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Bbr. Robert Schuman vor Seligsprechung?

 

VATIKAN. Das Seligsprechungsverfahren für Bbr. Robert Schuman ist in seine Endphase getreten. Das bestätigte der Erzbischof von Besançon, André Lacrampe, bei einer Audienz, zu der Papst Johannes Paul II. Anfang März 2003 mehrere Bischöfe aus dem Osten Frankreichs am Ende ihres „Ad-Limina“-Besuchs geladen hatte. „Wir müssen in den großen Diskussionen in unserem Land über die Zukunft Europas präsent sein und dazu beitragen, dem Kontinent eine Seele zu geben, wie es Robert Schuman gewünscht hätte, dessen Seligsprechungsprozess sehr bald abgeschlossen sein wird“, wandte sich nach Bericht der Nachrichtenagentur ZENIT der Erzbischof an den Papst. Inzwischen hieß es aus von der Agentur APIC zitierten vatikanischen Quellen, der Heilige Vater könnte Schuman bei einem möglichen Straßburg-Besuch im September selig sprechen.

Bbr. Robert Schuman (1886-1963), der erste französische Parlamentarier, der von der Gestapo während des 2. Weltkriegs festgenommen wurde, schloss sich später der französischen Widerstandsbewegung an. Nach dem Krieg wurde Schuman französischer Premierminister, später Außenminister. Er war einer der Autoren des so genannten „Schuman“-Plans vom 9. Mai 1950, der Basis für die Gründung Europas und von 1958-1960 erster Präsident des Europäischen Parlaments. Johannes Paul II. hat Bbr. Schuman bei mehreren Gelegenheiten als Modell für christliche Politiker bezeichnet, vor allem bei seinem Straßburg-Besuch im Jahr 1988.

 

Der Seligsprechungsprozeß

1988 Die "Vereinigung des Hl. Benedikt für Europa" hat beim Bischof von Metz, Monsignore Pierre Raffin, das Gesuch zur Seligsprechung von Robert Schuman eingereicht.

1991 Am 24.11.1991 gibt das Deutsche Komitee für die Seligsprechung Robert Schumans eine Erklärung ab, die die Initiative des St. Benedikt-Instituts in Lucinges-Scy-Chazelles begrüßt und als deutsche Sektion im Rahmen des europäischen Vorbereitungs-Komitees in Metz/Scy Chazelles dem Diözesan-Tribunal zur Verfügung zu stehen. Bis zu seinem Tod 1996 war Erzbischof Dr. Dr. h.c. Josef Stimpfle der Präsident dieses Komitees. Dem Komitee gehörten 1991 an:

Alfred Toepfer als Ehrenmitglied (evangelischer Großhandelskaufmann; Stifter des Robert-Schuman-Preises und der Robert-Schuman-Medaillen in Gold, Silber und Bronze)

Hans August Lücker als geschäftsführender Präsident (ehem. erster Vizepräsident des Europäischen Parlaments, ehem. Präsident der christlich-demokratischen Fraktion im EP)

Ministerialrat Dr. Hubertus Deßloch als Sekretär des Komitees

Pater Karl Bausenhart (Verlagsleiter), Dr. Wolfgang Bötsch (MdB), Prof. Dr. Hans Buchheim, Dr. Alfred Dregger (MdB), Dr. Karl F. Fell (MdB), Cornelius Fetsch (Vorsitzender des BKU), Dr. Thomas Goppel (Bayer. Staatsminister), Prof. Dr. Antonius John, Peter Limburg (Botschafter a.D.), Egon Ludwig (Chefredakteur a.D.), Josef Rommerskirchen (Voristzender der Stiftung Konrad-Adenauer-Haus), Bernhard Mihm (Präsident der Unitas), Dr. Fritz Pirkl (MdEP, Staatsminister a.D., Präsident der HSS), Prof. Dr. Hans Albrecht Schwarz-Libermann von Wahlendorf (Präsident des Robert-Schuman-Instituts für Europa, Chantilly bei Paris), Siegfried Schindele (Prälat), Prof. Dr. Josef Stingl (Präsident der Bundesanstalt für Arbeit i.R.), Prof. Dr. Georg Schmuttermayr (Prälat), Dr. Anton Schütz (Prälat im Generalsekretariat der Deutschen Bischofskonferenz), Dr. h.c. Richard Stücklen (ehem. Präsident des Deutschen Bundestages), Dr. Carl Ludwig Wagner (Ministerpräsident i.R.), Rita Waschbüsch (Präsidentin des ZdK)

