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Ein Seliger im Originalton: 
Neues aus dem Nachlass von Bbr. Portmann 

 

BILLERBECK / MÜNSTER, 9.3.2010. Der Nachlass des langjährigen bischöflichen Kaplans und späteren Galen-Biographen Prälat Bbr. Dr. Heinrich Portmann (1905-1961, UNITAS Ruhrania) bietet neue Überraschungen: Wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) heute mitteilt, wurde darin ein jahrzehntelang verschollenes Tondokument einer Ansprache des münsterischen Bischofs Clemens August Graf von Galen (1878-1946, Bild rechts) aus dem Jahr 1934 aufgefunden. Der LWL präsentierte sie heute gemeinsam mit dem Bistum Münster, der Galen-Forscherin Ingrid Lueb und Propst Hans-Bernd Serries aus Billerbeck der Öffentlichkeit.

 

Porträt des Bischofs Clemens August Graf von Galen. Foto: Sammlung Ingrid Lueb

Über Jahrzehnte galt ein kurzer Ausschnitt seiner Kardinalsansprache am 16. März 1946 auf dem Domplatz in Münster als das einzige erhaltene Tonzeugnis des 2005 selig gesprochenen Kardinals. Doch dann stieß die Historikerin Ingrid Lueb im Kalender Franz von Galens, des Bruders von Clemens August, unter dem 11. November 1960 auf eine bemerkenswerte Notiz: „Dr. Portmann mit Kaplan Risse (Hl. Kreuz) hier, welch Letzterer eine auf Tonband eingefangene Predigt von Clemens August 1934 im Exerzitienhaus, Schillerstraße in Münster, zweimal ablaufen ließ - herrlich. Wir sprachen zwei Stunden nur vom Kardinal.“ Gab es doch noch ein zweites Tondokument mit der Stimme von Galens? Luebs Fachkollegen reagierten skeptisch und verwiesen auf die intensiven Recherchen im Vorfeld des Seligsprechungsprozesses, die keinerlei Hinweise auf ein solches Dokument erbracht hätten.


Bbr. Portmann fertigte Tonband

Doch die Historikerin Lueb, die als als Expertin auch die Edition der Tagebücher von Bbr. Prälat Heinrich Portmann begleitet, die der Dialogverlag bis 2011 veröffentlichen will, ließ nicht locker. 2008 fand sie im Nachlass des langjährigen Ehrenseniors der UNITAS Ruhrania eine zweite heiße Spur. Aus einem Briefwechsel des Autors der ersten Galen-Biographie mit dem Inhaber des Foto- und Phonofachgeschäftes Schumacher in Oer-Erkenschwick von März 1960 ging hervor, dass der Geschäftsinhaber Portmann zwei Schallplatten mit einer Ansprache Galens geschickt hatte. Bbr. Portmann ließ sie auf das damals moderne Medium Tonband umspielen und schickte die Platten dann zurück. Nachforschungen in Oer-Erkenschwick verliefen ernüchternd: Das Geschäft war nach dem Tod des Inhabers bereits vor 20 Jahren vollständig aufgelöst worden; es gab keine Spur mehr von den fraglichen Schallplatten.

Neue Hoffnung keimte auf, als die Familie von Bbr. Heinrich Portmann im Nachlass ihres Onkels zwölf Tonbänder fand. Lueb brachte diese ins LWL-Medienzentrum für Westfalen. Dort verlief eine erste „Anhörung“ der betagten Bänder zwar negativ, doch das Medienzentrum erklärte sich bereit, die Dokumente in seinem Tonarchiv zu archivieren und für Forschungszwecke zu digitalisieren. „Das war eine glückliche Entscheidung. Denn auf einer der auf diese Weise entstandenen Audio-CDs entdeckte Propst Serries, ebenfalls ein passionierter Galen-Forscher, vor einigen Wochen während einer Autofahrt schließlich das außergewöhnliche Tonzeugnis“, berichtet Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Nun soll die Ton-Aufnahme des Bischofs im Landesmedienzentrum „veredelt“ und zu gegebener Zeit veröffentlicht werden.


