Kaplan Bbr. Matthias Mertens in der Gedenkhalle Oberhausen

 · 

OBERHAUSEN. Seit dem 2. September 2026 ist die Ausstellung über das Leben und Wirken des Schmachtendorfer Kaplans Bbr. Matthias Mertens und sein (Über-) Leben im „Priesterblock" des Konzentrationslagers Dachau in der Gedenkhalle Oberhausen im Schloss Oberhausen zu sehen. Die Ausstellung ist bis zum 15. November dienstags bis sonntags jeweils von 11-18 Uhr zu besuchen. Führungen durch die Ausstellung gibt es nach Absprache.


Bbr. Matthias Mertens als Mitglied der UNITAS Sugambria in Münster. Rechts: Das im KZ Dachau entstandene Gedenkbildchen von der Priesterweihe Karl Leisners verzeichnet unter dem Wappen des späteren Münsteraner Kardinals von Galen die anwesenden Geistlichen, unter ihnen außer Mathias Mertens noch drei weitere unitarische Bundesbrüder: Pfarrer Heinrich Fresenborg (M), geb. 02. Mai 1900, gest. 21. März 1986, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 28. März 1945; Generalvikariatsrat Geistl. Rat Heinrich Hennen (I2, M3), geb. 13. Januar 1907, gest. 02. November 1967, im KZ Dachau vom 30. Januar 1942 bis zum 05. April 1945; Pfarrer Heinrich Koetter (I2), geb. 28. Oktober 1910, gest. 15. Juni 1973, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 27. März 1945.

Für die Unitas ist Matthias Mertens (1906-1970) kein Unbekannter und über sein Glaubenszeugnis berichtete zuletzt ein Artikel der Verbandszeitschrift Unitas. Der Niederrheiner aus Straelen hatte sich nach Abitur an der Gaesdonk mit 21 Jahren im Sommersemester 1927 an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster eingeschrieben und schloss sich während seines Freisemesters 1929/30 an der Universität Bonn der Unitas-Salia Bonn an. Zurück in Münster, war er bei Unitas Sugambria aktiv, wurde am 17. Dezember 1932 im Dom zu Münster zum Priester geweiht und erhielt seine erste Anstellung als Kaplan in Materborn bei Kleve.

Standhaft gegen die Nationalsozialisten

Von Beginn an geriet der Seelsorger in Konflikt mit den Nationalsozialisten, so dass er schon 1935 zu seinem eigenen Schutz nach Schmachtendorf an die Pfarrkirche St. Joseph versetzt wurde. Auch dort stellte er sich den Behörden entgegen. Im April 1942 wurde er als „Schutzhäftling" in das Konzentrationslager Dachau deportiert, war dort drei Jahre lang im sogenannten „Priesterblock" inhaftiert und kehrte gesundheitlich schwer angeschlagen nach Schmachtendorf in seine alte Gemeinde zurück. Das Erlebte ließ Kaplan Mertens fortan nicht mehr los. Er litt an der im KZ zugezogenen Tuberkulose und konnte seine psychischen Traumata nie verarbeiten. Obwohl das Bistum ihn für leichtere Tätigkeiten einteilte und sich unitarische Freunde sehr für ihn einsetzten, starb Matthias Mertens bereits 1970.

Stolperstein für den Glaubenszeugen

Über den Glaubenszeugen hatte die Unitas Ruhrania bereits im letzten Wintersemester ausführlicher berichtet. In Erinnerung an den Seelsorger wurde in Anwesenheit des Vereins am 10. Februar 2026 ein „Stolperstein“ vor der St. Josefskirche in Oberhausen-Schmachtendorf verlegt. Eine in der Kirche vom Förderverein St. Josef Schmachtendorf e.V. mit Unterstützung des Vereins für Verkehr und Heimatkunde Schmachtendorf präsentierte Ausstellung „Kaplan Mertens – Standhaft in bewegter Zeit“ wurde damals bis 21. März 2026 verlängert.

Sie wird nun in der Gedenkhalle Oberhausen erneut gezeigt: Anhand von Originaldokumenten und Fotos liefert die Ausstellung Einblicke in das Leben und die Verfolgungsgeschichte des engagierten Seelsorgers, der stellvertretend für die vielen Inhaftierten Priester im Konzentrationslager Dachau steht. Der Projektkurs der Heinrich-Böll-Gesamtschule entwarf den Ausstellungsbereich über das Konzentrationslager Dachau.

Gedenkhalle Oberhausen

Die 1962 von der Stadt Oberhausen gegründete Gedenkhalle im Schloss Oberhausen (Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen, Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Eintritt frei) sollte als erste westdeutsche Gedenkstätte zum Nationalsozialismus ein Ort des Gedenkens und Erinnerns, der Information und Begegnung sein. Initiatorin war die damalige Oberbürgermeisterin Luise Albertz, deren Vater Hermann Albertz von den Nationalsozialisten als politischer Gegner verfolgt wurde und im Frühjahr 1945 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Die im Jahr 2010 neu eingerichtete Dauerausstellung widmet sich der nationalsozialistischen Geschichte der Stadt Oberhausen zwischen 1933 und 1945. Im Haus befindet sich auch das Gedenkhallen-Archiv.

Weitere Artikel:

YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=WINHi5Vfahc&t=1s