 

Vordenker der Einigung Europas

Würzburg (POW) Seit mehr als zehn Jahren fördert eine Gruppe von Deutschen die Seligsprechung des französischen Politikers Robert Schuman. Gegründet wurde das Komitee für die Seligsprechung des Staatsmanns im Würzburger Kloster Himmelspforten. Am Freitag, 26. April, trifft sich die Vereinigung aus Priestern, Politikern und Privatleuten diesmal im Würzburger Sankt-Burkardus-Haus, um den Fortschritt des Prozesses zu besprechen.
 
1988 hat die „Vereinigung des Heiligen Benedikt für Europa“ beim Bischof von Metz, Monsignore Pierre Raffin, das Gesuch zur Seligsprechung eingereicht. 1991 schloss sich die deutsche Sektion an. Im Lauf der nächsten Monate sollen die notwendigen Dokumente in Rom vorliegen, darunter die Postulationsschrift mit rund 60 Seiten, 220 Zeugenvernehmungen durch das Offizialat des Bischofs von Metz und eine profane Dokumentation mit etwa 7000 Text- und Bilddokumenten, die unter der Leitung des Exekutivpräsidenten des deutschen Komitees, Hans August Lücker, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestags und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, zusammengestellt wurden. Schuman wird von den Befürwortern der Seligsprechung mit dem Heiligen Klaus von Flüe verglichen, in dessen Nachfolge der Politiker als „Garant des Friedens“ und „Vordenker der Einigung Europas“ gewirkt habe.
 
Gäste und Teilnehmer der Tagung sind unter anderem Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz, Bischof Dr. Paul-Werner Scheele, Oberbürgermeister Jürgen Weber, Dr. Wolfgang Bötsch, Michael Glos, Dr. Thomas Goppel, Dr. Walter Eykmann, Dr. Karl Eder, Prof. Dr. Herbert Schambeck und Landrat Waldemar Zorn.
 
Schuman ist am 29. Juni 1886 in Duren als Sohn katholischer Eltern aus Lothringen geboren. Nach dem Besuch von Gymnasien in Luxemburg und Metz studiert er ab 1904 zuerst in Bonn, dann in München, Berlin und Straßburg hauptsächlich Rechtswissenschaften. Nach dem Staatsexamen 1908 folgt die Referendarzeit in Metz und 1910 die Promotion. Das zweite Staatsexamen schließt Schuman 1912 ab. In den Jahren nach 1910 engagiert er sich besonders im deutschen Katholizismus, unter anderem als Teilnehmer des Freundeskreistreffens im Kloster Beuron. Der Kreis namhafter Persönlichkeiten bemühte sich um eine Erneuerung der Liturgie. 1913 wird Schuman von Bischof Willibrord Benzler zum Vorsitzenden der katholischen Jugendverbände im Bistum Metz berufen. Im selben Jahr wird er außerdem Schriftführer im Präsidium des Komitees für die Durchführung des Katholikentags in Metz.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt Schumans politische Karriere. 1918 wird er Stadtrat in Metz und schon ein Jahr später Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung. Dort ist er in verschiedenen Kommissionen bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo im Zweiten Weltkrieg tätig. Bis dahin hatte Schuman besonders Vorstößen christlicher Parteien für ein Europa mit gemeinsamen Institutionen und Parteien verfolgt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ist er Staatssekretär für das Flüchtlingswesen in der Regierung Paul Reynaud. Nach dem Waffenstillstand mit den Deutschen im Juni 1940 geht der schon 1939 evakuierte Politiker zurück nach Metz. Dort wird er verhaftet, da er sich weigert zu kooperieren. 1941 wird er in die „Sonderhaft“ nach Neustadt an der Weinstraße überführt. 1942 gelingt ihm die Flucht nach Südfrankreich mit Hilfe der französischen Widerstandsbewegung. Dort versteckt er sich in verschiedenen Klöstern und stellt Überlegungen zur Neuordnung Europas und zur Überwindung des Hasses zwischen Deutschen und Franzosen an. Sein wichtigstes Gepäckstück ist sein „Missale“.
 
