Aktuelles > Neuigkeiten > Lübecker Märtyrer: Beeindruckende Film-Doku



Lübecker Märtyrer: Beeindruckende Film-Doku

 

Eine beeindruckende Dokumentation zum Schicksal und Vermächtnis der „Lübecker Märtyrer“ ist dem Filmemacher Jürgen Hobrecht (52) mit dem am 17. Mai in der Lübecker Lutherkirche uraufgeführten Film „Widerstehen im Geiste Christi“ gelungen. Die Unitas Ruhrania, so ein Beschluss des letzten Convents, wird den Film im laufenden Semesterprogramm zeigen und dazu einen Termin bekanntgeben.

 

Zehn Jahre arbeitete der Berliner Regisseur an dem Thema. In seiner 65-minütigen Doku entwirft Hobrecht ein dichtes Portrait der 1943 Hingerichteten und ihrer Zeit. Zeitzeugen schildern die katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller, Herrmann Lange und der evangelische Pastor Karl-Friedrich Stellbrink aus lebendiger Erinnerung: So Prof. Stephan Pfürtner, damals junger Soldat, Stellbrinks Tochter Waltraud Kienitz, die ehemaligen Schüler  Regina Papst, Gerhard Nürnberg, Gisela Mitzlaff, Gertrud Ehrtmann und Hans-Heinrich Böker, den das Filmteam in seiner neuen Heimat Australien aufsuchte. Einordnungen geben der Historiker Prof. Dr. Peter Voswinckel und Bischof em. Karl-Ludwig Kohlwage.

 
Beklemmende Kamerafahrten


Alte Fotos und Filmdokumente aus Lübeck werden zur Sprecherstimme von Volker Lechtenbrink geschickt mit aktuellen Ansichten der Schauplätze verbunden. Bewegte historische Aufnahmen beleuchten unter anderem auch die große Rolle des Münsteraner Bischof von Galen, der sich in seinen berühmten Sommerpredigten aus dem Jahr 1941 gegen das NS-Regime äußerte. Sie waren, wie geschildert wird, auch in Lübeck handschriftlich kopiert oder mit Wachsmatritzen vervielfältigt worden. Zitate aus eingeblendeten Originalbriefen und aus den Anklageschriften wechseln mit Aufnahmen aus den Zellen im Burgkloster, aus Wochenschauen und aus dem kriegszerstörten Lübeck.  Besonders beklemmend sind die Schwarzweiß-Kamerafahrten in den damaligen Haftorten: Mit den Mitteln des Films schafft Hobrecht eine sehr dichte Atmosphäre, die die innere Stimmungen der Verhafteten nachempfinden lässt. Einer der bewegendsten Momente des Films: Eine grobkörnige, bewegte Bildcollage zeichnet mit der Musik von Arvo Pärt den letzten Gang der zum Tode Verurteilten zur Hinrichtung nach.

 

In ihrem letzten Teil zeigt die Dokumentation das nach dem Krieg wiederauflebende Gedächtnis an die Ermordeten. Ihre in den Akten des Volksgerichtshofs erst 2004 aufgefundenen Abschiedsbriefe wurden damals nicht zugestellt. Der Grund: Die Richter konnten die Glaubensstärke ihrer Opfer nicht ertragen. In Lübeck wird ihrer jedes Jahr vor allem zu ihrem Todestag in ökumenischem Geist gedacht. „Für unser gemeinsames Voranschreiten in der Ökumene dürfen wir diese Zeugen als leuchtende Wegmarken wahrnehmen“, so die Schlusssequenz mit einem Zitat von Papst Benedikt.

Ökumenische Perspektive

 

Der unter historischer Fachberatung von Prof. Voswinckel entstandene Film weist diese ökumenische Perspektive ebenfalls auf: Er entstand im Auftrag des Evangelischen Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg, unterstützt durch das Erzbistums Hamburg. „Wir sind Herrn Jürgen Hobrecht sehr dankbar, dass er das Erbe von Hermann Lange, Eduard Müller, Johannes Prassek und Karl Friedrich Stellbrink in seinem Film so anschaulich aufbereitet hat“, schreiben Erzbischof Werner Thissen und der Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich, im Geleitwort zur DVD. „Herzlich laden wir alle Zuschauer dazu ein, es den Lübecker Märtyrern gleichzutun: Aus dem „Ja Christi Kraft zu schöpfen, um heute „Nein“ sagen zu können, wenn das Leben und die Würde von Menschen in Gefahr sind.“

 

Die Dokumentation ergänzt den Filmbericht von Siegfried Braun „Priester auf dem Schafott" aus dem Jahr 1968. Er dauert 16 Minuten und wurde im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ausgestrahlt. Von 1983 stammt der Film „Der Lübecker Christenprozess – Nachfragen einer Enkelgeneration", 28 Minuten lang, von Manfred Bannenberg gedreht und ausgestrahlt vom Norddeutschen Rundfunk (NDR).


HINWEIS: Die DVD „Widerstehen im Geiste Christi“ des Berliner Filmemachers Jürgen Hobrecht ist zu beziehen über die Polis-Film, Jürgen Hobrecht, Wörtherstr. 13, 10405 Berlin, Tel. 030 / 48496346, E-Mail polisfilm@polis-film.de oder Fax 030 48496347. Preis: 12€ plus 3€  Versand.




Veröffentlicht am: 14:07:20 29.05.2011
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse