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Politische Wegmarken zu Rechtsstaat 
und Demokratie, Europa und Weltfrieden


Buchtipp: In der Spur bleiben
Seiters, Rudolf: In der Spur bleiben. Politische Wegmarken zu Rechtsstaat und Demokratie, Europa und Weltfrieden, bürgerliche Verantwortung und Solidarität. Olzog Verlag, 2005, Paperback, 160 Seiten, ISBN 3-7892-8174-3, EUR 14,90

Es ist ein programmatischer Titel, den unser Bundesbruder Dr. Rudolf Seiters seinem aktuellen und bei aller Nüchternheit spannenden und lesenswerten Buch voranstellt. „In der Spur bleiben“ ist Rückschau auf eigene politische Erfahrungen und ein programmatisches, persönliches Bekenntnis zugleich. „Dreiunddreißig Jahre im Deutschen Bundestag, von 1969 bis 2002: Eine Zeit voller Umbrüche, im Inneren wie im Äußeren. Ich habe erfahren, wie wichtig – auch – im politischen Handeln ist: Ein innerer Kompass, ein Wertefundament, Bürgernähe, das gegebene und gehaltene Wort, Verlässlichkeit. Und was in die Irre führt: Haltlose Versprechungen, das Verfangensein in Ideologien, Geschichtslosigkeit“, schickt Rudolf Seiters den 160 Seiten im Vorwort voraus.

Seine bei Olzog verlegte und Ende November veröffentlichte Sammlung von Vorträgen, Ansprachen, Zeitungsartikeln, Reden und Tagebuchnotizen aus knapp zwei Jahrzehnten sind mehr als ein Protokoll erlebter Geschichte aus der Perspektive eines Beteiligten.Vorgetragen wurden sie in Kirchengemeinden, bei Ausstellungen, vor der Konrad-Adenauer-Stiftung, im Hohen Dom zu Münster, Berlin, Papenburg, in der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena, der Bundeswehr-Hochschule in München, vor der Genfer Flüchtlingskonferenz, beim Osnabrücker Friedensgespräch, der Deutschen Botschaft beim Vatikan und dem Club zu Bremen. Die Zusammenstellung ist eine lebendige Erinnerung an beklemmende Situationen in den Tagen, in denen sich das „Wunder der Deutschen Einigung“ ereignete, an internationale Irritationen und ein Blick hinter die Kulissen und in die Mechanik der Macht in historischen Zeiten. Sachlich, bar jeden Pathos, beschreibt Bbr. Seiters ein Stück deutscher Geschichte, an der er selbst entscheidend mitwirkte. 

Das und sein erfolgreiches Vermittlungsgeschick in wichtigen Verhandlungen mit allen Beteiligten bis zum Zustandekommen des Einigungsvertrages dokumentiert ein wesentlicher Zeitzeuge: „In den dramatischen Monaten des Umbruchs war mir im Kanzleramt Rudolf Seiters – neben dem Leiter der außenpolitischen Abteilung, Horst Teltschik – ein wertvoller Berater und treuer Weggefährte“, erinnert Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl im Klappentext. „Ich schätzte Rudolf Seiters von Anfang an wegen seiner großen Zuverlässigkeit, seiner Fachkenntnis und seiner Weitsicht in Fragen der Deutschlandpolitik.“

Vorbilder für eine neue Weltinnenpolitik

Den Blick in die jüngere deutsche Geschichte ergänzt der Autor mit der weiteren und wichtigen Perspektive auf das europäische Einigungswerk und eine neuen Weltinnenpolitik zur Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens der Weltgemeinschaft. Eine eigene politische Wegmarke, der sich der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister für besondere Aufgaben, Bundesminister des Innern, Stellvertretende Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Erste Vizepräsident des Deutschen Bundestages nach seinem Ausscheiden aus der politischen Arbeit seit genau zwei Jahren als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes weiter zur Verfügung stellt. Die dort thematisierte bürgerschaftliche Verantwortung, die Notwendigkeit der Stärkung des Ehrenamts in einer lebendigen Bürgergesellschaft, führen auf die grundlegenden Eingangskapitel zurück, in denen er die „Spur“ bezeichnet, in der er die christliche Verantwortung für das demokratische Gemeinwesen als sein eigenes Movens bekennt: „Der Rechtsstaat, in dem wir leben ... ist wohl der freiheitlichste und sozialste, den es jemals auf deutschem Boden gab. Und deshalb werbe ich dafür, dass möglichst viele Bürger, gerade auch möglichst viele Christen, bereit sind, über das private Leben hinaus Verantwortung zu übernehmen – in der Gesellschaft insgesamt, im Ehrenamt und auch in der Politik.“ (S. 16f.) Es gehöre, dem Dienst am Menschen und Gemeinwohl verpflichtet, „immer Mut dazu, den christlichen Gestaltungsauftrag gegen den Strom eines unbequemen Zeitgeistes wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen“ (S. 30). Auch durch unzeitgemäße Charakterfestigkeit, die sich in besonderer Weise in einer von Einschaltquoten bestimmten Mediengesellschaft und kaum noch steigerungsfähigen Betroffenheitskultur beweise. (ebd., S. 31)
Das unabdingbare Eintreten für Gerechtigkeit, Solidarität und die unantastbare Würde des menschlichen Lebens unterstreicht er deutlich auch im Vorwort, wenn er feststellt: „Heute stehen wir vor einem Generationenwechsel in Politik und Gesellschaft mit gravierenden Folgen. Zum einen wird die Generation mit Wiederaufbauerfahrung von einer Generation mit Wohlstandserfahrung in der Verantwortung abgelöst. Zum anderen gilt es, alte und neue Lasten für die Schultern einer schwindenden Nachfolgegeneration tragbar zu machen. Unser Land, Staat und Bürger gleichermaßen, sind gefordert, den beschleunigten Strukturwandel hin zu einer globalen Wissensgesellschaft zu meistern. Der Staat allein kann dies nicht schaffen. Wir brauchen Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitnehmer, die Wissenschaft, vor allem aber brauchen wir die Bürger – mit mehr Freiheit und mehr Verantwortung für den Einzelnen.“

