Bbr. Erzbischof Marx nach dem Treffen in Davos
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Bbr. Erzbischof Marx nach dem Treffen in Davos

„Der Markt braucht Regeln“ / „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“

 

Banker und Manager sollen selbst Vorschläge für eine künftige Finanzarchitektur auf den Tisch legen - statt immer nur vor Überregulierung zu warnen. Dies erklärte Erzbischof Bbr. Reinhard Marx am 1. Februar in der WELT. Im Gespräch mit Jörg Eigendorf und Miriam Hollstein über seine Eindrücke vom Gipfel in Davos und über Wege aus der Finanzkrise unterstrich Marx, Verantwortung dürfe nicht allein auf den Staat abgewälzt werden. 

 

Mir fehlen die konkreten Vorschläge aus der Wirtschafts- und Finanzwelt, wie es besser laufen könnte“, zitierte die WELT den Oberhirten des Erzbistums München und Freising. „Die Banker und Manager warnen zwar ständig vor zu viel Regulierung. Aber dann sollen sie doch einmal selbst Vorschläge für eine globale Finanzarchitektur unterbreiten. Wenn ich an deren Stelle wäre, würde ich die besten Köpfe zusammenbringen und vernünftige Regeln erdenken, anstatt immer nur zu klagen.“ Der Markt brauche Regeln, betonte Marx. Aktiengesellschaften hätten die Kapitalrendite zum eigentlichen Ziel erklärt, dem alles untergeordnet wurde: „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen.“ Der Mensch müsse im Zentrum stehen, das Kapital müsse ihm dienen. „Dann sind wir bei der sozialen Marktwirtschaft“, so Marx.

 

Neue Qualität des Zusammenlebens

 

Es gehe um Werte, die sonst früh in der Kindheit mitgegeben worden seien - in der Familie, in der Schule, in der Kirche. „Ich bin kein Kulturpessimist. Aber es ist sicher viel schwieriger geworden, sich zu orientieren“, meinte der Erzbischof: „Wir stehen vor einer ganz neuen Situation. Breite Bevölkerungsschichten können in ihrem Lebensstil und in Wertefragen frei entscheiden. Man kann Religionen wechseln oder die Kirche verlassen. Früher gab es geschlossene Milieus, in denen Regeln und Moral durch die Schule und die Gesellschaft hindurch klar waren. Es gab mehr Zwang, aber auch mehr Sicherheit. Das ist heute grundlegend anders. Diesen Grad an Freiheit gab es noch nie in der Geschichte der Menschheit.“ Es gehe um eine neue Qualität des Zusammenlebens, bei dem es trotz aller Unterschiede ein Gemeinwesen, ein gemeinsames Bewusstsein, gemeinsame Werte gebe.

 

„Zur christlichen Weltsicht gehört, dass die Welt nach ethischen Grundsätzen gestaltet werden sollte. Diese finden wir in der Bibel: Recht und Gerechtigkeit, Güte und Erbarmen“, stellte Bbr. Marx klar. Moral sei dabei keine Bedrohung, keine Einschränkung: „Die zehn Gebote sind eine Anleitung zu einem guten Leben. Sie einzuhalten ist hoch vernünftig und ökonomisch sinnvoll, denn sie führen zu nachhaltigem Verhalten. Mich hat immer die Behauptung geärgert, Märkte seien moralfrei.“ Angesprochen auf seinen Bestseller „Das Kapital“ erklärte der Erzbischof: „Ich war überrascht vom Erfolg. Die Tatsache, dass es genau auf dem Höhepunkt der Lehman-Brothers-Krise erschien, hat dem Buch natürlich einen Schub gegeben. Aber ich freue mich, dass die katholische Soziallehre - populär aufgeschrieben - soviel Anklang findet. Als Bischof ist mir wichtig, dass die Frohe Botschaft uns einen sozialen und politischen Weg weist.“

 

LINK zum Artikel in der Welt vom 1.2.2010: Die Kirche war die Vorreiterin der Globalisierung. Weltwirtschaftsforum in Davos: Das Treffen ist zu Ende, die drängenden Fragen Bankenregulierung und Staatsverschuldung bleiben“


Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Pressestelle / Thomas Klinger




Veröffentlicht am: 20:00:31 01.02.2010

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