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Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein
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Erwartungen der katholischen Studentenverbände
an die Europäische Verfassung

aus: unitas 2003/3

 

In der folgenden gemeinsamen Erklärung haben die Vorortspräsidenten des Cartellverbands katholischer deutscher Studentenverbindungen, des Kartellverbands katholischer deutscher Studentenvereine und des Verbands der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS die Erwartungen der katholischen Studentenverbände an die Europäische Verfassung formuliert:

Die Europäische Union wird den Völkern Europas eine tragfähige und fruchtbare Zukunft eröffnen, wenn sie jenseits rein wirtschaftlicher und politischer Zweckmäßigkeit neben die nationale Identität der Völker das Bewusstsein einer europäischen Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit stellt. Nationale wie auch europäische Identität sind dabei neben einem Konsens in bestimmten grundlegenden Wertefragen wie beispielsweise dem Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit maßgeblich darauf angewiesen, dass grundsätzlich divergierende Wertvorstellungen innerhalb der Gesellschaft zu einem angemessenen Ausgleich kommen.  

Wir, die großen katholischen Studentenverbände Deutschlands, der Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen (CV), der Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) und der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS (UV) begleiten aufmerksam und kritisch die Beratungen zu einer Europäischen Verfassung, die wir als Ausdruck und Wegbereiter einer gesamteuropäischen Gesellschaft begrüßen. Die nachfolgenden Aspekte sollten als besonders wichtig in der Verfassung verankert sein:

I. 

Das jeweilige gewachsene Verhältnis zwischen Staat und Kirche in den europäischen Staaten ist Garant eines bewährten Zusammenspiels zwischen diesen beiden wichtigen gesellschaftlichen Akteuren. Vor diesem Hintergrund befürworten wir die vorgesehene Achtung der nationalen Staat-Kirchen-Verhältnisse ausdrücklich.

II. 

Das Erbe des Christentums hat über Jahrhunderte hinweg das Angesicht Europas geprägt und die Erfolge christlicher Denkkultur ermöglicht. Auch die zukünftigen Chancen Europas werden maßgeblich davon abhängen, dass die christlich-abendländische Kultur und deren Werteordnung weiterhin respektiert werden. Die über Jahrhunderte hinweg gelebten Werte dürfen daher nicht relativiert werden.

Herkömmlich zeigt die Präambel jeder Verfassung deren Ziele und höchsten Werte. Das darf in der Europäischen Verfassung nicht anders sein! Die drei größten katholischen Studentenverbände fordern daher die Aufnahme eines „Gottesbezugs“ in die Präambel der künftigen Verfassung für Europa. Angelehnt an die Präambel der polnischen Verfassung favorisieren wir den Wortlaut: 

Die Werte der Europäischen Union umfassen die Wertvorstellungen derjenigen, die an Gott als Quelle der Wahrheit, Gerechtigkeit, des Guten und des Schönen glauben, als auch derjenigen, die diesen Glauben nicht teilen, sondern diese universellen Werte aus anderen Quellen ableiten.

Bei objektiver Betrachtung kann sich mit diesem Textvorschlag niemand bevormundet oder gar ausgegrenzt fühlen; auch begründet er keinen Alleinvertretungsanspruch. Allerdings wird mit ihm bewusst das Gewissen gegenüber staatlichen Allmachtsphantasien geschärft.

III.

Ausgangspunkt allen Rechts muss die Achtung der Menschenwürde sein, wie ihre herausgehobene Stellung in der europäischen Menschenrechtskonvention zu Recht verdeutlicht. Aus der Menschenwürde resultiert eine besondere Verantwortung unseres Handelns, die als solche auch Eingang in die Präambel einer Europäischen Verfassung finden sollte.

Der christliche Glaube mit seiner Vorstellung vom (Mit-)Menschen als Ebenbild Gottes (Imago Dei) ist dabei nicht nur die historische Wurzel des Menschenwürde-Gedankens, er verstärkt und erhebt auch die Verantwortung vor den Menschen zu einer Verantwortung vor einer höheren Instanz. Unter Achtung auch derjenigen, die den christlichen Glauben nicht teilen, sondern unsere universellen Werte aus anderen Quellen ableiten, setzen wir uns – wiederum in Anlehnung an die Präambeln der polnischen Verfassung und das deutsche Grundgesetz – nachdrücklich für die Aufnahme der folgenden Formulierung in die Präambel der Europäischen Verfassung ein:

„Im Wissen um unsere Verantwortung vor Gott oder unserem Gewissen und der Verantwortung vor den Menschen.“

Eine echte Gleichberechtigung ohne Herabsetzung der jeweiligen Wertvorstellungen aller Gläubigen und Nichtgläubigen wird gerade erst in einer solchen Formulierung durchgesetzt, die sich sowohl an Gläubige wendet als auch diejenigen, die unsere allgemeingültigen Werte und die Verantwortung aus anderen Quellen ableiten.

Textfeld: Für den Cartellverbandder katholischen deutschenStudentenverbindungen	Für den Kartellverbandkatholischer deutscherStudentenvereine	Für den Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS
Ulf ReermannVorortspräsident	Timo HirteVorortspräsident	Frederick KrüllVorortspräsident