ESSEN. Wenn dieses Gedenkjahr, das unter dem Leitwort „In der Spur des Glaubens“ steht, nicht nur ein nostalgischer Blick zurück sein soll, dann müssen die Spuren, die Liudger in der Glaubensgeschichte unseres Landes hinterlassen hat, auch in der heutigen Situation der Kirche Potenzial zur geistlichen Orientierung am Ursprung und zur Wegweisung in die Zukunft enthalten“, erklärte Pastor Marius Linnenborn beim Festakt zum 120-jährigen UNITAS-Zirkeljubiläum in Essen. In seiner Festrede am Dreifaltigkeitssonntag unterstrich er, durch sein Leben und sein Wirken gebe Liudger ein Beispiel für das, was auch unter den Herausforderungen der Gegenwart grundlegend zum christlichen Leben und zur Weitergabe des Glaubens gehöre.

 

Ludgerusjahr 2009

 

Marius Linneborns (Bild links) spannungsreiche Spurensuche nach der geistigen und geistlichen Ausbildung und Formung des aus Utrecht gebürtigen Friesen begann bei den Quellen: Schriften über den Missionar und von ihm selbst überlieferte Quellen zeigen dessen Verehrung für den Völkerapostel Paulus, die auch seine eigenen Ideale der Verkündigung und der Mission erkennen lassen. Das Vorbild von Bonifatius, dem Liudger im Alter von etwa zwölf Jahren begegnete, sei ihm immer lebendig geblieben. Auf den besten Schulen und „Universitäten“ seiner Zeit ausgebildet, legte er in seiner Mission besonderes Gewicht auf das persönliche Beispiel und unterstrich als entscheidende Eigenschaften eines vorbildlichen Missionars Liebe, Glaubensstärke und eine gewinnende Sprache.

 

Anschaulich skizzierte der Referent Ludgers Einsätze in Sachsen und Friesland, seinen Aufenthalt in Montecassino, den Bau des ersten Paulus-Doms in Münster, die Gründung einer Missionszelle in Helmstedt und seine Bischofsweihe für das westsächsische Missionsgebietes mit Sitz in Münster am 30. März 805 in Köln. Nicht zuletzt aber auch die Bedeutung des als geistliche Zelle für seine weite Missionstätigkeit und als Eigen- und Memorialkloster seiner Familie schon 799 von ihm im Tal der Ruhr gegründeten Klosters Werden. Hier hatte bald nach dem Tod Liudgers seine Verehrung begonnen: Mit ihm fanden hier fünf weitere Bischöfe aus der Familie Liudgers ihre letzte Ruhe, mehr als tausend Jahre lang wurde das Grab von den Benediktinern behütet. Bis heute stehen die mit seinem Leben in Verbindung stehenden Orte in regem Kontakt, in jedem ersten Sonntag im September markiert die Umtragung der Gebeine des heiligen Liudger den liturgischer Höhepunkt seiner Verehrung - eine der ältesten Reliquientrachten überhaupt.

 

Einer der großen Heiligen

 

„Liudger gehört ohne Zweifel zu den großen Heiligen des frühen Mittelalters in Europa“, erklärte Markus Linnenborn. Erfüllt vom asketischen Ideal und vom Geist der „peregrinatio pro Christo“, des Aufbruchs in die Fremde um des Evangeliums willen, habe sich Liudger als „Vollender der angelsächsischen Missionsarbeit auf dem Kontinent“ (Lutz E. von Padberg) auf den Weg zu den Menschen gemacht, den Grundstein für das kirchliche Leben in unserem Land gelegt und sich auch durch Rückschläge und Enttäuschungen nicht aufhalten lassen. In der Erörterung verschiedener Spannungsbögen in Liudgers Leben unterstrich Linnenborn die Bedeutung persönlicher Glaubensüberzeugung, katholischer Universalität und tragfähiger Gemeinschaft: „Auch wenn in manchen Gebieten die Menschen in der Mehrzahl zwar schon getauft waren, so waren viele innerlich noch nicht wirklich zum Glauben an Christus gekommen – eine Situation, die der unsrigen heute nicht unähnlich ist.“ Christlicher Glaube jedoch sei eine innere Haltung von Geist und Herz.


Für den eigenen Glauben sei es heute „vielleicht noch wichtiger als früher, ob es geistliche Zellen gibt, in denen der Einzelne erfahren kann, dass der Glaube von einer Gemeinschaft getragen ist und immer wieder neue geistliche Stärkung erhalten kann“, so Marius Linnenborn. Auch gehörten innere Freiheit und Einsatz zur Gestaltung der Welt zusammen. Bereits Liudger sei zutiefst davon überzeugt gewesen, dass sich der Glaube nicht in Nischen zurückziehen dürfe, sondern in der konkreten Praxis des Lebens und in den Werken der Nächstenliebe bewähren müsse: „Christlicher Glaube zielt darauf hin, die Welt aus dem Geist des Evangeliums zu gestalten, und er versucht dabei, immer offen zu bleiben für den Anruf Gottes in der jeweiligen Zeit.“ Damit stehe die Person Liudgers uns heute viel näher als es bei dem zeitlichen Abstand von zwölf Jahrhunderten auf den ersten Blick erscheine. „Liudger hat der Mission seiner Zeit ein Gesicht gegeben – heute ist es unser Auftrag, dem Evangelium in einem überzeugenden christlichen Leben unser Gesicht zu geben“, so der Festredner.

Mit Messe, Festakt, Bootsfahrt auf der Ruhr hatte die UNITAS im Ruhrgebiet am 7. Juni das 120-jährige Bestehen des ältesten Ortszirkels im bundesweiten UNITAS-Verband gefeiert. Am Geburtsort von Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff stellten sich der Essener UV-Zirkel und der Wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS Ruhrania an ihrem Vereinsfest zu Ehren des Hl. Bonifatius ganz bewusst in die Reihe der Festveranstaltungen des laufenden Ludgerusjahres. 2009 gedenken die Bistümer Münster und Essen der 1200. Wiederkehr des Todesjahres 809 des Missionars, Werdener Klostergründers und ersten Bischofs von Münster.



 

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Einladung, Programm und Pressemitteilung:
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Berichte in den Zeitungen:
4.6.2009: ARTIKEL AUS DEN BORBECKER NACHRICHTEN
5.6.2009: ARTIKEL AUS DEN WERDENER NACHRICHTEN / NRZ
5.6.2009: ARTIKEL AUS DER BISTUMSZEITUNG RUHRWORT
5.6.2009: ARTIKEL AUS DER WAZ
 

Weitere Artikel

08.06.2009  Zirkeljubiläum in Essen: UNITAS-Treffen in Werden

03.06.2009  120 Jahre UNITAS in Essen: Vereinsfest in Werden am 7. Juni


Meldung mit Buchhinweis:
25.03.2009  Neues Buch: Heiliger Liudger, Zeuge des Glaubens 742-809

Links:

www.bistum-essen.de

www.bistum-muenster.de

www.ludgerus2009.kirche-vor-ort.de
www.st.ludgerus-werden.de

Communitas Sancti Ludgeri 

 




Veröffentlicht am: 17:19:30 15.06.2009
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