HOME 

 

 

Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
UNITAS RUHRANIA BOCHUM-ESSEN-DORTMUND

+ + + EUROPA - UNSERE HEIMAT. + + + SPECIAL ZUR ZUKUNFT UNSERES KONTINENTS + + +

 

 


ZdK Zentralkomitee der deutschen Katholiken

 



ZdK-Erklärung zur Arbeit des Europäischen Konvents für die Zukunft Europas

„Für eine wertgebundene 
europäische Verfassungsordnung“

Eine wertgebundene europäische Verfassungsordnung hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in einer von der Vollversammlung in Bonn-Bad Godesberg am 22. November 2002 verabschiedeten Erklärung gefordert. Der in den vergangenen 50 Jahren zurückgelegte Weg der europäischen Einigung sei eine einzigartige Erfolgsgeschichte mit zutiefst ethischen Implikationen, heißt es in der Erklärung.

Ehemals tief verfeindete Völker hätten nach den schrecklichen Erfahrungen der beiden Weltkriege und der Überwindung des nationalsozialistischen Totalitarismus die Kraft zur Versöhnung und zur Schaffung einer dauerhaften Friedensordnung aufgebracht. Gleichzeitig sei ein Raum der Freiheit geschaffen worden, der den Menschen in einem bisher nicht gekannten Masse Sicherheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit gebracht habe. Ausdrücklich begrüßt das ZdK die Einbeziehung der mittel- und osteuropäischen Völker, die der Union eine gesamteuropäische Dimension verleihen werde. Dieser Vorgang müsse für die Festigung des Friedens und die Schaffung einer freiheitlichen, stabilen Wirtschafts- und Sozialordnung auf dem ganzen Kontinent genutzt werden.

Die Erweiterung stelle die Europäische Union vor große Herausforderungen, heißt es in der Erklärung: „Sie muss durch die Reformen ihrer Institutionen und Verfahren jene Vertiefung erreichen, die für ihre zukünftige Handlungsfähigkeit unabdingbar ist. Als katholische Christinnen und Christen, Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union beteiligen wir uns an dieser Debatte über die Zukunft Europas und die Verfassungsordnung der Union, indem wir zu den Fragen Stellung beziehen, die vom Konvent beraten werden“, so der Wortlaut. „Wir argumentieren dabei auf der Grundlage unseres christlichen Glaubens und der christlichen Gesellschaftslehre und bemühen uns, Aussagen zu machen, die universal überzeugen. Denn uns ist bewusst, dass die Verfassung einem multinationalen, kulturell und religiös pluralen Europa Form geben muss.“

Die Debatte über die Verfassung und die bevorstehende europäische Erweiterung müsse zum Anlass genommen werden, sich erneut über das Ethos und die moralischen Grundlagen des europäischen Projektes zu verständigen. Jenseits von Nützlichkeitserwägungen müssten grundsätzlich die Fragen geklärt werden, welche Ziele und Prinzipien das Handeln leiten und welche Institutionen nach welchen Regeln das Zusammenleben ordnen sollen, forderte das ZdK. Für zentral halten die Delegierten des obersten katholischen Laiengremiums die Verfassungsziele Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Diese Grundziele umschreiben die großen Sehnsüchte der Menschen und sind zugleich der Inhalt dessen, was im Sinne des neuzeitlichen politischen Denkens als Gemeinwohl verstanden wird. Als ständige Herausforderungen sind Friede, Freiheit und Gerechtigkeit diejenigen Verfassungsziele, an denen sich die Interessenwahrnehmung, die Konfliktregelung und die Problemlösung im europäischen Gemeinwesen orientieren sollten, betonen die Delegierten.  

Als katholische Christen und Bürger der Europäischen Union erachten die Mitglieder des ZdK den Vorrang der Würde des Menschen und das Bekenntnis zur christlichen Prägung Europas in einer künftigen Verfassung für besonders wichtig. In der Präambel solle ausdrücklich erklärt werden, dass die Verfassung von der unteilbaren und unantastbaren Würde des Menschen ausgeht. Ohne die geistige, kulturelle und soziale Prägung Europas exklusiv auf das Christentum zurückzuführen - Judentum und Islam hätten ebenfalls die europäische Kultur beeinflusst - solle sich die Union in der Präambel ihrer Verfassung zur religiösen und kulturellen Prägung Europas bekennen, forderte das ZdK. Darum tritt es dafür ein, dass die Präambel der Verfassung ausdrücklich einen Hinweis auf die Verantwortung vor Gott, den Menschen und dem eigenen Gewissen enthält. In diesem Transzendenzbezug würde sich das Bewusstsein von der Vorläufigkeit, Fehlbarkeit und Unvollkommenheit allen menschlichen, auch des politischen Handelns spiegeln, betont das ZdK. Eine Anlehnung an die Formulierung der Präambel der polnischen Verfassung von 1997 wäre darum sinnvoll und würde zudem ein wichtiges Signal an die zukünftigen Mitgliedsstaaten und ihre Integration darstellen.

Dem Prinzip der Subsidiarität verpflichtet

Laut ZdK muss das Verhältnis zwischen der Union und den Mitgliedsstaaten föderal geordnet werden und sich in seiner arbeitsteiligen Kompetenzordnung am Prinzip der Subsidiarität orientieren. Die Verantwortlichkeiten müssten von unten nach oben aufgebaut werden, indem die Europäische Union nur dort Zuständigkeiten erhalte, wo allein gemeinsames Handeln zum Ziel führt, wie etwa in der Außenpolitik. In diesem Zusammenhang wird in der Erklärung des ZdK ausdrücklich gefordert, im Sinne der Subsidiarität auch Ehe und Familie als Keimzelle der Gesellschaft anzuerkennen, zu schützen und zu fördern. Die Organe der Union müssten in der europäischen Verfassung ausdrücklich verpflichtet werden, die kleinsten Verantwortungsgemeinschaften Ehe und Familie vorrangig zu schützen und günstige Rahmenbedingungen für das Gelingen stabiler Beziehungen in Ehe und Familie zu schaffen.

Mit Blick auf die Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften in einer künftigen Verfassung plädiert die ZdK-Erklärung dafür, dass der Beitrag dieser für das Leben vieler Menschen bedeutsamen Gemeinschaften in der Verfassung ausdrücklich anerkannt wird. Darum solle die Verfassung nicht nur die freie Religionsausübung im Sinne eines Abwehrrechtes gegenüber staatlichen Instanzen gewährleisten, sondern darüber hinaus den religiös gebundenen Bürgern das Recht garantieren, sich in Religionsgemeinschaften zu organisieren.

Um im Interesse der Bürgerinnen und Bürger die notwendige politische Gestaltungsmacht zurück zu gewinnen ist laut ZdK eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union notwendig. Europa müsse eine eigenständige friedenspolitische Rolle übernehmen, wozu es einer am Ziel eines weltweiten Friedens orientierten europäischen Sicherheits-, Friedens- und Verteidigungspolitik bedürfe, stellen die Mitglieder des ZdK in ihrer Erklärung fest.

Mit der vorgestellten Erklärung will das ZdK dazu beitragen, dass die europäische Verfassungsdebatte zu einer Vergewisserung über die Identität der EU führt. Zugleich wollen die Laienkatholiken damit eine Grundlage für die anstehende Zusammenarbeit mit anderen europäischen Laieninitiativen schaffen.

Der vollständige Text im Internet unter www.zdk.de.