Zur Freude der Fürstin: Nachmittag auf dem Schloss

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ESSEN. Schloss Borbeck, Perle und gute Stube der Stadt Essen, liegt derzeit leider etwas abseits des normalen Lebens. Und es könnte mit der geplanten Renovierung wohl auch noch länger dauern, wie es heißt. Denn seit Jahren ist die Gastronomie geschlossen, der große Saal, in dem früher viele rauschende Bälle stattfanden, steht nicht mehr zur Verfügung. Aber jetzt gab es unvermutete unitarische Action vor dem Wassergraben: Am Samstagnachmittag, 31.1.2026, brachten „Rabbi und die Schlossgeister“ etwas Leben in die historische Bude.

Bbr. Bernd Genser v/o Rabbi hatte bei der letzten Unitas-Veranstaltung in der ehemaligen Residenz der Essener Fürstäbtissinnen eine Verabredung mit Birthe Marfording vom Kulturamt der Stadt Essen getroffen, die nun Wirklichkeit werden sollte. Er reiste mit Lieferwagen an, um der spärlichen Schloss-Ausstattung ein wahrlich historisches Möbel beizusteuern - einen aus massiver Volleiche gefertigten Schrank mit klaren Linien und kompakten Abmessungen, der um 1750 datiert wird. Während der kleine Johann Wolfgang von Goethe also noch laufen lernte und noch niemand an eine amerikanische Unabhängigkeitserklärung dachte, mag dieser aus zwei Teilen gefertigte kraftvoll und stabil wirkende kleine Schrank bereits seine guten Dienste geleistet haben.

Die Herkunft des unitarischen Familien-Möbels, das in Düsseldorf vor allem eine Sammlung von Bibeln und theologischer Literatur aufgenommen hatte, wird auf den Niederrhein lokalisiert. In den 1970er Jahren hatte man ihm eine kleine Renovierung angedeihen lassen, doch bis auf eine moderne Metallkrampe im Inneren ist alles im Originalzustand. Das gilt selbst für die und mit den ursprünglichen Schlüsseln versehenen Schlösser mit ihren über 250 Jahre alten Spannfedern, die noch ordentlichen Zug haben.

Das von hilfreichen Händen aus der Unitas Ruhrania nun im Erdgeschoss hinter dem Kaminzimmer im großen Empfangssaal aufgebaute Möbel ersetzt einen dort ursprünglich vorhandenen Schrank und vervollständigt das mit Kronleuchter illuminierte Zimmer in idealer Weise. Hingucker ist dort bislang die Kopie des großen Gemäldes von Fürstäbtissin Franziska Christine, dessen Original in der gleichnamigen Stiftung in Essen-Steele hängt. Sie ist Namensgeberin des unitarischen Damenvereins an der Ruhr. Doch erst mit dem Schrank, der in die Mitte ihrer Regierungszeit von 1726-1775 gehört und sich gar nicht etwa mit gedrehten Säulen oder Intarsien erst in den Vordergrund drängeln muss, ist der Raum nun wirklich komplett.

Für den kurzen körperlichen Einsatz der Bundesbrüder rollte zu spannenden Gesprächen schnell auch ein kleines Stauder-Tablett heran – auf diese Weise müsste man wirklich ganze Tage im Schloss verbringen können. In der zweiten Jahreshälfte 2026 dürfte das spätestens möglich werden: Dann soll es zu runden Jahrestagen aus dem Leben der letzten drei Fürstinnen an der Ruhr eine gemeinsame Ausstellung geben. Es wird wohl auch was aus dem Unitas-Haus an der Flurstraße ausgestellt werden, wie vermutet werden darf …