ESSEN. Ein frohes, gnadenreiches Osterfest! wünscht der Vorsitzende des Unitas-Zirkels Essen und erinnert an den nächsten regelmäßigen Stammtisch. Er beginnt am kommenden Mittwoch, 8. April 2026, um 18:30 Uhr im Bistro des Stadthotels Franz am Franz Sales-Haus an der Steeler Str. 261, 45138 Essen. Damit nimmt der Zirkel seine regelmäßigen monatliche Treffen nach Ostern wieder auf.
Vor 120 Jahren: Fest-Kommers in Essen
Eine kleine Miszelle zum Start in den April 2026 haben wir auch: Denn es jährt sich just ein Treffen, das seinen Niederschlag vor 120 Jahren in der Verbandszeitschrift „unitas“ fand (Unitas 1906, H. 05). Unter der Überschrift „Fest-Kommers in Essen“ war dort zu lesen: „Auch aus Essen kann man in diesem Jahre von einem unitarischen Ferienkommerse berichten. Am 20. März fand er im großen Saale des Hansa-Hotels statt unter Leitung der Unitas Winfridia-Münster. Unitas Burgundia hatte ebenso einen Vertreter in Wichs gesandt. Die Beteiligung der Aktivitas war sehr rege, aktive Unitarier waren selbst aus weiter Ferne herbeigeeilt von Krefeld, Köln, Münster, Rheine i.W.“ – so weit die erfreuliche Mitteilung damals.


Eine ungewohnt klare Ansage allerdings gab es in Richtung der offensichtlich breit eingeladenen Altherrenschaft: „Doch von 70 eingeladenen A.H.A.H. waren sage und schreibe 10 gekommen, während der Essener A.H.-Zirkel allein 18 Mitglieder zählt. Die nahe liegenden A.H.A.H.-Zirkel, durch einen vier Seiten langen Brief eingeladen, ließen gar nichts von sich hören.“
Gleichwohl lässt die weitere Berichterstattung darauf schließen, dass die Sache einen insgesamt erfreulichen Gang nahm. „Unter der schneidigen Leitung unseres l. Storck v. Strauß nahm der Kommers einen tadellosen Verlauf“, heißt es weiter. „Auf die Prinzipien redete in schwungvollen Worten unser I. A.H. Pfarrer Sputen. U.- l. Strauß feierte Kaiser und Papst und begeistert sprach u. I. Küppers v. Ohm von der Unitas-Alania-Bonn zum Lobe der A.H.A.H. Unser verdienter A.H. Pastor Prill erzählte uns in längerer Rede von der Jugendzeit der Unitas; reicher Beifall wurde seinen Worten gezollt. Unser I. A.H. Freibüter-Gelsenkirchen leitete den inoffiziellen Teil des Kommerses in bekannter, humorvoller Weise. Als Präside der Fidulität verstand es unser I. A.H. Kandidat Hütten die Corona noch recht Iange gemütlich beisammen zu halten.“
Kommerse ex loco
Was hier vom Festkommers in Essen berichtet wird, erinnert an lange übliche Treffen, die auch an Orten stattfanden, die weder über eine eigene Universität noch eine unitarische Aktivitas verfügten. Der Essener Zirkel, im Dreikaiserjahr 1888, dem Todesjahr von Unitas-Gründer Hermann Ludger Potthoff ins Leben gerufen, nahm als der älteste hier wohl eine besondere Bedeutung ein. Denn hier trafen sich manche Granden der unitarischen Verbandsöffentlichkeit. Zu den Gründern gehörte der spätere Kölner Erzbischof Antonius Fischer, seit 1903 Kardinal und damals Religionslehrer am Essener Königlichen Gymnasium (Burggymnasium). 1840 in Jülich geboren, studierte Fischer Theologie in Münster und Bonn, trat dort 1860 der Unitas bei und wurde 1863 zum Priester geweiht, ging 1864 als Religionslehrer nach Essen, wurde 1886 in Tübingen promoviert, bewarb sich auf eine Professur an der Universität Bonn, wurde jedoch Domkapitular in Köln. Obwohl ihn die preußische Regierung mehrfach nicht dafür geeignet hielt, eine größere Diözese zu leiten (1889 in Münster, 1891 in Paderborn, 1899 in Osnabrück und Köln), wurde er 1902 zum Erzbischof gewählt, 1903 zum Kardinal ernannt und 1904 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Bundesbrüder: (v.l.) Der Kölner Erzbischof Antonius Kardinal Fischer, Prälat Joseph Prill, Prälat Prof. Albert Lauscher MdR (Zentrum)
Sein Nachfolger als Religionslehrer am Burggymnasium war 1889 bis 1918 der aus dem heutigen Bonn-Beuel stammende Bbr. Josef Prill (1852-1935): 1875 in Köln zum Priester geweiht, lebte er von 1880-1883 in Rom und spielte als Vorstandsmitglied der 1887 gegründeten „Vereinigung zur Förderung der Zeitschrift für christliche Kunst“ sowie der 1892 gegründeten „Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst“ im Rheinland eine zentrale Rolle in katholischen kulturellen Kreisen. 1893 veröffentlichte er eine „Einführung in die hebräische Sprache“, die bis 1932 in sechs Auflagen erschien und entwarf als Architekt zahlreiche neugotische Kirchen, u.a. die des Missionsklosters in Steyl (1881-88), St. Josef in Beuel (1880-82ff.) und St. Marien in Bonn (1887-92).
