht, das ja noch durch die teilkirchliche Gesetzgebung
der einzelnen Diözesanbischöfe und auch der Bischofskonferenzen
ergänzt wird, bleiben viele Wünsche offen“, erklärte Dr. Cleve. Es
gebe manche Problemfelder im Zusammenspiel von Kirche und Recht, von
Recht und Pastoral sowie von Rechtsetzung und Rechtsanwendung.
In der anschließenden Diskussion wurden grundsätzliche,
aber auch ganz praktische Fragen aufgeworfen, die die
Anwendungsbereiche und Grenzen der kanonistischen Rechtsprechung an
einzelnen Beispielen vertieften. Auch nach gut drei Stunden
konzentrierten Vortrags und Austauschs blieb noch genug Stoff für
weitere Debatten.
(Quelle:
Vortragsskript von Dr. Jürgen Cleve)
Programmvorschau: Wissenschaftliche Sitzung am Donnerstag,
19.Januar, mit Diözesanrichter Dr. Jürgen Cleve zum Kirchenrecht
(CIC)
BORBECK. Über ein zwischen der
Slowakei und dem Heiligen Stuhl geschlossenes Konkordat ist gerade
ein heftiger Streit in Gremien der EU entbrannt. Wie greifen
"zwischenstaatlich" getroffene Vereinbarungen mit der Kirche auf das
Leben ein? In Deutschland sind die katholischen Kirchenvorstände
Vermögensverwalter und gesetzliche Vertreter der Gemeinden - manchem
ist das überhaupt nicht bekannt. Ja - wem gehört denn nun das Geld,
dem Papst, dem Bischof, den Gläubigen oder der Gemeinde? Im Bistum
Essen werden durch Bischofsentscheid alte Pfarreien
geschlossen, neue errichtet, Pfarrer zu Pastören. Was sagt der Staat
dazu, geht das denn so einfach? Und kein Verfahren beschäftigt die
kirchlichen Gerichte so sehr wie Scheidungsfragen - in rasant
steigendem Maße. Wieso ist die Kirche gegen Scheidungen und führt
sie dann doch durch? Für dies alles und mehr gibt es Regelungen, die
für den Bereich der Katholischen Kirche im "Codex iuris Canonici"
zusammengefasst sind.
Die UNITAS Ruhrania am Donnerstag, 19. Januar, mit Fragen aus
diesem Themenkreis beschäftigen. Ein Zitat aus den Psalmen - „Recht
muss Recht bleiben ...“ ( Ps 94,15) - ist das Motto der
Veranstaltung zum "Codex iuris canonici" (CIC): Bei der
Wissenschaftlichen Sitzung wird Referent Dr. theol. Jürgen Cleve im
Borbecker "Feldschlösschen" die Entwicklung und ausgewählte Aspekte
aus dem Kirchenrecht vorstellen und mit den Besuchern über Sinn und
konkrete Auswirkungen kirchlicher "Gesetzgebung"
diskutieren.
Dr.
Jürgen Cleve wurde am 15. Januar 1961 in Duisburg geboren. Die
Priesterweihe empfing er am 5. Juni 1987 in Essen und trat
anschließend seine erste Stelle als Kaplan in der Pfarrei St.
Markus, Essen-Bredeney, an. Vier Jahre später wechselte er als
Kaplan in die Bochumer Pfarrei St. Augustinus. 1997 promovierte
Cleve an der Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum im
Fach Kirchenrecht. Seither arbeitet der Doktor der Theologie als
Diözesanrichter im Bischöflichen Offizialat. Am 1. Oktober 1999
übernahm Cleve die Leitung der Pfarrei St. Engelbert im Dekanat
Essen-Mitte. Am 29. Mai 2005 wurde er als Pfarradministrator von
St.Dionysius Essen-Borbeck und St. Maria Immaculata eingeführt.
Zur Vorbereitung: Der Codex Iuris
Canonici (CIC; zu deutsch: Codex des kanonischen Rechts) ist das
Gesetzbuch der katholischen Kirche im lateinischen Bereich und in
seiner jetzigen Fassung seit dem Ersten Adventssonntag 1983 in
Kraft. Der Codex von 1983 löste damit seinen Vorgängercodex, den CIC
von 1917, ab. Für die auch zur katholischen Kirche gehörenden sog.
unierten Ostkirchen existiert ein eigenes Gesetzbuch, der Codex
Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO). Der CIC gliedert sich in
sieben Bücher: 1. Allgemeine Normen: Grundlegende Definitionen,
ohne die ein Rechtswerk nicht auskommt, so etwa die
Gesetzesdefinition oder die Vorschriften für die Übertragung von
Kirchenämtern. 2. Volk Gottes: Rechte und Pflichten aller
Gläubigen, die Kirchenverfassung (Aufgaben und Rechte des Papstes,
der Diözesanbischöfe, die innere Ordnung der Teilkirchen z. B. die
Aufteilung in Pfarren und Dekanaten, die Rechtsstellung der
Ordensgemeinschaften. 3. Verkündigungsdienst der Kirche:
Hierunter fallen Predigt und Katechese, katholisches Schul- und
Hochschulwesen, Religionsunterricht und Bücherzensur. 4.
Heiligungsdienst der Kirche: Sakramente und
Sakramentalien. 5. Kirchenvermögen: Verwaltungsvorschriften
zu Geld- und Sachwerten der Kirche. 6. Strafbestimmungen in
der Kirche: Insbesondere "kirchenspezifische" Straftaten wie etwa
Sakramentensimulation oder Gehorsamsverweigerung werden hier
behandelt. 7. Prozesse: Neben den Bestimmungen zum
kirchlichen Gerichtswesen im allgemeinen finden sich hier Regelungen
sowohl für das reguläre (und fast nie vorkommende) Streitverfahren
über besondere Arten von Verfahren, wie z. B. das
Ehenichtigkeitsverfahren (in Deutschland das häufigste Verfahren an
kirchlichen Gerichten) bis hin zum Verfahren zur Amtsenthebung oder
Versetzung von Pfarrern. Weblinks: Deutscher Text
des CIC von der Seite des Vatikans:
http://www.vatican.va/archive/DEU0036/ INDEX.HTM; Deutscher Text bei
codex-iuris-canonici.de (mit Suchfunktion!): http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm;
Lateinischer Text des CIC von 1983: http://www.intratext.com/X/LAT0010.HTM;
Codex Iuris Canonici von 1917 (lateinisch): http://www.theol.u-szeged.hu/~laurin/cic1917.html;
Auslegung: Kleines Kirchenrechtliches Wörterbuch (Kleines
Stichwortlexikon zum CIC von 1983): http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Theologie/kirrecht/woerterbuch.html;
sonstige Weblinks: http://www.codex-iuris-canonici.de/.
(Quelle: wikipedia)
Wir laden ganz herzlich
ein.
„Student sein ....“ – wozu dient das
Studium?
Lebhafte Podiumsdiskussion der
UNITAS Ruhrania an der Universität Essen
Ein buntes Kaleidoskop von Erkenntnissen brachte die
Podiumsdiskussion der UNITAS Ruhrania am Donnerstag, 12. Januar
2006, an der Universität Essen: Studenten sind auch nicht mehr das,
was sie mal waren, sie waren noch nie Elite, sollten es aber sein.
Und überhaupt: Es wäre schön, wenn mal etwas mehr getan würde, als
von ihnen verlangt wird. Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr.
Sebastian Sasse diskutierten Prof. Dr. Dieter Sturma, Institut für
Philosophie, Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker und
Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung, Daniel Feldmann,
Student und aktiv bei den Pfadfindern und Jörg Miller als Vertreter
des Projekts "Uni aktiv". Aus ihren sehr unterschiedlichen
Eingangsstatements entwickelte sich in der Diskussion eine
umfassende Debatte zum Wesen und Nutzen der Universität und
Wissenschaft, zur Situation von Lehrenden und Lehrenden – ein
entscheidender Beitrag zum Oberthema des bei der UNITAS Ruhrania
laufenden Semesterprogramms, das der Frage nach dem Sinn und Ziel
des Studiums gewidmet ist.
