Rundfunkansprache von Erzbischof Marx zum Caritas-Sonntag
 

München, 28. September 2008 (ok). „Armut in unserem reichen Land ist ein Skandal.” Dies sagte der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, in der Katholischen Morgenfeier des Bayerischen Rundfunks am Caritas-Sonntag, 28. September. Die zunehmende Armut vor allem von Kindern und jungen Menschen in den letzten Jahren bezeichnete er als eine der gravierenden Nöte in der Gesellschaft. Armut sei nicht nur eine Frage des Kontostands. Arme Menschen seien benachteiligt in Ernährung, Gesundheit, Wohnung, Bildung und in ihrer Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben.

 

Armut in einem reichen Land empfänden die betroffenen Menschen besonders beschämend, sagte der Erzbischof. Oft genug sei damit das Gefühl verbunden, nicht mithalten zu können, abgeschrieben und überflüssig zu sein. Für Kinder sei dieses Gefühl von Ausgeschlossensein und Beschämung besonders schmerzhaft. Deshalb trete die Kirche für eine gerechte Wirtschaftsordnung mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen ein. Sie scheue sich nicht, Missstände anzuprangern. Sie suche aber auch den Dialog mit der Politik und der Gesellschaft. Probleme im Bereich der Bildung, der Familien oder der Betreuung pflegebedürftiger Menschen brauchten Lösungen. „Im aktiven Dialog mit allen Kräften in der Gesellschaft können wir viel bewegen!“ sagte Marx wörtlich. Kirche und Caritas hätten die Aufgabe diese Bewegung anzustoßen.

 

Politisches Engagement sei zwar unverzichtbar, denn Armut dürfe nicht zum alleinigen Problem der betroffenen Menschen gemacht werden. Wer meine, mit 132 Euro im Monat könne man anständig leben, habe den Kontakt zur Realität des Lebens verloren. Die Kirche mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei „nah dran an den Menschen“. Sie wisse um deren Nöte und mache sich auch politisch für sie stark, aber eben nicht nur politisch. Armut habe ein Gesicht, das jeder sehen könne, wenn er nicht einfach wegschaue. Ihr politisches Engagement gegen Armut verbinde die Kirche und ihre Caritas mit dem tatkräftigen, helfenden Einsatz für die Armen und die von Armut bedrohten Menschen.

 

Neben einer konkreten materiellen Unterstützung sei vor allem professionelle soziale Beratung notwendig, so Marx. Die Caritas wolle diese Arbeit nicht bürokratisch gestalten, sondern mit der „Zuwendung des Herzens“, die Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus Caritas est – Gott ist die Liebe“ formuliert habe. Neben der Beratung sei vor allem die Befähigung wichtig. In vielen kreativen Initiativen wie etwa Ausbildungspatenschaften oder Hausaufgabenhilfe könnten gerade junge Menschen unterstützt werden, ihre Fähigkeiten zu entfalten und ein selbst bestimmtes Leben ohne Armut zu gestalten. Die Caritas mache sich die Haltung Jesu zu Eigen, der Menschen befähigt habe, ihre Gaben zu erkennen und zu nutzen.


Das Motto der Caritas-Aktion 2008 laute „Achten statt Ächten“. Damit mache die Caritas auf junge Menschen aufmerksam, die Schwierigkeiten haben, im Leben Fuß zu fassen. „Achten“ bedeute, die Betroffenen zu respektieren und den Blick auf ihre oft verborgenen Stärken zu richten. Im Einsatz der Kirche und der Caritas gegen Armut, Ausgrenzung und Benachteiligung gebe es viele ermutigende Erfolge. Neben guten Ideen, Kraft und Geduld und vielen engagierten Menschen, brauche die Caritas aber auch die nötigen finanziellen Mittel. Der Erzbischof bat für die Herbst-Caritassammlung um Spenden und versicherte, sie kämen bei der Caritas „vor Ort“ wie auch bei den Menschen „vor Ort“ an. Er danke für jede Spende herzlich, sagte der Erzbischof, denn damit mache sich jeder Spender „stark für starke Familien und für starke Kinder“. (ua)

Quelle: Erzbistum München und Freising

 

Rundfunkansprache von Erzbischof Marx im Wortlaut (PDF)




Veröffentlicht am: 22:30:41 28.09.2008
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse