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Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
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„Europa, vergiss deine Geschichte nicht!” 
Mit „Ecclesia in Europa“ will der Papst den Alten Kontinent 
neu beseelen

VATIKAN. „Die christlichen Wurzeln sind für Europa die Hauptgarantie für die Zukunft“, unterstrich Papst Johannes Paul II. Ende Juni 2003 bei der Vorstellung des Lehrschreibens „Ecclesia in Europa“. Nachdrücklich forderte er, in der europäischen Verfassung den Bezug auf das religiöse und christliche Erbe deutlich zu machen. Wenn die europäische Einheit auf geographische und ökonomische Aspekte beschränkt bleibe, werde sie keinen festen Bestand haben, warnte er. In dem 135-seitigen Dokument gibt er Hinweise für die Errichtung des gemeinsamen europäischen Hauses, die sich am Evangelium orientieren. Das Schreiben wurde in sieben Sprachen herausgegeben und fasst 40 Vorschläge der 179 Bischöfe zusammen, die an der Synode vom 1. bis zum 23. Oktober 1999 teilgenommen hatten. Es steht unter demselben Motto wie die Synode selbst: „Jesus Christus ist in seiner Kirche lebendig, er ist Grund zur Hoffnung für Europa“.

Der christliche Glaube und seine Werte gehörten „tief greifend und maßgebend zu den Fundamenten der europäischen Kultur“, betonte der Papst. Er mahnt, die Einheit Europas müsse vor allem in einer Übereinstimmung von Werten bestehen, die im Recht und Leben ihren Ausdruck finden. Dazu gehörten die Achtung der Menschenwürde und der Religionsfreiheit, der Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod sowie die auf Ehe gegründete Familie.

Christliches Erbe als Zukunftsplan

Gerade in der gegenwärtigen tiefen Wertekrise müsse Europa seine „wahre Identität“ wiedererlangen und sich seines geistigen Erbes bewusst werden, schreibt der Papst. Kirche und Glaube wollten und könnten dazu Hoffnung geben. Das christliche Erbe gehöre nicht der Vergangenheit an, es sei „ein Zukunftsplan zum Weitergeben an die künftigen Generationen“. Es habe einen entscheidenden Beitrag geleistet in der „Bejahung der transzendenten Würde der menschlichen Person, des Wertes der Vernunft, der Freiheit, der Demokratie, des Rechtsstaates und der Unterscheidung zwischen Politik und Religion“. Der Papst bedauert, in Europa gebe es einen „Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes“, der mit Unglauben und religiöser Gleichgültigkeit einhergehe. Teilweise versuche man sogar, die europäische Kultur vom Beitrag des Christentums loszulösen. Johannes Paul II. stellte klar, dass die Kirche in den Beziehungen zu den Staaten keine Rückkehr zu Formen eines Bekenntnisstaates fordere. Allerdings bedauere sie jede Art von ideologischem Laizismus oder feindseliger Trennung zwischen den staatlichen Institutionen und den Glaubensgemeinschaften.

EU offen für alle Völker

„Über kurz oder lang“ seien alle Völker, die dasselbe grundlegende Erbe teilten, zur Teilnahme in der EU berufen, betonte der Papst. Diese Ausweitung müsse im Respekt gegenüber allen Seiten erfolgen und das Subsidiaritäts- und Solidaritätsprinzip wahren. Ebenso eindringlich rief der Papst die Europäer zum Einsatz für Frieden auf dem Kontinent und zu Solidarität mit den armen Ländern auf. Europa müsse sich „unermüdlich dafür einsetzen, innerhalb seiner Grenzen und in der ganzen Welt Frieden herzustellen“. Der Kontinent habe im vorigen Jahrhundert totalitäre Ideologien und übersteigerte Nationalismen erlebt. Noch in jüngster Zeit hätten blutige ethnische Kämpfe gezeigt, wie brüchig der Frieden sei, der „nur durch das Erschließen neuer Perspektiven des Austausches, der Vergebung und der Versöhnung zwischen Personen, Völkern und Nationen gewährleistet werden kann“.

