Aktuelles > Neuigkeiten > Tagebücher von Bbr. Prälat Dr. Heinrich Portmann entdeckt

MÜNSTER, 5. November 2009. Aus dem Nachlass des bischöflichen Sekretärs von Kardinal Clemens August von Galen (1878-1946), Bbr. Dr. Heinrich Portmann (1905-1961, Ehrensenior der UNITAS Ruhrania), ist ein Brevier des früheren Bischofs von Münster wiederentdeckt worden. Das Brevier, das die Texte für die Feier des Stundengebets der Katholischen Kirche enthält, nutzte Bischof Graf von Galen in den letzten Kriegsjahren. Margret Kreienbaum und Frido Portmann, Nichte und Neffe von Heinrich Portmann, übergaben das Stundenbuch am Donnerstag, 5. November 2009, im Bischofshaus am Domplatz an Bischof Dr. Felix Genn.

Tagebücher von Bbr. Portmann wiederentdeckt

Bei dieser Gelegenheit berichtete die Historikerin Ingrid Lueb von weiteren Entdeckungen aus dem Nachlass von Bbr. Portmann (Bild links). Dazu gehören die lange als verschollen gegoltenen acht (von neun) wiederentdeckten „Tagebücher des bischöflichen Sekretärs“. Sie umfassen die Jahre von 1939 bis 1950. Bbr. Prälat Heinrich Portmann (1905-1961) war zuletzt Vizeoffizial, also stellvertretender Leiter des Diözesangerichts in Münster. Acht Jahre lang, bis zum Tod des Kardinals im Frühjahr 1946, erlebte er Bischof von Galen als sein Privatsekretär aus unmittelbarer Nähe. Seine persönlichen Notizen aus dieser Zeit legte er in neun Tagebüchern nieder.

Der Nachlass Portmanns gelangte 1961 nach Bockum-Hövel in den Besitz der Familie. Erst im Zusammenhang der Seligsprechung 2005 begann die Vechtaer Historikerin Ingrid Lueb mit der Auswertung des gesamten Portmann-Nachlasses. Eine Tagebuch-Kladde war nicht mehr auffindbar, eine weitere fand sich 2008 wieder. Somit liegen aktuell 558 Einträge unterschiedlicher Länge vor, niedergeschrieben auf 810 Seiten und weiteren losen Einlagen. Das Tagebuch der Zeit von Februar 1944 bis März 1945 fehlt.


Derzeit bereitet die Expertin die Edition der Portmann-Tagebücher vor. Zwar müsse die Geschichte des in Dinklage (Oldenburg) geborenen Bischofs Clemens August nun nicht umgeschrieben werden, betonte Lueb am Donnerstag vor Journalisten, doch werde „das Koordinatensystem von Zeit und Person Galens dichter“. Zu den Schwarz-weiß-Tönen kämen die für eine differenzierte Sicht unerlässlichen „Grautöne in allen Stufen“, erläuterte sie. Spannend auch für die UNITAS Ruhrania wäre allemal, sollten in dem Tagebuch zum Leben des Vereins Nachrichten verzeichnet sein: Er war nach dem Verbot des UNITAS-Verbandes 1938 in den Untergrund gegangen (-> Vereinsgeschichte: In Frontstellung zum Hitlerismus), bestand aber während des Krieges lange Zeit weiter und wurde am 5. Februar 1950 offiziell wiederbegründet. (-> Vereinsgeschichte 1950-1990)

Der Dialogverlag in Münster hat die Portmann-Tagebücher inzwischen in sein Verlagsprogramm aufgenommen und plant für das übernächste Jahr eine Buchveröffentlichung. 2011 jähren sich die drei berühmten Galenschen Sommerpredigten von 1941 in Lamberti und Überwasser zum 70. Mal. Der im Jahr des 50. Todestages von Bbr. Portmann erscheinende Band soll auch zahlreiche Fotos aus dem Nachlass aufnehmen, die bisher noch unveröffentlicht sind. Nach der wissenschaftlichen Auswertung werden die Tagebücher Heinrich Portmanns dem Bistumsarchiv in Münster übereignet.


Portmann-Biografie prägte Bild des Kardinals 

Kardinal Clemens August von Galen stellte sich den Nationalsozialisten entgegen und ging als „Löwe von Münster“ in die Geschichte des Widerstands gegen Hitler ein. Offen klagte er Anfang der 1940-er Jahre die Ermordung von Behinderten durch das NS-Regime an. Als enger Wegbegleiter des 2005 seliggesprochenen Bekennerbischofs legte Bbr. Heinrich Portmann 1946 bereits eine erste Schrift (Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht, Münster/Westfalen) vor. 1948 erschien seine 323-seitige Biographie Kardinal von Galens, die zahlreiche Neuauflagen erfuhr. 20 Jahre lang war sie vergriffen, bis vor der Seligsprechung des Kardinals 2005 das von seinem bischöflichen Kaplan geschriebene „Lebensbild“ als Taschenbuch in einer Sonderauflage des Verlags Aschendorff in Münster wieder neu aufgelegt wurde (Kardinal von Galen. Ein Gottesmann in seiner Zeit. 328 Seiten. Verlag Aschendorff, Münster. 12,80 Euro).

