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Zur Seligsprechung am 25. Juni 2011:
Das Lübecker Martyrologium

 

„Das wertvolle Erbe, das uns diese mutigen Zeugen überliefert haben, ist ein gemeinsames Erbe aller Kirchen und aller kirchlichen Gemeinschaften. Es ist ein Erbe, das lauter spricht als die Faktoren der Trennung. Der Ökumenismus der Märtyrer und der Glaubenszeugen überzeugt am meisten. Er zeigt den Christen des einundzwanzigsten Jahrhunderts den Weg zur Einheit auf. Es ist das Erbe des Kreuzes, das im Licht von Ostern erlebt wird: ein Erbe, das die Christen reich macht und aufrichtet, während sie sich auf den Weg ins neue Jahrtausend machen.“
 
Papst Johannes Paul II. in der ökumenischen Gedächtnisfeier für die Zeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert im Kolosseum am 7. Mai 2000

 

In der Krypta der Propsteikirche in Lübeck befindet sich das 1958 von Gisela Maria Thömmes geschaffene „Martyrologium“, das in jedem Jahr am 10. November vor dem Gedenkgottesdienst verlesen wird.

 

Im Jahr des Heiles 1943,

im elften Jahr, als der Verführer Gewalt über Deutschland hatte,

am Abend des 10. November mussten die Kapläne

Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller

Ihr Leben hingeben unter dem Fallbeil,

zu gleicher Stunde mit ihnen der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink,

da er wie sie keinem anderen nachfolgen wollten als Christus.

Sie haben mitten unter uns gelebt.

Sie liebten die Herrlichkeit der Schöpfung, das Licht der Wahrheit.

Sie liebten unser Land, das Meer, die alten Kirchen unserer Stadt.

Sie liebten über alles die Menschen, die ihnen anvertraut waren.

Sie liebten das Leben in seiner Fülle, denn sie waren Freunde Gottes.

 

Als Lübecks Türme, Zeugen vergangener Frömmigkeit, zusammengebrochen waren,

gefiel es Gott, sich neue Türme zu bauen, Zeichen lebendigen Glaubens.

Vor vielen wählte er jene aus, die wir hier ehren.

Sie folgten ohne Furcht und gingen den Weg ihrer Berufung bis zum Ende.

So lebten sie unter uns:

Sakramente spendend auch gegen das Verbot der Mächtigen.

Sie hörten die Beichten jener, die der Heimat beraubt

und entrechtet unter uns lebten.

Sie reichten ihnen den Leib des Herrn und segneten ihre Ehen.

 

So gingen sie vor uns her:

Freude ausströmend über dürre und verzweifelte Seelen,

weil sie ihr Vertrauen auf Gott gesetzt hatten,

die Wahrheit laut herausrufend in ihrer Predigt,

als Lüge und Verschweigen herrschten,

zündend, obwohl selbst im Dunkeln,

rettend, ohne sich zu retten in brennender Stadt,

tröstend noch, als sie selbst des Trostes bedurften im Gefängnis,

lobend und preisen, als man sie schmähte,

danksagend, als man ihnen den Tod verkündete,

liebend, mitten im Hass.

Nun sind sie uns die unzerstörbaren Türme geworden in unserer Stadt Lübeck,

an denen wir emporblicken, unter deren Zeichen wir leben,

unter deren Schutz wir fliehen, wenn Übermächtiges uns bedrängt.

 

Wir gedenken der vier Lübecker Märtyrer,

die in ihren Gemeinden seelsorglich gewirkt

und unerschrocken die Botschaft des Glaubens verkündet haben.

Auch sie wurden in der Taufe

Glieder des Neuen Volkes Gottes.

Mit ihnen gehören wir zur Gemeinschaft der Heiligen,

zur einen Kirche, wie sie sichtbar auf Erden und

unsichtbar im Himmel Gott den Lobpreis seiner Herrlichkeit darbringt.

Den Armen, Kranken und Notleidenden waren die Lübecker Märtyrer helfend zugetan.

Sie sind eingetreten für die Botschaft des Glaubens in Predigt und Verkündigung.

Ihr Leben war geprägt von seelsorglichem Eifer, von der Liebe zu den Menschen,

von Gottvertrauen, Gebet und Frömmigkeit.

Gestärkt durch die Sakramente der Kirche sind sie dem Wort des Evangeliums gefolgt.

 

So lasst uns beten:

Gott, unser Vater:

In ihrem Martyrium haben die Lübecker Geistlichen

ihr Leben ganz in deine Hände gelegt.

An ihrem Beispiel erkennen wir, was deine Gnade

in uns schwachen Menschen bewirken kann.

Sie, die auf den Tod und die Auferstehung Christi, deines Sohnes, getauft wurden,

sind ihm am Ende ihres irdischen Weges in Leiden und Sterben ähnlich geworden

und empfingen die Krone des ewigen Lebens.

In Wahrheit ist es würdig und recht,

dir dem allmächtigen Gott und Vater zu danken

für dieses Zeugnis des Glaubens,

das auch uns und alle Getauften

bestärken möge in der Nachfolge deines Sohnes Jesus Christus.

Durch ihn gebührt dir alle Herrlichkeit, alle Ehre und Macht

in der Einheit des Heiligen Geistes

jetzt und in Ewigkeit.

 

 

Aus: WER STERBEN KANN, WER WILL DEN ZWINGEN? Werkheft zur Seligsprechung der Lübecker Märtyrer, 3. Teil: Taufgedächtnis, Lübecker Martyrologium und weitere Gebete, S. 107f., Herausgeber: Erzbistum Hamburg, Bistum Osnabrück; Redaktion: Propst Franz Mecklenfeld, Lübeck, Prof. Dr. Dr. Helmuth Rolfes, Bremen

 

 

 

Zitiert:

 

„Während wir hier auf Erden in getrennten Kirchen leben, sind die Märtyrer der verschiedenen Kirchen in ihrem Sterben mit und für Christus im Himmel in der Gemeinschaft der Heiligen schon vereint. So ist die Ökumene der Märtyrer eine Hoffnung und ein Ansporn für die Ökumene hier auf Erden. Das Gedächtnis der Märtyrer muss darum gemeinsames Anliegen aller Christen und aller Kirchen sein. Es ist eine heilsame Erinnerung und eine dringend notwendige Provokation.“

 

Walter Kardinal Kasper: Ökumene der Märtyrer, in: WER STERBEN KANN, WER WILL DEN ZWINGEN? Werkheft zur Seligsprechung der Lübecker Märtyrer, S. 72

 




Veröffentlicht am: 08:16:06 24.06.2011
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