Die internationale Zusammenarbeit müsse nach Überzeugung des Papstes im Sinne einer neuen „Kultur der Solidarität“ neu überdacht werden. Europa sei „kein geschlossenes oder isoliertes Territorium“ und dürfe sich nicht auf sich selbst zurückziehen. Als „offener und gastfreundlicher Kontinent“ sei Europa im Zuge der Globalisierung aufgefordert, „Formen nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sozialer und kultureller Zusammenarbeit“ umsetzen. Ausdrücklich ruft Johannes Paul II. die Christen zu Einheit auf. Es wäre „einer der größten Skandale unserer Zeit“, wenn im Rahmen der politischen Einigung Europas gerade die Kirche ein Faktor der Entzweiung und Uneinigkeit wäre. Zugleich mahnt er weiteren interreligiösen Dialog an.

Der Auftrag der Christen

1. Leben: Nachdrücklich ruft der Papst die Katholiken Europas auf, das Evangelium tief und gründlich zu leben. In der europäischen Kirche seien besorgniserregende Anzeichen der Verweltlichung zu bemerken. Daher sollten alle Gläubigen an der Bewahrung der christlichen Identität und an der Wiederentdeckung der Innerlichkeit arbeiten, an der Erhaltung der Gemeinschaft, an der Überwindung von Angst, Trägheit, Nachlässigkeit und Treulosigkeit und schließlich an der Fortführung der Ökumene.

2. Verkündigung: Notwendig sei die glaubwürdige Verkündigung des Mysteriums Christi, da in Europa die Zahl derer immer mehr zunimmt, die entweder gar nicht getauft sind oder sich von ihrem Taufglauben weit entfernt haben. Dazu kommt eine säkularistische Auslegung des Glaubens. All das macht aus Europa einen Kontinent, der neu evangelisiert werden müsse, so der Papst.

3. Feier: Auch bei den Europäern zeige sich ein starkes Verlangen nach Gott. Leider deute dennoch vieles darauf hin, dass in Europa der Sinn für die Feier der Sakramente verloren geht - insbesondere für das Sakrament der Versöhnung und für das Altarsakrament selbst.

4. Dienst: Nur durch den Dienst der Liebe könne schließlich eine „Kultur der Solidarität“ verbreitet werden, denn durch die Nächstenliebe werde auch den Armen wieder neue Hoffnung gegeben. Drei wichtige Bereiche für konkretes Handeln nennt der Papst in diesem Zusammenhang: zum Ersten die Verteidigung und Unterstützung der Familie gegenüber Gesetzesentwürfen, die ihre Identität aushöhlen, zum Zweiten die Verteidigung des Lebens gegen Geburtenrückgang und Abtreibung, und zum Dritten die Aufnahme von Zuwanderern, deren Zahl in Europa in der letzten Zeit immer mehr zugenommen hat.

Die EU werde „sich nicht konsolidieren, wenn sie nur auf eine geografische und wirtschaftliche Dimension reduziert bleibe. Sie habe vielmehr in erster Linie in einer Eintracht der Werte zu bestehen, die im Rechtswesen und im Leben selbst zum Ausdruck kommt“. Daher müsse in der künftigen Verfassung unbedingt das religiöse, besonders aber das christliche Erbe Erwähnung finden und auch die Rechte der Kirchen und Glaubensgemeinschaften müssten gewahrt werden. „Das Evangelium ist nicht gegen dich, sondern für dich“, wendet sich der Papst in seinem Schreiben direkt an den Alten Kontinent.

Der Text gehe von einer nüchternen Situationsanalyse der Kirche und des Christlichen in Europa aus, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in seiner Stellungnahme und dankte im Namen der deutschen Bischöfe Papst Johannes Paul II. „für diese bedeutende Ermutigung für die Kirche, die Gesellschaft und die Politik.“ Der Text mache eindrucksvoll deutlich, dass Europa ein Kontinent der ethischen und spirituellen Werte sowie der Kultur sei. Das Schreiben sei eine Handreichung zentraler geistiger und ethischer Grundbausteine für ein neues Europa. Die deutsche Übersetzung des Dokumentes „Ecclesia in Europa“ ist in der Schriftenreihe der Deutschen Bischofskonferenz „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“ erschienen. Home: http://www.dbk.de

(KNA/zenith)

 

 

DOKUMENT: Ecclesia in Europa

Am 28. Juni 2003 wurde das Nachsynodale Apostolische Schreiben Ecclesia in Europa an die Bischöfe und Priester, an die Personen gottgeweihten Lebens und an alle Gläubigen von Papst Johannes Paul II., vorgestellt. Zwei Sonderversammlungen der europäischen Bischofssynode waren dem Schreiben vorausgegangen: Während der ersten Versammlung vom 28. November - 14. Dezember 1991 wurde das Thema: "Auf daß wir Zeugen Christi sind, der uns befreit hat" behandelt, in der zweiten Sonderversammlung vom 1. - 23. Oktober 1999 wurde das Thema: "Jesus Christus, der in Seiner Kirche lebt - Quelle der Hoffnung für Europa" beraten.

Der Text geht von einer gezielten Situationsanalyse der Kirche und des Christlichen in Europa aus und macht deutlich, dass Europa ein Kontinent der ethischen und spirituellen Werte sowie der Kultur ist. Das Schreiben stellt eine Handreichung zentraler geistiger und ethischer Grundbausteine für ein neues Europa dar. Papst Johannes Paul II. forderte mit diesem päpstlichen Dokument die Europäische Union auf, mit den Glaubensgemeinschaften einen Dialog aufzunehmen, der vom Respekt ihrer Freiheit, ihrer Rechte und ihrer spezifischen Identität geprägt sein müsse. In diesem Schreiben wird scharf und kompromißlos über Probleme des alten Kontinents und der katholischen Kirche in Europa gesprochen, die Ursachen dieser Probleme werden tief analysiert.

Europas christliche Wurzeln

Die christlichen Wurzeln seien für Europa die Hauptgarantie für die Zukunft, unterstrich Papst Johannes Paul II.; wenn die europäische Einheit nur auf geographische und ökonomische Aspekte beschränkt bleibe, werde sie keinen festen Bestand haben, warnte er. Er fordert die Kirche in Europa auf, gleichsam das Evangelium neu zu lesen und im Blick auf das neuwerdende Europa zu gestalten. Jeden größeren Abschnitt beschließt er mit der Aufforderung: „Du, Kirche in Europa“. Zu den „Zeichen der Hoffnung“ zählt der Papst die Freiheit der katholischen Kirche im Osten Europas.

EU-Verfassung

Der Papst fordert in dem Dokument erneut auf, im derzeitigen europäischen Einigungsprozess und bei der Ausarbeitung einer EU-Verfassung die (aus Sicht der Kirche) biblisch-christlichen Wurzeln nicht zu vergessen und betont den christlichen Charakter Europas. Deshalb müsse sich Europa seines religiösen und insbesondere christlichen Erbes bewusst sein oder auf weiten Strecken wieder bewusst werden. Der Papst fordert, dass eine Verfassung Europas auch den Beitrag seines religiösen und insbesondere christlichen Erbes ausdrücklich anerkennen müsse. Die Einheit Europas, sagt er dürfe „sich nicht allein auf politischen und ökonomischen Pragmatismus beschränken“. Die Europäische Union müsse die grundlegenden Werte anerkennen, zu denen das Christentum einen entscheidenden Beitrag geleistet habe.

(vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Ecclesia_in_Europa“)

   

Zum DOKUMENT - hier klicken

NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN ECCLESIA IN EUROPA VON PAPST JOHANNES PAUL II. AN DIE BISCHÖFE UND PRIESTER, AN DIE PERSONEN GOTTGEWEIHTEN LEBENS UND AN ALLE GLÄUBIGEN ZUM THEMA »JESUS CHRISTUS, DER IN SEINER KIRCHE LEBT – QUELLE DER HOFFNUNG FÜR EUROPA«. Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 28. Juni, der Vigil des Hochfestes der heiligen Apostel Petrus und Paulus, im Jahre 2003, dem fünfundzwanzigsten des Pontifikates. JOHANNES PAUL II.
 

 

"Bedeutende Ermutigung" 
Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,
Kardinal Karl Lehmann, zur Veröffentlichung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens "Ecclesia in Europa" von Papst Johannes Paul II. am 28. Juni 2003

Am 28. Juni 2003 hat Papst Johannes Paul II. das Nachsynodale Apostolische Schreiben "Ecclesia in Europa" veröffentlicht. Grundlage des Dokumentes, in dem es um die Situation der Kirche im heutigen Europa geht, sind die Beratungen der 2. Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, zu der sich europäische Bischöfe vom 1. bis 23. Oktober 1999 in Rom versammelt hatten. Die 1. Sonderversammlung fand unmittelbar nach der Wende statt und wurde am 13. Dezember 1991 mit einer längeren Erklärung "Damit wir Zeugen Christi sind, der uns befreit hat" abgeschlossen.

Ziel des päpstlichen Schreibens ist es, vor allem für die Hoffnung Zeugnis zu geben, deren Quelle Jesus Christus ist. "Jesus Christus, der in seiner Kirche lebt - Quelle der Hoffnung für Europa" ist denn auch das Thema, das im Zentrum des Dokumentes steht. Zunächst geht der Text von einer nüchternen Situationsanalyse der Kirche und des Christlichen in Europa aus: Neben vielen Zeugnissen christlichen Glaubens werden auch eine weit verbreitete Gottvergessenheit und religiöse Gleichgültigkeit diagnostiziert. Der Freiheit der Menschen, der Achtung der Menschenrechte und der hohen Lebensqualität stehen eine um sich greifende Zukunftsangst, eine weit verbreitete "Zersplitterung des Daseins" und eine zunehmende Schwächung der Solidarität gegenüber. Der europäische Einigungsprozess hat zu großen Fortschritten in der Versöhnung zwischen den Nationen geführt, zugleich aber wird seine biblisch-christliche Verwurzelung von vielen ausgeblendet.

Angesichts dieser Zeitdiagnose macht der Text eindrucksvoll deutlich, dass Europa nicht nur eine politische und wirtschaftliche Einheit ist, sondern wie sehr Europa ein Kontinent der ethischen und spirituellen Werte sowie der Kultur ist. Dabei erinnert der Papst nachdrücklich daran, dass "der christliche Glaube tiefgreifend und maßgebend zu den Fundamenten der europäischen Kultur gehört." Der Glaube an Jesus Christus ist "eine Gabe, die der geistigen und kulturellen Einheit der europäischen Völker zugrunde liegt und die noch heute und in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Entwicklung und Integration darstellen kann."

Europa befindet sich derzeit im Um- und Aufbau. In dieser Phase der Neugestaltung ruft der Papst Europa auf, seine wahre Identität wiederzuerlangen: Es muss ein "neues Modell der Einheit in der Vielfalt aufbauen". Die Kirche kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, da sie selbst immer schon "ein Modell wesenhafter Einheit in der Verschiedenheit der kulturellen Ausdrucksformen" ist. Die Einheit Europas darf sich nicht allein auf politischen und ökonomischen Pragmatismus beschränken. Vielmehr muss die Europäische Union die grundlegenden Werte anerkennen, zu denen das Christentum einen entscheidenden Beitrag geleistet hat: die transzendente Würde der menschlichen Person, den Wert der Vernunft, der Freiheit, der Demokratie, des Rechtsstaats und der Unterscheidung zwischen Politik und Religion. Nur so kann aus der Wertekrise, in der Europa steckt, neuer Schwung folgen, der den Bürgern Anlass zur Hoffnung gibt.

Deshalb muss sich Europa seines religiösen und insbesondere christlichen Erbes bewusst sein oder auf weiten Strecken wieder bewusst werden. Mit Blick auf die aktuelle Debatte über den vom Europäischen Konvent vorgelegten Verfassungsentwurf fordert der Papst, dass eine Verfassung Europas auch den Beitrag seines religiösen und insbesondere christlichen Erbes ausdrücklich anerkennen muss.

Die deutschen Bischöfe danken Papst Johannes Paul II. für diese bedeutende Ermutigung für die Kirche, die Gesellschaft und die Politik. Der Text nimmt viele Äußerungen der 2. Europa-Sondersynode und des Papstes selbst auf. So ist der Text eine Handreichung zentraler geistiger und ethischer Grundbausteine für ein neues Europa geworden. Die Kirche in Europa wird sich mit diesem Text mit noch größerem Nachdruck für die Verkündigung des Evangeliums in Europa und für den Aufbau einer friedlichen und gegenüber der Welt offenen Zukunftsordnung dieses Kontinents einsetzen.

Bonn / Mainz, 28.06.2003