MÜNSTER/ESSEN. Unser lieber Bundes- und Vereinsbruder StD a.D. Helmut Führer, einer der Wiederbegründer der UNITAS Ruhrania nach dem Krieg, ist am 19. Juni 2007 in Münster an den Folgen seiner schweren Erkrankung gestorben. Die Unitas verliert mit ihm einen herausragenden Unitarier, der sich besonders um die Ruhrania verdient gemacht hat.

Helmut Führer wurde am 19. September 1926 in Ibbenbüren geboren. Als sein Vater 1936 zum Oberregierungsrat in Naumburg an der Saale befördert wurde, besuchte er dort die Katholische Volksschule und anschließend bis zur Einberufung als Luftwaffenhelfer im Februar 1943 das humanistische Domgymnasium in Naumburg. Mit der Einberufung zum Reichsarbeitsdienst im März 1944 wurde ihm mit der Entlassung aus der 7. Klasse des Gymnasiums der Reifevermerk zuerkannt.

Nach der Kapitulation 1945 war Herr Führer vom Wintersemester 1945/46 bis zum Sommersemester 1947 an der Universität in Jena immatrikuliert und studierte Physik, reine und angewandte Mathematik, sowie Chemie und Geographie. Da er wegen des Krieges nur einen Reifevermerk besaß, musste er eine Ergänzungsprüfung am Endes des ersten Semesters in den Schulfächern ablegen und erhielt am 19. März 1946 das Zeugnis der Reife.

Im Sommer 1947 wechselte Helmut Führer von Jena nach Münster, um dort sein Studium fortzusetzen. Um die Voraussetzungen für die Zulassung zu erfüllen, musste er im Winter 1947/48 im Bautrupp der Universität Dienst tun. Vom Sommersemester 1948 konnte er dann endlich sein Studium in reiner und angewandter Mathematik und Physik fortsetzen und im März 1952 vor dem wissenschaftlichen Prüfungsamt in Münster mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen erfolgreich abschließen.

Seinen Vorbereitungsdienst leistete er im ersten Jahr am Gymnasium Dionysianum in Rheine ab und wechselte dann zum Studienseminar II in Münster. Nach dem zweiten Staatsexamen wurde er an das Gymnasium Paulinum versetzt, an dem er Mathematik und Physik bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 unterrichtete. Seine besondere Liebe galt dort besonders der Astronomie, die er mit großem Engagement am Paulinum von 1959 an aufgebaut hat. Und es gelang ihm immer wieder, mit seinen astronomischen Untersuchungen die Schüler zu faszinieren und zu eigenen Experimenten anzuregen.

Sein besonderer Verdienst ist es, am altsprachlichen Paulinum mit seinen klassisch-humanistischen Bildungsgängen den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern einen ebenbürtigen Stand zu verschaffen. Aus heutiger sicht ist das eine Selbstverständlichkeit, für die damalige Zeit aber eine große Leistung.

Pädagoge mit Leib und Seele am Paulinum in Münster

Helmut Führer war im wahrsten Sinne des Wortes ein Pädagoge, der mit Leib und Seele hinter dem Stand, was er lehrte. Mit Geschick hat er den Schülern vor allem das Auffinden mathematischer Vorgehensweisen und Methoden nahe gebracht. Seine größte Stärke war das, was in den naturwissenschaftlichen Fächern besonders schwierig und wichtig ist: Er konnte so erklären, dass jeder es nachhaltig verstehen konnte. Deshalb sind viele Schülergenerationen noch heute dankbar für den Unterricht, den sie bei Herrn Führer erleben durften.

1964 wurde er in das Wissenschaftliche Prüfungsamt für das Lehramt an Gymnasien berufen. Ein Jahr später erfolgte die Beförderung zum Oberstudienrat. Neben seinem Unterricht bildete Helmut Führer von 1966 an als Fachleiter für Mathematik am Studienseminar in Münster bis zu seiner Pensionierung Generationen von jungen Mathematiklehrern aus.

1970 erfolgte die Ernennung zum Studiendirektor als Fachleiter am Bezirksseminar in Münster. In den nachfolgenden Jahren hat Helmut Führer in vielen Kursen Altphilologen auf die Erweiterungsprüfung im Fach Mathematik für das Lehramt am Gymnasium erfolgreich vorbereitet und damit einen damals wichtigen Beitrag zur Behebung des extremen Lehrermangels in Mathematik am Gymnasium geleistet.

Auch die Unitas verdankt ihm sehr viel: 1948 trat Helmut Führer in die Unitas Sugambria in Münster als junger Fuchs ein. Und als die Unitas Ruhrania im selben Jahr nach dem zweiten Weltkrieg wiederbegründet wurde, wechselte er als erster Fuchs in die neue Ruhrania. Am 1. Januar 1954 wurde er philistriert.

Als im Jahre 1981 die Aktivitas der Ruhrania sich auflöste, blieb aber der Altherrenverein der Unitas Ruhrania mit einem neuen Vorstand bestehen. Helmut Führer übernahm damals das Amt des Schriftführers und war maßgeblich bei der Wiederbegründung der Aktivitas im Ruhrgebiet  im Jahre 1991 beteiligt.  Er gehörte zu den maßgeblichen Befürwortern und konnte sich gegen kritische Stimmen erfolgreich durchsetzen. Sein aus solider Sachkenntnis und eine aus Weitsicht geprägten Einschätzung und seine stets noble Haltung profilierten ihn zu einem glaubwürdigen und überzeugenden Ruhranen. Von ihm stammt auch die Geschichte der UNITAS Ruhrania zwischen den Jahren 1950-1990. In den letzten Jahren konnte er leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv an den Veranstaltungen teilnehmen.

In seinen letzten Lebensjahren und vor allem letzten Monaten galt sein besonderes Interesse der astronomischen Domuhr im Paulus Dom zu Münster. Sein Anliegen war es, eine neue Schrift über diese geniale astronomische Domuhr zu verfassen, die die Besonderheiten mit den gegenläufigen Umläufen endlich richtig erklärt und für jeden verständlich macht. Leider blieb dieses Werk unvollendet. Bbr. Helmut Führer ist am 25.06.07 in Münster auf dem Zentralfriedhof beerdigt worden. Viele Bundesbrüder und eine große Zahl von Ruhranen haben ihm das letzte Geleit gegeben.

Lörg Lahme, Vorsitzender des Altherrenvereins

 




Veröffentlicht am: 10:22:31 25.06.2007
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