VOP Sebastian Sasse: Gruß in den Advent

 

ESSEN, 1.12.2010. Einen Gruß in den begonnenen Advent sendet Vorortspräsident Bbr. Sebastian Sasse. In seinem Schreiben für den Dezember-Newsletter wirft er einen Blick zurück – auf die kürzlichen Ereignisse in Rom, auf den Mensch als „homo viator“, für ihn ein anschauliches Bild vom Leben auf einer großen Pilgerreise. Die Nachricht der Stunde: Der Verbandsvorstand hat beschlossen, das nächste Jahr unter das Leitwort „In Christus verwurzelt“ zu stellen … 

 

 

Liebe Bundesschwestern,

liebe Bundesbrüder,

 

ich wünsche Euch allen eine gesegnete Adventszeit. Der Vorort erlebte zusammen mit einigen anderen Bundesschwestern und Bundesbrüdern das Ende des Kirchenjahres in Rom. Dort wurde unser Bundesbruder Reinhard Marx durch den Heiligen Vater in das Kardinalskollegium aufgenommen. Wir gratulieren unserem Bundesbruder sehr herzlich und wünschen ihm für seinen Dienst in unserer Kirche Gottes Segen! Im Folgenden nun einige Überlegungen aus Anlass dieses Ereignisses.

 

                                                                   I.

 

Rom, 7.00 Uhr, es regnet. Wir stehen vor der Tür von Santa Maria dell’Anima, der Kirche der deutschsprechenden Katholiken in Rom. Schon zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation versammelten sich hier die deutschen Pilger, die die Ewige Stadt besuchten. Gleich wird sich hier ebenfalls eine Pilgergruppe versammeln. Der Erzbischof von München, Reinhard Marx, seit zwei Tagen Mitglied des Kardinalkollegiums, wird mit ihnen die Messe feiern.

 

Schon um halb sechs sind wir aufgestanden und von unserer Unterkunft, der Residenz der Pallottinerinnen unweit des Petesdomes, aufgebrochen, Schärpen, Baretts und die Verbandsstandarte im Gepäck. Schließlich wollen wir pünktlich sein. Uns ist sicher, diese Messfeier markiert in der dichten Programmfolge dieser Tage einen besonderen Punkt. Hier wird es endlich einmal kein Gedränge geben, keine Fototermine, keine Fernsehkameras, keine Einlasskarten. Endlich Zeit zur Kontemplation, zur Konzentration auf das Wesentliche.

 

In der gemeinsamen Eucharistiefeier findet unsere unitarische Gemeinschaft ihren stärksten Ausdruck. Dies wurde uns in Rom erneut bewusst – und wir alle sollten es uns immer wieder bewusst machen, obwohl wir es ja eigentlich wissen. Gerade im Hinblick auf das bevorstehende Vereinsfest zu Ehren der Heiligen Maria Immaculata.

 

Unser Verbandspatron, der Heilige Thomas, hat den Menschen einmal den „homo viator“, also den „Menschen auf dem Wege“ genannt. Eine anthropologische Aussage, die vor allem durch ihre Anschaulichkeit überzeugt. Das Leben erscheint dann als eine große Pilgerreise. Freilich wird uns das nur sehr selten im Alltagsvollzug klar. Dabei hilft uns diese Perspektive. Sie kann dazu führen, klarer seinen eigenen Weg einzuschlagen. Sie macht es uns vielleicht einfacher, schwierige Wegstationen zu überwinden. Sie öffnet vor allem aber auch den Blick auf die Menschen, die gemeinsam mit uns pilgern. Eine Weggemeinschaft der Glaubenden – genau das ist auch unsere liebe Unitas.

 

Wir haben unsere Fahrt nach Rom als eine Pilgerreise verstanden. Als eine Reise, die uns daran erinnert, in welche Richtung uns Unitarier unser gemeinsamer Weg führen soll.

 

Genau diesen Aspekt hat auch unser Bundesbruder Reinhard Marx in diesen Tagen immer wieder betont. Auch bei seiner Predigt in der Messe in der Anima. Für jeden Katholiken sei Rom so etwas wie „ein zweites Zuhause“. Denn hier begegne er als Pilger den Ursprüngen der Kirche, eine Begegnung mit Folgen. Wir hätten unseren „Weg gemeinsam mit den Armen und Trostsuchenden“ zu gehen. Aus diesem Geist müsse es zu einer „Renaissance der Kirche“ kommen, die nie mit einer Restauration gleichzusetzen sei. Wichtige Worte am Ende dieses Krisenjahres. Wichtige Worte aber gerade für Unitarier im Hinblick auf die Wegstationen, die uns 2011 erwarten.

 

                                                                       II.

 

„Mit Freude grüße ich alle deutschsprachigen Brüder und Schwestern, besonders die Pilger aus der Schweiz und aus Deutschland, die anlässlich des Konsistoriums der Kardinäle nach Rom gekommen sind. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres schauen wir auf Christus, den König auf dem Kreuzesthron. Das Kreuz offenbart uns Gottes wahre Herrschaft: keine Macht der Gewalt, sondern die Macht des Erbarmens und der Liebe, die alle verwandelt und zu wirklich freien Menschen macht. Als getaufte Christen wollen wir am Aufbau seines Reiches der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe mitarbeiten. Dabei stärke Euch der Heilige Geist.” – Mit diesen Worten wandte sich der Heilige Vater während des Angelus-Gebetes am Sonntag nach der Messe an uns deutsche Pilger.

 

Einen Punkt möchte ich im Hinblick auf die drei Seligsprechungen im nächsten Jahr hervorheben: „keine Macht der Gewalt“ stattdessen die „Macht des Erbarmens und der Liebe, die alle verwandelt und zu wirklich freien Menschen macht.“ Georg Häfner, Eduard Müller und Johannes Prassek waren solche wirklich freien Menschen. Sie sind unter sehr schwierigen Umständen ihren Weg gegangen.

 

„In Christus verwurzelt“ – der Verbandsvorstand hat beschlossen, das nächste Jahr unter dieses Leitwort zu stellen. Die drei Seligen haben die Gültigkeit dieses Wortes bezeugt. Wir sollten uns dieser Herausforderung stellen. Nicht zuletzt dadurch, dass wir uns in unseren Semesterprogrammen mit ihnen und ihrem Martyrium auseinandersetzen. Auf dass auch wir zu freieren Menschen werden.

 

 

Semper in unitate,

Euer Bundesbruder Sebastian Sasse, VOP


LINK:
www.luebeckermaertyrer.de

 

 




Veröffentlicht am: 14:26:23 01.12.2010
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