Versöhnungsarbeit im Geiste Robert Schumans

Das Leben von Bbr. Martin Zeil, sein priesterliches Wirken waren geprägt vom Dienst unter den Soldaten. Ihnen galt seine Sorge, eine Treue und seine kameradschaftliches Verbundenheit. – Es erscheint wie ein symbolhaftes Geschehen, dass während eines Vortrages bei den Angehörigen des ehemaligen 23. Panzerdivision das Wirken von Militärdekan a. D. Prälat Martin Zeil beendet wurde. Ein Gehirnschlag lähmte ihn für die restlichen Monate seines Lebens. Martin Zeil wurde am 9. April 1912 in Dundenheim geboren. Diesem Dorf am Rhein, gegenüber dem Elsass gelegen, bleibt er zeitlebens treu verbunden. Als Ehrenbürger der Gemeinde fand er am 5. Juli 1999 auf dem Dorffriedhof seine letzte Ruhestätte.

Im SS 1934 war der junge Theologiestudent in Münster der Ruhrania beigetreten und hatte sich später der Freiburger Unitas Eckhardia angeschlossen. Nach seiner Philistrierung 1936 war er mit Ausnahme der Jahre, als die Unitas von den Nazis verboten wurde ab Januar 1947 wieder engagiertes Mitglied der AHV. Viele Bundesbrüder werden sich erinnern, dass er seit Jahrzehnten an allen großen Stiftungsfesten teilnahm und einen guten Kontakt zu den nachwachsenden Freiburger Unitariern hatte.

Am 7. März 1937 wurde Martin Zeil im Münster zu Freiburg durch Erzbischof Conrad Gröber zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit – zuletzt in Mannheim-Neckarau – wurde er im März 1940 zur Wehrmacht eingezogen. Zunächst arbeitete er als Kriegspfarrer in verschiedenen Lazaretten in Belgien, Frankreich und Russland. Ab Februar 1940 war er Divisionspfarrer der 23. Panzerdivision. Unter extremen Bedingungen wollte er den Soldaten nahe sein, ihnen seine Hilfe anbieten und für sie Seelsorger sein. Er sah in diesem Dienst seine besondere Berufung. Als 1956 die Bundeswehr aufgestellt wurde, war Martin Zeil einer der ersten Militär-Seelsorger. Bereits im April 1956 wurde er zum Wehrbereichsdekan in Stuttgart ernannt.

Seinen Pfarrern gegenüber war ein strenger Vorgesetzter. Er legt größten Wert darauf, dass die Pfarrer in den Kasernen, auf den Truppenübungsplätzen und in den Krankenrevieren gegenwärtig waren. Präsenz, Nähe zu den Soldaten, war für ihn selbstverständlich. Während seiner gesamten Zeit in der Bundeswehr und darüber hinaus bis zu seinem Tod war ihm die deutsch-französische Verständigung ein Herzensanliegen. Hier nutzte er alle Möglichkeiten, die sich ihm boten. Hier war er jeweils ein Mann der ersten Stunde. Er begleitete die ersten deutschen Soldaten zu den Truppenübungsplätzen in Frankreich. Unermüdlich verhalf er dabei zu Kontakten, Verständnis, Einsichten. Er gehörte auch zu denen, die die internationalen Soldatenwallfahrten nach Lourdes organisierten. Selbstverständlich war dabei sein Platz im Zeltlager oberhalb der Stadt Lourdes. – nicht im Hotel.

Als Wehrbereichsdekan lud er über viele Jahre hin monatlich Gruppen französischer Soldaten nach Stuttgart ein, damit sie mit deutschen Kameraden ein Wochenende verbringen konnten. In den Sommerferien veranstaltete er mit französischen und deutschen Kindern aus Soldatenfamilien Ferienlager in Frankreich und Deutschland. Die französische Militärseelsorge und ihre Pfarrer waren ihm so vertraut wie die Deutschen.

Die Franzosen wussten diesen nachhaltigen Einsatz zu schätzen. So ernannte ihn der französische Staat zum Kommandeur des „Orde National du Mérite“, des französischen nationalen Verdienstordens (vgl. unitas 4/1997). 1997 ehrte ihn die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung Basel mit dem „Josef-Rey-Preis“, der nach dem ehemaligen Colmarer Bürgermeister und unermüdlichen Mitstreiter in der deutsch-französischen Zusammenarbeit benannt ist. Generalleutnant Jean Louis Brette, der frühere Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Deutschland, hielt die Laudatio. Die Worte des Generals machten deutlich, wie hoch die Franzosen den unermüdlichen Einsatz von Prälat Zeil schätzen: „Was für ein Glück, was für eine Gnade für uns Franzosen, dass Sie ein Badener sind und dass Sie zum Wehrbereichsdekan im Wehrbereich V, das heißt, in Baden-Württemberg ernannt wurden, wo die Hälfte der französischen Streitkräfte stationiert und deren Kommandos installiert waren.“

Wir wissen heute, welche Früchte diese gemeinsame Saat nach dem Zweiten Weltkrieg hervorbrachte. Einer der großen Stifter dieser deutsch-französischen Verständigung und Aussöhnung, ganz im Geiste unseres großen Unitariers Robert Schuman, war Bbr. Martin Zeil.

StD Hans-Jürgen Günther, Emmendingen

 
Aus: unitas 1999/6


Veröffentlicht am: 10:15:36 06.07.1999
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