Zum 50. Todestag von Bbr. Joseph Hartmann (1895-1954)

 

Joseph Hermann Hartmann wurde am 24. Januar 1895 in Essen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er von seinem Borbecker Heimatpfarrer Joseph Hammels (1868-1944) für das Gymnasium vorbereitet, welches er jedoch kurz vor dem Abitur aufgrund des begonnenen Ersten Weltkrieges verlassen musste. Aus diesem nach Essen zurückgekehrt, vollendete er seine Gymna­sialausbildung, begann in Bonn mit dem Studium der Theologie und Philosophie und schloss sich dort dem Wissenschaftlichen Katholischen Studentenverein UNITAS Rhenania (B3) an.

 

Schon bald drängte es ihn nach Freiburg, um am dortigen Caritaswissenschaftlichen Institut zu studie­ren, wo er das sog. Caritas-Diplom erwarb. In diese Zeit fiel dann auch seine erste Begegnung mit dem Werk von Friedrich Ozanam (1813-1853) in der Akademischen Vinzenzkonferenz Freiburgs. Mit dem Leiter der Konferenz, Bibliotheksdirektor Heinrich Auer (1884-1951), mit dem ihn bis zu dessen Tod eine herzliche Freundschaft verband, fand er dann auch einen herausragenden Lehrer und Wegbegleiter.

 

Am 12. März 1930 empfing Joseph Hartmann durch Joseph Hammels, inzwischen Weihbischof in Köln, im dortigen Hohen Dom die Priesterweihe. Danach wirkte er ab dem 31. März 1930 als Ka­plan an St. Joseph in Leverkusen-Manfort sowie ab dem 21. September 1933 an St. Peter in Köln. Hier begegneten ihm die „kleinen Leute“, und unter ihnen die Armen und Bedürftigen, denen später seine besondere Sorge im Vinzenzverein gelten sollte. Als er aus dieser Stellung am 1. Dezem­ber 1934 das Amt des Generalsekretärs der Vinzenzkonferenzen in Deutschland übernahm, war er theoretisch wie praktisch bestens vorbereitet.

 

Bald nach Aufnahme seiner Tätigkeit als Generalsekretär setzten die Schwierigkeiten ein, denen im Dritten Reich die kirchlichen Laienorganisationen ausgesetzt waren: Einschränkung der Tätigkeit, Kriegsdienst und Tod der Mitglieder, Zerstörung durch Bombenwürfe, denen im Jahr 1943 auch das Gebäude des Generalsekretariates in Köln zum Opfer fiel. Umso größer waren die Aufgaben, die den Vinzenzkonferenzen nach dem Zusammenbruch erwuchsen. Wenn zu ihrer Bewältigung nach und nach wieder mehr als 700 Konferenzen mit nahezu 8.000 Mitgliedern bereitstanden, so war das zu einem nicht geringen Teil der Rührigkeit Joseph Hartmanns zuzuschreiben.

 

Nur wenige ihm nahestehende Menschen wussten jedoch, wie schwer ihm das fiel. Bereits seit 1938 quälte ihn ein Nierenleiden, das seine Arbeitskraft lähmte und ihm schließlich die Hoffnung nahm, je wieder ganz gesund zu werden. Sparsam im Wort und zurückhaltend in allen Dingen, die ihn selbst betrafen, hat er nie davon gesprochen. „Er hat es still hineingenommen in sein tägliches priesterliches Opfer. Und als ihn nichts mehr zu tun und alles zu leiden übrig blieb, da war er vollendet, als Mensch, als Christ, als Priester und als Jünger des heiligen Vinzenz von Paul“ (Joseph Schreiber).

 

Als Joseph Hartmann, seit dem 4. Dezember 1952 Päpstlicher Geheimkämmerer, am 9. Septem­ber 1954 in Bad Godesberg starb, trauerte man in ganz Deutschland um einen wirklichen Caritas-Priester. Seine schlichte Frömmigkeit, seine Bescheidenheit, auch die Schlichtheit, mit der er sich auszudrücken pflegte, seine Freudigkeit, zu helfen und zu trösten und nicht zuletzt seine Leidens­bereitschaft hatten ihn zu einem liebenswerten Menschen gemacht. Er verabschiedete sich bei seinen Freunden mit den Worten: „Fürchten wir uns nicht. Die Wanderschaft in dieser Welt ist kurz. Die Verheißung Christi aber wunderbar: die Ruhe des kommenden Reiches und das ewige Leben.“

 

Lambert Klinke

 

Aus: unitas, Zeitschrift des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas, 144. Jg., 3/2004

 

 




Veröffentlicht am: 21:04:17 09.09.2004
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