UNITAS-Mitglieder verwundert nicht, dass Bbr. Dr. Rudolf Seiters, der seit 1969 über 33 Jahre lang den Wahlkreis nördliches Emsland/Grafschaft Bentheim und den Landkreis Leer im Deutschen Bundestag vertrat, in besonderer Weise auf das Beispiel des leidenschaftlichen Parlamentariers Ludwig Windthorst verweist. Grundüberzeugungen und Vorbild unseres seiner Heimat entstammenden Ehrenmitglieds haben ihn ebenso geprägt wie sein universitärer Lehrer Joseph Höffner. „Von Höffner lernen, heißt für Politiker, beharrlich für die rechte Sache kämpfen und auch im Sieg bescheiden bleiben“, so sein persönliches Bekenntnis. Für unitarische Bundesgeschwister ist zweifellos eine besondere Freude, dass die Ausführungen zu den mutigen Thesen des späteren Kardinals von Köln – wie auch eigens vermerkt – auf den Festvortrag zurückgehen, den Rudolf Seiters zum 100-jährigen Bestehen der UNITAS Winfridia in Münster gehalten hat.
Christof Beckmann

Aus: unitas 4/2005, S. 231

 

Christlich-soziale Grundsätze 
sind der Kompass für unser Land

Im Interview: Bbr. Dr. Rudolf Seiters

Mit den letzten Bundestagswahlen ist Bbr. Dr. Rudolf Seiters aus der aktiven Politik ausgeschieden. Für neun Legislaturperioden war er von seinem Wahlkreis Unterems in den Deutschen Bundestag gewählt worden - so lange wie kein anderer hat er in Bonn und Berlin die deutsche Politik als Abgeordneter miterlebt und in vielen Funktionen mitgestaltet. Am Rande des 100. Stiftungsfestes der UNITAS Winfridia in Münster, bei dem er den Festvortrag über Joseph Kardinal Höffner hielt, nutzten wir die Gelegenheit zu einem Gespräch über Vorbilder und christlich-soziale Verantwortung in der Politik.

Wie hast Du den Weg in die Politik gefunden und wer zählte zu den Leitfiguren, die diesen Weg mitbestimmt haben?

"Ich war am Ende des Krieges sieben Jahre alt, meine Eltern haben mich christlich erzogen, hatten Zentrum gewählt und nach dem Kriege ging es um die Frage, wie orientieren wir uns politisch neu. Angesichts der Erfahrungen der Weimarer Republik und des Dritten Reiches, der Verfolgung von Christen aller Konfessionen war für meine Eltern eigentlich ganz klar: Die CDU war ihre politische Heimat - und ich war davon später auch überzeugt. Konrad Adenauer verwirklichte und repräsentierte diese Ideen aus meiner Sicht sehr gut, außerdem haben mich seine Ziele, nämlich die deutsch-französische Aussöhnung und die Partnerschaft mit Israel motiviert. Ludwig Windthorst, mit dessen Vita ich mich sehr beschäftigt habe, wurde nur wenige Kilometer von meinem Elternhaus in Osterkappeln geboren. Auch Adolf Kolping muss man in diesem Zusammenhang nennen und im Studium war es eben auch Josef Kardinal Höffner."

Welche Prinzipien sind es, mit denen sich "Staat" machen lässt - worauf ist er begründet?