„Liebe Diözesanen – nehmt an den Exerzitien teil!“

 
Auf einem dieser Bänder befand sich die Ansprache Bischof von Galens aus dem Jahr 1934. Foto: Ingrid Lueb

In der etwa achtminütigen geistlichen Ansprache ruft der Bischof seine „lieben Diözesanen“ zur eifrigen Teilnahme an Exerzitien auf. Eine genaue Überprüfung der Tonsequenz lässt vermuten, dass von Galen während der Aufnahme im Kettelerhaus, einem ehemaligen Exerzitienhaus in der Schillerstraße in Münster, keine Zuhörer hatte, sondern einen vorbereiteten Text allein für die Aufzeichnung auf Schellack-Schallplatten abgelesen hat. Propst Serries: „Das Exerzitienwesen war Bischof von Galen wie seinem Vorgänger Bischof Johannes Poggenburg ein wichtiges Anliegen.“ Um dieses zu popularisieren, scheine er auch auf das damals moderne Medium Schallplatte gesetzt zu haben. „Es handelt sich um ein einzigartiges Tondokument, in dem die kraftvolle Stimme des Bischofs zum Tragen kommt“, so Serries. Auch der gesprochene Text sei interessant.

 

„Wozu sind wir auf Erden?"

In seiner Ansprache sagte von Galen unter anderem: „Wo ist das wichtigste, das heiligste Anliegen unseres Seins und unseres Lebens? Es ist das ewige Glück unserer Seelen! Wozu sind wir auf Erden? Zum Essen und Trinken? Zum Arbeiten und Schlafen? Zum Geldverdienen und Sich-Vergnügen? Ist das alles? Wird das ewig dauern? Oh, nein! Das alles mag nötig und zu seiner Zeit unsere Beschäftigung sein, aber nicht für immer, nicht für ewig. Das alles wird enden für einen jeden von uns, früher oder später. Aber sicher wird es enden. Und dann? Dann soll unser rechtes Leben erst beginnen. ... Lasst uns in der Stille der Exerzitien einmal in Ruhe nachdenken über unser Leben und Streben, damt wir nicht uns täuschen und in die Irre gehen, den rechten Weg verfehlen, der zum ewigen Glücke führt.“ Im letzten Satz rief der Bischof die Christen auf: „Kommet zu den heiligen Exerzitien, kommet abseits an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus bei Christus, unserem Heilande.“

 

Über den Verbleib der Platten ist nichts bekannt, sie dürften nicht mehr existieren. Ob und wie die Ansprache tatsächlich verbreitet worden ist, wissen die Beteiligten auch nicht. Sie hoffen nun, dass sich Zeitzeugen an die Ansprache erinnern oder sogar weitere ähnliche Tondokumente auftauchen. Alle Hinweise dazu werden dankbar aufgenommen, teilte der Landschaftsverband mit: „Aber auch wer andere originale Tonaufnahmen aus der Zeit vor 1950 besitzt, kann sich gern mit uns in Verbindung setzen“, betont Ralf Springer, Archivreferent im Medienzentrum für Westfalen. Denn Audiodokumente aus jener Zeit besitzen wie Filme fast immer hohen alltagsgeschichtlichen Wert.“

 



Quellen:

„Ein Seliger im Originalton. Ansprache von Bischof Clemens August Graf von Galen aus dem Jahr 1934 entdeckt“, 9.3.2010, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, http://www.lwl.org

Johannes Bernard: „Ton-Aufnahme von Bischof von Galen von 1934. Überraschender Fund aus einem Nachlass“, 6.3.2010 auf www.kirchensite.de 

 

LINK:

5. November 2009: „Tagebücher von Bbr. Prälat Dr. Heinrich Portmann entdeckt“

 




Veröffentlicht am: 20:32:35 09.03.2010
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