Vor 110 Jahren, am 15. August 1898, wurde Lorenz Werthmann als Ehren-Mitglied in die Freiburger Unitas aufgenommen und damit Ehrenmitglied des UNITAS-Verbandes. Am 29. September feiert die Caritas den 150. Geburtstag von Bbr. Lorenz Werthmann mit einem Festakt in der badischen Bischofsstadt. Denn der katholische Priester und Sozialpolitiker gründete 1897 den Deutschen Caritasverband und machte die Caritas zu dem, was sie heute noch ist: Anwalt und Partner benachteiligter Menschen. Die Bundespost gibt aus Anlass des 150. Geburtstages von Werthmann am 9. Oktober eine Sondermarke heraus.

Am 1. Oktober 1858 in Geisenheim (Rheingau) geboren, machte Lorenz Werthmann sein Abitur auf dem Gymnasium in Hadamar und nahm 1881 am Collegium Germanicum in Rom sein Studium auf. Die Begegnungen mit Papst Leo XIII. und dem jungen Bbr. Franz Hitze, Kaplan am Campo Santo Teutonico und späterer Sozialpolitiker, waren wegweisend für sein künftiges soziales Engagement. Hitze lenkte seine Aufmerksamkeit auf die sozialen Fragen und machte ihn - wie Werthmanns Tagebücher ausweisen - mit wichtigen Schriften der deutschen und französischen Sozialbewegung bekannt.

 

Lorenz Werthmann wurde zum Dr. phil. und Dr. theol. promoviert und empfing 1883 in Rom die Priesterweihe. Er ging 1884 zurück nach Deutschland, wurde Sekretär des ebenfalls aus Geisenheim stammenden Bischofs Peter Josef Blum in Limburg und nahm die selbe Position auch bei dessen Nachfolger Bischof Christian Roos ein. Als dieser 1886 zum Erzbischof von Freiburg gewählt wurde, folgte ihm Lorenz Werthmann. Als Mitglied engagierte er sich im Verein „Arbeiterwohl“ und im Vincentiusverein. Studieren, Publizieren und Organisieren waren sein bis heute gültiges Erfolgsrezept, um den drängenden sozialen Fragestellungen, die ihn sein Leben lang beschäftigten, Gehör zu verschaffen. In dieser Zeit traf er auch weitere Personen aus dem katholischen Verbändewesen, die seine Vorstellungen von der Bündelung der vielen sozialen Hilfsangebote im katholischen Bereich in einem Zentralverband teilten.

Gründer des Caritasverbands

Am 9. November 1897 rief der 39-jährige Theologe auf dem zweiten Caritastag in Köln zur Gründung des „Charitasverbands für das katholische Deutschland“ (DCV) auf, der seit 1921 den Namen Deutscher Caritasverband (DCV) trägt. Als Sitz der Zentrale wurde Freiburg gewählt. Bedingt durch die Not des Ersten Weltkriegs erkannte die Deutsche Bischofskonferenz 1916 schließlich die Caritas als den Sozialverband der katholischen Kirche in Deutschland an, worum Werthmann als Vorsitzender des Verbands jahrelang hatte ringen müssen. Die Grundprobleme der Finanzierung wurden gelöst und innerhalb weniger Jahre wurden überall Diözesan-Caritasverbände gegründet. 23 Jahre leitete Lorenz Werthmann insgesamt den Caritasverband. Er starb am 10 April 1921 in Freiburg.
 

Seine Vision, Anwalt und Partner der Benachteiligten zu sein, lebt im Deutschen Caritasverband auch nach über 110 Jahren fort. Er zählt heute fast 25.000 Einrichtungen in vielfältigen karitativen Arbeitsbereichen und rund einer Million Mitarbeiter, von denen fast die Hälfte ehrenamtlich tätig ist. Lorenz Werthmanns Idee füllen heute 27 Diözesan-Caritasverbände, 528 Orts- und Kreis-Caritasverbände sowie zahlreiche caritative Fachverbände mit Leben. Damit gehört der Deutsche Caritasverband als größter Wohlfahrtsverband heute zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.

 

Der Deutsche Caritasverband feiert seinen Gründer am 29.September 2008 in Freiburg: Den Festgottesdienst im Freiburger Münster hält Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Predigt hat Kardinal Karl Lehmann, Mainz, übernommen. Anschließend findet ein Fest im Lorenz-Werthmann-Haus, der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes in der Karlstraße 40, statt.

