ROM / PARIS. „Auf Einladung des Staatsoberhauptes und der kirchlichen Würdenträger des Landes sowie des Generaldirektors der UNESCO wird der Heilige Vater Leo XIV. vom 25. bis zum 28. September 2026 eine Apostolische Reise nach Frankreich unternehmen und den Sitz dieser Organisation besuchen.“ So hieß es am 16. Mai in einer knappen Mitteilung des Pressedienstes des Heiligen Stuhls. Dies hatte zehn Tage zuvor auch die französische Bischofskonferenz bestätigt und neben dem Besuch in Paris zudem einen möglichen Besuch in Lourdes ins Spiel gebracht. Jetzt verdichten sich Spekulationen, dass der Papst auf seiner viertägigen Reise möglicherweise auch den Wohn- und Sterbeort von Bbr. Robert Schuman in Lothringen besuchen könnte.
„Symbolträchtige Orte in Frankreich“
Außer dem Besuch in der Hauptstadt bei der UNESCO, der Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN) für Bildung, Wissenschaft und Kultur stünden keine weiteren Ziele in Frankreich bislang definitiv fest, sagte der Vizepräsident des Rats der Bischofskonferenzen in der EU (COMECE), Erzbischof Antoine Hérouard. Die EU-Institutionen in Straßburg seien sicher nicht auf dem Programm, erklärte er heute (21. Mai 2026) nach einer Audienz mit dem Papst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das EU-Parlament habe dann keine Sitzungswoche. Alternativ werde derzeit über andere „symbolträchtige Orte in Frankreich“ gesprochen. Einer davon sei Cîteaux, 1098 der Gründungsort des Zisterzienserordens, dessen geschichtsträchtiges Kloster heute von Trappisten bewohnt wird.
Zu Spekulationen, der Papst werde bei seiner Frankreichreise außer Paris auch Scy-Chazelles bei Metz besuchen, äußerte sich heute bei einer Pressekonferenz im Vatikan der Vatikan-Botschafter bei der EU, Erzbischof Bernardito Auza. Der Apostolische Nuntius erklärte, dass zum Abschluss der Papstreise nach Frankreich das Thema „Europa und Frieden“ in den Fokus gerückt werden soll. Ob dies am Sterbeort des Europapolitikers Robert Schuman (1886-1963) in Scy-Chazelles geschehen werde, sei aber noch nicht entschieden. Auch wenn also ein Besuch in Lothringen noch in der Schwebe ist: Für die Unitas dürfte diese Entscheidung spannend sein, denn dann sollte sie sicher vertreten sein.
Besuch in Scy-Chazelles: Wohnhaus von Bbr. Robert Schuman, heute Bildungs- und Dokumentationszentrum Maison de Robert Schuman. In der benachbarten Wehrkirche St. Quentin aus dem 12. Jahrhundert ist der „Vater Europas" begraben worden (s.u.)

140. Geburtstag im Juni
Am Montag, 29. Juni diesen Jahres, jährt sich der Geburtstag von Bbr. Robert Schuman zum 140. Mal. Der am 29. Juni 1886 im luxemburgisch-lothringischen Grenzland geborene Jurist und Politiker starb am 4. September 1963 im Alter von 77 Jahren in seinem Heimatort Scy-Chazelles. Drei Tage später säumten Abertausende von Bürgern der Stadt Metz die Straßen, als der Sarg von der Präfektur zur Totenmesse in der Kathedrale überführt wurde. Für die Bundesrepublik nahm daran der Bundesminister für besondere Aufgaben Bbr. Dr. Heinrich Krone MdB teil, an der Spitze des Leichenzuges zog die französische Fahne, hinter ihr auf Bbr. Schumans ausdrücklichen persönlichen Wunsch die blau-weiß-goldene Fahne der Unitas, getragen vom Senior der Unitas Rhenania, mit zwei Bundesbrüdern seiner Unitas-Salia und der Unitas Stolzenfels.

Robert Schuman: „Vater Europas“
Wie konstruktiv Robert Schuman durch seine politische Arbeit als französischer Ministerpräsident, Außen- und Finanzminister und als erster Präsident des Europäischen Parlaments mit der zerfetzten Geschichte des Kontinents umging, ist seit seiner historischen Rede vom 9. Mai 1950 weitgehend bekannt. 1988 bezeichnete ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) vor dem EU-Parlament als „ewiges Vorbild für alle Verantwortlichen am Aufbau Europas“. Im selben Jahr reichte die „Vereinigung des Hl. Benedikt für Europa“ beim Bischof von Metz, dem Heimatbistum Schumans, das Gesuch zur Seligsprechung ein. 1990 wurde dort der Seligsprechungsprozess offiziell eingeleitet und umfangreiche Informationen über Leben und Sterben, Tugendhaftigkeit und „Ruf der Heiligkeit“ gingen 2004 nach Rom an die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Am 19. Juni 2021 ernannte Papst Franziskus Bbr. Robert Schuman zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“ - das Dekret zur Anerkennung des heroischen Tugendgrades gilt als Vorstufe seiner Seligsprechung.
Der Unitas-Verband erinnert seit dem 29. Juni 1986 mit einer Gedenktafel in Berlin an seinen großen Bundesbruder.

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