10. November: Todestag der Lübecker Märtyrer

 

„Wer sterben kann, wer will den zwingen?“ – das schrieb der Häftling Johannes Prassek heute vor 69 Jahren, am 10. November 1943 in seinem Abschiedsbrief an seine Familie: „Ihr Lieben! Heute Abend ist es nun so weit, daß ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es Euch nicht sagen, wie sehr. Gott ist so gut, daß er mich noch einige schöne Jahre als Priester hat arbeiten lassen. Und dieses Ende, so mit vollem Bewußtsein und in ruhiger Vorbereitung darauf sterben dürfen, ist das Schönste von allem. Worum ich Euch um alles in der Welt bitte, ist dieses: Seid nicht traurig! Was mich erwartet, ist Freude und Glück, gegen das alles Glück hier auf der Erde nichts gilt. Darum dürft auch Ihr Euch freuen. …“

 

Widerstand gegen die Gottvergessenheit

 

Sein Vermächtnis aus der Todeszelle - nur kurz, bevor er unter dem Fallbeil stirbt. Gemeinsam mit seinen drei Freunden - Seelsorgern, Geistlichen wie er. Zum Tod verurteilt durch die Nazi-Justiz, auf höchste Anordnung aus Berlin. Die Strafkammer des sogenannten „Volksgerichtshofs“ ist eigens von dort angereist. Um Widerstand zu brechen, ein Zeichen zu setzen, dass sie konsequent durchgreift, wenn öffentlich Zweifel geäußert wird, Kritik am Krieg, am gottvergessenen System, an der menschenverachtenden Mordmaschine, an der Willkür, an der Beugung jeden Rechts. An der gnadenlosen Logik der geplanten Vernichtung.

 

„Ihr Blut floss ineinander“

 

Am 10. November gingen die katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange aus der Lübecker Herz-Jesu-Pfarrei gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink in den Tod. „Ihr Blut floss ineinander“ heißt es, als sie im Minutenabstand auf dem Schafott hingerichtet wurden. Ihre Freundschaft und ihr Glaubenszeugnis haben beeindruckt. Ihre Freunde, ihre Mitverurteilten, ihre Bekannten, all die, denen verboten war, sie zu betrauern, an die zu erinnern. Das aber taten diese aber umso mehr nach dem Ende der Nazi-Barbarei – und von Beginn an in ökumenischem Geist. Die Katholische Kirche hat die katholischen Kapläne im Juni 2011 seliggesprochen, ihres evangelischen Freundes wurde ehrenvoll gedacht.

 

„Das Ereignis von Lübeck“

 

Zu diesem großen Ereignis für die Kirche in Deutschlands Norden sind auch damals die Unitas-Mitglieder aus Essen und anderen Städten dorthin aufgebrochen. Mit der Fahne, die ihre Bundesbrüder Johannes Prassek und Eduard Müller noch selbst in Händen hielten. Ein unvergessliches Erlebnis für alle, die diese Reise als Teil ihrer eigenen Lebensreise begriffen haben, als Station und als Geschenk auf dem eigenen Lebensweg. Froh, dass sie vor der Seligsprechung schon einen kleinen Beitrag leisten konnten, weil sie die offizielle Rehabilitation der „Lübecker Kapläne“ erreichten.

 

Gedenken in Lübeck

 

Im Gedenken des 69. Jahrestages der Hinrichtung der vier Lübecker Märtyrer Hermann Lange, Eduard Müller, Johannes Prassek und Karl Friedrich Stellbrink wurden am Freitag, 9. November in Lübeck Kränze an den Rathausarkaden und am Zeughaus niedergelegt. Am Samstag feiern Bischöfin Kirsten Fehrs, Erzbischof Werner Thissen, Propst Franz Mecklenfeld und Pastorin Constanze Oldendorf einen Ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Lutherkirche, und am Montag, 12. November, werden Waltraut Kienitz, Tochter von Pastor Stellbrink, und Dr. Ingaburgh Klatt vom „Arbeitskreis 10. November“ dort durch die Ausstellung „Lösch mir die Augen aus..." führen.

 

Aktiventag in Karlsruhe

 

Just heute hat der Aktiventag des UNITAS-Verbandes begonnen. Er findet in diesem Jahr mit einer Rekordbeteiligung von weit über 200 Teilnehmern in Karlsruhe statt. Auch Delegationen der Ruhrgebietsvereine Unitas Ruhrania und Unitas Franziska Christine sind dorthin aufgebrochen. Bis Sonntag stehen am Sitz des Bundesverfassungsgerichts Grundfragen des Rechts im Mittelpunkt – damit sind Fragen berührt, die auch die Märtyrer damals beschäftigten. Das hoffnungslos überbuchte Verbandstreffen mit Vertretern aus der heutigen Rechtsprechung schließt mit der gemeinsamen Messe am Sonntag. In ihr wird der Geistlichen, der seligen Bundesbrüder und aller gedacht, deren Leben durch ein System des Unrechts drangsaliert und ausgelöscht wurde. Unter ihnen über 500 namentlich bekannte Bundesbrüder des UNITAS-Verbands, die vom Terror der Nationalsozialisten verfolgt wurden, in sogenannte Schutzhaft und in Konzentrationslager kamen. Mindestens elf von ihnen gaben ihr Leben.

 

Wer kann wen zwingen?

 

Gerade in diesen Tagen der Erinnerung an die Reichsprogromnacht und der innenpolitischen Debatten zum Umgang mit rassistischen Tendenzen in unserem Land und Europa ist den Studenten und Studentinnen beim UNITAS-Aktiventag eine wichtige gemeinsame Erfahrung und Orientierung zu wünschen. Wer aus dem Glauben und in der Freiheit des Gewissens lebt, kann durch niemanden gezwungen und bezwungen werden ….

 


 

LINK: Unser DOSSIER zu den Lübecker Märtyrern. Mehr: www.luebeckermaertyrer.de.

 

 




Veröffentlicht am: 03:46:24 10.11.2012
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