Sehr grundsätzlich brachte
der Philosoph in Erinnerung, dass Person, Persönlichkeit und
Karriere weder Widersprüche, noch Bedingungen für ein
menschenwürdiges Leben sind. Mit seinem überraschenden Ansatz aus
der Erklärung der Menschenrechte sezierte er die Bedingungen „im
Raum der Gründe“, die einen Mensch zur Person machten: Recht auf
Bildung und Teilhabe an Kultur, so Professor Dieter Sturma,
seien unveräußerliche Rechte, die die Aneignung von Wissen und
Techniken als Voraussetzungen für die Humanisierung der Lebenswelt
erst ermöglichten. „Unterentwickelte Artikulationsfähigkeit und
Neigung zu körperlicher Gewalt stehen in einem direkten
Zusammenhang, das ist überall zu beobachten“, unterstrich Sturma in
einem seiner Alltagsbeispiele aus der praktischen Anwendbarkeit der
Philosophie und Geisteswissenschaften. Der Erwerb von Ausdrucks-,
und Sprachfähigkeit seien die minimale Erwartung an ein
abgeschlossenes Hochschulstudium. „Ich möchte, dass alle meine
Studenten in einen Beruf kommen.“
Um eine Einschätzung der Studentenschaft gebeten, äußerte
Professor Wolfgang Hartung, er „geniere er sich ein
bisschen“. Er zeigte sich verwundert und deutlich frustriert, dass
die an der Hochschulen gebotenen Chancen kaum wahrgenommen und zu
einem hohem Prozentsatz sogar offen verweigert würden. „Wir
beobachten eine Pflichterfüllung am Rande des Erträglichen, eine
Beschränkung auf das Notwendigste“, meinte der aus Bayern gebürtige
Historiker. Dort, so meinte er zugespitzt, sei die Mittlere Reife
oft gleichwertig mit dem Abitur der meisten nordrhein-westfälischen
Gymnasien. Doch nicht so sehr an den unterschiedlichen
Voraussetzungen, sondern vor allem an der grassierenden
Interesselosigkeit litten Studium und das Zusammenwirken von
Lehrenden und Lernenden. Ihre Gemeinschaft werde zunehmend zu einem
unerfüllten Wunsch, Hauptseminare würden zu Proseminaren,
grundsätzliche Tugenden, die inspirierende wissenschaftliche
Auseinandersetzung fehle, die Beherrschung simpelster handwerklicher
Technologien, auch spüre er eine gewisse Weltfremdheit und Flucht in
den Elfenbeinturm der Universität: „Studenten nehmen große
Privilegien in Anspruch und haben eine Bringschuld!“ Gegen die
allgemeine Verunsicherung der Studenten und angesichts der Frage,
was akademisches Arbeiten sei, unterstrich er: „Setzt eigene
Maßstäbe, Findet euer eigenes Profil“ und forderte ein intensives
„Coaching“ von Studenten, etwa durch Ehemalige.
Social skills: Praktiker
berichten
Sehr praktisch berichtete Daniel
Feldmann aus seiner
ehrenamtlichen Arbeit im Diözesanverband Essen der Deutschen
Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Seit frühester Kindheit aktiv,
habe er das Erziehungskonzept der Pfadfinder schätzen gelernt: Es
ziele auf Entscheidungsfähigkeit, Mündigkeit und Reflektion, fördere
die Beherrschung von Gruppenprozessen, die Erkenntnis vom Sinn eines
Geben und Nehmens, Organisations- und Leitungsfähigkeit. „Es kostet
Zeit, aber sie steht in einem Verhältnis zu dem Profit, der daraus
zu ziehen ist“, so der für die Wölflingsarbeit bei der DPSG
zuständige Student. Dieses Engagement fördere eine
Persönlichkeitsentwicklung, präge für das Leben und habe nicht
zuletzt auch bei der universitären Existenz nachhaltige und positive
Auswirkungen in der Organisation und Bewältigung des Studiums.
(www.dpsg.de)
Ähnlich positiv äußerte sich Jörg Miller als
Vertreter des Projekts „Uni aktiv“ zu außeruniversitärem Tun.
„Zukünftige Führungskräfte sollten sich sozial engagieren“, forderte
der Projektleiter am Labor für Organisationsentwicklung im
Fachbereich Bildungswissenschaften. In der US-amerikaischen
Tradition verpflichtend, sei die zwangsweise Arbeit von Studenten in
Community Services zwar bei uns noch kein Thema, doch müssten
bürgerschaftliche Aktivitäten an den Universitäten einen größeren
Stellen- und Bekanntheitswert erhalten. In der Zusammenarbeit mit
der Ehrenamtzentrale stünden über 300 Angebote in sozialen,
kulturellen und ökologischen Einrichtungen zur Verfügung, auch sei
man zur Verankerung von „Service Learning“ mit der Seite der
Lehrenden in Kontakt getreten. Die Anlaufstelle auf dem Campus biete
Beratung und Begleitung, Qualifizierung und Zertifikate – ein
Beitrag zu einer Universität, die nicht nur Fachwissen, sondern auch
in der Wirtschaft gefragte wichtige Schlüsselqualifikationen als
„Kaltwasserkompetenz“ vermittle. (www.uni-aktiv.org)
Die freundlich, humorvoll und zugleich besorgt
vorgetragene „Studentenschelte“ von Prof. Hartung könne er zwar
nicht ganz teilen, meinte Professor Dieter Sturma, doch stünden die
Universitäten am „Ende der Bildungskette: Das Versagen der
schulischen Vorbildung sei zu offensichtlich („Die Schulen sind ein
Elend“), die Bildungsvoraussetzungen seien schlechter, die
Unterschiede größer geworden. Dabei hätten Studenten eine
Riesenchance, die sie nutzen sollten, betonte Sturma. Mit Blick auf
eigene Erfahrungen an US-Universitäten sprach er von der „chance to
excell“, der „Möglichkeit, sich auszuzeichnen“. Das Gejammer über
die Geisteswissenschaften, ob in den eigenen Reihen oder in der
Öffentlichkeit, vor allem in den Medien, nannte er
„verantwortungslos“, die sogenannten „Rankings“ von Universitäten
„im wesentlichen ein Witz“ und den Einfluss der Wirtschaft auf die
Hochschulen „bedrückend“. Studenten, riet er dringend, sollten sich
den öffentlich postulierten Bedürfnissen der Industrie verweigern,
sondern vor allem das machen, „was ihnen Spaß macht – und es gut
machen.“ Professoren, erklärte er mit Hinweis auf das Rousseausche
Diktum vom „Missbrauch der Lebenszeit“, stünden in einer wichtigen
Verantwortung für die Lebenszeit der Studierenden und warb für eine
engere und partnerschaftliche Zusammenarbeit aller an der
Universität Lebenden und Arbeitenden.
Fazit: Schluss mit dem
Mimikri
Offensichtlich, so darf man nach der Diskussion wohl unter
anderem auch zusammenfassen, ist es eben doch nicht von der Hand zu
weisen, dass studentische Aktivitäten, die schon immer in enger
Kohabitation mit der Universität zu tun haben, noch nie „auf dem
falschen Dampfer“ waren. Was, so auch in den Wortbeiträgen in der
Diskussion, seien studentische Verbindungen anders als eben die
geforderten Orte, Foren, Lebens- und Erfahrungsräume, an denen „der
Student wirklich Student sein kann“? Ein Verband, so
Diskussionsleiter Bbr. Sebastian Sasse, der wie die UNITAS 150 Jahre
die Entwicklung der Universität und Studenten lebenslang aktiv
begleite, stelle seine Kompetenz offensichtlich zu oft unter den
Scheffel.
Dass sich außer den Bundesbrüdern der Ruhrania und
Angehörigen des UNITAS-Zirkels Essen nur eine Handvoll studentischer
Gäste zu der als öffentliche Podiumsdiskussion geplanten Debatte
eingefunden hatten, fiel auch den Professoren auf. „Da haben sie den
Beweis, dass das, was Sinn macht, aber über das Geforderte hinaus
geht, wenig angenommen wird“, konstatierte Professor Hartung, der
genau daran entlang die Stipendienfähigkeit von Studierenden
deklinierte. Und Professor Sturma erklärte: „Vielleicht sind sie ja
tatsächlich eben so eine Gruppe, die genau das tut, was man als
Gesellschaft wohl von der Universität und als Universität von den
Studenten verlangen kann.“ - Genug Stoff für die einen großen Bogen
spannende Debatte, die sich im Anschluss an die Veranstaltung in die
benachbarte Kneipe „Litfass“ verlagerte. Mit der Erkenntnis, dass
mit dem Mimikri von studentischen Verbänden an den Unis Schluss
endlich sein muss. Und dass das Gerede von den „Top-Unis“ außerhalb
des Ruhrgebiets eben auch nur - Gerede - ist ....
CB
PROGRAMMHINWEIS:
Öffentliche Podiumsdiskussion
"Haben Studenten eine
gesellschaftspolitische Aufgabe?" am Donnerstag, 12. Januar 2006
an der Universität Essen
Seit es
Universitäten gibt, heißt es Bücherschleppen und Scheinekloppen,
Vorlesungen besuchen und Prüfungen ablegen. Doch warum sollten sich
Musensöhne und -töchter an den Hohen Schulen im ganz normalen Leben
nicht auch mit ganz normalen Dingen beschäftigen? Nicht
Kinobesuchen, Parties, Ferientouren, versteht sich - nicht allein.
Sondern mit Tätigkeiten im sozialen Bereich.
Das tun heute immer mehr Studiosi, denn
langsam spricht sich rum, dass man nicht nur nach dem
US-amerikanischen Vorbild "Credit Points" für´s Studium sammeln
kann, sondern gerade hier etwas für´s Leben lernt, Grundbedingungen
für Stipendien erfüllt und nebenbei ganz praktisch gesellschaftliche
Mitverantwortung einübt. Seit einigen Jahren gibt es auch an
deutschen Hochschulen Freiwilligenagenturen, die endlich
einen alten Gedanken wieder in Erinnerung rufen. Denn bereits vor
100 Jahren hat sich eine "sozialstudentische Bewegung"
entwickelt, an der die damals bestimmenden, kirchlich
geprägten studentischen Verbände wesentlich beteiligt waren.
Die weitgespannten Tätigkeiten dieser Bewegung hat ganze
Generationen von Akademikern geprägt.
Geht das auch heute
noch? Haben Studenten nicht genug zu tun? Was bringt es? Wie
geht es? Diese Fragen gehen alle an. Denn es ist ein Thema,
das zu einer zukunftsfähigen Bildung an zukunftsfähigen
Universitäten gehört.
Unter Leitung von Ruhranen-Senior Bbr. Sebastian Sasse
diskutieren:
Prof. Dr.
Dieter Sturma, Institut für
Philosophie Prof. Dr. Wolfgang Hartung, Historiker
und Vertrauensdozent der Konrad Adenauer-Stiftung Daniel
Feldmann, Student und aktiv bei den Pfadfindern und ein
Vertreter des Projekts "Uni aktiv". Veranstalter: W.K.St.V.
UNITAS Ruhrania Bochum-Essen-Dortmund
18 Uhr, im
evangelischen Studentinnen- und Studentenzentrum die
BRÜCKE. Adresse: Universitätsstr.19
45141 Essen, Tel
0201-235766, Fax 0201-202589, E-mail: die.bruecke@uni-essen.de,
http://www.die-bruecke.uni-essen.de/
Zur
Teilnahme wird ganz herzlich
eingeladen.
Zur Diskussion empfehlen wir folgenden
Beitrag von Christopher Onkelbach aus der WAZ von Montag, 9. Januar
2006

ESSAY: ZUKUNFT DER
BILDUNG
Wissen als
Blindenhund
Bildung zwischen Wahrheit und
Wettbewerb. Reformen an Schulen und Hochschulen setzen auf
Verwertbarkeit und Markt. Verantwortung der Wissenschaft
Von
Christopher Onkelbach
Essen. Unsere Schulen und Hochschulen werden immer
mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst. Es geht um die
möglichst schlanke und schnelle Ausbildung junger Menschen, um sie
rasch und reibungslos ins Berufsleben zu bringen.
Die
Hochschulreform, die Nordrhein-Westfalen derzeit erlebt, trägt die
Überschrift: Wettbewerb! Praxisorientierung, Berufsbefähigung,
Beschleunigung und Output-Orientierung sind die Schlagworte, die
darunter stehen. Für die Umstellung der Hochschulfinanzierung auf
leistungsabhängige Maßstäbe gibt es viele gute Argumente. Was aber
für die Bildung daraus folgt, wird selten mitgedacht. So ist etwa
die Umstellung der Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und
Master auch als Sparmaßnahme zu sehen. Mit Hilfe des gestuften
Systems lassen sich mehr Leute in kürzerer Zeit durch die Uni
schleusen und die Zahl der Absolventen wird womöglich auch erhöht.