Sonderbriefmarke am 9. Oktober

Zu Ehren des Caritasgründers gibt die Deutsche Post am 9. Oktober eine 55 Cent-Sonderbriefmarke heraus. Sie zeigt Werthmann und das Logo des Verbandes, das Flammenkreuz. Parallel dazu setzt die Post jeweils am Erstausgabetag Sonderstempel in Bonn und Berlin ein. Bereits 1954 war Bbr. Lorenz Werthmann schon einmal von der Post mit einer Briefmarke im Satz „Helfer der Menschheit“ gewürdigt worden. Mehr: Bundesministerium der Finanzen: Sondermarken Oktober 2008

 

Buchveröffentlichung in Vorbereitung

Im Freiburger Lambertus-Verlag erscheint zum Jubiläum der von Peter Neher, Ingeborg Feige, Andreas Wollasch und Hans-Josef Wollasch herausgegebene Band „Lorenz Werthmann. Caritasmacher und Visionär“ (ISBN 978-3-7841-1853-6, 1. Auflage, September 2008, Kartoniert/Broschiert, 120 Seiten, ca. 9,90 € (D). Das Buch bietet einen Überblick über Leben und Werk des großen Visionärs und Machers der verbandlichen Caritas, der es mit großem persönlichen Einsatz, politischem Geschick und Durchsetzungsfähigkeit schaffte, seine Ideen in die Tat umzusetzen.

 

Bilder: Deutscher Caritasverband

 

 

 

Im Folgenden ein Lebensbild, das dem

UNITAS-Handbuch 2004 entnommen ist:

 

Lorenz Werthmann
von Lambert Stamer

Lorenz Werthmann wurde am 1. Oktober 1858 als Sohn des Gutsverwalters und Weinbauern Johann Werthmann und seiner Ehefrau Barbara, geborene Blum, in Geisenheim (Rheingau) geboren. (UNITAS-Handbuch, Bd. I, S. 369) Nachdem er in seinem Heimatort die Volksschule besucht hatte, wechselte er 1873 an das Bischöfliche Konvikt in Hadamar, wo er sein Abitur ablegte. Zum Studium der Philosophie und Theologie ging er an die Päpstliche Gregoriana nach Rom; dort wurde er sowohl zum Doktor der Philosophie (1880) als auch der Theologie (1884) promoviert. Nachdem er am 28, Oktober 1883 in Rom zum Priester geweiht worden war, kehrte er nach Limburg zurück, wo er für kurze Zeit als Geheimsekretär des Limburger Bischofs Peterjosef Blum (1808-1884) tätig war. Nach dessen Tod für kurze Zeit Kaplan an der Frankfurter Dompfarrei, wurde er mit der Ernennung von Johann Christian Roos (1828-1896) zum neuen Bischof von Limburg wiederum Bischöflicher Kaplan. Ein gutes Jahr später, am 2. Juni 1886, als Roos zum Erzbischof von Freiburg und Metropoliten der Oberrheinischen Kirchenprovinz gewählt wurde, ging auch Werthmann nach Freiburg, wo er neben seiner Tätigkeit als Erzbischöflicher Kaplan das Studium der Jurisprudenz und Volkswirtschaftslehre aufnahm. Um als Priester in die Erzdiözese Freiburg inkardiniert werden zu können, nahm er schließlich im Jahr 1888 die badische Staatsbürgerschaft an, was sehr zum Unwillen einiger hoher Geistlicher in Freiburg geschah, die den „cholerischen Preußen“, in dieser Zeit auch als „schwarzer Erzbischof“ bezeichnet, wegen seines tatsächlichen oder vermeintlichen Einflusses auf Roos nicht sehr schätzten.

