ROM, 25. Mai 2009. „Der Heilige Benedikt war ein Begründer der Zivilisation, er lehrte eine authentische und beharrliche Brüderlichkeit, denn im Bereich der sozialen Beziehungen darf die Einheit im Geist nicht verloren gehen, die es möglich macht, Frieden zu schaffen und immer am Leben zu halten“. So erinnerte Papst Benedikt XVI. am Sonntag, 24. Mai, an den heiligen Patron Europas, Benedikt von Nursia (480-547). Heute bestehe die Aufgabe der Benediktiner vor allem darin, sichtbar Zeugnis für die totale Anhängerschaft an Christus abzulegen, betonte der Papst bei der Feier der Vesper in der Basilika von Montecassino vor Äbten, Äbtissinnen und Mönchen der benediktinischen Gemeinschaften aus der ganzen Welt. 

Klöster brachten Zivilisation

Benedikt XVI., der sich bewusst den Namen des Heiligen aber auch des Friedenspapstes Benedikt XV. zu Eigen gemacht hat, sagte bei der Vesper in der Abtei: „Sie erhebt sich wie eine stille Mahnung, jede Form der Gewalt zurückzuweisen und Frieden zu schaffen: in den Familien, in den Gemeinschaften, zwischen den Völkern und in der ganzen Menschheit. Der heilige Benedikt lädt jeden Menschen, der auf diesen Berg steigt, dazu ein, Frieden zu suchen und ihm nachzujagen: inquire pacem et sequere eam (Ps 33,14-15); (Regel, Prolog 17).“

 

Der heilige Benedikt habe das Evangelium in sich Fleisch annehmen lassen und nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches von Montecassino aus eine geistige und kulturelle Erneuerungsbewegung des Abendlandes initiiert. In seiner Schule seien die Klöster im Lauf der Zeit zu lebendigen Zentren des Dialogs, der Begegnung und der wohltuenden Verschmelzung von unterschiedlichen Völkern geworden, die in der dem Evangelium entspringenden Kultur des Friedens vereint gewesen seien. Dank der in Gebet, Studium und Arbeit aufgeteilten Aktivität dieser Klöster, so der Papst weiter, hätten ganze Völker Europas echten moralischen, geistlichen und kulturellen Fortschritt kennen gelernt. „In Verbundenheit mit dem Vergangenen wurden sie zur konkreten Tat für das Gemeinwohl und zur Öffnung hin zu Gott und dem Transzendenten erzogen. Beten wir darum, dass Europa dieses Erbe der christlichen Prinzipien und Ideale stets zu schätzen weiß. Dieses Erbe ist ein immenser kultureller und geistlicher Reichtum.“ Dies sei nur möglich, „wenn die beständige Lehre des heiligen Benedikt angenommen wird, das heißt das ‚quaerere Deum’, die Suche nach Gott, als der grundlegende Einsatz des Menschen.“ Volles Menschsein verwirkliche sich nicht aus sich selbst heraus; der Mensch könne ohne Gott nicht vollkommen glücklich sein, so Papst Benedikt.

 

Benediktiner sollen Vorbilder bleiben


Der Papst ermutigte die Benediktiner, immer lebendiges Vorbild dieser inneren und tiefen Beziehung zu Gott zu sein und kompromisslos das Programm in die Praxis umzusetzen, das ihr Gründer „mit den Worten ‚nihil amori Christi praeponere’, nichts der Liebe zu Christus vorziehen, zusammengefasst hat“. Darin bestehe die Heiligkeit, und das sei „ein für jeden Christen gültiger Vorschlag, mehr denn je in unserer Zeit, in dem die Notwendigkeit wahrgenommen wird, das Leben und die Geschichte in festen geistlichen Bezugspunkten zu verankern“.

 

Montecassino: Wechselhafte Geschichte

 

Das Kloster Montecassino, eine Gründung des heiligen Benedikt von Nursia um das Jahr 529, entstand an der Stelle einer früheren römischen Befestigungsanlage, des „Municipium“ von „Casinum“. Auf diesem Berg hatte man in einem dem Apollo geweihten Tempel einen heidnischen Kult gepflegt; das angrenzende Terrain galt als heiliger Wald, in dem man Opfer darbrachte. Die Gebeine des heiligen Benedikt liegen in der von gewaltigen Mauern geschützten Krypta des Klosters von Montecassino. Es entwickelte im Lauf der Jahrhunderte eine große religiöse, kulturelle und künstlerische Blüte. Nach der Zerstörung durch die Langobarden unter Graf Zotone von Benevent im Jahre 577 wurde es im Auftrag des Papstes Gregor II. von Petronace, einem Baumeister aus Brescia, zu Beginn des 8. Jahrhunderts neu gestaltet. 883 drangen die Sarazenen ins Kloster ein, plünderten es und steckten es in Brand. Die überlebenden Mönche suchten in anderen Orten Zuflucht und erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts lebte das Kloster wieder auf. 1349 durch ein Erdbeben zum dritten Mal fast völlig zerstört, wurden beim Neuaufbau und in den folgenden Jahrhunderten Ergänzungen und Veränderungen im Stil der Renaissance und des Barock vorgenommen. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war Montecassino Zufluchtsort für Zivilpersonen. Trotz gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht und des Vatikans flogen die Alliierten, die auf der Klosterburg deutsches Militär vermuteten, am 15. Februar 1944 einen massiven dreistündigen Bombenangriff, bei dem 250 Flüchtlinge und Mönche den Tod fanden. Mit Ausnahme der Krypta wurde das Kloster bis auf die Grundmauern zerstört. Nach dem Wiederaufbau erinnert heute das Wort „Pax“ über dem Tor des Klosters an die Bestimmung des Ortes.

 


Veröffentlicht am: 20:22:22 26.05.2009
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