Der Bologna-Prozess begann mit dem richtigen Ziel, in Europa einen
einheitlichen und konkurrenzfähigen Hochschulraum zu entwickeln. Wie
dies aber gestaltet werden kann, ohne die Studieninhalte allein
rascher Berufsbefähigung zu unterwerfen, blieb blass. Dem
Bologna-Prozess fehle die geistige Orientierung, kritisierte der
Philosoph Julian Nida-Rümelin. Eine Reform des Bildungswesens
muss eine bedeutsame Grundfrage beantworten: Soll das Bildungssystem
ein vom Staat finanziertes und weitgehend geschütztes Gegenmodell
zum Markt bleiben oder soll es Teil des Marktes werden? Im Grunde
wurde diese Frage von vielen Bildungspolitikern schon in dem Moment
entschieden, als sie mehr Wettbewerb forderten. Wozu auch die
Einführung von Studiengebühren gehört.
Was aber folgt aus der
zunehmenden Ökonomisierung der Bildung? Wettbewerb erzeugt stets
Gewinner und Verlierer. Wo Ressourcen knapp sind, gibt es
Verteilungskämpfe. Im Bildungswesen sind Sieger oder Verlierer nicht
nur Hochschulen, Fachbereiche, Wissenschaftler oder Studierwillige,
der Prozess betrifft am Ende die ganze Gesellschaft. Wie lässt
Marktsteuerung sich mit sozialer Gerechtigkeit vereinbaren? Sie
erzeugt Eliten, und die Masse der anderen. Der Bielefelder Philosoph
Christoph Butterwegge schrieb: "Wettbewerb, der Sieger und Verlierer
kennt, ist mit Wissenschaft, die nach Wahrheit strebt, kaum
vereinbar." Markt und Bildung - das sind nicht einmal die beiden
Seiten einer Medaille. Bildung - wie auch Dichtung, Kunst, Musik -
folgt in ihrem Ideal anderen Gesetzen. Sie will nicht siegen,
sondern überzeugen. Sie ist nicht effektiv, sondern sperrig. Sie ist
ohne ökonomisches oder politisches Interesse. Sie ist nicht
zweckbestimmt, sondern frei. Sie ist nicht aktuell, sondern zeitlos.
Sie hat es nicht eilig, sondern benötigt Muße. All dies macht sie
aus ökonomischer Sicht suspekt.
Mit diesem traditionellen humanistischen Bildungsideal
kollidiert die Idee, Forschung und Lehre nach ihrem Beitrag zum
wirtschaftlichen und technischen Fortschritt zu beurteilen. Das
Paradoxe an dieser Vorstellung ist, dass eine konsequente
Ausrichtung der Wissenschaft auf Kriterien der Verwertbarkeit die
Wissenschaft selbst lähmen und beschädigen würde. Ihr fehlte die
nötige Freiheit. Die kulturelle Funktion, die aufklärerische
Tradition, das kritische und distanzierte Beobachten gingen
verloren. Die zweite Form der Ökonomisierung ist der Umbau der
Hochschulen zu Anstalten der Berufsausbildung. Dies wäre jedoch bei
der wachsenden Dynamik des Arbeitsmarktes eine Sackgasse. Ausbildung
hat mit Bildung wenig zu tun. Das Resultat wäre ein Heer von
Fachleuten, die aber das Ganze nicht überschauen. Was fangen wir an
mit unseren Daten? Wohin gehen wir? Zu welchem Zweck lernen wir? Was
ist das Ziel? Wie dient das Wissen der Gesellschaft? Diese Fragen
kann ein Spezialist nicht beantworten, sein Expertenwissen gliche
einem Blindenhund, der uns durch eine komplizierter werdende Welt
mehr schlecht als recht leitet. Sehen könnte der Fachmann nur, hätte
er Bildung.
In Zeiten, wo religiöse und kulturelle Differenzen zunehmen,
wo die Globalisierung uns vor neue Herausforderungen stellt, kann
uns ein Spezialist also kaum helfen. Wir brauchen die Kultur-,
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