PARIS. Während Papst Leo XIV. derzeit in Spanien begeistert gefeiert wird, nimmt bereits die nächste größere Reise konkrete Formen an. Nach Angaben der französischen Bischöfe wird der Papst das Land vom 25. bis 28. September besuchen. Dazu gab Frankreichs Bischofskonferenz-Vorsitzender, Kardinal Jean-Marc Aveline, heute mehr Details zu den Programmpunkten bekannt. Bestätigt wird „in Übereinkunft mit dem Apostolischen Nuntius vor Veröffentlichung des endgültigen Programms durch den Heiligen Stuhl in diesen Tagen“, dass auch ein Besuch in der Stadt Metz Teil des Programms sein wird.
Über erste Spekulationen dazu hatten wir am 21. Mai 2026 berichtet. („Papst Leo XIV. bei Robert Schuman?“) Damit verdichten sich die Hinweise, dass der Papst auf seiner viertägigen Reise möglicherweise auch den Wohn- und Sterbeort von Bbr. Robert Schuman in Lothringen selbst besuchen könnte. Am 29. Juni jährt sich der Geburtstag von Bbr. Robert Schuman zum 140. Mal. Der am 29. Juni 1886 im luxemburgisch-lothringischen Grenzland geborene Jurist und Politiker starb am 4. September 1963 im Alter von 77 Jahren unweit von Metz in seinem Heimatort Scy-Chazelles.

Die bislang bekannten Reisedaten
Nach den bislang bekannten Reisedaten wird der Papst am Freitag, 25. September, eine Vesper in der Kathedrale Notre Dame in Paris halten, zu der alle katholischen Priester, Diakone und ihre Frauen, geweihten Personen und Seminaristen Frankreichs eingeladen sind. Anschließend folgt eine „Große Gebetswache in Paris mit den Jugendlichen Frankreichs“, für die der Ort noch nicht bestimmt ist. An einem ebenfalls bislang noch nicht benannten Ort soll am Samstag, 26. September, ein Massengottesdienst unter freiem Himmel in Paris stattfinden. Am Sonntag, 27. September, will Leo XIV. am frühen Nachmittag auf der Wiese des Marienwallfahrtsorts Lourdes eine weitere Freiluftmesse feiern und für den Frieden in der Welt beten.
Für Montag, 28. September, ist am frühen Nachmittag eine Messe in der Kathedrale St. Stephan (Saint-Étienne) in Metz geplant. Dem Vernehmen nach werde es um Europa gehen, hieß es heute bei der KNA. Der Vatikan-Botschafter bei der EU, Erzbischof Bernardito Auza, hatte bereits am 21. Mai bestätigt, dass zum Abschluss der Papstreise nach Frankreich das Thema „Europa und Frieden“ in den Fokus gerückt werden solle.
Koordination des Besuches angelaufen
Kardinal Jean-Marc Aveline, seit 2019 Erzbischof von Marseille, hatte Papst Leo XIV. bereits zu Beginn des Pontifikats eingeladen: „Er war nicht schwer zu überzeugen, so groß ist seine Wertschätzung für unser Land, für seine Rolle in der Welt, für seine reiche spirituelle Geschichte und für seine missionarische Kraft“, so der Kardinal in seiner heutigen Stellungnahme. Die seit April laufenden Abstimmungen des Programms galten zunächst auch einem Besuch im UNESCO-Hauptquartier in Paris. Das hatte die französische Bischofskonferenz (CEF) am 6. Mai bekanntgegeben. Seit mehr als einem Monat arbeitet danach ein Lenkungsausschuss unter Schirmherrschaft der CEF und mit Hilfe der verschiedenen vom Papst besuchten Diözesen an der Koordination der Vorbereitungen jeder Phase. (Offizielle Meldung der französischen Bischofskonferenz: [Pape en France] Fil de communiqués officiels – L’Église de France se prépare à accueillir le pape Léon XIV, Publié le 09 juin 2026, mehr: https://www.pape-france.fr/)
Besuch in Scy-Chazelles: Wohnhaus von Bbr. Robert Schuman, heute Bildungs- und Dokumentationszentrum Maison de Robert Schuman. In der benachbarten Wehrkirche St. Quentin aus dem 12. Jahrhundert ist der „Vater Europas" begraben worden (s.u.)
Aufgaben für die Unitas
Auch wenn Details zum Besuch in Lothringen noch in der Schwebe sind: Für die Unitas dürften diese Nachrichten Anlass genug sein, an diesem Tag vor Ort vertreten zu sein. Ihr war Robert Schuman, französischer Ministerpräsident, Außen- und Finanzminister und erster Präsident des Europäischen Parlaments, sein Leben lang verbunden: 1904 nahm der junge Student aus dem luxemburgisch-lothringischen Grenzland sein Studium in Bonn auf und schloss sich mit dem Spitznamen „Eggi“ der Unitas-Salia an. Vor 120 Jahren wechselte er zur Unitas München, war 1906 bei Unitas Arminia in Berlin aktiv, bis zum Studienabschluss dann bei Unitas Straßburg und in Metz als Referendar und Rechtsanwalt Mitglied im örtlichen Unitas-Altherrenzirkel. Seit 40 Jahren, seit dem 29. Juni 1986, erinnert der Unitas-Verband mit einer Gedenktafel in Berlin an seinen großen Bundesbruder.
Ein Leben im „Ruf der Heiligkeit“
Ihn bezeichnete Papst Johannes Paul II. (1978-2005) 1988 vor dem EU-Parlament als „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“. Im selben Jahr reichte die „Vereinigung des Hl. Benedikt für Europa“ beim Bischof von Metz, dem Heimatbistum Schumans, das Gesuch zur Seligsprechung ein. 1990 wurde dort der Seligsprechungsprozess offiziell eingeleitet und umfangreiche Informationen über Leben und Sterben, Tugendhaftigkeit und „Ruf der Heiligkeit“ gingen 2004 nach Rom an die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse.
Am 19. Juni 2021 ernannte Papst Franziskus Bbr. Robert Schuman zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“ - das Dekret zur Anerkennung des heroischen Tugendgrades gilt als Vorstufe seiner Seligsprechung. Ob mit dem Besuch von Papst Leo in Metz eine weitergehende Würdigung des christlichen Staatsmanns verbunden sein wird, bleibt abzuwarten.

