FREIBURG, 29.9.2008. Mehr als 750 Gäste feierten in Freiburg den 150. Geburtstag von Bbr. Lorenz Werthmann. Beim Festgottesdienst im Freiburger Münster und einem anschließenden Fest für alle Mitarbeitenden im Lorenz-Werthmann-Haus, der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg, waren sich Politiker und Vertreter der Kirche einig: Der Caritas-Gründer hat das soziale Deutschland mit seinen Ideen nachhaltig geprägt.


„Mit dem 150. Geburtstag von Lorenz Werthmann feiert der Deutsche Caritasverband eine Tradition der sozialen Arbeit, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist und ohne die sie sehr viel ärmer wäre.“ Mit diesen Worten gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Grußschreiben. Karl Kardinal Lehmann bezeichnete Bundesbruder Werthmann in seiner Predigt als „Pionier der modernen Caritasarbeit“. Sein Ziel sei die Schaffung einer Organisation der gesamten katholischen Nächstenliebe gewesen, die „soweit sie institutionell ausgerichtet war, von möglichst vielen gebildeten Mitarbeitern getragen und durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit wirksam werden sollte“, so Lehmann.

Caritas ist Kerngeschäft der Kirche

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erinnerte daran, dass Werthmann die praktizierte Nächstenliebe wichtig gewesen sei. „Diese Spur der Liebe weiterzuziehen, dazu sind wir Christen zu jeder Zeit aufgerufen“, sagte Freiburgs Erzbischof. "Wir verdanken es Lorenz Werthmann, diesem mutigen und tatkräftigen Seelsorger, dass die vielfältigen katholischen Sozialwerke heute eine deutschlandweit handlungsfähige und hochgeschätzte Organisation der Nächstenliebe bilden." Ausdrücklich bedankte er sich bei den mehr als eine Million hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas in Deutschland: „Sie halten das Feuer brennend, ohne das unsere Gesellschaft in der Kälte des Egoismus zu erfrieren droht.“ Zollitsch betonte auch die Stellung der Caritas in der Kirche: „Lorenz Werthmann hält uns wie kaum ein anderer vor Augen, dass die praktizierte Nächstenliebe nicht nur Anhängsel oder Wegbereiter ist, sondern – wie Papst Benedikt in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ eindringlich betont – zum „Kerngeschäft“ der Kirche, zu ihrer ureigensten Aufgabe, gehört. Es gilt bis heute: Verbandliche Caritas ist Aufgabe der gesamten Kirche; sie ist jedoch noch viel mehr: sie ist im wahrsten Sinne Kirche.“

Soziale Balance ohne Caritas undenkbar

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon machte deutlich, dass die Caritas ein „unentbehrlicher und wichtiger Partner“ der Städte und Gemeinden in der kommunalen Sozial- und Jugendpolitik ist. „Uns verbinden gemeinsame Ziele, nämlich eine gerechte und solidarische Gesellschaft, etwas eingängiger und in einem Begriff das Ziel der sozialen Balance. Diese Balance ist unerlässlich, wenn wir auf Dauer unsere urbane Gesellschaft stabil und ausgewogen gestalten und halten wollen.“ Für Salomon war und ist die Caritas ein wichtiger Motor für Veränderungen: „Lorenz Werthmann hat vom „Dampf in der sozialen Maschine“ gesprochen. Ohne diesen „Dampf“ wären damals viele staatliche Reformen und Gesetze zur sozialen Versorgung der Arbeiter vermutlich nicht in Bewegung gekommen“, sagte Freiburgs Oberbürgermeister und ergänzte, „ohne diesen „Dampf“ der Caritas sähe auch heute manches anders aus im Sozialgesetzbuch oder im Miteinander der staatlichen und kommunalen Sozialpolitik einerseits und der Arbeit der kirchlichen und freien Verbände andererseits.“ Als "soziale Bewegung mit einem starken Element des Ehrenamts und einem Aufgabenspektrum, das alle Bereiche der Gesellschaft umfasst", sei die Caritas heute eine einflussreiche Kraft in Deutschland und in der Politik anerkannt und respektiert. "Als Oberbürgermeister der Stadt, in der die Caritas zu Hause ist, hat man allen Grund, darauf stolz zu sein."

 

Am 1. Oktober 1858 wurde in Geisenheim im Rheingau Prälat Dr. Lorenz Werthmann geboren. Er gründete 1897 den Deutschen Caritasverband. Werthmann, der 1921 in Freiburg starb, war zugleich der erste Präsident des heute größten Wohlfahrtsverbandes in Deutschland. In bundesweit mehr als 20.000 Beratungsstellen, Pflegeheimen und anderen sozialen Initiativen arbeiten rund 500.000 Hauptamtliche und noch einmal so viele ehrenamtliche Mitarbeiter. Zu Ehren des Caritasgründers gibt die Deutsche Post am 9. Oktober eine 55 Cent-Sonderbriefmarke heraus. Sie zeigt Werthmann und das Logo des Verbandes, das Flammenkreuz (s.unten). Parallel dazu setzt die Post jeweils am Erstausgabetag Sonderstempel in Bonn und Berlin ein. Bereits 1954 war Bbr. Lorenz Werthmann schon einmal von der Post mit einer Briefmarke im Satz „Helfer der Menschheit“ gewürdigt worden.

 

Mehr zu Lorenz Werthmann in unserer Meldung vom 18. September 2008.

 

Buchtipp: Lorenz Werthmann, Caritasmacher und Visionär. Erschienen im Lambertus-Verlag, Freiburg 2008, ca. 120 Seiten, zahlreiche sw-Abbildungen, 9,90 Euro; ISBN 978-3-7841-1853-6.

Bilder: Oben links Bbr. Lorenz Werthmann als junger Theologiestudent am Germanicum in Rom, rechts: Beim Besuch eines Feldlazaretts 1914.


Weitere Infos zum Thema »Lorenz Werthmann« auf den Seiten des Deutschen Caritasverbandes:

·                                 Porträt des Caritasgründers

·                                 Veranstaltungen zum Jubiläum

·                                 Sonderbriefmarke Werthmann

·                                 Lorenz-Werthmann-Preis

·                                 Texte, Links und Literatur

 Quellen: DCV


Hier zum ganzen Text aus der Verbandszeitschrift "unitas" 3/4 2008. 




Veröffentlicht am: 12:42:31 29.09.2008
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