Nach dem Krieg wird Schuman als Vorsitzender der christliche-sozialen Partei MPR wieder in die Nationalversammlung gewählt. Dort amtiert er zuerst als Präsident der Finanzkommission und des Ausschusses für elsässisch-lothringische Fragen. Anschließend wird er Finanzminister und 1947/48 Ministerpräsident von Frankreich. Von 1948 bis 1953 steuert er das europäische Profil Frankreichs durch seine Tätigkeit als Außenminister. 1955 und 1956 arbeitet Schuman als Justizminister, bis 1961 als Präsident der Europäischen Bewegung. 1958 bis 1960 wird er zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. In vielen Gremien und mit zahllosen Vorträgen wirbt er für seine politische Vision von Europa. 1963 stirbt Schuman mit 77 Jahren in Scy-Chazelles, seinem Heimatort nahe Metz. Zuvor wurde er unter anderem mit dem Karlspreis der Stadt Aachen, dem Erasmus-Kulturpreis und dem Pius-Orden durch Papst Pius XII. ausgezeichnet.

Veröffentlicht: 17.04.2002

 

Anrufung Gottes soll in EU-Verfassungsvertrag

WÜRZBURG (POW) Der Text eines neuen Verfassungsvertrags der Europäischen Union soll mit einer Anrufung Gottes beginnen. Einen entsprechenden Beschluss haben das deutsche „Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans“ und die „Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Einigung aus christlicher Verantwortung“ bei ihrer Plenarsitzung im Würzburger Sankt-Burkardus-Haus am Freitag, 26. April, getroffen. Dadurch solle deutlich werden, dass die Mitgliedsstaaten der EU sich der Wurzeln ihrer 3000 Jahre alten Kultur bewusst sind und ihre Herrschaft über die Schöpfung in Verantwortung vor Gott ausüben.
 
„Sollte sich Europa von diesem geistig-kulturellen Fundament lösen – wie gegenwärtig einzelne Tendenzen zu beobachten sind – wird Europa und seine Kultur dem Verfall anheim fallen, lehrt die Geschichte der Menschheit“, heißt es in dem Text. Eindeutig spricht sich die Entschließung für die Erweiterung der Europäischen Union aus, mit der Europa wieder seine historischen Grenzen erlange. Hans August Lücker, Exekutiv-Präsident des Komitees und ehemaliger Erster Vizepräsident des Europäischen Parlaments, wird persönlich den beschlossenen Text an Valéry Giscard-D’Estaing, den Präsident des Europäischen Konvents, überreichen. Ziel des Konvents ist es, Schlüsselfragen zur künftigen Entwicklung der Europäischen Union zu erörtern und mögliche Antworten zu finden.
 
Das Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans, dem rund 75 Persönlichkeiten aus Politik und Kultur angehören, wurde 1991 im Exerzitienheim Himmelspforten gegründet. Seine Aufgabe ist es, die „fama sanctitatis“, den Ruf der Heiligkeit Schumans der Bevölkerung nahe zu bringen, und so den Seligsprechungsprozess zu unterstützen. Präsident ist der Augsburger Bischof Dr. Viktor Josef Dammerz. In Österreich und Belgien gibt es ähnliche Initiativen.
 
Derzeit befindet sich das Seligsprechungsverfahren, das auch von „führenden Protestanten unterstützt wird“, nach den Worten von Hans August Lücker im entscheidenden Stadium. In Metz, dem Heimatbistum Schumans, trage im Auftrag von Erzbischof Pierre Raffin der Postulator die letzten Dokumente zusammen. Lücker selbst hat seinen Beitrag bereits vor zwei Jahren eingereicht: rund 7000 Seiten Bild- und Textdokumente, die Biographie und Lebenswerk des verstorbenen Politikers aufzeigen.
 
Wenn voraussichtlich im Herbst des Jahres die kompletten Unterlagen nach Rom übersandt werden, könne für Ende des Jahres 2004 eine Entscheidung erwartet werden, sagte Lücker. Schuman war unter anderem französischer Ministerpräsident, Außenminister und EU-Parlamentspräsident. Papst Johannes Paul II. bezeichnete Robert Schuman, der 1962 zum Ehrenpräsidenten des Europaparlaments gewählt wurde, „als authentischen Christ, zugleich außergewöhnlich fähigen Staatsmann und ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas.“

Veröffentlicht: 30.04.2002

 

Seligsprechungsverfahren für Schuman

WÜRZBURG. Eine künftige Verfassung der Europäischen Union soll mit einer Anrufung Gottes beginnen. Das haben das deutsche Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans und die Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Einigung aus christlicher Verantwortung bei ihrer Plenarsitzung in Würzburg gefordert. Damit solle deutlich werden, dass die Mitgliedsstaaten der EU sich der Wurzeln ihrer 3000 Jahre alten Kultur bewusst seien und ihren Umgang mit der Schöpfung vor Gott verantworten. Hans August Lücker, Exekutiv-Präsident des Schuman-Komitees und früherer Vizepräsident des EU-Parlaments, wird den Beschluss persönlich dem Präsident des EU-Verfassungskonvents, Valery Giscard d'Estaing, überreichen.

Das Seligsprechungsverfahren für Schuman befindet sich nach Angaben des Komitees in seiner entscheidenden Phase. Noch im Herbst sollen die vollständigen Unterlagen nach Rom gesandt werden. Zum Jahresende 2004 könne eine Entscheidung erwartet werden, sagte Lücker, der selbst bereits vor zwei Jahren 7.000 Seiten Bild- und Textdokumente zum Lebenswerk des europäischen Politikers im Vatikan eingereicht hat.

Schuman war französischer Ministerpräsident, Außenminister und Präsident des Europäischen Parlaments. Papst Johannes Paul II. hat ihn als "authentischen Christen, zugleich außergewöhnlich fähigen Staatsmann und ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas" bezeichnet. Das Komitee zur Seligsprechung Robert Schumans wurde 1991 in Würzburg gegründet und umfasst rund 75 Persönlichkeiten aus Politik und Kultur. Präsident ist der Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz. (www.religion.orf.at, 1.5.02)

 

Chronik 17. Mai 2003, 07:19
Seligsprechung des Vaters des vereinten Europas?
Seligsprechungsprozess von Robert Schuman auf diözesaner Ebene kurz vor Abschluss

Rom (kath.net/Zenit.org) Robert Schuman (1886-1963), der Mann, der das Entstehen der EU möglich gemacht hat, könnte bald zur Ehre der Altäre gelangen und so beweisen, dass die Politik auch ein Weg zur Heiligkeit sein kann. Jacques Paragon, der Postulator der Causa, teilte am Donnerstag in Rom mit, dass der Seligsprechungsprozess auf diözesaner Ebene kurz vor dem Abschluss steht, was noch dieses Jahr erwartet wird.  

Robert Schuman (1886-1963) war französischer Regierungschef und Minister und Verfasser der Erklärung vom 9. Mai 1950, welche die EU sozusagen aus der Taufe hob. Er hat eine neue Ära der internationalen Beziehungen auf der Grundlage politischer Verhandlungen eingeleitet. Zwischen 1958 und 1960 war er Präsident des Europaparlaments. Papst Paul VI. bezeichnete ihn als einen "unermüdlichen Pionier der europäischen Einheit".

"Für diesen Vater Europas war der Katholizismus nicht nur ein Glaube, sondern auch Soziallehre", was seine politischen Aktivitäten sehr nachhaltig beeinflusste, "die er selbst als eine Erweiterung seines Apostolates verstand", so Paragon. "Seine doppelte Kulturzugehörigkeit zu Frankreich und Deutschland ist der Schlüssel zum Verständnis seiner Europavision, seines Versöhnungsbegriffes und seiner Vorstellung über die europäische Einheit", so Paragon, der übrigens auch Generalsekretär des Saint-Benôit Institutes ist, das zur Förderung der Seligsprechungscausa von Robert Schuman gegründet wurde.

