Kleines Jubiläum voraus: 115 Jahre Unitas Ruhrania

 · 

Bereits die letzte Veranstaltung der Unitas Ruhrania des 230. Vereinssemesters im WS 2026 am 14. Februar 2026 verlief schon mit Hinweis auf ein anstehendes kleines Jubiläum. Denn vor genau 115 Jahren meldete die Chronik der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster Jg. 25 (1910/11) nicht nur manches Interessantes aus einem längst vergangenen Universitätsbetrieb, sondern auch ein wichtiges Datum.

Die Chronik der Universität Münster

Die Zahl der Studierenden im WS 1910/11 betrug damals 1.967 Männer und 82 Frauen, dazu 247 Gasthörer, darunter 111 Frauen, wie die Chronik für den Zeitraum vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 vermerkte. Dazu findet sich auf Seite 19 unter Punkt „5. Studentische Vereine“ der Hinweis: „Die Zahl der aktiven Vereine betrug zu Beginn des Berichtsjahres 35. (…) Im Sommersemester 1910 suspendierten sich wegen zu geringer Mitgliederzahl der Akademisch-Naturwissenschaftliche Medizinische Verein und der Akademische Frauenbund. Letzterer nahm zu Anfang des Wintersemesters 1910/11 mit einer Zahl von 8 Mitgliedern sein Vereinsleben wieder auf unter Beibehaltung der seiner Zeit von der Universitätsbehörde genehmigten Satzungen.“

Neuer Unitas-Verein an der Universität

Aber auch über neu angemeldete Vereine wurde berichtet: „Neue Vereine wurden gegründet und zwar: Akademischer Sportklub, katholischer Akademischer Missionsverein, Studentinnenverein Winefreda und wissenschaftlicher katholischer Studentenverein Unitas-Ruhrania.“ Damit hatte sich die unitarische Familie an der Universität weiter vergrößert: Mit der 1857 gegründeten Unitas Frisia, der Sugambria (1899), Winfridia (1902) und Rolandia (1910) gab es bereits vier Unitas-Vereine. Und nach der Gründung von Unitas Winfridia war es zum zweiten Mal die Unitas Sugambria, die den unitarischen Stammbaum weiter verzweigte. Den ausscheidenden Sugambern schlossen sich damals Bundesbrüder von Unitas Frisia an und der neue Verein erblickte am 12. Januar 1911 das Licht der Welt - als fünftes Kind in der unitarischen Familie an der Universitas Monasteriensis.

Sein Name sollte Programm sein: Er benannte sich nach der 1847 durch Theologen von der Ruhr gegründeten alten Bonner „Ruhrania”, aus der 1854/55 die „Unitas” hervorging – eine bewusste Erinnerung an die Ur-Wurzel des ältesten katholischen Studentenverbands UNITAS. In kurzer Zeit schlossen sich bald 20 Aktive dem neuen Coetus an, Verkehrslokal wurde der „Zentralhof“ an der Rothenburg, das Vereinszimmer („Kneipe”) lag zur Ludgeri-Straße hin.

Prachtvoller Start am Vorabend des Krieges

Zur offiziellen Publikation am 23.2.1911 organisierte die junge Gemeinschaft einen prachtvollen Aufzug mit Reitern und Kutschen. Dazu gehörten Auffahrten der Chargierten der erschienen Bundeskorporationen – alle münsterschen, die zwei von Bonn, die von Göttingen, Berlin und Kiel waren vertreten – mit voranreitenden Militär-Fanfarenbläseren, musikalischem Frühschoppen und Festessen im Verkehrslokal. Höhepunkte waren ein feierliches Levitenamt in der Martinikirche mit Fahnenweihe - damit wird die bis heute erhaltene Gründungsfahne auch 115 Jahre alt -, mit Festpredigt und einem abendlichen Festkommers im Zoo-Saal. Die Festrede hielt AH Oberlehrer Carl Joseph Kuckhoff (1878-1944, Bild rechts), seit 1907 Oberlehrer am Burggymnasium in Essen, der 1908 die erste Verbandsgeschichte vorgelegt hatte und von 1912 bis 1918 als Zentrumsabgeordneter in den Reichstag gewählt werden sollte. Das Präsidium führte zunächst der Senior der Mutterkorporation Sugambria, dann übernahm der erste Senior der Ruhrania, der Emsländer cand. phil. Engelbert Schlömer. Am 6. Juni 1911 folgte bei der 52. Generalversammlung in Fulda die Aufnahme in den Verband. Im WS 1912/13 führte Ruhrania bereits den Vorsitz im Gesamtausschuss aller Münsterischen Studentenkorporationen.

Doch die rasante Entwicklung des Vereins wurde schon bald durch die Weltgeschichte jäh beendet: Der erste Senior starb nur wenige Jahre darauf 1914 an der Ostfront, nur 10 Tage nach seiner Einberufung, 1917 waren 29 von 33 beim Militär und der Verein durch Einberufung in alle Winde zerstreut. Nach dem Krieg war ein großer Teil der aktiven Studenten im Krieg geblieben, im Lazarett oder in Gefangenschaft, ganze sechs Mann versammelten sich zum ersten Konvent am 6. Februar 1919. Um den Verein zusammenzuhalten, ergriffen 15 Alte Herren die Initiative zur Gründung eines Altherrenvereins, der nun seit 1919 die Aktivitas begleitet und unterstützt. Sie konnte sich sehr schnell wieder festigen und wurde zeitweise einer der größten studentischen Vereine an der Münsteraner Universität.

Zur wechselvollen Geschichte des Vereins gibt es eine informative Seite auf der Homepage. Und ganz sicher wird die Planung für das nächste Semester das kleine Jubiläum in geeigneter Weise berücksichtigen.

Ein Hinweis für das Sommersemester: Zimmer sind noch frei auf dem Essener Unitas-Haus „Feldschlößchen" an der Flurstraße in Essen-Borbeck, in dem vor genau 20 Jahren die ersten Renovierungsarbeiten begannen.