„Europa verpflichtet“: Unitas verabschiedet Essener Resolution

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ESSEN. Aktiv Europa im Geist der unitarischen Prinzipien mitzugestalten – mit dieser Selbstverpflichtung bekannte sich der Unitas-Verband bei seiner 144. Generalversammlung in Essen zu den Fundamenten Europas. Einstimmig und ohne Änderung beschlossen die Delegierten am Freitag, 4. Juni, den von der Ruhr-Unitas eingebrachten Resolutionstext. Er griff unter dem Titel „Jetzt ist die Stunde Europas: Wir Unitarier bekennen uns zu unserer Verantwortung für den Kontinent der Freiheit“ das Leitwort „Freiheit heißt Verantwortung“ auf. Die Unitas Ruhrania dankte für das deutlich Votum, mit dem „in guter Tradition das Erbe von Bundesbruder Robert Schuman im Verband weiter lebendig gehalten wird“. Im Folgenden der Wortlaut.

 

W.K.St.V. Unitas Ruhrania  Bochum – Duisburg-Essen – Dortmund

Resolution zur 144. GV des Unitas-Verbands am 3.-5. Juni 2021 

„Jetzt ist die Stunde Europas:
Wir Unitarier bekennen uns zu unserer Verantwortung
für den Kontinent der Freiheit 

„Freiheit heißt Verantwortung“ lautet das Leitwort der 144. Generalversammlung des Unitas-Verbandes in Essen. Im 70. Jahr nach der Gründung der Montan-Union bekennt sich der Unitas-Verband in Verpflichtung gegenüber dem politischen Erbe seines Bundesbruders Robert Schuman zu seiner Verantwortung, dass wir Europa als Kontinent der Freiheit aktiv mitgestalten.

In der Krise beweist sich der Charakter. Das gilt nicht nur für Menschen, es gilt auch für Zivilisationen. Die Pandemie ist zu einer Bewährungsprobe für Europa geworden. In politischer, wirtschaftlicher, vor allem aber auch in ethischer und religiöser Hinsicht. Es stellt sich zunehmend die Frage: Ist Europa noch in der Lage, aus den Ressourcen seiner geistigen Quellen zu schöpfen und so selbstbewusst Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu finden? Von der Debatte über die Bedeutung unserer Grundrechte über die Frage nach weiterhin offenen Grenzen in Europa bis hin zu gefährlichen Tendenzen, im Gegensatz zu den in der Katholischen Soziallehre verwurzelten Werten der Solidarität und Subsidiarität auf staatlichen Zentralismus zu setzen – Ereignisse aus der jüngsten Zeit zeigen, dass das europäische geistige Erbe als wichtiger Orientierungspunkt immer mehr zu einer Leerstelle wird.

Der erste Bundespräsident Theodor Heuss formulierte, Europa sei an drei Orten gegründet worden: dem Kapitol, der Akropolis und auf Golgatha. Wir als katholischer Akademikerverband sehen uns verpflichtet, nicht zuletzt die Bedeutung der Dimension von Golgatha für unsere Zivilisation wieder in das öffentliche Bewusstsein zu bringen: Europa als der Kontinent der österlichen Hoffnung. Dieses Ziel wollen wir erreichen, indem wir an unsere unitarischen Prinzipien anknüpfen:

  • Für ein Europa der christlichen Tugenden! Europa ist nicht nur ein geographischer Ort, Europa steht für die christlich-abendländische Zivilisation mit dem Bekenntnis zur unantastbaren Würde des Menschen als Ebenbild Gottes in ihrem Zentrum. Wir bekennen uns zu unserem Bildungsauftrag als Studenten- und Akademikerverband: Unser Bildungsziel ist, genau diesen Zusammenhang unseren Mitgliedern in Veranstaltungen, durch Vorträge und Publikationen, vor allem aber auch durch persönliches Beispiel zu vermitteln. Wir bilden die junge Generation des Kontinents der Freiheit!
  • Für ein Europa der Wissenschaft! Die Welt steht vor neuen Kulturkämpfen: Die Würde des Menschen und der Schutz des Lebens an seinem Anfang wie an seinem Ende wird durch technische Innovation nicht nur geschützt, sondern in vielen Bereichen auch gefährdet. Wir verpflichten uns als katholische Akademikerinnen und Akademiker dazu, in unseren Vereinen eine Atmosphäre der Debatte und der Reflektion zu erzeugen, in der der Frage nachgegangen wird, wie aus unserem christlichen Glauben heraus technische Innovation und ethischer Anspruch zusammengedacht werden können. Wir prägen die Wissenschaftler von morgen zu verantwortungsvollen Christen!
  • Für ein Europa der Freundschaft! Die europäische Einigung lebt nicht von Beziehungen zwischen Institutionen, ihr Kraftquell liegt in der Begegnung von Menschen. Europa ist als Kontinent der Freiheit auch der Kontinent der Personalität, dieses zentralen Grundwertes der Katholischen Soziallehre. Wir treten ein gegen Nationalismus jeder Art. Vielmehr verpflichten wir uns vor dem Hintergrund der prägenden Erfahrungen, die wir in unserem generationenübergreifenden Freundschafts- und Lebensbund machen, alle Aktivitäten unserer Mitglieder zu unterstützen, die auf aktive Begegnungen mit unseren europäischen Nachbarn abzielen. Wir sind europäische Bürger!

Der Unitas-Verband versteht dieses Bekenntnis als Selbstverpflichtung, aber auch als Appell an alle Glaubensgeschwister, ihrer Verantwortung als Christen für den Kontinent der Freiheit nachzukommen.“

In der kommenden Ausgabe der Verbandszeitschrift „unitas“ wird eine ausführliche Würdigung des in Essen ausgerichteten Bundestreffens folgen.