Nachdem Werthmann bereits seit 1895 mit der Bildung eines »Charitas Comités“ beauftragt war und die Schriftleitung der Zeitung „Charitas“ übernommen hatte, wurde er nach dem Tod von Erzbischof Roos im Jahr 1900 von seinem Nachfolger, Erzbischof Thomas Nörber (1846-1920), als „Commissarius für charicative Angelegenheiten“ gänzlich für die Organisation der diözesanen Caritasarbeit freigestellt.“ (Ludwig Freibüter, Franz Hitze, in: UH, Bd. I, S.254ff.) Vor allem mit Hilfe der Zeitschrift sowie durch unermüdliches Werben für den Caritasgedanken bei den verschiedensten Konferenzen und Versammlungen der katholischen Vereine, ferner in Gesprächen mit ihm persönlich bekannt gewordenen Mitgliedern der Diözesanverwaltungen, arbeitete Werthmann nun gezielt auf eine alle Katholiken in Deutschland umfassende Caritasorganisation hin. Zu der mit den führenden Köpfen der Verbände „Arbeiterwohl“, Franz (1834-1914) und Max Brandts (1854-1905) sowie Bbr. Franz Hitze (1851-1921), „Volksverein“, ebenso Bbr. Franz Hitze und August Pieper (1866-1942), sowie „Seraphisches Liebeswerk“, P. Cyprian Fröhlich OFMCap (1853-1931), wiederholt beratenen und sorgfältig vorbereiteten Gründung des „Charitasverbands für das katholische Deutschland“ (1919 umbenannt in „Deutscher Caritasverband“) kam es schließlich am 9. November 1897 in Köln, wobei Lorenz Werthmann zu dessen erstem Vorsitzendem gewählt wurde. Sein Hang zu alleinverantwortlichem und eigensinnigem Handeln, seine ungestüme Art und seine schier unübersehbaren Aktivitäten führten allerdings dazu, dass die offizielle Anerkennung des Verbandes als Zusammenfassung und Repräsentant der organisierten Sozialarbeit der Katholischen Kirche in Deutschland durch Beschluss der Fuldaer Bischofskonferenz erst nach langem Zögern und intensiven Beratungen am 23. August 1916 erfolgte. Bereits 1898 hatte ihm der Unitas-Freiburg die Ehrenmitgliedschaft angetragen, wodurch er auch Ehremitglied des Unitas-Verbandes wurde. (GesV 1911, S.3, UH, Bd. I, S. 369).

Mit dem Ersten Weltkrieg kam es nicht nur zu einer Stagnation des weiteren Ausbaus des Verbandes sondern darüber hinaus auch zu einer Verlagerung des Aufgabenprofils, um dessen Bewältigung sich Werthmann mit großem persönlichen Einsatz kümmerte, So konnte im Jahr 1918 der Ausbau der Verbandslogistik mit der Eröffnung einer Hauptvertretung in Berlin fortgesetzt werden. Werthmann übernahm dabei zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben die Leitung, womit seine nun über zwanzig Jahre dauernde Arbeit im kirchlichen Sozialbereich auch neben einer umfassenden staatlichen und kommunalen Sozialpolitik endgültig konsolidiert werden konnte, Seine besondere persönliche Leistung bestand dabei weniger darin, neue Kräfte zu mobilisieren, als die bereits zahlreich vorhandenen Einrichtungen (Vinzenzvereine, Caritaskreise sowie die o.g. Verbände) organisatorisch zu bündeln und zu strukturieren. Dabei erkannte er, dass mit den vorhandenen personellen, sächlichen und ideellen Ressourcen viel mehr bewirkt werden konnte, wenn ihr Einsatz konzentriert, die Entstehung neuer Notwendigkeiten und Aufgaben planmäßig beobachtet, die praktische Arbeit an bestimmten sozialpädagogischen Konzepten ausgerichtet und die Übernahme von Aufgaben mit anderen Trägern insbesondere den öffentlichen, koordiniert würde. Auch gingen auf Werthmann die Strukturierung des Caritas-Verbandes sowie die Einrichtung der Zentrale zurück, welche erst die Voraussetzung für eine spezialisierte Kompetenz und ein der Eigenart der jeweiligen Not angemessenes Helfen bildete.

