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„Ich betrachte mei­nen Tod als Martyrium“ -

30. Oktober: Zum Todestag von Bbr. Pfr. Bernhard Schwentner

 

SCHWERIN / MÜNSTER / HAMBURG. Am 30. Oktober jährt sich sein Todestag zum 65. Mal, am 26. November 1949 vor genau 60 Jahren wurde die Urne mit seiner Asche in Neustrelitz beigesetzt. Bbr. Pfr. Bernhard Schwentner (Bild rechts), der sich während seines Studiums in Münster der UNITAS Frisia anschloss, ging seiner Ermordung durch die Nazis gefasst entgegen. Auf vielen Namenstagskalendern ist sein Todestag am 30. Oktober vermerkt, mehrere Straßen sind nach ihm benannt, so in Hamburg, Schwerin und an seinem letzten Wirkungsort Neustrelitz. Selbst in der damaligen DDR ließ man eine Denkmalsetzung zu: 1965 wurde neben der Neustrelitzer katholischen Kirche ein Denkmal mit seinem dornengekrönten Bronze-Porträt errichtet.

 

Wir dokumentieren im Folgenden das Lebensbild des Priesters, Autors, Juristen und standhaften Nazi-Gegners, das mit weiteren Portraits von während der Nazi-Herrschaft ermordeten Bundesbrüdern aus dem UNITAS-Verband aus der Feder von Lambert Stamer in der Verbandszeitschrift UNITAS erschien (unitas 2/2002).

 

 

Bbr. Pfarrer Dr. theol. Dr. iur. utr. Bernhard Schwentner

 

Bernhard Schwentner wurde am 28. September 1891 in Schwerin geboren, wo er auch die katholische Gemeindeschule und danach das Gymnasium Fridericianum besuchte. Nach dem Abitur studierte er Theologie und Philosophie in Münster, wo er sich auch dem W.K.St.V. UNITAS-Frisia anschloss. Am 7. März 1914 wurde er in Os­nabrück zum Priester geweiht, bevor er nach einer kurzen Tätigkeit als Hilfsgeistlicher an der Pfarrei St.-Marien in Hamburg Divisionspfarrer an verschiedenen Fronten des Ersten Weltkrieges wurde. Kurz nach dessen Ende promovierte er am 1. Dezember 1918 in Münster zum Doktor der Theologie, bevor er Schulvikar an der Pfarrei St. Ansgar (Kleiner Michel) in Hamburg wurde. Auf Wunsch seines Bischofs setzte er einige Jahre später seine Studien in Rom fort und wurde 1927 an der Päpstlichen Universität Gregoriana zum Doktor beider Rechte promoviert. In dieser Zeit entstanden zudem viele weitere kanonistische Schriften.

 

Im Jahr 1927 wurde Bundesbruder Bernhard Schwentner zum Pfarrer von Neustrelitz er­nannt, wobei die Seelsorge in der ehemaligen Residenzstadt und den umgebenden länd­lichen Gebieten vor allem die wenigen alteingesessenen Katholiken, polnische Saisonar­beiter und später die aus Westdeutschland evakuierten Katholiken umfasste. In Neustrelitz erlebte Schwentner nach seinem Amtsantritt nur einige unbeschwerte Jahre, bevor er sich der Nazi-Diktatur stellen musste. Eine in Berlin am 5. November 1943 aufgesetzte „Mel­dung wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse“ trug dabei den Wortlaut: „Die Stapoleitstelle Schwerin hat am 21. Oktober 1943 den katholischen Pfarrer Bernhard Heinrich Maria Schwentner (geb. am 28.9.91 zu Schwerin, wohnhaft in Neustrelitz) wegen staatsfeindli­cher Äußerungen festgenommen und dem Gericht überstellt.“

 

Die Verhaftung Schwent­ners erfolgte aufgrund einer Mitteilung eines Werkprüfers und Monteurs in der Luftwaffen­erprobungsstelle Rechlin, der zugleich Sturmführer im SS-Fliegerkoprs war und den Pfar­rer am Abend des 11. August 1943 aufsuchte, um angeblich aus der Kirche auszutreten. Wie später zu erfahren war, hatte sich der Besucher Notizen über das Gespräch ge­macht, denn „der Pfarrer habe unglaubliche gehässige politische Bemerkungen von sich gegeben, die man als Deutscher nicht hinnehmen dürfe“, weshalb er sich verpflichtet ge­fühlt hat, „den Pfarrer als Volksschädling anzuzeigen.“

 

Der Denunziation und Verhaftung folgten Wochen in den Kerkern der Gefängnisse Altstrelitz und später Berlin-Moabit. In einem Brief an seine Pfarrgemeinde sah Bundesbruder Bernhard Schwentner dem kom­menden Martyrium entgegen: „Gestern erhielt ich die Vorladung zur Hauptverhandlung am 20. Juni. Den Verteidiger habe ich noch nicht gesprochen. Wenn seitens des Denun­zianten keine Schurkerei vorliegt, dann liegt die Schuld in dem Gegensatz der Welten. Man wirft mir vor, politisch gesprochen zu haben. In Wirklichkeit habe ich religiös gespro­chen. Aber der Gegenseite fehlt dafür der Sinn. Sie fasst alles politisch auf. Mit dem Hei­land bete ich: Vater, vergib ihm, er weiß nicht, was er getan hat! Wenn Sie diesen Brief erhalten, bin ich nicht mehr auf Erden. Man möge mich nicht beweinen. Ich betrachte mei­nen Tod als Martyrium, und so mögen es auch Haus, Heim und Pfarrei auffassen. Bedin­gungslos habe ich meinen Willen dem Göttlichen untergeordnet. Der Gemeinde meine letzten Grüße und Wünsche. Sie möge stark im Glauben bleiben. Sie möge für mich be­ten und gut von mir denken. Ich habe nichts Unrechtes getan. Auf Wiedersehen in einer anderen, besseren Welt! Euer Pfarrer.“

 

Am 15. September 1944 stand Bernhard Schwentner vor dem Volksgerichtshof um das Todesurteil entgegenzunehmen. Die Anklage entwarf das Bild eines „falschen Priesters, der kein Vaterland kennt“ und unter dem Vorwand, der Nationalsozialismus bedrohe das Christentum, eine verschlagene Zersetzungspropaganda gegen das nationalsozialistische Großdeutschland betreibt. In Wirklichkeit gehe es ihm und seinesgleichen um die Durch­setzung eigenen machtpolitischen Strebens mit dem Ziel, die nationalsozialistische Füh­rung zu stürzen, ganz gleich, um welchen Preis, und sei es den einer deutschen Nieder­lage. Der Ankläger operierte dabei immer wieder mit den Schlagworten der antikirchlichen Propaganda und den Behauptungen, die Kirche sei durch ihre ganze Geschichte hindurch nichts anderes als machtgierig gewesen und das im gesamten internationalen Bereich. Er biss sich dabei besonders an einer Aussage Bernhard Schwentners fest, nach der „bald eine Zeit kommen werde, in der die Kirche wieder mehr zu sagen haben würde.“ Daraus leitete schließlich der Vorsitzende eine Assoziationskette ab, die in eine Anklage auf Wehrkraftzersetzung mündete: „Bevor die Kirche wieder mehr zu sagen haben würde, müssten nach Ihrer Meinung die Nationalsozialisten verschwunden sein. Dazu müsste der Krieg verloren gehen. Dieses aber ist todeswürdig.“

 

Pfarrer Bernhard Schwentner nahm das Todesurteil ruhig und gefasst entgegen. Niemand durfte als Entlastungszeuge auftreten, kein Leumundszeugnis aus den 17 Neustrelitzer Jahren brachte irgendeinen Vorteil. Die Interventionen seines Bischofs wie auch des Kom­missariats der Fuldaer Bischofskonferenz, die beim Reichssicherheitshauptamt in Berlin ein Gnadengesuch stellten, blieben ohne Antwort. Eine halbe Stunde vor seiner Hinrich­tung wurde Bundesbruder Schwentner über die bevorstehende Vollstreckung des Urteils informiert. Ein letztes Mal empfing er daraufhin die Hl. Kommunion, dann schrieb er in sein Brevier: „Dr. Bernhard Schwentner, Pfarrer von Neustrelitz, geb.: 20. [richtig 28.] 9. 1892 in Schwerin, gestorben am 30.10.1944 in Brandenburg um 12.30 Uhr. Ich sterbe ruhig und gefasst. Gruß in Christus.“ Die Urne mit seiner Asche wurde am 26. Novem­ber 1949 vor der Neustrelitzer Kirche im Zusammenhang mit der Einweihung einer Ge­denkstätte beigesetzt. Neben dem Eingang der Kirche befindet sich heute ein aus Back­stein gemauerter Altar mit einem hohen Kreuz. Eine weiße Marmorplatte trägt die In­schrift: „Ruhestätte des von den Nationalsozialisten ermordeten Pfarrers Dr. D. Bernhard Schwentner. Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen.“

 

Literatur: K.H. Jahnke, Widerstand und Opposition gegen das NS-Regime aus den Kirchen in Mecklenburg 1933-1945 (Rostock 1994) 22f. und R. Krüger - H. Moll, Pfarrer Dr. Dr. Bernhard Schwentner, in: H. Moll (Hrsg.), Zeugen für Christus. Bd. 1 (Paderborn u.a. 1999) 257-259.

 

Ein weiteres ausführliches Portrait gibt die Gemeinde St. Anna in Schwerin, über sein Leben berichtet auch die St.Ansgar-Gemeinde in Hamburg (Kleiner Michel).




Veröffentlicht am: 14:51:57 30.10.2009
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