Jacques Paragon, ein ehemaliger Mitarbeiter von Schuman, wies besonders auf den "antimilitärischen" Geist Schumans hin, der "seine ganze Politik als eine Antwort auf eine innere Berufung lebte". Paragon zitiert das Buch von René Lejeune, dem Präsidenten des Institutes, mit dem Titel "Robert Schuman, Vater Europas: die Politik, ein Weg der Heiligung". "Sein Leben beweist, dass politische Betätigung mit der Treue zu den christlichen Werten vereinbar ist", so Paragon bei einem Vortrag im französischen Kulturzentrum Saint Louis des Français in Rom.

  

Aktuelles 02. März 2004, 09:04
Seligsprechungsverfahren für Robert Schuman macht Fortschritte
Das Leben des „Vaters des modernen Europas“ jetzt vor der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse 

Rom (www.kath.net / CWNews.com) Das Seligsprechungsverfahren für den französischen Politiker und EU-Gründervater Robert Schuman ist in eine entscheidende Phase getreten: Die Diözese Metz hat ihre Untersuchungen bezüglich Schumans Lebens abgeschlossen und die Ergebnisse nach Rom weitergeleitet.  

Die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse wird sich nun mit dem Leben und Werk Schumans befassen und Beweise suchen, um den „heroischen Tugendgrad“ attestieren zu können - eine der beiden Voraussetzungen für eine Seligsprechung. Ist der heroische Tugendgrad belegt, ebnet die Bestätigung eines medizinischen Wunders den Weg zur Beatifikation. Diese Heilung muss plötzlich, dauerhaft und wissenschaftlich nicht erklärbar sein, um als „Zeichen des Himmels“ anerkannt zu werden.

Die französische Zeitung "Le Figaro" spekulierte am Montag, der Papst wolle Robert Schuman noch heuer selig sprechen. Damit wolle er bei seinem für September geplanten Besuch beim Europarat in Straßburg die Bedeutung der christlichen Wurzeln Europas hervorheben.

Die Vision Robert Schumans (1886-1963) von einem Europa, „das durch Versöhnung eine ‚Gemeinschaft der Völker´ in Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Frieden entstehen lässt, das zutiefst in den christlichen Grundwerten verwurzelt ist“, war ein Grundstein für die heutige Europäische Union. Sein Traum von Europa spielt heute eine wichtige Rolle in der Diskussion über die christlichen Wurzeln Europas. Papst Johannes Paul II. zitierte Schuman häufig als Beispiel für christliches Engagement im öffentlichen Leben.

Foto: (c) Pressestelle der Diözese Würzburg

Christentum ist ,Kernelement der europäischen Geistesgeschichte’
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Weltkirche 36. 2147, 47:
Robert Schumann - Vordenker der Einigung Europas
Frieden und Einigung Europas als Ziel – Flucht vor den Nazis mit Unterstützung der französischen Resistance


WÜRZBURG (kath.net/POW) Seit mehr als zehn Jahren fördert eine Gruppe von Deutschen die Seligsprechung des französischen Politikers Robert Schuman. Gegründet wurde das Komitee für die Seligsprechung des Staatsmanns im Würzburger Kloster Himmelspforten. Am Freitag, 26. April, trifft sich die Vereinigung aus Priestern, Politikern und Privatleuten diesmal im Würzburger Sankt-Burkardus-Haus, um den Fortschritt des Prozesses zu besprechen.

1988 hat die „Vereinigung des Heiligen Benedikt für Europa“ beim Bischof von Metz, Monsignore Pierre Raffin, das Gesuch zur Seligsprechung eingereicht. 1991 schloss sich die deutsche Sektion an. Im Lauf der nächsten Monate sollen die notwendigen Dokumente in Rom vorliegen, darunter die Postulationsschrift mit rund 60 Seiten, 220 Zeugenvernehmungen durch das Offizialat des Bischofs von Metz und eine profane Dokumentation mit etwa 7000 Text- und Bilddokumenten, die unter der Leitung des Exekutivpräsidenten des deutschen Komitees, Hans August Lücker, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestags und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, zusammengestellt wurden. Schuman wird von den Befürwortern der Seligsprechung mit dem Heiligen Klaus von Flüe verglichen, in dessen Nachfolge der Politiker als „Garant des Friedens“ und „Vordenker der Einigung Europas“ gewirkt habe.

