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25.06.2026

Mehr als Bali und Tropenstrände: Kosmos Indonesien im Portrait

 · 25. Juni 2026

ESSEN. So persönlich lernt man ein knapp 12.000 Kilometer entferntes Land kaum kennen: Rund ein Dutzend Gäste lauschten am Mittwochabend, 24. Juni, einem Vortrag von Bbr. Kevin Lew, der seine Heimat Indonesien vorstellte. Das Land unter dem Symbol des mächtigen mythologischen Göttervogels Garuda ist in der Tat ein Land vieler Superlative, wie der 21-jährige Mathematikstudent zeigte.

Größter Inselstaat der Welt

Der klar strukturierte Abend nahm mit dem größten Inselstaat der Welt eine Region in den Blick, die - bis auf ihre Traumurlaubs-Destination Bali vielleicht - eher weniger auf der Landkarte der europäischen Aufmerksamkeit liegt. Das allerdings war in früheren Jahrhunderten deutlich anders, wie der Vortrag skizzierte. Insbesondere der sagenhafte Reichtum aus dem Gewürzhandel lockte damalige europäische Großmächte an die Gestade von Java, Sumatra, Sulawesi, Papua oder auf die Molukken.

Inseln und Europas Geschichte

Vor allem die Portugiesen und dauerhafter noch die Niederländer installierten in den zahllosen Inselkönigreichen ein weltumspannendes Handelsnetz, das mit seinen Großunternehmen den Vergleich mit den großen Konzernen der Neuzeit nicht scheuen muss – im Gegenteil: Die Vereinigte Ostindische Compagnie (VOC, 1602-1798), eine völlig privat organisierte Kapitalgesellschaft etwa setzte auf feste Handelsorte, die den unerhörten Strom des Reichtums in die Grachten der Handelshäuser Amsterdams kanalisierte. Es ist ein historisches Erbe, das sich heute noch an vielen Stellen im heute rund 280 Millionen Einwohner zählenden Indonesien wiederfindet.

Sprachen, Kulturen und Religionen auf dem Riesenarchipel

Über die Wunder einer fantastischen exotischen Pflanzen- und Tierwelt hinaus ist es nicht zuletzt die unglaubliche Vielgestaltigkeit der Sprachen und Kulturen auf dem Riesenarchipel, die Staunen macht. Sie alle sind einer alles überragenden Staatsdoktrin unterworfen, deren Prinzipien alle Lebensbereiche prägen. Einen sehr spannenden Blick war der Referent hier auf die Rolle der anerkannten sechs Religionen des Kulturkosmos, der von 87 Prozent Muslimen bewohnt wird. Er ist damit das größte muslimische Land der Welt, aber kennt doch keine Staatsreligion - ein Thema, das angeregte Debatten im Publikum auslöste.

Versinkende Hauptstadt

Auch ein in Europa kaum wahrgenommenes Detail aus dem Inselreich über dem pazifischen Feuerring fand besondere Beachtung: Die Hauptstadt Jakarta, die ehemalige Kolonie-Hauptstadt Batavia, heute mit 10,6 Millionen Einwohnern das quirlige Zentrum einer wachsenden Wirtschaftsmacht, versinkt. Kevin, der selbst aus einem chinesisch geprägten Stadtviertel in der unmittelbaren Nähe der Meeresbucht stammt, berichtete aus eigener Erfahrung, dass das Phänomen nicht zu stoppen sein wird. Weil inzwischen 40 Prozent des Stadtgebiets unter dem Meeresspiegel liegen, haben Regierung und Parlament daher 2022 beschlossen, eine neue Hauptstadt im Osten der Insel Borneo zu errichten. Als grüne und nachhaltige sogenannte Smart City soll die Stadt mit dem Namen Nusantara in Form eines Garuda, des indonesischen Wappenvogels, angelegt werden.

Mit seinen in großen Zügen präsentierten Geschichte und viele interessanten Details inspirierte Bbr. Kevin zu einer langdauernden anschließende Diskussion. Bundesbrüder und die wieder wachsende Hausgemeinschaft erlebten einen Abend, der an viele frühere Treffen zu „Wissenschaftlichen Sitzungen“ erinnerte. Vorbereiten, vortragen, zuhören, mitreden in einer interessierten offenen Runde – auch für das wissenschaftliche Arbeiten gibt es wohl kaum eine bessere Trainingsmöglichkeit mit so hohem Gemeinschaftsfaktor.

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