"Bundespräsident Karl Carstens hat in seiner Abschiedsrede im deutschen Bundestag einmal formuliert, der demokratische Rechtsstaat in Deutschland werde dann ein Zukunft haben, wenn er drei ganz einfache Wahrheiten berücksichtigt: Wer frei ist, trägt Verantwortung. Wer Rechte hat, hat auch Pflichten. Und wer Ansprüche stellt vor allem an den Staat -, muss auch bereit sein, Leistungen zu erbringen. Das drückt im Grunde die Prinzipien der christlichen Soziallehre von Solidarität und Subsidiarität sehr gut aus. Die gegenwärtige, mit der demografischen Entwicklung zusammenhängende Renten- und Gesundheitsdiskussion zeigt, dass wir zwar auf der einen Seite Solidarität mit denen üben müssen, die sich aus eigener Kraft nicht helfen können, aber dass wir auf der anderen Seite auch alles tun müssen, um die Eigeninitiative, die Eigenverantwortung und die persönliche Gestaltungskraft der Menschen zu stärken."

Was fehlt der heutigen Politik - in Zeiten einer offensichtlich greifbaren Krise des Vertrauens in Institutionen und die Zukunft?

"Ich will nicht in die Tagespolitik abschweifen. Aber es hat selten eine Regierung gegeben, bei der die Handhabung der politischen Führung bei Umfragen unter den Bürgern die Werte für Glaubwürdigkeit, Problemlösungsfähigkeit und Gemeinwohlorientierung von Politikern so kontinuierlich haben sinken lassen. Speziell bei der gegenwärtigen Bundesregierung können viele Bürger nicht erkennen, welchen Kornpass sie hat und welche Perspektiven sie den Menschen aufzeigt, die ja durchaus bereit wären, Opfer zu bringen, wenn das Vorbild, die Perspektive und die Führung erkennbar wären. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Probleme unseres nach wie vor starken Landes mit einer gefestigten Demokratie lösen können, wenn wir die Rolle des Staates, der Gemeinschaft und des Individuums aus christlich-sozialer Einstellung richtig definieren und danach handeln."

... liegt hier auch eine besondere Verpflichtung der Kirchen, sich in die politischen Diskussionen einzuschalten?

"... die Kirche kann nicht bestimmen, was die Politik macht, der Staat kann nicht vorgeben, was die Kirche zu tun hat. Aber der Dialog zwischen Kirche und Staat ist unabdingbar notwendig, und das Wort der Kirchen hat nach wie vor Gewicht, wenn es gilt, für eine Politik aus christlicher Verantwortung einzutreten, für den Schutz des Lebens, für seine Unverfügbarkeit in allen Phasen der menschlichen Entwicklung, für den Vorrang der Familie, für Frieden und Gerechtigkeit im nationalen wie im internationalen Bereich."

Zurück zu persönlichen Vorbildern wer hat dieses Ziel Deiner Meinung nach besonders verkörpert?

"In meinem Büro hängt seit 1969 ein Porträt von Herrmann Ehlers. Er war evangelischer Christ, Oberkirchenrat aus Oldenburg, ein sehr glaubwürdiger Mann, grundsatztreu und gleichzeitig pragmatisch. Robert Schuman steht mir natürlich nahe als Mitglied des UNITAS-Verbandes, als überzeugter Europäer und als Mann der deutschfranzösischen Aussöhnung. Er hat unglaublich viel geleistet für das, was wir in Europa gegenwärtig erleben: Das Zusammenwachsen Europas als ein Friedenswerk. Er hatte Visionen, was man nicht von allen Politikern heute sagen kann. Diese Visionen sind alle Realität geworden, und es ist völlig richtig, dass man heute seine politische und gesellschaftspolitische Arbeit würdigt. Auch in seinem Seligsprechungsprozess - denn er ist ein Vorbild, nicht im engeren kirchlichen Bereich, wohl aber in der Politik bei seinem erfolgreichen und segensreichen Eintreten für christliche Prinzipien."

Gibt es ein Glaubenswort, das Dir selbst viel bedeutet, nach dem Du Dich selbst ausrichtest?

"An Gottes Segen ist alles gelegen."

Vielen Dank für das Gespräch.


Interview: Dr. Christof Beckmann

(aus: unitas 1/2003 (Zeitschrift des Verbandes der wissenschaftlichen 
katholischen Studentenvereine UNITAS, 143. Jahrgang), S. 14)

 

Joseph Kardinal Höffner 
und sein Wirken für Staat und Gesellschaft

Festvortrag von Bbr. Seiters zum 100-Jährigen Bestehen
des W.K.St.V. UNITAS Winfridia Münster

"Nicht nur als Mann der Kirche hat Joseph Kardinal Höffner auf theologischen und pastoralen Arbeitsfeldern über nahezu vier Dekaden hinweg die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland mit geprägt, sondern auch als Mann des politischen Dialogs zwischen Kirche und Staat." Mit diesen Worten rief Bbr. Dr. Rudolf Seiters in seinem Festvortrag beim Kommers zum 100-jährigen Bestehen von UNITAS Winfridia am 30. November 2002 das Wirken eines bedeutenden Kirchenmannes und Wissenschaftlers in Erinnerung, dessen Wirken heute wohl sehr zu Unrecht nur noch wenigen so präsent ist wie seinen vielen Schülern, die in Politik und Gesellschaft an vielen Stellen hohe Verantwortung übernommen haben. Bbr. Seiters, der sich Anfang der 60er Jahre der UNITAS angeschlossen hatte, ist einer von ihnen. Mit seinem mit großem Applaus bedachten Vortrag im Münsteraner Kolpinghaus verband er den Appell, die richtungweisenden Grundzüge von Höffners Überzeugungen auch in den gegenwärtigen Debatten nutzbar und wirksam zu machen. Wir dokumentieren hier seine Rede im Wortlaut.

