Der Abschiedsbrief von Kaplan Johannes Prassek

HAMBURG. Wie berichtet, hat in Hamburg offiziell das Seligsprechungsverfahren für die „Lübecker Märtyrer“, die Kapläne Hermann Lange, Bbr. Eduard Müller und Bbr. Johannes Prassek (UNITAS Ruhrania) begonnen, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Mit ihnen gemeinsam starb der evangelische Pastor Karl-Friedrich Stellbrink. Wie der Hamburger Erzbischof Werner Thissen erklärte, soll er nach Abschluss des Verfahrens immer mit erwähnt und gewürdigt werden. Wann das Seligsprechungsverfahren abgeschlossen wird, ist noch unklar. Zunächst steht das Jahr 2005 im Zeichen der Sichtung der Akten und Befragung noch lebender Zeitzeugen. Dann geht das Verfahren an den Vatikan. 

Erzbischof Werner Thissen zeigte sich überrascht, wie bekannt die vier Märtyrer auch außerhalb Norddeutschlands seien: „Das war ganz interessant, als ich das in der Bischofskonferenz in Fulda zum ersten Mal nannte: Da erzählten sofort Mitbrüder im Bischofsamt, was sie wussten von den Lübecker Märtyrern. Am bekanntesten, scheint mir, ist das Gebet von Kaplan Müller: Herr, hier sind meine Hände - leg darauf, was du willst.“ 

Mittlerweile tauchten im November 2004 auch die Jahrzehntelang als verschollen oder vernichtet geglaubten Abschiedsbriefe von Prassek, Lange und Stellbrink auf. Der Lübecker Historiker Prof. Dr. Peter Voswinckel entdeckte eine ganze Reihe verschollener Märtyrer-Dokumente im Berliner Bundesarchiv, die nach dem Krieg in Archiven der DDR gelandet waren. Die gefundenen Texte lassen den Weg der Briefe jetzt nachzeichnen. Der Volksgerichtshof hatte die Auslieferung verboten. Grund waren die Bekenntnisse der Zuversicht, ja der Freude der Geistlichen vor ihrem Tod. „Mit diesen Bemerkungen haben die Verurteilten offenbar zum Ausdruck bringen wollen, dass sie sich bei Begehung ihrer Straftaten für eine gute Sache eingesetzt und ihr Leben als Märtyrer eingesetzt hätten“ - so der Volksgerichtshof. 

Der Abschiedsbrief von Bbr. Kaplan Johannes Prassek an seine Familie: 

Hamburg, dem 10. XI. 1943 
„Ihr Lieben! 

Heute Abend ist es nun so weit, daß ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es Euch nicht sagen, wie sehr. Gott ist so gut, daß er mich noch einige schöne Jahre als Priester hat arbeiten lassen. Und dieses Ende, so mit vollem Bewußtsein und in ruhiger Vorbereitung darauf sterben dürfen, ist das Schönste von allem. Worum ich Euch um alles in der Welt bitte, ist dieses: Seid nicht traurig! Was mich erwartet, ist Freude und Glück, gegen das alles Glück hier auf der Erde nichts gilt. Darum dürft auch Ihr Euch freuen. Für Euch ist mein Tod kein Verlust, ich hätte in meinem Amte als Priester Euch doch kaum mehr dienen können. Was ich für Euch habe tun können, daß ich täglich für Euch gebetet habe, werde ich jetzt noch viel mehr tun können. Was meine große Sorge um Euch ist, die gleiche, die ich auch für Paul habe, wißt Ihr. Aus dieser Sorge heraus müßt Ihr das auch verstehen, was ich Euch manchmal geschrieben habe. 
Darf ich Euch bitten, mir zu verzeihen, wenn ich Euch bisweilen weh dabei getan habe? Es war nicht böse gemeint. Und Dank für alle Sorge und Mühe, die Ihr in meinem Leben Euch um mich gemacht habt. Vom Himmel aus will ich versuchen, Euch alles wieder gut zu machen. Wie es wohl sein wird? Lebt wohl. Ich grüße Euch noch einmal in herzlicher Liebe und Dankbarkeit. 
Euer Hans 

Grüßt alle Bekanten noch einmal: Pastor Alves, die Schwestern in Rahlstedt, Webers, Gerdines, Cordes, Heiwings, meinen Pastor in Lübeck, die Schwestern dort, grüßt mir vor allem den Bischof und dankt ihm in meinem Namen für alles, besonders dafür, daß er mich zum Priester geweiht hat. Größeres und Schöneres habe ich auf der Erde nicht erfahren, und nun kommt die größte Freude, Gott, die ewige Liebe. 
Ich segne Euch ein letztes Mal. Über meine Sachen habe ich im Testament bestimmt. Laßt es dabei bleiben.“

Das Gebet von (Bbr.) Eduard Müller lautet:
Herr, hier sind meine Hände.
Lege darauf, was du willst.
Nimm hinweg, was du willst.
Führe mich, wohin du willst.
In allem geschehe dein Wille.


Aus: unitas 1/2005




Veröffentlicht am: 20:54:16 13.03.2005
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