ESSEN/OBERHAUSEN. Die Ausstellung „Kaplan Mertens: Standhaft in bewegter Zeit“ ist am Dienstag, 3. November, Ziel einer Exkursion der Unitas Ruhrania. Der Besuch der Ausstellung über das Leben von Bbr. Matthias Mertens, Überlebender des „Priesterblocks" im KZ Dachau, beginnt um 15 Uhr in der Gedenkhalle im Schloss Oberhausen (Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen). Abfahrt am Unitas-Haus ist um 14.30 Uhr.
Mit dem Besuch der Ausstellung zu Bbr. Matthias Mertens (1906-1970) geht der Verein einen inhaltlichen Schwerpunkt im Novemberprogramm des laufenden Wintersemesters an. Mit Mertens und den „Lübecker Märtyrern“ (Filmabend am 10. November) stellt die Unitas Ruhrania Glaubenszeugen aus dem Unitas-Verband vor, die sich dem Nationalsozialismus verweigerten und die Konsequenzen in Kauf nahmen.
Standhaft gegen die Nationalsozialisten
Wie zuletzt ein Artikel der Verbandszeitschrift Unitas berichtete, hatte sich der Niederrheiner aus Straelen nach dem Abitur an der Gaesdonk mit 21 Jahren im Sommersemester 1927 an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster eingeschrieben und sich während seines Freisemesters 1929/30 an der Universität Bonn der Unitas-Salia Bonn angeschlossen. Zurück in Münster, war er bei Unitas Sugambria aktiv, wurde am 17. Dezember 1932 im Dom zu Münster zum Priester geweiht und erhielt seine erste Anstellung als Kaplan in Materborn bei Kleve.
Von Beginn an geriet der Seelsorger in Konflikt mit den Nationalsozialisten, so dass er schon 1935 zu seinem eigenen Schutz nach Schmachtendorf an die Pfarrkirche St. Joseph versetzt wurde. Auch dort stellte er sich den Behörden entgegen. Im April 1942 wurde er als „Schutzhäftling" in das Konzentrationslager Dachau deportiert, war dort drei Jahre lang im sogenannten „Priesterblock" inhaftiert und kehrte gesundheitlich schwer angeschlagen nach Schmachtendorf in seine alte Gemeinde zurück. Das Erlebte ließ Kaplan Mertens fortan nicht mehr los. Er litt an der im KZ zugezogenen Tuberkulose und konnte seine psychischen Traumata nie verarbeiten. Obwohl das Bistum ihn für leichtere Tätigkeiten einteilte und sich unitarische Freunde sehr für ihn einsetzten, starb Matthias Mertens bereits 1970.

Bbr. Matthias Mertens als Mitglied der UNITAS Sugambria in Münster. Rechts: Das im KZ Dachau entstandene Gedenkbildchen von der Priesterweihe Karl Leisners verzeichnet unter dem Wappen des späteren Münsteraner Kardinals von Galen die anwesenden Geistlichen, unter ihnen außer Mathias Mertens noch drei weitere unitarische Bundesbrüder: Pfarrer Heinrich Fresenborg (M), geb. 02. Mai 1900, gest. 21. März 1986, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 28. März 1945; Generalvikariatsrat Geistl. Rat Heinrich Hennen (I2, M3), geb. 13. Januar 1907, gest. 02. November 1967, im KZ Dachau vom 30. Januar 1942 bis zum 05. April 1945; Pfarrer Heinrich Koetter (I2), geb. 28. Oktober 1910, gest. 15. Juni 1973, im KZ Dachau vom 28. November 1941 bis zum 27. März 1945.
Stolperstein für den Glaubenszeugen
Über den Glaubenszeugen hatte die Unitas Ruhrania bereits im letzten Wintersemester ausführlicher berichtet, als in Anwesenheit des Vereins am 10. Februar 2026 in Erinnerung an den Seelsorger ein „Stolperstein“ vor der St. Josefskirche in Oberhausen-Schmachtendorf verlegt wurde. Eine in der Kirche vom Förderverein St. Josef Schmachtendorf e.V. mit Unterstützung des Vereins für Verkehr und Heimatkunde Schmachtendorf präsentierte Ausstellung „Kaplan Mertens – Standhaft in bewegter Zeit“ wurde damals bis 21. März 2026 verlängert.
Sie wird seit dem 2. September nun in der Gedenkhalle Oberhausen erneut gezeigt: Anhand von Originaldokumenten und Fotos liefert die Ausstellung Einblicke in das Leben und die Verfolgungsgeschichte des engagierten Seelsorgers, der stellvertretend für die vielen Inhaftierten Priester im Konzentrationslager Dachau steht. Der Projektkurs der Heinrich-Böll-Gesamtschule entwarf den Ausstellungsbereich über das Konzentrationslager Dachau.

Weitere Artikel:
- September 2026: Kaplan Bbr. Matthias Mertens in der Gedenkhalle Oberhausen
- 10. Februar 2026: Stolperstein für Matthias Mertens
- 05. März 2026: Bbr. Matthias Mertens: Ausstellung verlängert
- 01. Februar 2026: Matthias Mertens: Bekenner bis zuletzt
- 30. Januar 2026: Gedenkausstellung „Kaplan Mertens - Standhaft in bewegter Zeit“