Joseph Höffner,
am 24.12.1906 in Horhausen/Westerwald geboren, studierte zunächst 1926-1934 an der Gregoriana in Rom, war anschließend in der Seelsorge tätig und studierte 1937-1939 Volkswirtschaftslehre in Freiburg. 1944/45 habilitierte er zum Thema "Christentum und Menschenwürde. Das Anliegen der spanischen Kolonialethik im Goldenen Zeitalter" und übernahm 1945 die Professur für Pastoraltheologie und christliche Soziallehre am Priesterseminar in Freiburg. 1951 wurde er zum Professor für Pastoraltheologie und christliche Soziallehre an der Theologischen Fakultät Trier berufen, im gleichen Jahr folgte er dem Ruf auf die Professur für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster. Sein Werk war dort vor allem durch aktuelle wirtschaftspolitische, aber auch sozialpolitische Fragestellungen geprägt. Als geistlicher Beirat des Bundes Katholischer Unternehmer und Berater auf dem Gebiet der Sozialpolitik war er in den wissenschaftlichen Beiräten verschiedener Bundesministerien tätig (u. a. Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung).
Bis 1962 leitete er das 1951 gegründete Institut für Christliche Sozialwissenschaften, war Herausgeber einer eigenen Schriftenreihe, seit 1960 Herausgeber des "Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften" und wurde 1962 in Münster zum Bischof geweiht. 1968 bereits Koadjutor, wurde er 1969 Erzbischof von Köln und zum Kardinal ernannt. Von 1976-1987 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Joseph Kardinal Höffner starb am 16.10.1987 in Köln.

·                                 Helmut Zenz: Joseph Kardinal Höffner im Internet

·                                 Geschichte und Entwicklung des in der Mehrheit von Mitgliedern des UNITAS-Verbandes geleiteten Instituts für Christliche Sozialwissenschaften an der WWU Münster

I.
"Ich hatte das Glück, Professor Höffner schon während meiner Studienzeit zu begegnen. Joseph Höffner hatte Anfang der 60er Jahre den Lehrstuhl für christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster inne, ehe er dann 1962 Bischof von Münster und 1969 Erzbischof von Köln und Kardinal wurde. Ich habe ihn damals bei Vorlesungen und Vorträgen erlebt, auch bei Diskussionen in katholischen Studentenverbindungen. Höffner verstand es meisterhaft, seinen Zuhörern in einfacher und fast unakademischer Sprache selbst komplizierte Sachzusammenhänge verständlich zu machen. Er liebte seine Vorträge streng zu gliedern und seine Analysen - in Thesen - zuzuspitzen, was ihm den gut gemeinten Spitznamen "Papst Theseus I." eingebracht hat. Der Breite seines Wissens und der Vielschichtigkeit seiner Interessen entsprach die Vielfältigkeit seines Wirkens - wissenschaftlich, gesellschaftspolitisch, theologisch, pastoral. Das ist oftmals umfassend und fachmännisch gewürdigt worden. Ich muss mich heute Abend bescheiden mit dem mehr politischen Part, vor allem mit drei Wirkungskreisen, die bis auf den heutigen Tag nichts an Relevanz und Aktualität eingebüßt haben und daher in die gegenwärtig geführte politische Debatte einbezogen zu werden verdienen. Da ist erstens die Frage nach der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der "Sozialen Marktwirtschaft", da ist zweitens die Frage nach der Not und Notwendigkeit einer an christlichen Werten orientierten Politik und da ist schließlich die Frage nach der Beziehung und Beziehungslosigkeit von Staat und Kirche.