Der Charme seines Klassikers innerhalb der inzwischen sehr reichhaltigen Galenschen Sekundärliteratur liegt darin, dass der Autor Bischof von Galen aus unmittelbarem persönlichem Erleben heraus wahrnahm und so ein profiliertes Bild zeichnen konnte. Msgr. Dr. iur. can. Heinrich Portmann war lange Zeit und bis zuletzt als Bischöflicher Kaplan der „Schatten“ des Münsteraner Bischofs. So bat Kardinal von Galen Bbr. Portmann am Abend vor seinem Tod: „Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, dann musst Du aber kommen; ich möchte dann nicht gern alleine sein.“ Die eine oder andere „hagiographische“ Würdigung, wie Rudolf Morsey es einmal nannte, nimmt man angesichts der Authentizität der Portmannschen Diktion gerne in Kauf. (s. Meldung v. 13.03.2005: Neuauflage: Bbr. Portmanns Biographie von Kardinal von Galen)

 

Bbr. Heinrich Portmann:

Der Schatten des Kardinals

 

Die erneute Veröffentlichung seiner Galen-Biographie vor vier Jahren warf auch ein neues Licht auf Portmann selbst, dessen Geburtstag sich 2005 zum 100. Mal jährte. Der Sohn eines Maurers, am 5. Oktober 1905 in Hamm-Bockum-Hövel geboren, besuchte das Gymnasium in Hamm, schloss sich während des Studiums in Freiburg der dortigen UNITAS an. An seinem zweiten Studienort Münster stieß er zur UNITAS Ruhrania, der er zeitlebens eng verbunden blieb – später lange Zeit als ihr Ehrensenior. Zum Priester geweiht am 19. Dezember 1931, wurde er am 30. 12. 1931 zum Kaplan an Herz-Jesu Emsdetten ernannt. 

Beim Empfang nach seiner Rückkehr aus Rom am 16. März 1946 in Münster wurde Kardinal von Galen von Bbr. Heinrich Portmann begleitet (im Bild rechts). Portmann gehörte zu dem kleinen Kreis, der zur feierlichen Kardinalserhebung nach Rom mitgefahren war. Zwei Jahre nach dem Tod des Kardinals schrieb Portmann die Biografie „Kardinal von Galen - Ein Gottesmann in seiner Zeit“.

Von 1934-37 ging Bbr. Pothmann zum Studium des Kirchenrechts nach Rom, wo er als Kaplan an der Anima tätig war. Nach Rückkehr aus Rom diente er bis zum 17.11.1938 als Hausgeistlicher am Deutschen Studentenwohnheim in Münster, übernahm zum 1.7.1938 das Amt des Defensor vinculi et Promotor iustitiae substitutus et subordinarius am Bischöflichen Offizialat in Münster, war vom 17.11.1938 - 14.4.1949 Bischöflicher Kaplan von Bischof August Clemens von Galen und von Bischof Michael Keller, ab dem 14.4.1949 Vizeoffizial am Diözesangericht Münster und wurde später zum Päpstlichen Ehrenkämmerer ernannt. Am 30. April 1961 starb er in Münster. 
 

Erstklassig besetzter Spielfilm zu Kardinal von Galen im Internet

 

„Nicht Lob, noch Furcht“ - Graf Galen, Bischof von Münster“, lautete der Titel eines Spielfilms, der am 6. September 1972 uraufgeführt wurde (Bundesrepublik Deutschland, Länge: 75 Min, Bundesrepublik Deutschland, Schwarzweiss, Produktion: Tellux Film GmbH, München). Unter der Regie von Paul May wurde das Drehbuch von Luise Rinser ins Bild gesetzt. Auf der Besetzungsliste der Hauptdarsteller erscheinen: Wolfgang Büttner (Bischof Graf Galen), Horst Michael Neutze (Sekretär Heinrich Portmann), Günther Jerschke (Vikar Rot), Manfred Reddemann (V-Mann), Hans Schellbach (Domprediger Adolf Donders) und andere.

 

Der Film zeichnet das Leben des Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster, in den Jahren von 1933 bis zu seinem Tode 1957 anhand der Forschungsergebnisse des Historikers Rudolf Morsey nach. Im Mittelpunkt steht seine Auseinandersetzung mit den Machthabern des Dritten Reiches: in den Monaten nach der Machtübernahme und des Konkordates, zur Zeit der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ und des Kriegsbeginns und – als Höhepunkt des Films - im Sommer 1941, als Clemens August seine berühmten Predigten hielt. Nach dem Krieg mahnte er die Besatzungsbehörden, den verkündeten Idealen der Siegermächte im Alltag Geltung zu verschaffen. Der Film entstand anlässlich des 25. Todestages des Kardinals und wurde z.T. an Originalschauplätzen in Münster, Telgte und Dinklage gedreht.

 

Unter den auftretenden Personen werden u.a. auch der Privatsekretär Bbr. Msgr. Heinrich Portmann (UNITAS Ruhrania) und der Dompropst und Domprediger Bbr. Prof. Dr. Adolf Donders (UNITAS Burgundia) dargestellt, nach dem das „Dondersheim“ der UNITAS-Vereine in Münster benannt ist.

 




Veröffentlicht am: 19:04:36 05.11.2009
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