Gäste und Teilnehmer der Tagung sind unter anderem Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz, Bischof Dr. Paul-Werner Scheele, Oberbürgermeister Jürgen Weber, Dr. Wolfgang Bötsch, Michael Glos, Dr. Thomas Goppel, Dr. Walter Eykmann, Dr. Karl Eder, Prof. Dr. Herbert Schambeck und Landrat Waldemar Zorn.

Schuman ist am 29. Juni 1886 in Duren als Sohn katholischer Eltern aus Lothringen geboren. Nach dem Besuch von Gymnasien in Luxemburg und Metz studiert er ab 1904 zuerst in Bonn, dann in München, Berlin und Straßburg hauptsächlich Rechtswissenschaften. Nach dem Staatsexamen 1908 folgt die Referendarzeit in Metz und 1910 die Promotion. Das zweite Staatsexamen schließt Schuman 1912 ab. In den Jahren nach 1910 engagiert er sich besonders im deutschen Katholizismus, unter anderem als Teilnehmer des Freundeskreistreffens im Kloster Beuron. Der Kreis namhafter Persönlichkeiten bemühte sich um eine Erneuerung der Liturgie. 1913 wird Schuman von Bischof Willibrord Benzler zum Vorsitzenden der katholischen Jugendverbände im Bistum Metz berufen. Im selben Jahr wird er außerdem Schriftführer im Präsidium des Komitees für die Durchführung des Katholikentags in Metz.

Nach dem Ersten Weltkrieg beginnt Schumans politische Karriere. 1918 wird er Stadtrat in Metz und schon ein Jahr später Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung. Dort ist er in verschiedenen Kommissionen bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo im Zweiten Weltkrieg tätig. Bis dahin hatte Schuman besonders Vorstößen christlicher Parteien für ein Europa mit gemeinsamen Institutionen und Parteien verfolgt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ist er Staatssekretär für das Flüchtlingswesen in der Regierung Paul Reynaud. Nach dem Waffenstillstand mit den Deutschen im Juni 1940 geht der schon 1939 evakuierte Politiker zurück nach Metz. Dort wird er verhaftet, da er sich weigert zu kooperieren. 1941 wird er in die „Sonderhaft“ nach Neustadt an der Weinstraße überführt. 1942 gelingt ihm die Flucht nach Südfrankreich mit Hilfe der französischen Widerstandsbewegung. Dort versteckt er sich in verschiedenen Klöstern und stellt Überlegungen zur Neuordnung Europas und zur Überwindung des Hasses zwischen Deutschen und Franzosen an. Sein wichtigstes Gepäckstück ist sein „Missale“.

Nach dem Krieg wird Schuman als Vorsitzender der christliche-sozialen Partei MPR wieder in die Nationalversammlung gewählt. Dort amtiert er zuerst als Präsident der Finanzkommission und des Ausschusses für elsässisch-lothringische Fragen. Anschließend wird er Finanzminister und 1947/48 Ministerpräsident von Frankreich. Von 1948 bis 1953 steuert er das europäische Profil Frankreichs durch seine Tätigkeit als Außenminister. 1955 und 1956 arbeitet Schuman als Justizminister, bis 1961 als Präsident der Europäischen Bewegung. 1958 bis 1960 wird er zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. In vielen Gremien und mit zahllosen Vorträgen wirbt er für seine politische Vision von Europa. 1963 stirbt Schuman mit 77 Jahren in Scy-Chazelles, seinem Heimatort nahe Metz. Zuvor wurde er unter anderem mit dem Karlspreis der Stadt Aachen, dem Erasmus-Kulturpreis und dem Pius-Orden durch Papst Pius XII. ausgezeichnet.

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Gebet für die Seligsprechung

Herr, Du hat gesagt:
" Selig, die Werke des Friedens tun, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden." (Matth. 5,9)

Dein Diener Robert Schuman hat den Vökern Europas gebracht:

Nächstenliebe dort, wo Haß herrschte,

Versöhnung dort, wo Krieg herrschte,

Eintracht dort, wo Zwietracht herrschte.

Herr, gib uns die Freude, Robert Schuman, den Vater Europas, unter Deinen Heiligen als ein Vorbild des verantwortlichen christlichen Politikers verehren zu dürfen.
Amen.