II.
Kardinal Höffner war Schüler von Walter Eucken, dem Begründer der "Freiburger Schule" und einer der geistigen Väter der "Sozialen Marktwirtschaft". Er beliebte in Diskussionen seine Ausführungen oftmals mit den Worten einzuleiten: "Ich als studierter Volkswirt ..." Damit wollte er vor allem klar machen, dass sein Eintreten für die "Soziale Marktwirtschaft" nicht nur auf dem Boden christlicher Weltsicht, sondern auch und insbesondere auf dem Boden volkswirtschaftlicher Argumente fußte. Der Staat durfte seinem Verständnis nach schon aus ökonomischen Gründen nicht die Rolle eines Nachtwächterstaates spielen. Er hatte eine Wirtschaftsverfassung vorzugeben, für eine Rahmenordnung zu sorgen, die fairen Wettbewerb und sozial ausgleichende Gerechtigkeit sicherte. Ordnungspolitische Interventionen seien deshalb notwendig, weil die klassische Grundannahme des Ökonomischen Liberalismus, der von einer so genannten "prästabilen Harmonie" ausging, wonach der reine Wettbewerb alleine die angestrebte Verteilungsgerechtigkeit garantiert, in der Praxis nicht funktionierte. Daher die Forderung nach Solidarität als Bauprinzip wechselseitiger Verpflichtungen jenseits von Individualismus und Kollektivismus, als Weg einer Aussöhnung von sozialer Gerechtigkeit mit freiheitlicher Marktordnung.
Neben dem Prinzip der Solidarität stand für Kardinal Höffner als zweite Säule der Christlichen Soziallehre das Prinzip der Subsidiarität - ausgehend von der Erstverantwortlichkeit des Individuums. Höffner hat in diesem Zusammenhang sehr früh und immer wieder neu vor einem Unterlaufen dieses Grundprinzips gewarnt. In den Gesellschaftspolitischen Kommentaren hat er 1987 nachdrücklich für das Primat der Eigenverantwortung plädiert und kritisch angemerkt: "Bedenklich ist es jedoch, dass weite Kreise der Bevölkerung von einem auffallenden Bestreben nach staatlicher Versorgung erfüllt sind, so dass man von den Grenzen des Sozialstaates' spricht. Der Sozialstaat wird besonders sorgsam das Prinzip der Subsidiarität beachten müssen". Und an anderer Stelle sagt er, es wäre unverantwortlich, wenn die heute Erwerbstätigen durch Staatsverschuldung ihren Lebensstandard erhöhen, über ihre Verhältnisse leben und der jungen Generation zusätzlich zur Versorgung der alten Menschen auch noch eine gewaltige Schuldenlast aufbürden würden", denn Schulden, so wäre zu ergänzen, sind volkswirtschaftlich gesehen nur aufgeschobene Steuererhöhungen.

III.
Wie recht Höffner mit seinen Warnungen hatte, dazu zwei konkrete Beispiele aus der aktuellen Sozialpolitik:
1. Als Mitautor des so genannten "Vier-Professoren-Gutachtens" von 1955 zur "Neuordnung der sozialen Leistungen" und damit maßgeblich an der Rentenreform von 1957 beteiligt - mit dem Kernstück der Einführung der Dynamischen Rente - hatte Kardinal Höffner bereits in seinem Gutachten über die "Sozialpolitik im deutschen Bergbau" 1954 weitsichtig auf das demographische Problem Deutschlands hingewiesen: "Die Schrumpfung der Kinderzahl und der mittleren Jahrgänge, besonders die Zunahme der alten Leute gibt Anlass zu ernsten Erwägungen, denen unser Sozialversicherungssystem eines Tages wird begegnen müssen." Und an anderer Stelle warnte Höffner eindringlich: "Die Vergreisung Deutschlands wird sich wie eine schleichende Revolution auswirken."
Höffners Prognosen haben sich heute mehr als erfüllt und sind zu einer großen politischen Herausforderung für unser Sozialsystem geworden. Wir Deutschen werden immer älter, es werden immer weniger und die Lebenserwartung steigt. Der uns so vertraut gewordene demographische Tannenbaum verwandelt sich allmählich in einen demographischen Pilz. Wenn das Rentensystem bezahlbar bleiben soll, wenn der Generationenvertrag gerecht ausgestaltet bleiben soll zwischen der älteren und der jüngeren Generation, dann müssen wir Vorsorge treffen und durch vernünftige Rahmenbedingungen die notwendige Eigenverantwortung des Einzelnen einfordern - dieser Erkenntnis haben sich viele in Politik und Wirtschaft lange verweigert, bis heute, wie die aktuelle Diskussion zeigt.
Als kleine historische Reminiszenz sei im Übrigen daran erinnert, dass 1889 das Zentrum unter Führung von Bbr. Ludwig Windthorst gegen durch Staatszuschüsse finanzierte Grundbeiträge bei der Einführung der Rentenversicherung stimmte, weil man damals verhindern wollte, dass bereits im Anfangsstadium das Versicherungsprinzip durchbrochen und vom Versorgungsprinzip verdrängt werde und so ein allzu mächtiger Staat seinen Fuß in der Tür des Hauses der Eigenverantwortung habe.
2. Nicht weniger dramatisch stellt sich die Situation unseres Gesundheitswesens dar. Die Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung sind von 25 Milliarden DM im Jahre 1966 auf rund 300 Milliarden DM heute gestiegen. Gründe hierfür sind die immens steigenden Kosten für die High-Tech-Medizin und die höhere Lebenserwartung. Die Pro-Kopf-Behandlungsausgaben pro Jahr liegen bei den bis zu 40-Jährigen heute zwischen 2.000 und 2.500 DM, danach steigen sie rasant auf fast 7.000 DM bei den über 80-jährigen an. Von daher war es verhängnisvoll, dass wir in den letzten Jahren Stillstand der Gesetzgebung erleben mussten, ohne die notwendige Vorsorge zu treffen, um ein menschenwürdiges Gesundheitswesen bezahlbar zu halten.
Ich vertrete ganz auf der Linie von Höffner den Standpunkt: Wer immer in Deutschland regiert, er muss den Mut aufbringen, in diesem sozialen Sicherungssystem neben dem Prinzip der Solidarität der Gemeinschaft gegenüber den Schwächeren stärker als bisher die Eigenverantwortung als zweite tragende Säule dieses Sozialsystems einzubauen. Das System der sozialen Sicherung - Markenzeichen unserer von der "Christlichen Soziallehre" geprägten "Sozialen Marktwirtschaft" - muss ein Sicherheitsnetz bleiben gegen die großen Lebensrisiken - wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit - und Schutz bieten gegen Armut im Alter. Alles was darüber hinausgeht, darf der Solidargemeinschaft nicht aufgeladen werden, sondern muss wieder der individuellen Vorsorge vorbehalten bleiben; alles andere ist auf Dauer nicht bezahlbar.