Auch im Unitas-Verband war er schon in frühen Jahren weithin angesehen: So war er wie der aus Werden stammenden Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff - damals Oberpfarrer in Aachen-Burscheid - an den Vorbereitungen zur außerordentlichen Generalversammlung (GV) am 21. September 1887 in Neuß beteiligt, bei der die Aufnahme von Nichttheologen in die bis dahin nur Theologen vorbehaltene Korporation beschlossen wurde. Im Folgejahr 1888 war Prälat Joseph Prill bei der Gründung des ersten Altherren-Zirkels des Verbandes in Essen dabei, doch für den Unitas-Verband entscheidend wurde die Übernahme der Schriftleitung der Verbandszeitschrift „Korrespondenzblatt", die er von hier aus 1898-1903 als Herausgeber betreute und die unter seiner Schriftleitung erst den Namen „Unitas“ erhielt.
Neben Prill, der bei dem Festkommers 1906 das Wort ergriff, war auch „A.H. Freibüter-Gelsenkirchen“ anwesend, der nach dem Bericht den inoffiziellen Teil leitete. Dabei scheint eindeutig, um welchen der beiden aus Ostercappeln bei Osnabrück gebürtigen Brüder Ludwig und Karl es sich handelte: Der 1880 geborene Ludwig Freibüter, Patensohn von Ludwig Windthorst, studierte ab 1899 Mathematik und Naturwissenschaften in Münster, wurde Mitglied der Unitas Sugambria, war anschließend als Oberlehrer in Gelsenkirchen tätig und wechselte 1910 nach Münster. Dort war er 1919 bis 1948 Vorsitzender des AHV der Unitas-Sugambria, von 1920 bis 1948 Vorsitzender des AHZ-Münster, gehörte zu den Gründern der CDU in Münster und wurde auf der GV 1948 zum Ehrenvorsitzenden des AHB und von der 82.GV 1959 in Münster zusätzlich zum Ehrensenior des Verbandes ernannt sowie mit der ersten Goldenen Unitas-Nadel geehrt. Er war Vater des langjährigen Altherrenbundsvorsitzenden Dr. Ludwig Freibüter (1920-2004).
Ludwig sen. Bruder Karl, geboren 1885, machte 1903 in Meppen Abitur und trat wie sein Bruder 1903 während seines Studiums der Altphilologie in Münster in die Unitas Sugambria ein. Bereits in seinem dritten Semester übernahm er 1904 bei der 45. GV in Regensburg das Amt des Verbandsstatistikers und als erst 20-Jähriger bei der 46. GV 1905 in Straßburg die neugeschaffene „Zentralstelle für Statistik und Mitgliederverzeichnis”. Ab 1911 wurde der damalige Oberlehrer Karl Freibüter in Buer Verbandskassierer, ein Amt, das sich zu dem eines Verbandsgeschäftsführers ausweitete. Ab 1912 war er bis zum Verbot der Unitas 1938 als Vorstand i.S. 26 BGB im Vereinsregister Bonn eingetragen, ab 1927 war Karl noch in Personalunion Vorsitzender des AHB.
Dem launigen Kommers folgte im selben Jahr ein Großereignis: Vom 17.-22. August 1906 tagte zum ersten Mal eine Generalversammlung in Essen, der Heimatstadt der Verbandsgründer. Zu den Beschlüssen des rasant anwachsenden Verbandes zählte die Aufnahme von Unitas Berlin und eine scharfe Betonung der verbindlichen Gemeinsamkeit der Satzungen. Zugleich kam mit Beschluss dieser 47. GV eine neue UV-Keilzentrale in die Ruhrstadt, in der nun ein eifriger Zirkel wirkte. Ihm schloss sich u.a. Bbr. Joseph Kuckhoff (1878-1944) an, erster Geschichtsschreiber des Unitas-Verbandes, später Professor und Reichstagsabgeordneter, der wie Bbr. Prill 1907-1916 am gleichen Gymnasium tätig war.
Ebenfalls 1907 stieß Bbr. Peter Kreutzer zum Zirkel - er war zum Pfarrer an St. Johann Baptist in Essen-Altenessen berufen, wurde 1925 zum ersten Stadtdechanten von Groß-Essen ernannt und blieb 27 Jahre Großstadtseelsorger in der Ruhrmetropole. Als Kaplan an seiner Kirche wirkte Bbr. Dr. Carl Klinkhammer, der als erster Priester von den Nazis verhaftete „rote Ruhrkaplan“ und spätere „Bunkerpfarrer“ von Düsseldorf. In der unitarischen Geschichtsschreibung wird Dr. Peter Kreutzer neben Hermann Ludger Potthoff aus Werden bis heute nicht von ungefähr als der „zweite Gründer“ der Unitas (UV) bezeichnet.

Kontakt zum Essener Unitas-Zirkel:
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OStR Dr. Nikolaus Mantel
Graf-Spee-Straße 22, 45133 Essen
Tel. 0201 / 42 09 68
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