Neben der umfangreichen organisatorischen Arbeit, die Werthmann leistete, stand weiterhin auch seine ausgedehnte Öffentlichkeitsarbeit. So führte er die Schriftleitung der Zeitschrift „Caritas“ bis kurz vor seinem Tod, wobei er selbst fast 100 Beiträge verfasste. Außerdem begründete er weitere Periodika, so z.B. „Die christliche Frau“, das (auch heute noch bestehende) „Jahrbuch des Caritasverbandes“ sowie die jetzt unter dem Namen „Jugendwohl“ und „Krankendienst“ erscheinenden Zeitschriften. Außerdem regte er eine Reihe von Broschüren und Kleinschriften mit allgemeinverständlichen Überblicken zu sozialpolitischen und fürsorgerischen Themen an. Ein weiteres zentrales Anliegen war hm die Zusammenführung und Bereitstellung allen caritasrelevanten Wissens, Außer durch die Zeitschrift „Caritas“ verfolgte er dieses Ziel durch die Anlage der Caritas-Bibliothek, die als Dokumentationszentrum möglichst vollständig alle Monographien, Nachschlagewerke und Zeitschriften zu Armen- und Krankenpflege sowie zur Sozialpolitik sammeln und als Auskunftsstelle fungieren sollte. Außerdem stellte Werthmann zur besseren fachlichen Qualifizierung der professionellen und ehrenamtlichen Helfer ein umfangreiches Kurs- und Schulungs-, später auch ein Lehrgangsprogramm auf. Ebenso wurde von ihm eine Caritasschule, in der hauptamtliche Mitarbeiter ein bis zwei Jahre lang auf ihren Einsatz vorbereitet werden sollten, geplant und tatkräftig vorbereitet, konnte dann aber wegen des Ersten Weltkriegs erst kurz vor seinem Tod zur Ausführung gebracht werden. Schließlich suchte er auch die begleitende wissenschaftliche Reflexion der von der Caritas bearbeiteten Nöte anzuregen. Um dem diakonischen Handeln in der praktischen Seelsorge von vornherein einen gewichtigen Stellenwert zu sichern, kämpfte er für die Einbeziehung der Caritasarbeit in die Lehrpläne des Theologiestudiums; an den Universitäten Münster und Freiburg wurden daraufhin caritaswissenschaftliche Lehraufträge eingerichtet. Zukunftsweisend für eine reflektierte Arbeit, gleichzeitig aber auch Für die kirchliche und sozialpolitische Standortbestimmung des Verbandes, war sein lnsistieren auf statistischer Erfassung und jährlicher Berichterstattung.

Eine schon früh vorhandene Organisationsgabe, unermüdlicher Fleiß, energischer Schaffensdrang und auch eine schonungslose Reisediplomatie müssen als „Geheimnis“ von Werthmanns Erfolg angesehen werden. Seine rhetorische und sprachliche Darstellungskraft, auf deren Übung und Vervollkommnung er schon seit seiner Studienzeit Wert legte und die auch in seinen PubIikationen in einem häufig stark appellativen, bisweilen emphatischen Duktus durchschlug, half ihm, andere für seine Sache zu gewinnen. Im internationalen Verkehr, der sich neben der Teilnahme an Fachkongressen vor allem auf die Organisation der Betreuung der Auslandsdeutschen bezog, kam ihm die Beherrschung mehrerer Fremdsprachen zugute. Das mit seiner Energie und seiner Entscheidungskraft gepaarte lebhafte Temperament und der Hang zu Ungeduld und cholerischer Reaktion brachten allerdings auch Reibungen und Konflikte mir sich.

Für seine großen Verdienste wurde Werthmann sowohl von kirchlicher als auch staatlicher Seite hoch ausgezeichnet. Nachdem er 1900 zum Päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) ernannt worden war, erfolgte 1913 die Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten sowie einige Wochen vor seinem Tod die Verleihung der höchsten Prälatenwürde, der des Apostolischen Protonotars. Von staatlicher Seite wurde vor allem sein Einsatz für die Kriegswohlfahrtspflege (Versorgung der Kriegsverwundeten, Betreuung Kriegsbeschädigter, Sorge für die Familien der Soldaten, die Hinterbliebenen, die Flüchtlinge, Unterbringung von Stadtkindern auf dem Land u.ä.) wahrend des Ersten Weltkriegs ausgezeichnet. 1920 verlieh ihm die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg die Ehrendoktorwürde.

Lorenz Werthmann starb am 10. April 1921 in Freiburg.


Hier zum ganzen Text aus der Verbandszeitschrift "unitas" 3/4 2008. 

 




Veröffentlicht am: 18:13:40 18.09.2008
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