Stichwort: Kardinal-Höffner-Gesellschaft
Fast 15 Jahre nach dem Tod des früheren Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Höffner wurde 2002 die "Joseph-Höffner-Gesellschaft" (JHG) gegründet. Eingeladen dazu hatten der langjährige Sekretär von Kardinal Höffner, Weihbischof Manfred Melzer, und der Sozialethiker, Prälat und Bbr. Professor Dr. Lothar Roos. Die Schirmherrschaft hat der Kölner Erzbischof Bbr. Kardinal Joachim Meisner übernommen.
Die Joseph-Höffner-Gesellschaft hat das Ziel, "die Soziallehre der Kirche im Sinne des wissenschaftlichen, sozialen und pastoralen Lebenswerkes von Joseph Kardinal Höffner zu pflegen, durch wissenschaftliche Forschung zu vertiefen, zu verbreiten und im Kontext aktueller Fragestellungen und Anwendungen zu vermitteln", so heißt es in der Satzung der Gesellschaft. Zum Vorsitzenden der JHG wurde Bbr. Lothar Roos gewählt. Sein Stellvertreter ist Martin Lohmann, Chefredakteur der Koblenzer "Rhein-Zeitung".

IV.
Damit komme ich zur zweiten Frage - nach der Not und Notwendigkeit einer an christlichen Werten orientierten Politik. So engagiert Kardinal Höffner für die Soziale Marktwirtschaft eintrat, so nachdrücklich hat er auch vor falschen Heilserwartungen eines Ökonomismus und dem Glauben an ein unbegrenztes Wachstum gewarnt. "Auch die größten sozialen Reformen", so schreibt er ganz im christlichen Bewusstsein der Begrenztheit und Endlichkeit des Menschen, "vermögen die Sehnsucht des Menschen nach dauerndem Leben, bleibendem Glück und nie endender Liebe nicht zu stillen." Sinn und Heil des Menschen liegen nicht darin, sich in der Welt, in der Ökonomie, in der Politik, in der Arbeit oder in der Freizeit zu verlieren. Bei aller Bejahung der Welt solle und müsse sich der Mensch immer wieder bewusst machen, dass die Ökonomie selbst keine Ziele setzt und keinen Sinn stiftet. Was also gerade heute ' wo der Primat der Ökonomie den Sieg davonzutragen droht, von uns mit Höffner in Zukunft zu fordern sein wird, das ist zugespitzt gesagt eine Kehre von der "ICH-AG" zur "WIR-Gesellschaft". Und hierfür tragen Staat und Gesellschaft gleichermaßen Verantwortung. Der freiheitliche Rechtsstaat und die offene Gesellschaft dürfen im eigenen Interesse das Prinzip des Pluralismus nicht mit Beliebigkeit verwechseln. Höffner insistierte zu Recht darauf: "Ein Staat, der keine sittlichen Grundwerte anerkennen, sondern sich mit einer irgendwie funktionierenden äußeren Ordnung begnügen wollte, würde zerfallen."
Diese Einsicht gilt im besonderen Maße für eine Europäische Union, die sich in den kommenden Jahren in erheblichem Ausmaße erweitern und vertiefen wird. Europa ist nicht nur eine Gemeinschaft der militärischen Sicherheit, der ökonomischen Freiheit und der rechtsstaatlichen Demokratie, sondern in erster Linie auch eine Gemeinschaft der Werte, wie sie in den 53 Artikeln der Grundrechte-Charta auf dem EU-Gipfel in Nizza im vergangenen Jahr proklamiert worden sind. Diese Charta muss aber mit Leben erfüllt werden, wofür Höffner ein sehr schönes Bild gefunden hat: In der römischen Campagna sind die Pfeiler der antiken Wasserleitungen nicht selten stehen geblieben, während die Bogen eingestürzt sind: ein Sinnbild des gegenwärtigen Zustands Europas. Es gilt, die verbindenden Bogen wieder herzustellen, damit das lebensspendende Wasser zwischen den Völkern und Kulturen Europas erneut fließen kann." Das ist weit entfernt von einer Politik der großen Gleichmacherei. Auch künftig muss Europa von Eigenverantwortung, Wettbewerb und Vielfalt geprägt sein. Auch hier hat uns Höffner den Weg gezeigt und auf den großen Europäer Thomas von Aquin hingewiesen, wonach gerade eine nivellierende Gleichschaltung die angestrebte Einheit zerstört, genauso wie Musik und Symphonie aufhören, wenn alle denselben Ton singen. Europa ist voller Vielfalt und viele Kräfte haben an Europa mitgebaut.
Für mich steht im Übrigen außer Zweifel, dass der christliche Glaube die identitäts- und einheitsstiftende Kraft Europas ausmacht. Es ist der Glaube an die Einmaligkeit jedes Menschen und seine unveräußerbare Menschenwürde. Weil von Gott geschenkt, steht der Mensch jenseits wissenschaftlicher, ökonomischer oder politischer Verfügbar- und Machbarkeit. Auf das Feld der Politik übertragen bedeutet dies eine hohe Verantwortung.
