Neue Fachhochschulen

11.000 neue Studienplätze

 

Aus: transferMagazin, Wissenschaft im Ruhrgebiet, 1/2009, 6-7.

 

Das Land wollte drei neue Fachhochschulen mit technischen Schwerpunkten gründen — die werden sich nun auf sechs Standorte verteilen. Erinnerungen an die Zeit der Strukturpolitik mit der Gießkanne werden wach.

 

Von Stefan Laurin

 

Am 28. November verkündete ein sichtbar stolzer Wissenschaftsminister die Ergebnisse der Schaumann-Jury. Die hatte sich 15 Standortvorschläge aus dem ganzen Land näher angeschaut und auch die strukturpolitischen Leitlinien zu beachten. Das Land wollte einen Großteil der neuen Studienplätze in den vom Rückzug des Steinkohle-Bergbaus betroffenen Regionen schaffen. Dieses Ziel hat das Land erreicht: Unter anderem werden künftig Bottrop, Hamm und Kamp-Lintfort zu Hochschul-Standorten — allerdings werden es keine starken Standorte, sondern alle drei Städte werden Teile von Doppel-Standorten: Bottrop mit Mülheim, Hamm mit Lippstadt und Kleve mit Kamp-Lintfort.

 

HochschuI-Offensive

 

Vor allem für Kamp-Lintfort ist die FH-Ansiedlung die erste gute Nachricht seit langer Zeit. Wer die Friedrich-Heinrich-Allee in Kamp-Lintfort entlangfährt, sieht auf der einen Seite die bald geschlossene Zeche, auf der anderen das ehemalige Handywerk von Siemens/BenQ. Keine Stadt wurde in den vergangenen Jahren wirtschaftlich so stark gebeutelt wie Kamp-Lintfort. Die Entscheidung, dort eine der neuen FHs anzusiedeln, wird zwar nicht sofort den wirtschaftlichen Wiederaufstieg zur Folge haben - dafür wird die Hochschule zu klein sein - ist aber doch ein Hoffnungsschimmer mit langfristiger Perspektive.

 

Kamp-Lintfort ist nur ein Beispiel für die größte Welle an Hochschul-Neugründungen und -Ausbauten seit vielen Jahren. 11.000 neue Studienplätze werden an den Fachhochschulen im Land geschaffen. Um das Ziel zu erreichen, werden drei FHs neu gegründet und acht bestehende ausgebaut - zum Teil an neuen Satelliten-Standorten. Für den Hochschul-Ausbau greift das Land tief in die eher leeren Taschen. Bis 2020 werden zur Finanzierung zusätzliche Landesmittel in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro bereitgestellt. Für Wissenschaftsminister Pinkwart eine lohnende Ausgabe: „Das ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes, die sich auszahlen wird.“

 

Breite Streuung

 

Neue FHs mit jeweils 2500 Studienplätzen baut das Land mit der Fachhochschule „Hamm-Lippstadt“ (Standorte Hamm und Lippstadt), der Fachhochschule „Nördlicher Niederrhein“ (Standorte Kleve und Kamp-Lintfort sowie der Fachhochschule „Westliches Ruhrgebiet“ (Standorte Mülheim und Bottrop). Darüber hinaus läuft derzeit noch der Standort-Wettbewerb für die geplante Fachhochschule für Gesundheitsberufe, an der weitere 1.000 neue Studienplätze entstehen und die auch im Ruhrgebiet angesiedelt werden soll.

 

Weitere 2.500 neue Studienplätze werden an acht bestehenden Fachhochschulen geschaffen. Die Fachhochschulen Aachen (500), Bielefeld am Standort Minden (500) und Münster (200) werden an den bestehenden Standorten ausgebaut. Die Fachhochschulen Bochum und Köln gründen in Velbert/Heiligenhaus (300) und Leverkusen neue Abteilungen mit 300 bzw. 500 Studienplätzen. Neue Studienangebote werden auch in den Studienorten Ahaus (FR Gelsenkirchen, 40), Ahlen/Beckum/Oelde (FH Münster, 110), Lüdenscheid (FR Südwestfalen, 250) und Warburg (FH Ostwestfalen-Lippe, 100) errichtet.

 

Erweitertes Angebot

 

Die neuen Studienplätze werden hauptsächlich in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) geschaffen. Ein entscheidendes Kriterium für die Standort-Auswahl war neben dem Bedarf nach Studienplätzen in den Regionen die Zusage der Wirtschaft, sich für duale Studiengänge zu engagieren.

 

Da das Studium dabei mit einer Berufsausbildung kombiniert wird, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen notwendig. „Dieses Angebot zu erweitern, ist unser besonderes Anliegen, um die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung zu verbessern“, so Pinkwart. „Wir wollen auch diejenigen Talente ansprechen, die eigentlich gar nicht über eine berufliche Ausbildung hinausgehen wollten.“

 

Gesamtkonzept

 

Die dauerhafte Stärkung der Fachhochschulen ist neben der Schaffung von zusätzlichen Studienplätzen in modernen technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen ein wesentliches Ziel des Innovationsministers: „Mittelfristig möchten wir den Anteil der Fachhochschulen an den Studierenden von derzeit 25 Prozent auf 40 Prozent erhöhen“, sagt Pinkwart.

 

Der Ausbau der Fachhochschulen ist Teil des Gesamtkonzepts der Landesregierung zur Weiterentwicklung der nordrhein-westfälischen Hochschullandschaft im kommenden Jahrzehnt. „Wir schaffen die Rahmenbedingungen dafür, dass auch künftig jeder aus Nordrhein-Westfalen, der studieren möchte, einen guten Studienplatz bekommt, gerade auch die Schulabgänger des doppelten Abiturjahrgangs 2013“, erklärt Pinkwart.

Text/Bild: transferMagazin




Veröffentlicht am: 21:33:45 04.02.2009
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