Höffner hat sich mehrfach mit Fragen der Forschung und der Technik - in der Bewertungspolarität von Dämonisierung und Humanisierung - befasst. Für ihn stellte die wissenschaftliche Erforschung und die technische Bewältigung der Naturkräfte keineswegs einen Widerspruch zum christlichen Weltbild dar, aber ihm war wichtig, dass die Technik ihr Ethos in der dienenden Ehrfurcht vor der Rangordnung der Werte findet und nicht in technische Besessenheit und in Materialismus ausartet. 1988 hat er sich in einer Stellungnahme zur künstlichen Befruchtung klar und unmissverständlich gegen das Vorhaben von "Kinder aus der Retorte" ausgesprochen. Heute - nach der Entschlüsselung des DANN-Codes, den sich abzeichnenden Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik sowie einer weit fortgeschrittenen Klonierungstechnologie - stehen wir in Staat und Gesellschaft am Scheideweg, ob wir uns noch als Geschöpfe Gottes betrachten oder uns zum Schöpfer von uns selbst machen wollen - machen dürfen? Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat bereits im vergangenen Jahr zu einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs über die ethischen Herausforderungen der Biomedizin aufgefordert - in vorausschauender Sorge, "dass die Vorstellungen vom perfekten, vitalen, stets jugendlichen und gesunden Menschen zunehmend Haltungen und Handlungen in unserer Gesellschaft bestimmen." Wir müssen diesen Diskurs ohne zeitlichen Entscheidungsdruck und mit der mutigen Entschlossenheit in dem Bewusstsein führen, dass das Fundament unserer Werteordnung auf dem Spiel steht, und dabei geben uns auch die Worte der Deutschen Bischofskonferenz eine wichtige Wegweisung.

V.
Ich komme zum dritten Punkt, zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Die Verquickung von Politik und Religion, von absolutem Wahrheitsanspruch und gemeinschaftsbildendem Sendungsbewusstsein kennzeichnet gerade die explosive Mischung des Fundamentalismus. Insofern ist die Eigengesetzlichkeit von Kirche, Staat und Gesellschaft unverzichtbar für den Bestand und das Funktionieren einer freiheitlichen Demokratie. Andererseits macht staatliche Macht nur Sinn, worauf Kardinal Höffner nicht müde wurde, hinzuweisen, wenn sie im Dienste der Ordnung und für das Gemeinwohl beansprucht wird. Dieses artikuliert sich aber nicht in einem werte- und sinnfreien Raum; mit unserem Grundgesetz haben wir keinen laizistischen Staat konstituiert.
Den Schock der Barbarei des Nationalsozialismus tief im Bewusstsein verankert, war für die Menschen der frühen Nachkriegszeit eine auf christlichen Werten fußende Politik, waren kirchliche Bindungen geradezu selbstverständlich. Mit wachsendem Abstand und wachsendem Wohlstand säkularisierten sich die gesellschaftlichen Verhältnisse und lockerte sich auch das enge Band zwischen Politik und Kirche.
Höffner selbst hat nie einen Gegensatz zwischen Christsein und politischem Engagement gesehen; spricht doch die Präambel unseres Grundgesetzes unmissverständlich von der "Verantwortung vor Gott und den Menschen". Gegenüber katholischen Journalisten hat er einmal gesagt: "Der Christ darf nicht mürrisch am Zaun der Welt von heute stehen und ärgerlich zusehen, was da drinnen geschieht. Er muss über den Zaun steigen und handelnd und helfend mitten in der Welt von heute gegenwärtig sein, als Salz und Sauerteig." Er selbst hat sich auch nie hinter diesem Zaun versteckt oder aus seinem Herzen eine diplomatische Mördergrube gemacht. Immer dann, wenn er die christlichen Werte in Gefahr sah, hat er sich mit klaren und eindeutigen Worten engagiert in die Politik eingemischt, was ihm in einem Bundestagswahlkampf einmal harsche Kritik von Bundeskanzler Helmut Schmidt eingebracht hat. Den formalen Spielregeln eines religiös-weltanschaulich neutralen Staates folgend, war Höffner auch in verschiedenen öffentlichen Funktionen beratend tätig, so etwa für den Bund Katholischer Unternehmer, für das Ministerium für Arbeits- und Sozialordnung, das Ministerium für Jugend und Familie und das Ministerium für Städtebau und Raumordnung. Bundespräsident Karl Carstens hat über Höffner einmal gesagt, in ihm zeichne sich ein Mann der Kirche aus, "der Staat und Kirche nicht als Gegner, sondern als einander zugeordnet sieht. Beide sind aufgerufen, das "bonum commune", das Gemeinwohl, zu verwirklichen im Dienste der Menschen."

VI.
Man mag heute sagen, Höffner habe es damals viel leichter gehabt - ich teile diese Auffassung nicht, denn es gehört immer Mut dazu, den christlichen Gestaltungsauftrag gegen den starken Strom eines bequemen Zeitgeistes wahrzunehmen und in die Tat umzusetzen. Dem Dienst am Menschen verpflichtet, das war es, was Kardinal Höffner auszeichnete. Kardinal Höffner, am Heiligen Abend zur Welt gekommen, hatte zu seinem Geburtstag einen ganz persönlichen Bezug. Für Höffner war sein Namenspatron, der Heilige Joseph, ein Mann, den wir schweigend an der Krippe stehen sehen. Liebe und Bescheidenheit sind auch die Persönlichkeitsmerkmale von Kardinal Höffner gewesen und waren auch Ausdruck einer tiefen Prägung durch seine Heimat, in der ein hartes, aber herzliches bäuerliches Leben die Lebenswelt bestimmte, in der Beharrlichkeit und Geduld geradezu natürliche Tugenden waren. So war er auch im Diskurs immer hart in der Sache, aber liebenswürdig und voller Respekt gegenüber der Person; seine Schwester Maria hat einmal gesagt: "Mein Bruder schlägt immer mit Güte zurück."
Den Politikern hielt er mutig den "Spiegel" vor und forderte als Grundtugend Charakterfestigkeit, das heißt, auch gegen Widerstände seinen Grundsätzen treu zu bleiben und nicht dem flüchtigen Zeitgeist nachzulaufen. "Mehrheit", so Höffner, "ist kein Beweis für die Richtigkeit, und die Bundesrepublik Deutschland ist keine Fernseh-Demokratie." Wie wahr, so möchte man heute in einer von Einschaltquoten bestimmten Mediengesellschaft sagen. Von Höffner lernen heißt für Politiker, beharrlich für die rechte Sache kämpfen und auch im Sieg bescheiden bleiben - wissend, dass jeder Mensch Fehler macht und verführbar ist. Seinem Namenspatron, so Kardinal Höffner am Schluss eines Pontifikalamtes am 28. Dezember 1986, habe er viele Einsichten zu verdanken. Eine Grundwahrheit, so denke ich, ist eine Lehre, die wir auch und gerade in der Politik beherzigen sollten, sie lautet: "Richtig ist fast immer das Unzeitgemäße, nicht der Konformismus." In diesem Sinne ist und bleibt Joseph Kardinal Höffner ganz zeitgemäß - und ein Vorbild!"

(aus: unitas 1/2003 (Zeitschrift des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS, 143. Jahrgang), S. 10-13)

 

Bbr. Seiters neuer Präsident des DRK

Mitteilungen der UNITAS-Verbandsgeschäftsstelle
24. November 2003

Neuer Präsident des Deutschen Roten Kreuzes ist der Unitarier und frühere Bundesinnenminister Dr. Rudolf Seiters. Die Delegierten aus den 20 DRK-Mitgliedsverbänden wählten ihn auf der 53. Bundes-Versammlung in das höchste Amt des Verbandes.

 „Ich werde meinen Beitrag leisten zur Stärkung des Ehrenamtes, zur qualitativen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung der einzelnen Geschäftsfelder, zur Werbung für das humanitäre Anliegen des Roten Kreuzes und dafür, dass unsere Mitbürger in ihrer Spendenbereitschaft nicht nachlassen“, sagte Rudolf Seiters nach der Wahl.

Bundesbruder Rudolf Seiters, Jahrgang 1937, war 33 Jahre CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Als Kanzleramtsminister hat er im Prozess der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten eine zentrale Rolle gespielt. Von 1991 bis 1993 war er Bundesinnenminister und von 1998 bis 2002 Bundestagsvizepräsident.